Datensicherheit – Grundlagen, Maßnahmen und Übungsaufgaben Datensicherheit – Grundlagen, Maßnahmen und Übungsaufgaben Datensicherheit umfasst technische, organisatorische und personelle Maßnahmen, die Daten vor Verlust, unberechtigter Veränderung und unbefugtem Zugriff schützen. Dabei werden nicht nur personenbezogene Daten geschützt, sondern beispielsweise auch Konstruktionszeichnungen, Software, Konfigurationen und Geschäftsunterlagen. Abgrenzung wichtiger Begriffe Begriff Bedeutung Beispiel Datensicherheit Schutz von Daten unabhängig von ihrem Personenbezug Eine Konstruktionsdatei wird verschlüsselt und gesichert. Datenschutz Schutz von Menschen beim Umgang mit ihren personenbezogenen Daten Beschäftigtendaten dürfen nur für zulässige Zwecke verarbeitet werden. Informationssicherheit Schutz von Informationen in jeder Form Auch Papierakten und vertrauliche Gespräche werden geschützt. Datensicherung Erstellung wiederherstellbarer Sicherungskopien Ein Backup ermöglicht die Wiederherstellung gelöschter Dateien. Merksatz: Datensicherung ist eine Maßnahme der Datensicherheit. Schutzziele der Datensicherheit Die drei zentralen Schutzziele sind Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Die englischen Bezeichnungen ergeben die Abkürzung CIA: Confidentiality, Integrity und Availability. Schutzziel Bedeutung Verletzung des Schutzziels Geeignete Maßnahmen Vertraulichkeit Informationen sind nur für Berechtigte zugänglich. Ein Unbefugter liest Gehaltsabrechnungen. Verschlüsselung, Berechtigungen, MFA Integrität Daten bleiben korrekt und vollständig; unberechtigte Veränderungen werden verhindert oder erkannt. Eine Kontonummer auf einer Rechnung wird manipuliert. Änderungsrechte begrenzen, digitale Signaturen, geschützte Protokolle Verfügbarkeit Daten und Systeme sind bei Bedarf im vereinbarten Umfang nutzbar. Ein Serverausfall verhindert die Auftragsbearbeitung. Redundanz, Backups, USV, Wiederanlaufplanung Konkrete Umsetzung Vertraulichkeit: Ein Personalordner wird ausschließlich für die Personalabteilung freigegeben. Integrität: Eine heruntergeladene Datei wird mit einem über einen vertrauenswürdigen Weg bereitgestellten Hashwert verglichen. Verfügbarkeit: Ein zweiter Server übernimmt bei Ausfall des ersten Servers. Wichtige Unterschiede Verschlüsselung allein stellt keine Verfügbarkeit sicher. Ein verschlüsseltes, aber defektes Speichermedium kann weiterhin unlesbar sein. Ein einfacher Hashwert beweist nicht automatisch die Herkunft einer Datei. Kann ein Angreifer Datei und Vergleichswert ändern, reicht der Vergleich nicht aus. Für einen Herkunftsnachweis kommen beispielsweise digitale Signaturen infrage. Eckdaten zur Verfügbarkeit Verfügbarkeit wird häufig als Prozentwert angegeben: Verfügbarkeit = verfügbare Zeit ÷ betrachtete Gesamtzeit × 100 Verfügbarkeit Rechnerische Ausfallzeit pro Jahr 99 % ca. 87,6 Stunden 99,9 % ca. 8,76 Stunden 99,99 % ca. 52,6 Minuten Annahme: 365 Tage und durchgehender Betrieb. Welche Ausfälle und Wartungszeiten tatsächlich mitzählen, hängt von der vereinbarten Messweise ab. Übungsaufgabe Ordne die folgenden Fälle den Schutzzielen zu: Kundendaten werden öffentlich zugänglich. Ein Angreifer verändert Bestellmengen. Das Warenwirtschaftssystem ist zwei Stunden nicht erreichbar. Lösung anzeigen 1. Vertraulichkeit. 2. Integrität. 3. Verfügbarkeit. Ein Vorfall kann mehrere Schutzziele gleichzeitig betreffen. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) TOMs setzen Sicherheitsziele praktisch um. Technische Maßnahmen: beispielsweise Verschlüsselung, Firewall und automatische Datensicherung. Organisatorische Maßnahmen: beispielsweise Zuständigkeiten, Freigabeprozesse und Schulungen. Maßnahme Zweck Beispiel und Umsetzung Zutrittskontrolle Unberechtigte Personen aus Gebäuden oder Räumen fernhalten Serverraum abschließen, persönliche Schlüsselkarten vergeben, Besucher begleiten Zugangskontrolle Unberechtigte Nutzung eines Systems verhindern Persönliche Benutzerkonten, MFA und automatische Bildschirmsperre einsetzen Zugriffskontrolle Erlaubte Aktionen auf bestimmte Daten beschränken Einer Gruppe Leserechte geben, Schreib- und Löschrechte nur zuständigen Personen erlauben Weitergabekontrolle Übertragung und Weitergabe von Daten absichern TLS verwenden, Empfänger prüfen und Freigabelinks zeitlich begrenzen Eingabekontrolle Eingaben, Änderungen und Löschungen nachvollziehbar machen Benutzer, Zeitpunkt und Aktion in geschützten Protokollen erfassen Auftragskontrolle Verarbeitung entsprechend festgelegten Vorgaben sicherstellen Aufgaben und zulässige Verarbeitung eines Dienstleisters festlegen und kontrollieren Verfügbarkeitskontrolle Daten und Dienste gegen Ausfall und Verlust absichern Backups, Ersatzsysteme und Wiederherstellungstests einrichten Trennung von Daten Unterschiedliche Zwecke oder Mandanten voneinander abgrenzen Getrennte Datenbanken, Mandantenbereiche und Berechtigungen verwenden Zutritt, Zugang und Zugriff unterscheiden Frage Zugehörige Kontrolle Darf die Person den Serverraum betreten? Zutrittskontrolle Darf sie sich am Server anmelden? Zugangskontrolle Darf sie die Personaldatei öffnen oder verändern? Zugriffskontrolle Merksatz: Zutritt zum Raum – Zugang zum System – Zugriff auf Daten. Beispiel für das Zusammenspiel Ein Administrator darf den Serverraum betreten und sich an einem Wartungssystem anmelden. Daraus folgt nicht automatisch, dass er sämtliche fachlichen Daten lesen dürfen soll. Berechtigungen müssen passend zur Aufgabe gestaltet werden. Übungsaufgabe Ordne die Maßnahmen zu: Anmeldung mit Passwort und Sicherheitsschlüssel. Zugang zum Rechenzentrum über eine Schlüsselkarte. Eine Mitarbeiterin darf Rechnungen lesen, aber nicht löschen. Änderungen an Kundenadressen werden protokolliert. Produktivdaten und Testdaten werden getrennt gespeichert. Lösung anzeigen 1. Zugangskontrolle. 2. Zutrittskontrolle. 3. Zugriffskontrolle. 4. Eingabekontrolle. 5. Trennung von Daten. Bedrohungsszenarien und Gegenmaßnahmen SQL-Injection Bei SQL-Injection beeinflussen manipulierte Eingaben eine Datenbankabfrage. Das kann passieren, wenn eine Anwendung Eingaben unmittelbar mit SQL-Befehlstext zusammensetzt. Beispiel: Ein Suchfeld verarbeitet eine Eingabe als Bestandteil der SQL-Syntax statt ausschließlich als Suchwert. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Prepared Statements beziehungsweise parametrisierte Abfragen verwenden. Benutzereingaben getrennt von der SQL-Befehlsstruktur übergeben. Datentypen, Wertebereiche und zulässige Auswahlwerte prüfen. Dem Datenbankkonto der Anwendung nur erforderliche Rechte geben. Unterschied: Eingabevalidierung prüft, ob ein Wert zulässig ist. Parametrisierung verhindert, dass ein übergebener Wert die vorgesehene SQL-Struktur verändert. Validierung ersetzt keine Parametrisierung. Cross-Site Scripting (XSS) Bei XSS werden fremde Inhalte so in eine Webseite eingebunden, dass der Browser sie als ausführbaren Code verarbeitet. Beispiel: Ein Kommentar wird ungeprüft als HTML ausgegeben und führt unerwünschte Aktionen im Browser anderer Besucher aus. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Ausgaben passend zum jeweiligen Kontext kodieren. Sichere Ausgabefunktionen des verwendeten Frameworks nutzen. Falls HTML ausdrücklich erlaubt sein soll, eine geeignete HTML-Bereinigung verwenden. Unsichere direkte HTML-Einfügungen vermeiden. Eine Content Security Policy als zusätzliche Schutzschicht einsetzen. Unterschied zu SQL-Injection: SQL-Injection betrifft Datenbankabfragen. XSS betrifft die Verarbeitung von Inhalten im Browser. Phishing Phishing täuscht eine vertrauenswürdige Nachricht, Person oder Website vor, um beispielsweise Zugangsdaten zu erlangen. Beispiel: Eine E-Mail behauptet, das Firmenkonto werde gesperrt. Der enthaltene Link führt zu einer gefälschten Anmeldung. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Anmeldeseiten über bekannte Adressen oder gespeicherte Lesezeichen aufrufen. Absender, Zieladresse und ungewöhnliche Aufforderungen prüfen. Verdächtige Nachrichten über einen festgelegten Meldeweg melden. Spamfilter und Schulungen einsetzen. MFA aktivieren; möglichst phishingresistente Verfahren wie FIDO2-Sicherheitsschlüssel nutzen. Wichtig: Ein HTTPS-Schloss beweist nicht, dass eine Website seriös ist. Auch eine Phishing-Seite kann eine verschlüsselte Verbindung anbieten. Malware Malware ist der Oberbegriff für Schadsoftware. Art Kennzeichen Beispiel Virus Verbreitet sich durch Infektion anderer Dateien oder Programme Eine infizierte Programmdatei verändert weitere Dateien. Trojaner Tarnt sich als legitime oder nützliche Software Ein angebliches Hilfsprogramm installiert eine Hintertür. Ransomware Sperrt oder verschlüsselt Daten zur Erpressung; häufig zusätzlich Datendiebstahl Projektdateien werden unbrauchbar und ein Lösegeld wird verlangt. Diese Kategorien können sich überschneiden. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Betriebssystem und Anwendungen aktuell halten. Virenschutz beziehungsweise geeigneten Endgeräteschutz einsetzen. Im Alltag ohne Administratorrechte arbeiten. Software aus vertrauenswürdigen Quellen beziehen. Makros und ausführbare Anhänge kontrollieren. Getrennte oder unveränderbare Backups vorhalten und Wiederherstellungen testen. Brute-Force Bei Brute-Force werden viele mögliche Passwörter automatisiert ausprobiert. Beispiel: Ein Angreifer versucht wiederholt verschiedene Kennwörter an einer Anmeldung. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Lange, einzigartige Passwörter und einen Passwortmanager verwenden. Anmeldeversuche begrenzen oder verzögern. MFA einsetzen. Auffällige Fehlversuche überwachen. Kontosperren sorgfältig gestalten, damit Angreifer nicht gezielt alle Benutzer aussperren können. Abgrenzung: Beim Credential Stuffing werden bereits gestohlene Zugangsdaten anderer Dienste ausprobiert. Einzigartige Passwörter begrenzen dieses Risiko. Man-in-the-Middle Ein Angreifer befindet sich zwischen Kommunikationspartnern und versucht, Daten mitzulesen oder zu verändern. Beispiel: In einem manipulierten Netzwerk wird eine ungeschützte Verbindung abgefangen. Gegenmaßnahmen und Umsetzung HTTPS beziehungsweise TLS mit korrekter Zertifikatsprüfung verwenden. Zertifikatswarnungen nicht ignorieren. Für administrative Verbindungen sichere Protokolle wie SSH einsetzen. Bei Bedarf einen vertrauenswürdigen VPN-Zugang nutzen. Unterschied: Verschlüsselung schützt den Inhalt. Die Authentisierung des Kommunikationspartners hilft sicherzustellen, dass mit dem richtigen Gegenüber kommuniziert wird. Social Engineering Social Engineering manipuliert Menschen, damit sie Sicherheitsregeln umgehen. Beispiel: Ein angeblicher Vorgesetzter verlangt unter Zeitdruck die Herausgabe eines Einmalcodes. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Anfragen über bekannte, unabhängige Kontaktwege überprüfen. Keine Passwörter oder Anmeldecodes weitergeben. Klare Freigabeverfahren festlegen. Beschäftigte anhand realistischer Situationen schulen. Abgrenzung: Phishing ist eine Form von Social Engineering. Social Engineering kann auch telefonisch oder persönlich stattfinden. Datenverlust Datenverlust entsteht beispielsweise durch Defekte, Bedienfehler, Angriffe oder Schäden am Standort. Beispiel: Ein Mitarbeiter löscht versehentlich einen Projektordner. Gegenmaßnahmen und Umsetzung Regelmäßige, versionierte Backups erstellen. Sicherungskopien räumlich und technisch trennen. Wiederherstellungen testen. Redundanz gegen bestimmte Hardwareausfälle einsetzen. Wichtig: RAID und Cloud-Synchronisation ersetzen nicht automatisch ein Backup. DDoS Distributed Denial of Service bedeutet, dass viele verteilte Quellen einen Dienst oder seine Anbindung überlasten. Beispiel: Ein Onlineshop ist durch massenhafte Anfragen nicht mehr erreichbar. Gegenmaßnahmen und Umsetzung DDoS-Schutz beim Provider oder einem vorgeschalteten Dienst nutzen. Angriffsverkehr möglichst vor der eigenen Anbindung filtern. Anfragen angemessen begrenzen. Lastverteilung und ausreichende Kapazität einplanen. Einen abgestimmten Notfallablauf vorbereiten. Unterschied: Load Balancing verteilt Last. Es kann eine bereits überlastete Internetanbindung allein nicht entlasten. Übungsaufgaben zu den Bedrohungen Ordne jedem Fall eine Bedrohung und eine passende Gegenmaßnahme zu: Ein Suchfeld verändert unbeabsichtigt die Struktur einer Datenbankabfrage. Ein Kommentar führt Code im Browser anderer Benutzer aus. Eine gefälschte Kontowarnung fordert zur Anmeldung auf. Ein angebliches Gratisprogramm verschlüsselt Dateien. Eine Anmeldung erhält Tausende Passwortversuche. Eine unverschlüsselte Verbindung wird mitgelesen. Ein angeblicher Supportmitarbeiter verlangt telefonisch einen Anmeldecode. Ein Projektordner wird versehentlich gelöscht. Viele verteilte Systeme überlasten einen Webdienst. Lösungen anzeigen 1. SQL-Injection → parametrisierte Abfragen. 2. XSS → kontextgerechte Ausgabekodierung. 3. Phishing → bekannte Anmeldewege nutzen, MFA und Schulungen. 4. Malware; hier Trojaner-Verteilung und Ransomware-Wirkung → vertrauenswürdige Softwarequellen, Endgeräteschutz und geschützte Backups. 5. Brute-Force → Rate-Limiting, starke Passwörter und MFA. 6. Man-in-the-Middle beziehungsweise Abhören → TLS mit Zertifikatsprüfung. 7. Social Engineering → unabhängige Identitätsprüfung, keine Codes weitergeben. 8. Datenverlust → Wiederherstellung aus einem geeigneten Backup. 9. DDoS → vorgeschalteter DDoS-Schutz und Filterung. Authentifizierung und Autorisierung Begriff Leitfrage Beispiel Authentifizierung Wer bist du? Ein Benutzer weist seine Identität durch ein Anmeldeverfahren nach. Autorisierung Was darfst du? Das System prüft, ob dieser Benutzer einen bestimmten Datensatz ändern darf. Ein Benutzername benennt zunächst eine Identität. Erst die Prüfung eines geeigneten Nachweises authentifiziert sie. Praktische Umsetzung Benutzer meldet sich mit seinem persönlichen Konto an. Das System prüft die erforderlichen Authentifizierungsnachweise. Bei einer angeforderten Aktion werden die passenden Berechtigungen geprüft. Nicht erlaubte Aktionen werden abgewiesen. Übungsaufgabe Eine Mitarbeiterin kann sich anmelden, erhält beim Öffnen eines Personalordners aber „Zugriff verweigert“. Welche Prüfung war erfolgreich, welche Berechtigung fehlt? Lösung anzeigen Die Authentifizierung war erfolgreich. Die Autorisierung für den Personalordner fehlt. Ein erfolgreicher Login erlaubt nicht automatisch den Zugriff auf alle Ressourcen. Authentifizierungsfaktoren Faktor Bedeutung Beispiele Mögliche Schwäche Wissen Etwas, das man kennt Passwort, PIN Kann erraten, ausgespäht oder weitergegeben werden. Besitz Etwas, das man besitzt Sicherheitsschlüssel, Chipkarte, registriertes Smartphone Kann verloren gehen oder gestohlen werden. Sein Ein körperliches Merkmal Fingerabdruck, Gesichtserkennung Erkennung ist nicht fehlerfrei; Merkmale lassen sich nicht einfach austauschen. Mehrfaktor-Authentifizierung MFA kombiniert mindestens zwei unabhängige Faktoren unterschiedlicher Kategorien. Passwort und Sicherheitsschlüssel: Wissen und Besitz. Chipkarte und PIN: Besitz und Wissen. Zwei Passwörter: zweimal Wissen, deshalb keine echte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Ein Smartphone zählt nicht allein deshalb als Faktor, weil es vorhanden ist. Das Verfahren muss den Besitz beispielsweise über einen registrierten Schlüssel oder eine Authenticator-App nachweisen. Praktische Umsetzung MFA für wichtige Konten und administrative Zugänge aktivieren. Wiederherstellungsverfahren und Ersatzfaktoren planen. Wiederherstellungscodes geschützt aufbewahren. Anmeldebestätigungen nur für selbst gestartete Vorgänge freigeben. Übungsaufgabe Welche Kombinationen nutzen unterschiedliche Faktoren? Passwort und Sicherheitsfrage. Chipkarte und PIN. Passwort und Code einer registrierten Authenticator-App. Lösung anzeigen 1. Nein: beide Nachweise gehören zu Wissen. 2. Ja: Besitz und Wissen. 3. Ja: Wissen und Besitz, sofern das Verfahren entsprechend unabhängig und sicher umgesetzt ist. Autorisierung Autorisierung legt fest, welche Aktionen ein Benutzer auf welchen Ressourcen ausführen darf. Modell Funktionsweise Beispiel Besonderheit RBAC Rechte werden über Rollen vergeben. Die Rolle „Buchhaltung“ darf Rechnungen bearbeiten. Gut für stabile Zuständigkeiten. ABAC Regeln werten Eigenschaften von Benutzer, Ressource und Umgebung aus. Zugriff nur für die zuständige Abteilung von einem verwalteten Gerät. Flexibel, aber aufwendiger zu gestalten und zu prüfen. ACL Eine Liste an einer Ressource enthält Berechtigungen für Benutzer oder Gruppen. Gruppe „Projekt A“ darf einen Ordner lesen und ändern. Konkrete Rechte direkt am Objekt. RBAC, ABAC und ACL sind nicht immer Alternativen. Ein System kann Rollen über Gruppen abbilden und diese Gruppen in ACLs eintragen. Praktische Umsetzung Rollen anhand tatsächlicher Aufgaben definieren. Standardmäßig keinen Zugriff gewähren. Berechtigungen serverseitig für jede relevante Aktion prüfen. Gruppen statt zahlreicher individueller Ausnahmen verwenden. Rechtevergabe und Änderungen dokumentieren. Übungsaufgabe Ordne zu: Zugriff abhängig von Abteilung, Gerät und Schutzklasse. Zugriff entsprechend der Rolle „Einkauf“. Eine Ordnerliste erlaubt einer Gruppe Lesen und Schreiben. Lösung anzeigen 1. ABAC. 2. RBAC. 3. ACL. Wichtige Prinzipien der Rechtevergabe Prinzip Bedeutung Umsetzung Least Privilege Nur notwendige Rechte vergeben Für das Lesen eines Berichts keine Änderungs- oder Administratorrechte vergeben. Need-to-know Informationen nur bei fachlichem Bedarf zugänglich machen Beschäftigte sehen nur die für ihre Arbeit benötigten Kundendaten. Trennung von Aufgaben Kritische Schritte auf mehrere Personen verteilen Eine Person legt eine Zahlung an, eine andere genehmigt sie. Regelmäßige Rechteprüfung Überflüssige Berechtigungen erkennen und entziehen Rechte bei Abteilungswechsel, Projektende und Austritt überprüfen. Unterschied zwischen Least Privilege und Need-to-know Least Privilege betrifft den Umfang erlaubter Aktionen. Need-to-know betrifft den erforderlichen Zugang zu Informationen. Übungsaufgabe Ein Mitarbeiter wechselt vom Vertrieb in den Einkauf. Seine bisherigen Kundenexportrechte bleiben bestehen. Was ist zu tun? Lösung anzeigen Die Rechte anhand der neuen Aufgaben prüfen, nicht mehr benötigte Vertriebsrechte entfernen und nur erforderliche Einkaufsrechte vergeben. Der Wechsel muss einen geregelten Berechtigungsprozess auslösen. IT-Grundschutz des BSI Der IT-Grundschutz bietet eine systematische Vorgehensweise, um Informationssicherheit aufzubauen und zu verbessern. Typisches Vorgehen Geschäftsprozesse, Informationen und Systeme erfassen. Schutzbedarf bestimmen. Passende Anforderungen und Maßnahmen auswählen. Den vorhandenen Sicherheitsstand überprüfen. Lücken schließen und bei Bedarf Risiken vertieft analysieren. Umsetzung und Wirksamkeit regelmäßig überprüfen. Beispiel Für einen Dateiserver werden Datenbestände, Zugriffsrechte, Sicherungen, Stromversorgung und Verantwortlichkeiten untersucht. Fehlende Restore-Tests werden als Lücke erkannt und verbindlich eingeplant. Wichtige Eckdaten BSI-Standard Schwerpunkt 200-1 Managementsysteme für Informationssicherheit 200-2 IT-Grundschutz-Methodik 200-3 Risikoanalyse auf Basis von IT-Grundschutz Vorgehensweisen unterscheiden Basis-Absicherung: Einstieg mit grundlegender Absicherung in der Breite. Kern-Absicherung: Schwerpunkt auf besonders wichtigen Geschäftsprozessen und Werten. Standard-Absicherung: umfassende Anwendung der IT-Grundschutz-Methodik. Übungsaufgabe Ein Unternehmen kauft eine Firewall und erklärt anschließend seine Informationssicherheit für abgeschlossen. Was fehlt? Lösung anzeigen Es fehlen unter anderem eine systematische Bestandsaufnahme, die Schutzbedarfsbetrachtung, organisatorische Zuständigkeiten, weitere passende Maßnahmen und eine regelmäßige Wirksamkeitsprüfung. Ein einzelnes Produkt ersetzt kein Sicherheitsmanagement. Zertifizierungen und ISMS Ein ISMS ist ein Informationssicherheitsmanagementsystem. Es organisiert, wie Informationssicherheit geplant, umgesetzt, kontrolliert und verbessert wird. ISO/IEC 27001 legt Anforderungen an ein solches Managementsystem fest. Begriff Bedeutung ISMS Das tatsächlich betriebene Managementsystem der Organisation ISO/IEC 27001 Norm mit Anforderungen an ein ISMS Zertifizierung Unabhängige Prüfung der Normerfüllung innerhalb eines festgelegten Geltungsbereichs Typische Bestandteile eines ISMS Sicherheitsziele und Leitlinien. Verantwortlichkeiten. Risikobeurteilung und Behandlung von Risiken. Geregelte Sicherheitsmaßnahmen. Schulungen und dokumentierte Abläufe. Interne Überprüfungen und Managementbewertung. Kontinuierliche Verbesserung. Beispiel für kontinuierliche Verbesserung Planen: Unberechtigte Kontonutzung reduzieren. Umsetzen: MFA einführen und Benutzer schulen. Prüfen: Abdeckung und Vorfälle auswerten. Verbessern: Ausnahmen beseitigen und den Wiederherstellungsprozess nachbessern. Wichtige Unterschiede Ein ISMS kann auch ohne Zertifizierung betrieben werden. Eine Zertifizierung garantiert keine absolute Sicherheit und gilt nicht automatisch für alle Standorte, Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens. Übungsaufgabe Ein Dienstleister wirbt mit einer ISO-27001-Zertifizierung. Warum muss der Geltungsbereich geprüft werden? Lösung anzeigen Weil die tatsächlich genutzte Dienstleistung oder der betreffende Standort außerhalb des zertifizierten Bereichs liegen könnte. Entscheidend ist, welche Organisationseinheiten, Prozesse und Leistungen das Zertifikat umfasst. Härtung eines Betriebssystems Härtung reduziert die Angriffsfläche eines Systems durch eine gezielte sichere Konfiguration. Wichtige Maßnahmen Maßnahme Konkrete Umsetzung Zweck Nicht benötigte Dienste deaktivieren Einen ungenutzten Web- oder Dateifreigabedienst abschalten Weniger erreichbare Angriffspunkte Updates und Patch-Management Sicherheitsupdates bewerten, testen, verteilen und Installation kontrollieren Bekannte Schwachstellen schließen Benutzerrechte einschränken Standardkonto für den Alltag, separates Administratorkonto Auswirkungen von Fehlern und Angriffen begrenzen MFA einsetzen Administrative und externe Zugänge zusätzlich absichern Gestohlene Passwörter allein reichen nicht aus Firewall konfigurieren Nur erforderliche Verbindungen von zulässigen Quellen erlauben Unerwünschte Netzwerkzugriffe begrenzen Daten verschlüsseln Laufwerksverschlüsselung aktivieren und Wiederherstellungsschlüssel geschützt verwahren Daten bei Verlust eines Geräts schützen Unnötige Schnittstellen deaktivieren Nicht benötigtes Bluetooth oder nicht erforderliche externe Speicherschnittstellen beschränken Zusätzliche Angriffswege reduzieren Protokollierung und Monitoring Sicherheitsereignisse zentral erfassen und relevante Alarme bearbeiten Auffälligkeiten erkennen und untersuchen Sicherheitsrichtlinien durchsetzen Konfigurationen zentral verteilen und Abweichungen prüfen Einheitlichen Sicherheitsstand erhalten Wichtige Unterschiede Eine Firewall behebt keine Schwachstelle in einer erlaubten Anwendung. Verschlüsselung schützt nicht automatisch vor einem Angreifer, der bereits im entsperrten Benutzerkonto arbeitet. Protokollierung sammelt Ereignisse. Monitoring wertet sie aus und macht Auffälligkeiten erkennbar. Härtung ist eine laufende Aufgabe, weil Software und Anforderungen sich ändern. Übungsaufgabe Ein Bürorechner besitzt veraltete Software, einen unnötigen Fernzugriffsdienst und ein dauerhaft verwendetes Administratorkonto. Nenne drei Verbesserungen. Lösung anzeigen Software aktualisieren, den nicht benötigten Fernzugriffsdienst deaktivieren und ein Standardkonto für die tägliche Arbeit verwenden. Administrative Tätigkeiten erfolgen über einen getrennten, passend abgesicherten Zugang. Datensicherung Datensicherung, auch Backup genannt, erstellt zusätzliche Datenbestände, aus denen benötigte Informationen wiederhergestellt werden können. Beispiel: Nach versehentlichem Löschen einer Projektdatei wird deren vorheriger Stand aus einer Sicherung zurückgespielt. Ein Backup ist erst praktisch nützlich, wenn die Wiederherstellung funktioniert. Übungsaufgabe Ein Sicherungsprogramm meldet erfolgreiche Läufe. Wiederherstellungen wurden nie getestet. Ist die Wiederherstellbarkeit ausreichend nachgewiesen? Lösung anzeigen Nein. Ein erfolgreicher Sicherungslauf beweist nicht, dass sämtliche benötigten Daten vollständig, konsistent und rechtzeitig wiederhergestellt werden können. Dafür sind Restore-Tests erforderlich. Ziele der Datensicherung Daten nach Verlust oder Beschädigung wiederherstellen. Frühere Datenstände verfügbar halten. Betriebsunterbrechungen begrenzen. Wiederanlauf nach einem Vorfall ermöglichen. Wichtige Eckdaten Kennzahl Bedeutung Beispiel RPO – Recovery Point Objective Maximal tolerierbarer Datenverlust, als Zeitspanne ausgedrückt Höchstens eine Stunde an Änderungen darf verloren gehen. RTO – Recovery Time Objective Angestrebte maximal tolerierbare Zeit bis zur Wiederherstellung Ein Dienst soll innerhalb von vier Stunden wieder nutzbar sein. Unterschied: RPO fragt, wie viele neue Daten verloren gehen dürfen. RTO fragt, wie lange die Wiederherstellung dauern darf. Übungsaufgabe Ein System wird nur jede Nacht gesichert. Die Fachabteilung verlangt maximal eine Stunde Datenverlust. Passt das zusammen? Lösung anzeigen Nein. Eine ausschließlich tägliche Sicherung kann kurz vor dem nächsten Lauf fast einen Tag an Änderungen verlieren. Es ist ein häufigeres oder ergänzendes Sicherungsverfahren nötig, dessen tatsächlich erreichbare Wiederherstellungspunkte das RPO erfüllen. Ursachen für Datenverlust Ursache Beispiel Vorbeugung und Begrenzung Stromausfall Ein Schreibvorgang wird unterbrochen. USV, kontrolliertes Herunterfahren und Backups Hardwarefehler Eine Festplatte fällt aus. Geeignete Redundanz, Überwachung und Ersatzhardware Menschliches Versagen Ein Ordner wird gelöscht oder überschrieben. Begrenzte Rechte, Versionierung und Backups Böswilliger Angriff Ransomware verschlüsselt Daten. Härtung, MFA, Endgeräteschutz und getrennte Sicherungen Standortschaden Brand zerstört Server und lokale Sicherungen. Räumlich getrennte Sicherungskopien Übungsaufgabe Warum ist eine Sicherung auf einer zweiten Festplatte im gleichen Rechner allein unzureichend? Lösung anzeigen Beide Datenträger können durch denselben Angriff, Diebstahl, Brand oder elektrischen Schaden betroffen sein. Die zusätzliche Kopie deckt deshalb nicht alle relevanten Ausfallursachen ab. Anforderungen an Datensicherung Ein Sicherungskonzept legt fest: Welche Daten und Systeme gesichert werden. Wer verantwortlich ist. Wie häufig gesichert wird. Welche Verfahren und Medien verwendet werden. Wie lange Sicherungen aufbewahrt werden. Wie Sicherungen gegen unberechtigten Zugriff geschützt werden. Wo zusätzliche Kopien lagern. Wie Fehler erkannt und bearbeitet werden. Wie Wiederherstellungen durchgeführt und getestet werden. Planungsdaten Kriterium Leitfrage Datenmenge Wie groß ist der Bestand, und wie schnell wächst er? Änderungsmenge Wie viele Daten ändern sich zwischen Sicherungsläufen? Sicherungsfenster Wie viel Zeit steht für einen Lauf zur Verfügung? Übertragungsrate Wie schnell können Quelle, Netzwerk und Ziel tatsächlich arbeiten? Kosten Welche Ausgaben entstehen für Speicher, Lizenzen, Betrieb und Wiederherstellung? RPO und RTO Welche Datenverluste und Unterbrechungen sind tolerierbar? Aufbewahrung Welche Wiederherstellungspunkte werden wie lange benötigt? Übungsaufgabe 500 GB sollen mit effektiv 100 MB/s gesichert werden. Wie lange dauert die reine Datenübertragung ungefähr? Lösung anzeigen Bei dezimalen Einheiten: 500 GB = 500.000 MB. 500.000 MB ÷ 100 MB/s = 5.000 Sekunden = 83 Minuten und 20 Sekunden. Zusätzliche Zeit für Vorbereitung, Metadaten, Prüfung oder langsamere Einzeldateizugriffe ist dabei nicht enthalten. Backup-Medien Medium Vorteile Grenzen Geeigneter Einsatz Magnetband Gut offline lagerbar; bei großen Beständen wirtschaftlich möglich Bandlaufwerk erforderlich; sequenzieller Zugriff Große Sicherungsbestände und längerfristige Aufbewahrung Externe HDD Viel Kapazität zu vergleichsweise niedrigen Kosten Mechanisch empfindlich; angeschlossen für Angriffe erreichbar Rotierende lokale Sicherungsmedien Externe SSD Schneller Zugriff, keine beweglichen Teile Meist teurer pro Speichereinheit Mobile oder schnelle Sicherungs- und Wiederherstellungsaufgaben Cloud-Speicher Räumliche Trennung und skalierbarer Speicher möglich Abhängigkeit von Netzwerk, Anbieter, Kosten und Kontosicherheit Externe Sicherungskopie mit passendem Backup-Verfahren Praktische Umsetzung Externe Medien nach dem Sicherungslauf sicher trennen, sofern das Konzept Offline-Kopien vorsieht. Medien beschriften und Aufbewahrung dokumentieren. Sicherungen verschlüsseln und benötigte Schlüssel getrennt absichern. Cloud-Zugriffe mit geeigneten Berechtigungen und MFA schützen. Wiederherstellung auch aus extern gelagerten Kopien testen. Wichtig: Cloud-Speicher ist zunächst nur ein Speicherort. Ob daraus ein geeignetes Backup wird, hängt unter anderem von Versionierung, Aufbewahrung, Unveränderbarkeit und Wiederherstellbarkeit ab. Übungsaufgabe Ein Unternehmen besitzt eine schnelle lokale Sicherung, möchte aber auch gegen einen Brand am Standort geschützt sein. Welche Ergänzung ist sinnvoll? Lösung anzeigen Eine räumlich getrennte Kopie, beispielsweise in einem geeigneten Cloud-Backup oder auf extern gelagerten Sicherungsmedien. Zusätzlich müssen Zugriffsschutz, Aufbewahrung und Wiederherstellung geprüft werden. Backup-Arten Verfahren Gesicherte Daten Typischer Sicherungsaufwand Klassische Wiederherstellung Vollsicherung Alle ausgewählten Daten Vergleichsweise hoch Gewünschte Vollsicherung Inkrementelle Sicherung Änderungen seit der letzten Sicherung der Kette Meist gering je Lauf Vollsicherung und sämtliche benötigten Inkremente Differenzielle Sicherung Änderungen seit der letzten Vollsicherung Wächst bis zur nächsten Vollsicherung meist an Vollsicherung und gewünschte Differenzsicherung Die Angaben beschreiben klassische Verfahren. Moderne Sicherungsprodukte können intern zusätzliche Techniken verwenden. Beispiel Am Sonntag erfolgt eine Vollsicherung. Montag, Dienstag und Mittwoch werden Änderungssicherungen erstellt. Inkrementell: Mittwoch enthält nur Änderungen seit Dienstag. Differenziell: Mittwoch enthält alle Änderungen seit Sonntag. Übungsaufgabe Welche Sicherungen werden für den Stand Mittwochabend benötigt? Lösung anzeigen Inkrementell: Vollsicherung vom Sonntag sowie die Inkremente von Montag, Dienstag und Mittwoch. Differenziell: Vollsicherung vom Sonntag und Differenzsicherung vom Mittwoch. Rechenaufgabe Ein Vollbackup umfasst 100 GB. Danach kommen täglich 10 GB neue, unterschiedliche Daten hinzu. Wie viel wird Montag bis Mittwoch zusätzlich gesichert? Annahme: keine Kompression, Deduplizierung oder Löschung. Lösung anzeigen Inkrementell: 10 + 10 + 10 = 30 GB. Differenziell: 10 + 20 + 30 = 60 GB. Mit dem Vollbackup ergeben sich 130 GB beziehungsweise 160 GB. Backup-Prinzipien Großvater-Vater-Sohn-Prinzip Dieses Rotationsschema kombiniert mehrere zeitliche Aufbewahrungsstufen. Stufe Typisches Beispiel Sohn Tägliche Sicherungen Vater Wöchentliche Sicherungen Großvater Monatliche Sicherungen Die genaue Anzahl und Aufbewahrungsdauer legt das Unternehmen fest. Beispiel: Tägliche Sicherungen werden für kurzfristige Fehler benötigt, Monatsstände für ältere Wiederherstellungspunkte. 3-2-1-Regel 3 Kopien der Daten insgesamt, einschließlich der produktiven Daten. 2 unterschiedliche Medientypen. 1 Kopie außerhalb des Hauptstandorts. Beispiel: Produktivdaten auf SSD, lokale Sicherung auf HDD und eine weitere Kopie auf extern gelagertem Band. Offline oder unveränderbar aufbewahrte Kopien ergänzen den Schutz gegen Ransomware. Hot Backup und Cold Backup Verfahren Bedeutung Vorteil Herausforderung Hot Backup Sicherung während des laufenden Betriebs Dienst kann weiter genutzt werden. Ein konsistenter Datenstand muss durch das Verfahren sichergestellt werden. Cold Backup Anwendung oder Datenbank ist angehalten. Konsistenz ist leichter sicherzustellen. Geplante Unterbrechung erforderlich. Unterschied der Prinzipien Großvater-Vater-Sohn regelt die zeitlichen Aufbewahrungsstufen. Die 3-2-1-Regel betrifft Anzahl, Medien und Standort der Kopien. Hot und Cold beschreiben den Betriebszustand während der Sicherung. Übungsaufgaben Wofür ist ein älterer Monatsstand nützlich? Erfüllen drei Kopien auf derselben Festplatte die 3-2-1-Regel? Eine Datenbank muss während der Sicherung weiterarbeiten. Welches Verfahren passt? Lösungen anzeigen 1. Beispielsweise für einen Fehler, der erst nach mehreren Wochen entdeckt wird. 2. Nein. Es fehlen unabhängige Medien und die räumliche Trennung. 3. Ein geeignetes Hot-Backup-Verfahren, das einen konsistent wiederherstellbaren Datenstand erzeugt. Identifikation schützenswerter Daten Kategorie Beispiele Bewertung Maschinell wiederherstellbar oder wiederbeschaffbar Temporäre Dateien, reproduzierbare Build-Dateien, erneut herunterladbare Installationspakete Wiederbeschaffung ist möglich, kann aber Zeit und Aufwand verursachen. Unersetzlich oder nur mit hohem Aufwand rekonstruierbar Eigene Projektdokumente, Geschäftsvorgänge, individuelle Konfigurationen Hohe Priorität bei der Sicherungsplanung. Zusätzlich berücksichtigen Wie kritisch sind die Daten für den Betrieb? Wie schnell ändern sie sich? Wie lange dauert ihre Rekonstruktion? Welche Abhängigkeiten bestehen? Werden Schlüssel, Zertifikate oder Konfigurationen zur Wiederherstellung benötigt? Beispiel: Eine Anwendung lässt sich neu installieren. Ohne gesicherte Datenbank und Konfiguration ist sie trotzdem nicht wieder einsatzfähig. Übungsaufgabe Ordne die Sicherungspriorität ein: Ein erneut herunterladbares Installationspaket. Selbst erstellte Kundenangebote. Eine individuell aufgebaute Firewall-Konfiguration. Lösung anzeigen 1. Meist geringere Priorität, sofern Quelle und passende Version zuverlässig verfügbar bleiben. 2. Hohe Priorität, weil die Inhalte nicht einfach wiederbeschafft werden können. 3. Hohe Priorität, weil die Wiederherstellung ohne Konfiguration zeitaufwendig und fehleranfällig sein kann. Gegenmaßnahmen gegen Ausfall und Datenverlust Maßnahme Wirkung Grenze Redundante Systeme Übernehmen bei Ausfall einzelner Komponenten Können denselben Softwarefehler oder Angriff gemeinsam erleiden. Regelmäßige Backups Ermöglichen die Rückkehr zu gesicherten Datenständen Wiederherstellung kostet Zeit; Änderungen seit dem letzten geeigneten Stand können fehlen. USV Überbrückt begrenzte Stromausfälle und ermöglicht geordnetes Herunterfahren Laufzeit ist begrenzt; ersetzt kein Backup. Überspannungsschutz Begrenzt schädliche Spannungsspitzen Liefert bei einem Stromausfall keine Ersatzenergie. Firewall Kontrolliert Netzwerkverkehr anhand von Regeln Verhindert nicht jeden Angriff über erlaubte Verbindungen. Virenscanner beziehungsweise Endgeräteschutz Erkennt und blockiert bestimmte Schadsoftware oder verdächtiges Verhalten Erkennt nicht zwangsläufig jede neue oder angepasste Bedrohung. RAID und Backup unterscheiden RAID verbindet mehrere Laufwerke zu einem Speicherverbund. RAID 1 spiegelt Daten. Andere redundante RAID-Level können ebenfalls bestimmte Laufwerksausfälle abfangen. RAID 0 bietet keine Redundanz. Löschungen, unerwünschte Änderungen und Verschlüsselung durch Schadsoftware können auch den RAID-Datenbestand betreffen. Merksatz: RAID unterstützt die Verfügbarkeit bei bestimmten Hardwareausfällen. Backups ermöglichen die Wiederherstellung gesicherter Datenstände. Beispiel für kombinierte Maßnahmen Ein Dateiserver verwendet redundante Laufwerke, eine USV, eingeschränkte Zugriffsrechte und aktuelle Schutzsoftware. Zusätzlich werden versionierte Backups erstellt; eine Kopie ist getrennt aufbewahrt. Wiederherstellungen werden regelmäßig getestet. Übungsaufgabe Ein Dateiserver besitzt RAID 1 und eine USV, aber kein Backup. Ein Mitarbeiter überschreibt eine wichtige Datei. Helfen RAID und USV bei der Rückkehr zur vorherigen Version? Lösung anzeigen Nein. RAID 1 übernimmt auch die unerwünschte Änderung auf die Spiegelung. Die USV schützt gegen bestimmte Stromprobleme. Für den vorherigen Dateistand ist eine geeignete Versionierung oder Sicherung erforderlich. Zusammenhängende Prüfungsaufgabe Ein Unternehmen betreibt einen Dateiserver. Alle Mitarbeiter arbeiten mit Administratorrechten. Die einzige Sicherung liegt auf einer dauerhaft angeschlossenen USB-Festplatte im Serverraum. Wiederherstellungen wurden noch nie getestet. Ein Fernzugang ist nur mit Passwort abgesichert. Nenne mindestens sechs Verbesserungen und begründe sie. Musterlösung anzeigen Standardkonten verwenden: Das begrenzt die Auswirkungen von Fehlbedienung und Schadsoftware. Berechtigungen nach Aufgaben vergeben: Nicht jeder Beschäftigte benötigt Zugriff auf sämtliche Daten. MFA für den Fernzugang aktivieren: Ein gestohlenes Passwort allein soll nicht ausreichen. Eine räumlich getrennte Sicherung ergänzen: Ein Standortschaden darf nicht Original und sämtliche Kopien zerstören. Offline oder unveränderbare Sicherungen vorsehen: Angreifer sollen nicht alle Sicherungskopien verändern können. Restore-Tests durchführen: Wiederherstellbarkeit und benötigte Zeit müssen überprüft werden. RPO und RTO festlegen: Sicherungshäufigkeit und Wiederanlaufplanung sollen zu den betrieblichen Anforderungen passen. Updates, Härtung und Überwachung etablieren: Schwachstellen reduzieren und Auffälligkeiten erkennen. Kurzmerksatz Datensicherheit schützt Daten durch technische, organisatorische und personelle Maßnahmen vor Verlust, Manipulation und unbefugtem Zugriff. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick Begriffe Unterschied Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit Wer darf lesen? Sind die Daten korrekt? Sind sie bei Bedarf nutzbar? Zutritt, Zugang, Zugriff Raum, System, Daten beziehungsweise Aktionen Authentifizierung, Autorisierung Identität prüfen, Berechtigung prüfen RBAC, ABAC, ACL Rollen, Attribute, konkrete Zugriffslisten Least Privilege, Need-to-know Notwendige Rechte, notwendige Informationen SQL-Injection, XSS Datenbankabfrage, Browserausführung Phishing, Social Engineering Phishing ist eine spezielle Form menschlicher Manipulation. ISMS, ISO 27001, Zertifizierung Managementsystem, Anforderungsnorm, unabhängige Prüfung Voll, inkrementell, differenziell Alles, seit letzter Sicherung, seit letzter Vollsicherung Hot Backup, Cold Backup Laufender Betrieb, angehaltene Anwendung RPO, RTO Tolerierbarer Datenverlust, tolerierbare Wiederherstellungszeit RAID, Backup Ausfalltoleranz, Wiederherstellung von Datenständen USV, Überspannungsschutz Ersatzenergie auf Zeit, Begrenzung von Spannungsspitzen Synchronisation, Backup Abgleich von Beständen, gezielt wiederherstellbare Sicherung Quellen und Vertiefung Grundlage: der bereitgestellte Text aus FI-Wiki – Datensicherheit . Beispiele und Übungsaufgaben wurden ergänzend formuliert. OWASP – SQL Injection Prevention OWASP – Cross Site Scripting Prevention OWASP – Multifactor Authentication OWASP – Authorization ISO – ISO/IEC 27001 BSI – IT-Grundschutz-Methodik, Standard 200-2