Kapitel 8 – IHK-Aufgaben und Übersichten
- 8.1 ERM-Aufgaben lösen
- 8.2 SQL-Aufgaben lösen
- 8.3 JOIN-Übersicht
- 8.4 Normalformen-Übersicht
- 8.5 Häufige Verwechslungen
8.1 ERM-Aufgaben lösen
Definition
Bei ERM-Aufgaben wird aus einer Beschreibung ein Datenmodell erstellt.
Dabei werden Entitäten, Attribute, Beziehungen und Kardinalitäten bestimmt.
Vorgehen
| Schritt | Aufgabe |
|---|---|
| 1 | Entitäten erkennen |
| 2 | Attribute zuordnen |
| 3 | Primärschlüssel festlegen |
| 4 | Beziehungen bestimmen |
| 5 | Kardinalitäten eintragen |
| 6 | N:M-Beziehungen auflösen |
| 7 | Relationenmodell ableiten |
Typische Entitäten
Entitäten sind häufig Substantive im Aufgabentext.
Beispiele:
- Kunde
- Bestellung
- Artikel
- Rechnung
- Mitarbeiter
- Abteilung
Typische Beziehungen
Beziehungen ergeben sich häufig aus Verben im Aufgabentext.
Beispiele:
- Kunde gibt Bestellung auf
- Bestellung enthält Artikel
- Mitarbeiter gehört zu Abteilung
- Rechnung bezieht sich auf Bestellung
Kardinalitäten
| Aussage im Text | Typische Kardinalität |
|---|---|
| genau ein | 1 |
| mehrere | n |
| kann mehrere | n |
| gehört zu genau einem | 1 |
| enthält mehrere | n |
Merksatz
Substantive werden oft zu Entitäten.
Verben zeigen häufig Beziehungen.
Prüfungshinweis
In IHK-Aufgaben wird häufig ein Text vorgegeben, aus dem ein ERM oder Relationenmodell erstellt werden muss.
Typische Fehler:
- Attribute als Entitäten darstellen.
- Beziehungen vergessen.
- Kardinalitäten falsch bestimmen.
- N:M-Beziehungen nicht auflösen.
- Primär- und Fremdschlüssel nicht kennzeichnen.
Quellen
- IT-Handbuch für Fachinformatiker
8.2 SQL-Aufgaben lösen
Definition
Bei SQL-Aufgaben wird aus einer Aufgabenstellung eine passende SQL-Abfrage erstellt.
Dabei müssen Tabellen, Spalten, Bedingungen und ggf. JOINs erkannt werden.
Vorgehen
| Schritt | Aufgabe |
|---|---|
| 1 | Gesuchte Ausgabe erkennen |
| 2 | Benötigte Tabelle bestimmen |
| 3 | Benötigte Spalten auswählen |
| 4 | Bedingungen aus dem Text ableiten |
| 5 | Falls nötig JOIN verwenden |
| 6 | Falls nötig gruppieren oder sortieren |
| 7 | SQL-Reihenfolge prüfen |
Typische Signalwörter
| Formulierung | SQL-Bestandteil |
|---|---|
| „zeige“ / „liste“ | SELECT |
| „aus Tabelle“ | FROM |
| „nur“ / „bei denen“ | WHERE |
| „sortiert nach“ | ORDER BY |
| „Anzahl“ | COUNT |
| „Summe“ | SUM |
| „Durchschnitt“ | AVG |
| „pro Kunde / je Ort“ | GROUP BY |
| „mehr als / weniger als“ bei Gruppen | HAVING |
Beispiel
Aufgabe:
Alle Kunden aus Berlin anzeigen.
SELECT *
FROM kunde
WHERE ort = 'Berlin';
Beispiel mit Sortierung
Aufgabe:
Alle Artikel nach Preis absteigend sortieren.
SELECT *
FROM artikel
ORDER BY preis DESC;
Merksatz
Erst verstehen, was ausgegeben werden soll, dann SQL schreiben.
Prüfungshinweis
In IHK-Aufgaben ist die richtige SQL-Reihenfolge besonders wichtig.
Typische Fehler:
- SELECT-Spalten falsch auswählen.
- WHERE-Bedingung vergessen.
- Textwerte ohne Anführungszeichen schreiben.
- ORDER BY an die falsche Stelle setzen.
- GROUP BY und HAVING verwechseln.
- JOIN vergessen, obwohl Daten aus mehreren Tabellen benötigt werden.
Quellen
- IT-Handbuch für Fachinformatiker
8.3 JOIN-Übersicht
Definition
Ein JOIN verbindet Datensätze aus mehreren Tabellen.
JOINs werden verwendet, wenn benötigte Daten auf mehrere Tabellen verteilt sind.
Wichtige JOIN-Arten
| JOIN-Art | Bedeutung |
|---|---|
| INNER JOIN | nur passende Datensätze aus beiden Tabellen |
| LEFT JOIN | alle Datensätze der linken Tabelle |
| RIGHT JOIN | alle Datensätze der rechten Tabelle |
| FULL OUTER JOIN | alle Datensätze aus beiden Tabellen |
INNER JOIN
Gibt nur Datensätze aus, bei denen die Join-Bedingung in beiden Tabellen erfüllt ist.
SELECT kunde.name, bestellung.bestellnr
FROM kunde
INNER JOIN bestellung
ON kunde.kundennr = bestellung.kundennr;
LEFT JOIN
Gibt alle Datensätze der linken Tabelle aus.
Fehlende passende Datensätze der rechten Tabelle werden mit NULL dargestellt.
SELECT kunde.name, bestellung.bestellnr
FROM kunde
LEFT JOIN bestellung
ON kunde.kundennr = bestellung.kundennr;
Grundregel
JOINs werden meistens über Primärschlüssel und Fremdschlüssel verbunden.
Merksatz
INNER JOIN = nur passende Datensätze
LEFT JOIN = alle Datensätze links + passende rechts
Prüfungshinweis
In IHK-Aufgaben ist meist entscheidend, ob auch Datensätze ohne passende Beziehung angezeigt werden sollen.
Typische Fehler:
- INNER JOIN und LEFT JOIN verwechseln.
- JOIN-Bedingung vergessen.
- falsche Schlüssel verbinden.
- linke und rechte Tabelle vertauschen.
- NULL-Werte bei LEFT JOIN nicht beachten.
Quellen
- IT-Handbuch für Fachinformatiker
8.4 Normalformen-Übersicht
Definition
Normalformen sind Regeln zur Strukturierung von Tabellen in relationalen Datenbanken.
Ziel ist es, Redundanzen, Inkonsistenzen und Anomalien zu vermeiden.
Übersicht
| Normalform | Kernaussage |
|---|---|
| 1. Normalform | alle Werte sind atomar |
| 2. Normalform | jedes Nicht-Schlüsselattribut hängt vom gesamten Primärschlüssel ab |
| 3. Normalform | keine Nicht-Schlüsselattribute hängen voneinander ab |
1. Normalform
Eine Tabelle ist in der 1. Normalform, wenn jedes Feld nur einen einzelnen Wert enthält.
Nicht erlaubt:
- mehrere Telefonnummern in einem Feld
- Listen in einer Zelle
- zusammengesetzte Werte in einem Feld
2. Normalform
Eine Tabelle ist in der 2. Normalform, wenn sie in der 1. Normalform ist und jedes Nicht-Schlüsselattribut vom gesamten Primärschlüssel abhängig ist.
Wichtig besonders bei:
- zusammengesetzten Primärschlüsseln
- Zwischentabellen
- N:M-Beziehungen
3. Normalform
Eine Tabelle ist in der 3. Normalform, wenn sie in der 2. Normalform ist und keine Nicht-Schlüsselattribute voneinander abhängig sind.
Merksatz
1NF = atomare Werte
2NF = vom ganzen Schlüssel abhängig
3NF = nur vom Schlüssel abhängig
Prüfungshinweis
In IHK-Aufgaben werden meistens die 1. bis 3. Normalform abgefragt.
Typische Fehler:
- mehrere Werte in einem Feld zulassen
- zusammengesetzten Primärschlüssel nicht beachten
- abhängige Attribute in derselben Tabelle lassen
- Normalisierung nur als Speicherplatzersparnis verstehen
Quellen
- IT-Handbuch für Fachinformatiker
8.5 Häufige Verwechslungen
Definition
Häufige Verwechslungen sind Begriffe, die in Datenbankaufgaben ähnlich wirken, aber fachlich unterschiedliche Bedeutungen haben.
Grundbegriffe
| Begriff 1 | Begriff 2 | Unterschied |
|---|---|---|
| Datenbank | DBMS | Datenbank enthält Daten, DBMS verwaltet Daten |
| Tabelle | Datensatz | Tabelle enthält mehrere Datensätze |
| Datensatz | Feld | Datensatz = Zeile, Feld = einzelner Wert |
| Attribut | Datensatz | Attribut = Spalte, Datensatz = Zeile |
Schlüssel
| Begriff 1 | Begriff 2 | Unterschied |
|---|---|---|
| Primärschlüssel | Fremdschlüssel | Primärschlüssel identifiziert, Fremdschlüssel verweist |
| Primärschlüssel | Attribut | Primärschlüssel ist ein besonderes Attribut |
| Fremdschlüssel | Beziehung | Fremdschlüssel setzt eine Beziehung technisch um |
Datenmodellierung
| Begriff 1 | Begriff 2 | Unterschied |
|---|---|---|
| Entität | Attribut | Entität = Objekt, Attribut = Eigenschaft |
| Entität | Entitätstyp | Entität = einzelnes Objekt, Entitätstyp = Gruppe gleichartiger Objekte |
| Beziehung | Kardinalität | Beziehung verbindet Entitäten, Kardinalität beschreibt die Anzahl |
| N:M-Beziehung | Zwischentabelle | N:M wird durch eine Zwischentabelle aufgelöst |
SQL
| Begriff 1 | Begriff 2 | Unterschied |
|---|---|---|
| WHERE | HAVING | WHERE filtert Datensätze, HAVING filtert Gruppen |
| GROUP BY | ORDER BY | GROUP BY gruppiert, ORDER BY sortiert |
| COUNT | SUM | COUNT zählt Datensätze, SUM addiert Werte |
| INNER JOIN | LEFT JOIN | INNER JOIN nur passende, LEFT JOIN alle linken Datensätze |
| DELETE | DROP | DELETE löscht Datensätze, DROP löscht Tabellen oder Datenbankobjekte |
Normalisierung
| Begriff 1 | Begriff 2 | Unterschied |
|---|---|---|
| Redundanz | Inkonsistenz | Redundanz = doppelte Daten, Inkonsistenz = widersprüchliche Daten |
| 1. Normalform | 2. Normalform | 1NF = atomar, 2NF = abhängig vom ganzen Schlüssel |
| 2. Normalform | 3. Normalform | 2NF betrifft Schlüsselabhängigkeit, 3NF transitive Abhängigkeiten |
| Normalisierung | Denormalisierung | Normalisierung reduziert Redundanz, Denormalisierung nimmt Redundanz bewusst in Kauf |
Merksatz
Viele Datenbankfehler entstehen durch verwechselte Begriffe.
Prüfungshinweis
In IHK-Aufgaben immer genau lesen, ob nach Modellierung, Schlüsseln, SQL-Abfrage oder Normalisierung gefragt wird.
Typische Fehler:
- Tabelle und Datensatz verwechseln.
- Primärschlüssel und Fremdschlüssel verwechseln.
- WHERE und HAVING verwechseln.
- GROUP BY und ORDER BY verwechseln.
- N:M-Beziehung ohne Zwischentabelle umsetzen.
Quellen
- IT-Handbuch für Fachinformatiker