# OCR Vergleich

**Lokale Open-Source-OCR-Werkzeuge im Vergleich**

Stand: August 2026, basierend auf Quellen von Mai–Juni 2026 (max. ~3 Monate alt). Fokus auf Tools, die sich lokal/selbst hosten lassen (kein Cloud-Zwang). Vor Produktivsatz am eigenen Dokumentenbestand testen — jedes Benchmark ist auf akademischen/Standarddaten trainiert, reale Scans (Formulare, alte Archive, Faxqualität) sind eine andere Verteilung.

---

**Kurzübersicht**

| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Digitale PDFs mit Textlayer | Docling oder direkt PyMuPDF/pdfplumber |
| Viele einfache Scans, keine GPU | Tesseract |
| Mehrsprachig, Tabellen, GPU vorhanden | PaddleOCR / PaddleOCR-VL |
| Komplexe Layouts → Markdown fürs RAG/LLM | MinerU |
| Handschrift, unregelmäßige Layouts | VLM-Ansatz (PaddleOCR-VL, Marker) |
| Lizenzprüfung durch Rechtsabteilung nötig | Docling (MIT) oder PaddleOCR (Apache-2.0) zuerst |

---

**Tesseract**

Ansatz: Klassische OCR-Pipeline, Zeichen für Zeichen
Lizenz: Apache-2.0
Hardware: CPU (kein GPU-Zwang, GPU/OpenCL experimentell und nicht produktionsreif)

Stärken: Extrem etabliert, läuft überall, kostenlos, hoher Durchsatz bei sauberem Drucktext, viele Sprachpakete.
Schwächen: Schwach bei Handschrift, komplexen Layouts, Tabellen. Kein Strukturverständnis. Genauigkeit sinkt stark bei schlechten Scans oder Schräglage.
Am besten für: Große Archive mit sauberem gedrucktem Text, Budget = 0, kein GPU-Server verfügbar.

---

**EasyOCR**

Ansatz: CNN+RNN-basierte klassische OCR
Lizenz: Apache-2.0
Hardware: GPU empfohlen, CPU möglich

Stärken: Sehr schneller Einstieg (~5 Min Setup), gute Confidence-Scores, brauchbar bei gekrümmtem/fotografiertem Text.
Schwächen: Schwächer bei Dokumentlayout und Tabellen als PaddleOCR.
Am besten für: Schnelle Prototypen, Szenentext, einfache mehrsprachige Erkennung ohne Layoutanspruch.

---

**PaddleOCR / PaddleOCR-VL**

Ansatz: Modulare klassische Pipeline, plus VLM-Variante (PaddleOCR-VL 1.5+) für Layoutverständnis
Lizenz: Apache-2.0
Hardware: GPU für Serverpräzision, CPU für Lightweight-Modelle

Stärken: 80+ Sprachen inkl. starkem CJK-Support, gute Tabellenerkennung (PP-Structure), hoher Durchsatz auf GPU (~120 Seiten/Min laut Herstellerangabe). PP-OCRv6 zeigt spürbaren Sprung ggü. Vorgänger.
Schwächen: Mehr Konfigurationsaufwand als leichtere Libraries. Reine Basisversion ohne PP-Structure liefert nur Text, keine Struktur. Versions-Kompatibilität eng — ältere/neuere Kombinationen von paddlepaddle und paddleocr können sich gegenseitig brechen.
Am besten für: Produktive mehrsprachige Pipelines mit Tabellen/Formularen und GPU-Zugriff.

---

**Docling**

Ansatz: Ensemble spezialisierter Modelle, einheitliche API
Lizenz: MIT (permissiv)
Hardware: CPU-fähig, dadurch langsamer als GPU-Alternativen

Stärken: Sehr sauberes, lesbares Markdown. Hervorragend bei digital-geborenen PDFs mit einfachem Layout. Deckt viele Formate ab (PDF, DOCX, PPTX, XLSX, HTML). Permissive Lizenz ohne Umsatzschwellen.
Schwächen: Markdown-first-Design begrenzt Erhalt komplexer Layouts/strukturierter Daten. Schwächer bei Scans/Handschrift.
Am besten für: Digitale PDFs, RAG-Ingestion, wenn Lizenzprüfung schnell gehen muss.

---

**Marker**

Ansatz: LLM-gestützte PDF-zu-Markdown-Pipeline
Lizenz: Code Apache-2.0, Modell-Gewichte GPL-3.0 mit Umsatzschwelle (Hersteller nennt 5 Mio. USD) — Lizenzdatei der exakt gepinnten Version lesen
Hardware: GPU für brauchbare Geschwindigkeit, CPU-Modus deutlich langsamer

Stärken: Gute Strukturerhaltung, LLM-gestützte Interpretation auch bei unsauberen Layouts.
Schwächen: Ohne GPU langsam. Lizenzlage bei kommerziellem Einsatz separat prüfen, da Code- und Gewichte-Lizenz auseinanderfallen.
Am besten für: Mittelgroße Dokumentenmengen mit GPU-Budget, wo Docling zu einfach strukturiert.

---

**MinerU**

Ansatz: Pipeline aus Layout-Erkennung, OCR (nutzt intern u. a. PaddleOCR-Modelle), Formel-/Tabellenerkennung, Zusammenbau in Lesereihenfolge
Lizenz: Seit Version 3.1 (April 2026) MinerU Open Source License (Apache-2.0-Basis mit Zusatzbedingungen), davor AGPL-3.0 — der Wechsel erleichtert kommerzielle Nutzung deutlich
Hardware: GPU/CUDA, NPU/CANN, MPS-Beschleunigung; CPU-Pipeline-Modus möglich, aber langsamer

Stärken: Sehr strukturiertes Markdown/JSON, gute Formel-(LaTeX)- und Tabellen-(HTML)-Erkennung, aktive Weiterentwicklung. Seit Version 3.4 (Juni 2026) PP-OCRv6 als Backend, laut Hersteller ~11% Genauigkeitsgewinn auf dem OmniDocBench-Leaderboard.
Schwächen: Bei komplexen Layouts und Handschrift laut eigener Projekt-Dokumentation noch ausbaufähig. Pipeline-Charakter (mehrere verkettete Modelle) macht Fehlersuche vielschichtiger als bei Einzelmodell-Tools.
Am besten für: RAG-Ingestion-Layer vor Chunking/Embedding, wissenschaftliche/technische Dokumente mit Formeln.

---

**Surya**

Ansatz: VLM-nah — Layout, Leserichtung, Texterkennung, Tabellen in einem Modell
Lizenz: Code Apache-2.0, Modell-Gewichte modifizierte OpenRAIL-M-Lizenz mit Umsatzschwelle (Hersteller nennt 5 Mio. USD)
Hardware: GPU empfohlen

Stärken: Kompakt, gutes Kosten-Genauigkeits-Verhältnis in vergleichbaren Tests, 90+ Sprachen, layoutbewusste Ausgabe in einem Durchgang.
Schwächen: Gewichte-Lizenz separat prüfen bei höherem Umsatz. Jünger und weniger etabliert als Tesseract/PaddleOCR.
Am besten für: Layout-Analyse und OCR in einem Schritt, wenn die Lizenzschwelle unproblematisch ist.

---

**GOT-OCR2**

Ansatz: Kompaktes, spezialisiertes OCR-Modell (~580 M Parameter)
Lizenz: Apache-2.0
Hardware: Ein einzelnes GPU-Modell ausreichend

Stärken: Gute Leistung bei Fließtext, Formeln, Tabellen. Sehr permissive Lizenz.
Schwächen: Geringere Community-Adoption, weniger Tooling/Ökosystem als PaddleOCR oder MinerU.
Am besten für: Schlanke Einzelmodell-Lösung ohne Pipeline-Overhead.

---

**Nach Dokumenttyp**

| Dokumenttyp | 1. Wahl | 2. Wahl |
|---|---|---|
| Digitale PDFs (Verträge, exportierte Rechnungen) | Docling / PyMuPDF-Textlayer | — |
| Saubere Scans, gedruckter Text | PaddleOCR | Tesseract |
| Alte/verschlissene Scans | PaddleOCR-VL | MinerU |
| Formulare/Tabellen | PaddleOCR (PP-Structure) | MinerU |
| Technische Zeichnungen (A0–A2) | PaddleOCR-VL | Docling (bei vorhandenem Textlayer) |
| Wissenschaftliche Dokumente mit Formeln | MinerU | Marker |
| Handschrift | VLM-Ansatz (PaddleOCR-VL) | — |
| Mehrsprachig / CJK | PaddleOCR | Surya |
| RAG/LLM-Ingestion, gemischter Bestand | MinerU + Docling im Zwei-Stufen-Setup | — |

Warum diese Reihenfolge: Bei digitalen PDFs kostet ein Textlayer-Zugriff Millisekunden statt Sekunden — kein OCR nötig. Bei Alt-Scans kompensiert der VLM-Ansatz Bildfehler besser als eine klassische Pipeline; Vorverarbeitung (Kontrast, Entrauschen, Entzerren) davor ist trotzdem empfohlen. Bei Formeln/Tabellen zählt die dedizierte Erkennung (LaTeX/HTML-Ausgabe), nicht reine Texterkennung. Für gemischte Bestände hat sich in mehreren Quellen das Zwei-Stufen-Muster (günstiger Konverter zuerst, schwerer Parser nur bei Bedarf) als produktionsüblich herausgestellt.

---

**Lizenz-Stolperfallen**

Code- und Gewichte-Lizenz können auseinanderfallen. Bei manchen Anbietern (z. B. Marker, Surya) ist der Code Apache-2.0, die Modell-Gewichte laufen aber unter restriktiveren Lizenzen mit Umsatzschwellen. Eine Apache-Lizenz auf dem Repository sagt nichts über die Nutzbarkeit der Gewichte aus.

MinerU hat die Lizenz gewechselt: bis Version 3.0 AGPL-3.0 (Copyleft, für viele Firmen ein Ausschlusskriterium), seit Version 3.1 (April 2026) die MinerU Open Source License auf Apache-2.0-Basis mit Zusatzbedingungen — deutlich unternehmensfreundlicher, aber die genau eingesetzte Version sollte geprüft werden.

Immer die LICENSE-Datei der exakt gepinnten Version lesen, nicht nur einen Blogpost oder das Repository-Badge — Bedingungen ändern sich zwischen Minor-Versionen.

---

**Hinweis zur Quellenlage**

Diese Übersicht basiert auf öffentlich zugänglichen Vergleichsartikeln und Herstellerangaben von Mai bis Juni 2026. Konkrete Geschwindigkeits- und Genauigkeitsangaben (z. B. "~120 Seiten/Min", "~11% Genauigkeitsgewinn") stammen aus den jeweiligen Herstellerbenchmarks oder Testberichten Dritter und wurden nicht selbst nachgemessen — vor einer Entscheidung lohnt sich ein eigener Test mit repräsentativen Dokumenten aus dem eigenen Bestand.