3.16 Paketmitschnitt mit Wireshark, tcpdump, Dumpcap und Pktmon
Ein Paketmitschnitt zeigt, welche Netzwerkpakete an einem bestimmten Messpunkt tatsächlich sichtbar sind. Damit lassen sich Vermutungen durch überprüfbare Beobachtungen ersetzen.
Ein Mitschnitt beantwortet jedoch nur Fragen über den gewählten Messpunkt. Ein dort fehlendes Paket kann bereits vorher verloren gegangen sein, während ein sichtbares Paket hinter dem Messpunkt weiterhin verworfen werden kann.
Die zentralen Fragen dieser Seite lauten:
Welcher Datenfluss muss untersucht werden, an welchem Punkt muss dafür aufgezeichnet werden und welches Paketmuster würde die jeweilige Hypothese bestätigen oder widerlegen?
1. Sicherheits- und Aktionskennzeichnungen
| Kennzeichnung | Bedeutung |
|---|---|
[RO] |
Rein lesender Befehl, der normalerweise keine Konfiguration verändert |
[TEST] |
Aktive Diagnose beziehungsweise Paketaufzeichnung |
[PRIV] |
Administrator- oder Root-Rechte können erforderlich sein |
[FILE] |
Der Befehl schreibt Ausgaben in eine Datei |
[SENS] |
Die Ausgabe kann sensible Informationen enthalten |
[CHANGE] |
Der Befehl verändert eine Konfiguration |
[DISRUPT] |
Der Befehl kann eine Verbindung oder einen Dienst beeinträchtigen |
Paketmitschnitte können enthalten:
- interne und öffentliche IP-Adressen,
- MAC-Adressen,
- Hostnamen,
- DNS-Anfragen,
- unverschlüsselte Nutzdaten,
- Cookies,
- Sitzungstoken,
- Benutzernamen,
- E-Mail-Inhalte,
- Dateiübertragungen,
- API-Daten,
- Authentifizierungsinformationen,
- Netzwerk- und Sicherheitsarchitektur.
Paketaufzeichnungen dürfen nur im genehmigten Umfang erstellt, gespeichert und weitergegeben werden.
2. Paketmitschnitt und Protokollierung unterscheiden
| Datenquelle | Inhalt |
|---|---|
| Paketmitschnitt | Tatsächlich sichtbare Netzwerkframes beziehungsweise Pakete |
| Betriebssystemprotokoll | Interpretation und Ereignisse des Betriebssystems |
| Firewallprotokoll | Regelentscheidung wie Allow, Drop oder Reject |
| Anwendungsprotokoll | Verarbeitung innerhalb der Anwendung |
| Proxyprotokoll | Client-, Ziel-, Backend- und HTTP-Informationen |
| Switchzähler | Fehler, Drops, Auslastung und Portstatus |
| Controllerprotokoll | WLAN-, VPN- oder Infrastrukturereignisse |
| Flow-Daten | Zusammengefasste Informationen über Netzwerkflüsse |
| SNMP-Messwert | Zähler und Status eines Netzwerkgeräts |
Ein Paketmitschnitt zeigt nicht automatisch:
- welche Firewallregel entschieden hat,
- warum eine Anwendung einen Fehler erzeugt hat,
- ob ein Paket vor dem Messpunkt verworfen wurde,
- ob ein verschlüsselter Inhalt fachlich korrekt ist,
- ob ein Benutzer die richtige Berechtigung besitzt.
Die beste Diagnose kombiniert Paketmitschnitt, Systemprotokoll und Anwendungsergebnis.
3. Datenfluss vor der Aufzeichnung definieren
Vor dem Start müssen mindestens diese Angaben bekannt sein:
Clienthostname:
Client-IP-Adresse:
Serverhostname:
Server-IP-Adresse:
Transportprotokoll:
Clientport:
Serverport:
Anwendungsprotokoll:
IPv4 oder IPv6:
Startzeitpunkt:
Fehlerauslöser:
Erwartetes Paketmuster:
Beispiel:
Client: 192.0.2.25
Server: 192.0.2.53
Transport: TCP
Serverport: 443
Anwendung: HTTPS
Fehler: Verbindung läuft in einen Timeout
Passender enger Filter:
host 192.0.2.25 and host 192.0.2.53 and tcp port 443
Ein enger Filter reduziert Datenmenge und Datenschutzrisiko. Er kann jedoch wichtige Begleitprotokolle wie DNS, ARP, ICMP oder ICMPv6 ausblenden.
4. Den richtigen Messpunkt auswählen
Client
↓
Access Point oder Switch
↓
Router beziehungsweise Firewall
↓
VPN oder WAN
↓
Servernetz
↓
Server
↓
Anwendung
Mögliche Messpunkte:
- direkt auf dem Client,
- direkt auf dem Server,
- auf dem Reverse Proxy,
- auf dem VPN-Gateway,
- auf der Firewall,
- auf dem Router,
- über einen Switch-Mirror-Port,
- über einen Network TAP,
- im Container,
- auf dem Containerhost,
- in der virtuellen Maschine,
- auf dem Hypervisor.
Leitfrage:
Welche Netzwerkkomponente baut die betroffene Verbindung tatsächlich auf?
Bei einem Reverse Proxy ist der Administrator-PC nicht der richtige Messpunkt für die Verbindung zwischen Proxy und Backend.
5. Einseitigen und doppelseitigen Mitschnitt unterscheiden
Einseitiger Mitschnitt:
Clientmitschnitt
Er zeigt nur, was am Client sichtbar ist.
Doppelseitiger Mitschnitt:
Clientmitschnitt
+
Servermitschnitt
+
synchronisierte Zeit
Damit lässt sich feststellen:
- ob ein Paket den Client verlässt,
- ob es den Server erreicht,
- ob der Server antwortet,
- ob die Antwort den Client erreicht,
- in welcher Richtung Verlust entsteht,
- wo zusätzliche Verzögerung auftritt,
- ob NAT oder Proxy Adressen verändert,
- ob ein Netzwerkgerät Pakete zurücksetzt.
Bei komplexen Problemen ist ein gleichzeitiger Mitschnitt an beiden Endpunkten wesentlich aussagekräftiger.
6. Zeit und Zeitzone synchronisieren
Für den Vergleich mehrerer Mitschnitte und Protokolle müssen Zeit und Zeitzone bekannt sein.
| Betriebssystem | Lokale Zeit |
|---|---|
| Windows | [RO] Get-Date -Format o |
| Linux | [RO] date --iso-8601=seconds |
| macOS | [RO] date "+%Y-%m-%dT%H:%M:%S%z" |
UTC-Zeit:
Windows:
[RO] (Get-Date).ToUniversalTime().ToString("o")
Linux und macOS:
[RO] date -u "+%Y-%m-%dT%H:%M:%SZ"
Zu dokumentieren sind:
- Beginn der Aufzeichnung,
- Zeitpunkt der Fehlerauslösung,
- Ende der Aufzeichnung,
- Zeitzone,
- Zeitabweichung zwischen Messsystemen.
Eine Zeitabweichung von wenigen Sekunden kann die Zuordnung kurzer Verbindungsversuche erheblich erschweren.
7. Aufzeichnungsschnittstelle eindeutig bestimmen
Windows mit Dumpcap:
[RO] dumpcap -D
Windows-Netzwerkadapter:
[RO] Get-NetAdapter -IncludeHidden |
Format-Table Name, InterfaceDescription, Status, MacAddress
Linux:
[RO] ip -br link
[RO] tcpdump -D
macOS:
[RO] networksetup -listallhardwareports
[RO] ifconfig
[RO] tcpdump -D
Zu prüfen sind:
- physische Schnittstelle,
- WLAN oder Ethernet,
- VPN-Tunnel,
- Bridge,
- VLAN-Interface,
- Container-Bridge,
- Loopback,
- virtuelle Maschine,
- aktive Route zum Ziel.
Route zum Ziel:
| Betriebssystem | Befehl |
|---|---|
| Windows | [RO] Find-NetRoute -RemoteIPAddress ZIEL_IP |
| Linux | [RO] ip route get ZIEL_IP |
| macOS | [RO] route -n get ZIEL_IP |
8. Besonderheiten der Schnittstelle any unter Linux
Mit any kann tcpdump gleichzeitig auf mehreren Linux-Schnittstellen aufzeichnen:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i any -nn \
-w capture.pcap
Vorteile:
- hilfreich bei unbekanntem Pfad,
- zeigt Verkehr auf mehreren Schnittstellen,
- geeignet für Router-, Proxy- und Containerhosts.
Einschränkungen:
- Link-Layer-Darstellung kann sich von einer konkreten Ethernetaufzeichnung unterscheiden,
- derselbe Datenfluss kann an mehreren Stellen erscheinen,
- Adressen können vor und nach NAT sichtbar sein,
- Reihenfolge und Interpretation werden komplexer,
- nicht jede hardwarenahe Information ist verfügbar.
Für eine präzise Layer-2-Analyse sollte möglichst die konkrete Schnittstelle gewählt werden.
9. Promiscuous Mode und WLAN Monitor Mode unterscheiden
Promiscuous Mode:
Eine Ethernet-Schnittstelle nimmt zusätzlich Frames an, die nicht direkt an ihre eigene MAC-Adresse adressiert sind. In einem geswitchten Netzwerk werden dadurch jedoch nicht automatisch alle Frames anderer Switchports sichtbar.
WLAN Monitor Mode:
Ein geeigneter WLAN-Adapter erfasst 802.11-Funkframes auf einem bestimmten Kanal beziehungsweise Frequenzbereich.
| Modus | Typische Verwendung |
|---|---|
| Normaler WLAN-Clientmodus | Verkehr des eigenen Clients untersuchen |
| Promiscuous Mode | Zusätzliche sichtbare Ethernetframes erfassen |
| Monitor Mode | WLAN-Management-, Kontroll- und Datenframes untersuchen |
| Switch Port Mirroring | Verkehr ausgewählter Switchports oder VLANs spiegeln |
| Network TAP | Physischer Messpunkt in einer Verbindung |
Monitor Mode kann die normale WLAN-Verbindung unterbrechen und wird nicht von jeder Hardware, jedem Treiber oder Betriebssystem unterstützt.
10. Grenzen eines Mitschnitts im geswitchten Netzwerk
Ein Client an einem Switchport sieht normalerweise:
- eigenen Unicastverkehr,
- Broadcastverkehr im eigenen Broadcastbereich,
- relevanten Multicastverkehr,
- bestimmte Kontrollprotokolle.
Er sieht normalerweise nicht automatisch:
- Unicastverkehr zwischen zwei anderen Switchports,
- Verkehr in anderen VLANs,
- Pakete hinter einer Firewall,
- Verkehr eines anderen virtuellen Switches.
Für fremden Unicastverkehr sind abhängig von Infrastruktur und Berechtigung erforderlich:
- SPAN beziehungsweise Port Mirroring,
- Remote SPAN,
- Network TAP,
- Aufzeichnung direkt auf dem Zielsystem,
- Aufzeichnung auf Router oder Firewall.
Ein falsch konfigurierter Mirror-Port kann Pakete verlieren, wenn die gespiegelte Datenmenge seine Kapazität überschreitet.
11. Capture Filter und Display Filter unterscheiden
| Filterart | Zeitpunkt | Wirkung |
|---|---|---|
| Capture Filter | während der Aufzeichnung | Nur passende Pakete werden gespeichert |
| Display Filter | nach beziehungsweise während der Anzeige | Alle gespeicherten Pakete bleiben erhalten, nur die Ansicht wird gefiltert |
Capture Filter:
host 192.0.2.20 and tcp port 443
Wireshark Display Filter:
ip.addr == 192.0.2.20 && tcp.port == 443
Die Syntax ist nicht austauschbar.
Grundentscheidung:
- enger Capture Filter bei Datenschutz- oder Speicheranforderungen,
- breiterer Capture Filter bei unklarer Ursache,
- Display Filter für schrittweise Auswertung.
12. Wichtige Capture Filter
| Aufgabe | Capture Filter |
|---|---|
| Einzelner Host | host 192.0.2.20 |
| Quelle | src host 192.0.2.20 |
| Ziel | dst host 192.0.2.20 |
| Zwei Hosts | host 192.0.2.20 and host 192.0.2.53 |
| Gesamtes IPv4-Netz | net 192.0.2.0/24 |
| TCP | tcp |
| UDP | udp |
| ICMP | icmp |
| ICMPv6 | icmp6 |
| TCP-Port 443 | tcp port 443 |
| UDP-Port 53 | udp port 53 |
| Quellport | src port 443 |
| Zielport | dst port 443 |
| DNS über TCP oder UDP | port 53 |
| DHCPv4 | udp port 67 or udp port 68 |
| DHCPv6 | udp port 546 or udp port 547 |
| ARP | arp |
| Host und Port | host 192.0.2.20 and tcp port 443 |
| Zwei Ports | tcp port 80 or tcp port 443 |
| Verkehr ohne SSH | not tcp port 22 |
Capture Filter verwenden die Syntax der Paketfilterbibliothek. Vor produktiven Aufzeichnungen sollte die lokale Unterstützung geprüft werden.
13. Wichtige Wireshark Display Filter
| Aufgabe | Display Filter |
|---|---|
| IPv4-Adresse | ip.addr == 192.0.2.20 |
| IPv6-Adresse | ipv6.addr == 2001:db8::20 |
| Zwei IPv4-Systeme | ip.addr == 192.0.2.20 && ip.addr == 192.0.2.53 |
| TCP-Port | tcp.port == 443 |
| UDP-Port | udp.port == 53 |
| DNS | dns |
| DHCPv4 | dhcp |
| DHCPv6 | dhcpv6 |
| ARP | arp |
| ICMP | icmp |
| ICMPv6 | icmpv6 |
| HTTP-Anfragen | http.request |
| HTTP-Antworten | http.response |
| HTTP-Status 502 | http.response.code == 502 |
| TLS-Handshake | tls.handshake |
| TCP-SYN | tcp.flags.syn == 1 |
| Erstes SYN ohne ACK | tcp.flags.syn == 1 && tcp.flags.ack == 0 |
| TCP-Reset | tcp.flags.reset == 1 |
| TCP-FIN | tcp.flags.fin == 1 |
| Wiederholungen | tcp.analysis.retransmission |
| Doppelte ACKs | tcp.analysis.duplicate_ack |
| Out-of-Order | tcp.analysis.out_of_order |
| Zero Window | tcp.analysis.zero_window |
| Vermutetes verlorenes Segment | tcp.analysis.lost_segment |
14. Linux mit tcpdump aufzeichnen
Alle Pakete einer Schnittstelle:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
-w capture.pcap
Nur definierter Client und TCP-Port 443:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
'host 192.0.2.25 and tcp port 443' \
-w https-test.pcap
DNS-Verkehr:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
'port 53' \
-w dns-test.pcap
DHCPv4:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
'udp port 67 or udp port 68' \
-w dhcp-test.pcap
Ohne Datei, direkt lesbar:
[TEST][PRIV][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
'host 192.0.2.25 and tcp port 443'
-nn verhindert die Auflösung von Hostnamen und Dienstnamen. Dadurch wird die Ausgabe schneller und eindeutiger.
15. macOS mit tcpdump aufzeichnen
Zuerst die tatsächliche Schnittstelle ermitteln:
[RO] networksetup -listallhardwareports
Beispiel für Ethernet oder WLAN auf en0:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i en0 -nn \
'host 192.0.2.25 and tcp port 443' \
-w https-test.pcap
DNS-Verkehr:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i en0 -nn \
'port 53' \
-w dns-test.pcap
VPN-Tunnel untersuchen:
[RO] ifconfig
Anschließend die tatsächlich ermittelte Tunnelschnittstelle verwenden:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i TUNNEL_INTERFACE -nn \
'host INTERNES_ZIEL' \
-w vpn-inner.pcap
Schnittstellennamen wie en0 oder utun0 dürfen nicht ohne vorherige Prüfung vorausgesetzt werden.
16. Windows mit Dumpcap aufzeichnen
Dumpcap ist Bestandteil einer Wireshark-Installation und kann ohne grafische Oberfläche aufzeichnen.
Schnittstellen anzeigen:
[RO] dumpcap -D
Auf Schnittstelle 1 aufzeichnen:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i 1 `
-w capture.pcapng
Mit Capture Filter:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i 1 `
-f "host 192.0.2.25 and tcp port 443" `
-w https-test.pcapng
Aufzeichnung nach 60 Sekunden beenden:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i 1 `
-a duration:60 `
-w capture-60s.pcapng
Die Schnittstellennummer 1 ist nur ein Beispiel und muss vorher mit dumpcap -D ermittelt werden.
17. Windows mit Pktmon aufzeichnen
Pktmon ist ein in Windows integriertes Diagnosewerkzeug. Es kann Pakete an mehreren Stellen innerhalb des Windows-Netzwerkstacks erfassen und verworfene Pakete erkennen.
Vor Verwendung lokale Syntax prüfen:
[RO] pktmon help
Aktuellen Status anzeigen:
[RO][PRIV] pktmon status
Netzwerkkomponenten anzeigen:
[RO][PRIV][SENS] pktmon list
Aufzeichnung in eine ETL-Datei starten:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] pktmon start --capture --pkt-size 0 --file-name pktmon.etl
Fehler reproduzieren und Aufzeichnung beenden:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] pktmon stop
ETL nach PCAPNG konvertieren:
[RO][FILE][SENS] pktmon etl2pcap pktmon.etl --out pktmon.pcapng
Pktmon-Optionen können sich zwischen unterstützten Windows-Versionen unterscheiden. Vor einer produktiven Aufzeichnung müssen die lokale Hilfe und der geplante Umfang geprüft werden.
18. Pktmon-Drop-Erkennung richtig behandeln
Pktmon kann zusätzlich Informationen über innerhalb des Windows-Netzwerkstacks verworfene Pakete erfassen.
Pktmon-Zähler anzeigen:
[RO][PRIV][SENS] pktmon counters
Nur als verworfen markierte Pakete konvertieren:
[RO][FILE][SENS] pktmon etl2pcap pktmon.etl ^
--drop-only ^
--out pktmon-drops.pcapng
Microsoft weist darauf hin, dass bei der PCAPNG-Konvertierung bestimmte Pktmon-Metadaten verloren gehen können. PCAPNG unterscheidet danach nicht automatisch zwischen regulär weitergeleiteten und verworfenen Paketen.
Deshalb sollten bei Bedarf getrennte Dateien erzeugt werden:
vollständige Aufzeichnung
+
separate Drop-Aufzeichnung
+
ursprüngliche ETL-Datei
Die ursprüngliche ETL-Datei muss geschützt aufbewahrt werden, wenn die zusätzlichen Pktmon-Informationen für die Diagnose benötigt werden.
19. Ringspeicher mit Dumpcap verwenden
Eine unbegrenzte Aufzeichnung kann den Datenträger füllen. Dumpcap unterstützt Ringspeicher mit mehreren Dateien.
Datei alle fünf Minuten wechseln und maximal zwölf Dateien behalten:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i 1 `
-b duration:300 `
-b files:12 `
-w ringbuffer.pcapng
Zusätzlich Capture Filter verwenden:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i 1 `
-f "host 192.0.2.25" `
-b duration:300 `
-b files:12 `
-w ringbuffer.pcapng
Damit werden ungefähr die letzten 60 Minuten in zwölf Fünf-Minuten-Dateien gehalten. Dateiverarbeitung und Wechselverhalten müssen mit der installierten Dumpcap-Version geprüft werden.
20. Größenbegrenzten Ringspeicher mit tcpdump verwenden
Datei nach ungefähr 100 Millionen Byte wechseln und maximal zehn Dateien verwenden:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
-C 100 \
-W 10 \
-w capture.pcap
Mit Filter:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
'host 192.0.2.25' \
-C 100 \
-W 10 \
-w capture.pcap
Die genaue Dateibenennung und Rotation hängt von der installierten tcpdump-Version ab. Vor einer Langzeitaufzeichnung lokale Hilfe prüfen:
[RO] tcpdump --help
oder:
[RO] man tcpdump
21. Capture-Länge und vollständige Pakete berücksichtigen
Die Capture-Länge bestimmt, wie viele Byte eines Pakets gespeichert werden.
tcpdump – vollständige Pakete anfordern:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i eth0 -nn \
-s 0 \
-w capture.pcap
Bei aktuellen tcpdump-Versionen bedeutet -s 0, dass die vom Werkzeug unterstützte maximale Paketlänge erfasst wird.
Abwägung:
| Kurze Capture-Länge | Vollständige Pakete |
|---|---|
| weniger Speicherbedarf | höhere Datenmenge |
| geringeres Datenschutzrisiko | mehr Protokolldetails |
| Nutzdaten möglicherweise abgeschnitten | Nutzdaten möglicherweise vollständig enthalten |
| Headeranalyse häufig möglich | Anwendungsanalyse eher möglich |
Für eine reine Headeranalyse sollte geprüft werden, ob eine begrenzte Capture-Länge ausreicht.
22. tcpdump-Datei nachträglich lesen
PCAP-Datei ohne Namensauflösung anzeigen:
[RO][SENS] tcpdump -nn -r capture.pcap
Nur TCP-Port 443 aus einer vorhandenen Datei anzeigen:
[RO][SENS] tcpdump -nn -r capture.pcap \
'tcp port 443'
Zeitstempel ausführlicher anzeigen:
[RO][SENS] tcpdump -tttt -nn -r capture.pcap
Das nachträgliche Filter verändert die Originaldatei nicht.
23. TShark für automatisierte Auswertung verwenden
TShark ist die Kommandozeilenversion der Wireshark-Protokollanalyse.
Schnittstellen anzeigen:
[RO] tshark -D
Vorhandene Datei lesen:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng
Display Filter anwenden:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng \
-Y 'tcp.port == 443'
DNS-Anfragen ausgeben:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng \
-Y 'dns.flags.response == 0' \
-T fields \
-e frame.time \
-e ip.src \
-e dns.qry.name
TCP-Wiederholungen ausgeben:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng \
-Y 'tcp.analysis.retransmission'
HTTP-Statuscodes:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng \
-Y 'http.response' \
-T fields \
-e frame.time \
-e ip.src \
-e ip.dst \
-e http.response.code
24. Capture Filter und Display Filter bei TShark verwenden
Capture Filter während der Aufzeichnung:
[TEST][PRIV][FILE][SENS] tshark -i INTERFACE \
-f 'host 192.0.2.25 and tcp port 443' \
-w capture.pcapng
Display Filter auf vorhandener Datei:
[RO][SENS] tshark -r capture.pcapng \
-Y 'ip.addr == 192.0.2.25 && tcp.port == 443'
Zuordnung:
-f = Capture Filter
-Y = Display Filter
Ein Display Filter kann nicht als Capture Filter übernommen werden, wenn er eine Wireshark-spezifische Syntax verwendet.
25. Dateien mit capinfos untersuchen
capinfos gehört zur Wireshark-Werkzeugsammlung.
Grundinformationen:
[RO][SENS] capinfos capture.pcapng
Mögliche Angaben:
- Dateiformat,
- Anzahl der Pakete,
- Datenmenge,
- Startzeit,
- Endzeit,
- Aufzeichnungsdauer,
- durchschnittliche Paketrate,
- Datenrate,
- Schnittstelleninformationen.
Mehrere Dateien vergleichen:
[RO][SENS] capinfos client.pcapng server.pcapng
Damit lassen sich unter anderem Zeitbereiche und Größen vor einer Zusammenführung kontrollieren.
26. Mitschnitte mit mergecap zusammenführen
mergecap führt mehrere Capture-Dateien in eine neue Datei zusammen.
[RO][FILE][SENS] mergecap \
-w combined.pcapng \
client.pcapng \
server.pcapng
Vorher müssen geprüft werden:
- Zeitstempel,
- Zeitzone,
- Uhrabweichung,
- unterschiedliche Schnittstellen,
- mögliche Paketduplikate,
- unterschiedliche Messpunkte,
- NAT- oder Proxyübersetzung.
Eine zusammengeführte Datei kann dasselbe Paket mehrfach enthalten, wenn es an mehreren Messpunkten erfasst wurde.
27. Mitschnitte mit editcap begrenzen
editcap kann Capture-Dateien bearbeiten, aufteilen oder zeitlich begrenzen.
Lokale Hilfe:
[RO] editcap --help
Erste 1.000 Pakete in neue Datei schreiben:
[RO][FILE][SENS] editcap -r capture.pcapng \
capture-first-1000.pcapng \
1-1000
Datei in Paketeinheiten aufteilen:
[RO][FILE][SENS] editcap -c 10000 \
capture.pcapng \
capture-part.pcapng
Vor dem Bearbeiten muss die Originaldatei unverändert aufbewahrt werden. Eine verkleinerte Datei kann für die Weitergabe sinnvoll sein, entfernt aber nicht automatisch alle sensiblen Inhalte.
28. Paketnamen und Frame-Nummern richtig verwenden
In Wireshark sind wichtige Spalten:
| Spalte | Bedeutung |
|---|---|
| No. | Frame-Nummer innerhalb der geöffneten Datei |
| Time | Zeitstempel beziehungsweise relative Zeit |
| Source | Quelladresse |
| Destination | Zieladresse |
| Protocol | erkannter Protokolldissektor |
| Length | Frame- beziehungsweise Paketlänge |
| Info | zusammengefasste Protokollinformation |
Wichtig: Frame-Nummern gelten nur innerhalb der konkreten Datei. Nach Filterung, Zusammenführung oder Bearbeitung können sich Nummern ändern.
Für eine belastbare Dokumentation zusätzlich angeben:
- Dateiname,
- Zeitstempel,
- Quell- und Zieladresse,
- Protokoll,
- relevante Sequenz- oder Transaktionskennung.
29. Wireshark Follow Stream verwenden
Wireshark kann zusammengehörige Datenströme darstellen:
- Follow TCP Stream,
- Follow UDP Stream,
- Follow TLS Stream,
- Follow HTTP Stream,
- weitere protokollspezifische Streams.
Damit lassen sich beispielsweise betrachten:
- Anfragen und Antworten,
- Reihenfolge der Daten,
- Klartextprotokolle,
- Verbindungsabbrüche,
- HTTP-Fehler,
- Protokolldialoge.
Sicherheitswarnung: Follow Stream kann vollständige unverschlüsselte Anwendungsdaten und Zugangsinformationen anzeigen. Inhalte dürfen nicht ungeprüft kopiert oder weitergegeben werden.
30. TCP-Handshake analysieren
Erfolgreicher Verbindungsaufbau:
Client → Server: SYN
Server → Client: SYN, ACK
Client → Server: ACK
Wireshark-Filter:
tcp.flags.syn == 1
Nur erste SYN-Pakete:
tcp.flags.syn == 1 && tcp.flags.ack == 0
| Paketmuster | Typische Interpretation |
|---|---|
| SYN, SYN-ACK, ACK | TCP-Verbindung aufgebaut |
| Wiederholte SYN ohne Antwort | Drop, Verlust, falscher Rückweg oder Ziel nicht erreichbar |
| SYN gefolgt von RST/ACK | Ziel erreichbar, Port geschlossen oder aktiv abgelehnt |
| SYN-ACK erreicht Client, ACK fehlt | Clientseite oder Rückweg des ACK prüfen |
| Handshake erfolgreich, danach RST | Anwendung, Proxy oder Sicherheitskomponente beendet Verbindung |
| Handshake erfolgreich, keine Nutzdaten | Anwendung wartet oder Protokollablauf fehlerhaft |
31. TCP-Verbindungsabbau analysieren
Ein regulärer TCP-Abbau verwendet FIN- und ACK-Segmente. Ein RST beendet eine Verbindung unmittelbar.
Filter:
tcp.flags.fin == 1 || tcp.flags.reset == 1
| Beobachtung | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| FIN/ACK-Austausch | geordneter Verbindungsabbau |
| RST vom Client | Clientanwendung oder lokales System bricht ab |
| RST vom Server | Serveranwendung oder Serverstack bricht ab |
| RST von unbekannter Zwischenadresse | Firewall, Proxy oder anderes Zwischensystem möglich |
| FIN nach Anwendungserfolg | häufig normal |
| RST direkt nach TLS-Start | TLS-, Richtlinien- oder Protokollproblem möglich |
Die Quelladresse eines RST allein beweist nicht immer seine tatsächliche Herkunft, da Sicherheitsgeräte Pakete im Namen eines Endpunkts erzeugen können.
32. TCP-Wiederholungen vorsichtig interpretieren
Filter:
tcp.analysis.retransmission
Weitere Filter:
tcp.analysis.fast_retransmission
tcp.analysis.spurious_retransmission
tcp.analysis.duplicate_ack
tcp.analysis.out_of_order
tcp.analysis.lost_segment
Mögliche Ursachen:
- tatsächlicher Paketverlust,
- Paketverlust nur am Capture-Messpunkt,
- asymmetrisches Routing,
- NIC-Offloading,
- Start der Aufzeichnung mitten in der Verbindung,
- Pakete in anderer Reihenfolge,
- überlasteter Messrechner,
- Mirror-Port verwirft Pakete.
Wireshark-Analyseflags sind Interpretationen. Sie müssen mit Sequenznummern, ACKs und möglichst einem Mitschnitt der Gegenstelle überprüft werden.
33. NIC-Offloading und ungewöhnliche Paketgrößen berücksichtigen
Netzwerkadapter und Betriebssysteme können Verarbeitung auslagern:
- TCP Segmentation Offload,
- Large Send Offload,
- Generic Segmentation Offload,
- Generic Receive Offload,
- Checksum Offload.
Dadurch können lokale Mitschnitte zeigen:
- scheinbar falsche Prüfsummen,
- Pakete größer als die physische MTU,
- zusammengefasste Segmente,
- Segmentierung erst nach dem Capture-Punkt.
Typischer Hinweis:
Checksum incorrect
direkt auf dem sendenden Host bedeutet nicht automatisch, dass das Paket mit falscher Prüfsumme auf dem Netzwerk übertragen wurde. Die Netzwerkkarte kann die Prüfsumme erst nach dem lokalen Capture-Punkt berechnen.
Ein Mitschnitt auf der Gegenstelle oder einem externen TAP zeigt eher den tatsächlich übertragenen Zustand.
34. ARP und IPv6 Neighbor Discovery analysieren
ARP-Filter:
arp
Typischer IPv4-Ablauf:
Who has 192.0.2.1?
192.0.2.1 is at 00:11:22:33:44:55
Zu prüfen sind:
- Anfrage sichtbar,
- Antwort sichtbar,
- richtige MAC-Adresse,
- mehrere Antworten,
- häufige Wiederholungen,
- Gratuitous ARP,
- Adresskonflikt.
IPv6 Neighbor Discovery:
icmpv6
Zu prüfen sind unter anderem:
- Neighbor Solicitation,
- Neighbor Advertisement,
- Router Solicitation,
- Router Advertisement,
- Duplicate Address Detection,
- Packet Too Big.
ICMPv6 darf nicht pauschal als unwichtiger Diagnoseverkehr betrachtet werden.
35. DHCPv4-Ablauf analysieren
Capture Filter:
udp port 67 or udp port 68
Display Filter:
dhcp
Typischer Ablauf:
DHCP Discover
DHCP Offer
DHCP Request
DHCP ACK
Bekannt als:
DORA
| Fehlendes Paket | Mögliche Eingrenzung |
|---|---|
| Kein Discover sichtbar | Client oder falsche Schnittstelle prüfen |
| Discover, kein Offer | DHCP-Server, Relay, VLAN oder Filter prüfen |
| Offer sichtbar, Client fordert nicht an | Client, Auswahl oder fehlerhaftes Angebot |
| Request, kein ACK | Server, Adresspool, Richtlinie oder Relay |
| DHCP NAK | Adresse oder Netzzuordnung wird abgelehnt |
| Mehrere unterschiedliche Offers | mehrere DHCP-Server vorhanden |
36. DNS-Ablauf analysieren
Capture Filter:
port 53
Display Filter:
dns
Nur DNS-Anfragen:
dns.flags.response == 0
Nur DNS-Antworten:
dns.flags.response == 1
Bestimmter Name:
dns.qry.name == "service.example.internal"
Zu prüfen sind:
- richtige Zieladresse des DNS-Servers,
- Anfrage über UDP oder TCP,
- Antwortzeit,
- Antwortcode,
- zurückgegebene A- und AAAA-Adressen,
- CNAME-Kette,
- Wiederholungen,
- Wechsel zu TCP,
- unterschiedliche Antworten verschiedener Resolver.
Typische Antwortcodes:
| Code | Bedeutung |
|---|---|
NOERROR |
Anfrage wurde ohne DNS-Fehler verarbeitet |
NXDOMAIN |
Name existiert laut Antwort nicht |
SERVFAIL |
Resolver konnte Anfrage nicht erfolgreich bearbeiten |
REFUSED |
Server verweigert die Anfrage |
37. TLS-Handshake analysieren
Filter:
tls.handshake
Typischer Ablauf kann enthalten:
Client Hello
Server Hello
Certificate
Schlüsselaustausch
Finished
Application Data
Zu prüfen sind:
- verwendeter Servername über SNI,
- angebotene TLS-Versionen,
- ausgewählte TLS-Version,
- Cipher Suites,
- präsentierte Zertifikate,
- TLS-Alerts,
- Zeitpunkt des Abbruchs,
- erfolgreiche Application Data nach dem Handshake.
TLS-Alerts:
tls.alert_message
Verschlüsselte Anwendungsdaten können ohne zulässige Sitzungsschlüssel nicht inhaltlich analysiert werden. Private Server-Schlüssel sind bei modernen Verfahren nicht automatisch ausreichend, um aufgezeichnete Sitzungen nachträglich zu entschlüsseln.
38. HTTP- und Proxyfehler analysieren
HTTP-Anfragen:
http.request
HTTP-Antworten:
http.response
Statuscode:
http.response.code
Proxy-CONNECT:
http.request.method == "CONNECT"
Zu prüfen sind:
- Hostheader,
- Methode,
- angefragter Pfad,
- Statuscode,
- Weiterleitungen,
- Proxy-Authentifizierung,
- Antwortzeit,
- Verbindungsabbruch,
- Reverse-Proxy-Header.
Bei HTTPS sind HTTP-Inhalte normalerweise verschlüsselt. Sichtbar bleiben abhängig vom Verfahren unter anderem IP-Adressen, Ports, TLS-Handshake und teilweise Servername.
39. ICMP- und ICMPv6-Fehler auswerten
Filter:
icmp || icmpv6
Mögliche Meldungen:
- Destination Unreachable,
- Port Unreachable,
- Network Unreachable,
- Host Unreachable,
- Administratively Prohibited,
- Time Exceeded,
- Fragmentation Needed,
- Packet Too Big,
- Redirect.
Diese Meldungen enthalten häufig Teile des ursprünglichen Pakets. Dadurch kann festgestellt werden, welche Verbindung die Fehlermeldung ausgelöst hat.
ICMP-Fehlermeldungen sind wichtige Bestandteile der Netzwerkfunktion und nicht nur Ping-Antworten.
40. NAT-, Proxy- und Containerpfade vergleichen
Vor NAT:
192.168.10.25:53144 → 198.51.100.20:443
Nach SNAT:
203.0.113.10:62001 → 198.51.100.20:443
Vor DNAT:
198.51.100.25:54000 → 203.0.113.10:8443
Nach DNAT:
198.51.100.25:54000 → 192.168.10.50:443
Für die Zuordnung werden benötigt:
- Zeitstempel,
- Protokoll,
- ursprüngliche Quelladresse,
- übersetzte Quelladresse,
- ursprüngliche Zieladresse,
- übersetzte Zieladresse,
- Ports,
- TCP-Sequenznummern,
- NAT- beziehungsweise Conntrack-Eintrag.
Auf Containerhosts kann derselbe Datenfluss an Host-, Bridge- und Containerinterface mehrfach erscheinen.
41. Virtuelle Maschinen und Container richtig erfassen
Mögliche Messpunkte:
physischer Host
virtueller Switch
VM-Schnittstelle
Container-Bridge
Container-Netzwerk-Namespace
Anwendungscontainer
Zu prüfen sind:
- Wird NAT verwendet?
- Verwendet die VM Bridge- oder Host-Only-Networking?
- Ist der Containerport veröffentlicht?
- Baut ein Reverse Proxy die Backendverbindung auf?
- Existieren mehrere virtuelle Bridges?
- Sieht der Host den Verkehr vor oder nach NAT?
- Wird Hardware-Offloading eingesetzt?
- Greift eine Hypervisor- oder Cloud-Firewall?
Ein Mitschnitt auf dem Administrator-PC beantwortet keine Frage über eine interne Container-zu-Container-Verbindung.
42. Verschlüsselung und ihre Analysegrenzen
Verschlüsselte Protokolle schützen die Nutzdaten:
- HTTPS beziehungsweise TLS,
- SSH,
- VPN,
- SMB-Verschlüsselung,
- IPsec,
- WireGuard,
- verschlüsselte Datenbankverbindungen.
Ohne zulässige Entschlüsselungsinformationen sind häufig trotzdem sichtbar:
- Quell- und Zieladressen,
- Ports,
- Paketgrößen,
- Zeitstempel,
- Verbindungsaufbau,
- Verbindungsabbau,
- Wiederholungen,
- TLS-Versionen,
- Zertifikate im Handshake,
- bestimmte Servernamen,
- Datenmengen,
- Antwortpausen.
Nicht durchführen:
- private Schlüssel exportieren,
- TLS-Prüfung umgehen,
- fremde Sitzungen entschlüsseln,
- produktive Geheimnisse in Wireshark hinterlegen,
- Schlüsselprotokolldateien ungeschützt speichern.
43. Fehler bei der Aufzeichnung selbst erkennen
Ein Capture-System kann Pakete verlieren.
Mögliche Ursachen:
- zu hohe Paketrate,
- langsamer Datenträger,
- kleine Capture-Puffer,
- überlastete CPU,
- zu breite Aufzeichnung,
- Mirror-Port überlastet,
- mehrere gespiegelte Vollduplexlinks auf zu kleinem Zielport,
- virtuelle Capture-Schicht,
- Treiberproblem,
- USB-Netzwerkadapter,
- Remote-Capture-Verbindung.
Wireshark, Dumpcap oder tcpdump können Informationen über vom Capture-Prozess verworfene Pakete ausgeben.
Wichtig:
Im Mitschnitt fehlend
≠
sicher im Netzwerk verloren
Das Paket kann lediglich vom Messsystem nicht gespeichert worden sein.
44. Aussagekräftige Dateinamen verwenden
Empfohlenes Schema:
DATUM_UHRZEIT_MESSPUNKT_QUELLE_ZIEL_PROTOKOLL.pcapng
Beispiel:
2026-07-31_143500_client01_web01_https.pcapng
Keine sensiblen Benutzernamen oder vollständigen personenbezogenen Angaben in Dateinamen verwenden.
Zusätzlich eine Textnotiz anlegen:
Dateiname:
Messpunkt:
Schnittstelle:
Capture Filter:
Startzeit:
Fehlerzeit:
Endzeit:
Client:
Server:
Testhandlung:
Zeitzone:
Bearbeiter:
45. Sichere Aufbewahrung und Weitergabe
Vor einer Weitergabe:
- Originaldatei geschützt aufbewahren.
- Nur relevanten Zeitbereich extrahieren.
- Nur benötigte Pakete übernehmen.
- Nutzdaten auf sensible Inhalte prüfen.
- DNS-Namen, Adressen und Identitäten bewerten.
- Unternehmensrichtlinien beachten.
- Empfänger und Übertragungsweg festlegen.
- Aufbewahrungsfrist dokumentieren.
- Nicht mehr benötigte Kopien kontrolliert löschen.
Eine PCAP-Datei ist kein harmloser Screenshot. Sie kann vollständige Kommunikationsinhalte enthalten.
46. Systematischer Ablauf einer Paketaufzeichnung
| Schritt | Aufgabe | Leitfrage |
|---|---|---|
| 1 | Fehlerhypothese formulieren | Welches Paketmuster wird erwartet? |
| 2 | Datenfluss dokumentieren | Welche Quelle kommuniziert mit welchem Ziel? |
| 3 | Messpunkt auswählen | Wo muss das Paket sichtbar sein? |
| 4 | Schnittstelle bestimmen | Über welches Interface führt die Route? |
| 5 | Zeit synchronisieren | Können mehrere Datenquellen verglichen werden? |
| 6 | Datenschutzumfang festlegen | Welche Daten dürfen aufgezeichnet werden? |
| 7 | Capture Filter wählen | Welche Pakete werden wirklich benötigt? |
| 8 | Speicherbegrenzung planen | Dauer, Größe oder Ringspeicher? |
| 9 | Aufzeichnung starten | Läuft sie auf der richtigen Schnittstelle? |
| 10 | Fehler einmal reproduzieren | Ist der Zeitpunkt exakt dokumentiert? |
| 11 | Aufzeichnung beenden | Wurde unnötige weitere Erfassung vermieden? |
| 12 | Capture-Verluste prüfen | Hat das Messsystem Pakete verworfen? |
| 13 | Display Filter anwenden | Welcher einzelne Datenfluss ist relevant? |
| 14 | Protokollablauf untersuchen | Wo weicht Ist vom Soll ab? |
| 15 | Gegenstelle vergleichen | Ist Verlust oder Verzögerung lokalisierbar? |
| 16 | Systemprotokolle abgleichen | Warum wurde das Paket abgelehnt? |
| 17 | Ergebnis dokumentieren | Welche Frames belegen die Ursache? |
| 18 | Daten sichern oder bereinigen | Welche Aufbewahrung ist erforderlich? |
47. Kompakte Befehlstabelle
| Aufgabe | Windows | Linux | macOS |
|---|---|---|---|
| Schnittstellen anzeigen | [RO] dumpcap -D |
[RO] tcpdump -D |
[RO] tcpdump -D |
| Route zum Ziel | [RO] Find-NetRoute -RemoteIPAddress IP |
[RO] ip route get IP |
[RO] route -n get IP |
| Gesamte Aufzeichnung | [TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i NUMMER -w capture.pcapng |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn -w capture.pcap |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn -w capture.pcap |
| Hostfilter | [TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i NUMMER -f "host IP" -w host.pcapng |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn 'host IP' -w host.pcap |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn 'host IP' -w host.pcap |
| Portfilter | [TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i NUMMER -f "tcp port 443" -w https.pcapng |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn 'tcp port 443' -w https.pcap |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn 'tcp port 443' -w https.pcap |
| 60 Sekunden | [TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i NUMMER -a duration:60 -w test.pcapng |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] timeout 60 sudo tcpdump -i INTERFACE -nn -w test.pcap – Verfügbarkeit von timeout prüfen |
Beendigung kontrolliert per Tastatur oder Werkzeugoption planen |
| Ringspeicher | [TEST][PRIV][FILE][SENS] dumpcap -i NUMMER -b duration:300 -b files:12 -w ring.pcapng |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn -C 100 -W 10 -w ring.pcap |
[TEST][PRIV][FILE][SENS] sudo tcpdump -i INTERFACE -nn -C 100 -W 10 -w ring.pcap |
| PCAP lesen | [RO][SENS] tshark -r capture.pcapng |
[RO][SENS] tcpdump -nn -r capture.pcap |
[RO][SENS] tcpdump -nn -r capture.pcap |
| Display Filter | [RO][SENS] tshark -r capture.pcapng -Y "tcp.port == 443" |
[RO][SENS] tshark -r capture.pcap -Y "tcp.port == 443" |
[RO][SENS] tshark -r capture.pcap -Y "tcp.port == 443" |
| Dateiinformationen | [RO][SENS] capinfos capture.pcapng |
[RO][SENS] capinfos capture.pcap |
[RO][SENS] capinfos capture.pcap |
| Windows-Inbox-Capture | [TEST][PRIV][FILE][SENS] pktmon start --capture --pkt-size 0 --file-name pktmon.etl |
Nicht zutreffend | Nicht zutreffend |
| Pktmon beenden | [TEST][PRIV][FILE][SENS] pktmon stop |
Nicht zutreffend | Nicht zutreffend |
| Pktmon konvertieren | [RO][FILE][SENS] pktmon etl2pcap pktmon.etl --out pktmon.pcapng |
Nicht zutreffend | Nicht zutreffend |
NUMMER, INTERFACE und IP müssen durch die zuvor ermittelten Werte ersetzt werden.
48. Dokumentationsvorlage für Paketmitschnitte
Störung:
Hypothese:
Erwartetes Paketmuster:
Zeitpunkt:
Zeitzone:
Clienthostname:
Client-IP:
Client-MAC:
Serverhostname:
Server-IP:
Serverport:
Transportprotokoll:
Anwendungsprotokoll:
IPv4 oder IPv6:
Messpunkt 1:
Messsystem 1:
Schnittstelle 1:
Capture Filter 1:
Dateiname 1:
Startzeit 1:
Endzeit 1:
Verworfene Capture-Pakete 1:
Messpunkt 2:
Messsystem 2:
Schnittstelle 2:
Capture Filter 2:
Dateiname 2:
Startzeit 2:
Endzeit 2:
Verworfene Capture-Pakete 2:
Fehler ausgelöst um:
Auslösende Handlung:
Beobachtete Fehlermeldung:
Relevanter Datenstrom:
Relevante Frame-Nummern:
Relevante Zeitstempel:
TCP-Handshake:
DNS-Ablauf:
TLS-Handshake:
HTTP-Status:
ICMP-Fehler:
Wiederholungen:
Verbindungsabbau:
Paket verlässt Client:
Paket erreicht Server:
Server antwortet:
Antwort erreicht Client:
Festgestellte Verluststelle:
Zusätzliche Systemprotokolle:
Festgestellte Ursache:
Datenschutzprüfung:
Originaldatei geschützt gespeichert:
Reduzierte Weitergabedatei:
Aufbewahrungsfrist:
Ergebnis der Nachprüfung:
49. Kontrollfragen nach der Analyse
- Wurde vorab eine konkrete Hypothese formuliert?
- Sind Quelle, Ziel, Protokoll und Port bekannt?
- Wurde die richtige Schnittstelle gewählt?
- Führt die Route tatsächlich über diese Schnittstelle?
- Ist der Messpunkt für die untersuchte Verbindung geeignet?
- Wurde zwischen Capture Filter und Display Filter unterschieden?
- Wurde der Aufzeichnungsumfang begrenzt?
- Wurde der Fehlerzeitpunkt exakt dokumentiert?
- Sind die Uhren der Messsysteme synchronisiert?
- Hat der Capture-Prozess selbst Pakete verworfen?
- Wurden NIC-Offloading-Effekte berücksichtigt?
- Wurde Zwischenhop- beziehungsweise Mirror-Port-Verlust berücksichtigt?
- Wurde ein Mitschnitt der Gegenstelle erstellt?
- Wurden IPv4 und IPv6 unterschieden?
- Wurden DNS, ARP und ICMP als Begleitprotokolle berücksichtigt?
- Wurde ein fehlendes Paket nicht vorschnell als Netzwerkverlust bewertet?
- Wurde ein Wireshark-Analyseflag als Interpretation und nicht als Beweis behandelt?
- Wurden System-, Firewall- und Anwendungsprotokolle abgeglichen?
- Enthält die Datei sensible Daten?
- Wurde nur der erforderliche Ausschnitt weitergegeben?
- Wurde die Originaldatei unverändert geschützt?
- Belegen konkrete Pakete beziehungsweise Zeitstempel die festgestellte Ursache?
50. Quellen und weiterführende Dokumentation
-
Wireshark – Benutzerhandbuch:
https://www.wireshark.org/docs/wsug_html_chunked/ -
Wireshark – Capture Filters:
https://wiki.wireshark.org/CaptureFilters -
Wireshark – Display Filters:
https://www.wireshark.org/docs/wsug_html_chunked/ChWorkBuildDisplayFilterSection.html -
Wireshark – Display Filter Reference:
https://www.wireshark.org/docs/dfref/ -
Wireshark – Kommandozeilen-Handbücher:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/ -
Wireshark – Dumpcap-Handbuch:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/dumpcap.html -
Wireshark – TShark-Handbuch:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/tshark.html -
Wireshark – Capinfos-Handbuch:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/capinfos.html -
Wireshark – Mergecap-Handbuch:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/mergecap.html -
Wireshark – Editcap-Handbuch:
https://www.wireshark.org/docs/man-pages/editcap.html -
tcpdump – Projektseite und Dokumentation:
https://www.tcpdump.org/ -
libpcap – Capture-Filter-Syntax:
https://www.tcpdump.org/manpages/pcap-filter.7.html -
Microsoft Learn – Packet Monitor Pktmon:
https://learn.microsoft.com/windows-server/administration/windows-commands/pktmon -
Microsoft Learn – Pktmon-Übersicht:
https://learn.microsoft.com/windows-server/networking/technologies/pktmon/pktmon -
Microsoft Learn – Pktmon ETL nach PCAPNG konvertieren:
https://learn.microsoft.com/windows-server/administration/windows-commands/pktmon-etl2pcap -
RFC 9293 – Transmission Control Protocol:
https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc9293.html -
RFC 8200 – Internet Protocol Version 6:
https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc8200.html