5.6 Netzwerkgeräte – Werkzeuge zur Fehleranalyse

Netzwerkgeräte wie Switches, Router, Firewalls, WLAN-Access-Points, Controller, Load Balancer und VPN-Gateways verfügen meist über eigene Diagnosefunktionen. Dazu gehören:

Die genaue Syntax hängt von Hersteller, Produktfamilie, Betriebssystem und Softwareversion ab. Ein Befehl darf deshalb nicht ungeprüft auf ein anderes Gerät übertragen werden.


1. Grundregeln für die Untersuchung

Vor jedem Zugriff müssen geklärt werden:

Zuerst nur lesend untersuchen

Geeignet sind zunächst:

Zu vermeiden sind ohne bestätigte Ursache und Freigabe:

Eine reine Statusabfrage ist nicht auf jedem Gerät vollständig risikofrei. Umfangreiche Support- oder Diagnosebefehle können CPU, Arbeitsspeicher, Konsole oder Managementverbindung belasten.


2. Systematisch von unten nach oben prüfen

Ebene typische Fragestellung
Stromversorgung Ist das Gerät eingeschaltet und ausreichend versorgt?
Hardware Sind Module, Netzteile, Lüfter und Temperatursensoren fehlerfrei?
physische Verbindung Besteht Link? Stimmen Medium, Kabel, Transceiver und Geschwindigkeit?
Sicherungsschicht Stimmen VLAN, Trunk, STP, LACP und MAC-Lernen?
Netzwerkschicht Stimmen IP-Adresse, Präfix, ARP/ND und Routing?
Transport Ist der benötigte TCP- oder UDP-Port erreichbar?
Sicherheit Blockieren ACL, Firewall, NAC oder VPN-Richtlinien?
Anwendung Funktionieren DNS, DHCP, RADIUS, NTP oder andere Dienste?
Management Erreichen Monitoring, Syslog, SNMP und zentrale Verwaltung das Gerät?

Ein Fehler sollte möglichst auf die kleinste betroffene Ebene eingegrenzt werden.


3. Zustand vor Veränderungen sichern

Vor einer Änderung sollten mindestens dokumentiert werden:

Typische Beweissicherung

Gerät:
Standort:
Hersteller und Modell:
Betriebssystem und Version:
Managementadresse:
Zeitpunkt:
Symptom:
betroffene Schnittstelle:
betroffenes VLAN beziehungsweise VRF:
Quelladresse:
Zieladresse:
Zielport und Protokoll:
letzte Änderung:
gesicherte Ausgaben:
durchgeführte Tests:
Ergebnis:

4. Managementzugriff prüfen

Typische Zugriffswege sind:

Sicherheitsregeln

Bei fehlendem Zugriff unterscheiden

Beobachtung mögliche Ursache
Gerät antwortet nicht auf Ping ICMP gefiltert, falsche Route, Gerät ausgefallen oder Managementadresse falsch
Ping funktioniert, SSH nicht Dienst deaktiviert, ACL, falscher Port, Überlastung oder Authentifizierungsproblem
SSH-Verbindung startet, Anmeldung schlägt fehl lokales Konto, RADIUS, TACACS+, Zertifikat oder Berechtigung
Zugriff nur über Konsole möglich Managementnetz, Routing, VRF, ACL oder Managementdienst
zentrale Verwaltung zeigt Gerät offline Managementpfad, Zertifikat, Zeit, DNS, Tunnel oder Controllerverbindung
Zugriff funktioniert nur von einem Netz Routing, Firewall, Management-ACL oder VRF

5. Geräteidentität und Softwarestand

Zu erfassen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show version
show inventory
show license summary

Juniper Junos

show version
show chassis hardware
show system uptime

Aruba AOS-CX

show version
show system
show inventory

Die verfügbaren Befehle können je nach Plattform und Version abweichen.


6. CPU, Arbeitsspeicher und Systemzustand

Hohe Auslastung kann dazu führen, dass:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show processes cpu
show processes memory
show platform resources

Juniper Junos

show chassis routing-engine
show system processes extensive
show system memory

Aruba AOS-CX

show system resource-utilization
top cpu
top memory

Bei Auffälligkeiten prüfen

Ein Prozess mit hoher CPU-Auslastung ist nicht automatisch die Ursache. Er kann auf einen Broadcast-Sturm, eine Routinginstabilität oder eine andere Störung reagieren.


7. Hardware, Temperatur und Stromversorgung

Zu prüfen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show environment
show platform
show power
show power inline

Nicht jeder Befehl ist auf jeder Cisco-Plattform vorhanden.

Juniper Junos

show chassis environment
show chassis alarms
show system alarms
show poe controller

Aruba AOS-CX

show environment
show system power-supply
show system fans
show poe brief

Typische Warnsignale


8. Schnittstellenstatus untersuchen

Für jede betroffene Schnittstelle sind mindestens zu prüfen:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

Übersicht:

show interfaces status

IP-bezogene Übersicht:

show ip interface brief

Details einer Schnittstelle:

show interfaces GigabitEthernet1/0/1

Beschreibungen:

show interfaces description

Fehlerübersicht auf unterstützten Switches:

show interfaces counters errors

Juniper Junos

Übersicht:

show interfaces terse

Details:

show interfaces ge-0/0/1 extensive

Beschreibung und Status:

show interfaces descriptions

Aruba AOS-CX

show interface brief
show interface 1/1/1
show interface 1/1/1 statistics

Status fachlich einordnen

Zustand mögliche Bedeutung
administrativ deaktiviert Schnittstelle wurde durch Konfiguration abgeschaltet
physisch down kein Link, Kabel-, Transceiver-, Gegenstellen- oder Stromproblem
physisch up, Protokoll down Problem oberhalb der reinen Signalerkennung
häufige Linkwechsel Kabel, Stecker, Transceiver, Stromversorgung oder Autonegotiation
viele Eingangsfehler Medium, Signal, Überlastung oder fehlerhafte Hardware
viele Ausgangsdrops Ausgangswarteschlange überlastet oder Zielverbindung langsamer
Zähler steigen nicht möglicherweise falsche Schnittstelle oder kein Verkehr
Link up bestätigt nur die Verbindung auf der entsprechenden Ebene

9. Fehlerzähler bewerten

Typische Zähler sind:

Mögliche Einordnung

Zähler mögliche Ursache
CRC-Fehler Kabel, Steckverbindung, Transceiver, elektromagnetische Störung oder Gegenstelle
Late Collisions Duplexproblem oder ungeeignete gemeinsame Medienumgebung
Input Drops Eingangspuffer oder Verarbeitung überlastet
Output Drops Ausgangsschnittstelle oder Warteschlange überlastet
Giants zu große Frames, MTU-Abweichung oder fehlerhafte Frames
Runts beschädigte oder zu kurze Ethernetframes
viele Linkwechsel instabile physische Verbindung oder Energieversorgung

Für eine korrekte Bewertung

  1. aktuellen Zählerstand dokumentieren,
  2. Laufzeit des Geräts berücksichtigen,
  3. Datenverkehr beobachten,
  4. Veränderung des Zählers messen,
  5. Gegenstelle prüfen,
  6. Kabel beziehungsweise Transceiver kontrolliert gegenprüfen,
  7. Fehler nicht allein anhand eines historischen Gesamtwerts bewerten.

Ein hoher Zählerstand kann über Monate entstanden sein. Entscheidend ist häufig, ob der Wert während des aktuellen Fehlers weiter steigt.


10. Geschwindigkeit, Duplex und Autonegotiation

Typische Probleme entstehen durch:

Zu vergleichen sind immer beide Seiten der Verbindung.

Prüffragen


11. Transceiver und Glasfaserdiagnose

Diagnoseinformationen können enthalten:

Cisco – abhängig von Plattform und Software

show interfaces transceiver detail

Juniper Junos

show interfaces diagnostics optics

Bestimmte Schnittstelle:

show interfaces diagnostics optics ge-0/0/1

Aruba AOS-CX

show interface transceiver

Die genaue Syntax muss in der Dokumentation der verwendeten Plattform geprüft werden.

Wichtige Einordnung


12. VLAN-Zuordnung prüfen

Typische Ursachen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show vlan brief
show interfaces trunk
show interfaces GigabitEthernet1/0/1 switchport

Juniper Junos – abhängig vom Switching-Modell

show vlans
show ethernet-switching interfaces

Aruba AOS-CX

show vlan
show vlan port 1/1/1
show interface 1/1/1

Prüfreihenfolge

  1. Endgeräteport identifizieren.
  2. Portmodus bestimmen.
  3. Access- oder untagged VLAN prüfen.
  4. Trunk beziehungsweise tagged VLANs prüfen.
  5. Zwischenverbindungen untersuchen.
  6. VLAN auf jedem beteiligten Gerät prüfen.
  7. Layer-3-Gateway des VLANs kontrollieren.
  8. DHCP, ARP und Sicherheitsrichtlinien prüfen.

13. MAC-Adresstabelle untersuchen

Die MAC-Adresstabelle zeigt, an welcher Schnittstelle ein Switch eine MAC-Adresse gelernt hat.

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show mac address-table

Bestimmte Adresse:

show mac address-table address aaaa.bbbb.cccc

Bestimmte Schnittstelle:

show mac address-table interface GigabitEthernet1/0/1

Juniper Junos

show ethernet-switching table

Aruba AOS-CX

show mac-address-table

Mögliche Beobachtungen

Beobachtung Einordnung
MAC-Adresse fehlt kein Verkehr, falsches VLAN, Port down oder Gerät nicht verbunden
MAC-Adresse am erwarteten Port Layer-2-Lernen funktioniert zumindest in dieser Richtung
MAC-Adresse an unerwartetem Port Verkabelung, Schleife, virtuelle Umgebung oder Topologie prüfen
MAC-Adresse wechselt zwischen Ports Schleife, redundante Fehlkonfiguration oder tatsächlich bewegtes Gerät
sehr viele MAC-Adressen an einem Endgeräteport unerwarteter Switch, Hypervisor, Access Point oder Sicherheitsproblem
Tabelle nahezu ausgelastet ungewöhnlich viele Geräte, Angriff oder Dimensionierungsproblem

Eine gelernte MAC-Adresse bestätigt nicht, dass IP-Konfiguration, Routing, DNS oder die Anwendung funktionieren.


14. Spanning Tree untersuchen

Spanning Tree verhindert Layer-2-Schleifen in redundanten Ethernetnetzen.

Zu prüfen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show spanning-tree

Bestimmtes VLAN:

show spanning-tree vlan 10

Details:

show spanning-tree detail

Juniper Junos

show spanning-tree bridge
show spanning-tree interface

Aruba AOS-CX

show spanning-tree
show spanning-tree detail

Hinweise auf eine Layer-2-Schleife

Ein durch STP blockierter Port ist nicht automatisch fehlerhaft. Das Blockieren kann die beabsichtigte schleifenfreie Topologie herstellen.


Bei gebündelten Verbindungen müssen geprüft werden:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show etherchannel summary
show lacp neighbor
show interfaces port-channel 1

Juniper Junos

show interfaces ae0 extensive
show lacp interfaces

Aruba AOS-CX

show lacp interfaces
show interface lag 1

Typische Fehler


16. LLDP und CDP zur Topologieprüfung

Nachbarerkennungsprotokolle helfen dabei, die tatsächlich angeschlossene Gegenstelle zu bestimmen.

Cisco Discovery Protocol

show cdp neighbors

Details:

show cdp neighbors detail
show lldp neighbors
show lldp neighbors detail

Juniper Junos

show lldp neighbors
show lldp neighbors detail

Aruba AOS-CX

show lldp neighbor-info

Zu beachten


17. ARP und IPv6 Neighbor Discovery

ARP ordnet IPv4-Adressen MAC-Adressen zu. IPv6 verwendet Neighbor Discovery.

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show ip arp
show ipv6 neighbors

Juniper Junos

show arp
show ipv6 neighbors

Aruba AOS-CX

show arp
show ipv6 neighbors

Typische Beobachtungen

Beobachtung mögliche Ursache
kein Eintrag Ziel nicht lokal, keine Antwort, falsches VLAN oder falsches Präfix
Eintrag unvollständig ARP- beziehungsweise Neighbor-Anfrage bleibt unbeantwortet
wechselnde MAC-Adresse doppelte IP-Adresse, Cluster, Proxy ARP oder Fehlkonfiguration
MAC-Adresse stimmt nicht mit erwartetem Gerät überein doppelte Adresse, falsche Dokumentation oder Manipulation
Eintrag vorhanden, Kommunikation scheitert Problem kann oberhalb der Nachbarauflösung liegen

Das manuelle Löschen von ARP- oder Neighbor-Einträgen verändert den Zustand und sollte erst nach Dokumentation und mit konkreter Hypothese erfolgen.


18. IP-Adressen und Routingtabelle

Zu prüfen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show ip interface brief
show ip route

Bestimmtes Ziel:

show ip route 192.0.2.10

IPv6:

show ipv6 route

VRF-Übersicht:

show vrf

Juniper Junos

show interfaces terse
show route

Bestimmtes Ziel:

show route 192.0.2.10

Routinginstanzen:

show route instance

Aruba AOS-CX

show ip interface brief
show ip route
show vrf

Routingprüfung

  1. Quellnetz bestimmen.
  2. Zieladresse exakt bestimmen.
  3. verwendete VRF beziehungsweise Routinginstanz feststellen.
  4. Route zum Ziel prüfen.
  5. nächsten Hop prüfen.
  6. Erreichbarkeit des nächsten Hops prüfen.
  7. Rückroute untersuchen.
  8. Policy-Based Routing berücksichtigen.
  9. NAT, Firewall und VPN berücksichtigen.
  10. bei dynamischem Routing den Protokollzustand prüfen.

Eine vorhandene Hinroute bestätigt keine funktionierende Rückroute. Asymmetrische Wege können insbesondere bei Firewalls und zustandsbehafteten Systemen Probleme verursachen.


19. Ping richtig verwenden

Ping verwendet ICMP Echo Request und Echo Reply.

Damit können unter anderem untersucht werden:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

ping 192.0.2.10

Erweiterter Dialog:

ping

Juniper Junos

ping 192.0.2.10

Bestimmte Quelladresse:

ping 192.0.2.10 source 192.0.2.1

Aruba AOS-CX

ping 192.0.2.10

Die Optionen für Quelladresse, VRF, Paketgröße und Anzahl sind versionsabhängig.

Sinnvolle Zielreihenfolge

  1. eigene Schnittstellenadresse,
  2. direkt verbundener nächster Hop,
  3. Gateway,
  4. entferntes IP-Ziel,
  5. Ziel über Namen.

Grenzen


20. Traceroute richtig verwenden

Traceroute hilft dabei, den Pfad beziehungsweise die antwortenden Zwischenstationen zu untersuchen.

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

traceroute 192.0.2.10

Juniper Junos

traceroute 192.0.2.10

Aruba AOS-CX

traceroute 192.0.2.10

Einordnung


21. Dynamische Routingprotokolle

Bei OSPF, BGP und anderen Protokollen sind drei Ebenen getrennt zu prüfen:

  1. besteht die Nachbarschaft?
  2. werden erwartete Routen ausgetauscht?
  3. wird die gewünschte Route tatsächlich für die Weiterleitung verwendet?

Cisco – OSPF

show ip ospf neighbor
show ip ospf interface
show ip route ospf

Cisco – BGP

show ip bgp summary
show ip bgp
show ip route bgp

Juniper – OSPF

show ospf neighbor
show ospf interface
show route protocol ospf

Juniper – BGP

show bgp summary
show route protocol bgp

Aruba AOS-CX – je nach Plattform und Funktionsumfang

show ip ospf neighbors
show bgp all summary

Typische Ursachen

Eine bestehende Routingnachbarschaft bestätigt nicht, dass alle benötigten Präfixe korrekt angenommen, ausgewählt und weitergeleitet werden.


22. ACL- und Firewallregeln prüfen

Bei Zugriffslisten und Firewalls müssen geprüft werden:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show access-lists
show ip access-lists

Zuordnung zu Schnittstellen:

show ip interface

Juniper SRX

show security policies
show security policies hit-count
show security flow session
show security nat source rule all

Wichtige Einordnung


23. DHCP untersuchen

Zu prüfen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

DHCP-Relay auf einer Schnittstelle erkennen:

show running-config interface Vlan10

DHCP Snooping:

show ip dhcp snooping

DHCP-Bindings bei lokalem DHCP-Server:

show ip dhcp binding

Juniper Junos

Die Befehle hängen davon ab, ob das Gerät als DHCP-Server, Relay oder Sicherheitsgerät arbeitet. Beispiele:

show dhcp server binding
show dhcp relay binding

Diese Befehle sind nicht auf jeder Junos-Plattform in derselben Form verfügbar.

Typische Fehlerkette

Client Discover
→ Switch und VLAN
→ DHCP Relay
→ Routing beziehungsweise Firewall
→ DHCP Server
→ Offer und Acknowledgement
→ Rückweg zum Client

24. DNS, NTP, RADIUS und TACACS+

Netzwerkgeräte sind häufig von Infrastrukturdiensten abhängig.

DNS-Probleme können verursachen

NTP-Probleme können verursachen

RADIUS- oder TACACS+-Probleme können verursachen

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show clock
show ntp associations
show ntp status
show aaa servers

Die verfügbaren AAA-Befehle unterscheiden sich nach Plattform und Version.

Juniper Junos

show system uptime
show ntp associations
show system users

Prüfen


25. Protokolle auswerten

Netzwerkgeräte können Protokolle speichern oder an einen zentralen Syslog-Server senden.

Zu erfassen sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show logging

Juniper Junos

show log messages

Letzte Einträge:

show log messages | last 50

Aruba AOS-CX

show logging

Typische Meldungen

Eine einzelne Fehlermeldung beweist nicht automatisch die Ursache. Sie muss zeitlich und technisch mit dem beobachteten Symptom verbunden werden.


26. Syslog-Schweregrade

Die verbreitete Syslog-Einteilung umfasst:

Wert Bezeichnung Bedeutung
0 Emergency System nicht verwendbar
1 Alert sofortige Maßnahme erforderlich
2 Critical kritischer Zustand
3 Error Fehlerzustand
4 Warning Warnung
5 Notice bedeutender normaler Zustand
6 Informational Informationsmeldung
7 Debug ausführliche Diagnosemeldung

Die tatsächliche Nutzung der Stufen hängt vom Hersteller und der jeweiligen Komponente ab.

Zu beachten


27. SNMP und Telemetrie

SNMP und Streaming-Telemetrie können langfristige Messwerte liefern.

Typische Werte sind:

SNMP-Versionen

Version Einordnung
SNMPv1 veraltet, keine moderne Absicherung
SNMPv2c Community-basierte Absicherung, keine angemessene Vertraulichkeit
SNMPv3 unterstützt Benutzer-, Authentifizierungs- und Verschlüsselungsmechanismen

SNMPv3 sollte bevorzugt werden, sofern die Umgebung es unterstützt.

Diagnostischer Nutzen

Grenzen


28. Paketmitschnitt auf Netzwerkgeräten

Viele Router, Firewalls und Switches unterstützen lokale oder gespiegelte Paketmitschnitte.

Mögliche Verfahren:

Vorher festlegen

Wichtige Einschränkungen

Paketmitschnitte können enthalten:


29. Debug-Befehle

Debug-Befehle erzeugen detaillierte Laufzeitinformationen.

Sie können:

Vor einem Debug

  1. konkrete Hypothese formulieren,
  2. Herstellerdokumentation prüfen,
  3. Auswirkungen für die Plattform prüfen,
  4. Wartungsfreigabe einholen,
  5. Filter festlegen,
  6. Zeitdauer begrenzen,
  7. Beendigung des Debugs vorbereiten,
  8. alternative Beobachtungsmöglichkeit prüfen.

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

Aktive Debugs anzeigen:

show debugging

Debug-Ausgaben vollständig beenden:

undebug all

Der Befehl debug all darf auf produktiven Geräten nicht als allgemeine Diagnosemaßnahme verwendet werden.

Ein Debug sollte nur gezielt, zeitlich begrenzt und unter Beobachtung durchgeführt werden.


30. Konfiguration vergleichen

Zu unterscheiden sind:

Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show running-config
show startup-config

Letzte Konfigurationsänderung:

show archive log config all

Der Archivierungsbefehl liefert nur dann passende Daten, wenn die entsprechende Funktion unterstützt und eingerichtet ist.

Juniper Junos

show configuration

Vergleich mit vorheriger Konfiguration:

show system commit
show system rollback compare 1

Aruba AOS-CX

show running-config
show startup-config

Beim Vergleich beachten

Eine Konfiguration darf nicht ungeprüft vollständig in ein Ticket oder öffentliches Dokument kopiert werden. Sie kann Kennwörter, Schlüssel, Community-Strings, Adressen und interne Topologieinformationen enthalten.


31. Hochverfügbarkeit und Stacks

Bei redundanten Geräten sind zusätzlich zu prüfen:

Mögliche Fehlerbilder

Beobachtung mögliche Ursache
beide Geräte halten sich für aktiv Split Brain oder unterbrochene Kontrollverbindung
passives Gerät nicht bereit Versions-, Konfigurations- oder Hardwareproblem
Failover funktioniert, Sitzungen brechen ab fehlende oder unvollständige Sitzungssynchronisation
nur Ports eines Stack-Mitglieds betroffen Mitglied, Stack-Verbindung oder Stromversorgung
wiederholte Rollenwechsel instabile Verbindung, Ressourcenproblem oder fehlerhafte Zustandsprüfung
Redundanz angezeigt, aber gemeinsamer Uplink fehlt logische Redundanz ohne vollständige Pfadredundanz

Ein manuell ausgelöstes Failover ist eine produktive Änderung und benötigt eine Risikoprüfung.


32. WLAN-Access-Points und Controller

Bei WLAN-Problemen müssen Funk-, Netzwerk- und Authentifizierungsebene getrennt werden.

Zu prüfen sind:

Typische WLAN-Werte

Fehlinterpretationen vermeiden

Beobachtung Einordnung
starke Signalstärke bestätigt nicht automatisch gute Signalqualität oder geringen Störpegel
Client ist verbunden bestätigt nicht automatisch DHCP, Routing oder Internetzugriff
SSID ist sichtbar bestätigt nicht automatisch erfolgreiche Authentifizierung
Access Point ist online bestätigt nicht automatisch störungsfreien Funkbetrieb
hohe theoretische Datenrate entspricht nicht automatisch dem tatsächlichen Durchsatz
viele Access Points können bei ungeeigneter Planung zusätzliche Störungen verursachen

33. VPN untersuchen

Bei einem VPN müssen getrennt geprüft werden:

  1. physische und IP-Erreichbarkeit,
  2. Namensauflösung,
  3. IKE- beziehungsweise Kontrollverbindung,
  4. Authentifizierung,
  5. Tunnelaufbau,
  6. Verschlüsselungsparameter,
  7. Routen,
  8. Sicherheitsrichtlinien,
  9. NAT-Ausnahmen,
  10. Datenzähler,
  11. Rückweg,
  12. MTU und Fragmentierung.

Typische Fehler

Ein angezeigter VPN-Status „up“ bestätigt nicht automatisch, dass Nutzdaten in beide Richtungen übertragen werden.


34. NAT untersuchen

Bei NAT sind zu erfassen:

Typische Probleme

Eine erfolgreiche NAT-Übersetzung bestätigt noch nicht, dass der Zielservice antwortet.


35. Support- und Diagnosepakete

Viele Hersteller bieten einen Sammelbefehl oder eine Supportdatei an.

Beispiele:

Cisco – plattformabhängig

show tech-support

Juniper Junos

request support information

Aruba AOS-CX

show tech

Diese Ausgaben können sehr umfangreich sein und das Gerät belasten.

Sie können enthalten:

Vor der Erstellung


36. Typische Prüfreihenfolge bei einem ausgefallenen Switchport

  1. betroffenes Endgerät und Port bestimmen,
  2. Linkstatus prüfen,
  3. Portbeschreibung kontrollieren,
  4. Fehlerzähler dokumentieren,
  5. Geschwindigkeit und Duplex prüfen,
  6. VLAN-Zuordnung prüfen,
  7. MAC-Adresstabelle prüfen,
  8. STP-Zustand prüfen,
  9. Port-Security oder NAC prüfen,
  10. PoE-Zustand prüfen,
  11. Nachbarinformationen prüfen,
  12. Gegenstelle untersuchen,
  13. Kabel oder Transceiver kontrolliert gegenprüfen,
  14. nach jeder Maßnahme erneut testen.

Beispiel Cisco IOS beziehungsweise IOS XE

show interfaces status
show interfaces GigabitEthernet1/0/1
show interfaces GigabitEthernet1/0/1 switchport
show mac address-table interface GigabitEthernet1/0/1
show spanning-tree interface GigabitEthernet1/0/1 detail
show power inline GigabitEthernet1/0/1

37. Praxisbeispiel: Client erreicht das Gateway nicht

Symptom

Ein Client besitzt eine IP-Adresse, kann aber sein Standardgateway nicht erreichen.

Prüfung

  1. IP-Adresse und Präfix des Clients kontrollieren.
  2. Standardgateway kontrollieren.
  3. physische Verbindung prüfen.
  4. Access-VLAN des Ports prüfen.
  5. VLAN auf den Trunks verfolgen.
  6. MAC-Adresse des Clients suchen.
  7. ARP-Eintrag auf Client und Gateway prüfen.
  8. Gateway-Schnittstelle beziehungsweise SVI prüfen.
  9. STP-Zustand prüfen.
  10. Port-Security, NAC und ACL prüfen.
  11. Paketmitschnitt nur bei verbleibender Unklarheit verwenden.

Mögliche Ursachen


38. Praxisbeispiel: VLAN funktioniert an einem Switch, am nächsten nicht

Prüfung

  1. VLAN auf beiden Switches anzeigen.
  2. Access-Port des Clients prüfen.
  3. Uplink und Trunk bestimmen.
  4. erlaubte VLANs auf beiden Seiten vergleichen.
  5. native beziehungsweise untagged VLANs vergleichen.
  6. STP-Zustand für das VLAN prüfen.
  7. MAC-Adresse entlang des Pfads verfolgen.
  8. LACP-Zustand bei gebündeltem Uplink prüfen.
  9. Zwischen-Switches einbeziehen.
  10. erst danach Konfiguration ändern.

Mögliche Ursachen


39. Praxisbeispiel: Standortverbindung ist langsam

Zuerst messen

Mögliche Ursachen

Ein hoher Ping-Wert allein beweist keine geringe verfügbare Bandbreite. Laufzeit, Paketverlust, Jitter und Durchsatz sind unterschiedliche Messgrößen.


40. Praxisbeispiel: Gerät ist im Monitoring offline

Prüfreihenfolge

  1. ist nur das Monitoring oder auch die Nutzfunktion betroffen?
  2. ist die Managementadresse erreichbar?
  3. stimmt die Route zum Managementnetz?
  4. funktioniert der verwendete SNMP-, HTTPS- oder Telemetrieport?
  5. stimmt die Management-VRF?
  6. sind ACL und Firewallregeln unverändert?
  7. sind Zugangsdaten oder Zertifikate abgelaufen?
  8. stimmt die Gerätezeit?
  9. ist der Monitoringdienst selbst funktionsfähig?
  10. antwortet das Gerät über einen anderen Managementweg?

Mögliche Einordnung

Ergebnis mögliche Ursache
Nutzdaten funktionieren, Monitoring nicht Managementpfad, SNMP, Zertifikat oder Monitoringserver
Ping funktioniert, SNMP nicht SNMP-Konfiguration, ACL, Zugangsdaten oder Dienst
mehrere Geräte gleichzeitig offline Monitoringserver, gemeinsamer Managementpfad oder zentrale Firewall
nur ein Standort offline WAN-, VPN- oder Standortproblem
Gerät nur über Konsole erreichbar Managementnetz, Routing, ACL oder Überlastung

41. Häufige Fehlinterpretationen

Aussage fachliche Einordnung
„Der Port ist up, also ist die Verbindung in Ordnung.“ Linkstatus bestätigt nicht VLAN, Routing, Fehlerfreiheit oder Anwendung.
„Ping funktioniert, daher ist der Dienst erreichbar.“ Ping prüft keinen Anwendungsport und keine Anmeldung.
„Die Route ist vorhanden, also muss der Verkehr funktionieren.“ Rückroute, Firewall, NAT und operative Weiterleitung müssen ebenfalls stimmen.
„Der Traceroute endet an einem Router, also ist dieser defekt.“ Zwischenstationen können Antworten filtern oder begrenzen.
„STP blockiert einen Port, deshalb liegt ein Fehler vor.“ Das Blockieren kann die beabsichtigte Schleifenvermeidung sein.
„Der Fehlerzähler ist hoch, daher besteht der Fehler noch.“ Entscheidend ist, ob der Zähler während der Störung weiter steigt.
„Die MAC-Adresse wurde gelernt, also funktioniert der Client.“ Nur das Layer-2-Lernen wurde nachgewiesen.
„Das VPN ist up, also fließen Daten.“ Routen, Richtlinien, NAT und Rückweg können weiterhin fehlerhaft sein.
„Das Gerät ist im Monitoring offline, also ist es ausgefallen.“ Nur der Management- oder Monitoringpfad kann gestört sein.
„Ein Neustart behebt das Problem.“ Er kann nur flüchtigen Zustand entfernen und Beweise vernichten.
show tech ist nur eine harmlose Abfrage.“ Umfangreiche Ausgaben können Ressourcen beanspruchen und vertrauliche Daten enthalten.
„Debug zeigt viele Fehler, also ist die Ursache gefunden.“ Debug-Meldungen müssen mit Zeitpunkt, Datenpfad und Symptom abgeglichen werden.

42. Checkliste Netzwerkgeräte-Fehleranalyse


43. Schnellreferenz

Aufgabe Cisco IOS/IOS XE Juniper Junos Aruba AOS-CX
Version show version show version show version
Hardware show inventory show chassis hardware show inventory
Systemzustand show platform resources show chassis routing-engine show system resource-utilization
Schnittstellenübersicht show ip interface brief show interfaces terse show ip interface brief
Schnittstellendetails show interfaces … show interfaces … extensive show interface …
VLANs show vlan brief show vlans show vlan
Trunks show interfaces trunk show ethernet-switching interfaces Port- und VLAN-Status prüfen
MAC-Tabelle show mac address-table show ethernet-switching table show mac-address-table
Spanning Tree show spanning-tree show spanning-tree bridge show spanning-tree
LACP show lacp neighbor show lacp interfaces show lacp interfaces
LLDP show lldp neighbors show lldp neighbors show lldp neighbor-info
ARP show ip arp show arp show arp
Routingtabelle show ip route show route show ip route
OSPF-Nachbarn show ip ospf neighbor show ospf neighbor show ip ospf neighbors
BGP-Übersicht show ip bgp summary show bgp summary show bgp all summary
Protokolle show logging show log messages show logging
NTP show ntp associations show ntp associations versionsabhängig
Ping ping Ziel ping Ziel ping Ziel
Traceroute traceroute Ziel traceroute Ziel traceroute Ziel
Supportausgabe show tech-support request support information show tech

Diese Tabelle ist eine Orientierung. Vor der Verwendung muss die Befehlsreferenz der konkreten Plattform und Softwareversion geprüft werden.


Merksatz

Netzwerkgeräte werden nicht durch wahllose Neustarts, Tabellenlöschungen oder dauerhafte Debug-Ausgaben untersucht. Zuerst werden Hardware, Schnittstellen, VLANs, Nachbartabellen, Routing, Sicherheitsregeln, Protokolle und Abhängigkeiten getrennt geprüft. Danach wird eine konkrete Hypothese mit einer kleinen, kontrollierten und möglichst reversiblen Maßnahme getestet.


Quellen und weiterführende Dokumentation


Revision #1
Created 1 August 2026 21:21:50 by Admin
Updated 2 August 2026 12:21:27 by Admin