7.3 „Name geht nicht, IP geht“

Ist ein Ziel über seine IP-Adresse erreichbar, aber nicht über seinen Namen, liegt der Fehler wahrscheinlich im Bereich der Namensauflösung.

Beispiel:

ping 192.0.2.25

funktioniert, aber:

ping server01.example.local

scheitert.

Damit ist jedoch noch nicht automatisch bewiesen, dass ausschließlich der DNS-Server fehlerhaft ist. Auch folgende Ursachen sind möglich:

Dieser Entscheidungsbaum dient der schnellen Eingrenzung. Die ausführliche DNS-Analyse befindet sich im Netzwerk- und Verbindungsfehler-Kapitel.


1. Zuerst die Ausgangslage bestätigen

Zunächst prüfen, ob die Verbindung zur Ziel-IP tatsächlich funktioniert.

Test-NetConnection -ComputerName <ziel-ip> -InformationLevel Detailed

Für einen konkreten Dienst:

Test-NetConnection -ComputerName <ziel-ip> -Port <port>

Danach denselben Test mit dem Namen durchführen:

Test-NetConnection -ComputerName <zielname> -Port <port>

Bewertung

Ergebnis Bedeutung
IP und Name funktionieren DNS-Fehler aktuell nicht reproduzierbar
IP funktioniert, Name wird nicht aufgelöst DNS-Pfad untersuchen
Name wird aufgelöst, aber Verbindung scheitert Dienst, Port, Firewall, Routing oder falsche Zieladresse prüfen
IP und Name scheitern nicht nur DNS untersuchen; Netzwerkpfad oder Zielsystem prüfen
Kurzname scheitert, FQDN funktioniert DNS-Suffix oder Suchliste prüfen
FQDN scheitert ebenfalls DNS-Server, Zone, Eintrag oder Weiterleitung prüfen
Name liefert falsche IP-Adresse Record, Cache, Replikation oder Split-DNS prüfen
nur einzelne Anwendungen scheitern Anwendungscache, Proxy, DoH oder anwendungseigene Namensauflösung prüfen

Ein erfolgreicher Ping auf die IP-Adresse bestätigt nicht, dass der benötigte Dienst erreichbar ist. Deshalb sollte nach Möglichkeit derselbe Zielport einmal über die IP-Adresse und einmal über den Namen getestet werden.


2. Schneller Hauptentscheidungsbaum

START: Name geht nicht, IP geht
|
+-- Ist die Ziel-IP über den benötigten Port erreichbar?
|   |
|   +-- Nein -> Dienst, Firewall, Routing oder Zielsystem prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Wurde der richtige Zielname verwendet?
|   |
|   +-- Unklar -> Schreibweise, Domäne und erwarteten FQDN prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Funktioniert der vollständige FQDN?
|   |
|   +-- Ja, aber Kurzname nicht
|   |          -> DNS-Suffix und Suchliste prüfen
|   |
|   +-- Nein
|
+-- Sind die vorgesehenen DNS-Server eingetragen und erreichbar?
|   |
|   +-- Nein -> DHCP, Adapter, VPN, Routing oder Firewall prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Antworten alle eingetragenen DNS-Server gleich?
|   |
|   +-- Nein -> Zone, Record, Replikation oder Serverzustand prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Liefert die Abfrage einen passenden A- oder AAAA-Eintrag?
|   |
|   +-- Nein -> Zone, Record, Forwarder oder Delegation prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Ist die zurückgegebene IP-Adresse korrekt und erreichbar?
|   |
|   +-- Nein -> falschen oder veralteten Record beziehungsweise Cache prüfen
|   |
|   +-- Ja
|
+-- Funktioniert die Anwendung trotzdem nicht?
    |
    +-- Ja  -> Anwendungscache, Proxy, TLS, VPN, NRPT,
    |          DoH oder Hosts-Datei prüfen
    |
    +-- Nein -> DNS-Auflösung funktioniert

3. Den verwendeten Namen genau dokumentieren

Vor weiteren Tests erfassen:

Beispiele:

server01
server01.example.local
portal.example.com
files.example.local

Ein Kurzname wie server01 ist nicht dasselbe wie der vollständige Name:

server01.example.local

Der Kurzname kann nur funktionieren, wenn der Client ihn mithilfe eines DNS-Suffixes zu einem vollständigen Namen ergänzt oder ein anderes vorgesehenes Namensauflösungsverfahren verwendet.


4. DNS-Konfiguration des Clients prüfen

Vollständige Netzwerkkonfiguration anzeigen:

ipconfig /all

Gezielt die konfigurierten DNS-Server anzeigen:

Get-DnsClientServerAddress

Nur IPv4-DNS-Server:

Get-DnsClientServerAddress -AddressFamily IPv4

DNS-Clientkonfiguration der Adapter anzeigen:

Get-DnsClient

Globale DNS-Einstellungen und Suffixsuchliste anzeigen:

Get-DnsClientGlobalSetting

Zu prüfen sind:

Typische Fehlerbilder

Beobachtung Mögliche Ursache
DNS-Serverfeld ist leer fehlerhafte DHCP-Option oder statische Konfiguration
falscher interner DNS-Server DHCP-, Adapter- oder VPN-Konfiguration
öffentlicher DNS-Server am Domänenclient interne Namen können nicht aufgelöst werden
alter DNS-Server eingetragen veraltete statische Konfiguration
VPN-DNS nur bei bestehender Verbindung erreichbar VPN-Verbindung oder Routing fehlt
mehrere Adapter besitzen unterschiedliche DNS-Server falscher Adapter oder unerwarteter DNS-Pfad
IPv6-DNS verweist auf einen anderen Server unterschiedliche Antwortwege möglich
nur ein Client betroffen lokale Konfiguration, Cache, hosts, VPN oder Richtlinie prüfen
mehrere Clients betroffen DHCP-Option, DNS-Dienst, Zone, Replikation oder Netzwerkpfad prüfen

Die DNS-Server eines Unternehmensclients dürfen nicht versuchsweise durch öffentliche DNS-Server ersetzt werden. Dadurch können interne Namen, Active Directory und unternehmensinterne Dienste zusätzlich gestört werden.


5. DNS-Server auf Erreichbarkeit prüfen

Zuerst die IP-Erreichbarkeit des vorgesehenen DNS-Servers prüfen:

ping <dns-server-ip>

Ein fehlgeschlagener Ping beweist keinen Ausfall, da ICMP blockiert sein kann.

TCP-Port 53 prüfen:

Test-NetConnection -ComputerName <dns-server-ip> -Port 53

Wichtig

Dieser Befehl testet nur TCP-Port 53. Klassische DNS-Abfragen verwenden häufig zunächst UDP-Port 53. Größere Antworten, Zonentransfers und bestimmte weitere Fälle können TCP verwenden.

Ein erfolgreicher TCP-Test bestätigt deshalb nicht vollständig:

Die eigentliche DNS-Funktion muss mit einer DNS-Abfrage geprüft werden.


6. Den Namen gezielt abfragen

Standardabfrage mit dem aktuell verwendeten DNS-Pfad:

Resolve-DnsName <zielname>

Beispiel:

Resolve-DnsName server01.example.local

Gezielt einen bestimmten DNS-Server abfragen:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <dns-server-ip>

Alternativ:

nslookup <zielname>

Bestimmten DNS-Server abfragen:

nslookup <zielname> <dns-server-ip>

Zu dokumentieren sind:

nslookup und Resolve-DnsName sind wichtige Diagnosetests. Sie bilden jedoch nicht in jedem Fall exakt denselben Auflösungsweg ab, den eine konkrete Anwendung verwendet. Anwendungen können beispielsweise eigene Caches, Browser-DoH, Proxyauflösung oder andere Bibliotheken benutzen.


7. Jeden konfigurierten DNS-Server einzeln testen

Sind mehrere DNS-Server eingetragen, muss jeder einzeln abgefragt werden.

Beispiel:

Resolve-DnsName server01.example.local -Server 192.0.2.10
Resolve-DnsName server01.example.local -Server 192.0.2.11

Bewertung

DNS-Server 1 DNS-Server 2 Mögliche Ursache
richtige Antwort richtige Antwort Serverantworten sind konsistent
richtige Antwort keine Antwort zweiter Server, Dienst oder Netzwerkpfad gestört
richtige Antwort falsche IP Replikations-, Zonen- oder Recordproblem
Record vorhanden NXDOMAIN Zone oder Record fehlt auf einem Server
beide keine Antwort gemeinsame Erreichbarkeit, Firewall oder Dienst prüfen
beide NXDOMAIN Name, Zone, Delegation oder Forwarder prüfen
unterschiedliche TTL kann durch unterschiedliche Cachezustände entstehen
unterschiedliche Record-Sätze Replikation, Split-DNS oder Lastverteilung prüfen

Wenn nur einer von mehreren DNS-Servern fehlerhaft antwortet, kann das Problem scheinbar zufällig auftreten. Abhängig vom verwendeten Server funktioniert die Namensauflösung dann zeitweise oder nur auf bestimmten Clients.


8. FQDN und Kurzname vergleichen

Vollständigen Namen testen:

Resolve-DnsName server01.example.local

Kurznamen testen:

Resolve-DnsName server01

Entscheidung

Funktioniert der FQDN?
|
+-- Nein
|   -> DNS-Server, Zone, Record, Weiterleitung oder Delegation prüfen
|
+-- Ja
    |
    +-- Funktioniert auch der Kurzname?
        |
        +-- Ja  -> Suffixauflösung funktioniert
        |
        +-- Nein
            -> DNS-Suffix und Suchliste prüfen

DNS-Clientinformationen anzeigen:

Get-DnsClient

Globale Suffixsuchliste anzeigen:

Get-DnsClientGlobalSetting

In ipconfig /all insbesondere prüfen:

Primäres DNS-Suffix
Verbindungsspezifisches DNS-Suffix
DNS-Suffixsuchliste

Mögliche Ursachen bei „FQDN geht, Kurzname geht nicht“

Für Diagnose und Dokumentation ist der FQDN grundsätzlich aussagekräftiger als ein Kurzname.


9. A- und AAAA-Einträge getrennt prüfen

IPv4-Eintrag abfragen:

Resolve-DnsName <zielname> -Type A

IPv6-Eintrag abfragen:

Resolve-DnsName <zielname> -Type AAAA

Mit nslookup:

nslookup -type=A <zielname>
nslookup -type=AAAA <zielname>

Bewertung

Ergebnis Mögliche Ursache
richtiger A-Eintrag, kein AAAA-Eintrag nur IPv4 vorgesehen; nicht automatisch ein Fehler
richtiger AAAA-Eintrag, kein A-Eintrag nur IPv6 vorgesehen; Umgebung prüfen
A-Eintrag zeigt auf alte IP veralteter Record oder Cache
AAAA-Eintrag zeigt auf nicht erreichbares Ziel veralteter IPv6-Record oder fehlerhafter IPv6-Pfad
mehrere A- oder AAAA-Einträge Lastverteilung oder mehrere Zielsysteme möglich
nur eine der gelieferten Adressen funktioniert einzelnen Record und Zielpfad prüfen
CNAME verweist auf nicht auflösbaren Namen Ziel des CNAME prüfen
NXDOMAIN Name oder Zone existiert laut befragtem Server nicht
SERVFAIL Server konnte die Anfrage nicht korrekt verarbeiten

Wenn ein Name mehrere Adressen liefert, müssen alle zurückgegebenen Ziele berücksichtigt werden. Ein einzelner funktionierender Record beweist nicht, dass jeder mögliche Verbindungsversuch erfolgreich ist.


10. Zurückgegebene IP-Adresse überprüfen

Nach erfolgreicher Auflösung prüfen, ob die Antwort dem erwarteten Ziel entspricht.

Resolve-DnsName <zielname>

Danach den benötigten Port an der gelieferten Adresse testen:

Test-NetConnection -ComputerName <zurückgegebene-ip> -Port <port>

Zu klären sind:

Wichtig

„Der Name wird aufgelöst“ bedeutet nur, dass eine DNS-Antwort vorliegt. Die Antwort kann trotzdem falsch, veraltet oder für den aktuellen Netzwerkstandort ungeeignet sein.


11. DNS-Clientcache untersuchen

Cacheeinträge anzeigen:

ipconfig /displaydns

Alternativ:

Get-DnsClientCache

Gezielt nach einem Namen suchen:

Get-DnsClientCache | Where-Object Entry -Like "*<zielname>*"

Zu prüfen sind:

Vergleich

Resolve-DnsName <zielname>

und anschließend gezielt:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <dns-server-ip>

Unterscheiden sich Cache und direkte Serverantwort, kann ein veralteter Cacheeintrag vorliegen.

Cache erst nach der Dokumentation leeren:

Clear-DnsClientCache

Alternativ:

ipconfig /flushdns

Danach denselben Test erneut durchführen:

Resolve-DnsName <zielname>

Negativer Cache

Auch eine zuvor fehlgeschlagene Namensauflösung kann zwischengespeichert werden. Wurde der DNS-Eintrag erst danach angelegt, kann der Client bis zum Ablauf des negativen Cacheeintrags weiterhin melden, dass der Name nicht existiert.

Das Leeren des Caches ist nur dann ein aussagekräftiger Test, wenn vorher und nachher dieselbe Abfrage dokumentiert wird.


12. hosts-Datei prüfen

Unter Windows befindet sich die Datei hier:

C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts

Inhalt mit PowerShell anzeigen:

Get-Content "$env:SystemRoot\System32\drivers\etc\hosts"

Relevante aktive Zeilen anzeigen:

Get-Content "$env:SystemRoot\System32\drivers\etc\hosts" |
    Where-Object { $_ -notmatch '^\s*#' -and $_ -notmatch '^\s*$' }

Mögliche Fehler:

Beispiel eines problematischen Eintrags:

192.0.2.40 server01.example.local

Wenn der Server inzwischen die Adresse 192.0.2.50 verwendet, kann der Client trotz korrektem DNS-Eintrag weiterhin das alte Ziel verwenden.

Ein Eintrag darf erst nach Sicherung und Freigabe kontrolliert geändert oder entfernt werden. Nicht jede Anwendung verwendet zwingend den identischen Windows-Auflösungsweg.


13. Zone und Resource Record auf dem DNS-Server prüfen

Auf einem autorisierten Windows-DNS-Server können die vorhandenen Zonen angezeigt werden:

Get-DnsServerZone

Bestimmte Zone prüfen:

Get-DnsServerZone -Name "<zone>"

Resource Record suchen:

Get-DnsServerResourceRecord -ZoneName "<zone>" -Name "<hostname>"

A- und AAAA-Records der Zone anzeigen:

Get-DnsServerResourceRecord -ZoneName "<zone>" -RRType A
Get-DnsServerResourceRecord -ZoneName "<zone>" -RRType AAAA

Zu prüfen sind:

Beispiel

Der Client fragt ab:

server01.example.local

Dafür müssen mindestens folgende Bestandteile stimmen:

Zone: example.local
Name: server01
Typ: A oder AAAA
Wert: vorgesehene IP-Adresse

Ein korrekt aussehender Record auf einem DNS-Server genügt nicht, wenn Clients auch andere DNS-Server verwenden.


14. TTL und veraltete Antworten berücksichtigen

Die TTL bestimmt, wie lange ein Resolver einen DNS-Record zwischenspeichern darf.

TTL mit PowerShell prüfen:

Resolve-DnsName <zielname>

Ausführlich mit nslookup:

nslookup -debug <zielname>

Mögliche Situation:

  1. ein Record zeigte auf eine alte IP-Adresse,
  2. der Record wurde auf dem DNS-Server korrigiert,
  3. ein Client oder zwischengeschalteter Resolver besitzt noch die alte Antwort,
  4. der Client verwendet diese bis zum Ablauf der TTL weiter.

Zu berücksichtigen sind:

Eine kurze TTL löst keine falsche Zonen- oder Replikationskonfiguration. Eine lange TTL ist ebenfalls nicht automatisch fehlerhaft, verlängert aber die mögliche Nutzungsdauer eines veralteten Cacheeintrags.


15. Zonenreplikation prüfen

Bei Active-Directory-integrierten Zonen prüfen:

Zone auf mehreren Servern gezielt vergleichen:

Get-DnsServerResourceRecord `
    -ComputerName <dns-server-1> `
    -ZoneName "<zone>" `
    -Name "<hostname>"
Get-DnsServerResourceRecord `
    -ComputerName <dns-server-2> `
    -ZoneName "<zone>" `
    -Name "<hostname>"

Hinweise auf ein Replikationsproblem

Die Zone oder der Record sollte nicht einfach auf jedem Server manuell nachgebaut werden. Zuerst muss geklärt werden, warum die vorgesehene Replikation nicht funktioniert.


16. Forwarder und Conditional Forwarder prüfen

Forwarder auf einem Windows-DNS-Server anzeigen:

Get-DnsServerForwarder

Conditional Forwarder anzeigen:

Get-DnsServerZone |
    Where-Object ZoneType -EQ "Forwarder"

Details einer Weiterleitungszone prüfen:

Get-DnsServerConditionalForwarderZone -Name "<zone>"

Zu prüfen sind:

Gezielte Prüfung des Zielservers:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <forwarder-ip>

Entscheidung

Betrifft der Fehler nur Namen einer bestimmten Domäne?
|
+-- Nein
|   -> allgemeinen DNS-Dienst und Clientpfad prüfen
|
+-- Ja
    |
    +-- Ist der lokale DNS-Server für die Zone autoritativ?
        |
        +-- Ja  -> Zone, Record und Replikation prüfen
        |
        +-- Nein
            |
            +-- Existiert ein Conditional Forwarder oder eine Delegation?
                |
                +-- Nein -> vorgesehene Namensarchitektur prüfen
                |
                +-- Ja  -> Zielserver, Erreichbarkeit und Antwort prüfen

17. Delegation prüfen

Bei einer delegierten untergeordneten Zone müssen die übergeordnete Zone und die zuständigen Nameserver korrekt auf die untergeordnete Zone verweisen.

Nameserver abfragen:

Resolve-DnsName <untergeordnete-zone> -Type NS

SOA-Eintrag prüfen:

Resolve-DnsName <untergeordnete-zone> -Type SOA

Zu prüfen sind:

Typisches Fehlerbild

host.abteilung.example.local

Die Zone:

abteilung.example.local

wurde auf separate DNS-Server delegiert. Die übergeordnete Zone kennt jedoch einen alten Nameserver. Dadurch funktioniert die übrige Domäne, während nur Namen unterhalb der delegierten Zone scheitern.


18. UDP und TCP auf Port 53 unterscheiden

DNS verwendet sowohl UDP als auch TCP.

Typische Gründe für TCP-Nutzung:

Nur TCP testen:

Test-NetConnection -ComputerName <dns-server-ip> -Port 53

Eine tatsächliche DNS-Abfrage ausführen:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <dns-server-ip>

Abfrage ausdrücklich über TCP erzwingen:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <dns-server-ip> -TcpOnly

Bewertung

Normale Abfrage Abfrage mit -TcpOnly Mögliche Eingrenzung
funktioniert funktioniert UDP und TCP wahrscheinlich nutzbar
scheitert funktioniert UDP 53 oder UDP-Antwortpfad untersuchen
funktioniert scheitert TCP 53 untersuchen
beide scheitern DNS-Dienst, Erreichbarkeit, Firewall oder Name prüfen
kleine Antworten funktionieren, große nicht Fragmentierung, MTU, EDNS oder TCP-Fallback prüfen

Firewallregeln dürfen nicht pauschal deaktiviert werden. Stattdessen sind erlaubte und blockierte DNS-Verbindungen gezielt anhand von Quelle, Ziel, Protokoll und Port zu prüfen.


19. Split-DNS berücksichtigen

Bei Split-DNS liefert derselbe Name abhängig vom verwendeten DNS-System unterschiedliche Antworten.

Beispiel:

portal.example.com

Intern:

10.10.20.25

Extern:

198.51.100.25

Vergleichsabfragen:

Resolve-DnsName portal.example.com -Server <interner-dns-server>
Resolve-DnsName portal.example.com -Server <vorgesehener-externer-dns-server>

Zu prüfen sind:

Typisches Fehlerbild

Die interne Zone example.com existiert, enthält aber keinen Record für portal. Der interne DNS-Server fragt deshalb möglicherweise nicht extern weiter, sondern beantwortet die Anfrage aus seiner eigenen autoritativen Zone mit einem negativen Ergebnis.


20. VPN, NRPT und DNS-Routing prüfen

VPN-Clients können abhängig von ihrer Konfiguration:

DNS-Konfiguration vor und nach der VPN-Verbindung vergleichen:

Get-DnsClientServerAddress
Get-DnsClientGlobalSetting

NRPT-Regeln anzeigen:

Get-DnsClientNrptPolicy

Zusätzlich, abhängig von der Windows-Version:

Get-DnsClientNrptRule

Zu prüfen sind:

Vergleich

Zustand Ergebnis Eingrenzung
ohne VPN fehlerhaft, mit VPN erfolgreich interner DNS nur über VPN vorgesehen
ohne VPN erfolgreich, mit VPN fehlerhaft VPN-DNS, NRPT oder Tunnelrouting prüfen
nur interne Namen fehlerhaft internen DNS-Pfad und Suffix prüfen
interne und externe Namen fehlerhaft VPN-DNS-Konfiguration oder allgemeine Erreichbarkeit prüfen
FQDN funktioniert, Kurzname nicht Suffixänderung durch VPN prüfen

21. DNS over HTTPS berücksichtigen

Bei DNS over HTTPS, kurz DoH, werden DNS-Abfragen verschlüsselt über HTTPS übertragen. Dadurch kann eine Anwendung oder der Windows-DNS-Client einen anderen DNS-Pfad verwenden als bei klassischem DNS über Port 53.

Windows-Konfiguration unterstützter DoH-Server anzeigen:

Get-DnsClientDohServerAddress

Zu prüfen sind:

Typische Hinweise

Beobachtung Mögliche Ursache
Resolve-DnsName funktioniert, Browser nicht Browsercache, Browser-DoH, Proxy oder Anwendung prüfen
Browser funktioniert, andere Anwendungen nicht Browser verwendet möglicherweise eigenen Resolver oder DoH
interne Namen nur im Browser fehlerhaft Browser-DoH umgeht möglicherweise internen DNS
klassischer DNS-Port 53 blockiert, DoH funktioniert unterschiedliche DNS-Pfade
Fehler nur nach Aktivierung von sicherem DNS DoH-Konfiguration oder verwendeten Resolver prüfen

DoH sollte nicht ungeprüft deaktiviert oder umkonfiguriert werden. Zuerst ist festzustellen, welcher Auflösungsweg tatsächlich vorgesehen ist.


22. DNS-Servercache berücksichtigen

Auch ein DNS-Server kann veraltete positive oder negative Antworten zwischenspeichern.

Cacheeinträge eines autorisierten Windows-DNS-Servers anzeigen:

Show-DnsServerCache

Gezielt sollte geprüft werden:

Beispiel:

Resolve-DnsName <zielname> -Server <lokaler-dns-server>
Resolve-DnsName <zielname> -Server <autoritativ-dns-server>

Der Servercache darf nicht als erste Maßnahme vollständig geleert werden. Vorher müssen betroffene Einträge, TTL, Serverantworten und Zeitpunkt dokumentiert werden.


23. CNAME-Ketten vollständig prüfen

CNAME-Abfrage:

Resolve-DnsName <zielname> -Type CNAME

Normale Abfrage:

Resolve-DnsName <zielname>

Beispiel:

portal.example.local
    CNAME -> webfarm.example.local
    A     -> 192.0.2.80

Zu prüfen sind:

Ein vorhandener CNAME genügt nicht. Die gesamte Kette bis zum abschließenden A- oder AAAA-Record muss funktionieren.


24. DNS-Antwortcodes richtig bewerten

Antwort Bedeutung Nächster Schritt
NOERROR mit Antwort Abfrage wurde erfolgreich beantwortet Record und Adresse prüfen
NOERROR ohne gesuchten Record Name kann existieren, aber der angefragte Typ fehlt Record-Typ und Zonendaten prüfen
NXDOMAIN der abgefragte Name existiert laut antwortendem Server nicht Schreibweise, Zone, Record, Cache und Replikation prüfen
SERVFAIL Server konnte die Anfrage nicht erfolgreich verarbeiten DNSSEC, Weiterleitung, Delegation, Serverprotokolle oder Erreichbarkeit prüfen
REFUSED Server lehnt die Anfrage ab Richtlinie, Rekursion, ACL oder Serverrolle prüfen
Zeitüberschreitung keine rechtzeitige Antwort Dienst, Netzwerkpfad, Firewall, UDP/TCP oder Auslastung prüfen

Ein NXDOMAIN ist eine DNS-Antwort und nicht dasselbe wie eine Zeitüberschreitung. Bei NXDOMAIN hat ein DNS-Server geantwortet, konnte den Namen jedoch in seinem Auflösungspfad nicht als vorhanden bestätigen.


25. Anwendungen getrennt vom DNS-System testen

Wenn Befehlszeilentests funktionieren, die Anwendung jedoch weiterhin scheitert, prüfen:

Vergleichstests

Resolve-DnsName <zielname>
Test-NetConnection -ComputerName <zielname> -Port <port>
Test-NetConnection -ComputerName <aufgelöste-ip> -Port <port>

Wenn diese Tests erfolgreich sind, muss der konkrete Auflösungs- und Verbindungsweg der Anwendung untersucht werden.


26. Beispiel für eine schnelle Diagnose

Symptom

Ein Benutzer kann den internen Fileserver über seine IP-Adresse erreichen:

\\192.0.2.25\Freigabe

Der Zugriff über den Namen scheitert:

\\fileserver.example.local\Freigabe

IP-Prüfung

Test-NetConnection -ComputerName 192.0.2.25 -Port 445

Ergebnis:

TcpTestSucceeded : True

Namensprüfung

Resolve-DnsName fileserver.example.local

Ergebnis:

Name       : fileserver.example.local
Type       : A
IPAddress  : 192.0.2.20

Bewertung

Vergleich der DNS-Server

Resolve-DnsName fileserver.example.local -Server 192.0.2.10

Ergebnis:

IPAddress : 192.0.2.25
Resolve-DnsName fileserver.example.local -Server 192.0.2.11

Ergebnis:

IPAddress : 192.0.2.20

Festgestellte Ursache

Der aktualisierte A-Record wurde aufgrund einer gestörten Active-Directory-Replikation noch nicht auf den zweiten DNS-Server übertragen.

Kontrollierte Maßnahme

Nachprüfung

Resolve-DnsName fileserver.example.local -Server 192.0.2.10
Resolve-DnsName fileserver.example.local -Server 192.0.2.11

Beide Server liefern:

IPAddress : 192.0.2.25

Zusätzlich:

Test-NetConnection -ComputerName fileserver.example.local -Port 445

Ergebnis:

TcpTestSucceeded : True

Die Freigabe funktioniert anschließend wieder über den vorgesehenen Namen.


27. Ungeeignete Sofortmaßnahmen

Nicht als erste Maßnahme verwenden:

Solche Maßnahmen können den ursprünglichen Zustand verändern, Beweise beseitigen oder zusätzliche Fehler in Active Directory, VPN und internen Anwendungen verursachen.


28. Vollständige Schnellprüfreihenfolge

  1. genaue Fehlermeldung und Uhrzeit erfassen.
  2. verwendeten Namen exakt dokumentieren.
  3. erwartete Ziel-IP und Zielport feststellen.
  4. Zielport über die IP-Adresse prüfen.
  5. Zielport über den Namen prüfen.
  6. FQDN und Kurzname getrennt testen.
  7. aktive Netzwerkadapter ermitteln.
  8. konfigurierte DNS-Server dokumentieren.
  9. DNS-Suffix und Suchliste prüfen.
  10. VPN und virtuelle Adapter berücksichtigen.
  11. jeden eingetragenen DNS-Server einzeln abfragen.
  12. Antworten und TTL miteinander vergleichen.
  13. A- und AAAA-Records getrennt prüfen.
  14. CNAME-Kette untersuchen.
  15. zurückgegebene IP-Adressen einzeln testen.
  16. Clientcache anzeigen und dokumentieren.
  17. negative Cacheeinträge berücksichtigen.
  18. hosts-Datei kontrollieren.
  19. Zone und Resource Record auf dem DNS-Server prüfen.
  20. Record auf allen zuständigen DNS-Servern vergleichen.
  21. Zonen- oder AD-Replikation untersuchen.
  22. Forwarder und Conditional Forwarder prüfen.
  23. Delegation und Nameserver prüfen.
  24. UDP und TCP 53 unterscheiden.
  25. Split-DNS berücksichtigen.
  26. VPN-Routing, DNS-Zuweisung und NRPT prüfen.
  27. DoH und anwendungseigene Resolver berücksichtigen.
  28. genau eine Hypothese formulieren.
  29. genau eine kontrollierte Maßnahme durchführen.
  30. dieselben Abfragen erneut ausführen.
  31. jeden vorgesehenen DNS-Server erneut testen.
  32. den benötigten Dienst über den Namen prüfen.
  33. Vergleichsclient oder Vergleichsstandort testen.
  34. temporäre Diagnoseänderungen entfernen.
  35. Ursache, Maßnahme und Nachweis dokumentieren.

29. Checkliste „Name geht nicht, IP geht“


30. Schnellreferenz

Ergebnis Nächster Schritt
IP und Zielport funktionieren, Name nicht DNS-Pfad untersuchen
IP funktioniert, Zielport nicht Dienst oder Firewall prüfen
FQDN funktioniert, Kurzname nicht DNS-Suffix und Suchliste prüfen
kein DNS-Server eingetragen DHCP- oder Adapterkonfiguration prüfen
falscher DNS-Server eingetragen vorgesehene Clientkonfiguration prüfen
DNS-Server nicht erreichbar Routing, VPN, Firewall oder Server prüfen
ein DNS-Server antwortet, ein anderer nicht zweiten Server oder Netzwerkpfad prüfen
DNS-Server liefern unterschiedliche IPs Record, Replikation oder Split-DNS prüfen
A korrekt, AAAA falsch IPv6-Record und IPv6-Pfad prüfen
AAAA korrekt, A falsch IPv4-Record und IPv4-Pfad prüfen
Name liefert alte IP Record, TTL und Cache prüfen
direkte Serverabfrage korrekt, Clientantwort falsch Clientcache, hosts oder Resolverpfad prüfen
NXDOMAIN Name, Zone, Record, Replikation oder Weiterleitung prüfen
SERVFAIL Server, DNSSEC, Forwarder oder Delegation prüfen
FQDN in bestimmter Domäne scheitert Conditional Forwarder oder Delegation prüfen
nur intern fehlerhaft interne Zone, Split-DNS oder internen Resolver prüfen
nur extern fehlerhaft Forwarder, Rekursion oder externen DNS-Pfad prüfen
nur mit VPN fehlerhaft VPN-DNS, NRPT, Suffix oder Routing prüfen
nur ohne VPN fehlerhaft interner DNS möglicherweise nur über VPN erreichbar
PowerShell funktioniert, Browser nicht Browsercache, DoH, Proxy oder Anwendung prüfen
normale Abfrage scheitert, -TcpOnly funktioniert UDP 53 oder UDP-Antwortpfad prüfen
TCP-Abfrage scheitert TCP 53, Firewall oder DNS-Dienst prüfen
CNAME vorhanden, Ziel nicht auflösbar vollständige CNAME-Kette prüfen
Fehler nur auf einem Client Cache, hosts, Adapter, VPN oder DoH prüfen
Fehler auf mehreren Clients DNS-Dienst, DHCP-Option, Zone oder Replikation prüfen

Merksatz

Wenn die IP-Adresse funktioniert, der Name aber nicht, wird von unten nach oben geprüft: richtiger Name, FQDN, Client-DNS, einzelner DNS-Server, A und AAAA, Cache, Zone, Record, Replikation und Weiterleitung. Eine DNS-Antwort ist erst dann brauchbar, wenn sie vom vorgesehenen Server kommt und auf das richtige erreichbare Ziel verweist.


Quellen und weiterführende Dokumentation


Revision #1
Created 1 August 2026 23:52:00 by Admin
Updated 2 August 2026 12:21:27 by Admin