7.4 VLAN- und Switching-Fehleranalyse

Ein Client besitzt eine gültige IP-Konfiguration, kann aber bestimmte Geräte, Server oder Netze nicht erreichen. Andere Clients am gleichen Standort funktionieren möglicherweise problemlos. In solchen Fällen kann die Ursache auf der Sicherungsschicht liegen:

Die Diagnose muss vom betroffenen Endgerät über jeden beteiligten Switch bis zum Gateway beziehungsweise Zielsystem erfolgen.

Ein Symptom ist noch keine Ursache. Ein erreichbarer Switch beweist nicht, dass das betroffene VLAN auf dem vollständigen Datenpfad korrekt transportiert wird.


1. Typische Fehlerbilder

Beobachtung Mögliche Ursache
nur ein Client ist betroffen Access-Port, Kabel, Netzwerkkarte, VLAN-Zuordnung oder Port-Security
alle Clients an einem Switch sind betroffen Uplink, Trunk, EtherChannel, STP oder Switchausfall
nur ein VLAN ist betroffen VLAN fehlt, Trunk-Liste, SVI, Gateway oder STP-Instanz
Clients im gleichen VLAN kommunizieren nicht falsches VLAN, Port-Isolation, Private VLAN, ACL oder lokale Firewall
lokale Geräte sind erreichbar, Gateway nicht Uplink, Trunk, SVI oder Gateway
Gateway erreichbar, andere VLANs nicht Routing, ACL oder Firewall statt reines Layer-2-Problem
Fehler tritt nur an einem Standort auf lokaler Switch, Trunk, Standort-Uplink oder VLAN-Bereitstellung
Fehler tritt nur an einem Port auf Portkonfiguration, Kabel, Port-Security oder Hardware
Verbindung funktioniert nach Umstecken unterschiedliche VLAN- oder Portkonfiguration
Verbindung fällt wiederholt kurz aus Link-Flapping, STP-Änderungen, EtherChannel oder Hardware
IP-Telefon funktioniert, angeschlossener PC nicht Voice-VLAN korrekt, Data-VLAN oder Trunk zum Telefon fehlerhaft
DHCP funktioniert nicht, statische IP teilweise schon DHCP-Relay, DHCP-Serverpfad oder falsches VLAN
MAC-Adresse erscheint ständig an anderen Ports Schleife, falsch verbundene Switches oder MAC-Flapping

2. Sollzustand vor der Diagnose feststellen

Vor der Fehlersuche muss bekannt sein, wie der Port und der Datenpfad vorgesehen sind.

Zu dokumentieren sind:

Beispiel:

Client:              client01
MAC-Adresse:         00:11:22:33:44:55
Switch:              access-sw01
Port:                GigabitEthernet1/0/12
Access-VLAN:         20
IP-Netz:             192.0.2.0/24
Gateway:             192.0.2.1
Uplink:               GigabitEthernet1/0/48
Trunk-VLANs:          10,20,30
Distribution-Switch: dist-sw01
SVI:                  Vlan20

Ohne diesen Sollzustand lässt sich eine vorhandene Konfiguration nicht zuverlässig als richtig oder falsch bewerten.


3. Umfang der Störung bestimmen

Zuerst prüfen:

Vergleichstests

Vergleich Aussage
anderer Client am gleichen Port grenzt Client und Port gegeneinander ab
gleicher Client an bekannt funktionierendem Port prüft Client gegen Switchport
anderer Client im gleichen VLAN prüft Umfang innerhalb des VLANs
Client in anderem VLAN am gleichen Switch grenzt VLAN gegen allgemeinen Switchfehler ab
gleiches VLAN an anderem Switch grenzt lokalen Switch oder Uplink ein
Gateway desselben VLANs prüft den Layer-2-Pfad bis zum Gateway
Ziel im gleichen Subnetz prüft lokale Layer-2-Kommunikation
Ziel in anderem Subnetz bezieht zusätzlich Routing und Firewall ein

Ein Gerät darf nur kontrolliert umgesteckt werden. Vorher müssen ursprünglicher Port, VLAN-Zuordnung und Konfiguration dokumentiert werden.


4. Clientkonfiguration prüfen

Unter Windows:

ipconfig /all
Get-NetAdapter
Get-NetIPConfiguration
Get-NetIPAddress
Get-NetRoute -AddressFamily IPv4

Unter Linux:

ip address show
ip route show

Unter macOS:

ifconfig
route -n get default

Zu prüfen sind:

Eine gültig aussehende IP-Adresse beweist nicht, dass der Client am richtigen VLAN angeschlossen ist. In verschiedenen VLANs können ähnliche oder versehentlich überlappende Adressbereiche vorkommen.


5. Physische Verbindung und Portstatus prüfen

Am Client prüfen:

Get-NetAdapter |
    Format-Table Name, InterfaceDescription, Status, LinkSpeed, MacAddress

Auf einem Cisco-IOS-/IOS-XE-Switch beispielsweise:

show interfaces status

Gezielten Port prüfen:

show interfaces GigabitEthernet1/0/12

Kurze Fehlerübersicht:

show interfaces counters errors

Zu prüfen sind:

Typische Bewertungen

Status oder Zähler Mögliche Ursache
notconnect kein Link, Kabel, Client oder Gegenstelle
disabled Port administrativ deaktiviert
err-disabled Schutzfunktion oder erkannter Fehler
viele CRC-Fehler Kabel, Stecker, Transceiver, Duplex oder physische Störung
viele Input Errors physischer Fehler, Überlastung oder fehlerhafte Frames
viele Output Drops Überlastung oder Warteschlange
Geschwindigkeit unerwartet niedrig Kabel, Aushandlung oder Gegenstelle
Link wechselt ständig Kabel, Netzwerkkarte, Transceiver, Energieversorgung oder Port

Zähler sollten zuerst dokumentiert und danach über einen festgelegten Zeitraum erneut abgelesen werden. Ein hoher historischer Wert allein beweist keinen aktuell fortbestehenden Fehler.


6. Nachbarschaft und tatsächlichen Port ermitteln

Cisco Discovery Protocol:

show cdp neighbors

Details:

show cdp neighbors detail
show lldp neighbors

Details:

show lldp neighbors detail

Zu prüfen sind:

CDP oder LLDP kann deaktiviert sein. Ein fehlender Nachbar beweist deshalb nicht, dass keine Verbindung besteht.


7. VLAN-Zuordnung des Access-Ports prüfen

VLAN-Übersicht:

show vlan brief

Portbezogene Switchportinformationen:

show interfaces GigabitEthernet1/0/12 switchport

Relevante Portkonfiguration:

show running-config interface GigabitEthernet1/0/12

Zu prüfen sind:

Beispiel eines vorgesehenen Access-Ports:

interface GigabitEthernet1/0/12
 switchport mode access
 switchport access vlan 20

Mögliche Fehler

switchport access vlan 10

obwohl der Client VLAN 20 verwenden soll.

Oder der Port arbeitet unerwartet als Trunk:

switchport mode trunk

Eine Konfigurationszeile allein reicht nicht zur Bewertung. Administrative und operative Zustände müssen miteinander verglichen werden.


8. Existenz und Status des VLANs prüfen

show vlan brief

Gezielt:

show vlan id 20

Zu prüfen sind:

Wichtig

Ein Access-Port kann auf ein VLAN verweisen, das auf dem Switch nicht ordnungsgemäß vorhanden oder aktiv ist. Ebenso beweist die Existenz des VLANs auf einem Access-Switch nicht, dass es auf allen weiteren Switches des Pfades verfügbar ist.

VLANs dürfen nicht vorschnell neu angelegt werden. Zuerst muss geklärt werden, ob das VLAN absichtlich entfernt wurde oder über ein vorgesehenes Verwaltungsverfahren bereitgestellt werden soll.


9. MAC-Adresse des Clients ermitteln

Unter Windows:

Get-NetAdapter |
    Format-Table Name, MacAddress, Status

Unter Linux:

Unter macOS:

ifconfig

Die MAC-Adresse muss dem tatsächlich verwendeten physischen Adapter zugeordnet werden. WLAN-, Ethernet-, Docking-, VPN- und virtuelle Adapter besitzen unterschiedliche MAC-Adressen.

Beispiel:

00-11-22-33-44-55

Auf Cisco-Switches wird sie normalerweise ohne Trennzeichen oder mit Punktgruppen gesucht:

0011.2233.4455

10. MAC-Adress-Tabelle prüfen

Gesamte Tabelle:

show mac address-table

Bestimmte MAC-Adresse suchen:

show mac address-table address 0011.2233.4455

MAC-Adressen eines VLANs:

show mac address-table vlan 20

MAC-Adressen eines Ports:

show mac address-table interface GigabitEthernet1/0/12

Zu prüfen sind:

Bewertung

Beobachtung Mögliche Ursache
MAC am richtigen Access-Port und VLAN lokaler Layer-2-Eingang grundsätzlich erkannt
MAC im falschen VLAN falsche Access-, Voice- oder Tagging-Konfiguration
MAC auf falschem Port falsche Dokumentation, Verkabelung oder Schleife
MAC nur am Uplink Client befindet sich hinter einem anderen Gerät
MAC fehlt Client sendet nicht, falscher Port, Linkproblem oder Filterung
MAC wechselt zwischen Ports Schleife, doppelte Verbindung oder MAC-Flapping
sehr viele MAC-Adressen am Clientport möglicherweise weiterer Switch oder Bridge angeschlossen

Die MAC-Adresse muss auf jedem Switch entlang des Pfades verfolgt werden. Auf einem Access-Switch sollte sie am Clientport erscheinen, auf nachgelagerten Switches am jeweiligen Uplink in Richtung des Clients.


11. Layer-2-Pfad anhand der MAC-Adresse verfolgen

Beispiel:

Client
  |
  | Gi1/0/12, VLAN 20
  |
Access-Switch
  |
  | Gi1/0/48, Trunk
  |
Distribution-Switch
  |
  | Port-Channel1, Trunk
  |
Gateway-SVI Vlan20

Prüfung auf dem Access-Switch:

show mac address-table address 0011.2233.4455

Erwartung:

VLAN 20 -> GigabitEthernet1/0/12

Prüfung auf dem Distribution-Switch:

show mac address-table address 0011.2233.4455

Erwartung:

VLAN 20 -> GigabitEthernet1/0/48

oder:

VLAN 20 -> Port-channel1

Verschwindet die MAC-Adresse an einem Übergang, sind insbesondere zu prüfen:


12. Trunkstatus prüfen

Trunkübersicht:

show interfaces trunk

Gezielten Port prüfen:

show interfaces GigabitEthernet1/0/48 switchport

Konfiguration anzeigen:

show running-config interface GigabitEthernet1/0/48

Zu prüfen sind:

Beispiel:

interface GigabitEthernet1/0/48
 switchport mode trunk
 switchport trunk native vlan 999
 switchport trunk allowed vlan 10,20,30

Wenn VLAN 20 benötigt wird, muss es auf jedem Trunk des vollständigen Pfades zugelassen und aktiv sein.


13. Allowed-VLAN-Liste auf jedem Trunk vergleichen

show interfaces trunk

Beispiel eines Fehlers:

Access-Switch:
Allowed VLANs: 10,20,30
Distribution-Switch:
Allowed VLANs: 10,30

VLAN 20 ist nur auf einer Seite zugelassen. Geräte in VLAN 10 und VLAN 30 funktionieren, während VLAN 20 den Trunk nicht vollständig passieren kann.

Typische Ursachen

Eine Allowed-VLAN-Liste darf nicht pauschal auf „alle VLANs“ erweitert werden. Dadurch können Segmentierung, Sicherheit und vorgesehene Netzgrenzen verändert werden.


14. Native VLAN prüfen

Auf beiden Seiten des Trunks:

show interfaces trunk
show interfaces <trunk-port> switchport

Beispiel eines Mismatch:

Switch A: Native VLAN 999
Switch B: Native VLAN 1

Mögliche Auswirkungen:

Native VLANs müssen entsprechend der vorgesehenen Architektur auf beiden Seiten übereinstimmen. Ein Mismatch darf nicht dadurch „gelöst“ werden, dass wahllos VLAN 1 verwendet wird.


15. Access-Port und Trunk nicht verwechseln

Access-Port

Trunk-Port

Typische Fehlkonfigurationen

Seite A Seite B Mögliche Folge
Access VLAN 20 Access VLAN 20 korrekt für eine einfache Verbindung im selben VLAN
Trunk Trunk korrekt, wenn VLANs und Native VLAN übereinstimmen
Access Trunk VLAN-Mismatch und unerwartete Zuordnung
Access VLAN 10 Access VLAN 20 ungetaggter Verkehr wird verschiedenen VLANs zugeordnet
Trunk mit VLAN 20 Trunk ohne VLAN 20 VLAN 20 kann den Pfad nicht vollständig nutzen
Trunk Native 999 Trunk Native 1 Native-VLAN-Mismatch

16. Clientseitiges VLAN-Tagging berücksichtigen

Ein normaler Arbeitsplatzclient sendet an einem Access-Port gewöhnlich keine VLAN-Tags. VLAN-Tagging am Client kann jedoch vorkommen bei:

Zu prüfen sind:

Beispiel eines Fehlers:

Server-NIC taggt VLAN 20
Switchport ist Access-Port in VLAN 20

Abhängig von Gerät und Konfiguration kann der getaggte Frame verworfen oder unerwartet verarbeitet werden.


17. Voice-VLAN und IP-Telefone prüfen

Beispiel:

interface GigabitEthernet1/0/12
 switchport mode access
 switchport access vlan 20
 switchport voice vlan 30

Dabei kann gelten:

PC-Daten:       VLAN 20
Telefonverkehr: VLAN 30

Zu prüfen sind:

Dass das Telefon funktioniert, beweist nicht, dass auch das Data-VLAN korrekt eingerichtet ist.


18. ARP beziehungsweise Neighbor Cache prüfen

Unter Windows:

Get-NetNeighbor
arp -a

Unter Linux:

ip neighbor show

Unter macOS:

arp -a

Zu prüfen sind:

Bewertung

Beobachtung Mögliche Eingrenzung
Gateway-Eintrag ist erreichbar Layer-2-Kommunikation zum Gateway grundsätzlich möglich
Gateway bleibt Incomplete ARP-Anfrage oder Antwort erreicht das Ziel nicht
falsche Gateway-MAC falsches Gerät, doppelte IP, Fehlkonfiguration oder Angriff
lokales Ziel im gleichen VLAN nicht auflösbar Layer-2-Pfad, Zielgerät oder lokale Firewall prüfen
Gateway erreichbar, anderes Subnetz nicht Routing, ACL oder Firewall untersuchen

ARP darf erst nach Dokumentation kontrolliert geleert werden. Ein Cache-Reset beseitigt sonst möglicherweise relevante Hinweise.


19. Gateway-SVI prüfen

Auf einem Layer-3-Switch beispielsweise:

show ip interface brief

Gezielt:

show interfaces Vlan20

Konfiguration:

show running-config interface Vlan20

ARP-Tabelle:

show ip arp

Zu prüfen sind:

Typisches Fehlerbild

Vlan20 is administratively up, line protocol is down

Mögliche Ursache:

Ein erreichbares SVI in einem anderen VLAN beweist nicht, dass das SVI des betroffenen VLANs funktioniert.


20. Kommunikation innerhalb und außerhalb des VLANs trennen

Vom Client aus nacheinander prüfen:

  1. eigene IP-Konfiguration,
  2. Ziel im gleichen VLAN,
  3. Standardgateway,
  4. Ziel in einem anderen internen VLAN,
  5. externes Ziel.

Windows:

Test-NetConnection -ComputerName <ziel-im-gleichen-vlan>
Test-NetConnection -ComputerName <gateway-ip>
Test-NetConnection -ComputerName <ziel-in-anderem-vlan> -Port <port>

Bewertung

Gleiches VLAN Gateway Anderes VLAN Eingrenzung
fehlerhaft fehlerhaft fehlerhaft Access-VLAN, Layer-2-Pfad oder Client prüfen
erfolgreich fehlerhaft fehlerhaft Gateway-SVI, Trunk oder Gateway prüfen
erfolgreich erfolgreich fehlerhaft Routing, ACL oder Firewall prüfen
erfolgreich erfolgreich erfolgreich konkrete Anwendung oder Zielport prüfen

Ping kann durch eine Firewall blockiert werden. Für die Prüfung eines Dienstes ist zusätzlich der tatsächlich benötigte TCP- oder UDP-Port zu berücksichtigen.


21. Spanning-Tree-Zustand prüfen

Übersicht:

show spanning-tree

Bestimmtes VLAN:

show spanning-tree vlan 20

Bestimmten Port:

show spanning-tree interface GigabitEthernet1/0/48 detail

Zu prüfen sind:

Ein durch Spanning Tree blockierter redundanter Port ist nicht automatisch fehlerhaft. Die Blockierung kann notwendig sein, um eine Layer-2-Schleife zu verhindern.

Problematisch ist beispielsweise:


22. Spanning-Tree-Änderungen und Schleifen untersuchen

show spanning-tree detail

Zusätzlich Systemprotokoll prüfen:

show logging

Hinweise auf mögliche Schleifen:

Die physische Schleife darf nicht durch dauerhaftes Deaktivieren von Spanning Tree „behoben“ werden. Dadurch kann die Störung massiv verschärft werden.


23. MAC-Flapping prüfen

Protokolle untersuchen:

show logging

MAC-Adresse gezielt suchen:

show mac address-table address <mac-adresse>

Wiederholt prüfen, ob der Port wechselt.

Beispiel:

VLAN 20, MAC 0011.2233.4455:
Gi1/0/47 -> Gi1/0/48 -> Gi1/0/47

Mögliche Ursachen:

Ein MAC-Wechsel ist nicht immer ein Fehler. Bei Clustern oder Redundanzmechanismen kann eine virtuelle MAC kontrolliert den Port wechseln. Häufigkeit, Zeitpunkt und vorgesehene Architektur müssen berücksichtigt werden.


24. EtherChannel beziehungsweise Port-Channel prüfen

Übersicht:

show etherchannel summary

Port-Channel prüfen:

show interfaces Port-channel1

Trunkstatus:

show interfaces trunk

Konfiguration der Mitglieder vergleichen:

show running-config interface GigabitEthernet1/0/47
show running-config interface GigabitEthernet1/0/48

Zu prüfen sind:

Typische Fehler


25. Port-Security prüfen

Auf Cisco-Switches beispielsweise:

show port-security

Gezielter Port:

show port-security interface GigabitEthernet1/0/12

Portstatus:

show interfaces status err-disabled

Zu prüfen sind:

Typisches Fehlerbild

Ein Arbeitsplatz wird von einem PC auf eine Dockingstation umgestellt. Dadurch erscheint eine neue MAC-Adresse. Wenn nur eine bestimmte MAC zugelassen ist, kann der Port den Verkehr verwerfen oder in einen Fehlerzustand wechseln.

Port-Security darf nicht pauschal deaktiviert werden. Zuerst sind vorgesehene Sicherheitsrichtlinie, erlaubte Geräte und tatsächlich erkannte MAC-Adressen zu prüfen.


26. Weitere Schutzfunktionen berücksichtigen

Abhängig von der Umgebung können unter anderem beteiligt sein:

Mögliche Prüfungen auf Cisco-Geräten:

show authentication sessions
show dot1x all
show ip dhcp snooping
show ip arp inspection
show interfaces status err-disabled
show logging

Die tatsächlich verfügbaren Befehle hängen von Plattform und Softwareversion ab.

Typische Fehlerbilder

Beobachtung Mögliche Funktion
Port erhält nach Anmeldung anderes VLAN 802.1X oder dynamische VLAN-Zuweisung
DHCP-Antworten werden verworfen DHCP Snooping
ARP-Pakete werden verworfen Dynamic ARP Inspection
Port nach Anschluss eines Switches deaktiviert BPDU Guard
Datenverkehr oberhalb eines Grenzwerts verworfen Storm Control
Clients im gleichen VLAN sehen sich nicht Port-Isolation oder Private VLAN
nur autorisierte MAC funktioniert Port-Security oder NAC

27. err-disabled-Ursache untersuchen

show interfaces status err-disabled
show errdisable recovery
show logging

Je nach Plattform können Ursachen sein:

Der Port darf nicht einfach wieder aktiviert werden, ohne die Ursache zu beseitigen. Andernfalls tritt der Fehler erneut auf oder eine Schleife wird wieder in Betrieb genommen.

Kontrollierte Wiederaktivierung erst nach Ursachenklärung:

interface <port>
 shutdown
 no shutdown

Dieser Eingriff verändert den Zustand und unterbricht die Verbindung. Er darf nur autorisiert und nach Sicherung der Diagnoseinformationen erfolgen.


28. Paketmitschnitt für VLAN-Tags verwenden

Ein Paketmitschnitt kann zeigen:

Wireshark-Anzeigefilter für VLAN-Verkehr:

vlan

Bestimmte VLAN-ID:

vlan.id == 20

ARP:

arp

DHCP:

dhcp

LLDP:

lldp

STP:

stp

Wichtig

Ein Endgerät an einem normalen Access-Port sieht üblicherweise keine IEEE-802.1Q-Tags für sein Access-VLAN. Der Switch fügt die VLAN-Zuordnung intern hinzu beziehungsweise entfernt das Tag am Access-Port.

Für eine aussagekräftige Analyse auf einem Switch kann ein kontrolliert konfigurierter Mirror- oder SPAN-Port erforderlich sein. Mitschnitte dürfen nur autorisiert erfolgen und können vertrauliche Daten, Adressen, Namen und Anmeldeinformationen enthalten.

Netzwerkkarten und Treiber können VLAN-Tags vor der Übergabe an die Aufzeichnungssoftware verarbeiten. Das Fehlen eines sichtbaren Tags beweist daher nicht in jedem Mitschnitt, dass auf dem beobachteten Netzwerkpfad kein Tag verwendet wurde.


29. Beispiel für eine systematische Diagnose

Symptom

Ein Client erhält keine Verbindung zu internen Diensten. Andere Clients am gleichen Switch funktionieren.

Sollzustand

Clientport:    GigabitEthernet1/0/12
Access-VLAN:   20
Gateway:       192.0.2.1
Uplink:        GigabitEthernet1/0/48

Clientprüfung

ipconfig /all

Ergebnis:

IPv4-Adresse: 192.0.2.45
Gateway:      192.0.2.1

Portprüfung

show interfaces GigabitEthernet1/0/12 switchport

Ergebnis:

Operational Mode: static access
Access Mode VLAN: 20

MAC-Prüfung

show mac address-table address 0011.2233.4455

Ergebnis:

VLAN 20    0011.2233.4455    DYNAMIC    Gi1/0/12

Der Client wird am richtigen lokalen Port und im richtigen VLAN gelernt.

Trunkprüfung

show interfaces trunk

Ergebnis am Access-Switch:

Port Gi1/0/48
Allowed VLANs: 10,20,30

Ergebnis am Distribution-Switch:

Port Gi1/0/48
Allowed VLANs: 10,30

Festgestellte Ursache

VLAN 20 war auf der Distribution-Seite des Trunks nicht zugelassen. Dadurch wurde die Client-MAC am Access-Switch gelernt, der Datenverkehr erreichte jedoch nicht das Gateway.

Kontrollierte Maßnahme

Nach Prüfung des Sollzustands und Sicherung der Konfiguration wurde VLAN 20 auf der fehlenden Trunkseite ergänzt.

Nachprüfung

Auf beiden Switches:

show interfaces trunk

Ergebnis:

Allowed VLANs: 10,20,30

MAC-Adresse auf dem Distribution-Switch:

show mac address-table address 0011.2233.4455

Ergebnis:

VLAN 20    0011.2233.4455    DYNAMIC    Gi1/0/48

Clienttest:

Test-NetConnection -ComputerName 192.0.2.1

Der Client erreicht anschließend das Gateway und die vorgesehenen Dienste.


30. Beispiel „Port sieht korrekt aus, Client ist trotzdem im falschen VLAN“

Symptom

Der Client ist an Port GigabitEthernet1/0/12 dokumentiert. Die Prüfung dieses Ports zeigt das richtige VLAN. Der Client erhält trotzdem eine Adresse aus einem anderen Subnetz.

Prüfung der MAC-Adresse

show mac address-table address 0011.2233.4455

Ergebnis:

VLAN 30    0011.2233.4455    DYNAMIC    Gi1/0/18

Festgestellte Ursache

Der Client war physisch an Port GigabitEthernet1/0/18 angeschlossen. Die Dokumentation war veraltet. Port 18 gehörte zu VLAN 30.

Lehre

Nicht nur den dokumentierten Port prüfen. Der tatsächliche Port muss anhand von MAC-Adresse, LLDP/CDP, Verkabelung oder Portstatus bestätigt werden.


31. Ungeeignete Sofortmaßnahmen

Nicht als erste Maßnahme verwenden:

Solche Maßnahmen können Diagnoseinformationen beseitigen, Sicherheitsgrenzen verändern oder eine Layer-2-Schleife verursachen.


32. Vollständige Schnellprüfreihenfolge

  1. genaue Störung, Zeitpunkt und Auswirkung dokumentieren.
  2. feststellen, ob ein oder mehrere Clients betroffen sind.
  3. vorgesehenes VLAN, Subnetz und Gateway ermitteln.
  4. tatsächliche Client-MAC-Adresse feststellen.
  5. tatsächlichen Switch und Port ermitteln.
  6. physischen Linkstatus prüfen.
  7. Fehlerzähler dokumentieren.
  8. Portmodus prüfen.
  9. Access- und Voice-VLAN prüfen.
  10. Existenz und Status des VLANs prüfen.
  11. Client-MAC in der MAC-Tabelle suchen.
  12. MAC-Adresse über alle beteiligten Switches verfolgen.
  13. jeden Uplink und Trunk ermitteln.
  14. operativen Trunkstatus prüfen.
  15. Allowed-VLAN-Listen auf beiden Seiten vergleichen.
  16. Native VLAN auf beiden Seiten vergleichen.
  17. VLAN-Existenz auf jedem Switch prüfen.
  18. Spanning-Tree-Zustand für das betroffene VLAN prüfen.
  19. blockierte oder inkonsistente Ports untersuchen.
  20. Topology Changes und MAC-Flapping prüfen.
  21. EtherChannel und seine Mitglieder prüfen.
  22. Port-Security und err-disabled prüfen.
  23. 802.1X, NAC und dynamische VLAN-Zuweisung berücksichtigen.
  24. DHCP Snooping, ARP Inspection und IP Source Guard prüfen.
  25. Gateway-SVI und dessen Status prüfen.
  26. ARP- beziehungsweise Neighbor-Einträge untersuchen.
  27. Kommunikation im gleichen VLAN testen.
  28. Gateway separat testen.
  29. Inter-VLAN-Kommunikation separat testen.
  30. bei Bedarf autorisierten Paketmitschnitt durchführen.
  31. genau eine Hypothese formulieren.
  32. genau eine kontrollierte Maßnahme durchführen.
  33. Port-, VLAN-, Trunk-, STP- und MAC-Zustand erneut prüfen.
  34. Clientverbindung und benötigten Dienst erneut testen.
  35. Ursache, Änderung und Nachweis dokumentieren.

33. Checkliste VLAN und Switching


34. Schnellreferenz

Ergebnis Nächster Schritt
Port ist notconnect Kabel, Client, Transceiver und Gegenstelle prüfen
Port ist err-disabled genaue Schutz- oder Fehlerursache ermitteln
viele neue CRC-Fehler physischen Pfad und Aushandlung prüfen
Client erhält falsches Subnetz Access-VLAN, dynamische VLAN-Zuweisung und DHCP prüfen
MAC fehlt vollständig tatsächlichen Port, Clientübertragung und Link prüfen
MAC erscheint im falschen VLAN Access-, Voice- oder Client-Tagging prüfen
MAC erscheint am falschen Port Verkabelung, Dokumentation oder Schleife prüfen
MAC wechselt zwischen Ports Schleife, Teaming, Cluster oder EtherChannel prüfen
VLAN fehlt auf einem Switch vorgesehene VLAN-Bereitstellung prüfen
VLAN fehlt in Allowed-Liste Trunkkonfiguration auf beiden Seiten vergleichen
Native VLAN unterscheidet sich Mismatch kontrolliert korrigieren
Trunk nur auf einer Seite aktiv Portmodus und Aushandlung prüfen
nur ein VLAN über Trunk gestört VLAN-Existenz, Allowed-Liste und STP prüfen
alle VLANs über Uplink gestört Link, Trunk, EtherChannel und Hardware prüfen
STP blockiert redundanten Port prüfen, ob Blockierung vorgesehen ist
STP meldet PVID-Inkonsistenz Native VLAN und Portmodi vergleichen
viele Topology Changes Schleife, instabilen Link oder Root-Wechsel suchen
gleicher VLAN-Verkehr funktioniert Layer-2-Pfad grundsätzlich vorhanden
Gateway nicht per ARP erreichbar VLAN-Pfad, Trunk und SVI prüfen
Gateway erreichbar, andere VLANs nicht Routing, ACL oder Firewall prüfen
Telefon funktioniert, PC nicht Data-VLAN und PC-Port des Telefons prüfen
PC funktioniert, Telefon nicht Voice-VLAN, LLDP/CDP und Voice-DHCP prüfen
nur ein EtherChannel-Mitglied aktiv LACP und Mitgliedskonfiguration vergleichen
Paketmitschnitt zeigt falsche VLAN-ID Taggingquelle und Portmodus prüfen
Paketmitschnitt zeigt am Access-Port kein Tag kann bei einem Access-Port normal sein

Merksatz

Bei VLAN- und Switching-Fehlern wird der Datenpfad nicht erraten, sondern anhand von Portstatus, VLAN-Zuordnung, MAC-Adresse, Trunk, Spanning Tree und Gateway Schritt für Schritt verfolgt. Ein VLAN funktioniert erst dann, wenn es auf jedem beteiligten Switch vorhanden, auf jedem Trunk zugelassen und über einen freigegebenen Layer-2-Pfad bis zum vorgesehenen Gateway transportiert wird.


Quellen und weiterführende Dokumentation


Revision #1
Created 2 August 2026 00:07:33 by Admin
Updated 2 August 2026 12:21:27 by Admin