2. ITIL verstehen – Aufbau, Prinzipien und Modelle

2.1 Was ist ITIL und wie ist das Framework aufgebaut?

Kurz erklärt

ITIL ist ein anpassbares Best-Practice-Framework für das Management digitaler Produkte und Services.

Es unterstützt Organisationen dabei, technische und organisatorische Fähigkeiten so miteinander zu verbinden, dass für Benutzer, Kunden und weitere Stakeholder verlässliche Outcomes und nachhaltiger Wert entstehen.

ITIL ist kein fertiger Unternehmensprozess, kein Ticketsystem und keine technische Anleitung. Das Framework stellt Begriffe, Prinzipien, Modelle und Management Practices bereit, die an die jeweilige Organisation angepasst werden müssen.


Was bedeutet ITIL?

Die Bezeichnung ITIL entstand ursprünglich aus dem Namen Information Technology Infrastructure Library.

Heute wird ITIL als eigenständiger Name des Frameworks verwendet.

Die aktuelle Generation ist ITIL Version 5.

Sie betrachtet nicht mehr ausschließlich den Betrieb von IT-Services, sondern das integrierte Management digitaler Produkte und Services über ihren gesamten Lebenszyklus.

Dazu gehören unter anderem:

Merke

ITIL beschreibt nicht nur, wie bestehende IT-Services unterstützt werden.

Es betrachtet auch, wie digitale Produkte und Services entstehen, zusammenwirken und über ihren gesamten Lebenszyklus Wert ermöglichen.


Was ist ein Framework?

Ein Framework ist ein strukturierter Orientierungsrahmen.

Es stellt unter anderem bereit:

Ein Framework schreibt jedoch nicht jeden Arbeitsschritt verbindlich vor.

ITIL legt beispielsweise nicht grundsätzlich fest:

Diese Entscheidungen hängen vom jeweiligen Kontext ab.

Dazu gehören beispielsweise:

Grundsatz

ITIL wird nicht unverändert „installiert“.

Die Organisation verwendet geeignete Bestandteile des Frameworks und passt sie an ihren tatsächlichen Bedarf an.


ITIL ist Best-Practice-Guidance

ITIL stellt bewährte Orientierung für das Management digitaler Produkte und Services bereit.

Best Practice bedeutet in diesem Zusammenhang:

ITIL ist deshalb weder:

Typischer Fehler

Eine Organisation übernimmt Begriffe, Formulare und Genehmigungsstufen, ohne zu prüfen, welches konkrete Problem damit gelöst werden soll.

Dadurch kann unnötige Bürokratie entstehen, ohne dass sich Produkte, Services oder Outcomes verbessern.


Wofür ITIL eingesetzt wird

ITIL kann Organisationen dabei unterstützen:

ITIL kann in unterschiedlichen Organisationen eingesetzt werden.

Beispiele:

Die Grundgedanken sind nicht auf eine bestimmte Branche oder Organisationsgröße beschränkt.


ITIL richtet sich nicht nur an IT-Service-Manager

ITIL ist für unterschiedliche Rollen relevant.

Dazu gehören beispielsweise:

Nicht jede Rolle benötigt dasselbe Detailwissen.

Ein Fachinformatiker für Systemintegration muss beispielsweise nicht jede strategische Entscheidung selbst treffen.

Er sollte jedoch verstehen:


Der zentrale Gedanke: Wert ermöglichen

ITIL richtet das Management digitaler Produkte und Services auf Wert aus.

Wert entsteht nicht allein dadurch, dass eine technische Komponente vorhanden ist.

Ein Service ist beispielsweise nicht automatisch wertvoll, nur weil:

Entscheidend ist, ob die beteiligten Stakeholder die benötigten Outcomes erreichen.

Beispiele:

Technischer Output Erwartetes Outcome
Benutzerkonto wurde angelegt. Neuer Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen.
VPN-Client wurde installiert. Mitarbeiter kann sicher von außerhalb arbeiten.
Backup wurde erstellt. Daten können nach einem Verlust wiederhergestellt werden.
Anwendung wurde bereitgestellt. Fachabteilung kann ihren Geschäftsprozess durchführen.
Monitoring wurde eingerichtet. Relevante Störungen werden rechtzeitig erkannt und behandelt.

Bei der Bewertung von Wert berücksichtigt ITIL Version 5 insbesondere das Zusammenspiel von:


Wert wird gemeinsam ermöglicht

Wert wird nicht ausschließlich vom Service Provider erzeugt und anschließend an einen passiven Kunden übergeben.

Service Provider, Service Consumer und weitere Stakeholder wirken gemeinsam daran mit, dass ein gewünschtes Outcome erreicht wird.

Beispiel: sicherer Fernzugriff

Der Service Provider stellt unter anderem bereit:

Der Benutzer trägt unter anderem bei durch:

Die Fachabteilung oder Führungskraft trägt möglicherweise bei durch:

Merke

Ein Service kann technisch bereitgestellt werden.

Das gewünschte Outcome entsteht jedoch erst durch das Zusammenwirken der beteiligten Personen, Teams, Technologien und Arbeitsweisen.


Der Aufbau von ITIL Version 5

ITIL Version 5 besteht aus mehreren miteinander verbundenen Bestandteilen.

Bestandteil Zweck
Grundbegriffe des Produkt- und Service-Managements schaffen eine gemeinsame fachliche Sprache
Wertschöpfung und Servicebeziehungen erklären, wie Stakeholder gemeinsam Outcomes und Wert ermöglichen
vier Dimensionen unterstützen eine ganzheitliche Betrachtung
ITIL Value System verbindet die zentralen Elemente des Frameworks
Guiding Principles unterstützen Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen
Governance sorgt für Steuerung, Überwachung und Verantwortlichkeit
Value Chain Activities beschreiben zentrale Aktivitäten zur Wertschöpfung
Management Practices stellen organisatorische Fähigkeiten und Ressourcen für bestimmte Aufgaben bereit
Continual Improvement unterstützt die fortlaufende Verbesserung
Product and Service Lifecycle verbindet Produkt- und Servicearbeit über einen gemeinsamen Lebenszyklus
Value Stream Mapping and Management macht den Arbeitsfluss zur Erzeugung von Wert sichtbar und verbesserbar

Diese Bestandteile dürfen nicht dauerhaft isoliert betrachtet werden.

Sie ergänzen sich und werden abhängig von der jeweiligen Situation miteinander kombiniert.


Das ITIL Value System

Das ITIL Value System beschreibt, wie unterschiedliche Bestandteile und Aktivitäten einer Organisation zusammenwirken, um Wert zu ermöglichen.

Es verbindet:

Das Value System dient als übergeordneter Orientierungsrahmen.

Es hilft bei Fragen wie:

Wichtig

Das ITIL Value System ist kein einzelner Prozess.

Es beschreibt das Zusammenwirken verschiedener Elemente des Produkt- und Service-Managements.

Die einzelnen Bestandteile werden auf späteren Seiten dieses Kapitels ausführlich behandelt.


Die Guiding Principles

Die Guiding Principles sind allgemeine Empfehlungen, die Entscheidungen und Handlungen in unterschiedlichen Situationen unterstützen.

Sie sollen dabei helfen:

Die Guiding Principles sind keine starren Arbeitsschritte.

Sie dienen als Denk- und Entscheidungshilfe.

Ein einzelner Grundsatz sollte nicht isoliert angewendet werden, wenn dadurch andere wichtige Perspektiven übersehen werden.

Praxisbeispiel

Die Automatisierung einer Benutzeranlage kann Zeit sparen.

Vor der Automatisierung muss jedoch verstanden werden:


Governance

Governance sorgt dafür, dass die Organisation:

Governance ist nicht mit täglichem Management gleichzusetzen.

Vereinfacht betrachtet:

Governance Management
legt Richtung und Rahmenbedingungen fest plant und koordiniert die praktische Umsetzung
bewertet Bedürfnisse und Erwartungen organisiert Ressourcen und Aktivitäten
überwacht Leistung und Regelkonformität führt Arbeit innerhalb der Vorgaben durch
stellt Verantwortlichkeit sicher bearbeitet konkrete Aufgaben und Entscheidungen

Beispiel:

Die Unternehmensleitung kann vorgeben, dass administrative Zugriffe grundsätzlich durch Multi-Faktor-Authentifizierung geschützt werden müssen.

Das zuständige IT-Team plant und implementiert anschließend die konkrete technische Lösung.


Die vier Dimensionen

ITIL verwendet vier Dimensionen, damit Produkte und Services nicht ausschließlich aus einer technischen Perspektive betrachtet werden.

Dimension Typische Inhalte
Organisationen und Menschen Rollen, Verantwortlichkeiten, Kompetenzen, Kommunikation und Kultur
Informationen und Technologie Daten, Anwendungen, Infrastruktur, Automatisierung und Wissen
Partner und Lieferanten Hersteller, Provider, Verträge und externe Abhängigkeiten
Wertströme und Prozesse Aktivitäten, Abläufe, Übergaben, Kontrollen und Arbeitsfluss

Die Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig.

Beispiel:

Eine neue Monitoring-Plattform kann technisch leistungsfähig sein.

Sie liefert trotzdem keinen ausreichenden Nutzen, wenn:

Merke

Ein technisches Problem kann organisatorische Ursachen besitzen.

Ein organisatorisches Problem kann technische Folgen verursachen.


Der Product and Service Lifecycle

ITIL Version 5 verwendet ein gemeinsames Lebenszyklusmodell für digitale Produkte und Services.

Das Modell umfasst acht miteinander verbundene Aktivitäten:

  1. Discover – Bedarf, Chancen, Erwartungen und Ausgangslage verstehen
  2. Design – geeignete Produkte, Services und Lösungen gestalten
  3. Acquire – benötigte Ressourcen, Produkte oder Leistungen beschaffen
  4. Build – Lösungen erstellen, konfigurieren, integrieren und testen
  5. Transition – neue oder geänderte Lösungen kontrolliert in die vorgesehene Umgebung überführen
  6. Operate – Produkte, Systeme und technische Fähigkeiten betreiben
  7. Deliver – Services und vereinbarte Leistungen für Stakeholder bereitstellen
  8. Support – Benutzer, Kunden, Produkte und Services unterstützen

Die Aktivitäten bilden keinen starren linearen Ablauf.

Je nach Situation können sie:

Beispiel:

Während des Betriebs kann erkannt werden, dass eine Anwendung die Anforderungen der Benutzer nicht ausreichend erfüllt.

Diese Erkenntnis kann erneut zu Discovery und Design führen, obwohl das Produkt bereits produktiv verwendet wird.

Wichtig

Ein Produkt oder Service befindet sich nicht dauerhaft nur in einer einzigen Lebenszyklusaktivität.

Unterschiedliche Versionen, Komponenten oder Verbesserungen können gleichzeitig verschiedene Aktivitäten durchlaufen.


Management Practices

Eine Management Practice ist mehr als ein einzelner Prozess.

Sie umfasst organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten, die zur Erreichung eines bestimmten Zwecks eingesetzt werden.

Dazu können gehören:

Beispiele für Management Practices:

ITIL Version 5 verwendet weiterhin 34 Management Practices.

Diese sind in zwei Gruppen eingeordnet:

  1. Product and Service Management Practices
  2. General Management Practices

Typischer Fehler

Eine Practice wird ausschließlich als Ablaufdiagramm betrachtet.

Für eine wirksame Practice werden jedoch auch Rollen, Informationen, Fähigkeiten, Werkzeuge, Beziehungen und kontinuierliche Verbesserungen benötigt.


Continual Improvement

Continual Improvement ist im gesamten ITIL-Framework verankert.

Verbesserungen können sich beziehen auf:

Eine Verbesserung sollte nicht nur aus einer spontanen Idee bestehen.

Sie sollte möglichst beantworten:

Beispiel:

Nach mehreren Störungen wird erkannt, dass ein ablaufendes Zertifikat nicht rechtzeitig bemerkt wurde.

Eine nachhaltige Verbesserung könnte umfassen:


Value Streams

Ein Value Stream beschreibt die Abfolge von Schritten, durch die für einen Stakeholder Wert ermöglicht wird.

Ein Value Stream kann mehrere:

miteinander verbinden.

Beispiel: neuer Mitarbeiter benötigt einen arbeitsfähigen IT-Arbeitsplatz

Mögliche Schritte:

  1. Personalabteilung meldet den Eintritt.
  2. Führungskraft benennt Aufgaben und Berechtigungen.
  3. Benutzerkonto wird erstellt.
  4. Lizenzen werden zugewiesen.
  5. Endgerät wird vorbereitet.
  6. Sicherheitsmaßnahmen werden eingerichtet.
  7. Zugriffe werden getestet.
  8. Gerät und Zugangsdaten werden übergeben.
  9. Benutzer bestätigt die Arbeitsfähigkeit.
  10. Dokumentation und Asset-Daten werden aktualisiert.

An diesem Value Stream können unter anderem beteiligt sein:

Merke

Ein Value Stream folgt dem Weg zum gewünschten Outcome.

Er endet nicht automatisch an der Grenze eines einzelnen Teams.


ITIL verbindet Produkt- und Serviceperspektive

Digitale Produkte und Services sind zwei eng miteinander verbundene Perspektiven auf eine technologiebasierte Lösung.

Die Produktperspektive betrachtet beispielsweise:

Die Serviceperspektive betrachtet beispielsweise:

Beide Perspektiven benötigen einander.

Ohne ausreichende Produktperspektive Ohne ausreichende Serviceperspektive
technische Schulden werden übersehen Benutzeranforderungen werden übersehen
Produktentwicklung erfolgt ohne langfristige Planung Support und Betrieb werden zu spät berücksichtigt
Funktionen werden unkoordiniert erweitert technisch erfolgreiche Produkte liefern keine brauchbaren Services
Lebenszyklus und Ablösung bleiben ungeklärt Erfahrung und Servicequalität werden nicht ausreichend bewertet

ITIL Version 5 verbindet diese Perspektiven durch einen gemeinsamen Produkt- und Service-Lebenszyklus.


Was ITIL nicht vorgibt

ITIL gibt keinen universellen Musterprozess für jede Organisation vor.

Das Framework bestimmt nicht automatisch:

Diese Elemente müssen von der Organisation selbst gestaltet werden.

ITIL unterstützt dabei mit:


ITIL ist keine Zertifizierung einer Organisation

Personen können ITIL-Zertifizierungen erwerben.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass:

Auch ein Werkzeug kann bestimmte ITIL-Practices unterstützen oder dafür bewertet worden sein.

Das Werkzeug allein führt jedoch kein wirksames Service Management ein.

Merke

Zertifikate, Werkzeuge und Prozessdokumente können professionelles Service Management unterstützen.

Entscheidend ist, wie wirksam die Organisation tatsächlich arbeitet und welche Outcomes sie erreicht.


ITIL und andere Methoden oder Frameworks

ITIL kann gemeinsam mit anderen Ansätzen verwendet werden.

Beispiele:

Ansatz Mögliche Ergänzung zu ITIL
Agile Arbeitsweisen iterative Entwicklung und schnelles Feedback
Scrum strukturierte Produktentwicklung in Teams
Kanban Visualisierung und Steuerung des Arbeitsflusses
DevOps Zusammenarbeit zwischen Entwicklung, Betrieb und weiteren Beteiligten
Lean Reduzierung von Verschwendung und Verbesserung des Flusses
COBIT Governance und Steuerung von Information und Technologie
ISO/IEC 20000 Anforderungen an ein Service-Management-System
ISO/IEC 27001 Anforderungen an ein Informationssicherheitsmanagementsystem
Projektmanagement zeitlich begrenzte Vorhaben mit definierten Zielen

ITIL verlangt nicht, diese Ansätze zu ersetzen.

Sie können sich ergänzen, wenn:


Praxisbeispiel: Eine neue Monitoring-Lösung

Eine Organisation möchte eine neue Monitoring-Lösung einführen.

Eine rein technische Betrachtung könnte sich konzentrieren auf:

Die ITIL-Perspektive ergänzt weitere Fragen.

Wert und Outcomes

Vier Dimensionen

Lebenszyklus

Practices

Verbesserung

Dieses Beispiel zeigt, dass ITIL die technische Umsetzung nicht ersetzt.

Es erweitert die Betrachtung um Ziele, Stakeholder, Lebenszyklus, Zusammenarbeit, Risiken und Verbesserung.


Typische Missverständnisse

Missverständnis 1: ITIL schreibt jeden Prozess genau vor

ITIL stellt anpassbare Best-Practice-Guidance bereit.

Die konkrete Umsetzung wird von der Organisation gestaltet.


Missverständnis 2: ITIL ist nur für große Unternehmen geeignet

Auch kleine Organisationen können geeignete Grundsätze, Practices und einfache Arbeitsweisen verwenden.

Der Umfang muss zum tatsächlichen Bedarf passen.


Missverständnis 3: ITIL bedeutet viele Formulare und Genehmigungen

Unnötige Bürokratie widerspricht einer sinnvollen Anpassung des Frameworks.

Kontrollen sollen einen erkennbaren Zweck erfüllen.


Missverständnis 4: ITIL ersetzt technisches Fachwissen

ITIL unterstützt die Organisation technischer Arbeit.

Es erklärt nicht die konkrete Konfiguration jedes Produkts.


Missverständnis 5: ITIL betrifft nur den Service Desk

Produktentwicklung, Betrieb, Support, Informationssicherheit, Lieferantensteuerung, Governance und Führung können ebenfalls beteiligt sein.


Missverständnis 6: Ein ITIL-Begriff muss intern zwingend genauso heißen

Organisationen können eigene Bezeichnungen verwenden.

Wichtig ist, dass Bedeutung, Verantwortung und Arbeitsweise eindeutig sind.


Missverständnis 7: ITIL Version 5 macht alles aus ITIL 4 ungültig

ITIL Version 5 entwickelt viele bestehende Konzepte weiter.

ITIL-4-Wissen bleibt in zahlreichen Bereichen relevant, muss bei versionsabhängigen Aussagen jedoch richtig eingeordnet werden.


Wie ein Systemintegrator ITIL praktisch verwendet

Ein Fachinformatiker für Systemintegration muss nicht vor jeder Handlung das gesamte Framework analysieren.

Für den Arbeitsalltag können bereits folgende Fragen hilfreich sein:

  1. Welcher Service oder welches Produkt ist betroffen?
  2. Welches Outcome wird benötigt?
  3. Welche Stakeholder sind beteiligt?
  4. Welche der vier Dimensionen müssen berücksichtigt werden?
  5. Welche technischen und organisatorischen Abhängigkeiten bestehen?
  6. Welche Practice unterstützt die Aufgabe?
  7. Welche Risiken und Vorgaben müssen beachtet werden?
  8. Wie wird der Erfolg überprüft?
  9. Was muss dokumentiert werden?
  10. Was kann anschließend verbessert werden?

Checkliste zur Einordnung einer neuen Aufgabe


Schnellzusammenfassung

Begriff Kurzbeschreibung
ITIL anpassbares Best-Practice-Framework für digitales Produkt- und Service-Management
Framework strukturierter Orientierungsrahmen, kein starrer Musterprozess
Wert wahrgenommener Nutzen für Stakeholder
Value System verbindet zentrale Bestandteile des Frameworks zur Wertschöpfung
Guiding Principles allgemeine Empfehlungen für Entscheidungen und Handlungen
Governance Richtung, Überwachung und Verantwortlichkeit
vier Dimensionen ganzheitliche Betrachtung von Produkten und Services
Lifecycle gemeinsame Lebenszyklusbetrachtung digitaler Produkte und Services
Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Value Stream Abfolge von Schritten zur Ermöglichung von Wert
Continual Improvement fortlaufende Verbesserung von Produkten, Services und Arbeitsweisen

Aufbau dieses Kapitels

Die folgenden Seiten vertiefen die einzelnen Bestandteile des Frameworks:


Übersicht des Frameworks

Bedürfnisse, Chancen und Erwartungen

ITIL Value System

Guiding Principles · Governance · Value Chain Activities · Management Practices · Continual Improvement

gemeinsamer Product and Service Lifecycle

digitale Produkte und Services

Outcomes und gemeinsam ermöglichter Wert

Die Darstellung ist eine vereinfachte Orientierung.

Die Elemente wirken nicht ausschließlich in einer linearen Reihenfolge, sondern beeinflussen sich gegenseitig.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die Aussagen zum Aufbau von ITIL Version 5, zum ITIL Value System, zu den vier Dimensionen, den Guiding Principles, Management Practices, Continual Improvement und dem gemeinsamen Produkt- und Service-Lebenszyklus wurden anhand der genannten offiziellen Quellen geprüft.

Die Praxisbeispiele, Tabellen, Checklisten und vereinfachten Darstellungen sind zusätzliche Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine vorgeschriebenen ITIL-Prozesse dar.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.2 Das ITIL Value System

Kurz erklärt

Das ITIL Value System beschreibt, wie die verschiedenen Bestandteile und Aktivitäten einer Organisation als zusammenhängendes System wirken, um Wert zu ermöglichen.

Es verbindet:

Ausgangspunkte sind Chancen, Anforderungen und Nachfrage. Das angestrebte Ergebnis ist gemeinsam ermöglichter Wert für Kunden, Benutzer, die Organisation und weitere Stakeholder.


Warum ein Value System notwendig ist

Digitale Produkte und Services entstehen nicht durch einen einzelnen Prozess oder ein einzelnes Team.

An ihrer Planung, Bereitstellung, Nutzung und Verbesserung können unter anderem beteiligt sein:

Jeder dieser Beteiligten kann eigene:

besitzen.

Werden diese Bereiche voneinander isoliert gesteuert, können lokale Verbesserungen entstehen, die dem gesamten Produkt oder Service schaden.

Beispiele:

Das Value System unterstützt deshalb eine ganzheitliche Betrachtung.

Merke

Professionelles Produkt- und Service-Management entsteht nicht durch einzelne optimierte Bestandteile.

Entscheidend ist, wie alle Bestandteile zusammenwirken.


Vom Bedarf zum Wert

Das ITIL Value System kann vereinfacht folgendermaßen dargestellt werden:

Chance oder Nachfrage

ITIL Value System

digitale Produkte und Services

Outcomes, Erfahrungen und gemeinsam ermöglichter Wert

Nachfrage kann beispielsweise entstehen durch:

Eine Chance kann beispielsweise entstehen durch:

Das Value System soll dabei helfen, Nachfrage und Chancen nicht isoliert zu bearbeiten, sondern kontrolliert in wertschöpfende Ergebnisse zu überführen.

Wichtig

Nicht jede Nachfrage muss unverändert erfüllt werden.

Nicht jede technische Möglichkeit besitzt automatisch einen ausreichenden Nutzen.

Anforderungen und Chancen müssen hinsichtlich Outcomes, Wert, Kosten, Risiken, Erfahrung und Nachhaltigkeit bewertet werden.


Die fünf Bestandteile des ITIL Value Systems

Bestandteil Zentrale Aufgabe
Guiding Principles unterstützen Entscheidungen und Handlungen in unterschiedlichen Situationen
Governance gibt Richtung, überwacht die Organisation und stellt Verantwortlichkeit sicher
Value Chain Activities bilden ein flexibles Betriebsmodell für wertschöpfende Arbeit
Management Practices stellen benötigte organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten bereit
Continual Improvement verbessert Produkte, Services, Practices und Arbeitsweisen fortlaufend

Diese Bestandteile sind keine voneinander getrennten Ebenen.

Sie wirken gleichzeitig und beeinflussen sich gegenseitig.


Das Value System ist kein einzelner Prozess

Ein Prozess beschreibt normalerweise eine strukturierte Abfolge von Aktivitäten, durch die bestimmte Eingaben in Ergebnisse überführt werden.

Das Value System ist umfassender.

Es verbindet:

Typischer Fehler

Das ITIL Value System wird als festes Ablaufdiagramm verstanden, das bei jedem Vorgang Schritt für Schritt durchlaufen werden muss.

Tatsächlich ist es ein übergeordneter Orientierungsrahmen, innerhalb dessen unterschiedliche Wertströme und Arbeitsabläufe gestaltet werden.

Ein Incident wird beispielsweise anders bearbeitet als:

Alle diese Situationen können jedoch innerhalb desselben Value Systems gesteuert werden.


Guiding Principles

Die Guiding Principles sind allgemeine Empfehlungen für Entscheidungen und Handlungen.

Sie gelten unabhängig davon:

Die sieben Guiding Principles sind:

  1. Focus on value
  2. Start where you are
  3. Progress iteratively with feedback
  4. Collaborate and promote visibility
  5. Think and work holistically
  6. Keep it simple and practical
  7. Optimize and automate

Praxisnahe Bedeutung:

Guiding Principle Leitfrage
Focus on value Welchen Nutzen und welches Outcome soll die Tätigkeit ermöglichen?
Start where you are Was funktioniert bereits und welche Informationen sind vorhanden?
Progress iteratively with feedback Kann die Verbesserung in kontrollierten Schritten erfolgen?
Collaborate and promote visibility Wer muss beteiligt werden und welche Informationen müssen sichtbar sein?
Think and work holistically Welche Produkte, Services, Menschen und Abhängigkeiten sind betroffen?
Keep it simple and practical Welche Schritte sind wirklich notwendig?
Optimize and automate Was sollte zuerst verbessert und anschließend sinnvoll automatisiert werden?

Die Guiding Principles ersetzen keine technische Analyse und keine betriebliche Vorgabe.

Sie helfen dabei, Entscheidungen aus mehreren Perspektiven zu prüfen.

Praxisbeispiel

Ein Administrator möchte die Anlage neuer Benutzerkonten automatisieren.

Die Guiding Principles führen unter anderem zu folgenden Fragen:

Die Guiding Principles werden auf der Seite 2.3 Die sieben Guiding Principles ausführlich behandelt.


Governance

Governance stellt sicher, dass die Organisation angemessen geführt und kontrolliert wird.

Dazu gehören insbesondere:

Governance wird häufig mit drei grundlegenden Tätigkeiten beschrieben:

Tätigkeit Bedeutung
Evaluate Situation, Bedürfnisse, Optionen, Leistung und Risiken bewerten
Direct Richtung, Prioritäten und Rahmenbedingungen vorgeben
Monitor Ergebnisse, Leistung, Risiken und Einhaltung überwachen

Beispiel:

Eine Organisation beschließt, dass administrative Zugriffe durch Multi-Faktor-Authentifizierung geschützt werden müssen.

Governance bestimmt unter anderem:

Das Management organisiert anschließend:

Merke

Governance gibt Richtung und Rahmenbedingungen vor.

Management plant, koordiniert und kontrolliert die praktische Umsetzung innerhalb dieses Rahmens.

Governance ist nicht nur Aufgabe einer einzelnen Führungskraft.

Je nach Organisation können verschiedene Gremien und Rollen beteiligt sein, beispielsweise:


Value Chain Activities

Die Value Chain Activities bilden das operative Kernmodell des Value Systems.

Sie beschreiben miteinander verbundene Tätigkeitsbereiche, die abhängig von der jeweiligen Situation zu Wertströmen kombiniert werden.

Ein Wertstrom kann beispielsweise zeigen, wie eine Organisation:

Die Value Chain Activities sind dabei keine starren Abteilungen.

Eine einzelne Aktivität kann Beiträge mehrerer Teams und Practices enthalten.

Beispiel:

Bei der Bereitstellung eines neuen Arbeitsplatzes können beteiligt sein:

Wichtig

Ein Wertstrom wird durch das benötigte Outcome bestimmt.

Er sollte nicht ausschließlich entlang bestehender Abteilungsgrenzen aufgebaut werden.

ITIL Version 5 verwendet eine gegenüber ITIL 4 vereinfachte und praxisnähere Darstellung der Value Chain. Sie bleibt Bestandteil des ITIL Value Systems und ist vom neuen Product and Service Lifecycle zu unterscheiden.


Management Practices

Management Practices stellen organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten bereit, die zur Durchführung bestimmter Aufgaben oder zur Erreichung bestimmter Ziele benötigt werden.

Eine Practice besteht nicht nur aus einem Ablaufdiagramm.

Sie kann umfassen:

Beispiele:

Practice Typischer Beitrag
Incident Management negative Auswirkungen von Incidents verringern und Servicebetrieb wiederherstellen
Service Request Management vereinbarte Benutzeranfragen wirksam bearbeiten
Problem Management Ursachen und Wahrscheinlichkeiten von Incidents reduzieren
Change Management Änderungen bewerten und kontrolliert ermöglichen
Knowledge Management benötigtes Wissen verfügbar und nutzbar machen
Service Configuration Management verlässliche Informationen über Services und Configuration Items bereitstellen
IT Asset Management IT-Assets über ihren Lebenszyklus verwalten
Monitoring and Event Management relevante Zustandsänderungen erkennen und bewerten
Information Security Management Sicherheitsanforderungen und Risiken angemessen behandeln
Supplier Management Lieferanten und deren Leistungen steuern
Continual Improvement Verbesserungen identifizieren, priorisieren und umsetzen

Mehrere Practices können gemeinsam einen Wertstrom unterstützen.

Beispiel: Ein wiederkehrender Ausfall

  1. Monitoring and Event Management erkennt eine Abweichung.
  2. Incident Management koordiniert die Wiederherstellung.
  3. Problem Management untersucht die zugrunde liegende Ursache.
  4. Change Management unterstützt die kontrollierte dauerhafte Korrektur.
  5. Knowledge Management stellt die Lösung bereit.
  6. Service Configuration Management aktualisiert relevante Beziehungsinformationen.
  7. Continual Improvement bewertet weitere Verbesserungsmöglichkeiten.

Typischer Fehler

Eine Practice wird mit einem einzelnen Team gleichgesetzt.

In der Praxis können mehrere Teams zu einer Practice beitragen und ein Team kann an mehreren Practices beteiligt sein.


Continual Improvement

Continual Improvement ist im gesamten Value System verankert.

Verbessert werden können unter anderem:

Verbesserung ist nicht nur nach einem Fehler notwendig.

Sie kann entstehen durch:

Praxisbeispiel

Ein Zertifikat läuft unerwartet ab und verursacht einen Serviceausfall.

Die unmittelbare Wiederherstellung behebt den Incident.

Continual Improvement fragt zusätzlich:

Continual Improvement unterstützt jede Value Chain Activity und alle anderen Bestandteile des Value Systems.

Es wird auf der Seite 2.9 Continual Improvement ausführlich behandelt.


Wie die Bestandteile zusammenwirken

Die Bestandteile des Value Systems dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

Beispiel: Einführung einer neuen Backup-Lösung

Guiding Principles

Governance

Value Chain Activities

Management Practices

Möglicherweise beteiligt:

Continual Improvement

Angestrebter Wert


Value System, Lifecycle, Value Stream und Practice unterscheiden

Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Betrachtungsebenen.

Begriff Bedeutung
ITIL Value System übergeordneter Rahmen, der die Bestandteile der Organisation zur Wertschöpfung verbindet
Product and Service Lifecycle beschreibt die gemeinsamen Lebenszyklusaktivitäten digitaler Produkte und Services
Value Chain flexibles operatives Modell innerhalb des Value Systems
Value Stream konkrete Abfolge von Schritten für ein bestimmtes Outcome
Management Practice Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Prozess strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen
Arbeitsanweisung konkrete Beschreibung, wie eine bestimmte Tätigkeit ausgeführt wird

Beispiel:

Ziel: Ein neuer Mitarbeiter soll am ersten Arbeitstag arbeitsfähig sein.

Betrachtung Beispiel
Value System verbindet Steuerung, Prinzipien, Practices und Verbesserung
Lifecycle berücksichtigt Gestaltung, Aufbau, Betrieb, Bereitstellung und Unterstützung der verwendeten Produkte und Services
Value Stream führt von der Eintrittsmeldung bis zum geprüften Arbeitsplatz
Practices unter anderem Service Request Management, IT Asset Management und Information Security Management
Prozess Ablauf zur Anlage eines Benutzerkontos
Arbeitsanweisung konkrete Schritte zur Kontoanlage im verwendeten Verzeichnisdienst

Merke

Das Value System beschreibt das große Ganze.

Der Value Stream beschreibt den Weg zu einem konkreten Outcome.

Eine Practice stellt Fähigkeiten bereit.

Eine Arbeitsanweisung beschreibt die konkrete Durchführung.


Praxisbeispiel: Ein neuer Mitarbeiter beginnt

Die Personalabteilung meldet einen neuen Mitarbeiter.

Nachfrage

Der Mitarbeiter benötigt zum Eintrittsdatum einen arbeitsfähigen IT-Arbeitsplatz.

Angestrebtes Outcome

Der Mitarbeiter kann sich anmelden und alle für seine Tätigkeit freigegebenen Services verwenden.

Guiding Principles

Governance

Value Stream

  1. Eintritt wird gemeldet.
  2. Aufgaben und benötigte Zugriffe werden bestimmt.
  3. Genehmigungen werden eingeholt.
  4. Benutzerkonto und Lizenzen werden bereitgestellt.
  5. Endgerät wird vorbereitet.
  6. Sicherheitsmaßnahmen werden eingerichtet.
  7. Zugriffe werden getestet.
  8. Gerät und Informationen werden übergeben.
  9. Arbeitsfähigkeit wird bestätigt.
  10. Asset- und Konfigurationsdaten werden aktualisiert.

Beteiligte Practices

Verbesserung

Nach jedem Onboarding kann geprüft werden:


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Ein Fachinformatiker arbeitet häufig innerhalb mehrerer Bestandteile des Value Systems.

Beispiele:

Tätigkeit Bezug zum Value System
Incident analysieren Value Stream und Incident Management
Firewall-Regel ändern Governance, Change Management und Information Security Management
Server dokumentieren Knowledge Management und Service Configuration Management
Monitoring-Alarm bearbeiten Monitoring and Event Management sowie Incident Management
neuen Arbeitsplatz bereitstellen Service Request Management, IT Asset Management und Value Stream
Backup testen Governance, Risikobehandlung und Continual Improvement
wiederkehrenden Fehler automatisieren Guiding Principles, Problem Management und Continual Improvement

Der einzelne Mitarbeiter steuert normalerweise nicht das gesamte Value System.

Er trägt jedoch durch seine:

zu dessen Wirksamkeit bei.


Wie du das Value System im Alltag verwendest

Bei einer neuen Aufgabe kannst du folgende Fragen stellen:

  1. Welche Nachfrage oder Chance liegt vor?
  2. Welches Outcome und welcher Wert werden erwartet?
  3. Welche Stakeholder sind beteiligt?
  4. Welche Guiding Principles helfen bei der Entscheidung?
  5. Welche Governance-Vorgaben gelten?
  6. Welcher Wertstrom wird durchlaufen?
  7. Welche Practices und Fähigkeiten werden benötigt?
  8. Welche Informationen und Technologien werden benötigt?
  9. Welche Risiken und Abhängigkeiten bestehen?
  10. Wie wird das Ergebnis überprüft?
  11. Was kann anschließend verbessert werden?

Diese Fragen müssen nicht in jedem kleinen Vorgang schriftlich beantwortet werden.

Sie unterstützen jedoch eine strukturierte und ganzheitliche Denkweise.


Anzeichen für ein schlecht abgestimmtes Value System

Mögliche Warnzeichen sind:

Ein einzelnes Warnzeichen beweist noch kein grundsätzlich unwirksames Value System.

Wiederholen sich mehrere dieser Muster, sollten Zusammenhänge und Schnittstellen untersucht werden.


Typische Fehler

Fehler 1: Nur einzelne Practices einführen

Eine Organisation führt Incident Management ein, ohne:

ausreichend einzubeziehen.

Das Ergebnis kann ein Ticketsystem mit vielen erfassten Incidents sein, ohne dass wiederkehrende Ursachen reduziert werden.


Fehler 2: Governance mit Bürokratie verwechseln

Governance soll Richtung, Verantwortlichkeit und Kontrolle sicherstellen.

Sie bedeutet nicht automatisch:

Kontrollen müssen zum Risiko und zum Kontext passen.


Fehler 3: Value Streams entlang von Abteilungen gestalten

Ein Wertstrom sollte dem Weg zum Outcome folgen.

Er sollte nicht künstlich an jeder Teamgrenze enden.


Fehler 4: Automatisieren, bevor der Ablauf verstanden wurde

Ein fehlerhafter oder unnötig komplexer Ablauf wird durch Automatisierung häufig nur schneller wiederholt.

Zuerst verstehen und optimieren, danach automatisieren.


Fehler 5: Verbesserung als einmaliges Projekt behandeln

Continual Improvement ist keine einmalige Aufräumaktion.

Es muss in die tägliche Arbeit und in alle Bestandteile des Value Systems integriert werden.


Fehler 6: Technische Outputs mit Wert gleichsetzen

Ein Server, Benutzerkonto oder Dashboard ist zunächst ein Output.

Wert entsteht erst, wenn Stakeholder damit benötigte Outcomes erreichen.


Checkliste zur Bewertung eines Value Systems


Schnellzusammenfassung

Bestandteil Kernfrage
Guiding Principles Wie sollten wir denken und entscheiden?
Governance Wer gibt Richtung vor und überwacht die Ergebnisse?
Value Chain Activities Welche operativen Tätigkeiten werden miteinander verbunden?
Management Practices Welche Fähigkeiten und Ressourcen werden benötigt?
Continual Improvement Wie werden Produkte, Services und Arbeitsweisen fortlaufend verbessert?

Gesamtfrage des Value Systems

Wie müssen alle Bestandteile der Organisation zusammenwirken, damit aus Chancen und Nachfrage nachhaltiger Wert entstehen kann?


Vereinfachte Darstellung

Chancen und Nachfrage

Guiding Principles
Governance
Value Chain Activities
Management Practices
Continual Improvement

digitale Produkte und Services

Outcomes, Erfahrungen und gemeinsam ermöglichter Wert

Die Bestandteile wirken nicht ausschließlich nacheinander.

Sie bilden ein zusammenhängendes System mit Rückmeldungen, Abhängigkeiten und fortlaufenden Verbesserungen.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die Aussagen zu den fünf Bestandteilen des ITIL Value Systems, zur Überführung von Chancen und Nachfrage in Wert sowie zur fortlaufenden Bedeutung von Continual Improvement wurden anhand der genannten offiziellen ITIL- und PeopleCert-Quellen geprüft.

Die konkreten Praxisbeispiele, Checklisten, Tabellen und vereinfachten Darstellungen sind zusätzliche Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine vorgeschriebenen ITIL-Prozesse dar.

Die öffentlich zugänglichen offiziellen Übersichtsseiten bestätigen für ITIL Version 5 eine vereinfachte Value Chain, veröffentlichen dort jedoch nicht alle Detaildarstellungen und Workflowdiagramme der offiziellen Foundation-Publikation. Deshalb werden an dieser Stelle keine nicht eindeutig öffentlich belegten Bezeichnungen einzelner neuer Value Chain Activities ergänzt.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.3 Die sieben Guiding Principles

Kurz erklärt

Die sieben Guiding Principles sind allgemeine Empfehlungen, die Entscheidungen und Handlungen im digitalen Produkt- und Service-Management unterstützen.

Sie können unabhängig davon angewendet werden:

Die Guiding Principles geben keine festen Arbeitsschritte vor. Sie helfen dabei, Situationen aus mehreren Perspektiven zu beurteilen und angemessene Entscheidungen zu treffen.


Die sieben Guiding Principles im Überblick

Nr. Guiding Principle Praktische Bedeutung
1 Focus on value Arbeit am tatsächlich benötigten Wert und Outcome ausrichten
2 Start where you are vorhandene Fähigkeiten, Informationen und funktionierende Bestandteile berücksichtigen
3 Progress iteratively with feedback in überschaubaren Schritten vorgehen und Rückmeldungen auswerten
4 Collaborate and promote visibility geeignete Beteiligte einbeziehen und relevante Informationen sichtbar machen
5 Think and work holistically Produkte, Services, Menschen, Technologien und Abhängigkeiten gemeinsam betrachten
6 Keep it simple and practical nur Schritte und Kontrollen verwenden, die einen erkennbaren Nutzen besitzen
7 Optimize and automate Arbeitsweisen zuerst verstehen und verbessern, anschließend sinnvoll automatisieren

Die englischen Bezeichnungen werden beibehalten, da sie in offiziellen ITIL-Unterlagen und in der internationalen Praxis verwendet werden.

Die deutschen Erläuterungen in diesem Buch sind sinngemäße Erklärungen und keine wörtlichen offiziellen Übersetzungen.


Fortführung in ITIL Version 5

ITIL Version 5 führt die Guiding Principles als Kernelement des ITIL Value Systems fort.

Sie stammen bereits aus ITIL 4 und bleiben relevant, weil sie keine produktspezifischen oder kurzlebigen technischen Anweisungen darstellen.

Die Prinzipien unterstützen vielmehr eine grundlegende Denkweise für:

ITIL Version 5 ergänzt den Anwendungskontext insbesondere um:

Merke

Die Guiding Principles geben Orientierung, wenn ein detaillierter Ablauf allein nicht ausreicht oder eine Situation mehrere mögliche Vorgehensweisen zulässt.


Die Guiding Principles sind keine Prozessschritte

Die sieben Prinzipien bilden keine Reihenfolge, die von Nummer 1 bis Nummer 7 abgearbeitet werden muss.

Sie können:

Beispiel:

Eine Organisation möchte die Bereitstellung neuer Benutzerkonten automatisieren.

Dabei können gleichzeitig folgende Prinzipien relevant sein:

Typischer Fehler

Nur das Prinzip auszuwählen, das die bereits bevorzugte Entscheidung unterstützt.

Eine gute Entscheidung berücksichtigt alle relevanten Guiding Principles und mögliche Zielkonflikte.


1. Focus on value

Sinngemäße Bedeutung

Jede Tätigkeit sollte einen nachvollziehbaren Beitrag zum Wert für relevante Stakeholder leisten.

Wert entsteht nicht allein dadurch, dass eine technische Aufgabe abgeschlossen wurde.

Entscheidend ist, ob das benötigte Outcome erreicht und von den beteiligten Stakeholdern als nützlich wahrgenommen wird.

Mögliche Stakeholder sind beispielsweise:

Wert kann sich unter anderem zeigen durch:


Leitfragen zu Focus on value


Praxisbeispiel: Backup

Ein Backup-System meldet jeden Tag einen erfolgreichen Sicherungslauf.

Der technische Output lautet:

Die Sicherungsdaten wurden erzeugt.

Der angestrebte Wert besteht jedoch darin, dass:

Um den tatsächlichen Wert zu beurteilen, müssen deshalb zusätzlich geprüft werden:

Merke

Ein erfolgreich ausgeführter Sicherungslauf ist ein Output.

Wiederherstellbare und ausreichend geschützte Daten ermöglichen das benötigte Outcome.


Typische Fehler bei Focus on value


Bedeutung für Systemintegratoren

Vor einer technischen Maßnahme sollte nicht nur gefragt werden:

Wie führe ich diese Aufgabe aus?

Zusätzlich sollte gefragt werden:

Warum wird diese Aufgabe durchgeführt und welches Ergebnis soll sie ermöglichen?

Beispiele:

Technische Aufgabe Wertorientierte Frage
Server neu starten Welcher Service soll dadurch wiederhergestellt werden?
neue Firewall-Regel einrichten Welcher notwendige Zugriff wird ermöglicht und welches Risiko entsteht?
Monitoring-Alarm anlegen Welche relevante Störung soll dadurch früher erkannt werden?
Benutzerkonto erstellen Welche Arbeitsfähigkeit muss zum vorgesehenen Zeitpunkt bestehen?
Anwendung aktualisieren Welcher Nutzen entsteht und welche Risiken werden reduziert?

2. Start where you are

Sinngemäße Bedeutung

Bevor etwas vollständig neu aufgebaut wird, sollen der aktuelle Zustand, vorhandene Fähigkeiten und bereits funktionierende Bestandteile untersucht werden.

Ein bestehender Zustand ist selten vollständig schlecht oder vollständig gut.

Auch in einer unzureichenden Arbeitsweise können bereits wertvolle Bestandteile vorhanden sein, beispielsweise:

Diese Bestandteile sollten erkannt und sinnvoll weiterverwendet werden.

Wichtig

Start where you are bedeutet nicht, dass der vorhandene Zustand unverändert bleiben muss.

Es bedeutet, dass Entscheidungen auf einer realistischen Bewertung des aktuellen Zustands beruhen sollen.


Leitfragen zu Start where you are


Praxisbeispiel: neues Ticketsystem

Eine Organisation möchte ein neues Ticketsystem einführen.

Eine ungeprüfte Vorgehensweise wäre:

  1. neues Produkt auswählen
  2. bestehende Daten vollständig verwerfen
  3. neue Kategorien entwerfen
  4. alle Abläufe gleichzeitig umstellen

Die Anwendung von Start where you are führt zunächst zu einer Bestandsaufnahme:

Dadurch wird verhindert, dass funktionierende Bestandteile unnötig ersetzt oder bekannte Fehler in das neue System übernommen werden.


Beobachten statt nur vermuten

Eine Bestandsaufnahme sollte nach Möglichkeit auf überprüfbaren Informationen beruhen.

Geeignete Informationsquellen können sein:

Typischer Fehler

Eine Arbeitsweise wird allein anhand ihrer Dokumentation bewertet.

Der tatsächlich gelebte Ablauf kann deutlich von der beschriebenen Vorgehensweise abweichen.


Bedeutung für Systemintegratoren

Bei einer Störung sollte nicht sofort davon ausgegangen werden, dass:

Zuerst sollte geprüft werden:


3. Progress iteratively with feedback

Sinngemäße Bedeutung

Große Vorhaben sollen nach Möglichkeit in überschaubare Schritte unterteilt werden. Nach jedem geeigneten Schritt werden Ergebnisse und Rückmeldungen ausgewertet.

Kleine, kontrollierbare Schritte können dazu beitragen:

Iteration bedeutet nicht, ohne Ziel immer wieder dasselbe zu versuchen.

Eine Iteration benötigt:


Leitfragen zu Progress iteratively with feedback


Praxisbeispiel: Einführung einer Monitoring-Plattform

Statt sofort alle Systeme zu überwachen, kann eine Organisation schrittweise vorgehen.

Erste Iteration

Feedback auswerten

Nächste Iteration

Merke

Eine kleine Iteration sollte nicht nur Arbeit erzeugen.

Sie sollte ein verwertbares Ergebnis oder neues Wissen liefern.


Feedback richtig verwenden

Feedback kann aus unterschiedlichen Quellen stammen:

Feedback ist nicht automatisch eine Anweisung.

Es muss bewertet werden hinsichtlich:

Typischer Fehler

Feedback wird erst am Ende eines umfangreichen Vorhabens eingeholt.

Dann können grundlegende Fehlentscheidungen bereits hohe Kosten verursacht haben.


Bedeutung für Änderungen

Bei einer größeren technischen Änderung kann ein iteratives Vorgehen beispielsweise bedeuten:

  1. Testumgebung verwenden
  2. begrenzte Pilotgruppe auswählen
  3. technische und servicebezogene Ergebnisse prüfen
  4. Rückmeldungen auswerten
  5. Konfiguration anpassen
  6. kontrolliert auf weitere Systeme ausweiten
  7. nach jeder Stufe überwachen

Ein iteratives Vorgehen ist nicht immer möglich.

Bei akuten Sicherheitsrisiken, gesetzlichen Fristen oder kritischen Störungen kann schnelles umfassendes Handeln notwendig sein.

Auch dann sollten Ergebnisse und Rückmeldungen so früh wie möglich ausgewertet werden.


4. Collaborate and promote visibility

Sinngemäße Bedeutung

Geeignete Personen und Teams sollen zusammenarbeiten. Relevante Informationen, Entscheidungen, Risiken und Fortschritte müssen für die zuständigen Beteiligten sichtbar sein.

Zusammenarbeit bedeutet nicht, jede Person an jeder Entscheidung zu beteiligen.

Zu viele Beteiligte können:

Entscheidend ist, die richtigen Beteiligten zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Informationen einzubeziehen.


Leitfragen zu Collaborate and promote visibility


Praxisbeispiel: Änderung einer Firewall-Regel

Eine Fachabteilung benötigt eine neue Verbindung zu einem externen Dienst.

Mögliche Beteiligte sind:

Sichtbar sein sollten unter anderem:

Merke

Sichtbarkeit bedeutet nicht, dass jede Information öffentlich sein muss.

Relevante Informationen müssen für die berechtigten und verantwortlichen Beteiligten zugänglich sein.


Warum Sichtbarkeit wichtig ist

Fehlende Sichtbarkeit kann dazu führen, dass:

Geeignete Formen der Sichtbarkeit können sein:


Zusammenarbeit und Verantwortung

Zusammenarbeit ersetzt keine eindeutige Verantwortung.

Auch bei gemeinsamer Bearbeitung muss erkennbar bleiben:

Typischer Fehler

Viele Personen werden informiert, aber niemand besitzt eine eindeutige Verantwortung für den nächsten Schritt.


5. Think and work holistically

Sinngemäße Bedeutung

Produkte, Services, Organisationen und ihre Bestandteile sollen als zusammenhängendes System betrachtet werden.

Ein Service hängt selten nur von einer einzelnen technischen Komponente ab.

Zu berücksichtigen sind unter anderem:

Die vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements unterstützen diese ganzheitliche Betrachtung.


Leitfragen zu Think and work holistically


Praxisbeispiel: Benutzeranmeldung funktioniert nicht

Mögliche technische Abhängigkeiten:

Mögliche organisatorische Abhängigkeiten:

Eine ausschließlich auf das Benutzerkennwort beschränkte Betrachtung kann deshalb zu kurz greifen.


Lokale Optimierung vermeiden

Ein einzelnes Team kann seine eigene Kennzahl verbessern und gleichzeitig den gesamten Wertstrom verschlechtern.

Beispiel:

Der Service Desk verkürzt seine durchschnittliche Bearbeitungszeit, indem komplexe Tickets möglichst schnell an andere Teams weitergegeben werden.

Die lokale Kennzahl verbessert sich.

Für den Benutzer können jedoch entstehen:

Merke

Eine lokale Verbesserung ist nur dann hilfreich, wenn sie den gesamten Wertstrom und das benötigte Outcome unterstützt.


Bedeutung für technische Änderungen

Vor dem Austausch einer technischen Komponente sollte geprüft werden:


6. Keep it simple and practical

Sinngemäße Bedeutung

Arbeitsweisen, Kontrollen und Lösungen sollen so einfach wie möglich und so umfangreich wie tatsächlich notwendig gestaltet werden.

Einfach bedeutet nicht:

Einfach bedeutet:

Jeder zusätzliche Schritt, jedes Pflichtfeld und jede Genehmigung sollte einen nachvollziehbaren Zweck besitzen.


Leitfragen zu Keep it simple and practical


Praxisbeispiel: Change-Dokumentation

Für einen Change werden 35 Pflichtfelder verlangt.

In der Praxis werden viele Felder:

gefüllt.

Die umfangreiche Dokumentation erzeugt dadurch keine zusätzliche Sicherheit.

Eine zweckmäßige Struktur könnte sich stattdessen auf tatsächlich notwendige Informationen konzentrieren:

Typischer Fehler

Umfang wird mit Qualität verwechselt.

Eine längere Arbeitsanweisung ist nicht automatisch verständlicher oder sicherer.


Angemessene Kontrolle statt identischer Kontrolle

Nicht jede Änderung besitzt dasselbe Risiko.

Beispiele:

Änderung Möglicher Kontrollumfang
dokumentierte, häufig ausgeführte Standardänderung vereinfachter und vorab autorisierter Ablauf
normale Änderung mit überschaubarem Risiko angemessene Bewertung und Freigabe
kritische Änderung an zentraler Infrastruktur umfangreichere Prüfung, Abstimmung und Rückfallplanung
dringende Änderung zur Behebung einer akuten Gefahr beschleunigtes Verfahren mit nachträglicher Kontrolle

Die konkrete Organisation legt die Change-Modelle, Freigaben und Risikokriterien fest.

Merke

Einfachheit entsteht nicht dadurch, notwendige Kontrollen wegzulassen.

Sie entsteht durch passende Kontrollen ohne unnötige Schritte.


7. Optimize and automate

Sinngemäße Bedeutung

Arbeit soll zunächst verstanden und verbessert werden. Anschließend können geeignete Bestandteile automatisiert werden.

Automatisierung kann unter anderem:

Automatisierung kann jedoch auch:

Grundsatz

Nicht alles, was technisch automatisierbar ist, sollte automatisiert werden.


Leitfragen zu Optimize and automate


Optimierung vor Automatisierung

Eine geeignete Reihenfolge ist:

  1. Outcome und Zweck verstehen
  2. aktuellen Ablauf erfassen
  3. unnötige Schritte entfernen
  4. Übergaben und Abhängigkeiten verbessern
  5. Ablauf vereinheitlichen
  6. geeignete Tätigkeiten automatisieren
  7. Ergebnisse überwachen
  8. Automatisierung fortlaufend verbessern

Typischer Fehler

Ein fehlerhafter oder unnötig komplexer Ablauf wird unverändert automatisiert.

Das Ergebnis ist ein schnellerer fehlerhafter Ablauf.


Praxisbeispiel: automatische Benutzeranlage

Geeignete Automatisierungen können sein:

Nicht vollständig automatisiert werden sollten möglicherweise:

Die Automatisierung muss zusätzlich kontrollieren:


Automatisierung und künstliche Intelligenz

ITIL Version 5 berücksichtigt digitale und KI-gestützte Arbeitsumgebungen stärker.

Auch beim Einsatz von KI bleiben die Guiding Principles relevant.

Vor einer KI-gestützten Automatisierung sollte unter anderem geprüft werden:

Sicherheitsrelevant

Eine automatisierte oder KI-generierte Entscheidung entbindet die Organisation nicht von Verantwortung, Kontrolle und Risikobewertung.


Zusammenspiel der sieben Guiding Principles

Die Prinzipien entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie gemeinsam betrachtet werden.

Beispiel: Ablösung eines alten Fileservers

Focus on value

Start where you are

Progress iteratively with feedback

Collaborate and promote visibility

Think and work holistically

Keep it simple and practical

Optimize and automate


Mögliche Spannungen zwischen den Prinzipien

Die Guiding Principles liefern nicht immer automatisch dieselbe Handlungsrichtung.

Beispiele:

Mögliche Spannung Notwendige Abwägung
schnell iterieren oder ganzheitlich analysieren ausreichend prüfen, ohne jede denkbare Frage vor dem ersten Schritt lösen zu wollen
einfach halten oder zusätzliche Kontrollen einführen Kontrollaufwand am tatsächlichen Risiko ausrichten
Zusammenarbeit fördern oder schnell entscheiden notwendige Beteiligte einbeziehen, aber Verantwortung eindeutig lassen
automatisieren oder flexibel bleiben nur stabile und ausreichend verstandene Teile automatisieren
Bestehendes nutzen oder neu aufbauen Nutzen, technische Schulden, Risiken und Migrationsaufwand vergleichen
kurzfristigen Wert oder langfristige Nachhaltigkeit priorisieren unmittelbare Outcomes und langfristige Folgen gemeinsam bewerten

Merke

Die Guiding Principles ersetzen keine fachliche Abwägung.

Sie verbessern die Qualität der Fragen, auf deren Grundlage entschieden wird.


Guiding Principles bei einem Incident

Auch bei einer laufenden Störung können die Prinzipien helfen.

Guiding Principle Anwendung im Incident
Focus on value zuerst die für Benutzer wichtigste Servicefunktion wiederherstellen
Start where you are vorhandene Monitoring-Daten, bekannte Fehler und letzte Changes prüfen
Progress iteratively with feedback Maßnahmen kontrolliert durchführen und Ergebnis nach jedem Schritt prüfen
Collaborate and promote visibility zuständige Teams einbinden und aktuellen Status sichtbar halten
Think and work holistically Serviceabhängigkeiten und mögliche Folgeauswirkungen berücksichtigen
Keep it simple and practical zunächst die sicherste geeignete Wiederherstellung wählen
Optimize and automate nach dem Incident wiederkehrende Diagnose- oder Wiederherstellungsschritte verbessern

Während eines kritischen Incidents steht zunächst die sichere und angemessene Wiederherstellung im Vordergrund.

Die umfassende Ursachenanalyse und nachhaltige Verbesserung können anschließend folgen.


Guiding Principles bei einem Change

Guiding Principle Anwendung beim Change
Focus on value Zweck, Outcome und Nutzen des Changes klären
Start where you are aktuellen Zustand und vorhandene Konfiguration erfassen
Progress iteratively with feedback Test, Pilot oder schrittweise Einführung verwenden
Collaborate and promote visibility Betroffene, Verantwortliche und Abhängigkeiten sichtbar machen
Think and work holistically Auswirkungen auf Produkte, Services, Sicherheit und Lieferanten betrachten
Keep it simple and practical angemessenen Kontrollumfang wählen
Optimize and automate standardisierbare Prüfung und Umsetzung verbessern

Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Die Guiding Principles helfen bei technischen und organisatorischen Entscheidungen.

Beispiele:

Ein Fachinformatiker muss die englischen Bezeichnungen nicht in jedem Ticket dokumentieren.

Die zugrunde liegenden Fragen sollten jedoch Teil der professionellen Arbeitsweise werden.


Entscheidungshilfe für neue Aufgaben

Bei einer neuen Aufgabe kannst du die sieben Prinzipien als Kurzprüfung verwenden:

  1. Wert: Welches Outcome soll erreicht werden?
  2. Ausgangslage: Was ist bereits vorhanden und funktionsfähig?
  3. Schritte: Kann kontrolliert und iterativ vorgegangen werden?
  4. Zusammenarbeit: Wer muss beteiligt und informiert werden?
  5. Gesamtsicht: Welche Abhängigkeiten und Auswirkungen bestehen?
  6. Einfachheit: Welche Schritte sind tatsächlich erforderlich?
  7. Optimierung: Was kann verbessert und anschließend automatisiert werden?

Checkliste zur Anwendung der Guiding Principles


Typische Fehlanwendungen

Nur ein Prinzip verwenden

Ein Team beruft sich ausschließlich auf Keep it simple and practical, um notwendige Sicherheitskontrollen wegzulassen.

Richtig wäre, zusätzlich:

zu berücksichtigen.


Start where you are mit Stillstand verwechseln

Der aktuelle Zustand wird nicht verbessert, weil er bereits lange besteht.

Das Prinzip verlangt jedoch eine Bestandsaufnahme, keine unveränderte Fortführung.


Iterationen ohne klares Ziel durchführen

Es werden regelmäßig kleine Änderungen vorgenommen, aber weder Outcome noch Erfolgskriterien sind definiert.

Iteration benötigt Ziel, Feedback und Auswertung.


Sichtbarkeit mit Informationsüberlastung verwechseln

Alle Beteiligten erhalten jede technische Einzelmeldung.

Dadurch gehen relevante Informationen in der Menge unter.

Sichtbarkeit muss zielgruppengerecht und handlungsorientiert sein.


Ganzheitliche Betrachtung als endlose Analyse verwenden

Eine Organisation untersucht jede denkbare Auswirkung und beginnt deshalb nie mit der Umsetzung.

Ganzheitlich denken schließt ein iteratives und pragmatisches Vorgehen nicht aus.


Einfachheit mit fehlender Sorgfalt verwechseln

Dokumentation, Tests oder Rückfallplanung werden weggelassen.

Einfachheit darf notwendige Sicherheit und Nachvollziehbarkeit nicht beseitigen.


Automatisierung als Selbstzweck betrachten

Eine Tätigkeit wird automatisiert, weil die technische Möglichkeit besteht.

Der tatsächliche Nutzen, die Wartung und mögliche Risiken werden nicht bewertet.


Schnellreferenz

Principle Kurzfrage
Focus on value Welchen Wert und welches Outcome ermöglicht die Tätigkeit?
Start where you are Was ist bereits vorhanden und funktioniert?
Progress iteratively with feedback Was ist der nächste kontrollierbare Schritt?
Collaborate and promote visibility Wer muss beteiligt sein und was muss sichtbar werden?
Think and work holistically Welche Zusammenhänge und Abhängigkeiten bestehen?
Keep it simple and practical Was ist tatsächlich notwendig?
Optimize and automate Was kann zuerst verbessert und danach automatisiert werden?

Zusammenfassende Darstellung

Focus on value
Ziel und Outcome verstehen

Start where you are
tatsächlichen Ausgangszustand prüfen

Progress iteratively with feedback
kontrolliert vorgehen und lernen

Collaborate and promote visibility
geeignete Beteiligte und Informationen verbinden

Think and work holistically
das gesamte System berücksichtigen

Keep it simple and practical
unnötige Komplexität vermeiden

Optimize and automate
verbessern, automatisieren und überwachen

Diese Darstellung dient nur als Lernhilfe.

Die Guiding Principles bilden keine verbindliche Reihenfolge und können gleichzeitig angewendet werden.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die offiziellen ITIL-Version-5-Übersichten bestätigen, dass die Guiding Principles weiterhin ein Kernelement des ITIL Value Systems und der praktischen Entscheidungsfindung sind.

Die sieben Guiding Principles werden aus ITIL 4 fortgeführt:

Die deutschen Erklärungen, Leitfragen, Praxisbeispiele, Tabellen und Checklisten auf dieser Seite sind eigene sinngemäße Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine vorgeschriebenen ITIL-Prozesse dar.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.4 Governance und Verantwortlichkeit

Kurz erklärt

Governance beschreibt, wie eine Organisation gelenkt und kontrolliert wird.

Sie sorgt dafür, dass:

Im ITIL Value System wird Governance durch drei grundlegende Aktivitäten verwirklicht:

  1. Evaluate – bewerten
  2. Direct – Richtung vorgeben
  3. Monitor – überwachen

Warum Governance notwendig ist

Digitale Produkte und Services beeinflussen heute häufig:

Technische Entscheidungen können deshalb weitreichende organisatorische Folgen besitzen.

Beispiele:

Ohne klare Governance können unter anderem folgende Probleme entstehen:

Merke

Governance soll nicht jede technische Einzelentscheidung zentralisieren.

Sie schafft den Rahmen, innerhalb dessen angemessene Entscheidungen getroffen und kontrolliert werden können.


Governance im ITIL Value System

Governance ist einer der fünf Bestandteile des ITIL Value Systems.

Das Value System verbindet:

Governance stellt dabei sicher, dass die Tätigkeiten der Organisation:

Governance wirkt damit auf:

Wichtig

Governance ist kein einzelner Prozess und keine einzelne Management Practice.

Sie ist ein übergreifender Bestandteil des gesamten ITIL Value Systems.


Die drei Governance-Aktivitäten

Governance wird durch drei grundlegende Aktivitäten verwirklicht:

Aktivität Bedeutung Zentrale Frage
Evaluate Bedürfnisse, Optionen, Leistung, Risiken und Rahmenbedingungen bewerten Was ist notwendig und welche Entscheidung ist angemessen?
Direct Richtung, Prioritäten, Grundsätze und Entscheidungsrahmen vorgeben Was soll erreicht werden und innerhalb welcher Grenzen?
Monitor Leistung, Ergebnisse, Risiken und Einhaltung überwachen Erreichen wir die Ziele und werden die Vorgaben eingehalten?

Diese Aktivitäten sind miteinander verbunden.

Die Ergebnisse des Monitorings können eine erneute Bewertung auslösen.

Aus einer neuen Bewertung können wiederum geänderte Vorgaben oder Prioritäten entstehen.

Vereinfachter Kreislauf

Evaluate

Direct

Monitor

neue Erkenntnisse

erneut Evaluate


Evaluate – bewerten

Bei Evaluate werden die aktuelle Situation, Bedürfnisse, Möglichkeiten und Risiken untersucht.

Mögliche Bewertungsgegenstände sind:

Beispiel:

Eine Organisation prüft, ob eine zentrale Cloud-Plattform eingeführt werden soll.

Bei der Bewertung können unter anderem folgende Fragen relevant sein:

Typischer Fehler

Eine Entscheidung wird ausschließlich anhand des Anschaffungspreises oder einzelner technischer Funktionen bewertet.

Betrieb, Support, Integration, Sicherheit, Abhängigkeiten und spätere Ablösung werden nicht berücksichtigt.


Evaluate bedeutet nicht nur einmalig prüfen

Bewertung findet nicht ausschließlich vor einer Einführung statt.

Eine erneute Bewertung kann notwendig sein, wenn:

Beispiel:

Eine Anwendung wurde ursprünglich nur für eine kleine interne Abteilung eingeführt.

Später wird sie für einen unternehmenskritischen Prozess eingesetzt.

Dadurch können sich ändern:

Die ursprüngliche Bewertung reicht dann möglicherweise nicht mehr aus.


Direct – Richtung vorgeben

Bei Direct werden Richtung, Prioritäten und Rahmenbedingungen vorgegeben.

Dies kann beispielsweise erfolgen durch:

Beispiele:

Governance gibt dabei normalerweise nicht jeden technischen Einzelschritt vor.

Beispiel:

Governance kann festlegen:

Administrative Zugriffe müssen mit einer starken Mehrfaktor-Authentifizierung geschützt werden.

Das zuständige Management und die Fachteams bestimmen anschließend:


Richtung und Grenzen

Eine gute Governance-Vorgabe beantwortet möglichst:

Unklare Vorgabe:

Systeme müssen sicher sein.

Präzisere Vorgabe:

Kritische Systeme müssen entsprechend der festgelegten Schutzbedarfs- und Risikobewertung abgesichert, überwacht und regelmäßig auf die Wirksamkeit ihrer Kontrollen geprüft werden.

Die konkrete technische Umsetzung wird anschließend durch zuständige Fachkräfte und Management Practices gestaltet.


Monitor – überwachen

Bei Monitor wird geprüft, ob:

Monitoring im Governance-Kontext bedeutet mehr als technische Überwachung.

Es kann unter anderem umfassen:

Beispiel:

Eine Organisation verlangt regelmäßige Wiederherstellungstests.

Governance-Monitoring prüft nicht nur, ob ein Testtermin im Kalender stand.

Es prüft beispielsweise:

Merke

Aktivität ist nicht automatisch Wirksamkeit.

Ein ausgefülltes Kontrollformular beweist noch nicht, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wurde.


Governance und Management unterscheiden

Governance und Management sind eng miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Governance Management
bewertet Bedürfnisse, Erwartungen und Rahmenbedingungen plant und organisiert die praktische Umsetzung
gibt Richtung und Grenzen vor weist Ressourcen und Aufgaben zu
legt Verantwortlichkeit und Entscheidungsbefugnisse fest koordiniert Teams, Practices und Arbeitsabläufe
überwacht Outcomes, Risiken und Regelkonformität überwacht die laufende Ausführung
entscheidet über grundlegende Prioritäten trifft operative und taktische Entscheidungen innerhalb des Rahmens
stellt Rechenschaftspflicht sicher liefert Ergebnisse und berichtet darüber

Vereinfacht:

Governance

Bestimmt, was erreicht und kontrolliert werden muss.

Management

Organisiert, wie dies innerhalb des vorgegebenen Rahmens umgesetzt wird.

Diese Trennung bedeutet nicht, dass Governance nur die Unternehmensleitung betrifft.

Auch nachgelagerte Gremien oder Rollen können delegierte Governance-Aufgaben wahrnehmen.

Die grundlegende Rechenschaftspflicht muss jedoch eindeutig bleiben.


Beispiel: Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung

Governance

Management

Technische Umsetzung

Alle drei Ebenen sind notwendig.

Eine technisch erfolgreiche Konfiguration allein beweist noch nicht, dass:


Verantwortung und Verantwortlichkeit

Im Deutschen wird der Begriff Verantwortung häufig für unterschiedliche Sachverhalte verwendet.

Für eine klare Rollenverteilung ist die Unterscheidung hilfreich zwischen:

Begriff Bedeutung
Ausführungsverantwortung eine Person oder Rolle führt eine Aufgabe aus
Entscheidungsverantwortung eine Person oder Rolle besitzt die Befugnis, eine Entscheidung zu treffen
Ergebnisverantwortung eine Person oder Rolle steht für das erreichte Ergebnis ein
Rechenschaftspflicht eine Person oder ein Gremium muss Entscheidungen und Ergebnisse erklären und vertreten
Beratung Fachwissen wird eingebracht, ohne selbst die endgültige Entscheidung zu treffen
Informationsbedarf eine Person oder Rolle muss über Entscheidung oder Ergebnis informiert werden

Eine Person kann eine Aufgabe ausführen, ohne die endgültige Entscheidungs- oder Ergebnisverantwortung zu besitzen.

Beispiel:

Ein Systemadministrator setzt eine freigegebene Firewall-Regel um.

Typischer Fehler

Die Person, die eine technische Änderung ausführt, wird automatisch für sämtliche geschäftlichen, rechtlichen und organisatorischen Entscheidungen verantwortlich gemacht.


Verantwortung muss eindeutig sein

Bei wichtigen Produkten, Services und Entscheidungen sollte erkennbar sein:

Unklare Verantwortung kann zu folgenden Situationen führen:

Praxistipp

Kann bei einer kritischen Aufgabe niemand eindeutig benennen, wer entscheidet und wer für das Ergebnis einsteht, besteht ein Governance- und Verantwortlichkeitsproblem.


Delegation und Rechenschaftspflicht

Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse können delegiert werden.

Eine sinnvolle Delegation benötigt:

Beispiel:

Ein Betriebsteam darf bestimmte dokumentierte Standardänderungen selbstständig durchführen.

Die Delegation kann festlegen:

Wichtig

Delegation bedeutet nicht, dass keine Kontrolle mehr erforderlich ist.

Sie soll Entscheidungen dort ermöglichen, wo ausreichendes Wissen vorhanden ist und das Risiko angemessen beherrscht werden kann.


Entscheidungsbefugnisse

Entscheidungsbefugnisse sollten zum Risiko und zur Bedeutung einer Entscheidung passen.

Mögliche Entscheidungsbereiche sind:

Eine Entscheidungsbefugnis sollte möglichst beantworten:

Beispiel:

Ein Administrator darf einen abgestürzten Dienst nach einer dokumentierten Arbeitsanweisung neu starten.

Er darf möglicherweise nicht ohne zusätzliche Autorisierung:


Autorisierung nach Risiko und Kontext

Nicht jede Entscheidung benötigt denselben Freigabeumfang.

Situation Mögliche Behandlung
häufige, dokumentierte und risikoarme Standardtätigkeit delegierte oder vorab autorisierte Ausführung
normale Änderung mit überschaubarem Risiko Bewertung und Autorisierung durch zuständige Rolle
komplexe Änderung an kritischem Service erweiterte fachliche, technische und geschäftliche Bewertung
dringende Sicherheitsmaßnahme beschleunigtes Verfahren mit klarer Befugnis und nachträglicher Kontrolle
grundlegende strategische Änderung Entscheidung durch entsprechend befugtes Governance-Gremium

Die konkrete Organisation legt fest:

Typischer Fehler

Jede Änderung muss dieselben umfangreichen Genehmigungsstufen durchlaufen.

Dadurch werden risikoarme Tätigkeiten unnötig verzögert, während kritische Entscheidungen möglicherweise trotzdem nicht ausreichend fachlich bewertet werden.


Governance ist mehr als Genehmigung

Governance wird häufig fälschlich auf Freigaben reduziert.

Eine Freigabe beantwortet lediglich eine begrenzte Frage:

Darf diese konkrete Handlung innerhalb des festgelegten Rahmens durchgeführt werden?

Governance umfasst zusätzlich:

Ein Change kann formal genehmigt sein und dennoch schlecht gesteuert werden, wenn:


Richtlinien, Standards und Arbeitsanweisungen unterscheiden

Governance-Vorgaben können auf unterschiedlichen Ebenen konkretisiert werden.

Dokumentenart Zweck Beispiel
Grundsatz oder Policy legt Ziel, Richtung und verbindliche Erwartungen fest administrative Zugriffe müssen angemessen geschützt werden
Standard legt verbindliche einheitliche Anforderungen fest zugelassene MFA-Verfahren und Mindestanforderungen
Prozess oder Ablauf beschreibt zusammenhängende Aktivitäten und Verantwortlichkeiten Beantragung und Freigabe eines administrativen Zugriffs
Verfahren beschreibt eine festgelegte Vorgehensweise Registrierung eines neuen MFA-Geräts
Arbeitsanweisung beschreibt konkrete Ausführungsschritte Menü- und Konfigurationsschritte im Identitätssystem
Checkliste unterstützt die Kontrolle wichtiger Punkte Prüfung eines neuen administrativen Kontos

Nicht jede Organisation verwendet exakt diese Bezeichnungen.

Entscheidend ist, dass:

eindeutig sind.


Beispiel: Backup-Governance

Governance-Vorgabe

Geschäftskritische Daten und Systeme müssen entsprechend ihrer Kritikalität gesichert und innerhalb definierter Ziele wiederhergestellt werden können.

Mögliche Standards

Management

Technische Umsetzung

Governance-Monitoring


Risikobereitschaft und Risikotoleranz

Governance legt fest, welche Risiken:

werden.

Die Organisation kann dafür Risikogrenzen definieren.

Beispiele:

Ein technisches Team sollte verbleibende erhebliche Risiken nicht ohne entsprechende Befugnis selbst akzeptieren.

Beispiel:

Ein Administrator stellt fest, dass ein veraltetes System keine Sicherheitsupdates mehr erhält.

Er kann:

Die Entscheidung, ein erhebliches Restrisiko langfristig zu akzeptieren, benötigt eine entsprechend befugte Rolle.

Merke

Risikoanalyse kann durch Fachkräfte erfolgen.

Risikoakzeptanz muss durch eine dafür autorisierte Stelle erfolgen.


Kontrollen

Eine Kontrolle soll ein Risiko reduzieren, eine Vorgabe sicherstellen oder eine Abweichung erkennbar machen.

Kontrollen können sein:

Kontrollart Beispiel
Vorbeugend MFA verhindert Anmeldung nur mit Kennwort
Erkennend Monitoring erkennt abgelaufenes Zertifikat
Korrigierend dokumentiertes Wiederherstellungsverfahren
Manuell Vier-Augen-Prüfung einer kritischen Änderung
Automatisiert Richtlinie blockiert unsichere Konfiguration
Organisatorisch Funktionstrennung zwischen Beantragung und Genehmigung

Eine Kontrolle sollte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bewertet werden.

Fragen dazu:


Messgrößen und Governance

Governance benötigt Informationen, um Leistung und Risiken bewerten zu können.

Kennzahlen sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden.

Beispiel:

98 Prozent aller Tickets wurden innerhalb der Zielzeit geschlossen.

Diese Zahl beantwortet nicht automatisch:

Geeignete Governance-Informationen können umfassen:

Typischer Fehler

Eine einzelne leicht messbare Kennzahl wird zum alleinigen Steuerungsziel.

Mitarbeiter optimieren anschließend die Kennzahl, ohne den tatsächlichen Wert zu verbessern.


Verantwortlichkeit für Produkte und Services

Für wichtige Produkte und Services sollten Verantwortlichkeiten geklärt sein.

Mögliche Rollen können sein:

ITIL schreibt nicht für jede Organisation dieselben Rollenbezeichnungen oder Organisationsstrukturen vor.

Entscheidend ist, dass folgende Fragen beantwortet werden:

Wichtig

Eine Rollenbezeichnung allein schafft noch keine wirksame Verantwortung.

Die Rolle benötigt Befugnisse, Informationen, Fähigkeiten und Ressourcen.


Service Owner und technische Verantwortung unterscheiden

Ein Service Owner betrachtet den Service normalerweise aus einer Ende-zu-Ende-Perspektive.

Technische Verantwortliche betreuen dagegen möglicherweise einzelne Bestandteile.

Beispiel: E-Mail-Service

Verantwortungsbereich Mögliche Zuständigkeit
gesamter E-Mail-Service Service Owner
Identitätsplattform Identity-Team
DNS Netzwerk- oder Infrastrukturteam
Mailplattform Messaging-Team oder Cloud-Provider
Endgeräte und Client Workplace-Team
Sicherheitsanforderungen Informationssicherheit
Lieferantenvertrag Supplier Management oder Einkauf
Benutzerunterstützung Service Desk

Der Service Owner muss nicht jede technische Tätigkeit selbst ausführen.

Er benötigt jedoch ausreichende Informationen, um:


RACI als mögliches Hilfsmittel

Eine RACI-Matrix kann helfen, Rollen bei einer Tätigkeit zu klären.

Kürzel Bedeutung
R – Responsible führt die Aufgabe aus
A – Accountable steht für das Ergebnis ein und besitzt die übergeordnete Verantwortlichkeit
C – Consulted wird vor oder während der Entscheidung fachlich einbezogen
I – Informed wird über Entscheidung oder Ergebnis informiert

Beispiel: produktive Firewall-Änderung

Rolle Zuordnung
Netzwerkadministrator Responsible
autorisierte Change- oder Service-Rolle Accountable
Informationssicherheit und Anwendungsverantwortlicher Consulted
Service Desk und betroffene Benutzergruppen Informed

Eine RACI-Matrix ist ein mögliches Organisationswerkzeug und keine zwingend vorgeschriebene ITIL-Darstellung.

Bei der Verwendung sollte vermieden werden:


Eskalation

Eskalation ist notwendig, wenn:

Eskalation bedeutet nicht automatisch persönliches Versagen.

Sie ist ein vorgesehener Mechanismus, um Entscheidungen an die geeignete Verantwortungs- und Befugnisebene zu übergeben.

Praxistipp

Eine gute Eskalation enthält:

Ungeeignete Eskalation:

Das System funktioniert nicht. Bitte entscheiden.

Besser:

Der zentrale Dateiservice ist seit 09:10 Uhr für zwei Standorte nicht erreichbar. Die lokale Wiederherstellung war erfolglos. Eine Umschaltung auf das Ersatzsystem ist möglich, kann aber Datenänderungen der letzten 15 Minuten verlieren. Benötigt wird die Entscheidung, ob die Umschaltung durchgeführt und der mögliche Datenverlust akzeptiert wird.


Governance bei Incidents

Governance bestimmt unter anderem den Rahmen für:

Bei einem kritischen Incident sollte geklärt sein:

Governance soll die Wiederherstellung nicht unnötig verzögern.

Entscheidungsrechte und Notfallverfahren sollten deshalb vor einem Incident vorbereitet werden.


Governance bei Changes

Governance legt den Rahmen fest, innerhalb dessen Changes bewertet und autorisiert werden.

Dazu können gehören:

Nicht jeder Change benötigt dieselben Beteiligten oder dasselbe Gremium.

Die Autorisierung sollte sich richten nach:

Typischer Fehler

Ein Change Advisory Board wird als zentrale Freigabestelle für jede kleine Änderung verwendet.

Dadurch können unnötige Verzögerungen entstehen, ohne dass kritische Changes automatisch besser bewertet werden.


Governance bei Lieferanten

Externe Lieferanten können einen wesentlichen Teil eines Produkts oder Service bereitstellen.

Governance sollte unter anderem klären:

Merke

Die Auslagerung einer Tätigkeit überträgt nicht automatisch die gesamte Verantwortung für das Ergebnis oder die Risiken an den Lieferanten.


Governance bei künstlicher Intelligenz

ITIL Version 5 berücksichtigt ausdrücklich AI-gestützte Produkte, Services und Arbeitsweisen.

Governance für KI kann unter anderem behandeln:

Vor dem Einsatz einer KI-Lösung sollte unter anderem geprüft werden:

Sicherheitsrelevant

Die Verwendung einer KI-Lösung überträgt die Verantwortung für Entscheidungen und Folgen nicht automatisch auf das technische System oder den Anbieter.


Governance und Continual Improvement

Governance und Continual Improvement unterstützen sich gegenseitig.

Governance gibt unter anderem vor:

Continual Improvement nutzt unter anderem:

um Verbesserungen zu identifizieren und umzusetzen.

Beispiel:

Das Monitoring zeigt wiederholt, dass kritische Zertifikate erst kurz vor Ablauf erneuert werden.

Governance kann festlegen:

Continual Improvement entwickelt und verbessert anschließend:


Praxisbeispiel: Ausfall eines zentralen Speichersystems

Ein zentrales Speichersystem zeigt kritische Fehler.

Technische Situation

Evaluate

Direct

Monitor

Mögliche Verantwortlichkeiten

Dieses Beispiel zeigt, dass technische Kompetenz, Management und Governance zusammenwirken müssen.


Typische Governance-Fehler

Fehler 1: Verantwortung ohne Befugnis

Eine Person soll für ein Ergebnis einstehen, besitzt aber keine Möglichkeit:


Fehler 2: Befugnis ohne Kontrolle

Eine Rolle darf weitreichende Entscheidungen treffen, ohne:

zu müssen.


Fehler 3: Governance nur als Genehmigung verstehen

Viele Freigaben werden eingeführt, aber Ziele, Verantwortlichkeiten und Erfolgskriterien bleiben unklar.


Fehler 4: Jede Entscheidung zentralisieren

Auch risikoarme Tätigkeiten benötigen hochrangige Genehmigungen.

Dadurch entstehen:


Fehler 5: Risiken ohne Befugnis akzeptieren

Ein technisches Team dokumentiert ein erhebliches Risiko, entscheidet aber eigenständig, es dauerhaft zu akzeptieren.


Fehler 6: Nur technische Leistung überwachen

Server und Anwendungen sind verfügbar, aber:


Fehler 7: Dokumentation mit Wirksamkeit verwechseln

Eine Richtlinie existiert, wird aber:


Fehler 8: Verantwortung bleibt an Teamgrenzen hängen

Jedes Team erfüllt seine Komponentenaufgabe, aber niemand verantwortet das Ende-zu-Ende-Ergebnis des Service.


Fehler 9: Governance nicht an Veränderungen anpassen

Entscheidungsmodelle und Kontrollen bleiben unverändert, obwohl sich:

verändert haben.


Fragen für eine neue Organisation

Beim Einstieg in eine neue IT-Organisation solltest du klären:


Entscheidungshilfe: Ist eine Governance-Entscheidung notwendig?

Eine Governance- oder übergeordnete Entscheidung kann erforderlich sein, wenn:

Eine operative Entscheidung kann dagegen innerhalb delegierter Befugnisse getroffen werden, wenn:


Checkliste für klare Verantwortlichkeiten


Checkliste für wirksame Governance


Schnellreferenz

Frage Governance-Bezug
Was wird benötigt? Evaluate
Welche Optionen und Risiken bestehen? Evaluate
Welches Ziel und welche Grenzen gelten? Direct
Wer darf entscheiden? Direct
Wer trägt die Ergebnisverantwortung? Direct
Werden Vorgaben eingehalten? Monitor
Werden Outcomes erreicht? Monitor
Bleiben Risiken innerhalb akzeptierter Grenzen? Monitor
Müssen Richtung oder Vorgaben angepasst werden? erneutes Evaluate und Direct

Zusammenfassende Darstellung

Bedürfnisse, Ziele, Risiken und Rahmenbedingungen

Evaluate
Situation und Optionen bewerten

Direct
Richtung, Verantwortung und Grenzen vorgeben

Management und technische Umsetzung

Monitor
Ergebnisse, Risiken und Einhaltung überwachen

Feedback, Abweichungen und neue Anforderungen

erneute Bewertung und Anpassung


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die Aussagen zur Einbindung von Governance in das ITIL Value System sowie zu den Governance-Aktivitäten Evaluate, Direct und Monitor wurden anhand offizieller PeopleCert- und ITIL-Unterlagen geprüft.

Die Ausführungen zu:

sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen und Praxisempfehlungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Eine RACI-Matrix ist ein mögliches Hilfsmittel zur Rollenklärung, aber keine zwingend vorgeschriebene ITIL-Struktur.

Konkrete Governance-Gremien, Rollenbezeichnungen, Freigabestufen und Risikogrenzen müssen von der jeweiligen Organisation festgelegt werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.5 Die vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements

Kurz erklärt

Die vier Dimensionen unterstützen eine ganzheitliche Betrachtung digitaler Produkte und Services.

Sie helfen dabei, nicht ausschließlich auf Technik, Prozesse oder einzelne Teams zu schauen.

Die vier Dimensionen sind:

  1. Organizations and People – Organisationen und Menschen
  2. Information and Technology – Informationen und Technologie
  3. Partners and Suppliers – Partner und Lieferanten
  4. Value Streams and Processes – Wertströme und Prozesse

Bei Entscheidungen, Änderungen, Störungen und Verbesserungen sollten alle vier Dimensionen berücksichtigt werden.


Warum die vier Dimensionen notwendig sind

Digitale Produkte und Services entstehen durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Bestandteile.

Dazu gehören beispielsweise:

Eine technische Lösung kann leistungsfähig sein und trotzdem keinen ausreichenden Wert ermöglichen.

Beispiele:

Die vier Dimensionen helfen dabei, solche Lücken frühzeitig zu erkennen.

Merke

Ein Produkt oder Service ist nur so wirksam wie das Zusammenspiel seiner organisatorischen, technischen, menschlichen und externen Bestandteile.


Die vier Dimensionen im Überblick

Dimension Zentrale Betrachtung
Organizations and People Rollen, Fähigkeiten, Kapazitäten, Kommunikation, Kultur und Organisationsstruktur
Information and Technology Informationen, Wissen, Daten, Anwendungen, Infrastruktur, Integration und Automatisierung
Partners and Suppliers externe Leistungen, Lieferantenbeziehungen, Verträge, Abhängigkeiten und Zusammenarbeit
Value Streams and Processes Ende-zu-Ende-Arbeitsfluss, Aktivitäten, Übergaben, Kontrollen und Ergebnisse

Die Dimensionen sind keine voneinander getrennten Bereiche.

Eine Entscheidung in einer Dimension beeinflusst häufig auch die anderen drei Dimensionen.


Die Dimensionen sind Betrachtungsperspektiven

Die vier Dimensionen sind:

Sie dienen als Perspektiven, mit denen ein Produkt, Service, Wertstrom, Problem oder Vorhaben untersucht werden kann.

Beispiel:

Eine Organisation führt eine neue Plattform für die zentrale Dateiablage ein.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Erst die gemeinsame Betrachtung ergibt ein vollständigeres Bild.


Nicht jede Dimension benötigt immer denselben Aufwand

Alle vier Dimensionen sollten berücksichtigt werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie bei jeder Aufgabe gleich ausführlich dokumentiert werden müssen.

Beispiel:

Bei einer einfachen, dokumentierten Standardtätigkeit kann eine kurze Prüfung ausreichen.

Bei der Einführung einer geschäftskritischen Cloud-Plattform kann dagegen eine umfangreiche Betrachtung notwendig sein.

Der erforderliche Umfang hängt unter anderem ab von:

Grundsatz

Alle vier Dimensionen berücksichtigen, aber den Prüf- und Dokumentationsaufwand an Risiko und Kontext anpassen.


1. Organizations and People

Die Dimension Organizations and People betrachtet die organisatorischen und menschlichen Voraussetzungen für wirksames Produkt- und Service-Management.

Dazu gehören unter anderem:

Technische Systeme werden von Menschen:

Eine technisch geeignete Lösung kann deshalb scheitern, wenn die menschlichen und organisatorischen Voraussetzungen fehlen.


Organisationen sind mehr als Organigramme

Ein Organigramm zeigt formale Strukturen.

Es beantwortet jedoch nicht automatisch:

Für die Bewertung dieser Dimension müssen deshalb sowohl formale als auch tatsächlich gelebte Arbeitsweisen betrachtet werden.

Typischer Fehler

Eine Rolle ist im Organigramm eingetragen, besitzt aber weder ausreichende Befugnisse noch Zeit, Informationen oder Ressourcen, um ihre Verantwortung wahrzunehmen.


Rollen und Verantwortlichkeiten

Für wichtige Produkte, Services und Tätigkeiten sollte geklärt sein:

Mögliche Rollen sind beispielsweise:

ITIL schreibt nicht vor, dass jede Organisation genau diese Rollenbezeichnungen verwenden muss.

Entscheidend ist, dass Verantwortung, Befugnis und erwartetes Ergebnis eindeutig sind.


Fähigkeiten und Kompetenzen

Eine Organisation benötigt nicht nur ausreichend Personal, sondern auch geeignete Fähigkeiten.

Dazu können gehören:

Bei einer neuen Technologie sollte deshalb nicht nur geprüft werden:

Kann das Produkt beschafft oder installiert werden?

Zusätzlich ist zu prüfen:

Merke

Eine Organisation besitzt eine Fähigkeit nicht allein deshalb, weil sie ein Werkzeug gekauft hat.


Kapazität und Arbeitsbelastung

Auch fachlich geeignete Mitarbeiter können ihre Aufgaben nicht wirksam erfüllen, wenn ausreichende Kapazität fehlt.

Anzeichen für Kapazitätsprobleme können sein:

Kapazität sollte deshalb nicht nur anhand der Anzahl von Mitarbeitern bewertet werden.

Zu berücksichtigen sind außerdem:


Kommunikation und Zusammenarbeit

Digitale Produkte und Services überschreiten häufig Team- und Organisationsgrenzen.

Eine wirksame Zusammenarbeit benötigt:

Mögliche Kommunikationsprobleme sind:

Praxistipp

Die Qualität der Zusammenarbeit zeigt sich besonders an Übergaben, Störungen und Änderungen.


Organisationskultur

Kultur beeinflusst, wie Menschen tatsächlich handeln.

Sie zeigt sich beispielsweise darin:

Eine Organisation kann offiziell Zusammenarbeit fördern und gleichzeitig durch ihre tatsächliche Arbeitsweise Konkurrenz zwischen Teams erzeugen.

Beispiel:

Teams werden ausschließlich nach ihrer eigenen Bearbeitungszeit bewertet.

Dadurch kann jedes Team versuchen, Vorgänge möglichst schnell weiterzugeben.

Die lokale Kennzahl verbessert sich, während sich die gesamte Bearbeitungsdauer für den Benutzer verlängert.


Leitfragen zu Organizations and People


2. Information and Technology

Die Dimension Information and Technology betrachtet die Informationen, das Wissen und die Technologien, die für Produkte und Services benötigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

Informationen und Technologie unterstützen nahezu jede Tätigkeit im digitalen Produkt- und Service-Management.

Sie müssen jedoch zu den tatsächlichen Anforderungen und Fähigkeiten der Organisation passen.


Informationen als Arbeitsgrundlage

Geeignete Entscheidungen benötigen geeignete Informationen.

Beispiele:

Informationen sollten möglichst:

sein.

Wichtig

Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Informationen.

Entscheidend ist, ob die Daten verständlich, zuverlässig und für eine konkrete Entscheidung nutzbar sind.


Datenqualität

Fehlerhafte oder veraltete Daten können zu falschen Entscheidungen führen.

Beispiele:

Datenqualität sollte deshalb nicht nur bei der Erfassung, sondern über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden.

Zu klären ist:


Information und Wissen unterscheiden

Informationen werden erst durch Einordnung und Erfahrung zu anwendbarem Wissen.

Beispiel:

Information

Der Dienst wurde innerhalb von drei Monaten zwölfmal neu gestartet.

Wissen

Die Neustarts treten regelmäßig nach einem bestimmten Speicheranstieg auf und stellen nur eine vorübergehende Wiederherstellung dar.

Anwendbare Erkenntnis

Die Ursache muss untersucht und eine dauerhafte Korrektur geplant werden.

Knowledge Management soll dabei helfen, relevante Informationen:


Technologieauswahl

Eine Technologie sollte nicht nur anhand ihrer Funktionen bewertet werden.

Zu berücksichtigen sind beispielsweise:

Typischer Fehler

Eine neue Technologie wird eingeführt, weil sie viele Funktionen besitzt.

Erst später wird festgestellt, dass sie nicht zu vorhandenen Arbeitsweisen, Fähigkeiten oder Schnittstellen passt.


Architektur und Integration

Digitale Produkte und Services bestehen häufig aus mehreren integrierten Systemen.

Zu berücksichtigen sind:

Beispiel:

Eine Anwendung kann technisch verfügbar sein, aber nicht nutzbar, wenn:

Eine ganzheitliche Betrachtung erfordert deshalb Informationen über Ende-zu-Ende-Abhängigkeiten.


Informationssicherheit

Informationen und Technologien müssen angemessen geschützt werden.

Zu den grundlegenden Schutzzielen gehören insbesondere:

Je nach Kontext können außerdem relevant sein:

Bei technischen Entscheidungen sollte geprüft werden:


Automatisierung

Automatisierung kann:

Sie benötigt jedoch:

Beispiel:

Eine automatisierte Benutzeranlage kann Konten, Lizenzen und Standardgruppen bereitstellen.

Die Automatisierung muss trotzdem klären:


Künstliche Intelligenz

KI kann bei digitalen Produkten und Services unter anderem eingesetzt werden für:

Dabei müssen unter anderem betrachtet werden:

Sicherheitsrelevant

Eine KI-generierte Antwort oder Entscheidung muss abhängig von ihrer möglichen Auswirkung angemessen geprüft werden.

Die Verantwortung verbleibt bei der Organisation und den zuständigen Rollen.


Technische Schulden

Technische Schulden entstehen, wenn kurzfristige Lösungen später zusätzlichen Aufwand oder Risiken verursachen.

Beispiele:

Technische Schulden sind nicht automatisch vollständig vermeidbar.

Sie sollten jedoch:

werden.


Leitfragen zu Information and Technology


3. Partners and Suppliers

Die Dimension Partners and Suppliers betrachtet externe Organisationen und Personen, die an Produkten, Services oder Wertströmen beteiligt sind.

Dazu können gehören:

Viele Organisationen können digitale Produkte und Services nicht vollständig allein bereitstellen.

Externe Partner können:

bereitstellen.


Partner und Lieferant unterscheiden

Die Begriffe können in Organisationen unterschiedlich verwendet werden.

Vereinfacht kann unterschieden werden:

Begriff Mögliche Bedeutung
Lieferant stellt vertraglich vereinbarte Produkte oder Leistungen bereit
Partner arbeitet enger und möglicherweise längerfristig an gemeinsamen Outcomes mit

Ein Lieferant kann gleichzeitig ein strategischer Partner sein.

Entscheidend ist nicht nur die Bezeichnung, sondern:


Sourcing-Entscheidungen

Organisationen müssen entscheiden, welche Fähigkeiten und Leistungen sie:

Mögliche Kriterien sind:

Typischer Fehler

Eine Tätigkeit wird ausschließlich wegen kurzfristig geringerer Kosten ausgelagert.

Langfristige Abhängigkeiten, Datenportabilität, interne Fähigkeiten und Ausstiegskosten werden nicht berücksichtigt.


Verträge und Vereinbarungen

Verträge und Vereinbarungen sollten die benötigten Outcomes unterstützen.

Mögliche Inhalte sind:

Eine vertraglich zugesicherte technische Verfügbarkeit beantwortet nicht automatisch:


Lieferantenabhängigkeiten

Externe Abhängigkeiten sollten sichtbar und bewertet sein.

Mögliche Risiken sind:

Besonders kritisch kann eine Konzentration entstehen, wenn viele Produkte und Services von demselben Anbieter abhängen.

Beispiel:

Ein einziger Cloud-Anbieter stellt bereit:

Ein Ausfall oder Vertragsproblem kann dann mehrere zentrale Services gleichzeitig beeinflussen.


Geteilte Verantwortung

Bei extern bereitgestellten Services bleiben Verantwortlichkeiten häufig zwischen Anbieter und Kunde aufgeteilt.

Beispiel: Cloud-Service

Der Anbieter kann verantwortlich sein für:

Die nutzende Organisation kann weiterhin verantwortlich sein für:

Die genaue Aufteilung hängt vom jeweiligen Produkt, Vertrag und Bereitstellungsmodell ab.

Merke

Eine ausgelagerte Tätigkeit bedeutet nicht automatisch, dass alle Risiken und Verantwortlichkeiten auf den Anbieter übergehen.


Lieferanten in Incidents

Bei einem Incident sollte geklärt sein:

Eine Supportanfrage an einen Lieferanten ersetzt nicht die interne Verantwortung für:


Ausstiegs- und Übergangsplanung

Bereits bei der Auswahl eines Lieferanten sollte betrachtet werden, wie die Beziehung später verändert oder beendet werden kann.

Zu prüfen sind:

Praxistipp

Eine Exit-Strategie sollte nicht erst entwickelt werden, wenn der Vertrag bereits beendet werden muss.


Leitfragen zu Partners and Suppliers


4. Value Streams and Processes

Die Dimension Value Streams and Processes betrachtet, wie Arbeit durch die Organisation fließt und wie Aktivitäten zu Ergebnissen und Wert beitragen.

Dazu gehören:

Einzelne Teams können ihre Aufgaben gut erfüllen und trotzdem einen schlechten Ende-zu-Ende-Arbeitsfluss erzeugen.

Die Dimension richtet den Blick deshalb nicht nur auf einzelne Prozessschritte, sondern auf den gesamten Weg zum benötigten Outcome.


Value Stream

Ein Value Stream beschreibt eine Abfolge von Schritten, durch die Wert für einen Stakeholder ermöglicht wird.

Beispiele:

Ein Value Stream kann mehrere:

verbinden.

Merke

Ein Wertstrom folgt dem Weg zum Outcome und nicht automatisch der Struktur des Organigramms.


Prozess

Ein Prozess ist eine strukturierte Folge miteinander verbundener Aktivitäten.

Er überführt bestimmte Eingaben in Ergebnisse.

Ein Prozess kann beispielsweise festlegen:

Ein Value Stream kann mehrere Prozesse enthalten.

Ein Prozess kann wiederum in mehreren Value Streams verwendet werden.

Beispiel:

Der Prozess zur Benutzerkontoanlage kann Bestandteil sein von:


Ende-zu-Ende-Sicht

Eine Ende-zu-Ende-Betrachtung prüft den gesamten Weg vom Bedarf bis zum erreichten Outcome.

Beispiel: neuer Mitarbeiter

  1. Eintritt wird gemeldet.
  2. Aufgaben und benötigte Zugriffe werden bestimmt.
  3. Freigaben werden eingeholt.
  4. Benutzerkonto wird erstellt.
  5. Lizenzen werden zugewiesen.
  6. Endgerät wird bereitgestellt.
  7. Sicherheitsmaßnahmen werden eingerichtet.
  8. Zugriffe werden getestet.
  9. Arbeitsplatz wird übergeben.
  10. Arbeitsfähigkeit wird bestätigt.

Wird nur die Kontoanlage betrachtet, können andere notwendige Schritte übersehen werden.

Der technische Output:

Das Benutzerkonto wurde erstellt.

bedeutet noch nicht automatisch das Outcome:

Der neue Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen.


Übergaben

An Übergaben entstehen häufig:

Beispiele:

Übergaben sollten deshalb geprüft werden auf:


Engpässe und Wartezeiten

Ein Value Stream kann durch Engpässe verlangsamt werden.

Mögliche Ursachen sind:

Nicht jede lange Gesamtdauer entsteht durch langsame Ausführung.

Häufig besteht ein großer Teil aus Wartezeit.

Beispiel:

Schritt Bearbeitungszeit Wartezeit
Anforderung prüfen 15 Minuten 1 Tag
Freigabe erteilen 5 Minuten 2 Tage
Konto erstellen 10 Minuten 4 Stunden
Zugriff testen 15 Minuten 1 Tag

Die tatsächliche Bearbeitungszeit beträgt weniger als eine Stunde.

Der gesamte Durchlauf dauert trotzdem mehrere Tage.


Kontrollen im Arbeitsfluss

Kontrollen können notwendig sein für:

Sie sollten jedoch einen klaren Zweck besitzen.

Zu prüfen ist:

Typischer Fehler

Zusätzliche Freigaben werden eingeführt, nachdem ein Fehler aufgetreten ist.

Später wird nicht mehr geprüft, ob sie das Risiko tatsächlich reduzieren oder nur den Arbeitsfluss verlangsamen.


Prozesse dürfen nicht zum Selbstzweck werden

Ein Prozess ist kein Wert an sich.

Er soll ein benötigtes Outcome unterstützen.

Anzeichen für einen ungeeigneten Prozess können sein:


Messung von Wertströmen und Prozessen

Mögliche Messgrößen sind:

Eine einzelne Kennzahl reicht häufig nicht aus.

Beispiel:

Eine kurze Ticketbearbeitungszeit kann positiv sein.

Sie kann aber auch entstehen, weil Tickets:

werden.

Messgrößen sollten deshalb gemeinsam und im Kontext betrachtet werden.


Leitfragen zu Value Streams and Processes


Zusammenwirken der vier Dimensionen

Die vier Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig.

Veränderung Mögliche Auswirkungen auf andere Dimensionen
neues Ticketsystem Schulungsbedarf, Rollen, Datenmigration, Lieferantenvertrag und angepasste Prozesse
Outsourcing des Service Desk neue Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, technische Zugänge und Eskalationswege
Automatisierung der Benutzeranlage Datenqualität, Freigaben, Rollen, Sicherheitskontrollen und Prozessänderungen
Einführung einer Cloud-Plattform neue Fähigkeiten, Verträge, Integrationen, Datenflüsse und Supportprozesse
Änderung eines Incident-Prozesses Werkzeugkonfiguration, Schulung, Lieferanteneinbindung und neue Messgrößen
Einsatz von KI Datenanforderungen, Governance, Kompetenzen, Lieferantenrisiken und Kontrollabläufe

Merke

Eine Änderung in nur einer Dimension ist in der Praxis selten auf diese eine Dimension begrenzt.


Praxisbeispiel: Einführung eines neuen Ticketsystems

Eine Organisation möchte ihr bisheriges Ticketsystem ersetzen.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Wird nur die Technologie ausgewählt, können die anderen drei Dimensionen später zu erheblichen Problemen führen.


Praxisbeispiel: wiederkehrender VPN-Ausfall

Mehrere Benutzer verlieren regelmäßig ihre VPN-Verbindung.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Eine rein technische Einzelbehandlung kann den Service kurzfristig wiederherstellen.

Die ganzheitliche Betrachtung unterstützt zusätzlich eine nachhaltige Verbesserung.


Praxisbeispiel: Backup und Wiederherstellung

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Merke

Backup ist nicht nur eine Technologie.

Wiederherstellbarkeit entsteht durch das Zusammenspiel aller vier Dimensionen.


Die vier Dimensionen bei einem Incident

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Wer koordiniert, entscheidet, analysiert und kommuniziert?
Information and Technology Welche Systeme, Daten, Protokolle und Abhängigkeiten sind betroffen?
Partners and Suppliers Welche Anbieter müssen beteiligt oder eskaliert werden?
Value Streams and Processes Wie erfolgt Erfassung, Priorisierung, Wiederherstellung, Kommunikation und Abschluss?

Die vier Dimensionen bei einem Change

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Wer beantragt, bewertet, autorisiert, implementiert und prüft?
Information and Technology Welche Komponenten, Daten, Schnittstellen und Sicherheitsmaßnahmen sind betroffen?
Partners and Suppliers Werden Hersteller, Provider oder Wartungspartner benötigt?
Value Streams and Processes Wie erfolgen Bewertung, Test, Autorisierung, Umsetzung, Rückfall und Erfolgskontrolle?

Die vier Dimensionen bei einer Verbesserung

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Welche Fähigkeiten, Rollen oder kulturellen Veränderungen werden benötigt?
Information and Technology Welche Daten belegen das Problem und welche Technologie unterstützt die Verbesserung?
Partners and Suppliers Welche externen Beiträge oder Vertragsänderungen sind notwendig?
Value Streams and Processes Welcher Arbeitsfluss wird verbessert und wie wird die Wirkung gemessen?

Typische Fehler

Fehler 1: Nur Technik betrachten

Eine Organisation kauft eine neue Plattform, ohne Rollen, Fähigkeiten, Support und Arbeitsabläufe vorzubereiten.


Fehler 2: Nur Prozesse dokumentieren

Abläufe werden beschrieben, aber notwendige Informationen, Technologien und Kompetenzen fehlen.


Fehler 3: Lieferanten nicht als Teil des Service betrachten

Externe Abhängigkeiten werden erst berücksichtigt, wenn ein Incident eskaliert.


Fehler 4: Menschen als austauschbare Ressourcen behandeln

Benötigte Fähigkeiten, Erfahrungen, Motivation und Zusammenarbeit werden nicht berücksichtigt.


Fehler 5: Jede Dimension getrennt optimieren

Ein Team verbessert seine eigene Kennzahl, verschlechtert aber den gesamten Wertstrom.


Fehler 6: Alle Situationen gleich ausführlich prüfen

Kleine Standardtätigkeiten werden unnötig kompliziert, während kritische Vorhaben nicht risikogerecht vertieft werden.


Fehler 7: Werkzeuge mit Fähigkeiten verwechseln

Eine Organisation besitzt eine Funktion im Ticketsystem, hat aber keine wirksame Arbeitsweise und keine eindeutigen Verantwortlichkeiten dafür.


Fehler 8: Verträge nur beim Einkauf betrachten

Betrieb, Support, Sicherheit, Eskalation und Ausstieg werden nicht ausreichend einbezogen.


Fehler 9: Datenmenge mit Informationsqualität verwechseln

Viele Kennzahlen werden gesammelt, liefern aber keine Grundlage für Entscheidungen oder Verbesserungen.


Fehler 10: Prozesse an Teamgrenzen enden lassen

Jedes Team bearbeitet nur seinen Teil, während niemand das Ende-zu-Ende-Outcome verantwortet.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker arbeiten häufig hauptsächlich in der technischen Dimension.

Ihre Aufgaben beeinflussen jedoch immer wieder alle vier Dimensionen.

Beispiel: neuer Server

Tätigkeit Betroffene Dimension
Server installieren und konfigurieren Information and Technology
Zuständigkeit und Betrieb klären Organizations and People
Hardware-, Software- oder Cloud-Anbieter einbinden Partners and Suppliers
Bereitstellung, Change, Monitoring und Support einordnen Value Streams and Processes

Vor einer technischen Maßnahme sind deshalb zusätzliche Fragen sinnvoll:


30-Sekunden-Prüfung

Bei einer neuen Aufgabe kannst du alle vier Dimensionen mit vier Kurzfragen prüfen:

  1. Menschen: Wer ist beteiligt, verantwortlich und ausreichend befähigt?
  2. Technologie: Welche Informationen, Systeme und technischen Abhängigkeiten werden benötigt?
  3. Partner: Welche externen Anbieter und vertraglichen Abhängigkeiten bestehen?
  4. Arbeitsfluss: Wie gelangt die Aufgabe vom Bedarf zum überprüften Outcome?

Diese Kurzprüfung ersetzt keine notwendige Detailanalyse.

Sie hilft jedoch dabei, eine Dimension nicht vollständig zu übersehen.


Checkliste zu Organizations and People


Checkliste zu Information and Technology


Checkliste zu Partners and Suppliers


Checkliste zu Value Streams and Processes


Gesamtcheck für ein Produkt oder einen Service


Schnellreferenz

Dimension Kurzfrage
Organizations and People Wer wird benötigt und wie arbeiten die Beteiligten zusammen?
Information and Technology Welche Informationen und Technologien ermöglichen das Outcome?
Partners and Suppliers Welche externen Leistungen und Abhängigkeiten bestehen?
Value Streams and Processes Wie fließt die Arbeit vom Bedarf zum Ergebnis?

Zusammenfassende Darstellung

Organizations and People
Rollen · Fähigkeiten · Kapazität · Kommunikation · Kultur

Information and Technology
Daten · Wissen · Anwendungen · Infrastruktur · Integration · Automatisierung

Partners and Suppliers
Leistungen · Verträge · Zusammenarbeit · Abhängigkeiten · Ausstieg

Value Streams and Processes
Aktivitäten · Übergaben · Kontrollen · Arbeitsfluss · Outcomes

ganzheitliches digitales Produkt- und Service-Management

bessere Outcomes und gemeinsam ermöglichter Wert


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

ITIL Version 5 verwendet die folgenden vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements:

Die offiziellen ITIL-Version-5-Grundlagen beschreiben die vier Dimensionen als Grundlage einer ganzheitlichen Betrachtung digitaler Produkte und Services.

Die ausführlichen Leitfragen, Beispiele, Checklisten und technischen Einordnungen auf dieser Seite sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation verbindlichen Arbeitsabläufe dar.

Konkrete Rollen, Technologien, Lieferantenmodelle, Prozesse und Kontrollen müssen an den jeweiligen Kontext angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.6 Der Product and Service Lifecycle

Kurz erklärt

Der ITIL Product and Service Lifecycle beschreibt den gemeinsamen Lebenszyklus digitaler Produkte und Services.

Er verbindet Produktentwicklung, Beschaffung, technische Umsetzung, Betrieb, Bereitstellung und Unterstützung in einem gemeinsamen Modell.

Die acht Lifecycle-Aktivitäten sind:

  1. Discover
  2. Design
  3. Acquire
  4. Build
  5. Transition
  6. Operate
  7. Deliver
  8. Support

Die Aktivitäten bilden keinen starren linearen Ablauf. Sie können sich überschneiden, wiederholt werden und sich gegenseitig beeinflussen.


Warum ein gemeinsamer Lebenszyklus notwendig ist

Digitale Produkte und Services wurden in Organisationen häufig getrennt betrachtet.

Produktteams konzentrierten sich beispielsweise auf:

Serviceteams konzentrierten sich dagegen auf:

Diese Trennung kann zu Problemen führen.

Beispiele:

ITIL Version 5 verbindet beide Perspektiven deshalb in einem gemeinsamen Product and Service Lifecycle.

Merke

Produkt und Service sind keine voneinander unabhängigen Alternativen.

Sie sind zwei miteinander verbundene Perspektiven auf eine technologiebasierte Lösung.


Produkt- und Serviceperspektive

Die Produktperspektive betrachtet unter anderem:

Die Serviceperspektive betrachtet unter anderem:

Beispiel: VPN-Lösung

Produktperspektive Serviceperspektive
VPN-Gateway und Clientsoftware sicherer Fernzugriff für Benutzer
Authentifizierungsfunktionen verständlicher und zuverlässiger Anmeldevorgang
unterstützte Betriebssysteme Nutzbarkeit auf den benötigten Endgeräten
technische Kapazität ausreichende Leistung für die Benutzer
Softwareversionen kontrollierte und möglichst störungsarme Aktualisierung
Protokollierung Unterstützung bei Störungen und Sicherheitsanalysen
Hersteller-Roadmap langfristige Nutzbarkeit des Fernzugriffs

Beide Perspektiven müssen gemeinsam betrachtet werden.

Eine technisch leistungsfähige VPN-Plattform ermöglicht noch keinen verlässlichen Fernzugriffsservice, wenn:


Die acht Lifecycle-Aktivitäten im Überblick

Aktivität Zentrale Aufgabe
Discover Bedürfnisse, Chancen, Ausgangslage und Umfeld verstehen
Design geeignete Produkte, Services und Lösungen gestalten
Acquire benötigte Ressourcen, Produkte, Leistungen und Fähigkeiten beschaffen oder zuordnen
Build Lösungen erstellen, konfigurieren, integrieren und testen
Transition neue oder geänderte Bestandteile kontrolliert in die vorgesehene Nutzung überführen
Operate Produkte, Plattformen und technische Fähigkeiten zuverlässig betreiben
Deliver Services und Serviceangebote für Stakeholder bereitstellen und steuern
Support Benutzer, Kunden, Produkte und Services bei Fragen, Anfragen und Störungen unterstützen

Die Beschreibungen in dieser Tabelle sind praxisnahe Zusammenfassungen.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen dar.


Lifecycle-Aktivitäten statt starrer Phasen

Die Begriffe können zunächst den Eindruck einer festen Reihenfolge vermitteln:

Discover → Design → Acquire → Build → Transition → Operate → Deliver → Support

Das Modell ist jedoch nicht als starres Wasserfallmodell gedacht.

Jede Aktivität kann:

Beispiel:

Während Version 1 einer Anwendung betrieben, bereitgestellt und unterstützt wird, kann gleichzeitig:

Produkt- oder Serviceversion Mögliche aktuelle Aktivität
Version 1.0 Operate, Deliver und Support
Version 1.1 Build und Test
Version 1.2 Design
zukünftige Hauptversion Discover
abzulösende Altversion Transition und Operate

Merke

Ein Produkt oder Service befindet sich nicht dauerhaft nur in einer einzigen Lifecycle-Aktivität.


Transitions können zwischen verschiedenen Aktivitäten stattfinden

Transition ist nicht ausschließlich ein einmaliger Schritt zwischen Build und Operate.

Eine kontrollierte Überführung kann an unterschiedlichen Stellen notwendig sein.

Beispiele:

Die konkrete Form einer Transition hängt vom jeweiligen Produkt, Service, Risiko und Wertstrom ab.

Wichtig

Transition bedeutet nicht, dass ein Team seine Arbeit beendet und die Verantwortung vollständig an ein anderes Team abgibt.

Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportverantwortung müssen über den Übergang hinweg zusammenwirken.


Lifecycle, Value System und Value Stream unterscheiden

Begriff Bedeutung
ITIL Value System verbindet die übergeordneten Bestandteile der Organisation zur Wertschöpfung
Product and Service Lifecycle beschreibt acht gemeinsame Aktivitäten über den Lebenszyklus digitaler Produkte und Services
Value Chain flexibles operatives Modell innerhalb des ITIL Value Systems
Value Stream konkrete Abfolge von Schritten zur Erreichung eines bestimmten Outcomes
Management Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Prozess strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen
Projekt zeitlich begrenztes Vorhaben zur Erreichung definierter Ziele

Beispiel: Einführung einer neuen Monitoring-Plattform


Lifecycle und Projektlebenszyklus unterscheiden

Ein Projekt besitzt normalerweise:

Ein digitales Produkt oder ein Service besteht häufig über das Projekt hinaus.

Beispiel:

Ein Projekt führt eine neue E-Mail-Plattform ein.

Nach Projektende müssen weiterhin durchgeführt werden:

Typischer Fehler

Die Produkt- und Serviceverantwortung endet mit dem Projektabschluss.

Dadurch bleiben Betrieb, Support, technische Schulden und langfristige Weiterentwicklung ungeklärt.


1. Discover

Zentrale Frage

Was wird benötigt, warum wird es benötigt und welche Ausgangslage besteht?

Discover dient dazu, Bedürfnisse, Chancen, Probleme und Rahmenbedingungen zu verstehen.

Mögliche Auslöser sind:

Discover sollte nicht nur bestätigen, was ein einzelner Anforderer bereits als Lösung vorgeschlagen hat.

Zuerst sollte das zugrunde liegende Bedürfnis verstanden werden.

Beispiel:

Anforderung:

Wir benötigen einen neuen Server.

Mögliche zugrunde liegende Bedürfnisse:

Erst nach dieser Klärung kann bewertet werden, ob ein neuer Server tatsächlich die geeignete Lösung darstellt.


Typische Inhalte von Discover


Leitfragen zu Discover


Mögliche Ergebnisse von Discover

Merke

Ein sinnvolles Ergebnis von Discover kann auch die Entscheidung sein, keine neue Lösung einzuführen.


Praxisbeispiel: wiederkehrende Anmeldeprobleme

Mehrere Benutzer können sich regelmäßig nicht anmelden.

Eine vorschnelle Lösung wäre:

Der Verzeichnisdienst muss ersetzt werden.

Discover untersucht zunächst:

Erst danach kann eine geeignete Designentscheidung getroffen werden.


Typische Fehler bei Discover


2. Design

Zentrale Frage

Wie müssen Produkt und Service gestaltet werden, damit das gewünschte Outcome sicher und nachhaltig unterstützt wird?

Design übersetzt Bedürfnisse und Erkenntnisse in eine geeignete Gesamtlösung.

Dabei werden nicht nur technische Funktionen gestaltet.

Zu berücksichtigen sind ebenfalls:


Funktionale und nichtfunktionale Anforderungen

Funktionale Anforderungen beschreiben, was eine Lösung leisten soll.

Beispiele:

Nichtfunktionale Anforderungen beschreiben Eigenschaften und Qualitätsanforderungen.

Beispiele:

Typischer Fehler

Die Funktionen werden gestaltet, während Betrieb, Support, Sicherheit und Wiederherstellung erst kurz vor der Einführung betrachtet werden.


Design betrachtet alle vier Dimensionen

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Leitfragen zu Design


Betrieb und Support bereits im Design berücksichtigen

Ein Produkt sollte nicht erst nach seiner Entwicklung „betriebsfähig gemacht“ werden.

Bereits im Design sollten unter anderem berücksichtigt werden:

Merke

Operability und Supportability sind keine nachträglichen Zusatzfunktionen.

Sie gehören zur Gestaltung eines nutzbaren und nachhaltigen digitalen Produkts und Service.


Mögliche Ergebnisse von Design


Typische Fehler bei Design


3. Acquire

Zentrale Frage

Welche Produkte, Leistungen, Ressourcen und Fähigkeiten werden benötigt und wie werden sie beschafft oder bereitgestellt?

Acquire umfasst die Beschaffung oder Zuordnung benötigter Bestandteile.

Dazu können gehören:

Acquire bedeutet nicht automatisch, dass etwas von einem externen Anbieter gekauft werden muss.

Mögliche Entscheidungen sind:


Make, Buy, Reuse oder Partner

Möglichkeit Beispiel
Make eigene Anwendung oder Automatisierung entwickeln
Buy Standardsoftware oder Hardware beschaffen
Reuse vorhandene Plattform oder Komponente weiterverwenden
Subscribe Cloud- oder SaaS-Service abonnieren
Partner Lösung gemeinsam mit einem externen Partner entwickeln
Outsource Tätigkeit oder Servicebestandteil extern erbringen lassen

Die Entscheidung sollte nicht nur anhand des Anschaffungspreises erfolgen.

Zu berücksichtigen sind beispielsweise:


Leitfragen zu Acquire


Beschaffung ist mehr als Bestellung

Eine technische Bestellung allein stellt noch keine nutzbare Ressource bereit.

Beispiel: neue Firewall

Zusätzlich zur Hardware können benötigt werden:

Typischer Fehler

Der Kaufpreis wird geplant, während Betriebskosten, Lizenzen, Support und notwendige Fähigkeiten nicht berücksichtigt werden.


Lieferanten und Exit-Planung

Bei externen Leistungen sollte bereits während Acquire geprüft werden:


Mögliche Ergebnisse von Acquire


Typische Fehler bei Acquire


4. Build

Zentrale Frage

Wie wird die entworfene Lösung erstellt, konfiguriert, integriert und überprüft?

Build umfasst die praktische Erstellung und technische Umsetzung.

Dazu können gehören:

Build bedeutet nicht ausschließlich Programmierung.

Auch die Konfiguration einer Standardsoftware oder der Aufbau einer Infrastruktur kann Teil dieser Aktivität sein.


Build und Test gehören zusammen

Eine erstellte Lösung muss überprüft werden.

Mögliche Testarten sind:

Tests sollten sich an Anforderungen und Risiken orientieren.

Merke

Ein erfolgreicher Funktionstest beweist nicht automatisch, dass eine Lösung sicher, betreibbar, wiederherstellbar und für Benutzer geeignet ist.


Leitfragen zu Build


Reproduzierbarkeit

Technische Lösungen sollten möglichst reproduzierbar aufgebaut werden.

Geeignete Maßnahmen können sein:

Reproduzierbarkeit unterstützt:


Build umfasst Betriebsbereitschaft

Während Build sollten nicht nur Produktfunktionen erstellt werden.

Ebenfalls vorzubereiten sind:


Mögliche Ergebnisse von Build


Typische Fehler bei Build


5. Transition

Zentrale Frage

Wie wird eine neue oder geänderte Lösung kontrolliert in die vorgesehene Nutzung und Verantwortung überführt?

Transition verbindet Entwicklung, Beschaffung und Aufbau mit der tatsächlichen Verwendung, dem Betrieb, der Bereitstellung und dem Support.

Mögliche Bestandteile sind:


Transition ist mehr als Deployment

Deployment beschreibt die technische Übertragung von Komponenten in eine Zielumgebung.

Transition umfasst zusätzlich die organisatorische und servicebezogene Einsatzbereitschaft.

Deployment Transition
Software wird installiert. Produkt und Service werden kontrolliert in die Nutzung überführt.
Konfiguration wird verteilt. Betrieb, Support und Stakeholder sind vorbereitet.
technische Komponente wird aktiviert. Funktion, Erfahrung, Risiken und Outcomes werden überprüft.
Daten werden migriert. Datenqualität, Benutzerzugriff und Geschäftsabläufe werden validiert.

Merke

Technisch bereitgestellt bedeutet nicht automatisch betriebsbereit, supportfähig oder für Benutzer nutzbar.


Operational Readiness

Vor einer produktiven Nutzung sollte geprüft werden:


Leitfragen zu Transition


Rückfall und Wiederherstellung

Ein Rückfallplan sollte möglichst klären:

Ein Rückfall ist nicht immer die beste oder technisch mögliche Option.

Bei Datenmigrationen oder unumkehrbaren Änderungen kann stattdessen ein alternativer Wiederherstellungsplan notwendig sein.


Mögliche Ergebnisse von Transition


Typische Fehler bei Transition


6. Operate

Zentrale Frage

Wie werden Produkte, Plattformen und technische Fähigkeiten zuverlässig, sicher und wirtschaftlich betrieben?

Operate betrachtet den laufenden technischen Betrieb.

Dazu gehören beispielsweise:

Operate sorgt dafür, dass die technischen Fähigkeiten vorhanden bleiben, auf denen Services aufbauen.


Operate und Deliver unterscheiden

Operate konzentriert sich stärker auf den laufenden Betrieb der technischen Produkt- und Plattformbestandteile.

Deliver konzentriert sich stärker darauf, Services und Serviceangebote für Stakeholder nutzbar bereitzustellen.

Beispiel: E-Mail

Operate

Deliver

Beide Aktivitäten überschneiden und beeinflussen sich.


Leitfragen zu Operate


Stabilität und Veränderung

Operate bedeutet nicht, technische Systeme möglichst unverändert zu lassen.

Ein stabiler Betrieb benötigt regelmäßig:

Diese Änderungen müssen kontrolliert erfolgen.

Merke

Stabilität entsteht nicht durch Stillstand.

Sie entsteht durch kontrollierte Veränderung, Überwachung und angemessene Wiederherstellungsfähigkeit.


Technische Schulden im Betrieb

Technische Schulden können sich zeigen durch:

Sie sollten:

werden.


Mögliche Ergebnisse von Operate


Typische Fehler bei Operate


7. Deliver

Zentrale Frage

Wie werden Services und Serviceangebote so bereitgestellt, dass Stakeholder die vorgesehenen Outcomes erreichen können?

Deliver betrachtet die tatsächliche Bereitstellung und Steuerung des Service gegenüber Benutzern, Kunden und weiteren Stakeholdern.

Dazu können gehören:


Technische Verfügbarkeit und Servicebereitstellung

Ein technisches System kann verfügbar sein, während der Service für den Benutzer nicht nutzbar ist.

Beispiele:

Deliver betrachtet deshalb nicht nur technische Funktion, sondern auch die tatsächliche Nutzbarkeit und Leistung des Service.


Leitfragen zu Deliver


Serviceangebot

Ein Serviceangebot kann unterschiedliche Bestandteile verbinden:

Praxisbeispiel: Arbeitsplatzservice

Mögliche Bestandteile:

Der Benutzer benötigt normalerweise nicht jeden technischen Bestandteil einzeln.

Er benötigt einen arbeitsfähigen Arbeitsplatz als nutzbares Gesamtergebnis.


Servicequalität und Erfahrung

Servicequalität kann sowohl objektive als auch subjektive Aspekte besitzen.

Mögliche objektive Informationen:

Mögliche Erfahrungsaspekte:

Merke

Ein Service kann technische Zielwerte erfüllen und trotzdem eine schlechte Benutzererfahrung erzeugen.


Mögliche Ergebnisse von Deliver


Typische Fehler bei Deliver


8. Support

Zentrale Frage

Wie werden Benutzer, Kunden, Produkte und Services bei Fragen, Anfragen, Problemen und Störungen wirksam unterstützt?

Support umfasst die Unterstützung während der Nutzung eines Produkts oder Service.

Dazu können gehören:

Support beschränkt sich nicht darauf, Tickets möglichst schnell zu schließen.

Das Ziel besteht darin, negative Auswirkungen zu begrenzen, Nutzung zu ermöglichen und wertvolle Erkenntnisse zurück in den Lebenszyklus zu führen.


Support als Informationsquelle

Support erhält häufig direkte Informationen über:

Diese Erkenntnisse sollten nicht ausschließlich im einzelnen Ticket bleiben.

Sie können zurückfließen in:

Merke

Support ist nicht nur die letzte Aktivität des Modells.

Support liefert Erkenntnisse für den gesamten Product and Service Lifecycle.


Leitfragen zu Support


Supportfähigkeit bereits vorher aufbauen

Wirksamer Support benötigt unter anderem:

Diese Voraussetzungen müssen bereits in Design, Build und Transition berücksichtigt werden.


Mögliche Ergebnisse von Support


Typische Fehler bei Support


Zusammenwirken der acht Aktivitäten

Praxisbeispiel: Einführung eines neuen sicheren Fernzugriffs

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Operate

Deliver

Support


Continual Improvement über den gesamten Lifecycle

Continual Improvement ist nicht auf das Ende des Lebenszyklus beschränkt.

Jede Aktivität kann verbessert werden.

Lifecycle-Aktivität Beispiel für eine Verbesserung
Discover Benutzerfeedback früher und systematischer erfassen
Design Betriebs- und Sicherheitsanforderungen früher berücksichtigen
Acquire Exit-Anforderungen in Lieferantenbewertungen aufnehmen
Build Tests und Bereitstellung stärker automatisieren
Transition Pilot- und Rückfallverfahren verbessern
Operate wiederkehrende Wartung automatisieren
Deliver Serviceangebote verständlicher gestalten
Support bekannte Lösungen schneller auffindbar machen

Erkenntnisse aus späteren Aktivitäten können frühere Aktivitäten erneut auslösen.

Beispiel:

Support erkennt viele Anfragen zu einer unverständlichen Funktion.

Dies kann führen zu:


Governance über den gesamten Lifecycle

Governance wirkt auf alle acht Aktivitäten.

Zu klären sind unter anderem:

Governance sollte nicht erst bei der produktiven Einführung beginnen.

Ungeeignete Grundentscheidungen in Discover, Design oder Acquire können später nur mit hohem Aufwand korrigiert werden.


Die Guiding Principles im Lifecycle

Guiding Principle Anwendung im Lifecycle
Focus on value jede Aktivität am benötigten Outcome ausrichten
Start where you are bestehende Produkte, Fähigkeiten und Daten berücksichtigen
Progress iteratively with feedback Versionen, Piloten und kontrollierte Schritte verwenden
Collaborate and promote visibility Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportteams verbinden
Think and work holistically alle acht Aktivitäten und vier Dimensionen berücksichtigen
Keep it simple and practical unnötige Übergaben und Komplexität vermeiden
Optimize and automate Arbeitsweisen verbessern und geeignete Teile automatisieren

Künstliche Intelligenz im Lifecycle

KI kann in allen Lifecycle-Aktivitäten verwendet werden.

Beispiele:

Aktivität Mögliche KI-Unterstützung
Discover Muster in Feedback und Nutzungsdaten erkennen
Design Varianten analysieren oder Prototypen unterstützen
Acquire Angebote und Anforderungen vergleichen
Build Code-, Konfigurations- oder Testunterstützung
Transition Risiken und Migrationsdaten analysieren
Operate Anomalien und mögliche Ausfälle erkennen
Deliver Services personalisieren oder Interaktionen unterstützen
Support Tickets klassifizieren und Lösungsvorschläge bereitstellen

Dabei bleiben notwendig:

Sicherheitsrelevant

KI-Unterstützung ersetzt nicht die Verantwortung der zuständigen Personen und Organisation.


Wo befindet sich die Außerbetriebnahme?

Das offizielle ITIL-Version-5-Modell nennt acht Aktivitäten und enthält keine separate neunte Aktivität mit der Bezeichnung Retire.

Die Ablösung oder Außerbetriebnahme eines Produkts oder Service muss trotzdem kontrolliert gestaltet werden.

Dazu können Beiträge aus mehreren Aktivitäten gehören:

Discover

Design

Acquire und Build

Transition

Operate

Deliver und Support

Zusätzlich können Practices wie folgende beteiligt sein:

Wichtig

Außerbetriebnahme bedeutet nicht nur, ein System auszuschalten.

Daten, Zugänge, Verträge, Assets, Dokumentationen, Abhängigkeiten und Sicherheitsanforderungen müssen ebenfalls behandelt werden.


Anwendung bei einem Incident

Ein Incident findet hauptsächlich während Operate, Deliver oder Support statt.

Seine Erkenntnisse können jedoch den gesamten Lifecycle beeinflussen.

Beispiel:

Ein Zertifikat läuft ab und verursacht einen Serviceausfall.

Support

Operate

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Deliver


Anwendung bei einem Change

Ein Change kann mehrere Lifecycle-Aktivitäten betreffen.

Beispiel: Datenbank-Upgrade

Merke

Change Management unterstützt die kontrollierte Veränderung.

Der Product and Service Lifecycle zeigt den größeren Zusammenhang, in dem die Veränderung stattfindet.


Anwendung bei einem kleinen Standardservice

Nicht jede Servicebereitstellung benötigt ein umfangreiches Projekt.

Beispiel: Standardsoftware für einen Mitarbeiter bereitstellen

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Operate

Deliver

Support

Bei einem standardisierten und risikoarmen Fall können viele Schritte automatisiert und sehr kompakt ausgeführt werden.


Typische Missverständnisse

Missverständnis 1: Die Aktivitäten werden immer einmal nacheinander durchgeführt

Tatsächlich können sie wiederholt, übersprungen, kombiniert oder gleichzeitig durchgeführt werden.


Missverständnis 2: Nach Transition beginnt ausschließlich der Betrieb

Auch während Operate, Deliver und Support können neue Discovery-, Design- und Build-Aktivitäten stattfinden.


Missverständnis 3: Build bedeutet nur Softwareentwicklung

Build kann auch Installation, Konfiguration, Integration, Automatisierung und technische Tests umfassen.


Missverständnis 4: Acquire bedeutet nur Einkauf

Acquire kann auch interne Ressourcen, Fähigkeiten, Daten, Lizenzen und wiederverwendete Komponenten umfassen.


Missverständnis 5: Operate und Deliver bedeuten dasselbe

Operate konzentriert sich stärker auf den technischen Betrieb. Deliver betrachtet stärker die tatsächliche Servicebereitstellung und das Stakeholder-Outcome.


Missverständnis 6: Support beginnt erst nach der Einführung

Supportfähigkeit muss bereits während Design, Build und Transition vorbereitet werden.


Missverständnis 7: Lifecycle und Value Stream sind identisch

Der Lifecycle stellt allgemeine Aktivitäten bereit. Ein Value Stream verbindet konkrete Schritte für ein bestimmtes Outcome.


Missverständnis 8: Ein Produkt ist nach dem ersten Release fertig

Digitale Produkte und Services werden weiter betrieben, unterstützt, verändert und verbessert.


Missverständnis 9: Eine erfolgreiche Transition beendet die Verantwortung des Produktteams

Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportverantwortung müssen weiterhin zusammenarbeiten.


Missverständnis 10: Das Modell besitzt automatisch für jede Organisation dieselben Rollen

Die konkrete Rollenverteilung wird von der jeweiligen Organisation gestaltet.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker sind nicht nur in Operate und Support beteiligt.

Sie können Beiträge über den gesamten Lifecycle leisten.

Aktivität Möglicher Beitrag
Discover technische Ausgangslage und bestehende Probleme erklären
Design Architektur, Betrieb, Sicherheit und Wiederherstellung mitgestalten
Acquire technische Anforderungen an Produkte und Lieferanten bewerten
Build Systeme installieren, konfigurieren, integrieren und testen
Transition Migration, Deployment und Betriebsübernahme unterstützen
Operate Infrastruktur und Plattformen betreiben
Deliver Servicebereitstellung und Nutzbarkeit sicherstellen
Support Incidents, Anfragen und technische Probleme bearbeiten

Praxistipp

Bringe Betriebs- und Supportwissen möglichst früh ein.

Viele spätere Probleme können bereits während Discover, Design und Build verhindert werden.


30-Sekunden-Prüfung

Bei einem Produkt, Service oder Change kannst du acht Kurzfragen stellen:

  1. Discover: Verstehen wir den tatsächlichen Bedarf?
  2. Design: Ist die Gesamtlösung einschließlich Betrieb und Support gestaltet?
  3. Acquire: Sind alle notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten verfügbar?
  4. Build: Wurde die Lösung erstellt, integriert und ausreichend getestet?
  5. Transition: Kann sie kontrolliert und mit Rückfallmöglichkeit eingeführt werden?
  6. Operate: Kann sie zuverlässig und sicher betrieben werden?
  7. Deliver: Ist der Service für Stakeholder tatsächlich nutzbar?
  8. Support: Können Benutzer und Service wirksam unterstützt werden?

Checkliste zu Discover


Checkliste zu Design


Checkliste zu Acquire


Checkliste zu Build


Checkliste zu Transition


Checkliste zu Operate


Checkliste zu Deliver


Checkliste zu Support


Gesamtcheck für den Product and Service Lifecycle


Schnellreferenz

Aktivität Kurzfrage
Discover Was wird benötigt und warum?
Design Wie muss die Gesamtlösung gestaltet sein?
Acquire Welche Ressourcen und Fähigkeiten werden benötigt?
Build Wie wird die Lösung erstellt und getestet?
Transition Wie wird sie kontrolliert in die Nutzung überführt?
Operate Wie wird sie zuverlässig und sicher betrieben?
Deliver Wie wird der Service für Stakeholder nutzbar bereitgestellt?
Support Wie werden Benutzer, Produkt und Service unterstützt?

Zusammenfassende Darstellung

Discover
Bedarf, Chancen und Ausgangslage verstehen

Design
Produkt, Service und Gesamtlösung gestalten

Acquire
Ressourcen, Produkte und Fähigkeiten beschaffen

Build
erstellen, konfigurieren, integrieren und testen

Transition
kontrolliert in die vorgesehene Nutzung überführen

Operate
technische Fähigkeiten zuverlässig betreiben

Deliver
Services für Stakeholder bereitstellen

Support
Benutzer, Produkte und Services unterstützen

Feedback und Continual Improvement

erneutes Discover, Design oder eine andere benötigte Aktivität

Die Darstellung dient als Lernhilfe.

Das offizielle Modell ist nicht starr oder ausschließlich linear. Jede Aktivität kann Erkenntnisse für jede andere Aktivität liefern.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

ITIL Version 5 verwendet einen gemeinsamen Product and Service Lifecycle mit acht Aktivitäten:

Die offiziellen Veröffentlichungen beschreiben das Modell als ganzheitlich, flexibel und nicht starr linear.

Aktivitäten können sich gegenseitig beeinflussen, wiederholt werden und für unterschiedliche Versionen eines Produkts oder Service gleichzeitig stattfinden.

Die detaillierten Leitfragen, Beispiele, Checklisten und praktischen Einordnungen auf dieser Seite sind eigene herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation vorgeschriebenen Arbeitsabläufe dar.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.7 Die ITIL Management Practices

Kurz erklärt

ITIL Management Practices bündeln organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten, die für einen bestimmten Zweck eingesetzt werden.

Eine Practice umfasst deshalb nicht nur einen Prozess.

Si:contentReference[oaicite:0]{index=0}chen und Rollen,

ITIL Version 5 führt weiterhin 34 Management Practices. Sie wurden gegenüber ITIL 4 nicht vollständig ersetzt, sondern weitgehend fortgeführt und an den neuen Produkt- und Servicekontext angepasst.


Warum Management Practices notwendig sind

Digitale Produkte und Services benötigen unterschiedliche organisatorische Fähigkeiten.

Beispiele:

Eine einzelne Abteilung oder ein einzelner Prozess kann diese Aufgaben normalerweise nicht vollständig erfüllen.

Management Practices stellen deshalb strukturierte Fähigkeiten bereit, die in unterschiedlichen Wertströmen miteinander kombiniert werden können.

Merke

Eine Practice beschreibt eine organisatorische Fähigkeit.

Ein konkreter Wertstrom verwendet die benötigten Practices, um ein bestimmtes Outcome zu erreichen.


Practice, Prozess, Team und Werkzeug unterscheiden

Diese Begriffe dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Begriff Bedeutung
Management Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Prozess strukturierte Folge von Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführt
Value Stream Ende-zu-Ende-Abfolge von Schritten zur Ermöglichung eines bestimmten Outcomes
Team Gruppe von Personen, die bestimmte Aufgaben oder Verantwortlichkeiten übernimmt
Rolle definierte Verantwortung, Befugnis oder Tätigkeit
Werkzeug technische Unterstützung für Informationen, Kommunikation, Automatisierung oder Kontrolle
Arbeitsanweisung konkrete Beschreibung, wie eine bestimmte Tätigkeit ausgeführt wird

Beispiel: Incident Management

Die Practice kann enthalten:

Ein Prozess kann beschreiben:

  1. Incident erfassen
  2. Auswirkungen und Dringlichkeit bewerten
  3. kategorisieren
  4. zuständige Bearbeitung zuweisen
  5. untersuchen und diagnostizieren
  6. Service wiederherstellen
  7. Ergebnis prüfen
  8. dokumentieren und abschließen

Ein Team kann sein:

Ein Werkzeug kann sein:

Typischer Fehler

Eine Practice wird eingeführt, indem lediglich ein entsprechendes Modul im Ticketsystem aktiviert wird.

Ein Werkzeug kann eine Practice unterstützen, aber fehlende Verantwortung, Fähigkeiten, Informationen und Zusammenarbeit nicht ersetzen.


Die vier Dimensionen innerhalb einer Practice

Jede Practice sollte ganzheitlich über die vier Dimensionen betrachtet werden.

Dimension Beispielhafte Inhalte einer Practice
Organizations and People Rollen, Fähigkeiten, Kapazität, Kommunikation und Verantwortung
Information and Technology Daten, Wissen, Ticketsysteme, Monitoring und Automatisierung
Partners and Suppliers externe Supportpartner, Hersteller, Provider und Verträge
Value Streams and Processes Aktivitäten, Übergaben, Kontrollen und Arbeitsergebnisse

Beispiel: Monitoring and Event Management

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Management Practices sind keine isolierten Silos

Eine Practice arbeitet normalerweise nicht allein.

Bei einer realen Situation können mehrere Practices zusammenwirken.

Beispiel: Eine Unternehmensanwendung fällt nach einem Update aus.

  1. Monitoring and Event Management erkennt eine Zustandsänderung.
  2. Incident Management koordiniert die Wiederherstellung.
  3. Service Desk dient als Kontakt- und Kommunikationspunkt.
  4. Service Configuration Management liefert Informationen über Abhängigkeiten.
  5. Knowledge Management stellt bekannte Diagnose- und Wiederherstellungsschritte bereit.
  6. Supplier Management bindet gegebenenfalls den Hersteller ein.
  7. Problem Management untersucht die zugrunde liegende Ursache.
  8. Change Enablement unterstützt die kontrollierte dauerhafte Korrektur.
  9. Release Management plant die Bereitstellung einer korrigierten Version.
  10. Deployment Management überträgt die korrigierten Komponenten in die Zielumgebung.
  11. Service Validation and Testing prüft die neue oder geänderte Lösung.
  12. Continual Improvement leitet Verbesserungen für Tests, Monitoring und Arbeitsweisen ab.

Merke

Ein Vorgang gehört nicht immer nur zu einer Practice.

Die benötigten Practices werden entsprechend dem tatsächlichen Wertstrom miteinander verbunden.


Änderungen gegenüber ITIL 4

ITIL Version 5 führt die 34 Management Practices weitgehend fort.

Sie werden im aktuellen Framework in zwei übergeordneten Gruppen organisiert:

  1. Product and Service Management Practices
  2. General Management Practices

Die frühere ITIL-4-Einteilung in:

soll deshalb nicht ungeprüft als aktuelle ITIL-Version-5-Struktur übernommen werden.

Die öffentlich zugänglichen offiziellen Übersichtsseiten bestätigen die neue Einteilung in zwei Gruppen, veröffentlichen dort jedoch keine vollständige frei zugängliche Zuordnung aller 34 Practices zu diesen beiden Gruppen.

Die detaillierten aktuellen Practice Guides werden über PeopleCert Plus bereitgestellt.

Wichtig

Diese Seite führt die 34 Practices deshalb alphabetisch auf.

Sie behauptet keine nicht ausreichend öffentlich belegte Einzelzuordnung zu den beiden neuen Gruppen.


Hinweis zur Bezeichnung Change Enablement

Die aktuelle offizielle ITIL-Version-5-Übersicht zum Practice-Manager-Pfad verwendet weiterhin die Bezeichnung Change Enablement.

In anderen offiziellen Überblickstexten wird teilweise allgemein von change management gesprochen.

Solange die konkrete aktuelle Practice Guidance keine eindeutig abweichende offizielle Practice-Bezeichnung vorgibt, verwendet dieses Buch deshalb:

Change Enablement

Change Management kann weiterhin als allgemeiner organisatorischer Oberbegriff oder als betriebliche Bezeichnung vorkommen.

Versionsabhängig

Eine betriebliche Organisation kann weiterhin eigene Begriffe wie Change Management, Änderungsmanagement oder Change-Prozess verwenden.

Entscheidend ist, dass Zweck, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweise eindeutig sind.


Die 34 ITIL Management Practices im Überblick

Die folgenden Kurzbeschreibungen sind praxisnahe Zusammenfassungen in eigenen Worten.

Sie ersetzen nicht die vollständigen offiziellen Practice Guides.

Nr. Management Practice Praxisnahe Kurzbeschreibung
1 Architecture Management aktuelle und zukünftige Strukturen, Beziehungen und Architekturentscheidungen nachvollziehbar gestalten
2 Availability Management sicherstellen, dass Produkte und Services die benötigte und vereinbarte Verfügbarkeit unterstützen
3 Business Analysis Bedürfnisse, Probleme und Anforderungen untersuchen und geeignete Lösungsoptionen unterstützen
4 Capacity and Performance Management ausreichende Kapazität und Leistung für aktuelle und zukünftige Anforderungen sicherstellen
5 Change Enablement erfolgreiche Änderungen durch angemessene Bewertung, Autorisierung und Steuerung unterstützen
6 Continual Improvement Produkte, Services, Practices und Arbeitsweisen fortlaufend an veränderte Bedürfnisse anpassen
7 Deployment Management neue oder geänderte Komponenten kontrolliert in Zielumgebungen übertragen
8 Incident Management negative Auswirkungen von Incidents verringern und den normalen Servicebetrieb angemessen schnell wiederherstellen
9 Information Security Management Informationen und unterstützende Systeme entsprechend den Sicherheitsanforderungen schützen
10 Infrastructure and Platform Management Infrastruktur- und Plattformressourcen über ihren Lebenszyklus planen, betreiben und verbessern
11 IT Asset Management IT-Assets über ihren Lebenszyklus steuern, um Wert, Kosten, Risiken und Entscheidungen zu unterstützen
12 Knowledge Management benötigtes Wissen und Informationen wirksam erfassen, pflegen, teilen und verwenden
13 Measurement and Reporting verlässliche Messungen und Berichte für Entscheidungen, Steuerung und Verbesserung bereitstellen
14 Monitoring and Event Management Produkte, Services und Komponenten systematisch beobachten und relevante Zustandsänderungen behandeln
15 Organizational Change Management menschliche und organisatorische Veränderungen so unterstützen, dass neue Arbeitsweisen angenommen und dauerhaft genutzt werden
16 Portfolio Management Investitionen, Produkte, Services, Programme und Projekte auf Strategie, Wert und verfügbare Ressourcen ausrichten
17 Problem Management Ursachen und Wahrscheinlichkeiten von Incidents reduzieren sowie bekannte Fehler und Workarounds verwalten
18 Project Management zeitlich begrenzte Vorhaben strukturiert planen, steuern und abschließen
19 Relationship Management Beziehungen zu Stakeholdern aufbauen, pflegen und für gemeinsame Outcomes nutzen
20 Release Management neue oder geänderte Produkte, Services und Funktionen für die vorgesehene Nutzung verfügbar machen
21 Risk Management Risiken identifizieren, bewerten, behandeln, überwachen und angemessen kommunizieren
22 Service Catalogue Management verlässliche und verständliche Informationen über Services und Serviceangebote bereitstellen
23 Service Configuration Management zuverlässige Informationen über Services, Configuration Items und deren Beziehungen verfügbar machen
24 Service Continuity Management ausreichende Servicefähigkeit nach schwerwiegenden Störungen oder Katastrophen vorbereiten und erhalten
25 Service Design Produkte und Services ganzheitlich so gestalten, dass sie zweckmäßig, nutzbar und nachhaltig betreibbar sind
26 Service Desk zentralen Kontakt, Kommunikation sowie Unterstützung für Benutzer und Kunden ermöglichen
27 Service Financial Management finanzielle Informationen, Planung und Kontrolle für Produkte, Services und Entscheidungen unterstützen
28 Service Level Management verständliche, geschäftsbezogene Serviceziele vereinbaren und deren Erfüllung steuern
29 Service Request Management vereinbarte und häufig standardisierte Benutzeranfragen wirksam bearbeiten
30 Service Validation and Testing prüfen, ob neue oder geänderte Produkte und Services definierte Anforderungen und Nutzungsbedürfnisse erfüllen
31 Software Development and Management Software so entwickeln und verwalten, dass sie Anforderungen, Qualität, Wartbarkeit und Compliance unterstützt
32 Strategy Management Ziele, Ausrichtung und geeignete Handlungsoptionen für die Organisation entwickeln
33 Supplier Management Lieferanten, Verträge, Leistungen und Beziehungen angemessen steuern
34 Workforce and Talent Management sicherstellen, dass ausreichend geeignete Menschen, Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden sind

Nicht jede Practice muss gleich stark ausgeprägt sein

Eine Organisation muss nicht jede Practice:

aufbauen.

Der benötigte Umfang hängt unter anderem ab von:

Beispiel:

Ein kleines Unternehmen kann Supplier Management durch:

umsetzen.

Eine große Organisation benötigt möglicherweise zusätzlich:

Grundsatz

Eine Practice muss wirksam und angemessen sein.

Sie muss nicht möglichst groß oder kompliziert sein.


Foundation-Wissen und vollständige Practice Guidance unterscheiden

Die ITIL Foundation vermittelt:

Die vollständige Practice Guidance kann darüber hinaus behandeln:

Wichtig

Eine kurze Foundation-Definition reicht nicht aus, um eine vollständige betriebliche Practice zu gestalten.

Für eine praktische Einführung werden zusätzlich benötigt:


Zertifizierungsbezogene Practice-Bündel

Die aktuelle offizielle Practice-Manager-Struktur verwendet drei Bündel mit jeweils fünf Practices.

Diese Bündel sind für die Zertifizierungsstruktur relevant.

Sie sind nicht mit den zwei übergeordneten Practice-Gruppen von ITIL Version 5 gleichzusetzen.


Monitor, Support and Fulfil

Enthaltene Practices:

Gemeinsamer praktischer Schwerpunkt:


Plan, Implement and Control

Enthaltene Practices:

Gemeinsamer praktischer Schwerpunkt:


Collaborate, Assure and Improve

Enthaltene Practices:

Gemeinsamer praktischer Schwerpunkt:

Hinweis

Die übrigen Practices bleiben weiterhin Bestandteil der insgesamt 34 ITIL Management Practices, auch wenn sie nicht in diesen drei Practice-Manager-Bündeln enthalten sind.


Wichtige Practices für Fachinformatiker für Systemintegration

Für Fachinformatiker für Systemintegration sind abhängig vom Arbeitsplatz besonders häufig folgende Practices relevant:

Practice Typischer Bezug zum Arbeitsalltag
Service Desk Benutzerkontakt, Erfassung, Kommunikation und Weiterleitung
Incident Management Störungen analysieren und Servicebetrieb wiederherstellen
Service Request Management Benutzerkonten, Zugriffe, Software und Standardleistungen bereitstellen
Problem Management wiederkehrende Fehler und zugrunde liegende Ursachen untersuchen
Change Enablement technische Änderungen bewerten und kontrolliert durchführen
Deployment Management Software, Konfigurationen oder Infrastrukturkomponenten bereitstellen
Release Management neue oder geänderte Funktionen für die Nutzung verfügbar machen
Monitoring and Event Management technische Zustände und relevante Abweichungen erkennen
Service Configuration Management Abhängigkeiten und Configuration Items nachvollziehen
IT Asset Management Hardware, Software, Lizenzen und Cloud-Ressourcen verwalten
Knowledge Management Lösungen, Arbeitsanweisungen und Erkenntnisse verfügbar machen
Information Security Management Schutzanforderungen bei Betrieb und Änderungen berücksichtigen
Supplier Management Hersteller, Provider und Supportpartner einbinden
Service Continuity Management Wiederherstellung und Fortführung kritischer Services unterstützen
Capacity and Performance Management Leistung, Kapazität und zukünftigen Bedarf bewerten
Availability Management benötigte Verfügbarkeit technischer und servicebezogener Fähigkeiten unterstützen
Continual Improvement wiederkehrende Probleme und Arbeitsweisen nachhaltig verbessern

Nicht jeder Fachinformatiker ist für die vollständige Steuerung dieser Practices verantwortlich.

Er kann jedoch durch technische Arbeit, Dokumentation, Eskalation und Rückmeldungen zu ihrer Wirksamkeit beitragen.


Service Desk und Incident Management unterscheiden

Diese beiden Practices werden häufig gleichgesetzt.

Service Desk Incident Management
stellt einen zentralen Kontakt- und Kommunikationspunkt bereit koordiniert die Behandlung von Incidents
bearbeitet Kontakte, Fragen, Anfragen und Meldungen konzentriert sich auf negative Serviceauswirkungen und Wiederherstellung
unterstützt Benutzerkommunikation organisiert Priorisierung, Diagnose, Eskalation und Wiederherstellung
kann Incidents und Service Requests erfassen kann mehrere Teams und Lieferanten einbeziehen
ist eine Practice und kann organisatorisch als Team umgesetzt sein ist eine Practice, die nicht auf ein einzelnes Team begrenzt ist

Ein Service Desk kann Incident Management wesentlich unterstützen.

Er ist jedoch nicht mit der gesamten Incident-Management-Practice identisch.


Incident Management und Problem Management unterscheiden

Incident Management Problem Management
konzentriert sich auf die aktuelle negative Auswirkung konzentriert sich auf Ursachen und zukünftige Auswirkungen
priorisiert Wiederherstellung priorisiert Untersuchung und nachhaltige Risikoreduzierung
kann eine Zwischenlösung verwenden verwaltet Ursachen, bekannte Fehler und Workarounds
arbeitet häufig unter höherem Zeitdruck kann nach der Wiederherstellung vertieft arbeiten
Erfolg: Service ist wieder nutzbar Erfolg: Wahrscheinlichkeit oder Auswirkung weiterer Incidents wird reduziert

Beispiel:

Ein Dienst wird nach einem Speicherfehler neu gestartet.

Merke

Ein Incident muss nicht vollständig ursächlich verstanden sein, bevor der Service wiederhergestellt wird.

Eine Wiederherstellung beseitigt jedoch nicht automatisch die zugrunde liegende Ursache.


Event, Incident und Problem unterscheiden

Begriff Bedeutung
Event erkannte Zustandsänderung, die für das Management eines Produkts oder Service relevant sein kann
Incident ungeplante Unterbrechung, Qualitätsminderung oder andere negative Serviceauswirkung
Problem Ursache oder mögliche Ursache eines oder mehrerer Incidents

Beispiel:

Nicht jedes Event wird zu einem Incident.

Nicht jeder Incident benötigt einen eigenen Problem Record.

Die konkrete Einordnung hängt von Auswirkungen, Wiederholung, Risiko und betrieblicher Arbeitsweise ab.


Service Request und Incident unterscheiden

Service Request Incident
vorgesehene Benutzeranfrage ungeplante negative Serviceauswirkung
häufig standardisierbar benötigt Untersuchung oder Wiederherstellung
Beispiel: neue Software anfordern Beispiel: vorhandene Software startet nicht
Beispiel: Zugriff beantragen Beispiel: genehmigter Zugriff funktioniert nicht
Beispiel: Auskunft anfordern Beispiel: Service ist nicht erreichbar

Die Formulierung eines Benutzers entscheidet nicht automatisch über die Einordnung.

Ein Benutzer kann beispielsweise sagen:

Ich brauche ein neues Kennwort.

Dahinter können unterschiedliche Situationen stehen:


Change Enablement, Release und Deployment unterscheiden

Practice Zentrale Betrachtung
Change Enablement Nutzen, Risiko, Bewertung, Autorisierung und Steuerung einer Änderung
Release Management neue oder geänderte Funktionen und Servicebestandteile für die Nutzung verfügbar machen
Deployment Management Komponenten in eine Zielumgebung übertragen

Beispiel: neue Anwendungsversion

Change Enablement

Release Management

Deployment Management

Diese Tätigkeiten können miteinander verbunden sein, besitzen aber unterschiedliche Zwecke.


IT Asset und Configuration Item unterscheiden

Ein IT Asset wird hinsichtlich seines finanziellen, vertraglichen, risikobezogenen und lebenszyklusbezogenen Werts verwaltet.

Ein Configuration Item wird verwaltet, weil Informationen über seinen Zustand und seine Beziehungen für das Management eines Produktes oder Service benötigt werden.

Ein Gegenstand kann:

sein.

Beispiele:

Gegenstand Mögliche Einordnung
physischer Server IT Asset und Configuration Item
Softwarelizenz IT Asset, möglicherweise auch Configuration Item
virtueller Cluster Configuration Item, abhängig vom Modell möglicherweise Asset-Bezug
Netzwerkkabel je nach Bedeutung weder einzeln verwaltetes Asset noch CI
Cloud-Abonnement IT Asset und möglicherweise Configuration Item
Service-Dokumentation möglicherweise Configuration Item, aber normalerweise kein IT Asset

Wichtig

Nicht jede technische Komponente muss automatisch als einzelnes Configuration Item erfasst werden.

Der benötigte Detaillierungsgrad muss einen erkennbaren Nutzen besitzen.


Practice Owner, Process Owner und ausführende Rolle

Organisationen können unterschiedliche Verantwortlichkeiten verwenden.

Rolle Möglicher Schwerpunkt
Practice Owner Wirksamkeit und Weiterentwicklung der gesamten Practice
Process Owner Gestaltung und Pflege eines konkreten Prozesses
Process Manager laufende Steuerung eines Prozesses
Service Owner Ende-zu-Ende-Verantwortung für einen Service
Product Owner oder Product Manager Prioritäten und Entwicklung eines Produkts
ausführende Rolle konkrete Bearbeitung einer Aufgabe
Tool Owner Betrieb und Weiterentwicklung des unterstützenden Werkzeugs

ITIL schreibt nicht vor, dass jede Organisation genau diese Rollen einsetzen muss.

Entscheidend ist, dass geklärt ist:


Eine Practice einführen oder verbessern

Eine Practice sollte nicht mit der Auswahl eines Werkzeugs beginnen.

Eine sinnvolle Vorgehensweise ist:

  1. Problem oder Bedarf verstehen
  2. gewünschte Outcomes bestimmen
  3. aktuellen Zustand untersuchen
  4. relevante Stakeholder einbeziehen
  5. betroffene Wertströme bestimmen
  6. vorhandene Fähigkeiten und Daten bewerten
  7. Rollen und Verantwortung klären
  8. angemessene Prozesse und Kontrollen gestalten
  9. benötigte Informationen und Werkzeuge festlegen
  10. Lieferanten und Abhängigkeiten berücksichtigen
  11. Messgrößen und Erfolgskriterien definieren
  12. schrittweise einführen
  13. Feedback auswerten
  14. fortlaufend verbessern

Typischer Fehler

Eine vollständige theoretische Practice wird auf einmal entworfen und anschließend der Organisation aufgezwungen.

Dadurch entstehen umfangreiche Dokumentationen, die nicht zur tatsächlichen Arbeitsweise passen.


Eine Practice an Wertströmen ausrichten

Practices sollten nicht ausschließlich intern optimiert werden.

Beispiel:

Incident Management erreicht eine kurze interne Bearbeitungszeit, indem Tickets schnell an andere Teams weitergegeben werden.

Dadurch können jedoch entstehen:

Deshalb sollte geprüft werden:

Merke

Eine leistungsfähige Practice unterstützt den gesamten Wertstrom und nicht nur ihre eigene interne Kennzahl.


Messung einer Practice

Messgrößen sollten den Zweck und die Outcomes einer Practice unterstützen.

Nicht ausreichend ist es, nur leicht verfügbare Aktivitäten zu zählen.

Beispiel: Incident Management

Mögliche Aktivitätszahlen:

Zusätzliche Ergebnisinformationen:

Beispiel: Knowledge Management

Unzureichende Einzelkennzahl:

Anzahl veröffentlichter Wissensartikel

Ergänzende Fragen:


Kennzahlen dürfen nicht das Verhalten verschlechtern

Eine ungeeignete Kennzahl kann unerwünschtes Verhalten fördern.

Kennzahl Mögliche Fehlwirkung
möglichst viele geschlossene Tickets Vorgänge werden voreilig abgeschlossen
möglichst kurze Gesprächsdauer Benutzerproblem wird nicht vollständig verstanden
möglichst wenige Changes notwendige Verbesserungen und Sicherheitsupdates werden vermieden
möglichst wenige Incidents Incidents werden nicht erfasst oder falsch eingeordnet
möglichst viele Wissensartikel Qualität und Aktualität sinken
möglichst hohe technische Verfügbarkeit tatsächliche Nutzbarkeit und Erfahrung werden übersehen

Messgrößen sollten deshalb gemeinsam betrachtet und regelmäßig überprüft werden.


Practice Capability und Maturity

Eine Practice kann unterschiedlich stark entwickelt sein.

Zu bewerten sind beispielsweise:

Eine umfangreiche Dokumentation bedeutet nicht automatisch hohe Fähigkeit oder Reife.

Eine Practice kann formal beschrieben sein und trotzdem unwirksam bleiben, wenn:

Merke

Practice Capability zeigt sich in der wirksamen Erreichung des Zwecks und nicht in der Menge der Dokumente.


Automatisierung innerhalb von Practices

Automatisierung kann Practices unterstützen.

Beispiele:

Practice Mögliche Automatisierung
Incident Management automatische Erfassung aus relevantem Monitoring-Event
Service Request Management standardisierte Bereitstellung genehmigter Software
Change Enablement risikobasierte Weiterleitung und Terminprüfung
IT Asset Management automatische Inventarisierung
Service Configuration Management technische Discovery und Beziehungsaktualisierung
Knowledge Management Vorschläge passender Wissensartikel
Monitoring and Event Management Korrelation und Unterdrückung redundanter Events
Measurement and Reporting automatische Datensammlung und Berichtserstellung
Deployment Management automatisierte Bereitstellung und technische Prüfung
Information Security Management automatische Richtlinien- und Konfigurationskontrolle

Vor der Automatisierung muss geprüft werden:

Grundsatz

Erst verstehen und optimieren, dann automatisieren.


Künstliche Intelligenz innerhalb von Practices

KI kann unter anderem unterstützen bei:

Dabei müssen berücksichtigt werden:

Beispiel:

Eine KI schlägt eine hohe Incident-Priorität vor.

Die zuständige Arbeitsweise muss weiterhin klären:

Sicherheitsrelevant

Eine KI-Empfehlung überträgt die Entscheidungs- und Ergebnisverantwortung nicht auf das technische System.


Practice und betriebliche Organisation

Organisationen können Practices unterschiedlich benennen oder zusammenfassen.

Beispiele:

Die interne Bezeichnung ist weniger wichtig als eine eindeutige Arbeitsweise.

Zu klären ist:


Praxisbeispiel: wiederkehrender VPN-Ausfall

Mehrere Benutzer verlieren regelmäßig die VPN-Verbindung.

Monitoring and Event Management

Service Desk

Incident Management

Service Configuration Management

Supplier Management

Knowledge Management

Problem Management

Change Enablement

Deployment Management

Service Validation and Testing

Continual Improvement


Praxisbeispiel: neuer Mitarbeiter

Das gewünschte Outcome lautet:

Der neue Mitarbeiter kann am ersten Arbeitstag sicher und vollständig arbeiten.

Mögliche beteiligte Practices:

Practice Beitrag
Service Request Management Onboarding-Anfrage erfassen und koordinieren
Service Catalogue Management verfügbare Arbeitsplatz- und Zugangsangebote beschreiben
IT Asset Management Endgerät und Lizenzen bereitstellen und verwalten
Service Configuration Management relevante Beziehungen und Konfigurationen dokumentieren
Information Security Management Zugriff und Sicherheitsanforderungen berücksichtigen
Supplier Management externe Lieferung oder Lizenzbereitstellung steuern
Knowledge Management Anleitungen und Übergabeinformationen bereitstellen
Service Desk Fragen und Probleme beim Einstieg unterstützen
Continual Improvement Verzögerungen und wiederkehrende Fehler im Onboarding reduzieren

Der Value Stream endet nicht bereits mit der Erstellung des Benutzerkontos.

Er endet mit dem überprüften Outcome der Arbeitsfähigkeit.


Praxisbeispiel: abgelaufenes Zertifikat

Ein Zertifikat läuft ab und verursacht einen Serviceausfall.

Incident Management

Monitoring and Event Management

Service Configuration Management

Problem Management

Knowledge Management

Change Enablement

Information Security Management

Continual Improvement

Merke

Die unmittelbare technische Reparatur kann einen Incident lösen.

Mehrere weitere Practices können notwendig sein, um eine Wiederholung zu verhindern.


Typische Fehler bei der Anwendung von Practices

Fehler 1: Practice mit Prozess gleichsetzen

Die Organisation dokumentiert einen Ablauf, berücksichtigt aber Rollen, Wissen, Werkzeuge und Partner nicht ausreichend.


Fehler 2: Practice mit Team gleichsetzen

Incident Management wird ausschließlich als Aufgabe des Service Desk betrachtet, obwohl technische Teams, Service Owner und Lieferanten beteiligt sein können.


Fehler 3: Tool als Ausgangspunkt verwenden

Das Ticketsystem bestimmt Kategorien und Arbeitsweisen, obwohl der tatsächliche Bedarf nicht untersucht wurde.


Fehler 4: Practices isoliert optimieren

Jede Practice verbessert ihre eigenen Kennzahlen, während Übergaben und Gesamtdauer schlechter werden.


Fehler 5: jede Practice maximal formalisieren

Auch einfache und risikoarme Tätigkeiten erhalten unnötig umfangreiche Prozesse und Freigaben.


Fehler 6: nur den Normalfall gestalten

Ausnahmen, Eskalationen, Sicherheitsvorfälle und Lieferantenausfälle werden nicht berücksichtigt.


Fehler 7: Verantwortung nicht eindeutig festlegen

Viele Teams sind beteiligt, aber niemand koordiniert das Ende-zu-Ende-Ergebnis.


Fehler 8: Messung nur auf Aktivität ausrichten

Gezählt werden Tickets, Changes oder Wissensartikel, aber nicht deren Nutzen und Qualität.


Fehler 9: Practice nach Einführung nicht weiterentwickeln

Arbeitsweisen, Werkzeuge und Anforderungen verändern sich, während die Practice unverändert bleibt.


Fehler 10: ältere Begriffe ungeprüft übernehmen

ITIL-4-Kategorien oder betriebliche Begriffe werden ohne Versionshinweis als aktuelle ITIL-Version-5-Struktur dargestellt.


30-Sekunden-Prüfung einer Practice

Bei der Bewertung einer Practice kannst du folgende Fragen stellen:

  1. Welchen Zweck erfüllt die Practice?
  2. Welches Outcome soll sie unterstützen?
  3. In welchen Wertströmen wird sie verwendet?
  4. Wer trägt Verantwortung?
  5. Welche Fähigkeiten werden benötigt?
  6. Welche Informationen und Werkzeuge sind notwendig?
  7. Welche anderen Practices sind beteiligt?
  8. Welche Partner oder Lieferanten werden benötigt?
  9. Wie wird die Wirksamkeit gemessen?
  10. Wie wird die Practice verbessert?

Checkliste für den Aufbau einer Practice


Checkliste für die Bewertung einer bestehenden Practice


Schnellreferenz für häufige Arbeitssituationen

Situation Häufig beteiligte Practices
Service ist ausgefallen Incident Management, Service Desk, Monitoring and Event Management
Fehler tritt wiederholt auf Problem Management, Knowledge Management, Continual Improvement
Benutzer benötigt Standardsoftware Service Request Management, IT Asset Management, Service Desk
System soll aktualisiert werden Change Enablement, Release Management, Deployment Management
Abhängigkeiten sind unklar Service Configuration Management, Architecture Management
Hardware oder Lizenz muss verwaltet werden IT Asset Management, Supplier Management, Service Financial Management
Sicherheitsrisiko wurde erkannt Information Security Management, Risk Management, Change Enablement
Anbieterleistung ist unzureichend Supplier Management, Service Level Management, Relationship Management
neue Anwendung wird eingeführt Service Design, Business Analysis, Architecture Management, Project Management
Service muss nach Katastrophe wiederhergestellt werden Service Continuity Management, Incident Management, Availability Management
Leistung reicht nicht aus Capacity and Performance Management, Availability Management
Benutzer verstehen den Service nicht Service Catalogue Management, Knowledge Management, Relationship Management
Arbeitsweise soll verbessert werden Continual Improvement, Measurement and Reporting
neues Team oder neue Arbeitsweise wird eingeführt Organizational Change Management, Workforce and Talent Management

Zusammenfassende Darstellung

Bedarf oder Chance

gewünschtes Outcome und Value Stream bestimmen

benötigte Management Practices auswählen

Menschen · Informationen · Prozesse · Technologie · Partner verbinden

Arbeit durchführen und Ergebnisse messen

Feedback und Erkenntnisse auswerten

Practices und Wertströme kontinuierlich verbessern


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Offiziell bestätigter Stand

Die offiziellen aktuellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Hinweis zur Practice-Bezeichnung

Die aktuelle offizielle Beschreibung des Practice-Manager-Moduls Plan, Implement and Control verwendet weiterhin die Bezeichnung Change Enablement.

Deshalb wird diese Practice auf dieser Seite nicht ohne eindeutigen offiziellen Nachweis in Change Management umbenannt.

Einordnung

Die alphabetische Übersicht, deutschen Kurzbeschreibungen, Vergleiche, Praxisbeispiele, Checklisten und Arbeitssituationen sind eigene herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation vorgeschriebenen Prozesse dar.

Die konkrete Gestaltung, Priorisierung und Ausprägung einer Practice muss an Ziele, Risiken, Fähigkeiten und Wertströme der jeweiligen Organisation angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.8 Value Streams und Value Stream Mapping

Kurz erklärt

Ein Value Stream beschreibt den Ende-zu-Ende-Weg, durch den aus einem Bedarf, einer Nachfrage oder einer Chance ein nutzbares Ergebnis und Wert für Stakeholder entstehen.

Value Stream Mapping macht diesen Weg sichtbar.

Dabei werden nicht nur einzelne Prozessschritte betrachtet, sondern auch:

Ziel ist nicht, ein besonders umfangreiches Ablaufdiagramm zu erstellen.

Ziel ist, den tatsächlichen Arbeitsfluss zu verstehen und gezielt zu verbessern.


Warum Value Streams wichtig sind

Digitale Produkte und Services entstehen normalerweise nicht innerhalb eines einzigen Teams.

Ein benötigtes Outcome kann Beiträge erfordern von:

Jeder Beteiligte kann seinen eigenen Arbeitsschritt korrekt ausführen.

Der gesamte Ablauf kann trotzdem:

sein.

Beispiel:

Ein neuer Mitarbeiter benötigt einen arbeitsfähigen IT-Arbeitsplatz.

Alle beteiligten Teams können ihre jeweilige Aufgabe korrekt ausführen:

Der Mitarbeiter kann am ersten Arbeitstag trotzdem nicht arbeiten, wenn:

Merke

Die Qualität einzelner Arbeitsschritte garantiert noch kein gutes Ende-zu-Ende-Ergebnis.


Was ist ein Value Stream?

Ein Value Stream ist eine zusammenhängende Abfolge von Schritten, durch die ein bestimmtes Outcome und Wert für einen Stakeholder ermöglicht werden.

Ein Value Stream besitzt normalerweise:

Beispiele für Value Streams:

Wichtig

Ein Value Stream sollte anhand des benötigten Outcomes benannt werden.

Ein Name wie „Ticket bearbeiten“ ist häufig zu eng.

Ein geeigneterer Name kann beispielsweise lauten:

„Benutzer nach einer Störung wieder arbeitsfähig machen.“


Auslöser, Output, Outcome und Wert

Diese Begriffe müssen unterschieden werden.

Begriff Bedeutung Beispiel
Auslöser Ereignis, Nachfrage oder Chance, die den Wertstrom startet neuer Mitarbeiter tritt ein
Input benötigte Informationen oder Ressourcen Eintrittsdatum, Rolle und genehmigte Zugriffe
Aktivität durchgeführter Arbeitsschritt Benutzerkonto erstellen
Output direkt erzeugtes Ergebnis einer Aktivität Benutzerkonto wurde angelegt
Outcome durch Stakeholder ermöglichtes Ergebnis Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen
Wert wahrgenommener Nutzen unter Berücksichtigung von Outcomes, Kosten und Risiken produktiver und sicherer Arbeitsbeginn

Ein Output ist nicht automatisch das gewünschte Outcome.

Beispiel:

Output: Das VPN wurde installiert.

Outcome: Der Benutzer kann sicher auf die benötigten Anwendungen zugreifen.

Merke

Value Streams werden vom benötigten Outcome aus betrachtet und nicht nur anhand erledigter technischer Tätigkeiten.


Value Stream und Value Stream Mapping

Begriff Bedeutung
Value Stream tatsächlicher oder geplanter Ende-zu-Ende-Weg zum Outcome
Value Stream Mapping strukturierte Darstellung und Untersuchung dieses Weges
Value Stream Management fortlaufende Steuerung, Messung und Verbesserung des Wertstroms

Value Stream Mapping ist damit keine einmalige Zeichenübung.

Die Abbildung soll dabei helfen:


Value Stream, Value Chain und Lifecycle unterscheiden

Begriff Bedeutung
ITIL Value System übergeordneter Rahmen für Wertschöpfung innerhalb der Organisation
Value Chain flexibles operatives Modell innerhalb des ITIL Value Systems
Product and Service Lifecycle acht allgemeine Aktivitäten über den Lebenszyklus digitaler Produkte und Services
Value Stream konkrete Ende-zu-Ende-Abfolge für ein bestimmtes Outcome
Prozess strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen
Management Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Customer oder User Journey Erfahrung eines Kunden oder Benutzers über mehrere Interaktionen hinweg

Beispiel: neue Anwendung für eine Fachabteilung

Lifecycle

Value Stream

Bedarf der Fachabteilung erfassen
→ Lösung auswählen und bereitstellen
→ Benutzer befähigen
→ produktive Nutzung bestätigen

Beteiligte Practices

Prozesse

User Journey

Merke

Der Lifecycle stellt allgemeine Aktivitäten bereit.

Der Value Stream zeigt den konkreten Weg zum Outcome.

Practices liefern die dafür benötigten Fähigkeiten.


Value Streams überschreiten Organisationsgrenzen

Ein Value Stream endet nicht automatisch an einer Team-, Abteilungs- oder Unternehmensgrenze.

Beispiel: Internetzugang eines Standorts wiederherstellen

Mögliche Beteiligte:

Der Wertstrom endet nicht bereits dann, wenn das interne Netzwerkteam ein Ticket an den Provider übermittelt hat.

Er endet erst, wenn das gewünschte Outcome erreicht oder eine andere vereinbarte Entscheidung getroffen wurde.

Mögliches Outcome:

Der Standort besitzt wieder einen stabilen und ausreichend leistungsfähigen Internetzugang.

Typischer Fehler

Ein Team betrachtet seinen eigenen Arbeitsschritt als abgeschlossen, obwohl das Ende-zu-Ende-Outcome noch nicht erreicht wurde.


Die Grenzen eines Value Streams festlegen

Vor der Abbildung muss geklärt werden:

Unklare Abgrenzung:

Wir bilden den gesamten IT-Support ab.

Bessere Abgrenzung:

Wir bilden den Wertstrom ab, durch den ein Benutzer nach einer gemeldeten Arbeitsplatzstörung wieder arbeitsfähig wird.

Eine klare Grenze verhindert, dass die Darstellung:

wird.


Aktueller und zukünftiger Zustand

Beim Value Stream Mapping werden häufig zwei Zustände unterschieden.

Zustand Zweck
Ist-Zustand zeigt, wie die Arbeit tatsächlich heute erfolgt
Zielzustand zeigt, wie der verbesserte Wertstrom künftig funktionieren soll

Der Ist-Zustand darf nicht ausschließlich aus vorhandenen Prozessdokumentationen übernommen werden.

Er sollte anhand tatsächlicher Informationen untersucht werden.

Geeignete Quellen können sein:

Wichtig

Dokumentierter Prozess und tatsächlich gelebter Ablauf können deutlich voneinander abweichen.


Was in einer Value-Stream-Darstellung enthalten sein kann

Eine praktische Darstellung kann folgende Elemente enthalten:

Element Beispiel
Auslöser Benutzer meldet einen Incident
Stakeholder Benutzer, Service Desk und technisches Team
gewünschtes Outcome Benutzer kann wieder arbeiten
Schritt Incident erfassen
verantwortliche Rolle Service-Desk-Mitarbeiter
benötigte Information Symptome und betroffener Service
verwendetes Werkzeug Ticketsystem
beteiligte Practice Incident Management
Bearbeitungszeit 10 Minuten
Wartezeit 45 Minuten
Übergabe Service Desk an Netzwerkteam
Entscheidung Eskalation erforderlich?
Kontrolle Benutzer bestätigt Wiederherstellung
Nacharbeit Ticket wegen fehlender Informationen zurückgegeben
Lieferant Internetprovider
Risiko falsche Priorisierung
Messgröße gesamte Wiederherstellungszeit
Verbesserungsmöglichkeit Pflichtinformationen bei Erfassung verbessern

Nicht jede Darstellung muss alle Elemente enthalten.

Der Detaillierungsgrad richtet sich nach:


Eine einfache Darstellungsform

Für kleinere Wertströme kann eine Tabelle ausreichen.

Nr. Schritt Verantwortlich Ergebnis Bearbeitungszeit Wartezeit Problem
1 Anfrage erfassen Service Desk vollständiges Ticket 10 Min. 0 Min. Pflichtangaben fehlen häufig
2 Zugriff prüfen Fachverantwortlicher fachliche Freigabe 5 Min. 2 Tage keine Vertretung
3 Zugriff einrichten Administration technische Berechtigung 15 Min. 4 Std. manuelle Gruppensuche
4 Funktion testen Administration technischer Test 10 Min. 0 Min. Benutzer nicht beteiligt
5 Nutzung bestätigen Benutzer bestätigtes Outcome 5 Min. 1 Tag Rückmeldung wird nicht nachverfolgt

Gesamte Bearbeitungszeit:

45 Minuten

Gesamte Wartezeit:

mehr als 3 Tage

Das Beispiel zeigt:

Die lange Durchlaufzeit entsteht nicht hauptsächlich durch langsame technische Ausführung.

Sie entsteht überwiegend durch:


Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit unterscheiden

Begriff Bedeutung
Bearbeitungszeit Zeit, in der aktiv an einem Vorgang gearbeitet wird
Wartezeit Zeit, in der keine wertstromrelevante Bearbeitung erfolgt
Durchlaufzeit gesamte Zeit vom Auslöser bis zum abgeschlossenen Outcome
Übergabezeit Zeit und Aufwand beim Wechsel zwischen Rollen, Teams oder Systemen
Nacharbeitszeit zusätzlicher Aufwand aufgrund unvollständiger oder fehlerhafter Arbeit

Beispiel:

Merke

Eine lange Durchlaufzeit bedeutet nicht automatisch, dass Mitarbeiter langsam arbeiten.

Häufig entstehen Verzögerungen zwischen den aktiven Arbeitsschritten.


Weitere mögliche Messgrößen

Je nach Wertstrom können unter anderem betrachtet werden:

Eine einzelne Kennzahl sollte nicht isoliert optimiert werden.

Beispiel:

Eine geringere Bearbeitungszeit kann erreicht werden, indem Tickets schneller an andere Teams weitergegeben werden.

Dadurch können jedoch:

entstehen.


Übergaben sichtbar machen

Übergaben sind Stellen, an denen Arbeit, Verantwortung oder Informationen von einer Rolle, einem Team oder einem System zu einem anderen wechseln.

Beispiele:

An Übergaben können entstehen:

Bei jeder Übergabe sollte geprüft werden:


Warteschlangen und Engpässe

Ein Engpass begrenzt den Fluss des gesamten Wertstroms.

Mögliche Engpässe sind:

Anzeichen für einen Engpass:

Wichtig

Wird nur ein Schritt vor dem eigentlichen Engpass beschleunigt, kann sich die Warteschlange am Engpass weiter vergrößern.


Nacharbeit und Rückschleifen

Nacharbeit entsteht, wenn ein Schritt erneut durchgeführt oder korrigiert werden muss.

Mögliche Ursachen:

Beispiel:

  1. Benutzer beantragt Zugriff.
  2. Administration richtet den Zugriff ein.
  3. Fachverantwortlicher stellt fest, dass der falsche Berechtigungsumfang gewählt wurde.
  4. Zugriff muss entfernt und erneut eingerichtet werden.

Die Nacharbeit erhöht:

Sie kann außerdem das Vertrauen der Stakeholder beeinträchtigen.


Kontrollen und Freigaben untersuchen

Kontrollen können notwendig sein für:

Beim Mapping sollte nicht automatisch jede Kontrolle entfernt werden.

Stattdessen wird geprüft:

Typischer Fehler

Eine Genehmigung wird entfernt, nur weil sie Zeit kostet.

Zuerst muss verstanden werden, welches Risiko oder welche Verpflichtung sie behandelt.


Arbeit mit und ohne direkten Wertbeitrag

Nicht jeder notwendige Schritt erzeugt unmittelbar einen für den Benutzer sichtbaren Wert.

Eine praktische Unterscheidung kann sein:

Kategorie Bedeutung Beispiel
direkter Wertbeitrag unterstützt unmittelbar das gewünschte Outcome benötigten Zugriff bereitstellen
notwendige unterstützende Arbeit ist für Sicherheit, Steuerung oder Zuverlässigkeit erforderlich Berechtigung prüfen
vermeidbare Arbeit besitzt keinen ausreichenden Nutzen oder entsteht durch Fehler dieselben Daten erneut erfassen
Nacharbeit korrigiert unvollständige oder fehlerhafte Ergebnisse falsche Berechtigung entfernen

Nicht sichtbare Arbeit ist nicht automatisch unnötig.

Beispiele für notwendige unterstützende Tätigkeiten:

Diese Tätigkeiten sollten jedoch:

werden.


Value Stream Mapping und die vier Dimensionen

Eine vollständige Untersuchung berücksichtigt alle vier Dimensionen.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Value Streams und der Product and Service Lifecycle

Die acht Lifecycle-Aktivitäten können in einem Value Stream unterschiedlich kombiniert werden.

Beispiel: neue Monitoring-Lösung einführen

Lifecycle-Aktivität Möglicher Beitrag zum Value Stream
Discover Bedarf, Ausfälle und heutige Überwachung verstehen
Design Zielarchitektur, Alarmierung und Betriebsmodell gestalten
Acquire Plattform, Lizenzen oder externe Leistungen beschaffen
Build Lösung konfigurieren, integrieren und testen
Transition Pilot und kontrollierte Einführung durchführen
Operate Plattform zuverlässig betreiben
Deliver relevante Monitoring-Leistungen für Teams bereitstellen
Support Benutzer und Administratoren bei Problemen unterstützen

Ein anderer Value Stream verwendet möglicherweise nur einen Teil dieser Aktivitäten oder wiederholt einzelne Aktivitäten mehrfach.

Merke

Der Lifecycle liefert allgemeine Aktivitätsbereiche.

Der Value Stream verbindet die konkret benötigten Schritte für ein bestimmtes Outcome.


Value Streams und Management Practices

Ein Value Stream verwendet normalerweise mehrere Practices.

Beispiel: Incident eines extern betriebenen Cloud-Service

Schritt Mögliche beteiligte Practice
Störung erkennen Monitoring and Event Management
Benutzerkontakt erfassen Service Desk
Auswirkungen und Priorität bewerten Incident Management
Abhängigkeiten ermitteln Service Configuration Management
bekannte Lösung suchen Knowledge Management
Anbieter einbinden Supplier Management
Service wiederherstellen Incident Management und technische Practices
Ursache untersuchen Problem Management
dauerhafte Korrektur steuern Change Enablement
Erfahrung auswerten Continual Improvement

Practices dürfen dabei nicht als getrennte Teilprozesse betrachtet werden, zwischen denen ein Vorgang nur weitergereicht wird.

Sie sollen gemeinsam das Ende-zu-Ende-Outcome unterstützen.


Praxisnahe Vorgehensweise zum Value Stream Mapping

Die folgende Vorgehensweise ist eine redaktionelle Praxisempfehlung dieses Buches.

Sie ist keine vorgeschriebene offizielle ITIL-Schrittfolge.


1. Zweck und Outcome festlegen

Zuerst wird geklärt:

Beispiel:

Ziel ist, neue Mitarbeiter spätestens zum vereinbarten Eintrittszeitpunkt mit einem vollständig nutzbaren und sicheren IT-Arbeitsplatz auszustatten.


2. Auslöser und Abschluss bestimmen

Auslöser:

Die Personalabteilung übermittelt eine vollständige und bestätigte Eintrittsmeldung.

Abschluss:

Der Mitarbeiter bestätigt, dass Anmeldung, Endgerät und benötigte Services funktionieren.

Dadurch wird vermieden, dass der Wertstrom zu früh endet.


3. Beteiligte Stakeholder bestimmen

Mögliche Beteiligte:

Zusätzlich sollte geklärt werden:


4. Tatsächliche Schritte erfassen

Die Beteiligten beschreiben, wie ein realer Vorgang heute abläuft.

Nicht nur:

Wie sollte der Prozess funktionieren?

Sondern:

Was geschieht tatsächlich?

Dabei können reale Tickets oder Fälle verfolgt werden.

Mögliche Schritte:

  1. Eintritt melden
  2. Rolle und Zugriffe bestimmen
  3. Freigaben einholen
  4. Endgerät bestellen
  5. Benutzerkonto erstellen
  6. Lizenzen zuweisen
  7. Endgerät konfigurieren
  8. Sicherheitsmaßnahmen aktivieren
  9. Zugriffe testen
  10. Gerät übergeben
  11. Arbeitsfähigkeit bestätigen

5. Informationen, Werkzeuge und Practices ergänzen

Für jeden Schritt wird geprüft:

Beispiel:

Schritt Information Werkzeug Practice
Endgerät bereitstellen Rolle und Hardwarestandard Asset- und Ticketsystem IT Asset Management
Konto erstellen Name, Eintrittsdatum und Organisationseinheit Verzeichnisdienst Service Request Management
Zugriffe einrichten genehmigter Berechtigungsumfang IAM-System Information Security Management
Nutzung bestätigen Benutzerfeedback Ticket oder Portal Service Desk

6. Zeiten und Übergaben erfassen

Für jeden Schritt können erfasst werden:

Nicht jede Zeit muss auf die Minute genau bekannt sein.

Auch eine erste Einteilung kann hilfreich sein:


7. Probleme und Risiken kennzeichnen

Mögliche Beobachtungen:

Probleme sollten möglichst mit Fakten oder Beispielen belegt werden.


8. Ursachen untersuchen

Nicht jedes sichtbare Problem ist die eigentliche Ursache.

Beispiel:

Symptom: Endgerät ist am ersten Arbeitstag nicht verfügbar.

Mögliche Ursachen:

Eine Verbesserung sollte möglichst die relevante Ursache behandeln und nicht nur das Symptom verschieben.


9. Zielzustand gestalten

Der Zielzustand beschreibt, wie der Wertstrom künftig funktionieren soll.

Mögliche Verbesserungen:

Der Zielzustand sollte:

sein.


10. Verbesserungen priorisieren und umsetzen

Verbesserungen können bewertet werden nach:

Nicht alle Verbesserungen müssen gleichzeitig umgesetzt werden.

Ein iteratives Vorgehen kann beispielsweise beginnen mit:

  1. vollständige Eintrittsmeldung sicherstellen
  2. klare Verantwortlichkeit festlegen
  3. Status sichtbar machen
  4. Standardpakete definieren
  5. geeignete Schritte automatisieren
  6. Wirkung messen
  7. weitere Engpässe bearbeiten

Value Stream Management nach dem Mapping

Nach der ersten Abbildung muss der Wertstrom fortlaufend gesteuert werden.

Dazu gehören:

Mögliche Fragen:


Governance von Value Streams

Für wichtige Value Streams sollte geklärt sein:

Ein Value Stream kann mehrere organisatorische Verantwortungsbereiche überschreiten.

Trotzdem muss eine geeignete Koordination des Gesamtergebnisses bestehen.

Typischer Fehler

Jeder Schritt besitzt einen Verantwortlichen, aber niemand verantwortet das gesamte Ende-zu-Ende-Outcome.


Value Stream Mapping bei einem Incident

Beispielwertstrom:

Benutzer nach einem Serviceausfall wieder arbeitsfähig machen

Mögliche Schritte:

  1. Störung erkennen oder melden
  2. Incident erfassen
  3. Auswirkungen und Dringlichkeit bewerten
  4. betroffenen Service bestimmen
  5. erste Diagnose durchführen
  6. zuständiges Fachwissen einbinden
  7. Service wiederherstellen
  8. Funktion technisch prüfen
  9. Nutzbarkeit mit dem Benutzer bestätigen
  10. Kommunikation abschließen
  11. notwendige Folgeaktivitäten einleiten

Mögliche Probleme:

Mögliche Messgrößen:


Value Stream Mapping bei einem Service Request

Beispielwertstrom:

genehmigte Standardsoftware für einen Benutzer nutzbar bereitstellen

Mögliche Schritte:

  1. Software anfordern
  2. Berechtigung und Bedarf prüfen
  3. Lizenzverfügbarkeit kontrollieren
  4. erforderliche Freigabe einholen
  5. Software bereitstellen
  6. Installation oder Zuweisung prüfen
  7. Benutzer informieren
  8. Nutzbarkeit bestätigen
  9. Asset- und Lizenzinformationen aktualisieren

Mögliche Verbesserungen:


Value Stream Mapping bei einem Change

Beispielwertstrom:

Sicherheitsupdate kontrolliert und ohne vermeidbare Serviceunterbrechung bereitstellen

Mögliche Schritte:

  1. Handlungsbedarf erkennen
  2. betroffene Produkte und Services bestimmen
  3. Risiko und Dringlichkeit bewerten
  4. Update testen
  5. Umsetzungs- und Rückfallplan erstellen
  6. Autorisierung einholen
  7. Beteiligte informieren
  8. Update bereitstellen
  9. technische Funktion prüfen
  10. Service-Nutzbarkeit prüfen
  11. Monitoring fortführen
  12. Dokumentation und Konfigurationsinformationen aktualisieren

Mögliche Probleme:


Value Streams und Automatisierung

Automatisierung kann den Fluss verbessern, wenn:

Geeignete Beispiele:

Ungeeignet ist Automatisierung, wenn:

Grundsatz

Einen schlechten Wertstrom zu automatisieren kann dazu führen, dass Fehler und Verschwendung nur schneller ausgeführt werden.


Künstliche Intelligenz in Value Streams

KI kann innerhalb von Value Streams beispielsweise unterstützen bei:

Dabei müssen unter anderem berücksichtigt werden:

Beispiel:

Eine KI schlägt die automatische Genehmigung eines Zugriffs vor.

Vor einer solchen Automatisierung muss geklärt sein:

Sicherheitsrelevant

Die Verwendung von KI verändert nicht automatisch bestehende Verantwortlichkeiten und Governance-Anforderungen.


Value Streams und Continual Improvement

Value Stream Mapping liefert eine Grundlage für Continual Improvement.

Möglicher Verbesserungszyklus:

  1. benötigtes Outcome bestimmen
  2. aktuellen Wertstrom erfassen
  3. Daten und Feedback sammeln
  4. Engpässe und Risiken erkennen
  5. Ursachen untersuchen
  6. Zielzustand gestalten
  7. Verbesserungen priorisieren
  8. schrittweise umsetzen
  9. Wirkung messen
  10. Wertstrom erneut bewerten

Verbesserungen können betreffen:

Merke

Value Stream Mapping zeigt nicht nur, wo Arbeit stattfindet.

Es zeigt, wo Wertfluss behindert wird und wo Verbesserungen ansetzen können.


Typische Fehler beim Value Stream Mapping

Fehler 1: Nur den dokumentierten Soll-Prozess abbilden

Der tatsächlich gelebte Arbeitsablauf bleibt unbekannt.


Fehler 2: An Abteilungsgrenzen aufhören

Der gesamte Weg zum Stakeholder-Outcome wird nicht betrachtet.


Fehler 3: Zu großen Umfang wählen

Der Wertstrom wird so umfangreich, dass keine konkreten Verbesserungen mehr erkennbar sind.


Fehler 4: Nur technische Schritte betrachten

Menschen, Informationen, Lieferanten, Kontrollen und Benutzererfahrung fehlen.


Fehler 5: Nur Bearbeitungszeiten messen

Wartezeit, Übergaben, Nacharbeit und Verzögerungen bleiben unsichtbar.


Fehler 6: Jede nicht sichtbare Tätigkeit als Verschwendung betrachten

Notwendige Sicherheits-, Qualitäts- oder Compliance-Kontrollen werden ungeprüft infrage gestellt.


Fehler 7: Das Diagramm als Endergebnis betrachten

Probleme werden sichtbar gemacht, aber Verbesserungen werden nicht priorisiert oder umgesetzt.


Fehler 8: Mitarbeiter für Probleme im Wertstrom verantwortlich machen

Systemische Ursachen wie fehlende Informationen, ungeeignete Werkzeuge und widersprüchliche Ziele werden übersehen.


Fehler 9: Nur einen idealen Einzelfall betrachten

Ausnahmen, Fehler, Eskalationen und Lieferantenabhängigkeiten bleiben unbekannt.


Fehler 10: Lokale Kennzahlen optimieren

Einzelne Teams verbessern ihre Werte, während sich das Ende-zu-Ende-Outcome verschlechtert.


Fehler 11: Zielzustand ohne Messgrößen gestalten

Später kann nicht festgestellt werden, ob die Verbesserung tatsächlich wirksam war.


Fehler 12: Zu früh automatisieren

Ein ungeeigneter oder instabiler Ablauf wird technisch festgeschrieben.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker sehen häufig nur einen Teil des gesamten Wertstroms.

Beispiele:

Value-Stream-Denken ergänzt folgende Fragen:

Praxistipp

Dokumentiere nicht nur, was du getan hast.

Dokumentiere auch das Ergebnis, relevante Abhängigkeiten und den nächsten notwendigen Schritt.


30-Sekunden-Prüfung eines Value Streams

  1. Auslöser: Was startet den Wertstrom?
  2. Stakeholder: Für wen wird das Outcome benötigt?
  3. Outcome: Wann ist das tatsächliche Ziel erreicht?
  4. Schritte: Welche Tätigkeiten sind notwendig?
  5. Verantwortung: Wer entscheidet und wer führt aus?
  6. Informationen: Welche Daten werden benötigt?
  7. Übergaben: Wo wechselt die Arbeit zwischen Beteiligten?
  8. Fluss: Wo entstehen Wartezeit, Nacharbeit oder Engpässe?
  9. Kontrollen: Welche Prüfungen sind wirklich erforderlich?
  10. Messung: Wie wird Erfolg festgestellt?
  11. Verbesserung: Welcher nächste Schritt verbessert den Wertstrom?

Checkliste vor dem Mapping


Checkliste für die Ist-Aufnahme


Checkliste für den Zielzustand


Checkliste nach der Verbesserung


Schnellreferenz

Frage Bedeutung
Was startet den Wertstrom? Auslöser bestimmen
Für wen wird gearbeitet? Stakeholder bestimmen
Was soll erreicht werden? Outcome definieren
Welche Schritte finden statt? tatsächlichen Arbeitsfluss erfassen
Wer ist beteiligt? Rollen, Teams und Lieferanten bestimmen
Welche Informationen werden benötigt? Informationsfluss untersuchen
Wo wartet die Arbeit? Warteschlangen erkennen
Wo wird Arbeit wiederholt? Nacharbeit erkennen
Wo wechselt Verantwortung? Übergaben untersuchen
Welche Kontrollen sind notwendig? Risiken und Vorgaben berücksichtigen
Wie wird Erfolg gemessen? geeignete Messgrößen bestimmen
Was sollte zuerst verbessert werden? Verbesserungen priorisieren

Zusammenfassende Darstellung

Bedarf, Nachfrage oder Chance

Auslöser des Value Streams

miteinander verbundene Schritte

Menschen · Practices · Informationen · Technologien · Lieferanten

Übergaben · Entscheidungen · Kontrollen · Rückmeldungen

Output

überprüftes Outcome

gemeinsam ermöglichter Wert

Feedback und Continual Improvement


Aufbau einer einfachen Value-Stream-Karte

Auslöser

Was startet den Wertstrom?

Schritt 1

Verantwortliche Rolle · benötigte Information · Ergebnis

↓ Übergabe oder Wartezeit

Schritt 2

Verantwortliche Rolle · verwendete Practice · Werkzeug

↓ Entscheidung oder Kontrolle

Schritt 3

technische oder organisatorische Umsetzung

Ergebnisprüfung

Funktioniert das Produkt oder der Service technisch?

Outcome-Prüfung

Kann der Stakeholder das benötigte Ergebnis erreichen?

Feedback und Verbesserung


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Offiziell bestätigter Stand

Die offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Einordnung

Die auf dieser Seite dargestellte Vorgehensweise zur:

ist eine praxisnahe redaktionelle Methode dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie ist keine wörtliche offizielle ITIL-Methode und keine für jede Organisation vorgeschriebene Notation.

Die konkrete Darstellungsform und der benötigte Detaillierungsgrad müssen an Ziel, Risiko, Komplexität und verfügbare Informationen angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.9 Continual Improvement

Kurz erklärt

Continual Improvement beschreibt die fortlaufende Verbesserung von:

Continual Improvement ist:

ITIL Version 5 verwendet ein überarbeitet formuliertes Continual Improvement Model mit sieben Schritten.


Warum Continual Improvement notwendig ist

Produkte, Services und Arbeitsweisen bleiben nicht dauerhaft optimal.

Sie werden beeinflusst durch:

Auch eine heute wirksame Lösung kann später ungeeignet werden.

Beispiele:

Merke

Verbesserung ist nicht nur notwendig, wenn etwas vollständig fehlschlägt.

Sie ist auch notwendig, damit weiterhin wirksame Produkte und Services mit veränderten Anforderungen Schritt halten.


Continual und Continuous unterscheiden

Die Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig miteinander vermischt.

Begriff Vereinfachte Bedeutung
Continual Improvement wiederkehrende Verbesserungsaktivitäten in angemessenen Abständen
Continuous Improvement Verbesserung als weitgehend ununterbrochene Aktivität

ITIL verwendet den Begriff:

Continual Improvement

Das bedeutet nicht, dass jederzeit ohne Unterbrechung an jeder Sache gearbeitet werden muss.

Verbesserungen können:

werden.

Entscheidend ist, dass Verbesserung dauerhaft in der Arbeitsweise verankert bleibt.


Continual Improvement im ITIL Value System

Continual Improvement ist einer der fünf Bestandteile des ITIL Value Systems.

Das Value System verbindet:

Continual Improvement wirkt dabei nicht nur auf einen einzelnen Bereich.

Verbessert werden können:

Wichtig

Continual Improvement ist nicht nur eine nachgelagerte Tätigkeit.

Es wirkt auf alle Bestandteile des Value Systems und auf den gesamten Product and Service Lifecycle.


Continual Improvement als Management Practice

Als Management Practice benötigt Continual Improvement mehr als einzelne Verbesserungsideen.

Zu einer wirksamen Practice können gehören:

Eine Organisation kann mögliche Rollen verwenden wie:

ITIL schreibt nicht für jede Organisation dieselben Rollenbezeichnungen vor.

Entscheidend ist, dass für eine Verbesserungsinitiative geklärt ist:


Verbesserung ist Aufgabe aller Beteiligten

Continual Improvement darf nicht ausschließlich einer zentralen Verbesserungsstelle überlassen werden.

Verbesserungsmöglichkeiten können erkannt werden durch:

Beispiele:

Grundsatz

Jeder kann Verbesserungen vorschlagen.

Nicht jeder kann allein über Priorität, Ressourcen und Umsetzung entscheiden.


Verbesserung muss gesteuert werden

Ohne eine gemeinsame Arbeitsweise können Verbesserungen:

Eine wirksame Steuerung sorgt dafür, dass Verbesserungsideen:

  1. erfasst,
  2. verstanden,
  3. bewertet,
  4. priorisiert,
  5. verantwortet,
  6. umgesetzt,
  7. gemessen,
  8. und nachhaltig verankert

werden.


Das ITIL Continual Improvement Model

ITIL Version 5 verwendet ein Continual Improvement Model mit sieben Schritten.

Nr. Offizielle englische Leitfrage Praxisnahe deutsche Bedeutung
1 What is the vision? Welche Richtung, Ziele und Grenzen gelten?
2 Where are we now? Wie sieht der tatsächliche Ausgangszustand aus?
3 Where do we want to be? Welcher konkrete Zielzustand soll erreicht werden?
4 How do we get there? Welcher Weg führt vom Ausgangs- zum Zielzustand?
5 Take action Die geplanten Maßnahmen iterativ umsetzen
6 Are we getting there? Prüfen, ob die Initiative den Zielzustand tatsächlich erreicht
7 How do we keep the improvements relevant? Ergebnisse verankern und ihre weitere Relevanz sicherstellen

Versionsabhängig

Die Anzahl der Schritte wurde gegenüber ITIL 4 nicht verändert.

In ITIL Version 5 wurden einzelne Schrittbezeichnungen präzisiert.

Dieses Buch verwendet deshalb die aktuellen Bezeichnungen aus ITIL Version 5.


Das Modell ist iterativ

Die sieben Schritte bilden keine einmalig zu durchlaufende starre Abfolge.

Während einer Initiative kann es notwendig sein:

Beispiel:

Während der Umsetzung wird festgestellt, dass die angenommene Ursache nicht zutrifft.

Dann kann die Initiative zu folgenden Schritten zurückkehren:

Merke

Ein Rücksprung im Modell ist nicht automatisch ein Fehler.

Er kann zeigen, dass Feedback und neue Erkenntnisse tatsächlich berücksichtigt werden.


Das Model ist skalierbar

Das Continual Improvement Model kann für unterschiedlich große Initiativen verwendet werden.

Beispiele:

Kleine Verbesserung

Mittlere Verbesserung

Größere Verbesserung

Der Umfang der:

muss an Größe, Risiko und Komplexität angepasst werden.


1. What is the vision?

Zentrale Frage

Welche Richtung, Ziele, Rahmenbedingungen und Grenzen gelten für die Verbesserung?

Eine Verbesserung benötigt einen verständlichen Bezug zu:

Ohne eine klare Vision können zwar einzelne Maßnahmen umgesetzt werden, ihr Beitrag zum tatsächlichen Wert bleibt jedoch unklar.

Beispiel:

Unzureichende Vision:

Wir wollen das Ticketsystem verbessern.

Präzisere Vision:

Benutzer sollen Störungen und Anfragen einfach melden können. Die zuständigen Teams sollen vollständige Informationen erhalten, damit Vorgänge schneller und mit weniger Rückfragen bearbeitet werden.


Bestandteile einer Vision

Eine Vision kann unter anderem beschreiben:

Beispiel:

Der Onboarding-Wertstrom soll neue Mitarbeiter spätestens zum vereinbarten Eintrittsdatum mit einem sicheren und vollständig nutzbaren IT-Arbeitsplatz versorgen. Sicherheitsfreigaben dürfen dadurch nicht umgangen werden.


Leitfragen zu What is the vision?


Typische Fehler bei der Vision


2. Where are we now?

Zentrale Frage

Wie sieht der tatsächliche gegenwärtige Zustand aus?

Der aktuelle Zustand bildet die Ausgangsbasis für die Verbesserung.

Ohne eine nachvollziehbare Baseline kann später nicht zuverlässig festgestellt werden, ob sich etwas verbessert hat.

Zu untersuchen sind beispielsweise:


Geeignete Informationsquellen

Der Ausgangszustand kann untersucht werden anhand von:

Wichtig

Die bestehende Dokumentation zeigt möglicherweise den vorgesehenen Ablauf.

Sie beweist nicht automatisch, wie tatsächlich gearbeitet wird.


Baseline

Eine Baseline ist ein dokumentierter Ausgangswert oder Ausgangszustand, mit dem spätere Ergebnisse verglichen werden können.

Beispiele:

Die Baseline sollte:

sein.


Leitfragen zu Where are we now?


Typische Fehler bei der Ist-Analyse


3. Where do we want to be?

Zentrale Frage

Welcher konkrete und überprüfbare Zielzustand soll als Nächstes erreicht werden?

Der Zielzustand übersetzt die Vision in konkrete Outcomes und Erfolgskriterien.

Er sollte ausreichend:

sein.

Beispiel:

Vision:

Der Onboarding-Prozess soll neue Mitarbeiter rechtzeitig arbeitsfähig machen.

Konkreter Zielzustand:

Innerhalb von drei Monaten sollen mindestens 95 Prozent der vollständig und fristgerecht gemeldeten Mitarbeiter am ersten Arbeitstag über Endgerät, Benutzerkonto und genehmigte Standardzugriffe verfügen.


Critical Success Factors und Key Performance Indicators

Ein Critical Success Factor beschreibt eine Voraussetzung oder ein Ergebnis, das für den Erfolg wesentlich ist.

Beispiel:

Vollständige Eintrittsinformationen liegen rechtzeitig vor.

Ein Key Performance Indicator unterstützt die Messung.

Beispiel:

Anteil vollständiger Eintrittsmeldungen mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eintritt.

Kennzahlen sollten nicht nur leicht messbare Aktivität abbilden.

Sie sollten einen erkennbaren Bezug besitzen zu:


Leading und Lagging Indicators

Art Bedeutung Beispiel
Leading Indicator früher Hinweis auf die wahrscheinliche Entwicklung Anteil rechtzeitig eingegangener Eintrittsmeldungen
Lagging Indicator zeigt das bereits eingetretene Ergebnis Anteil am ersten Tag vollständig arbeitsfähiger Mitarbeiter

Beide Perspektiven können gemeinsam hilfreich sein.

Nur das Endergebnis zu messen kann zu spät sein.

Nur vorbereitende Aktivität zu messen beweist noch nicht, dass das Outcome erreicht wurde.


Leitfragen zu Where do we want to be?


Typische Fehler beim Zielzustand


4. How do we get there?

Zentrale Frage

Welcher realistische Weg führt vom aktuellen zum gewünschten Zustand?

In diesem Schritt wird der Verbesserungsweg gestaltet.

Dazu können gehören:

Der Weg kann:

sein.

In komplexen Situationen ist der vollständige Weg möglicherweise nicht von Anfang an bekannt.

Dann können kleine Experimente und Feedback notwendig sein.


Verbesserungsoptionen bewerten

Mögliche Kriterien:

Beispiel:

Problem:

Viele Tickets enthalten unvollständige Informationen.

Mögliche Optionen:

Nicht jede Option muss gleichzeitig umgesetzt werden.


Verbesserungsplan

Ein Verbesserungsplan kann enthalten:

Feld Inhalt
Maßnahme Was wird verändert?
Verantwortlich Wer koordiniert die Umsetzung?
Ziel Welches Outcome wird unterstützt?
Priorität Wie wichtig und dringend ist die Maßnahme?
Ressourcen Welche Zeit, Fähigkeiten und Mittel werden benötigt?
Abhängigkeiten Was muss vorher oder gleichzeitig geschehen?
Risiken Welche negativen Folgen sind möglich?
Messung Wie wird die Wirkung festgestellt?
Termin Wann beginnt und endet die nächste Iteration?
Status geplant, aktiv, blockiert, abgeschlossen oder verworfen

Leitfragen zu How do we get there?


Typische Fehler bei der Planung


5. Take action

Zentrale Aufgabe

Die geplanten Maßnahmen kontrolliert und möglichst iterativ umsetzen.

Eine Verbesserung entsteht nicht durch:

allein.

Die Maßnahme muss umgesetzt und ihre Wirkung beobachtet werden.

ITIL Version 5 betont bei diesem Schritt ein iteratives Vorgehen mit Möglichkeiten:


Iterative Umsetzung

Eine mögliche Vorgehensweise ist:

  1. kleinen sinnvollen Umfang auswählen
  2. Erfolgskriterien festlegen
  3. Maßnahme umsetzen
  4. Ergebnis beobachten
  5. Feedback erfassen
  6. Probleme und Nebenwirkungen untersuchen
  7. Vorgehensweise anpassen
  8. nächste Iteration durchführen

Beispiel: Verbesserung des Monitoring

Iteration 1

Auswertung

Iteration 2


Organizational Change Management

Viele Verbesserungen verändern nicht nur Technik.

Sie verändern möglicherweise:

Deshalb kann Organizational Change Management notwendig sein.

Zu berücksichtigen sind:

Typischer Fehler

Eine neue Arbeitsweise wird technisch bereitgestellt, aber von den Beteiligten nicht verstanden oder verwendet.


Leitfragen zu Take action


Typische Fehler bei der Umsetzung


6. Are we getting there?

Zentrale Frage

Führt die Initiative tatsächlich zum gewünschten Zielzustand?

In diesem Schritt wird der neue aktuelle Zustand mit folgenden Bezugspunkten verglichen:

Es wird nicht nur geprüft, ob Maßnahmen ausgeführt wurden.

Es wird geprüft, ob sie die erwartete Wirkung erzeugen.


Aktivität und Wirkung unterscheiden

Aktivität Wirkung
neues Monitoring installiert relevante Störungen werden früher erkannt
Schulung durchgeführt Mitarbeiter wenden die neue Arbeitsweise korrekt an
Wissensartikel veröffentlicht Lösungen werden schneller gefunden und erfolgreich verwendet
Pflichtfeld ergänzt Tickets enthalten vollständigere Informationen
Backup-System aktualisiert Wiederherstellungen funktionieren innerhalb der benötigten Ziele
Automatisierung eingerichtet Durchlaufzeit und Fehlerquote sinken

Merke

Eine umgesetzte Maßnahme beweist noch keine erfolgreiche Verbesserung.


Ergebnisse vergleichen

Beispiel:

Baseline

Zielzustand

Nach der ersten Iteration

Bewertung:


Quantitative und qualitative Informationen

Quantitative Informationen:

Qualitative Informationen:

Beide Informationsarten können notwendig sein.

Beispiel:

Die Bearbeitungszeit sinkt.

Mitarbeiter berichten jedoch, dass sie zur Zielerreichung notwendige Dokumentation überspringen.

Die Verbesserung kann dadurch neue Risiken erzeugen.


Leitfragen zu Are we getting there?


Wenn eine Verbesserung nicht wirkt

Mögliche Ursachen:

Eine nicht erfolgreiche Initiative sollte nicht automatisch verborgen werden.

Sie kann wichtige Erkenntnisse liefern.

Grundsatz

Ein kontrolliertes Experiment ohne erwarteten Erfolg kann wertvoll sein, wenn die Erkenntnisse dokumentiert und verwendet werden.


7. How do we keep the improvements relevant?

Zentrale Frage

Wie werden die Ergebnisse verankert und unter veränderten Bedingungen weiterhin relevant gehalten?

Eine Verbesserung kann kurzfristig erfolgreich sein und später wieder verloren gehen.

Mögliche Ursachen:

ITIL Version 5 betont deshalb nicht nur das Aufrechterhalten von Dynamik, sondern die fortlaufende Relevanz der Verbesserung.


Verbesserung verankern

Mögliche Maßnahmen:


Knowledge Management

Erkenntnisse sollten so dokumentiert werden, dass andere Beteiligte sie nutzen können.

Dazu können gehören:

Praxistipp

Dokumentiere nicht nur, was erfolgreich war.

Dokumentiere auch, welche Ansätze nicht funktioniert haben und warum.


Relevanz regelmäßig überprüfen

Eine Verbesserung kann später angepasst oder aufgehoben werden müssen.

Beispiel:

Eine zusätzliche Genehmigungsstufe wurde nach einem Sicherheitsvorfall eingeführt.

Später wird eine technische Kontrolle implementiert, die das Risiko automatisch behandelt.

Dann sollte geprüft werden:

Merke

Eine Verbesserung ist nicht dauerhaft richtig, nur weil sie zum Zeitpunkt ihrer Einführung sinnvoll war.


Leitfragen zu How do we keep the improvements relevant?


Typische Fehler bei der Verankerung


Continual Improvement Register

Ein Continual Improvement Register ist ein mögliches Hilfsmittel zur Erfassung und Steuerung von Verbesserungen.

Es kann enthalten:

Feld Inhalt
ID eindeutige Kennung
Titel kurze Beschreibung
Auslöser Problem, Feedback, Risiko oder Chance
betroffenes Produkt oder Service fachlicher Bezug
gewünschtes Outcome erwartetes Ergebnis
Ausgangszustand bekannte Baseline
Vorschlag mögliche Maßnahme
Nutzen erwarteter Wertbeitrag
Risiko mögliche negative Auswirkungen
Aufwand erwarteter Ressourceneinsatz
Priorität Reihenfolge der Bearbeitung
Verantwortlich Improvement Owner
Status neu, bewertet, geplant, aktiv, blockiert, abgeschlossen oder verworfen
Messgrößen Kriterien zur Erfolgskontrolle
Erkenntnisse Ergebnisse und Lessons Learned

Das Register kann umgesetzt werden als:

Wichtig

ITIL schreibt kein bestimmtes Werkzeug und kein universelles Registerformat vor.


Möglicher Status einer Verbesserung

Status Bedeutung
Neu Idee oder Problem wurde erfasst
Zu prüfen weitere Informationen werden benötigt
Bewertet Nutzen, Risiko und Aufwand wurden untersucht
Priorisiert Reihenfolge wurde festgelegt
Geplant Maßnahmen und Ressourcen sind vorgesehen
Aktiv Umsetzung läuft
Blockiert Abhängigkeit oder Hindernis verhindert Fortschritt
In Auswertung Wirkung wird gemessen
Abgeschlossen Zielzustand wurde ausreichend erreicht und verankert
Zurückgestellt derzeit keine ausreichende Priorität oder Ressource
Verworfen Initiative wird begründet nicht weitergeführt

Verbesserungen priorisieren

Nicht jede gute Idee kann sofort umgesetzt werden.

Mögliche Bewertungskriterien:

Eine einfache Priorisierung kann beispielsweise betrachten:

Kriterium Frage
Wirkung Wie stark verbessert sich das Outcome?
Dringlichkeit Welche Folgen besitzt eine Verzögerung?
Risiko Welches Risiko wird reduziert oder neu erzeugt?
Aufwand Welche Ressourcen werden benötigt?
Abhängigkeit Was muss vorher geschehen?
Sicherheit Besteht unmittelbarer Handlungsbedarf?
Machbarkeit Kann die Initiative erfolgreich umgesetzt werden?

Typischer Fehler

Die lauteste Forderung oder die technisch interessanteste Idee erhält automatisch die höchste Priorität.


Quick Wins

Ein Quick Win ist eine Verbesserung, die:

erzeugen kann.

Beispiele:

Quick Wins können sinnvoll sein, um:

Sie dürfen jedoch nicht dauerhaft wichtigere strukturelle Verbesserungen verdrängen.

Merke

Schnell umsetzbar bedeutet nicht automatisch besonders wertvoll.

Hoher Wert bedeutet nicht automatisch schnell umsetzbar.


Verbesserung und Problem Management unterscheiden

Continual Improvement Problem Management
verbessert Produkte, Services, Practices und Arbeitsweisen reduziert Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen von Incidents
kann durch Chancen oder Feedback ausgelöst werden wird häufig durch Incidents, Muster oder Risiken ausgelöst
betrachtet unterschiedliche Verbesserungsgegenstände konzentriert sich auf Ursachen und mögliche Ursachen von Incidents
verwendet Verbesserungsinitiativen verwendet Problems, Known Errors und Workarounds

Beide Practices können zusammenwirken.

Beispiel:

Problem Management erkennt, dass Zertifikate nicht zentral verwaltet werden.

Continual Improvement kann anschließend koordinieren:


Verbesserung und Incident Management unterscheiden

Incident Management Continual Improvement
begrenzt aktuelle negative Serviceauswirkungen verbessert zukünftige Produkte, Services oder Arbeitsweisen
priorisiert Wiederherstellung priorisiert nachhaltige Veränderung
arbeitet häufig unter Zeitdruck kann strukturiert und iterativ umgesetzt werden
kann eine Zwischenlösung verwenden bewertet, wie Ursachen und Arbeitsweisen verbessert werden

Beispiel:

Ein Dienst wird neu gestartet und funktioniert wieder.


Verbesserung und Change Enablement unterscheiden

Continual Improvement Change Enablement
bestimmt und steuert Verbesserungsbedarf unterstützt erfolgreiche Änderungen
richtet Maßnahmen an Outcomes und Wert aus bewertet unter anderem Nutzen, Risiko und Autorisierung konkreter Changes
kann mehrere Changes enthalten behandelt eine konkrete Änderung oder ein Change-Modell

Eine Verbesserungsinitiative kann mehrere Changes benötigen.

Beispiel:

Verbesserungsinitiative:

Zertifikatsmanagement zuverlässiger gestalten.

Mögliche Changes:


Verbesserung und Transformation unterscheiden

Continual Improvement und Transformation überschneiden sich, besitzen aber unterschiedliche typische Anwendungsbereiche.

Continual Improvement Transformation
kann lokal oder schrittweise angewendet werden betrifft häufig umfangreiche organisatorische Veränderungen
eignet sich für konkrete Produkte, Services und Practices kann das gesamte Value System oder große Organisationsbereiche verändern
kann mit begrenztem Umfang und kurzer Laufzeit erfolgen umfasst häufig viele Stakeholder, Abhängigkeiten und längere Zeiträume
verwendet das Continual Improvement Model ITIL Version 5 besitzt zusätzlich ein eigenes Transformation Model

Eine Transformation benötigt ebenfalls:

Wichtig

Nicht jede Verbesserung ist eine Transformation.

Eine Transformation ohne Continual Improvement kann ihre Wirkung jedoch später wieder verlieren.


Verbesserung und Maturity Assessment unterscheiden

Ein Maturity Assessment bewertet Fähigkeiten oder Reife im Vergleich zu einem festgelegten Modell.

Es kann Informationen liefern für:

Das Assessment selbst verbessert jedoch noch nichts.

Es liefert Erkenntnisse, auf deren Grundlage Verbesserungen geplant werden können.

Typischer Fehler

Ein höherer Reifegrad wird als Selbstzweck verfolgt, ohne zu prüfen, ob dadurch relevante Outcomes verbessert werden.


Continual Improvement im Product and Service Lifecycle

Continual Improvement wirkt auf alle acht Lifecycle-Aktivitäten.

Lifecycle-Aktivität Beispielhafte Verbesserung
Discover Bedürfnisse und Feedback systematischer erfassen
Design Sicherheit, Betrieb und Erfahrung früher einbeziehen
Acquire Lieferanten- und Exit-Risiken besser bewerten
Build Tests und Konfiguration stärker automatisieren
Transition Pilotierung, Kommunikation und Rückfallplanung verbessern
Operate technische Schulden reduzieren und Überwachung optimieren
Deliver Serviceangebote und Stakeholder-Outcomes verbessern
Support Wissen, Kommunikation und Wiederherstellung beschleunigen

Erkenntnisse aus einer späteren Aktivität können Verbesserungen in früheren Aktivitäten auslösen.

Beispiel:

Support erkennt wiederkehrende Bedienprobleme.

Daraus können Verbesserungen entstehen in:


Die sieben Guiding Principles bei Verbesserungen

Guiding Principle Anwendung bei Continual Improvement
Focus on value Verbesserung am benötigten Outcome ausrichten
Start where you are Baseline und funktionierende Bestandteile berücksichtigen
Progress iteratively with feedback kontrollierte Schritte und regelmäßige Auswertung verwenden
Collaborate and promote visibility Stakeholder beteiligen und Fortschritt sichtbar machen
Think and work holistically alle vier Dimensionen und Abhängigkeiten betrachten
Keep it simple and practical angemessenen Umfang und verständliche Maßnahmen wählen
Optimize and automate Arbeitsweise zuerst verbessern und danach sinnvoll automatisieren

Die vier Dimensionen bei Verbesserungen

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Praxisbeispiel: Zertifikate laufen wiederholt ab

Ausgangssituation

Mehrere Services waren innerhalb eines Jahres durch abgelaufene Zertifikate beeinträchtigt.


1. What is the vision?

Zertifikate kritischer Services sollen rechtzeitig erneuert werden, damit vermeidbare Ausfälle verhindert werden.


2. Where are we now?


3. Where do we want to be?


4. How do we get there?


5. Take action


6. Are we getting there?


7. How do we keep the improvements relevant?


Praxisbeispiel: Onboarding dauert zu lange

Vision

Neue Mitarbeiter sollen am ersten Arbeitstag sicher und vollständig arbeiten können.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen

Messung


Praxisbeispiel: Zu viele Monitoring-Alarme

Vision

Administratoren sollen relevante Zustandsänderungen rechtzeitig erkennen, ohne durch unnötige Meldungen überlastet zu werden.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen


Praxisbeispiel: Knowledge-Base wird kaum genutzt

Vision

Mitarbeiter und Benutzer sollen verlässliches Wissen schnell finden und erfolgreich anwenden können.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen


Continual Improvement bei einem Incident

Nach einem Incident können Verbesserungsmöglichkeiten entstehen bei:

Nicht jeder Incident benötigt eine umfangreiche Verbesserungsinitiative.

Eine Initiative ist besonders sinnvoll, wenn:


Lessons Learned und Post-Incident Review

Eine nachgelagerte Überprüfung kann untersuchen:

Wichtig

Ein Lessons-Learned-Dokument allein erzeugt keine Verbesserung.

Erkenntnisse müssen in verantwortete und priorisierte Maßnahmen überführt werden.


Fehlerkultur

Continual Improvement benötigt eine Umgebung, in der:

werden können.

Eine Untersuchung sollte nicht vorschnell nach einer schuldigen Person suchen.

Zu prüfen sind ebenfalls:

Grundsatz

Individuelles Fehlverhalten darf nicht ignoriert werden.

Eine ausschließliche Schuldzuweisung kann jedoch systemische Ursachen verdecken.


Messung und Reporting

Eine Verbesserung benötigt passende Informationen.

Messgrößen sollten beantworten:

Mögliche Messgrößen:


Kennzahlen gemeinsam betrachten

Einzelne Kennzahlen können irreführend sein.

Beispiel:

Die durchschnittliche Ticketbearbeitungszeit wurde um 30 Prozent reduziert.

Zusätzlich sollte geprüft werden:

Typischer Fehler

Eine Kennzahl verbessert sich, während sich der gesamte Wertstrom oder die Benutzererfahrung verschlechtert.


Automatisierung bei Continual Improvement

Automatisierung kann Verbesserungen unterstützen durch:

Automatisierung kann jedoch keine fehlende:

ersetzen.

Grundsatz

Nicht die Verbesserungsidee automatisieren, sondern einen verstandenen und geeigneten Zielzustand.


Künstliche Intelligenz bei Continual Improvement

KI kann beispielsweise unterstützen bei:

Dabei müssen berücksichtigt werden:

Beispiel:

Eine KI erkennt, dass viele Tickets den Begriff „Anmeldung“ enthalten.

Das beweist noch nicht:

Die Muster müssen fachlich untersucht und eingeordnet werden.


Typische Fehler bei Continual Improvement

Fehler 1: Verbesserung nur nach Störungen

Chancen, Feedback und technische Schulden werden nicht berücksichtigt.


Fehler 2: Keine klare Vision

Maßnahmen werden umgesetzt, ohne ihren Beitrag zu Outcomes und Wert zu verstehen.


Fehler 3: Keine Baseline

Später kann nicht festgestellt werden, ob sich der Zustand tatsächlich verbessert hat.


Fehler 4: Aktivität mit Wirkung verwechseln

Ein Werkzeug wurde eingeführt oder eine Schulung durchgeführt, aber das Outcome bleibt unverändert.


Fehler 5: Zu viele Initiativen beginnen

Ressourcen werden auf viele Vorhaben verteilt, während kaum eine Initiative abgeschlossen wird.


Fehler 6: Nur Quick Wins umsetzen

Größere strukturelle Risiken und Engpässe bleiben dauerhaft bestehen.


Fehler 7: Verbesserung als Zusatzarbeit behandeln

Es werden keine realistischen Ressourcen, Befugnisse oder Zeitfenster bereitgestellt.


Fehler 8: Mitarbeiter nicht einbeziehen

Die neue Arbeitsweise passt nicht zur tatsächlichen Situation oder wird nicht angenommen.


Fehler 9: Nach der Umsetzung nicht messen

Ob die Verbesserung wirkt oder neue Probleme erzeugt, bleibt unbekannt.


Fehler 10: Ergebnisse nicht verankern

Die Organisation kehrt nach kurzer Zeit zur bisherigen Arbeitsweise zurück.


Fehler 11: Lessons Learned nicht weiterverfolgen

Erkenntnisse werden dokumentiert, aber nicht priorisiert und umgesetzt.


Fehler 12: Kennzahlen isoliert optimieren

Lokale Zielwerte verbessern sich, während Wertstrom und Stakeholder-Erfahrung schlechter werden.


Fehler 13: Improvement Register als Ablage verwenden

Viele Ideen werden erfasst, aber nicht bewertet, priorisiert oder abgeschlossen.


Fehler 14: Verbesserung mit Transformation verwechseln

Eine kleine lokale Anpassung wird unnötig als umfangreiches Veränderungsprogramm organisiert.


Fehler 15: Frühere Verbesserung nie erneut prüfen

Eine einst sinnvolle Kontrolle oder Arbeitsweise bleibt bestehen, obwohl sie inzwischen unnötig oder ungeeignet ist.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker erkennen häufig Verbesserungsmöglichkeiten direkt im technischen Betrieb.

Beispiele:

Eine gute Verbesserungsidee sollte nicht nur lauten:

Das sollten wir automatisieren.

Sie sollte möglichst beantworten:


Beispiel für einen Verbesserungsvorschlag

Unpräzise:

Wir brauchen besseres Monitoring.

Präziser:

Bei drei Incidents innerhalb der letzten sechs Monate wurde der Ausfall des internen DNS-Dienstes erst durch Benutzermeldungen erkannt. Vorgeschlagen wird eine aktive Funktionsprüfung der DNS-Auflösung mit Alarmierung des Bereitschaftsteams. Erfolgskriterium ist, dass ein Ausfall innerhalb von fünf Minuten erkannt und eindeutig dem DNS-Service zugeordnet wird.


30-Sekunden-Prüfung einer Verbesserung

  1. Vision: Warum ist die Verbesserung wichtig?
  2. Ist-Zustand: Welche Daten und Beobachtungen liegen vor?
  3. Zielzustand: Was soll konkret besser werden?
  4. Weg: Welche Maßnahme ist geeignet?
  5. Aktion: Wer setzt den nächsten Schritt um?
  6. Messung: Woran erkennen wir Fortschritt und Erfolg?
  7. Verankerung: Wie bleibt die Verbesserung wirksam und relevant?

Checkliste für eine neue Verbesserungsidee


Checkliste für eine Verbesserungsinitiative


Checkliste während der Umsetzung


Checkliste zur Erfolgskontrolle


Checkliste zur Verankerung


Schnellreferenz des Continual Improvement Models

Schritt Kurzfrage Typisches Ergebnis
1 What is the vision? Richtung, Zweck und Grenzen
2 Where are we now? Ausgangszustand und Baseline
3 Where do we want to be? Zielzustand und Erfolgskriterien
4 How do we get there? Verbesserungsplan und nächste Schritte
5 Take action umgesetzte Maßnahmen und Feedback
6 Are we getting there? Wirkungsprüfung und Anpassungsentscheidung
7 How do we keep the improvements relevant? verankerte und weiterhin überprüfte Verbesserung

Zusammenfassende Darstellung

What is the vision?
Richtung und Zweck klären

Where are we now?
aktuellen Zustand und Baseline erfassen

Where do we want to be?
Zielzustand und Erfolgskriterien bestimmen

How do we get there?
geeigneten Verbesserungsweg planen

Take action
Maßnahmen iterativ umsetzen

Are we getting there?
Fortschritt, Wirkung und Nebenwirkungen prüfen

How do we keep the improvements relevant?
Ergebnisse verankern und regelmäßig neu bewerten

neue Erkenntnisse und weitere Verbesserungsmöglichkeiten

erneute Anwendung des Modells


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Ergänzende offizielle Community-Quelle

Offiziell bestätigter Stand

Die aktuellen offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Einordnung

Die ausführlichen:

sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation vorgeschriebene Verbesserungsmethode dar.

Rollen, Messgrößen, Werkzeuge, Priorisierungsverfahren und Dokumentationsumfang müssen an Ziel, Risiko, Größe und Arbeitsweise der jeweiligen Organisation angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026

2.10 ITIL an den eigenen Kontext anpassen

Kurz erklärt

ITIL ist kein fertiger Musterprozess, der unverändert in jede Organisation übernommen werden kann.

Das Framework stellt:

bereit.

Die konkrete Organisation muss daraus eine Arbeitsweise gestalten, die zu ihren:

passt.

ITIL soll deshalb übernommen und angepasst werden.

Eine sinnvolle Anpassung bewahrt Zweck und Nutzen der Guidance, ohne unnötige Komplexität zu erzeugen.


Warum ITIL angepasst werden muss

Organisationen unterscheiden sich erheblich.

Beispiele:

Für alle diese Organisationen können ITIL-Konzepte hilfreich sein.

Sie benötigen jedoch nicht:

Merke

Gleiche ITIL-Grundgedanken können in unterschiedlichen Organisationen zu unterschiedlichen praktischen Umsetzungen führen.


Anpassen bedeutet nicht beliebig auswählen

ITIL an den Kontext anzupassen bedeutet nicht:

Eine Anpassung sollte nachvollziehbar beantworten:

Grundsatz

Anpassung verändert die konkrete Umsetzung.

Sie darf nicht dazu führen, dass der eigentliche Zweck einer Practice, Kontrolle oder Verantwortung verloren geht.


ITIL wird nicht installiert

Ein ITSM-Werkzeug kann installiert werden.

Ein Framework kann dagegen nicht wie eine Software vollständig „installiert“ werden.

ITIL stellt einen Orientierungsrahmen bereit.

Die Organisation muss selbst gestalten:

Typischer Fehler

Eine Organisation kauft ein ITSM-Werkzeug mit vorkonfigurierten ITIL-Modulen und betrachtet die Einführung damit als abgeschlossen.

Das Werkzeug kann die Arbeitsweise unterstützen. Es ersetzt jedoch keine geklärten Ziele, Verantwortlichkeiten, Fähigkeiten und Wertströme.


Die wichtigsten Kontextfaktoren

Vor der Gestaltung einer ITIL-basierten Arbeitsweise sollten mindestens folgende Kontextfaktoren betrachtet werden:

Kontextfaktor Beispielhafte Fragen
Ziele und Strategie Welche geschäftlichen und organisatorischen Ergebnisse sollen unterstützt werden?
Produkte und Services Welche Leistungen werden angeboten und wie kritisch sind sie?
Stakeholder Wer nutzt, finanziert, unterstützt oder beeinflusst die Produkte und Services?
Größe und Struktur Wie viele Benutzer, Teams, Standorte und Organisationseinheiten existieren?
Risiken Welche Ausfälle, Sicherheitsvorfälle oder Fehlentscheidungen wären besonders schwerwiegend?
Gesetze und Verträge Welche rechtlichen, regulatorischen und vertraglichen Verpflichtungen gelten?
Betriebsmodell Wird intern, extern, hybrid, agil, produktorientiert oder projektorientiert gearbeitet?
Fähigkeiten Welche Kenntnisse, Erfahrungen und Kapazitäten sind vorhanden?
Technologie Welche Infrastruktur, Anwendungen, Cloud-Dienste und Automatisierungen werden eingesetzt?
Lieferanten Welche Produkte und Services hängen von externen Anbietern ab?
Kultur Wie werden Entscheidungen, Fehler, Zusammenarbeit und Verantwortung tatsächlich behandelt?
Reife und Ausgangslage Welche Arbeitsweisen funktionieren bereits und wo bestehen erkennbare Schwächen?
Kosten und Ressourcen Welcher Aufwand ist vertretbar und welche Ressourcen stehen zur Verfügung?
Veränderungsgeschwindigkeit Wie häufig ändern sich Produkte, Anforderungen und Technologien?
Erfahrung der Stakeholder Wie erleben Benutzer, Kunden und Mitarbeiter die vorhandenen Services?

Die Ziele der Organisation zuerst verstehen

Die Einführung einer Practice sollte nicht mit einem Prozessdiagramm beginnen.

Zuerst muss geklärt werden, welches Ergebnis verbessert werden soll.

Unzureichendes Ziel:

Wir möchten Incident Management einführen.

Besser:

Benutzer sollen nach ungeplanten Serviceunterbrechungen schneller wieder arbeitsfähig werden. Auswirkungen, Verantwortung und Kommunikation müssen dabei nachvollziehbar sein.

Unzureichendes Ziel:

Wir benötigen eine CMDB.

Besser:

Bei Incidents und Changes fehlen verlässliche Informationen über kritische Serviceabhängigkeiten. Dadurch dauern Analysen länger und Änderungen verursachen unerwartete Auswirkungen.

Unzureichendes Ziel:

Wir wollen ITIL-konform arbeiten.

Besser:

Wir wollen unsere wichtigsten Services nachvollziehbar steuern, Störungen verlässlich bearbeiten, Änderungen kontrollieren und wiederkehrende Fehler systematisch reduzieren.

Merke

ITIL ist ein Hilfsmittel zur Verbesserung von Produkten, Services und Outcomes.

Die Einführung von ITIL-Begriffen ist kein eigenständiges geschäftliches Outcome.


Nicht mit allen 34 Practices gleichzeitig beginnen

ITIL Version 5 enthält 34 Management Practices.

Eine Organisation muss nicht alle Practices gleichzeitig vollständig ausgestalten.

Eine sinnvollere Vorgehensweise ist:

  1. wichtige Produkte und Services bestimmen
  2. konkrete Probleme und Chancen erfassen
  3. relevante Wertströme untersuchen
  4. benötigte Practices identifizieren
  5. vorhandene Fähigkeiten bewerten
  6. wichtigste Lücken priorisieren
  7. kleine wirksame Verbesserungen umsetzen
  8. Ergebnisse messen
  9. weitere Practices oder Fähigkeiten schrittweise entwickeln

Beispiel:

Eine Organisation besitzt folgende Probleme:

Zunächst besonders relevant können sein:

Andere Practices bleiben ebenfalls wichtig, müssen aber möglicherweise nicht mit derselben Priorität entwickelt werden.


Vom Problem zur benötigten Practice

Beobachtetes Problem Möglicherweise relevante Practices
Benutzer wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen. Service Desk, Service Catalogue Management
Incidents werden uneinheitlich bearbeitet. Incident Management, Knowledge Management
dieselben Störungen treten regelmäßig erneut auf Problem Management, Continual Improvement
Changes verursachen unerwartete Ausfälle Change Enablement, Service Configuration Management, Service Validation and Testing
technische Abhängigkeiten sind unbekannt Service Configuration Management, Architecture Management
Hardware und Lizenzen sind nicht nachvollziehbar IT Asset Management, Supplier Management
Monitoring erzeugt zu viele unbrauchbare Meldungen Monitoring and Event Management, Continual Improvement
Lieferanten werden bei Incidents zu spät eingebunden Supplier Management, Incident Management
Benutzer erhalten unverständliche Serviceinformationen Service Catalogue Management, Relationship Management
Kapazitätsprobleme werden erst nach Ausfällen erkannt Capacity and Performance Management, Monitoring and Event Management
Wiederherstellungen sind nicht ausreichend vorbereitet Service Continuity Management, Availability Management
Wissen befindet sich nur bei einzelnen Personen Knowledge Management, Workforce and Talent Management

Diese Zuordnung ist eine erste Orientierung.

Die tatsächliche Situation kann Beiträge mehrerer Practices und Kontextfaktoren erfordern.


Die sieben Guiding Principles zur Anpassung verwenden

Die Guiding Principles unterstützen die Entscheidung, wie ITIL angemessen übernommen wird.


Focus on value

Fragen:

Beispiel:

Ein neues Pflichtfeld im Ticketsystem ist nur sinnvoll, wenn die Information tatsächlich:

ermöglicht.


Start where you are

Fragen:

Eine Organisation sollte vorhandene Fähigkeiten nicht allein deshalb verwerfen, weil sie nicht mit offiziellen ITIL-Begriffen bezeichnet wurden.

Beispiel:

Ein kleines Team besitzt bereits:

Diese Bestandteile können weiterentwickelt werden, statt ein vollständig neues und komplexes Modell einzuführen.


Progress iteratively with feedback

Fragen:

Beispiel:

Statt sofort sämtliche Serviceprozesse neu zu gestalten, kann zunächst der Incident-Wertstrom eines besonders wichtigen Service verbessert werden.


Collaborate and promote visibility

Fragen:

Eine ITIL-Einführung, die ausschließlich innerhalb eines kleinen Prozess- oder Toolteams gestaltet wird, kann den tatsächlichen Arbeitsalltag verfehlen.


Think and work holistically

Fragen:

Beispiel:

Die Einführung eines Change-Prozesses beeinflusst möglicherweise:


Keep it simple and practical

Fragen:

Merke

Einfach bedeutet nicht unkontrolliert.

Einfach bedeutet zweckmäßig, verständlich und frei von unnötiger Komplexität.


Optimize and automate

Fragen:

Ein ungeeigneter Ablauf sollte nicht unverändert automatisiert werden.


Alle vier Dimensionen berücksichtigen

Die Anpassung einer Practice muss alle vier Dimensionen einbeziehen.


Organizations and People

Zu klären sind beispielsweise:

Beispiel:

Ein neuer Incident-Prozess kann fachlich gut beschrieben sein.

Er bleibt dennoch unwirksam, wenn:


Information and Technology

Zu klären sind beispielsweise:

Beispiel:

Eine Prioritätsmatrix funktioniert nur, wenn ausreichende Informationen über:

vorliegen.


Partners and Suppliers

Zu klären sind beispielsweise:

Beispiel:

Ein Incident-Prozess ist unvollständig, wenn ein kritischer Cloud-Provider beteiligt ist, aber:

festgelegt wurden.


Value Streams and Processes

Zu klären sind beispielsweise:

Die Anpassung sollte nicht nur einen isolierten Prozessschritt optimieren.

Sie sollte den gesamten Wertstrom berücksichtigen.


Practices an Wertströmen ausrichten

Practices besitzen einen bestimmten Zweck.

Wert entsteht jedoch durch das Zusammenwirken mehrerer Practices in konkreten Wertströmen.

Beispielwertstrom:

Benutzer nach einer Störung wieder arbeitsfähig machen

Möglicherweise beteiligt:

Die Organisation sollte deshalb nicht nur fragen:

Wie sieht unser Incident-Management-Prozess aus?

Zusätzlich sollte sie fragen:


Angemessene Rollen festlegen

ITIL nennt verschiedene mögliche Rollen.

Eine Organisation muss jedoch nicht für jede Rolle eine eigene Vollzeitstelle schaffen.

Kleine Organisation:

Eine Person kann mehrere Rollen übernehmen, beispielsweise:

Große Organisation:

Diese Verantwortlichkeiten können auf mehrere spezialisierte Rollen verteilt werden.

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Rollennamen.

Entscheidend ist, dass geklärt ist:

Wichtig

Eine Person kann mehrere Rollen besitzen.

Kritische Funktionstrennungen sowie gesetzliche und sicherheitsrelevante Anforderungen müssen trotzdem berücksichtigt werden.


Rollenbezeichnungen dürfen angepasst werden

Eine Organisation kann eigene Begriffe verwenden.

Beispiele:

ITIL-Begriff Mögliche interne Bezeichnung
Service Desk Helpdesk, IT-Support oder Benutzerbetreuung
Incident Störung
Service Request Standardanfrage oder Leistungsanforderung
Change Enablement Change Management oder Änderungssteuerung
Service Owner Serviceverantwortlicher
Supplier Management Lieferantensteuerung
Continual Improvement kontinuierliche Verbesserung oder Verbesserungsmanagement

Die interne Bezeichnung ist weniger wichtig als eine eindeutige Bedeutung.

Problematisch ist es, wenn derselbe Begriff in verschiedenen Teams unterschiedliche Bedeutungen besitzt.

Beispiel:

Das Wort „Problem“ kann im allgemeinen Sprachgebrauch jede Schwierigkeit bezeichnen.

Im ITIL-Kontext besitzt Problem Management einen bestimmten Zweck im Zusammenhang mit Ursachen oder möglichen Ursachen von Incidents.

Praxistipp

Erstelle ein kurzes internes Glossar für wichtige Begriffe.

Es muss verständlich erklären, wie die Organisation die Begriffe praktisch verwendet.


Dokumentationsumfang anpassen

Nicht jeder Vorgang benötigt dieselbe Dokumentation.

Der Umfang sollte sich richten nach:

Beispiel:

Einfache Standardanfrage

Kritischer Change

Grundsatz

Dokumentation muss eine Entscheidung, Ausführung, Kontrolle oder spätere Nutzung unterstützen.

Daten ohne erkennbaren Zweck sollten nicht nur aus Gewohnheit erhoben werden.


Kontrollen nach Risiko gestalten

Nicht jeder Vorgang benötigt dieselbe Kontrolle.

Beispielhafte Einteilung:

Situation Mögliche Behandlung
häufige, dokumentierte und risikoarme Standardtätigkeit vorab autorisierter und möglichst automatisierter Ablauf
normale Änderung mit überschaubarem Risiko angemessene Bewertung und Autorisierung
komplexe Änderung an kritischem Service vertiefte Risiko-, Abhängigkeits- und Rückfallprüfung
dringende Sicherheitsmaßnahme beschleunigtes Verfahren mit klarer Befugnis und nachgelagerter Kontrolle
strategische Veränderung Entscheidung durch entsprechend befugte Governance-Rollen

Die konkreten Kategorien und Entscheidungsbefugnisse werden von der Organisation festgelegt.

Typischer Fehler

Jede kleine Änderung durchläuft dieselben umfangreichen Freigaben wie eine hochriskante Änderung.

Dadurch entstehen unnötige Wartezeiten, ohne dass kritische Änderungen automatisch besser bewertet werden.


Priorisierung anpassen

ITIL schreibt keine universelle Prioritätsmatrix vor.

Eine Organisation kann Auswirkungen und Dringlichkeit als wichtige Kriterien verwenden.

Sie muss jedoch selbst festlegen:

Beispielhafte Faktoren:

Wichtig

Die lauteste Beschwerde darf nicht automatisch die höchste Priorität bestimmen.

Prioritäten sollten anhand nachvollziehbarer organisatorischer Kriterien festgelegt werden.


Servicekatalog angemessen gestalten

Ein Servicekatalog muss nicht jedes technische Detail enthalten.

Er sollte Informationen bereitstellen, die für die jeweilige Zielgruppe hilfreich sind.

Für Benutzer können relevant sein:

Für interne Teams können zusätzlich relevant sein:

Ein kleiner Betrieb kann mit einer übersichtlichen Serviceliste beginnen.

Ein großes Unternehmen benötigt möglicherweise mehrere Katalogansichten und umfangreichere Serviceinformationen.


Configuration Management angemessen gestalten

Service Configuration Management bedeutet nicht, jede Schraube und jedes Kabel als einzelnes Configuration Item zu erfassen.

Der benötigte Detaillierungsgrad sollte sich richten nach:

Geeignete Fragen:

Typischer Fehler

Eine sehr detaillierte CMDB wird aufgebaut, ohne zu klären, welche Entscheidungen sie unterstützen soll.

Die Daten veralten und verlieren dadurch ihren Nutzen.


Knowledge Management anpassen

Eine Wissensdatenbank muss nicht möglichst viele Artikel enthalten.

Sie sollte benötigtes Wissen:

bereitstellen.

Mögliche Wissensarten:

Eine kleine Organisation kann mit wenigen hochwertigen Artikeln für häufige und kritische Situationen beginnen.


Kennzahlen an Outcomes ausrichten

ITIL schreibt keine universellen Kennzahlen für jede Organisation vor.

Kennzahlen sollten zum Zweck der jeweiligen Practice und zum benötigten Outcome passen.

Beispiel Incident Management:

Mögliche Kennzahlen:

Nicht ausreichend ist häufig die alleinige Betrachtung von:

Beispiel Knowledge Management:

Nicht nur:

Wie viele Artikel wurden erstellt?

Sondern zusätzlich:

Merke

Eine leicht messbare Zahl ist nicht automatisch eine hilfreiche Steuerungsinformation.


Werkzeuge nach der Arbeitsweise auswählen

Ein Werkzeug sollte die benötigten Wertströme und Practices unterstützen.

Vor der Auswahl sollte geklärt sein:

Typischer Fehler

Die Organisation passt ihre gesamte Arbeitsweise an die Standardkonfiguration eines Werkzeugs an, obwohl diese nicht zu ihren Wertströmen und Risiken passt.

Gleichzeitig sollte eine unnötige Sonderkonfiguration vermieden werden.

Zu viele individuelle Anpassungen können:


Automatisierung angemessen einsetzen

Geeignete Automatisierungen können sein:

Vor der Automatisierung sollte geklärt sein:

Grundsatz

Standardisieren und optimieren, bevor automatisiert wird.

Notwendige menschliche Entscheidungen dürfen nicht unbemerkt durch ungeprüfte technische Regeln ersetzt werden.


Künstliche Intelligenz kontextgerecht einsetzen

KI kann ITIL-basierte Arbeitsweisen unterstützen, beispielsweise durch:

Der Umfang menschlicher Kontrolle muss sich nach dem möglichen Risiko richten.

Zu prüfen sind:

Beispiel:

Eine KI kann eine Ticketkategorie vorschlagen.

Die Organisation muss trotzdem regeln:


ITIL mit anderen Ansätzen kombinieren

ITIL muss nicht isoliert verwendet werden.

Es kann mit anderen Frameworks, Normen und Arbeitsweisen kombiniert werden.

Ansatz Möglicher Beitrag
Agile iterative Entwicklung, Feedback und Anpassungsfähigkeit
Scrum strukturierte Arbeit in Produktentwicklungsteams
Kanban Visualisierung und Verbesserung des Arbeitsflusses
DevOps Zusammenarbeit, Automatisierung und schnelle zuverlässige Bereitstellung
Lean Fluss verbessern und vermeidbare Arbeit reduzieren
COBIT Governance und Steuerung von Information und Technologie
ISO/IEC 20000 Anforderungen an ein Service-Management-System
ISO/IEC 27001 Anforderungen an ein Informationssicherheitsmanagementsystem
Projektmanagement zeitlich begrenzte Vorhaben planen und steuern
Enterprise Architecture Strukturen, Abhängigkeiten und Zielarchitekturen gestalten
Site Reliability Engineering Zuverlässigkeit, Automatisierung und messbare Betriebsziele
Business Continuity Management Fortführung kritischer Geschäftsaktivitäten vorbereiten

Die kombinierte Arbeitsweise sollte keine unnötigen parallelen Strukturen erzeugen.

Zu klären ist:


ITIL und agile Arbeitsweisen

ITIL und agile Arbeitsweisen schließen sich nicht aus.

Gemeinsame Grundgedanken können sein:

Mögliche Verbindung:

Typischer Fehler

Jeder agile Sprint wird durch zusätzliche schwerfällige Freigabeverfahren verzögert, obwohl automatisierte Tests, klare Entscheidungsrechte und risikoarme Standardänderungen vorhanden sind.

Ebenso problematisch ist:

Mit dem Hinweis auf Agilität werden notwendige Sicherheits-, Qualitäts- oder Governance-Kontrollen vollständig umgangen.


ITIL und DevOps

DevOps fördert die Zusammenarbeit von:

ITIL kann dazu beitragen:

Mögliche gemeinsame Umsetzung:


ITIL und ISO/IEC 20000

ITIL stellt anpassbare Best-Practice-Guidance bereit.

ISO/IEC 20000 enthält Anforderungen an ein Service-Management-System.

Vereinfacht:

ITIL ISO/IEC 20000
Best-Practice-Framework internationale Norm
anpassbare Guidance prüfbare Anforderungen
beschreibt Konzepte und Practices fordert ein wirksames Managementsystem
keine allgemeine Organisationszertifizierung durch ITIL Organisationen können sich im festgelegten Geltungsbereich zertifizieren lassen

Eine Organisation kann ITIL-Guidance verwenden, um ihr Service-Management-System zu gestalten.

Die Erfüllung einzelner ITIL-Empfehlungen beweist jedoch nicht automatisch die Konformität mit ISO/IEC 20000.


Nicht „ITIL-konform“ als allgemeines Ziel verwenden

ITIL ist ein anpassbares Framework und keine Norm mit einem universellen Organisationszertifikat.

Die Aussage:

Unsere Organisation ist vollständig ITIL-konform.

ist deshalb häufig unpräzise.

Besser ist eine konkrete Beschreibung:

Wichtig

Zertifizierte Personen, akkreditierte Schulungen oder bewertete Werkzeuge beweisen nicht automatisch die Wirksamkeit des gesamten Service Managements einer Organisation.


Kleine Organisationen

Eine kleine Organisation benötigt möglicherweise:

Nicht zwingend erforderlich sind:

Merke

Klein bedeutet nicht unprofessionell.

Auch einfache Arbeitsweisen können verlässlich, kontrolliert und nachvollziehbar sein.


Große oder regulierte Organisationen

Eine große oder regulierte Organisation benötigt möglicherweise:

Trotzdem sollte auch hier unnötige Komplexität vermieden werden.

Ein umfangreicher Ablauf ist nur dann gerechtfertigt, wenn er:


Managed Service Provider

Ein Managed Service Provider muss zusätzlich berücksichtigen:

Ein standardisierter interner Ablauf kann sinnvoll sein.

Er muss jedoch unterschiedliche Kundenanforderungen und Vertragsbedingungen berücksichtigen.

Beispiel:

Ein Incident derselben technischen Plattform kann für zwei Kunden unterschiedliche:

besitzen.


Cloud- und SaaS-Umgebungen

Bei Cloud-Services sollte die Anpassung unter anderem berücksichtigen:

Traditionelle Aufgaben können sich verändern.

Beispiel:

Die Organisation tauscht möglicherweise keine defekten physischen Server mehr selbst aus.

Sie bleibt jedoch verantwortlich für:


Öffentliche Verwaltung und regulierte Bereiche

Zusätzlich relevant können sein:

Diese Anforderungen dürfen nicht als unnötige Bürokratie entfernt werden.

Sie sollten jedoch so gestaltet werden, dass:


Praktische Vorgehensweise zur Anpassung

Die folgende Vorgehensweise ist eine redaktionelle Praxisempfehlung dieses Buches.

Sie ist keine verbindlich vorgeschriebene offizielle ITIL-Schrittfolge.


1. Ziele und Probleme bestimmen

Erfasse:

Ergebnis:

verständliche Beschreibung, warum eine Veränderung notwendig ist


2. Kritische Produkte und Services bestimmen

Fragen:

Ergebnis:

priorisierter Ausgangspunkt statt unkontrollierter Bearbeitung aller Bereiche


3. Tatsächliche Wertströme untersuchen

Beispiele:

Untersuche:


4. Benötigte Practices bestimmen

Fragen:


5. Aktuellen Zustand bewerten

Bewerte unter anderem:

Ergebnis:

realistische Baseline statt rein theoretischer Sollbeschreibung


6. Zielzustand bestimmen

Der Zielzustand sollte beschreiben:

Er muss nicht sofort den endgültigen Idealzustand darstellen.

Ein sinnvoller nächster Zustand kann ausreichend sein.


7. Kleinste wirksame Verbesserung auswählen

Beispiele:


8. Verantwortlichkeit und Governance klären

Bestimme:


9. Iterativ umsetzen

Verwende nach Möglichkeit:


10. Wirkung messen

Prüfe:


11. Ergebnisse verankern

Aktualisiere bei Bedarf:


12. Fortlaufend verbessern

Erfasse neue:

Anpassung ist keine einmalige Einführungsphase.

Sie bleibt Teil von Continual Improvement.


Minimum Viable Practice

Eine Organisation kann zunächst eine bewusst begrenzte, aber funktionsfähige Ausprägung einer Practice gestalten.

Eine solche erste Ausprägung sollte mindestens klären:

Beispiel: erste Incident-Management-Ausprägung

Später können ergänzt werden:

Wichtig

Eine minimale Practice darf nicht so stark reduziert sein, dass ihr grundlegender Zweck nicht mehr erfüllt wird.


Pilotierung

Ein Pilot kann helfen, eine angepasste Arbeitsweise zu prüfen.

Geeigneter Pilotumfang:

Vor dem Pilot sollten festgelegt werden:

Nach dem Pilot wird entschieden:


Organizational Change Management

Die Anpassung von ITIL verändert möglicherweise:

Technische Bereitstellung allein reicht deshalb nicht aus.

Zu berücksichtigen sind:

Typischer Fehler

Ein neuer Prozess wird veröffentlicht und die Organisation erwartet, dass alle Beteiligten ihn ab dem nächsten Tag korrekt anwenden.


Zwischen lokaler Verbesserung und Transformation unterscheiden

Nicht jede Anpassung benötigt ein großes Transformationsprogramm.

Lokale Verbesserung

Beispiele:

Practice-Verbesserung

Beispiele:

Wertstromverbesserung

Beispiele:

Transformation

Beispiele:

Der Umfang der Steuerung muss zur tatsächlichen Veränderung passen.


Reife nicht als Selbstzweck betrachten

Eine Organisation kann Practices und Fähigkeiten bewerten, um ihren aktuellen Zustand besser zu verstehen.

Ein höherer Reife- oder Fähigkeitsgrad ist jedoch nicht automatisch für jede Practice notwendig.

Fragen:

Beispiel:

Ein hochentwickeltes Service Configuration Management kann für eine komplexe, stark integrierte Umgebung wichtig sein.

Für eine sehr kleine und überschaubare Umgebung kann eine einfachere, aber zuverlässige Dokumentation ausreichend sein.


Typische Fehlanpassungen

Fehler 1: ITIL vollständig kopieren

Vorlagen und Prozesse werden unverändert übernommen, obwohl sie nicht zur Organisation passen.


Fehler 2: Nur Begriffe ändern

Alte Probleme bleiben bestehen, werden aber mit neuen ITIL-Bezeichnungen versehen.


Fehler 3: Mit dem Werkzeug beginnen

Das Tool bestimmt die Arbeitsweise, bevor Ziele und Wertströme verstanden wurden.


Fehler 4: Alle Practices gleichzeitig einführen

Ressourcen werden überlastet und keine Practice wird wirksam aufgebaut.


Fehler 5: Jede Practice als eigene Abteilung aufbauen

Unnötige Silos und Übergaben entstehen.


Fehler 6: Rollen ohne Befugnisse vergeben

Personen tragen Verantwortung, können aber nicht entscheiden oder Ressourcen erhalten.


Fehler 7: Jeden Vorgang gleich behandeln

Risikoarme und kritische Tätigkeiten durchlaufen identische Kontrollen.


Fehler 8: Dokumentationsmenge mit Qualität verwechseln

Viele Felder und Dokumente erzeugen keine bessere Entscheidung oder Nachvollziehbarkeit.


Fehler 9: Bestehende funktionierende Arbeitsweisen verwerfen

Wertvolles Wissen und bewährte Fähigkeiten gehen verloren.


Fehler 10: Nur interne Sicht verwenden

Benutzer, Kunden, Fachabteilungen und Lieferanten werden nicht ausreichend einbezogen.


Fehler 11: Prozessgrenzen mit Wertstromgrenzen verwechseln

Jedes Team optimiert seinen Abschnitt, aber niemand betrachtet das gesamte Outcome.


Fehler 12: Kontrollen ohne Zweck einführen

Jeder frühere Fehler führt zu einer zusätzlichen dauerhaften Genehmigung.


Fehler 13: Notwendige Kontrollen als Bürokratie entfernen

Sicherheits-, Datenschutz- oder Compliance-Anforderungen werden unzureichend behandelt.


Fehler 14: Kennzahlen ungeprüft übernehmen

Gemessen wird, was das Werkzeug standardmäßig anbietet, nicht was für Outcomes und Entscheidungen wichtig ist.


Fehler 15: Automatisierung als erstes Ziel verwenden

Ein ungeeigneter Ablauf wird schneller und schwerer veränderbar gemacht.


Fehler 16: Anpassung als einmalige Einführung betrachten

Nach dem Projekt werden Arbeitsweisen nicht mehr überprüft oder verbessert.


Fehler 17: „ITIL-konform“ statt wirksam arbeiten

Die Organisation konzentriert sich auf Begriffe und Formalitäten statt auf Outcomes, Risiken und Erfahrung.


Praxisbeispiel: Kleiner interner IT-Support

Ausgangslage

Angemessener erster Zielzustand

Noch nicht zwingend notwendig


Praxisbeispiel: Kritischer Produktionsservice

Ausgangslage

Möglicher Zielzustand

Hier ist ein höherer Kontroll- und Dokumentationsumfang angemessen.


Praxisbeispiel: Agile Softwareorganisation

Ausgangslage

Mögliche Anpassung

Merke

Häufige Änderungen benötigen nicht automatisch weniger Kontrolle.

Sie benötigen häufig stärker automatisierte, risikogerechte und schneller wirksame Kontrollen.


Praxisbeispiel: Cloud-Service

Ausgangslage

Angepasste Practices

Die Verantwortung verschiebt sich.

Sie verschwindet nicht.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker arbeiten häufig an der konkreten Umsetzung angepasster Practices.

Mögliche Beiträge:

Hilfreiche Fragen im Arbeitsalltag:


30-Sekunden-Prüfung einer ITIL-Anpassung

  1. Ziel: Welches Problem oder Outcome steht im Mittelpunkt?
  2. Ausgangslage: Was funktioniert bereits?
  3. Kontext: Welche Risiken, Vorgaben und Fähigkeiten bestehen?
  4. Wertstrom: Wie gelangt die Arbeit vom Bedarf zum Ergebnis?
  5. Practices: Welche Fähigkeiten werden tatsächlich benötigt?
  6. Dimensionen: Wurden Menschen, Technologie, Partner und Arbeitsfluss betrachtet?
  7. Einfachheit: Ist jeder Schritt notwendig?
  8. Governance: Sind Verantwortung und Befugnisse eindeutig?
  9. Messung: Woran erkennen wir Wirksamkeit?
  10. Verbesserung: Wie wird Feedback genutzt?

Checkliste vor der Anpassung


Checkliste zur Gestaltung


Checkliste zur Einführung


Checkliste zur Wirksamkeitsprüfung


Checkliste gegen unnötige Bürokratie


Schnellreferenz

Frage Bedeutung für die Anpassung
Was soll verbessert werden? Ziel und Outcome bestimmen
Was funktioniert bereits? vorhandene Fähigkeiten erhalten
Welcher Kontext gilt? Risiken, Vorgaben und Ressourcen berücksichtigen
Welcher Wertstrom ist betroffen? Ende-zu-Ende-Arbeit untersuchen
Welche Practices werden benötigt? passende organisatorische Fähigkeiten auswählen
Wie umfangreich muss die Lösung sein? Aufwand an Risiko und Nutzen ausrichten
Wer entscheidet und verantwortet? Governance und Rollen klären
Welche Informationen werden benötigt? Daten und Dokumentation zweckmäßig gestalten
Welche Werkzeuge unterstützen? Technik nach der Arbeitsweise auswählen
Wie wird Erfolg geprüft? Outcomes und geeignete Messgrößen verwenden
Was lernen wir daraus? Continual Improvement verankern

Zusammenfassende Darstellung

Ziele, Bedürfnisse, Risiken und Vorgaben verstehen

aktuelle Produkte, Services und Wertströme untersuchen

vorhandene Fähigkeiten und funktionierende Arbeitsweisen berücksichtigen

benötigte Management Practices auswählen

Rollen · Informationen · Prozesse · Technologie · Lieferanten anpassen

klein und risikogerecht beginnen

Ergebnisse und Stakeholder-Erfahrung messen

Arbeitsweise verankern und kontinuierlich verbessern


Abschluss des Kapitels

Die wichtigsten Bestandteile des ITIL-Frameworks wurden in diesem Kapitel behandelt:

Diese Bestandteile sollten nicht isoliert verwendet werden.

Sie bilden gemeinsam einen Orientierungsrahmen für professionelles digitales Produkt- und Service-Management.

Kernaussage des Kapitels

ITIL liefert keine fertige Organisation.

ITIL hilft einer Organisation, ihre eigenen Produkte, Services, Wertströme, Practices und Entscheidungen wirksamer zu gestalten.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Offiziell bestätigter Stand

Die offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Einordnung

Die auf dieser Seite dargestellte praktische Vorgehensweise mit zwölf Schritten, die Checklisten, Beispiele, Tabellen und die Bezeichnung Minimum Viable Practice sind redaktionelle Praxisempfehlungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtliche offizielle ITIL-Implementierungsmethode und keine vorgeschriebene Reihenfolge dar.

Konkrete:

müssen von der jeweiligen Organisation anhand ihrer Ziele, Risiken, Fähigkeiten und verbindlichen Vorgaben festgelegt werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026