11.1 Ziele und Grundlagen des Service Configuration Management

Kurz erklärt

Service Configuration Management sorgt dafür, dass Informationen über IT-Services und deren Bestandteile vollständig, aktuell und nachvollziehbar verwaltet werden.

Dazu gehören unter anderem Server, Clients, Netzwerkgeräte, Anwendungen, Cloud-Ressourcen, Dokumentationen und ihre gegenseitigen Beziehungen.

Ziel ist es, jederzeit zu wissen, welche Komponenten existieren, wie sie zusammenhängen und welche Auswirkungen Änderungen oder Störungen haben.


Was ist Service Configuration Management?

Service Configuration Management ist eine ITIL Practice zur Verwaltung von Informationen über Services und deren Bestandteile.

Dabei werden nicht die Geräte selbst verwaltet,

sondern die Informationen über diese Objekte.

Beispiele:

Alle diese Objekte können Bestandteil eines IT-Services sein.


Warum Service Configuration Management wichtig ist

In modernen IT-Umgebungen existieren oft tausende oder sogar zehntausende Komponenten.

Ohne eine strukturierte Verwaltung entstehen schnell Fragen wie:

Service Configuration Management beantwortet genau diese Fragen.


Ziele des Service Configuration Management

Die wichtigsten Ziele sind:


Was ist ein Configuration Item (CI)?

Ein Configuration Item (CI) ist jedes Objekt,

das für die Bereitstellung oder Verwaltung eines IT-Services relevant ist.

Ein CI kann beispielsweise sein:

Nicht jedes Inventarobjekt muss automatisch ein CI sein.

Entscheidend ist die Bedeutung für den Service.


Beispiele für Configuration Items

Kategorie Beispiele
Hardware Server, Notebook, Switch
Software Betriebssystem, ERP, Datenbank
Netzwerk Router, Firewall, VLAN
Cloud virtuelle Maschine, Storage, Load Balancer
Dokumentation Runbook, Architekturdiagramm
Service E-Mail, VPN, Fileserver
Verträge SLA, Wartungsvertrag

Nicht jedes Objekt ist ein CI

Ein einzelnes Netzwerkkabel oder eine Computermaus wird häufig inventarisiert,

aber nicht unbedingt als Configuration Item verwaltet.

Dagegen besitzen folgende Objekte meist einen direkten Einfluss auf Services:

Diese werden häufig als CIs geführt.


Was wird über ein CI gespeichert?

Je nach Organisation können unterschiedliche Informationen gespeichert werden.

Typische Angaben:

Je kritischer das CI,

desto umfangreicher sind häufig die gespeicherten Informationen.


Der Lebenszyklus eines Configuration Items

Ein CI durchläuft mehrere Phasen.

Beispiel:

Geplant
    │
    ▼
Beschafft
    │
    ▼
Installiert
    │
    ▼
In Betrieb
    │
    ▼
Geändert
    │
    ▼
Außer Betrieb
    │
    ▼
Entsorgt

Alle relevanten Änderungen sollten dokumentiert werden.


Status eines Configuration Items

Typische Status:

Der aktuelle Status erleichtert den Überblick.


Beziehungen zwischen Configuration Items

Ein großer Vorteil des Service Configuration Managements besteht darin,

dass Beziehungen dokumentiert werden.

Beispiel:

Online-Shop
      │
      ├── Webserver
      │      │
      │      └── Betriebssystem
      │
      ├── Datenbank
      │
      ├── Storage
      │
      └── Firewall

Dadurch wird sichtbar,

welche Komponenten voneinander abhängig sind.


Warum Beziehungen wichtig sind

Fällt eine Datenbank aus,

kann dies Auswirkungen haben auf:

Durch dokumentierte Beziehungen lassen sich Auswirkungen deutlich schneller erkennen.


Service statt Einzelgerät

ITIL betrachtet nicht einzelne Geräte,

sondern den gesamten Service.

Ein Benutzer interessiert sich beispielsweise nicht dafür,

welcher Server ausgefallen ist.

Wichtig ist für ihn,

ob der E-Mail-Service funktioniert.

Service Configuration Management verbindet technische Komponenten mit den bereitgestellten Services.


Service Maps

Service Maps zeigen grafisch,

welche Configuration Items zu einem Service gehören.

Beispiel:

VPN-Service
      │
      ├── Firewall
      ├── VPN-Gateway
      ├── Active Directory
      ├── DNS
      └── Zertifikate

Dadurch lassen sich Störungen und Änderungen schneller bewerten.


Warum aktuelle Daten wichtig sind

Veraltete Informationen führen häufig zu:

Deshalb müssen Configuration-Daten regelmäßig gepflegt werden.


Praxisbeispiel

Ein Webserver fällt aus.

Durch Service Configuration Management erkennt die IT sofort,

dass betroffen sind:

Dadurch kann die Priorität schneller bestimmt und der Incident gezielt bearbeitet werden.


Typische Fehler

Fehler 1

Configuration Items sind nicht aktuell.


Fehler 2

Beziehungen fehlen.


Fehler 3

Services sind nicht dokumentiert.


Fehler 4

Änderungen werden nicht nachgetragen.


Fehler 5

Verantwortlichkeiten sind unklar.


Fehler 6

Zu viele unwichtige Objekte werden als CIs verwaltet.


Fehler 7

Service Maps fehlen.


Fehler 8

Configuration Management wird nur als Inventarliste genutzt.


Checkliste Configuration Items


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker arbeiten regelmäßig mit Configuration Items.

Typische Aufgaben:

Eine gepflegte Configuration-Datenbasis erleichtert nahezu alle Bereiche des IT-Service-Managements.


Zusammenfassung

Service identifizieren

Configuration Items erfassen

Beziehungen dokumentieren

Status aktuell halten

Änderungen nachführen

Informationen für Incident, Problem und Change Management bereitstellen


Merksätze

Service Configuration Management verwaltet Informationen – nicht die Hardware selbst.

Ein Configuration Item ist jedes für einen Service relevante Objekt.

Beziehungen zwischen Configuration Items sind oft wichtiger als die einzelnen Komponenten.

Aktuelle Configuration-Daten beschleunigen Incident- und Change-Prozesse.

Gute Service Maps erhöhen die Transparenz komplexer IT-Umgebungen.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die dargestellten Beispiele und Vorgehensweisen orientieren sich an der ITIL Practice „Service Configuration Management“. Welche Objekte als Configuration Items geführt werden und welche Informationen gespeichert werden, richtet sich nach Größe, Komplexität und Anforderungen der jeweiligen Organisation.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 2 August 2026 21:14:16 by Admin
Updated 2 August 2026 21:14:26 by Admin