11.2 Configuration Items, Attribute und Beziehungen Kurz erklärt Ein Configuration Item (CI) besteht nicht nur aus einem Namen. Erst durch seine Eigenschaften (Attribute) und seine Beziehungen zu anderen Configuration Items entsteht ein vollständiges Bild eines IT-Services. Ziel ist es, jederzeit nachvollziehen zu können, welche Komponenten existieren, welche Informationen darüber bekannt sind und wie sie miteinander verbunden sind. Aufbau eines Configuration Items Jedes Configuration Item besitzt eine Reihe von Informationen, die seinen aktuellen Zustand beschreiben. Typische Bestandteile: eindeutige CI-ID Name Typ Beschreibung aktueller Status Verantwortlicher Standort Version Beziehungen Dokumentation Je kritischer ein CI ist, desto umfangreicher sind häufig die gespeicherten Informationen. Was sind Attribute? Attribute sind Eigenschaften eines Configuration Items. Sie beschreiben das CI genauer. Beispiele: Hersteller Modell Seriennummer Betriebssystem IP-Adresse MAC-Adresse Firmware-Version Standort Kostenstelle Besitzer Supportgruppe Installationsdatum Nicht jedes CI benötigt dieselben Attribute. Beispiel: Server als Configuration Item Attribut Beispiel CI-ID SRV-00125 Name APP-SRV-01 Typ Virtueller Server Betriebssystem Windows Server 2025 IP-Adresse 10.20.5.15 Standort Rechenzentrum Berlin Status Produktiv Verantwortlich Windows-Team Service ERP-System Diese Informationen erleichtern die Verwaltung erheblich. Beispiel: Netzwerk-Switch Ein Switch kann unter anderem folgende Attribute besitzen: Hersteller Modell Seriennummer Management-IP Firmware-Version Rackposition VLANs Standort Verantwortlicher Wartungsvertrag Dadurch lassen sich Wartung und Fehleranalyse vereinfachen. Pflicht- und optionale Attribute Nicht alle Informationen sind immer erforderlich. Beispiel: Pflichtattribute: CI-ID Name Typ Status Verantwortlicher Optionale Attribute: Kaufdatum Garantie Lieferant Kosten interne Bemerkungen Die Organisation legt selbst fest, welche Angaben verpflichtend sind. Eindeutige Identifikation Jedes Configuration Item sollte eindeutig identifizierbar sein. Geeignet sind beispielsweise: interne CI-ID, Asset-Nummer, Seriennummer, eindeutiger Hostname. Mehrdeutige Bezeichnungen erschweren den Betrieb. Beziehungen zwischen Configuration Items Einzelne Configuration Items bilden selten einen vollständigen Service. Erst ihre Beziehungen machen Zusammenhänge sichtbar. Beispiele: läuft auf verwendet verbindet gehört zu schützt repliziert sichert kommuniziert mit ist Bestandteil von Diese Beziehungen ermöglichen eine deutlich bessere Auswirkungsanalyse. Beispiel einer Beziehung Online-Shop │ ▼ Webserver │ ▼ Datenbank │ ▼ Storage Fällt das Storage-System aus, kann die gesamte Anwendung betroffen sein. Arten von Beziehungen Typische Beziehungstypen: Beziehung Beispiel läuft auf Anwendung → Server verwendet Anwendung → Datenbank verbindet Switch → Server schützt Firewall → Netzwerk repliziert Datenbank → Datenbank enthält Service → Anwendung sichert Backup → Server Je genauer Beziehungen dokumentiert sind, desto einfacher lassen sich Auswirkungen erkennen. Service und Configuration Items Ein Service besteht meist aus mehreren Configuration Items. Beispiel: E-Mail-Service │ ├── Mailserver ├── Datenbank ├── Storage ├── DNS ├── Firewall ├── Active Directory └── Zertifikate Der Service ist mehr als die Summe seiner technischen Komponenten. Auswirkungsanalyse (Impact Analysis) Beziehungen ermöglichen eine schnelle Bewertung von Auswirkungen. Beispiel: Vor einem geplanten Change soll ein Server neu gestartet werden. Durch die dokumentierten Beziehungen erkennt die IT sofort: Betroffen sind: ERP-System Zeiterfassung Produktionsplanung Dadurch kann das Wartungsfenster besser geplant werden. Root Cause Analysis unterstützen Auch bei Störungen helfen Beziehungen. Beispiel: Monitoring meldet: Webserver nicht erreichbar API nicht erreichbar Kundenportal nicht erreichbar Die Beziehungen zeigen, dass alle Systeme dieselbe Datenbank verwenden. Die eigentliche Ursache liegt vermutlich dort. Versionen dokumentieren Viele Configuration Items besitzen unterschiedliche Versionen. Beispiele: Betriebssystem Firmware BIOS Datenbank Anwendung API Container-Image Versionen erleichtern: Fehleranalyse, Sicherheitsupdates, Patchmanagement, Audits. Eigentümer und Verantwortliche Ein Configuration Item sollte einen fachlichen oder technischen Verantwortlichen besitzen. Beispiele: Windows-Team Linux-Team Netzwerk-Team Datenbankadministration Cloud-Team Fachbereich Dadurch ist klar, wer Änderungen oder Entscheidungen verantwortet. Status eines Configuration Items Typische Statuswerte: geplant Test produktiv Wartung außer Betrieb archiviert entfernt Der Status sollte jederzeit aktuell sein. Dokumentationen verknüpfen Zu einem CI können verschiedene Dokumente gehören. Beispiele: Installationsanleitung Architekturdiagramm Runbook Wartungsvertrag Lizenznachweis Sicherheitsrichtlinie Notfallhandbuch Diese Informationen sollten möglichst direkt mit dem CI verknüpft sein. Automatische Aktualisierung Viele Attribute können automatisch gepflegt werden. Beispiele: Betriebssystemversion IP-Adresse Speichergröße CPU installierte Software Firmware-Version Seriennummer Dadurch steigt die Datenqualität. Praxisbeispiel Ein Administrator plant, die Firmware einer Firewall zu aktualisieren. Durch die Beziehungen erkennt er, dass betroffen sind: VPN Internetzugang E-Mail Webserver Cloud-Anbindung Das Wartungsfenster wird entsprechend geplant. Typische Fehler Fehler 1 Configuration Items besitzen keine eindeutige ID. Fehler 2 Attribute sind unvollständig. Fehler 3 Beziehungen fehlen. Fehler 4 Verantwortliche sind nicht dokumentiert. Fehler 5 Versionen werden nicht aktualisiert. Fehler 6 Dokumentationen sind nicht verknüpft. Fehler 7 Status stimmt nicht mit der Realität überein. Fehler 8 Zu viele irrelevante Attribute werden gepflegt. Checkliste Configuration Items eindeutige CI-ID vorhanden Attribute vollständig Verantwortlicher dokumentiert Status aktuell Version gepflegt Beziehungen vorhanden Dokumentationen verknüpft regelmäßige Aktualisierung geplant Checkliste Beziehungen abhängige Systeme dokumentiert Servicezuordnung vorhanden Netzwerkbeziehungen gepflegt Datenbanken verknüpft Cloud-Ressourcen berücksichtigt Änderungen nachgeführt Auswirkungen nachvollziehbar Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration Fachinformatiker pflegen Configuration Items häufig direkt im Arbeitsalltag. Typische Aufgaben: neue Systeme erfassen, Attribute ergänzen, Beziehungen dokumentieren, Versionen aktualisieren, Verantwortlichkeiten pflegen, Dokumentationen verknüpfen, Auswirkungen von Changes bewerten. Je vollständiger die Configuration-Daten sind, desto einfacher werden Incident-, Problem- und Change-Prozesse. Zusammenfassung Configuration Item erfassen ↓ Attribute ergänzen ↓ Beziehungen dokumentieren ↓ Verantwortlichkeiten festlegen ↓ Status aktuell halten ↓ Informationen für andere ITIL Practices bereitstellen Merksätze Ein Configuration Item besteht aus mehr als seinem Namen. Attribute beschreiben ein CI – Beziehungen verbinden mehrere CIs. Beziehungen sind entscheidend für Impact- und Ursachenanalysen. Aktuelle Attribute erhöhen die Qualität der CMDB. Gute Configuration-Daten erleichtern nahezu alle ITIL Practices. Verwandte Seiten 11.1 Ziele und Grundlagen des Service Configuration Management 11.3 CMDB und Configuration Management System (CMS) 11.4 Pflege, Discovery und Datenqualität 11.5 Zusammenspiel mit Incident, Problem, Change und Monitoring Change Enablement Incident Management Monitoring and Event Management Quellen und Versionsstand Offizielle Grundlagen PeopleCert – ITIL Practice Guide: Service Configuration Management ITIL Foundation – Version 5 Einordnung Die dargestellten Attribute, Beziehungstypen und Beispiele orientieren sich an der ITIL Practice „Service Configuration Management“. Welche Attribute gespeichert und welche Beziehungstypen verwendet werden, hängt von den Anforderungen und dem Datenmodell der jeweiligen Organisation ab. Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5 Zusätzlich berücksichtigt: aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance Fachlicher Stand: August 2026