2.4 Governance und Verantwortlichkeit

Kurz erklärt

Governance beschreibt, wie eine Organisation gelenkt und kontrolliert wird.

Sie sorgt dafür, dass:

  • Ziele und Prioritäten festgelegt werden,
  • Entscheidungen innerhalb klarer Rahmenbedingungen getroffen werden,
  • Verantwortlichkeiten eindeutig sind,
  • Risiken angemessen behandelt werden,
  • verbindliche Vorgaben eingehalten werden,
  • und die tatsächlichen Ergebnisse überwacht werden.

Im ITIL Value System wird Governance durch drei grundlegende Aktivitäten verwirklicht:

  1. Evaluate – bewerten
  2. Direct – Richtung vorgeben
  3. Monitor – überwachen

Warum Governance notwendig ist

Digitale Produkte und Services beeinflussen heute häufig:

Technische Entscheidungen können deshalb weitreichende organisatorische Folgen besitzen.

Beispiele:

Ohne klare Governance können unter anderem folgende Probleme entstehen:

Merke

Governance soll nicht jede technische Einzelentscheidung zentralisieren.

Sie schafft den Rahmen, innerhalb dessen angemessene Entscheidungen getroffen und kontrolliert werden können.


Governance im ITIL Value System

Governance ist einer der fünf Bestandteile des ITIL Value Systems.

Das Value System verbindet:

Governance stellt dabei sicher, dass die Tätigkeiten der Organisation:

Governance wirkt damit auf:

Wichtig

Governance ist kein einzelner Prozess und keine einzelne Management Practice.

Sie ist ein übergreifender Bestandteil des gesamten ITIL Value Systems.


Die drei Governance-Aktivitäten

Governance wird durch drei grundlegende Aktivitäten verwirklicht:

Aktivität Bedeutung Zentrale Frage
Evaluate Bedürfnisse, Optionen, Leistung, Risiken und Rahmenbedingungen bewerten Was ist notwendig und welche Entscheidung ist angemessen?
Direct Richtung, Prioritäten, Grundsätze und Entscheidungsrahmen vorgeben Was soll erreicht werden und innerhalb welcher Grenzen?
Monitor Leistung, Ergebnisse, Risiken und Einhaltung überwachen Erreichen wir die Ziele und werden die Vorgaben eingehalten?

Diese Aktivitäten sind miteinander verbunden.

Die Ergebnisse des Monitorings können eine erneute Bewertung auslösen.

Aus einer neuen Bewertung können wiederum geänderte Vorgaben oder Prioritäten entstehen.

Vereinfachter Kreislauf

Evaluate

Direct

Monitor

neue Erkenntnisse

erneut Evaluate


Evaluate – bewerten

Bei Evaluate werden die aktuelle Situation, Bedürfnisse, Möglichkeiten und Risiken untersucht.

Mögliche Bewertungsgegenstände sind:

Beispiel:

Eine Organisation prüft, ob eine zentrale Cloud-Plattform eingeführt werden soll.

Bei der Bewertung können unter anderem folgende Fragen relevant sein:

Typischer Fehler

Eine Entscheidung wird ausschließlich anhand des Anschaffungspreises oder einzelner technischer Funktionen bewertet.

Betrieb, Support, Integration, Sicherheit, Abhängigkeiten und spätere Ablösung werden nicht berücksichtigt.


Evaluate bedeutet nicht nur einmalig prüfen

Bewertung findet nicht ausschließlich vor einer Einführung statt.

Eine erneute Bewertung kann notwendig sein, wenn:

Beispiel:

Eine Anwendung wurde ursprünglich nur für eine kleine interne Abteilung eingeführt.

Später wird sie für einen unternehmenskritischen Prozess eingesetzt.

Dadurch können sich ändern:

Die ursprüngliche Bewertung reicht dann möglicherweise nicht mehr aus.


Direct – Richtung vorgeben

Bei Direct werden Richtung, Prioritäten und Rahmenbedingungen vorgegeben.

Dies kann beispielsweise erfolgen durch:

Beispiele:

Governance gibt dabei normalerweise nicht jeden technischen Einzelschritt vor.

Beispiel:

Governance kann festlegen:

Administrative Zugriffe müssen mit einer starken Mehrfaktor-Authentifizierung geschützt werden.

Das zuständige Management und die Fachteams bestimmen anschließend:


Richtung und Grenzen

Eine gute Governance-Vorgabe beantwortet möglichst:

Unklare Vorgabe:

Systeme müssen sicher sein.

Präzisere Vorgabe:

Kritische Systeme müssen entsprechend der festgelegten Schutzbedarfs- und Risikobewertung abgesichert, überwacht und regelmäßig auf die Wirksamkeit ihrer Kontrollen geprüft werden.

Die konkrete technische Umsetzung wird anschließend durch zuständige Fachkräfte und Management Practices gestaltet.


Monitor – überwachen

Bei Monitor wird geprüft, ob:

Monitoring im Governance-Kontext bedeutet mehr als technische Überwachung.

Es kann unter anderem umfassen:

Beispiel:

Eine Organisation verlangt regelmäßige Wiederherstellungstests.

Governance-Monitoring prüft nicht nur, ob ein Testtermin im Kalender stand.

Es prüft beispielsweise:

Merke

Aktivität ist nicht automatisch Wirksamkeit.

Ein ausgefülltes Kontrollformular beweist noch nicht, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wurde.


Governance und Management unterscheiden

Governance und Management sind eng miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Governance Management
bewertet Bedürfnisse, Erwartungen und Rahmenbedingungen plant und organisiert die praktische Umsetzung
gibt Richtung und Grenzen vor weist Ressourcen und Aufgaben zu
legt Verantwortlichkeit und Entscheidungsbefugnisse fest koordiniert Teams, Practices und Arbeitsabläufe
überwacht Outcomes, Risiken und Regelkonformität überwacht die laufende Ausführung
entscheidet über grundlegende Prioritäten trifft operative und taktische Entscheidungen innerhalb des Rahmens
stellt Rechenschaftspflicht sicher liefert Ergebnisse und berichtet darüber

Vereinfacht:

Governance

Bestimmt, was erreicht und kontrolliert werden muss.

Management

Organisiert, wie dies innerhalb des vorgegebenen Rahmens umgesetzt wird.

Diese Trennung bedeutet nicht, dass Governance nur die Unternehmensleitung betrifft.

Auch nachgelagerte Gremien oder Rollen können delegierte Governance-Aufgaben wahrnehmen.

Die grundlegende Rechenschaftspflicht muss jedoch eindeutig bleiben.


Beispiel: Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung

Governance

Management

Technische Umsetzung

Alle drei Ebenen sind notwendig.

Eine technisch erfolgreiche Konfiguration allein beweist noch nicht, dass:


Verantwortung und Verantwortlichkeit

Im Deutschen wird der Begriff Verantwortung häufig für unterschiedliche Sachverhalte verwendet.

Für eine klare Rollenverteilung ist die Unterscheidung hilfreich zwischen:

Begriff Bedeutung
Ausführungsverantwortung eine Person oder Rolle führt eine Aufgabe aus
Entscheidungsverantwortung eine Person oder Rolle besitzt die Befugnis, eine Entscheidung zu treffen
Ergebnisverantwortung eine Person oder Rolle steht für das erreichte Ergebnis ein
Rechenschaftspflicht eine Person oder ein Gremium muss Entscheidungen und Ergebnisse erklären und vertreten
Beratung Fachwissen wird eingebracht, ohne selbst die endgültige Entscheidung zu treffen
Informationsbedarf eine Person oder Rolle muss über Entscheidung oder Ergebnis informiert werden

Eine Person kann eine Aufgabe ausführen, ohne die endgültige Entscheidungs- oder Ergebnisverantwortung zu besitzen.

Beispiel:

Ein Systemadministrator setzt eine freigegebene Firewall-Regel um.

Typischer Fehler

Die Person, die eine technische Änderung ausführt, wird automatisch für sämtliche geschäftlichen, rechtlichen und organisatorischen Entscheidungen verantwortlich gemacht.


Verantwortung muss eindeutig sein

Bei wichtigen Produkten, Services und Entscheidungen sollte erkennbar sein:

Unklare Verantwortung kann zu folgenden Situationen führen:

Praxistipp

Kann bei einer kritischen Aufgabe niemand eindeutig benennen, wer entscheidet und wer für das Ergebnis einsteht, besteht ein Governance- und Verantwortlichkeitsproblem.


Delegation und Rechenschaftspflicht

Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse können delegiert werden.

Eine sinnvolle Delegation benötigt:

Beispiel:

Ein Betriebsteam darf bestimmte dokumentierte Standardänderungen selbstständig durchführen.

Die Delegation kann festlegen:

Wichtig

Delegation bedeutet nicht, dass keine Kontrolle mehr erforderlich ist.

Sie soll Entscheidungen dort ermöglichen, wo ausreichendes Wissen vorhanden ist und das Risiko angemessen beherrscht werden kann.


Entscheidungsbefugnisse

Entscheidungsbefugnisse sollten zum Risiko und zur Bedeutung einer Entscheidung passen.

Mögliche Entscheidungsbereiche sind:

Eine Entscheidungsbefugnis sollte möglichst beantworten:

Beispiel:

Ein Administrator darf einen abgestürzten Dienst nach einer dokumentierten Arbeitsanweisung neu starten.

Er darf möglicherweise nicht ohne zusätzliche Autorisierung:


Autorisierung nach Risiko und Kontext

Nicht jede Entscheidung benötigt denselben Freigabeumfang.

Situation Mögliche Behandlung
häufige, dokumentierte und risikoarme Standardtätigkeit delegierte oder vorab autorisierte Ausführung
normale Änderung mit überschaubarem Risiko Bewertung und Autorisierung durch zuständige Rolle
komplexe Änderung an kritischem Service erweiterte fachliche, technische und geschäftliche Bewertung
dringende Sicherheitsmaßnahme beschleunigtes Verfahren mit klarer Befugnis und nachträglicher Kontrolle
grundlegende strategische Änderung Entscheidung durch entsprechend befugtes Governance-Gremium

Die konkrete Organisation legt fest:

Typischer Fehler

Jede Änderung muss dieselben umfangreichen Genehmigungsstufen durchlaufen.

Dadurch werden risikoarme Tätigkeiten unnötig verzögert, während kritische Entscheidungen möglicherweise trotzdem nicht ausreichend fachlich bewertet werden.


Governance ist mehr als Genehmigung

Governance wird häufig fälschlich auf Freigaben reduziert.

Eine Freigabe beantwortet lediglich eine begrenzte Frage:

Darf diese konkrete Handlung innerhalb des festgelegten Rahmens durchgeführt werden?

Governance umfasst zusätzlich:

Ein Change kann formal genehmigt sein und dennoch schlecht gesteuert werden, wenn:


Richtlinien, Standards und Arbeitsanweisungen unterscheiden

Governance-Vorgaben können auf unterschiedlichen Ebenen konkretisiert werden.

Dokumentenart Zweck Beispiel
Grundsatz oder Policy legt Ziel, Richtung und verbindliche Erwartungen fest administrative Zugriffe müssen angemessen geschützt werden
Standard legt verbindliche einheitliche Anforderungen fest zugelassene MFA-Verfahren und Mindestanforderungen
Prozess oder Ablauf beschreibt zusammenhängende Aktivitäten und Verantwortlichkeiten Beantragung und Freigabe eines administrativen Zugriffs
Verfahren beschreibt eine festgelegte Vorgehensweise Registrierung eines neuen MFA-Geräts
Arbeitsanweisung beschreibt konkrete Ausführungsschritte Menü- und Konfigurationsschritte im Identitätssystem
Checkliste unterstützt die Kontrolle wichtiger Punkte Prüfung eines neuen administrativen Kontos

Nicht jede Organisation verwendet exakt diese Bezeichnungen.

Entscheidend ist, dass:

eindeutig sind.


Beispiel: Backup-Governance

Governance-Vorgabe

Geschäftskritische Daten und Systeme müssen entsprechend ihrer Kritikalität gesichert und innerhalb definierter Ziele wiederhergestellt werden können.

Mögliche Standards

Management

Technische Umsetzung

Governance-Monitoring


Risikobereitschaft und Risikotoleranz

Governance legt fest, welche Risiken:

werden.

Die Organisation kann dafür Risikogrenzen definieren.

Beispiele:

Ein technisches Team sollte verbleibende erhebliche Risiken nicht ohne entsprechende Befugnis selbst akzeptieren.

Beispiel:

Ein Administrator stellt fest, dass ein veraltetes System keine Sicherheitsupdates mehr erhält.

Er kann:

Die Entscheidung, ein erhebliches Restrisiko langfristig zu akzeptieren, benötigt eine entsprechend befugte Rolle.

Merke

Risikoanalyse kann durch Fachkräfte erfolgen.

Risikoakzeptanz muss durch eine dafür autorisierte Stelle erfolgen.


Kontrollen

Eine Kontrolle soll ein Risiko reduzieren, eine Vorgabe sicherstellen oder eine Abweichung erkennbar machen.

Kontrollen können sein:

Kontrollart Beispiel
Vorbeugend MFA verhindert Anmeldung nur mit Kennwort
Erkennend Monitoring erkennt abgelaufenes Zertifikat
Korrigierend dokumentiertes Wiederherstellungsverfahren
Manuell Vier-Augen-Prüfung einer kritischen Änderung
Automatisiert Richtlinie blockiert unsichere Konfiguration
Organisatorisch Funktionstrennung zwischen Beantragung und Genehmigung

Eine Kontrolle sollte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bewertet werden.

Fragen dazu:


Messgrößen und Governance

Governance benötigt Informationen, um Leistung und Risiken bewerten zu können.

Kennzahlen sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden.

Beispiel:

98 Prozent aller Tickets wurden innerhalb der Zielzeit geschlossen.

Diese Zahl beantwortet nicht automatisch:

Geeignete Governance-Informationen können umfassen:

Typischer Fehler

Eine einzelne leicht messbare Kennzahl wird zum alleinigen Steuerungsziel.

Mitarbeiter optimieren anschließend die Kennzahl, ohne den tatsächlichen Wert zu verbessern.


Verantwortlichkeit für Produkte und Services

Für wichtige Produkte und Services sollten Verantwortlichkeiten geklärt sein.

Mögliche Rollen können sein:

ITIL schreibt nicht für jede Organisation dieselben Rollenbezeichnungen oder Organisationsstrukturen vor.

Entscheidend ist, dass folgende Fragen beantwortet werden:

Wichtig

Eine Rollenbezeichnung allein schafft noch keine wirksame Verantwortung.

Die Rolle benötigt Befugnisse, Informationen, Fähigkeiten und Ressourcen.


Service Owner und technische Verantwortung unterscheiden

Ein Service Owner betrachtet den Service normalerweise aus einer Ende-zu-Ende-Perspektive.

Technische Verantwortliche betreuen dagegen möglicherweise einzelne Bestandteile.

Beispiel: E-Mail-Service

Verantwortungsbereich Mögliche Zuständigkeit
gesamter E-Mail-Service Service Owner
Identitätsplattform Identity-Team
DNS Netzwerk- oder Infrastrukturteam
Mailplattform Messaging-Team oder Cloud-Provider
Endgeräte und Client Workplace-Team
Sicherheitsanforderungen Informationssicherheit
Lieferantenvertrag Supplier Management oder Einkauf
Benutzerunterstützung Service Desk

Der Service Owner muss nicht jede technische Tätigkeit selbst ausführen.

Er benötigt jedoch ausreichende Informationen, um:


RACI als mögliches Hilfsmittel

Eine RACI-Matrix kann helfen, Rollen bei einer Tätigkeit zu klären.

Kürzel Bedeutung
R – Responsible führt die Aufgabe aus
A – Accountable steht für das Ergebnis ein und besitzt die übergeordnete Verantwortlichkeit
C – Consulted wird vor oder während der Entscheidung fachlich einbezogen
I – Informed wird über Entscheidung oder Ergebnis informiert

Beispiel: produktive Firewall-Änderung

Rolle Zuordnung
Netzwerkadministrator Responsible
autorisierte Change- oder Service-Rolle Accountable
Informationssicherheit und Anwendungsverantwortlicher Consulted
Service Desk und betroffene Benutzergruppen Informed

Eine RACI-Matrix ist ein mögliches Organisationswerkzeug und keine zwingend vorgeschriebene ITIL-Darstellung.

Bei der Verwendung sollte vermieden werden:


Eskalation

Eskalation ist notwendig, wenn:

Eskalation bedeutet nicht automatisch persönliches Versagen.

Sie ist ein vorgesehener Mechanismus, um Entscheidungen an die geeignete Verantwortungs- und Befugnisebene zu übergeben.

Praxistipp

Eine gute Eskalation enthält:

  • konkrete Situation,
  • bekannte Auswirkungen,
  • bisherige Maßnahmen,
  • bestehendes Risiko,
  • benötigte Entscheidung,
  • mögliche Optionen,
  • und den spätesten sinnvollen Entscheidungszeitpunkt.

Ungeeignete Eskalation:

Das System funktioniert nicht. Bitte entscheiden.

Besser:

Der zentrale Dateiservice ist seit 09:10 Uhr für zwei Standorte nicht erreichbar. Die lokale Wiederherstellung war erfolglos. Eine Umschaltung auf das Ersatzsystem ist möglich, kann aber Datenänderungen der letzten 15 Minuten verlieren. Benötigt wird die Entscheidung, ob die Umschaltung durchgeführt und der mögliche Datenverlust akzeptiert wird.


Governance bei Incidents

Governance bestimmt unter anderem den Rahmen für:

Bei einem kritischen Incident sollte geklärt sein:

Governance soll die Wiederherstellung nicht unnötig verzögern.

Entscheidungsrechte und Notfallverfahren sollten deshalb vor einem Incident vorbereitet werden.


Governance bei Changes

Governance legt den Rahmen fest, innerhalb dessen Changes bewertet und autorisiert werden.

Dazu können gehören:

Nicht jeder Change benötigt dieselben Beteiligten oder dasselbe Gremium.

Die Autorisierung sollte sich richten nach:

Typischer Fehler

Ein Change Advisory Board wird als zentrale Freigabestelle für jede kleine Änderung verwendet.

Dadurch können unnötige Verzögerungen entstehen, ohne dass kritische Changes automatisch besser bewertet werden.


Governance bei Lieferanten

Externe Lieferanten können einen wesentlichen Teil eines Produkts oder Service bereitstellen.

Governance sollte unter anderem klären:

Merke

Die Auslagerung einer Tätigkeit überträgt nicht automatisch die gesamte Verantwortung für das Ergebnis oder die Risiken an den Lieferanten.


Governance bei künstlicher Intelligenz

ITIL Version 5 berücksichtigt ausdrücklich AI-gestützte Produkte, Services und Arbeitsweisen.

Governance für KI kann unter anderem behandeln:

Vor dem Einsatz einer KI-Lösung sollte unter anderem geprüft werden:

Sicherheitsrelevant

Die Verwendung einer KI-Lösung überträgt die Verantwortung für Entscheidungen und Folgen nicht automatisch auf das technische System oder den Anbieter.


Governance und Continual Improvement

Governance und Continual Improvement unterstützen sich gegenseitig.

Governance gibt unter anderem vor:

Continual Improvement nutzt unter anderem:

um Verbesserungen zu identifizieren und umzusetzen.

Beispiel:

Das Monitoring zeigt wiederholt, dass kritische Zertifikate erst kurz vor Ablauf erneuert werden.

Governance kann festlegen:

Continual Improvement entwickelt und verbessert anschließend:


Praxisbeispiel: Ausfall eines zentralen Speichersystems

Ein zentrales Speichersystem zeigt kritische Fehler.

Technische Situation

Evaluate

Direct

Monitor

Mögliche Verantwortlichkeiten

Dieses Beispiel zeigt, dass technische Kompetenz, Management und Governance zusammenwirken müssen.


Typische Governance-Fehler

Fehler 1: Verantwortung ohne Befugnis

Eine Person soll für ein Ergebnis einstehen, besitzt aber keine Möglichkeit:


Fehler 2: Befugnis ohne Kontrolle

Eine Rolle darf weitreichende Entscheidungen treffen, ohne:

zu müssen.


Fehler 3: Governance nur als Genehmigung verstehen

Viele Freigaben werden eingeführt, aber Ziele, Verantwortlichkeiten und Erfolgskriterien bleiben unklar.


Fehler 4: Jede Entscheidung zentralisieren

Auch risikoarme Tätigkeiten benötigen hochrangige Genehmigungen.

Dadurch entstehen:


Fehler 5: Risiken ohne Befugnis akzeptieren

Ein technisches Team dokumentiert ein erhebliches Risiko, entscheidet aber eigenständig, es dauerhaft zu akzeptieren.


Fehler 6: Nur technische Leistung überwachen

Server und Anwendungen sind verfügbar, aber:


Fehler 7: Dokumentation mit Wirksamkeit verwechseln

Eine Richtlinie existiert, wird aber:


Fehler 8: Verantwortung bleibt an Teamgrenzen hängen

Jedes Team erfüllt seine Komponentenaufgabe, aber niemand verantwortet das Ende-zu-Ende-Ergebnis des Service.


Fehler 9: Governance nicht an Veränderungen anpassen

Entscheidungsmodelle und Kontrollen bleiben unverändert, obwohl sich:

verändert haben.


Fragen für eine neue Organisation

Beim Einstieg in eine neue IT-Organisation solltest du klären:


Entscheidungshilfe: Ist eine Governance-Entscheidung notwendig?

Eine Governance- oder übergeordnete Entscheidung kann erforderlich sein, wenn:

Eine operative Entscheidung kann dagegen innerhalb delegierter Befugnisse getroffen werden, wenn:


Checkliste für klare Verantwortlichkeiten


Checkliste für wirksame Governance


Schnellreferenz

Frage Governance-Bezug
Was wird benötigt? Evaluate
Welche Optionen und Risiken bestehen? Evaluate
Welches Ziel und welche Grenzen gelten? Direct
Wer darf entscheiden? Direct
Wer trägt die Ergebnisverantwortung? Direct
Werden Vorgaben eingehalten? Monitor
Werden Outcomes erreicht? Monitor
Bleiben Risiken innerhalb akzeptierter Grenzen? Monitor
Müssen Richtung oder Vorgaben angepasst werden? erneutes Evaluate und Direct

Zusammenfassende Darstellung

Bedürfnisse, Ziele, Risiken und Rahmenbedingungen

Evaluate
Situation und Optionen bewerten

Direct
Richtung, Verantwortung und Grenzen vorgeben

Management und technische Umsetzung

Monitor
Ergebnisse, Risiken und Einhaltung überwachen

Feedback, Abweichungen und neue Anforderungen

erneute Bewertung und Anpassung


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die Aussagen zur Einbindung von Governance in das ITIL Value System sowie zu den Governance-Aktivitäten Evaluate, Direct und Monitor wurden anhand offizieller PeopleCert- und ITIL-Unterlagen geprüft.

Die Ausführungen zu:

sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen und Praxisempfehlungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Eine RACI-Matrix ist ein mögliches Hilfsmittel zur Rollenklärung, aber keine zwingend vorgeschriebene ITIL-Struktur.

Konkrete Governance-Gremien, Rollenbezeichnungen, Freigabestufen und Risikogrenzen müssen von der jeweiligen Organisation festgelegt werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 1 August 2026 21:51:13 by Admin
Updated 1 August 2026 21:51:26 by Admin