2.5 Die vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements

Kurz erklärt

Die vier Dimensionen unterstützen eine ganzheitliche Betrachtung digitaler Produkte und Services.

Sie helfen dabei, nicht ausschließlich auf Technik, Prozesse oder einzelne Teams zu schauen.

Die vier Dimensionen sind:

  1. Organizations and People – Organisationen und Menschen
  2. Information and Technology – Informationen und Technologie
  3. Partners and Suppliers – Partner und Lieferanten
  4. Value Streams and Processes – Wertströme und Prozesse

Bei Entscheidungen, Änderungen, Störungen und Verbesserungen sollten alle vier Dimensionen berücksichtigt werden.


Warum die vier Dimensionen notwendig sind

Digitale Produkte und Services entstehen durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Bestandteile.

Dazu gehören beispielsweise:

Eine technische Lösung kann leistungsfähig sein und trotzdem keinen ausreichenden Wert ermöglichen.

Beispiele:

Die vier Dimensionen helfen dabei, solche Lücken frühzeitig zu erkennen.

Merke

Ein Produkt oder Service ist nur so wirksam wie das Zusammenspiel seiner organisatorischen, technischen, menschlichen und externen Bestandteile.


Die vier Dimensionen im Überblick

Dimension Zentrale Betrachtung
Organizations and People Rollen, Fähigkeiten, Kapazitäten, Kommunikation, Kultur und Organisationsstruktur
Information and Technology Informationen, Wissen, Daten, Anwendungen, Infrastruktur, Integration und Automatisierung
Partners and Suppliers externe Leistungen, Lieferantenbeziehungen, Verträge, Abhängigkeiten und Zusammenarbeit
Value Streams and Processes Ende-zu-Ende-Arbeitsfluss, Aktivitäten, Übergaben, Kontrollen und Ergebnisse

Die Dimensionen sind keine voneinander getrennten Bereiche.

Eine Entscheidung in einer Dimension beeinflusst häufig auch die anderen drei Dimensionen.


Die Dimensionen sind Betrachtungsperspektiven

Die vier Dimensionen sind:

Sie dienen als Perspektiven, mit denen ein Produkt, Service, Wertstrom, Problem oder Vorhaben untersucht werden kann.

Beispiel:

Eine Organisation führt eine neue Plattform für die zentrale Dateiablage ein.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Erst die gemeinsame Betrachtung ergibt ein vollständigeres Bild.


Nicht jede Dimension benötigt immer denselben Aufwand

Alle vier Dimensionen sollten berücksichtigt werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie bei jeder Aufgabe gleich ausführlich dokumentiert werden müssen.

Beispiel:

Bei einer einfachen, dokumentierten Standardtätigkeit kann eine kurze Prüfung ausreichen.

Bei der Einführung einer geschäftskritischen Cloud-Plattform kann dagegen eine umfangreiche Betrachtung notwendig sein.

Der erforderliche Umfang hängt unter anderem ab von:

Grundsatz

Alle vier Dimensionen berücksichtigen, aber den Prüf- und Dokumentationsaufwand an Risiko und Kontext anpassen.


1. Organizations and People

Die Dimension Organizations and People betrachtet die organisatorischen und menschlichen Voraussetzungen für wirksames Produkt- und Service-Management.

Dazu gehören unter anderem:

Technische Systeme werden von Menschen:

Eine technisch geeignete Lösung kann deshalb scheitern, wenn die menschlichen und organisatorischen Voraussetzungen fehlen.


Organisationen sind mehr als Organigramme

Ein Organigramm zeigt formale Strukturen.

Es beantwortet jedoch nicht automatisch:

Für die Bewertung dieser Dimension müssen deshalb sowohl formale als auch tatsächlich gelebte Arbeitsweisen betrachtet werden.

Typischer Fehler

Eine Rolle ist im Organigramm eingetragen, besitzt aber weder ausreichende Befugnisse noch Zeit, Informationen oder Ressourcen, um ihre Verantwortung wahrzunehmen.


Rollen und Verantwortlichkeiten

Für wichtige Produkte, Services und Tätigkeiten sollte geklärt sein:

Mögliche Rollen sind beispielsweise:

ITIL schreibt nicht vor, dass jede Organisation genau diese Rollenbezeichnungen verwenden muss.

Entscheidend ist, dass Verantwortung, Befugnis und erwartetes Ergebnis eindeutig sind.


Fähigkeiten und Kompetenzen

Eine Organisation benötigt nicht nur ausreichend Personal, sondern auch geeignete Fähigkeiten.

Dazu können gehören:

Bei einer neuen Technologie sollte deshalb nicht nur geprüft werden:

Kann das Produkt beschafft oder installiert werden?

Zusätzlich ist zu prüfen:

Merke

Eine Organisation besitzt eine Fähigkeit nicht allein deshalb, weil sie ein Werkzeug gekauft hat.


Kapazität und Arbeitsbelastung

Auch fachlich geeignete Mitarbeiter können ihre Aufgaben nicht wirksam erfüllen, wenn ausreichende Kapazität fehlt.

Anzeichen für Kapazitätsprobleme können sein:

Kapazität sollte deshalb nicht nur anhand der Anzahl von Mitarbeitern bewertet werden.

Zu berücksichtigen sind außerdem:


Kommunikation und Zusammenarbeit

Digitale Produkte und Services überschreiten häufig Team- und Organisationsgrenzen.

Eine wirksame Zusammenarbeit benötigt:

Mögliche Kommunikationsprobleme sind:

Praxistipp

Die Qualität der Zusammenarbeit zeigt sich besonders an Übergaben, Störungen und Änderungen.


Organisationskultur

Kultur beeinflusst, wie Menschen tatsächlich handeln.

Sie zeigt sich beispielsweise darin:

Eine Organisation kann offiziell Zusammenarbeit fördern und gleichzeitig durch ihre tatsächliche Arbeitsweise Konkurrenz zwischen Teams erzeugen.

Beispiel:

Teams werden ausschließlich nach ihrer eigenen Bearbeitungszeit bewertet.

Dadurch kann jedes Team versuchen, Vorgänge möglichst schnell weiterzugeben.

Die lokale Kennzahl verbessert sich, während sich die gesamte Bearbeitungsdauer für den Benutzer verlängert.


Leitfragen zu Organizations and People


2. Information and Technology

Die Dimension Information and Technology betrachtet die Informationen, das Wissen und die Technologien, die für Produkte und Services benötigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

Informationen und Technologie unterstützen nahezu jede Tätigkeit im digitalen Produkt- und Service-Management.

Sie müssen jedoch zu den tatsächlichen Anforderungen und Fähigkeiten der Organisation passen.


Informationen als Arbeitsgrundlage

Geeignete Entscheidungen benötigen geeignete Informationen.

Beispiele:

Informationen sollten möglichst:

sein.

Wichtig

Mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Informationen.

Entscheidend ist, ob die Daten verständlich, zuverlässig und für eine konkrete Entscheidung nutzbar sind.


Datenqualität

Fehlerhafte oder veraltete Daten können zu falschen Entscheidungen führen.

Beispiele:

Datenqualität sollte deshalb nicht nur bei der Erfassung, sondern über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden.

Zu klären ist:


Information und Wissen unterscheiden

Informationen werden erst durch Einordnung und Erfahrung zu anwendbarem Wissen.

Beispiel:

Information

Der Dienst wurde innerhalb von drei Monaten zwölfmal neu gestartet.

Wissen

Die Neustarts treten regelmäßig nach einem bestimmten Speicheranstieg auf und stellen nur eine vorübergehende Wiederherstellung dar.

Anwendbare Erkenntnis

Die Ursache muss untersucht und eine dauerhafte Korrektur geplant werden.

Knowledge Management soll dabei helfen, relevante Informationen:


Technologieauswahl

Eine Technologie sollte nicht nur anhand ihrer Funktionen bewertet werden.

Zu berücksichtigen sind beispielsweise:

Typischer Fehler

Eine neue Technologie wird eingeführt, weil sie viele Funktionen besitzt.

Erst später wird festgestellt, dass sie nicht zu vorhandenen Arbeitsweisen, Fähigkeiten oder Schnittstellen passt.


Architektur und Integration

Digitale Produkte und Services bestehen häufig aus mehreren integrierten Systemen.

Zu berücksichtigen sind:

Beispiel:

Eine Anwendung kann technisch verfügbar sein, aber nicht nutzbar, wenn:

Eine ganzheitliche Betrachtung erfordert deshalb Informationen über Ende-zu-Ende-Abhängigkeiten.


Informationssicherheit

Informationen und Technologien müssen angemessen geschützt werden.

Zu den grundlegenden Schutzzielen gehören insbesondere:

Je nach Kontext können außerdem relevant sein:

Bei technischen Entscheidungen sollte geprüft werden:


Automatisierung

Automatisierung kann:

Sie benötigt jedoch:

Beispiel:

Eine automatisierte Benutzeranlage kann Konten, Lizenzen und Standardgruppen bereitstellen.

Die Automatisierung muss trotzdem klären:


Künstliche Intelligenz

KI kann bei digitalen Produkten und Services unter anderem eingesetzt werden für:

Dabei müssen unter anderem betrachtet werden:

Sicherheitsrelevant

Eine KI-generierte Antwort oder Entscheidung muss abhängig von ihrer möglichen Auswirkung angemessen geprüft werden.

Die Verantwortung verbleibt bei der Organisation und den zuständigen Rollen.


Technische Schulden

Technische Schulden entstehen, wenn kurzfristige Lösungen später zusätzlichen Aufwand oder Risiken verursachen.

Beispiele:

Technische Schulden sind nicht automatisch vollständig vermeidbar.

Sie sollten jedoch:

werden.


Leitfragen zu Information and Technology


3. Partners and Suppliers

Die Dimension Partners and Suppliers betrachtet externe Organisationen und Personen, die an Produkten, Services oder Wertströmen beteiligt sind.

Dazu können gehören:

Viele Organisationen können digitale Produkte und Services nicht vollständig allein bereitstellen.

Externe Partner können:

bereitstellen.


Partner und Lieferant unterscheiden

Die Begriffe können in Organisationen unterschiedlich verwendet werden.

Vereinfacht kann unterschieden werden:

Begriff Mögliche Bedeutung
Lieferant stellt vertraglich vereinbarte Produkte oder Leistungen bereit
Partner arbeitet enger und möglicherweise längerfristig an gemeinsamen Outcomes mit

Ein Lieferant kann gleichzeitig ein strategischer Partner sein.

Entscheidend ist nicht nur die Bezeichnung, sondern:


Sourcing-Entscheidungen

Organisationen müssen entscheiden, welche Fähigkeiten und Leistungen sie:

Mögliche Kriterien sind:

Typischer Fehler

Eine Tätigkeit wird ausschließlich wegen kurzfristig geringerer Kosten ausgelagert.

Langfristige Abhängigkeiten, Datenportabilität, interne Fähigkeiten und Ausstiegskosten werden nicht berücksichtigt.


Verträge und Vereinbarungen

Verträge und Vereinbarungen sollten die benötigten Outcomes unterstützen.

Mögliche Inhalte sind:

Eine vertraglich zugesicherte technische Verfügbarkeit beantwortet nicht automatisch:


Lieferantenabhängigkeiten

Externe Abhängigkeiten sollten sichtbar und bewertet sein.

Mögliche Risiken sind:

Besonders kritisch kann eine Konzentration entstehen, wenn viele Produkte und Services von demselben Anbieter abhängen.

Beispiel:

Ein einziger Cloud-Anbieter stellt bereit:

Ein Ausfall oder Vertragsproblem kann dann mehrere zentrale Services gleichzeitig beeinflussen.


Geteilte Verantwortung

Bei extern bereitgestellten Services bleiben Verantwortlichkeiten häufig zwischen Anbieter und Kunde aufgeteilt.

Beispiel: Cloud-Service

Der Anbieter kann verantwortlich sein für:

Die nutzende Organisation kann weiterhin verantwortlich sein für:

Die genaue Aufteilung hängt vom jeweiligen Produkt, Vertrag und Bereitstellungsmodell ab.

Merke

Eine ausgelagerte Tätigkeit bedeutet nicht automatisch, dass alle Risiken und Verantwortlichkeiten auf den Anbieter übergehen.


Lieferanten in Incidents

Bei einem Incident sollte geklärt sein:

Eine Supportanfrage an einen Lieferanten ersetzt nicht die interne Verantwortung für:


Ausstiegs- und Übergangsplanung

Bereits bei der Auswahl eines Lieferanten sollte betrachtet werden, wie die Beziehung später verändert oder beendet werden kann.

Zu prüfen sind:

Praxistipp

Eine Exit-Strategie sollte nicht erst entwickelt werden, wenn der Vertrag bereits beendet werden muss.


Leitfragen zu Partners and Suppliers


4. Value Streams and Processes

Die Dimension Value Streams and Processes betrachtet, wie Arbeit durch die Organisation fließt und wie Aktivitäten zu Ergebnissen und Wert beitragen.

Dazu gehören:

Einzelne Teams können ihre Aufgaben gut erfüllen und trotzdem einen schlechten Ende-zu-Ende-Arbeitsfluss erzeugen.

Die Dimension richtet den Blick deshalb nicht nur auf einzelne Prozessschritte, sondern auf den gesamten Weg zum benötigten Outcome.


Value Stream

Ein Value Stream beschreibt eine Abfolge von Schritten, durch die Wert für einen Stakeholder ermöglicht wird.

Beispiele:

Ein Value Stream kann mehrere:

verbinden.

Merke

Ein Wertstrom folgt dem Weg zum Outcome und nicht automatisch der Struktur des Organigramms.


Prozess

Ein Prozess ist eine strukturierte Folge miteinander verbundener Aktivitäten.

Er überführt bestimmte Eingaben in Ergebnisse.

Ein Prozess kann beispielsweise festlegen:

Ein Value Stream kann mehrere Prozesse enthalten.

Ein Prozess kann wiederum in mehreren Value Streams verwendet werden.

Beispiel:

Der Prozess zur Benutzerkontoanlage kann Bestandteil sein von:


Ende-zu-Ende-Sicht

Eine Ende-zu-Ende-Betrachtung prüft den gesamten Weg vom Bedarf bis zum erreichten Outcome.

Beispiel: neuer Mitarbeiter

  1. Eintritt wird gemeldet.
  2. Aufgaben und benötigte Zugriffe werden bestimmt.
  3. Freigaben werden eingeholt.
  4. Benutzerkonto wird erstellt.
  5. Lizenzen werden zugewiesen.
  6. Endgerät wird bereitgestellt.
  7. Sicherheitsmaßnahmen werden eingerichtet.
  8. Zugriffe werden getestet.
  9. Arbeitsplatz wird übergeben.
  10. Arbeitsfähigkeit wird bestätigt.

Wird nur die Kontoanlage betrachtet, können andere notwendige Schritte übersehen werden.

Der technische Output:

Das Benutzerkonto wurde erstellt.

bedeutet noch nicht automatisch das Outcome:

Der neue Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen.


Übergaben

An Übergaben entstehen häufig:

Beispiele:

Übergaben sollten deshalb geprüft werden auf:


Engpässe und Wartezeiten

Ein Value Stream kann durch Engpässe verlangsamt werden.

Mögliche Ursachen sind:

Nicht jede lange Gesamtdauer entsteht durch langsame Ausführung.

Häufig besteht ein großer Teil aus Wartezeit.

Beispiel:

Schritt Bearbeitungszeit Wartezeit
Anforderung prüfen 15 Minuten 1 Tag
Freigabe erteilen 5 Minuten 2 Tage
Konto erstellen 10 Minuten 4 Stunden
Zugriff testen 15 Minuten 1 Tag

Die tatsächliche Bearbeitungszeit beträgt weniger als eine Stunde.

Der gesamte Durchlauf dauert trotzdem mehrere Tage.


Kontrollen im Arbeitsfluss

Kontrollen können notwendig sein für:

Sie sollten jedoch einen klaren Zweck besitzen.

Zu prüfen ist:

Typischer Fehler

Zusätzliche Freigaben werden eingeführt, nachdem ein Fehler aufgetreten ist.

Später wird nicht mehr geprüft, ob sie das Risiko tatsächlich reduzieren oder nur den Arbeitsfluss verlangsamen.


Prozesse dürfen nicht zum Selbstzweck werden

Ein Prozess ist kein Wert an sich.

Er soll ein benötigtes Outcome unterstützen.

Anzeichen für einen ungeeigneten Prozess können sein:


Messung von Wertströmen und Prozessen

Mögliche Messgrößen sind:

Eine einzelne Kennzahl reicht häufig nicht aus.

Beispiel:

Eine kurze Ticketbearbeitungszeit kann positiv sein.

Sie kann aber auch entstehen, weil Tickets:

werden.

Messgrößen sollten deshalb gemeinsam und im Kontext betrachtet werden.


Leitfragen zu Value Streams and Processes


Zusammenwirken der vier Dimensionen

Die vier Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig.

Veränderung Mögliche Auswirkungen auf andere Dimensionen
neues Ticketsystem Schulungsbedarf, Rollen, Datenmigration, Lieferantenvertrag und angepasste Prozesse
Outsourcing des Service Desk neue Schnittstellen, Verantwortlichkeiten, technische Zugänge und Eskalationswege
Automatisierung der Benutzeranlage Datenqualität, Freigaben, Rollen, Sicherheitskontrollen und Prozessänderungen
Einführung einer Cloud-Plattform neue Fähigkeiten, Verträge, Integrationen, Datenflüsse und Supportprozesse
Änderung eines Incident-Prozesses Werkzeugkonfiguration, Schulung, Lieferanteneinbindung und neue Messgrößen
Einsatz von KI Datenanforderungen, Governance, Kompetenzen, Lieferantenrisiken und Kontrollabläufe

Merke

Eine Änderung in nur einer Dimension ist in der Praxis selten auf diese eine Dimension begrenzt.


Praxisbeispiel: Einführung eines neuen Ticketsystems

Eine Organisation möchte ihr bisheriges Ticketsystem ersetzen.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Wird nur die Technologie ausgewählt, können die anderen drei Dimensionen später zu erheblichen Problemen führen.


Praxisbeispiel: wiederkehrender VPN-Ausfall

Mehrere Benutzer verlieren regelmäßig ihre VPN-Verbindung.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Eine rein technische Einzelbehandlung kann den Service kurzfristig wiederherstellen.

Die ganzheitliche Betrachtung unterstützt zusätzlich eine nachhaltige Verbesserung.


Praxisbeispiel: Backup und Wiederherstellung

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes

Merke

Backup ist nicht nur eine Technologie.

Wiederherstellbarkeit entsteht durch das Zusammenspiel aller vier Dimensionen.


Die vier Dimensionen bei einem Incident

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Wer koordiniert, entscheidet, analysiert und kommuniziert?
Information and Technology Welche Systeme, Daten, Protokolle und Abhängigkeiten sind betroffen?
Partners and Suppliers Welche Anbieter müssen beteiligt oder eskaliert werden?
Value Streams and Processes Wie erfolgt Erfassung, Priorisierung, Wiederherstellung, Kommunikation und Abschluss?

Die vier Dimensionen bei einem Change

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Wer beantragt, bewertet, autorisiert, implementiert und prüft?
Information and Technology Welche Komponenten, Daten, Schnittstellen und Sicherheitsmaßnahmen sind betroffen?
Partners and Suppliers Werden Hersteller, Provider oder Wartungspartner benötigt?
Value Streams and Processes Wie erfolgen Bewertung, Test, Autorisierung, Umsetzung, Rückfall und Erfolgskontrolle?

Die vier Dimensionen bei einer Verbesserung

Dimension Beispielhafte Fragen
Organizations and People Welche Fähigkeiten, Rollen oder kulturellen Veränderungen werden benötigt?
Information and Technology Welche Daten belegen das Problem und welche Technologie unterstützt die Verbesserung?
Partners and Suppliers Welche externen Beiträge oder Vertragsänderungen sind notwendig?
Value Streams and Processes Welcher Arbeitsfluss wird verbessert und wie wird die Wirkung gemessen?

Typische Fehler

Fehler 1: Nur Technik betrachten

Eine Organisation kauft eine neue Plattform, ohne Rollen, Fähigkeiten, Support und Arbeitsabläufe vorzubereiten.


Fehler 2: Nur Prozesse dokumentieren

Abläufe werden beschrieben, aber notwendige Informationen, Technologien und Kompetenzen fehlen.


Fehler 3: Lieferanten nicht als Teil des Service betrachten

Externe Abhängigkeiten werden erst berücksichtigt, wenn ein Incident eskaliert.


Fehler 4: Menschen als austauschbare Ressourcen behandeln

Benötigte Fähigkeiten, Erfahrungen, Motivation und Zusammenarbeit werden nicht berücksichtigt.


Fehler 5: Jede Dimension getrennt optimieren

Ein Team verbessert seine eigene Kennzahl, verschlechtert aber den gesamten Wertstrom.


Fehler 6: Alle Situationen gleich ausführlich prüfen

Kleine Standardtätigkeiten werden unnötig kompliziert, während kritische Vorhaben nicht risikogerecht vertieft werden.


Fehler 7: Werkzeuge mit Fähigkeiten verwechseln

Eine Organisation besitzt eine Funktion im Ticketsystem, hat aber keine wirksame Arbeitsweise und keine eindeutigen Verantwortlichkeiten dafür.


Fehler 8: Verträge nur beim Einkauf betrachten

Betrieb, Support, Sicherheit, Eskalation und Ausstieg werden nicht ausreichend einbezogen.


Fehler 9: Datenmenge mit Informationsqualität verwechseln

Viele Kennzahlen werden gesammelt, liefern aber keine Grundlage für Entscheidungen oder Verbesserungen.


Fehler 10: Prozesse an Teamgrenzen enden lassen

Jedes Team bearbeitet nur seinen Teil, während niemand das Ende-zu-Ende-Outcome verantwortet.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker arbeiten häufig hauptsächlich in der technischen Dimension.

Ihre Aufgaben beeinflussen jedoch immer wieder alle vier Dimensionen.

Beispiel: neuer Server

Tätigkeit Betroffene Dimension
Server installieren und konfigurieren Information and Technology
Zuständigkeit und Betrieb klären Organizations and People
Hardware-, Software- oder Cloud-Anbieter einbinden Partners and Suppliers
Bereitstellung, Change, Monitoring und Support einordnen Value Streams and Processes

Vor einer technischen Maßnahme sind deshalb zusätzliche Fragen sinnvoll:


30-Sekunden-Prüfung

Bei einer neuen Aufgabe kannst du alle vier Dimensionen mit vier Kurzfragen prüfen:

  1. Menschen: Wer ist beteiligt, verantwortlich und ausreichend befähigt?
  2. Technologie: Welche Informationen, Systeme und technischen Abhängigkeiten werden benötigt?
  3. Partner: Welche externen Anbieter und vertraglichen Abhängigkeiten bestehen?
  4. Arbeitsfluss: Wie gelangt die Aufgabe vom Bedarf zum überprüften Outcome?

Diese Kurzprüfung ersetzt keine notwendige Detailanalyse.

Sie hilft jedoch dabei, eine Dimension nicht vollständig zu übersehen.


Checkliste zu Organizations and People


Checkliste zu Information and Technology


Checkliste zu Partners and Suppliers


Checkliste zu Value Streams and Processes


Gesamtcheck für ein Produkt oder einen Service


Schnellreferenz

Dimension Kurzfrage
Organizations and People Wer wird benötigt und wie arbeiten die Beteiligten zusammen?
Information and Technology Welche Informationen und Technologien ermöglichen das Outcome?
Partners and Suppliers Welche externen Leistungen und Abhängigkeiten bestehen?
Value Streams and Processes Wie fließt die Arbeit vom Bedarf zum Ergebnis?

Zusammenfassende Darstellung

Organizations and People
Rollen · Fähigkeiten · Kapazität · Kommunikation · Kultur

Information and Technology
Daten · Wissen · Anwendungen · Infrastruktur · Integration · Automatisierung

Partners and Suppliers
Leistungen · Verträge · Zusammenarbeit · Abhängigkeiten · Ausstieg

Value Streams and Processes
Aktivitäten · Übergaben · Kontrollen · Arbeitsfluss · Outcomes

ganzheitliches digitales Produkt- und Service-Management

bessere Outcomes und gemeinsam ermöglichter Wert


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

ITIL Version 5 verwendet die folgenden vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements:

Die offiziellen ITIL-Version-5-Grundlagen beschreiben die vier Dimensionen als Grundlage einer ganzheitlichen Betrachtung digitaler Produkte und Services.

Die ausführlichen Leitfragen, Beispiele, Checklisten und technischen Einordnungen auf dieser Seite sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation verbindlichen Arbeitsabläufe dar.

Konkrete Rollen, Technologien, Lieferantenmodelle, Prozesse und Kontrollen müssen an den jeweiligen Kontext angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 1 August 2026 21:56:18 by Admin
Updated 1 August 2026 21:56:30 by Admin