2.6 Der Product and Service Lifecycle

Kurz erklärt

Der ITIL Product and Service Lifecycle beschreibt den gemeinsamen Lebenszyklus digitaler Produkte und Services.

Er verbindet Produktentwicklung, Beschaffung, technische Umsetzung, Betrieb, Bereitstellung und Unterstützung in einem gemeinsamen Modell.

Die acht Lifecycle-Aktivitäten sind:

  1. Discover
  2. Design
  3. Acquire
  4. Build
  5. Transition
  6. Operate
  7. Deliver
  8. Support

Die Aktivitäten bilden keinen starren linearen Ablauf. Sie können sich überschneiden, wiederholt werden und sich gegenseitig beeinflussen.


Warum ein gemeinsamer Lebenszyklus notwendig ist

Digitale Produkte und Services wurden in Organisationen häufig getrennt betrachtet.

Produktteams konzentrierten sich beispielsweise auf:

Serviceteams konzentrierten sich dagegen auf:

Diese Trennung kann zu Problemen führen.

Beispiele:

ITIL Version 5 verbindet beide Perspektiven deshalb in einem gemeinsamen Product and Service Lifecycle.

Merke

Produkt und Service sind keine voneinander unabhängigen Alternativen.

Sie sind zwei miteinander verbundene Perspektiven auf eine technologiebasierte Lösung.


Produkt- und Serviceperspektive

Die Produktperspektive betrachtet unter anderem:

Die Serviceperspektive betrachtet unter anderem:

Beispiel: VPN-Lösung

Produktperspektive Serviceperspektive
VPN-Gateway und Clientsoftware sicherer Fernzugriff für Benutzer
Authentifizierungsfunktionen verständlicher und zuverlässiger Anmeldevorgang
unterstützte Betriebssysteme Nutzbarkeit auf den benötigten Endgeräten
technische Kapazität ausreichende Leistung für die Benutzer
Softwareversionen kontrollierte und möglichst störungsarme Aktualisierung
Protokollierung Unterstützung bei Störungen und Sicherheitsanalysen
Hersteller-Roadmap langfristige Nutzbarkeit des Fernzugriffs

Beide Perspektiven müssen gemeinsam betrachtet werden.

Eine technisch leistungsfähige VPN-Plattform ermöglicht noch keinen verlässlichen Fernzugriffsservice, wenn:


Die acht Lifecycle-Aktivitäten im Überblick

Aktivität Zentrale Aufgabe
Discover Bedürfnisse, Chancen, Ausgangslage und Umfeld verstehen
Design geeignete Produkte, Services und Lösungen gestalten
Acquire benötigte Ressourcen, Produkte, Leistungen und Fähigkeiten beschaffen oder zuordnen
Build Lösungen erstellen, konfigurieren, integrieren und testen
Transition neue oder geänderte Bestandteile kontrolliert in die vorgesehene Nutzung überführen
Operate Produkte, Plattformen und technische Fähigkeiten zuverlässig betreiben
Deliver Services und Serviceangebote für Stakeholder bereitstellen und steuern
Support Benutzer, Kunden, Produkte und Services bei Fragen, Anfragen und Störungen unterstützen

Die Beschreibungen in dieser Tabelle sind praxisnahe Zusammenfassungen.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen dar.


Lifecycle-Aktivitäten statt starrer Phasen

Die Begriffe können zunächst den Eindruck einer festen Reihenfolge vermitteln:

Discover → Design → Acquire → Build → Transition → Operate → Deliver → Support

Das Modell ist jedoch nicht als starres Wasserfallmodell gedacht.

Jede Aktivität kann:

Beispiel:

Während Version 1 einer Anwendung betrieben, bereitgestellt und unterstützt wird, kann gleichzeitig:

Produkt- oder Serviceversion Mögliche aktuelle Aktivität
Version 1.0 Operate, Deliver und Support
Version 1.1 Build und Test
Version 1.2 Design
zukünftige Hauptversion Discover
abzulösende Altversion Transition und Operate

Merke

Ein Produkt oder Service befindet sich nicht dauerhaft nur in einer einzigen Lifecycle-Aktivität.


Transitions können zwischen verschiedenen Aktivitäten stattfinden

Transition ist nicht ausschließlich ein einmaliger Schritt zwischen Build und Operate.

Eine kontrollierte Überführung kann an unterschiedlichen Stellen notwendig sein.

Beispiele:

Die konkrete Form einer Transition hängt vom jeweiligen Produkt, Service, Risiko und Wertstrom ab.

Wichtig

Transition bedeutet nicht, dass ein Team seine Arbeit beendet und die Verantwortung vollständig an ein anderes Team abgibt.

Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportverantwortung müssen über den Übergang hinweg zusammenwirken.


Lifecycle, Value System und Value Stream unterscheiden

Begriff Bedeutung
ITIL Value System verbindet die übergeordneten Bestandteile der Organisation zur Wertschöpfung
Product and Service Lifecycle beschreibt acht gemeinsame Aktivitäten über den Lebenszyklus digitaler Produkte und Services
Value Chain flexibles operatives Modell innerhalb des ITIL Value Systems
Value Stream konkrete Abfolge von Schritten zur Erreichung eines bestimmten Outcomes
Management Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Prozess strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen
Projekt zeitlich begrenztes Vorhaben zur Erreichung definierter Ziele

Beispiel: Einführung einer neuen Monitoring-Plattform


Lifecycle und Projektlebenszyklus unterscheiden

Ein Projekt besitzt normalerweise:

Ein digitales Produkt oder ein Service besteht häufig über das Projekt hinaus.

Beispiel:

Ein Projekt führt eine neue E-Mail-Plattform ein.

Nach Projektende müssen weiterhin durchgeführt werden:

Typischer Fehler

Die Produkt- und Serviceverantwortung endet mit dem Projektabschluss.

Dadurch bleiben Betrieb, Support, technische Schulden und langfristige Weiterentwicklung ungeklärt.


1. Discover

Zentrale Frage

Was wird benötigt, warum wird es benötigt und welche Ausgangslage besteht?

Discover dient dazu, Bedürfnisse, Chancen, Probleme und Rahmenbedingungen zu verstehen.

Mögliche Auslöser sind:

Discover sollte nicht nur bestätigen, was ein einzelner Anforderer bereits als Lösung vorgeschlagen hat.

Zuerst sollte das zugrunde liegende Bedürfnis verstanden werden.

Beispiel:

Anforderung:

Wir benötigen einen neuen Server.

Mögliche zugrunde liegende Bedürfnisse:

Erst nach dieser Klärung kann bewertet werden, ob ein neuer Server tatsächlich die geeignete Lösung darstellt.


Typische Inhalte von Discover


Leitfragen zu Discover


Mögliche Ergebnisse von Discover

Merke

Ein sinnvolles Ergebnis von Discover kann auch die Entscheidung sein, keine neue Lösung einzuführen.


Praxisbeispiel: wiederkehrende Anmeldeprobleme

Mehrere Benutzer können sich regelmäßig nicht anmelden.

Eine vorschnelle Lösung wäre:

Der Verzeichnisdienst muss ersetzt werden.

Discover untersucht zunächst:

Erst danach kann eine geeignete Designentscheidung getroffen werden.


Typische Fehler bei Discover


2. Design

Zentrale Frage

Wie müssen Produkt und Service gestaltet werden, damit das gewünschte Outcome sicher und nachhaltig unterstützt wird?

Design übersetzt Bedürfnisse und Erkenntnisse in eine geeignete Gesamtlösung.

Dabei werden nicht nur technische Funktionen gestaltet.

Zu berücksichtigen sind ebenfalls:


Funktionale und nichtfunktionale Anforderungen

Funktionale Anforderungen beschreiben, was eine Lösung leisten soll.

Beispiele:

Nichtfunktionale Anforderungen beschreiben Eigenschaften und Qualitätsanforderungen.

Beispiele:

Typischer Fehler

Die Funktionen werden gestaltet, während Betrieb, Support, Sicherheit und Wiederherstellung erst kurz vor der Einführung betrachtet werden.


Design betrachtet alle vier Dimensionen

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Leitfragen zu Design


Betrieb und Support bereits im Design berücksichtigen

Ein Produkt sollte nicht erst nach seiner Entwicklung „betriebsfähig gemacht“ werden.

Bereits im Design sollten unter anderem berücksichtigt werden:

Merke

Operability und Supportability sind keine nachträglichen Zusatzfunktionen.

Sie gehören zur Gestaltung eines nutzbaren und nachhaltigen digitalen Produkts und Service.


Mögliche Ergebnisse von Design


Typische Fehler bei Design


3. Acquire

Zentrale Frage

Welche Produkte, Leistungen, Ressourcen und Fähigkeiten werden benötigt und wie werden sie beschafft oder bereitgestellt?

Acquire umfasst die Beschaffung oder Zuordnung benötigter Bestandteile.

Dazu können gehören:

Acquire bedeutet nicht automatisch, dass etwas von einem externen Anbieter gekauft werden muss.

Mögliche Entscheidungen sind:


Make, Buy, Reuse oder Partner

Möglichkeit Beispiel
Make eigene Anwendung oder Automatisierung entwickeln
Buy Standardsoftware oder Hardware beschaffen
Reuse vorhandene Plattform oder Komponente weiterverwenden
Subscribe Cloud- oder SaaS-Service abonnieren
Partner Lösung gemeinsam mit einem externen Partner entwickeln
Outsource Tätigkeit oder Servicebestandteil extern erbringen lassen

Die Entscheidung sollte nicht nur anhand des Anschaffungspreises erfolgen.

Zu berücksichtigen sind beispielsweise:


Leitfragen zu Acquire


Beschaffung ist mehr als Bestellung

Eine technische Bestellung allein stellt noch keine nutzbare Ressource bereit.

Beispiel: neue Firewall

Zusätzlich zur Hardware können benötigt werden:

Typischer Fehler

Der Kaufpreis wird geplant, während Betriebskosten, Lizenzen, Support und notwendige Fähigkeiten nicht berücksichtigt werden.


Lieferanten und Exit-Planung

Bei externen Leistungen sollte bereits während Acquire geprüft werden:


Mögliche Ergebnisse von Acquire


Typische Fehler bei Acquire


4. Build

Zentrale Frage

Wie wird die entworfene Lösung erstellt, konfiguriert, integriert und überprüft?

Build umfasst die praktische Erstellung und technische Umsetzung.

Dazu können gehören:

Build bedeutet nicht ausschließlich Programmierung.

Auch die Konfiguration einer Standardsoftware oder der Aufbau einer Infrastruktur kann Teil dieser Aktivität sein.


Build und Test gehören zusammen

Eine erstellte Lösung muss überprüft werden.

Mögliche Testarten sind:

Tests sollten sich an Anforderungen und Risiken orientieren.

Merke

Ein erfolgreicher Funktionstest beweist nicht automatisch, dass eine Lösung sicher, betreibbar, wiederherstellbar und für Benutzer geeignet ist.


Leitfragen zu Build


Reproduzierbarkeit

Technische Lösungen sollten möglichst reproduzierbar aufgebaut werden.

Geeignete Maßnahmen können sein:

Reproduzierbarkeit unterstützt:


Build umfasst Betriebsbereitschaft

Während Build sollten nicht nur Produktfunktionen erstellt werden.

Ebenfalls vorzubereiten sind:


Mögliche Ergebnisse von Build


Typische Fehler bei Build


5. Transition

Zentrale Frage

Wie wird eine neue oder geänderte Lösung kontrolliert in die vorgesehene Nutzung und Verantwortung überführt?

Transition verbindet Entwicklung, Beschaffung und Aufbau mit der tatsächlichen Verwendung, dem Betrieb, der Bereitstellung und dem Support.

Mögliche Bestandteile sind:


Transition ist mehr als Deployment

Deployment beschreibt die technische Übertragung von Komponenten in eine Zielumgebung.

Transition umfasst zusätzlich die organisatorische und servicebezogene Einsatzbereitschaft.

Deployment Transition
Software wird installiert. Produkt und Service werden kontrolliert in die Nutzung überführt.
Konfiguration wird verteilt. Betrieb, Support und Stakeholder sind vorbereitet.
technische Komponente wird aktiviert. Funktion, Erfahrung, Risiken und Outcomes werden überprüft.
Daten werden migriert. Datenqualität, Benutzerzugriff und Geschäftsabläufe werden validiert.

Merke

Technisch bereitgestellt bedeutet nicht automatisch betriebsbereit, supportfähig oder für Benutzer nutzbar.


Operational Readiness

Vor einer produktiven Nutzung sollte geprüft werden:


Leitfragen zu Transition


Rückfall und Wiederherstellung

Ein Rückfallplan sollte möglichst klären:

Ein Rückfall ist nicht immer die beste oder technisch mögliche Option.

Bei Datenmigrationen oder unumkehrbaren Änderungen kann stattdessen ein alternativer Wiederherstellungsplan notwendig sein.


Mögliche Ergebnisse von Transition


Typische Fehler bei Transition


6. Operate

Zentrale Frage

Wie werden Produkte, Plattformen und technische Fähigkeiten zuverlässig, sicher und wirtschaftlich betrieben?

Operate betrachtet den laufenden technischen Betrieb.

Dazu gehören beispielsweise:

Operate sorgt dafür, dass die technischen Fähigkeiten vorhanden bleiben, auf denen Services aufbauen.


Operate und Deliver unterscheiden

Operate konzentriert sich stärker auf den laufenden Betrieb der technischen Produkt- und Plattformbestandteile.

Deliver konzentriert sich stärker darauf, Services und Serviceangebote für Stakeholder nutzbar bereitzustellen.

Beispiel: E-Mail

Operate

Deliver

Beide Aktivitäten überschneiden und beeinflussen sich.


Leitfragen zu Operate


Stabilität und Veränderung

Operate bedeutet nicht, technische Systeme möglichst unverändert zu lassen.

Ein stabiler Betrieb benötigt regelmäßig:

Diese Änderungen müssen kontrolliert erfolgen.

Merke

Stabilität entsteht nicht durch Stillstand.

Sie entsteht durch kontrollierte Veränderung, Überwachung und angemessene Wiederherstellungsfähigkeit.


Technische Schulden im Betrieb

Technische Schulden können sich zeigen durch:

Sie sollten:

werden.


Mögliche Ergebnisse von Operate


Typische Fehler bei Operate


7. Deliver

Zentrale Frage

Wie werden Services und Serviceangebote so bereitgestellt, dass Stakeholder die vorgesehenen Outcomes erreichen können?

Deliver betrachtet die tatsächliche Bereitstellung und Steuerung des Service gegenüber Benutzern, Kunden und weiteren Stakeholdern.

Dazu können gehören:


Technische Verfügbarkeit und Servicebereitstellung

Ein technisches System kann verfügbar sein, während der Service für den Benutzer nicht nutzbar ist.

Beispiele:

Deliver betrachtet deshalb nicht nur technische Funktion, sondern auch die tatsächliche Nutzbarkeit und Leistung des Service.


Leitfragen zu Deliver


Serviceangebot

Ein Serviceangebot kann unterschiedliche Bestandteile verbinden:

Praxisbeispiel: Arbeitsplatzservice

Mögliche Bestandteile:

Der Benutzer benötigt normalerweise nicht jeden technischen Bestandteil einzeln.

Er benötigt einen arbeitsfähigen Arbeitsplatz als nutzbares Gesamtergebnis.


Servicequalität und Erfahrung

Servicequalität kann sowohl objektive als auch subjektive Aspekte besitzen.

Mögliche objektive Informationen:

Mögliche Erfahrungsaspekte:

Merke

Ein Service kann technische Zielwerte erfüllen und trotzdem eine schlechte Benutzererfahrung erzeugen.


Mögliche Ergebnisse von Deliver


Typische Fehler bei Deliver


8. Support

Zentrale Frage

Wie werden Benutzer, Kunden, Produkte und Services bei Fragen, Anfragen, Problemen und Störungen wirksam unterstützt?

Support umfasst die Unterstützung während der Nutzung eines Produkts oder Service.

Dazu können gehören:

Support beschränkt sich nicht darauf, Tickets möglichst schnell zu schließen.

Das Ziel besteht darin, negative Auswirkungen zu begrenzen, Nutzung zu ermöglichen und wertvolle Erkenntnisse zurück in den Lebenszyklus zu führen.


Support als Informationsquelle

Support erhält häufig direkte Informationen über:

Diese Erkenntnisse sollten nicht ausschließlich im einzelnen Ticket bleiben.

Sie können zurückfließen in:

Merke

Support ist nicht nur die letzte Aktivität des Modells.

Support liefert Erkenntnisse für den gesamten Product and Service Lifecycle.


Leitfragen zu Support


Supportfähigkeit bereits vorher aufbauen

Wirksamer Support benötigt unter anderem:

Diese Voraussetzungen müssen bereits in Design, Build und Transition berücksichtigt werden.


Mögliche Ergebnisse von Support


Typische Fehler bei Support


Zusammenwirken der acht Aktivitäten

Praxisbeispiel: Einführung eines neuen sicheren Fernzugriffs

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Operate

Deliver

Support


Continual Improvement über den gesamten Lifecycle

Continual Improvement ist nicht auf das Ende des Lebenszyklus beschränkt.

Jede Aktivität kann verbessert werden.

Lifecycle-Aktivität Beispiel für eine Verbesserung
Discover Benutzerfeedback früher und systematischer erfassen
Design Betriebs- und Sicherheitsanforderungen früher berücksichtigen
Acquire Exit-Anforderungen in Lieferantenbewertungen aufnehmen
Build Tests und Bereitstellung stärker automatisieren
Transition Pilot- und Rückfallverfahren verbessern
Operate wiederkehrende Wartung automatisieren
Deliver Serviceangebote verständlicher gestalten
Support bekannte Lösungen schneller auffindbar machen

Erkenntnisse aus späteren Aktivitäten können frühere Aktivitäten erneut auslösen.

Beispiel:

Support erkennt viele Anfragen zu einer unverständlichen Funktion.

Dies kann führen zu:


Governance über den gesamten Lifecycle

Governance wirkt auf alle acht Aktivitäten.

Zu klären sind unter anderem:

Governance sollte nicht erst bei der produktiven Einführung beginnen.

Ungeeignete Grundentscheidungen in Discover, Design oder Acquire können später nur mit hohem Aufwand korrigiert werden.


Die Guiding Principles im Lifecycle

Guiding Principle Anwendung im Lifecycle
Focus on value jede Aktivität am benötigten Outcome ausrichten
Start where you are bestehende Produkte, Fähigkeiten und Daten berücksichtigen
Progress iteratively with feedback Versionen, Piloten und kontrollierte Schritte verwenden
Collaborate and promote visibility Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportteams verbinden
Think and work holistically alle acht Aktivitäten und vier Dimensionen berücksichtigen
Keep it simple and practical unnötige Übergaben und Komplexität vermeiden
Optimize and automate Arbeitsweisen verbessern und geeignete Teile automatisieren

Künstliche Intelligenz im Lifecycle

KI kann in allen Lifecycle-Aktivitäten verwendet werden.

Beispiele:

Aktivität Mögliche KI-Unterstützung
Discover Muster in Feedback und Nutzungsdaten erkennen
Design Varianten analysieren oder Prototypen unterstützen
Acquire Angebote und Anforderungen vergleichen
Build Code-, Konfigurations- oder Testunterstützung
Transition Risiken und Migrationsdaten analysieren
Operate Anomalien und mögliche Ausfälle erkennen
Deliver Services personalisieren oder Interaktionen unterstützen
Support Tickets klassifizieren und Lösungsvorschläge bereitstellen

Dabei bleiben notwendig:

Sicherheitsrelevant

KI-Unterstützung ersetzt nicht die Verantwortung der zuständigen Personen und Organisation.


Wo befindet sich die Außerbetriebnahme?

Das offizielle ITIL-Version-5-Modell nennt acht Aktivitäten und enthält keine separate neunte Aktivität mit der Bezeichnung Retire.

Die Ablösung oder Außerbetriebnahme eines Produkts oder Service muss trotzdem kontrolliert gestaltet werden.

Dazu können Beiträge aus mehreren Aktivitäten gehören:

Discover

Design

Acquire und Build

Transition

Operate

Deliver und Support

Zusätzlich können Practices wie folgende beteiligt sein:

Wichtig

Außerbetriebnahme bedeutet nicht nur, ein System auszuschalten.

Daten, Zugänge, Verträge, Assets, Dokumentationen, Abhängigkeiten und Sicherheitsanforderungen müssen ebenfalls behandelt werden.


Anwendung bei einem Incident

Ein Incident findet hauptsächlich während Operate, Deliver oder Support statt.

Seine Erkenntnisse können jedoch den gesamten Lifecycle beeinflussen.

Beispiel:

Ein Zertifikat läuft ab und verursacht einen Serviceausfall.

Support

Operate

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Deliver


Anwendung bei einem Change

Ein Change kann mehrere Lifecycle-Aktivitäten betreffen.

Beispiel: Datenbank-Upgrade

Merke

Change Management unterstützt die kontrollierte Veränderung.

Der Product and Service Lifecycle zeigt den größeren Zusammenhang, in dem die Veränderung stattfindet.


Anwendung bei einem kleinen Standardservice

Nicht jede Servicebereitstellung benötigt ein umfangreiches Projekt.

Beispiel: Standardsoftware für einen Mitarbeiter bereitstellen

Discover

Design

Acquire

Build

Transition

Operate

Deliver

Support

Bei einem standardisierten und risikoarmen Fall können viele Schritte automatisiert und sehr kompakt ausgeführt werden.


Typische Missverständnisse

Missverständnis 1: Die Aktivitäten werden immer einmal nacheinander durchgeführt

Tatsächlich können sie wiederholt, übersprungen, kombiniert oder gleichzeitig durchgeführt werden.


Missverständnis 2: Nach Transition beginnt ausschließlich der Betrieb

Auch während Operate, Deliver und Support können neue Discovery-, Design- und Build-Aktivitäten stattfinden.


Missverständnis 3: Build bedeutet nur Softwareentwicklung

Build kann auch Installation, Konfiguration, Integration, Automatisierung und technische Tests umfassen.


Missverständnis 4: Acquire bedeutet nur Einkauf

Acquire kann auch interne Ressourcen, Fähigkeiten, Daten, Lizenzen und wiederverwendete Komponenten umfassen.


Missverständnis 5: Operate und Deliver bedeuten dasselbe

Operate konzentriert sich stärker auf den technischen Betrieb. Deliver betrachtet stärker die tatsächliche Servicebereitstellung und das Stakeholder-Outcome.


Missverständnis 6: Support beginnt erst nach der Einführung

Supportfähigkeit muss bereits während Design, Build und Transition vorbereitet werden.


Missverständnis 7: Lifecycle und Value Stream sind identisch

Der Lifecycle stellt allgemeine Aktivitäten bereit. Ein Value Stream verbindet konkrete Schritte für ein bestimmtes Outcome.


Missverständnis 8: Ein Produkt ist nach dem ersten Release fertig

Digitale Produkte und Services werden weiter betrieben, unterstützt, verändert und verbessert.


Missverständnis 9: Eine erfolgreiche Transition beendet die Verantwortung des Produktteams

Produkt-, Service-, Betriebs- und Supportverantwortung müssen weiterhin zusammenarbeiten.


Missverständnis 10: Das Modell besitzt automatisch für jede Organisation dieselben Rollen

Die konkrete Rollenverteilung wird von der jeweiligen Organisation gestaltet.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker sind nicht nur in Operate und Support beteiligt.

Sie können Beiträge über den gesamten Lifecycle leisten.

Aktivität Möglicher Beitrag
Discover technische Ausgangslage und bestehende Probleme erklären
Design Architektur, Betrieb, Sicherheit und Wiederherstellung mitgestalten
Acquire technische Anforderungen an Produkte und Lieferanten bewerten
Build Systeme installieren, konfigurieren, integrieren und testen
Transition Migration, Deployment und Betriebsübernahme unterstützen
Operate Infrastruktur und Plattformen betreiben
Deliver Servicebereitstellung und Nutzbarkeit sicherstellen
Support Incidents, Anfragen und technische Probleme bearbeiten

Praxistipp

Bringe Betriebs- und Supportwissen möglichst früh ein.

Viele spätere Probleme können bereits während Discover, Design und Build verhindert werden.


30-Sekunden-Prüfung

Bei einem Produkt, Service oder Change kannst du acht Kurzfragen stellen:

  1. Discover: Verstehen wir den tatsächlichen Bedarf?
  2. Design: Ist die Gesamtlösung einschließlich Betrieb und Support gestaltet?
  3. Acquire: Sind alle notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten verfügbar?
  4. Build: Wurde die Lösung erstellt, integriert und ausreichend getestet?
  5. Transition: Kann sie kontrolliert und mit Rückfallmöglichkeit eingeführt werden?
  6. Operate: Kann sie zuverlässig und sicher betrieben werden?
  7. Deliver: Ist der Service für Stakeholder tatsächlich nutzbar?
  8. Support: Können Benutzer und Service wirksam unterstützt werden?

Checkliste zu Discover


Checkliste zu Design


Checkliste zu Acquire


Checkliste zu Build


Checkliste zu Transition


Checkliste zu Operate


Checkliste zu Deliver


Checkliste zu Support


Gesamtcheck für den Product and Service Lifecycle


Schnellreferenz

Aktivität Kurzfrage
Discover Was wird benötigt und warum?
Design Wie muss die Gesamtlösung gestaltet sein?
Acquire Welche Ressourcen und Fähigkeiten werden benötigt?
Build Wie wird die Lösung erstellt und getestet?
Transition Wie wird sie kontrolliert in die Nutzung überführt?
Operate Wie wird sie zuverlässig und sicher betrieben?
Deliver Wie wird der Service für Stakeholder nutzbar bereitgestellt?
Support Wie werden Benutzer, Produkt und Service unterstützt?

Zusammenfassende Darstellung

Discover
Bedarf, Chancen und Ausgangslage verstehen

Design
Produkt, Service und Gesamtlösung gestalten

Acquire
Ressourcen, Produkte und Fähigkeiten beschaffen

Build
erstellen, konfigurieren, integrieren und testen

Transition
kontrolliert in die vorgesehene Nutzung überführen

Operate
technische Fähigkeiten zuverlässig betreiben

Deliver
Services für Stakeholder bereitstellen

Support
Benutzer, Produkte und Services unterstützen

Feedback und Continual Improvement

erneutes Discover, Design oder eine andere benötigte Aktivität

Die Darstellung dient als Lernhilfe.

Das offizielle Modell ist nicht starr oder ausschließlich linear. Jede Aktivität kann Erkenntnisse für jede andere Aktivität liefern.


Verwandte Seiten


Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

ITIL Version 5 verwendet einen gemeinsamen Product and Service Lifecycle mit acht Aktivitäten:

Die offiziellen Veröffentlichungen beschreiben das Modell als ganzheitlich, flexibel und nicht starr linear.

Aktivitäten können sich gegenseitig beeinflussen, wiederholt werden und für unterschiedliche Versionen eines Produkts oder Service gleichzeitig stattfinden.

Die detaillierten Leitfragen, Beispiele, Checklisten und praktischen Einordnungen auf dieser Seite sind eigene herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation vorgeschriebenen Arbeitsabläufe dar.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 1 August 2026 22:12:11 by Admin
Updated 1 August 2026 22:12:34 by Admin