2.8 Value Streams und Value Stream Mapping

Kurz erklärt

Ein Value Stream beschreibt den Ende-zu-Ende-Weg, durch den aus einem Bedarf, einer Nachfrage oder einer Chance ein nutzbares Ergebnis und Wert für Stakeholder entstehen.

Value Stream Mapping macht diesen Weg sichtbar.

Dabei werden nicht nur einzelne Prozessschritte betrachtet, sondern auch:

  • beteiligte Personen und Teams,
  • Management Practices,
  • Informationen,
  • Technologien,
  • Partner und Lieferanten,
  • Entscheidungen,
  • Kontrollen,
  • Übergaben,
  • Wartezeiten,
  • Nacharbeit,
  • Risiken,
  • und Rückmeldungen.

Ziel ist nicht, ein besonders umfangreiches Ablaufdiagramm zu erstellen.

Ziel ist, den tatsächlichen Arbeitsfluss zu verstehen und gezielt zu verbessern.


Warum Value Streams wichtig sind

Digitale Produkte und Services entstehen normalerweise nicht innerhalb eines einzigen Teams.

Ein benötigtes Outcome kann Beiträge erfordern von:

Jeder Beteiligte kann seinen eigenen Arbeitsschritt korrekt ausführen.

Der gesamte Ablauf kann trotzdem:

sein.

Beispiel:

Ein neuer Mitarbeiter benötigt einen arbeitsfähigen IT-Arbeitsplatz.

Alle beteiligten Teams können ihre jeweilige Aufgabe korrekt ausführen:

Der Mitarbeiter kann am ersten Arbeitstag trotzdem nicht arbeiten, wenn:

Merke

Die Qualität einzelner Arbeitsschritte garantiert noch kein gutes Ende-zu-Ende-Ergebnis.


Was ist ein Value Stream?

Ein Value Stream ist eine zusammenhängende Abfolge von Schritten, durch die ein bestimmtes Outcome und Wert für einen Stakeholder ermöglicht werden.

Ein Value Stream besitzt normalerweise:

Beispiele für Value Streams:

Wichtig

Ein Value Stream sollte anhand des benötigten Outcomes benannt werden.

Ein Name wie „Ticket bearbeiten“ ist häufig zu eng.

Ein geeigneterer Name kann beispielsweise lauten:

„Benutzer nach einer Störung wieder arbeitsfähig machen.“


Auslöser, Output, Outcome und Wert

Diese Begriffe müssen unterschieden werden.

Begriff Bedeutung Beispiel
Auslöser Ereignis, Nachfrage oder Chance, die den Wertstrom startet neuer Mitarbeiter tritt ein
Input benötigte Informationen oder Ressourcen Eintrittsdatum, Rolle und genehmigte Zugriffe
Aktivität durchgeführter Arbeitsschritt Benutzerkonto erstellen
Output direkt erzeugtes Ergebnis einer Aktivität Benutzerkonto wurde angelegt
Outcome durch Stakeholder ermöglichtes Ergebnis Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen
Wert wahrgenommener Nutzen unter Berücksichtigung von Outcomes, Kosten und Risiken produktiver und sicherer Arbeitsbeginn

Ein Output ist nicht automatisch das gewünschte Outcome.

Beispiel:

Output: Das VPN wurde installiert.

Outcome: Der Benutzer kann sicher auf die benötigten Anwendungen zugreifen.

Merke

Value Streams werden vom benötigten Outcome aus betrachtet und nicht nur anhand erledigter technischer Tätigkeiten.


Value Stream und Value Stream Mapping

Begriff Bedeutung
Value Stream tatsächlicher oder geplanter Ende-zu-Ende-Weg zum Outcome
Value Stream Mapping strukturierte Darstellung und Untersuchung dieses Weges
Value Stream Management fortlaufende Steuerung, Messung und Verbesserung des Wertstroms

Value Stream Mapping ist damit keine einmalige Zeichenübung.

Die Abbildung soll dabei helfen:


Value Stream, Value Chain und Lifecycle unterscheiden

Begriff Bedeutung
ITIL Value System übergeordneter Rahmen für Wertschöpfung innerhalb der Organisation
Value Chain flexibles operatives Modell innerhalb des ITIL Value Systems
Product and Service Lifecycle acht allgemeine Aktivitäten über den Lebenszyklus digitaler Produkte und Services
Value Stream konkrete Ende-zu-Ende-Abfolge für ein bestimmtes Outcome
Prozess strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen
Management Practice organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck
Customer oder User Journey Erfahrung eines Kunden oder Benutzers über mehrere Interaktionen hinweg

Beispiel: neue Anwendung für eine Fachabteilung

Lifecycle

Value Stream

Bedarf der Fachabteilung erfassen
→ Lösung auswählen und bereitstellen
→ Benutzer befähigen
→ produktive Nutzung bestätigen

Beteiligte Practices

Prozesse

User Journey

Merke

Der Lifecycle stellt allgemeine Aktivitäten bereit.

Der Value Stream zeigt den konkreten Weg zum Outcome.

Practices liefern die dafür benötigten Fähigkeiten.


Value Streams überschreiten Organisationsgrenzen

Ein Value Stream endet nicht automatisch an einer Team-, Abteilungs- oder Unternehmensgrenze.

Beispiel: Internetzugang eines Standorts wiederherstellen

Mögliche Beteiligte:

Der Wertstrom endet nicht bereits dann, wenn das interne Netzwerkteam ein Ticket an den Provider übermittelt hat.

Er endet erst, wenn das gewünschte Outcome erreicht oder eine andere vereinbarte Entscheidung getroffen wurde.

Mögliches Outcome:

Der Standort besitzt wieder einen stabilen und ausreichend leistungsfähigen Internetzugang.

Typischer Fehler

Ein Team betrachtet seinen eigenen Arbeitsschritt als abgeschlossen, obwohl das Ende-zu-Ende-Outcome noch nicht erreicht wurde.


Die Grenzen eines Value Streams festlegen

Vor der Abbildung muss geklärt werden:

Unklare Abgrenzung:

Wir bilden den gesamten IT-Support ab.

Bessere Abgrenzung:

Wir bilden den Wertstrom ab, durch den ein Benutzer nach einer gemeldeten Arbeitsplatzstörung wieder arbeitsfähig wird.

Eine klare Grenze verhindert, dass die Darstellung:

wird.


Aktueller und zukünftiger Zustand

Beim Value Stream Mapping werden häufig zwei Zustände unterschieden.

Zustand Zweck
Ist-Zustand zeigt, wie die Arbeit tatsächlich heute erfolgt
Zielzustand zeigt, wie der verbesserte Wertstrom künftig funktionieren soll

Der Ist-Zustand darf nicht ausschließlich aus vorhandenen Prozessdokumentationen übernommen werden.

Er sollte anhand tatsächlicher Informationen untersucht werden.

Geeignete Quellen können sein:

Wichtig

Dokumentierter Prozess und tatsächlich gelebter Ablauf können deutlich voneinander abweichen.


Was in einer Value-Stream-Darstellung enthalten sein kann

Eine praktische Darstellung kann folgende Elemente enthalten:

Element Beispiel
Auslöser Benutzer meldet einen Incident
Stakeholder Benutzer, Service Desk und technisches Team
gewünschtes Outcome Benutzer kann wieder arbeiten
Schritt Incident erfassen
verantwortliche Rolle Service-Desk-Mitarbeiter
benötigte Information Symptome und betroffener Service
verwendetes Werkzeug Ticketsystem
beteiligte Practice Incident Management
Bearbeitungszeit 10 Minuten
Wartezeit 45 Minuten
Übergabe Service Desk an Netzwerkteam
Entscheidung Eskalation erforderlich?
Kontrolle Benutzer bestätigt Wiederherstellung
Nacharbeit Ticket wegen fehlender Informationen zurückgegeben
Lieferant Internetprovider
Risiko falsche Priorisierung
Messgröße gesamte Wiederherstellungszeit
Verbesserungsmöglichkeit Pflichtinformationen bei Erfassung verbessern

Nicht jede Darstellung muss alle Elemente enthalten.

Der Detaillierungsgrad richtet sich nach:


Eine einfache Darstellungsform

Für kleinere Wertströme kann eine Tabelle ausreichen.

Nr. Schritt Verantwortlich Ergebnis Bearbeitungszeit Wartezeit Problem
1 Anfrage erfassen Service Desk vollständiges Ticket 10 Min. 0 Min. Pflichtangaben fehlen häufig
2 Zugriff prüfen Fachverantwortlicher fachliche Freigabe 5 Min. 2 Tage keine Vertretung
3 Zugriff einrichten Administration technische Berechtigung 15 Min. 4 Std. manuelle Gruppensuche
4 Funktion testen Administration technischer Test 10 Min. 0 Min. Benutzer nicht beteiligt
5 Nutzung bestätigen Benutzer bestätigtes Outcome 5 Min. 1 Tag Rückmeldung wird nicht nachverfolgt

Gesamte Bearbeitungszeit:

45 Minuten

Gesamte Wartezeit:

mehr als 3 Tage

Das Beispiel zeigt:

Die lange Durchlaufzeit entsteht nicht hauptsächlich durch langsame technische Ausführung.

Sie entsteht überwiegend durch:


Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit unterscheiden

Begriff Bedeutung
Bearbeitungszeit Zeit, in der aktiv an einem Vorgang gearbeitet wird
Wartezeit Zeit, in der keine wertstromrelevante Bearbeitung erfolgt
Durchlaufzeit gesamte Zeit vom Auslöser bis zum abgeschlossenen Outcome
Übergabezeit Zeit und Aufwand beim Wechsel zwischen Rollen, Teams oder Systemen
Nacharbeitszeit zusätzlicher Aufwand aufgrund unvollständiger oder fehlerhafter Arbeit

Beispiel:

Merke

Eine lange Durchlaufzeit bedeutet nicht automatisch, dass Mitarbeiter langsam arbeiten.

Häufig entstehen Verzögerungen zwischen den aktiven Arbeitsschritten.


Weitere mögliche Messgrößen

Je nach Wertstrom können unter anderem betrachtet werden:

Eine einzelne Kennzahl sollte nicht isoliert optimiert werden.

Beispiel:

Eine geringere Bearbeitungszeit kann erreicht werden, indem Tickets schneller an andere Teams weitergegeben werden.

Dadurch können jedoch:

entstehen.


Übergaben sichtbar machen

Übergaben sind Stellen, an denen Arbeit, Verantwortung oder Informationen von einer Rolle, einem Team oder einem System zu einem anderen wechseln.

Beispiele:

An Übergaben können entstehen:

Bei jeder Übergabe sollte geprüft werden:


Warteschlangen und Engpässe

Ein Engpass begrenzt den Fluss des gesamten Wertstroms.

Mögliche Engpässe sind:

Anzeichen für einen Engpass:

Wichtig

Wird nur ein Schritt vor dem eigentlichen Engpass beschleunigt, kann sich die Warteschlange am Engpass weiter vergrößern.


Nacharbeit und Rückschleifen

Nacharbeit entsteht, wenn ein Schritt erneut durchgeführt oder korrigiert werden muss.

Mögliche Ursachen:

Beispiel:

  1. Benutzer beantragt Zugriff.
  2. Administration richtet den Zugriff ein.
  3. Fachverantwortlicher stellt fest, dass der falsche Berechtigungsumfang gewählt wurde.
  4. Zugriff muss entfernt und erneut eingerichtet werden.

Die Nacharbeit erhöht:

Sie kann außerdem das Vertrauen der Stakeholder beeinträchtigen.


Kontrollen und Freigaben untersuchen

Kontrollen können notwendig sein für:

Beim Mapping sollte nicht automatisch jede Kontrolle entfernt werden.

Stattdessen wird geprüft:

Typischer Fehler

Eine Genehmigung wird entfernt, nur weil sie Zeit kostet.

Zuerst muss verstanden werden, welches Risiko oder welche Verpflichtung sie behandelt.


Arbeit mit und ohne direkten Wertbeitrag

Nicht jeder notwendige Schritt erzeugt unmittelbar einen für den Benutzer sichtbaren Wert.

Eine praktische Unterscheidung kann sein:

Kategorie Bedeutung Beispiel
direkter Wertbeitrag unterstützt unmittelbar das gewünschte Outcome benötigten Zugriff bereitstellen
notwendige unterstützende Arbeit ist für Sicherheit, Steuerung oder Zuverlässigkeit erforderlich Berechtigung prüfen
vermeidbare Arbeit besitzt keinen ausreichenden Nutzen oder entsteht durch Fehler dieselben Daten erneut erfassen
Nacharbeit korrigiert unvollständige oder fehlerhafte Ergebnisse falsche Berechtigung entfernen

Nicht sichtbare Arbeit ist nicht automatisch unnötig.

Beispiele für notwendige unterstützende Tätigkeiten:

Diese Tätigkeiten sollten jedoch:

werden.


Value Stream Mapping und die vier Dimensionen

Eine vollständige Untersuchung berücksichtigt alle vier Dimensionen.

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Value Streams und der Product and Service Lifecycle

Die acht Lifecycle-Aktivitäten können in einem Value Stream unterschiedlich kombiniert werden.

Beispiel: neue Monitoring-Lösung einführen

Lifecycle-Aktivität Möglicher Beitrag zum Value Stream
Discover Bedarf, Ausfälle und heutige Überwachung verstehen
Design Zielarchitektur, Alarmierung und Betriebsmodell gestalten
Acquire Plattform, Lizenzen oder externe Leistungen beschaffen
Build Lösung konfigurieren, integrieren und testen
Transition Pilot und kontrollierte Einführung durchführen
Operate Plattform zuverlässig betreiben
Deliver relevante Monitoring-Leistungen für Teams bereitstellen
Support Benutzer und Administratoren bei Problemen unterstützen

Ein anderer Value Stream verwendet möglicherweise nur einen Teil dieser Aktivitäten oder wiederholt einzelne Aktivitäten mehrfach.

Merke

Der Lifecycle liefert allgemeine Aktivitätsbereiche.

Der Value Stream verbindet die konkret benötigten Schritte für ein bestimmtes Outcome.


Value Streams und Management Practices

Ein Value Stream verwendet normalerweise mehrere Practices.

Beispiel: Incident eines extern betriebenen Cloud-Service

Schritt Mögliche beteiligte Practice
Störung erkennen Monitoring and Event Management
Benutzerkontakt erfassen Service Desk
Auswirkungen und Priorität bewerten Incident Management
Abhängigkeiten ermitteln Service Configuration Management
bekannte Lösung suchen Knowledge Management
Anbieter einbinden Supplier Management
Service wiederherstellen Incident Management und technische Practices
Ursache untersuchen Problem Management
dauerhafte Korrektur steuern Change Enablement
Erfahrung auswerten Continual Improvement

Practices dürfen dabei nicht als getrennte Teilprozesse betrachtet werden, zwischen denen ein Vorgang nur weitergereicht wird.

Sie sollen gemeinsam das Ende-zu-Ende-Outcome unterstützen.


Praxisnahe Vorgehensweise zum Value Stream Mapping

Die folgende Vorgehensweise ist eine redaktionelle Praxisempfehlung dieses Buches.

Sie ist keine vorgeschriebene offizielle ITIL-Schrittfolge.


1. Zweck und Outcome festlegen

Zuerst wird geklärt:

Beispiel:

Ziel ist, neue Mitarbeiter spätestens zum vereinbarten Eintrittszeitpunkt mit einem vollständig nutzbaren und sicheren IT-Arbeitsplatz auszustatten.


2. Auslöser und Abschluss bestimmen

Auslöser:

Die Personalabteilung übermittelt eine vollständige und bestätigte Eintrittsmeldung.

Abschluss:

Der Mitarbeiter bestätigt, dass Anmeldung, Endgerät und benötigte Services funktionieren.

Dadurch wird vermieden, dass der Wertstrom zu früh endet.


3. Beteiligte Stakeholder bestimmen

Mögliche Beteiligte:

Zusätzlich sollte geklärt werden:


4. Tatsächliche Schritte erfassen

Die Beteiligten beschreiben, wie ein realer Vorgang heute abläuft.

Nicht nur:

Wie sollte der Prozess funktionieren?

Sondern:

Was geschieht tatsächlich?

Dabei können reale Tickets oder Fälle verfolgt werden.

Mögliche Schritte:

  1. Eintritt melden
  2. Rolle und Zugriffe bestimmen
  3. Freigaben einholen
  4. Endgerät bestellen
  5. Benutzerkonto erstellen
  6. Lizenzen zuweisen
  7. Endgerät konfigurieren
  8. Sicherheitsmaßnahmen aktivieren
  9. Zugriffe testen
  10. Gerät übergeben
  11. Arbeitsfähigkeit bestätigen

5. Informationen, Werkzeuge und Practices ergänzen

Für jeden Schritt wird geprüft:

Beispiel:

Schritt Information Werkzeug Practice
Endgerät bereitstellen Rolle und Hardwarestandard Asset- und Ticketsystem IT Asset Management
Konto erstellen Name, Eintrittsdatum und Organisationseinheit Verzeichnisdienst Service Request Management
Zugriffe einrichten genehmigter Berechtigungsumfang IAM-System Information Security Management
Nutzung bestätigen Benutzerfeedback Ticket oder Portal Service Desk

6. Zeiten und Übergaben erfassen

Für jeden Schritt können erfasst werden:

Nicht jede Zeit muss auf die Minute genau bekannt sein.

Auch eine erste Einteilung kann hilfreich sein:


7. Probleme und Risiken kennzeichnen

Mögliche Beobachtungen:

Probleme sollten möglichst mit Fakten oder Beispielen belegt werden.


8. Ursachen untersuchen

Nicht jedes sichtbare Problem ist die eigentliche Ursache.

Beispiel:

Symptom: Endgerät ist am ersten Arbeitstag nicht verfügbar.

Mögliche Ursachen:

Eine Verbesserung sollte möglichst die relevante Ursache behandeln und nicht nur das Symptom verschieben.


9. Zielzustand gestalten

Der Zielzustand beschreibt, wie der Wertstrom künftig funktionieren soll.

Mögliche Verbesserungen:

Der Zielzustand sollte:

sein.


10. Verbesserungen priorisieren und umsetzen

Verbesserungen können bewertet werden nach:

Nicht alle Verbesserungen müssen gleichzeitig umgesetzt werden.

Ein iteratives Vorgehen kann beispielsweise beginnen mit:

  1. vollständige Eintrittsmeldung sicherstellen
  2. klare Verantwortlichkeit festlegen
  3. Status sichtbar machen
  4. Standardpakete definieren
  5. geeignete Schritte automatisieren
  6. Wirkung messen
  7. weitere Engpässe bearbeiten

Value Stream Management nach dem Mapping

Nach der ersten Abbildung muss der Wertstrom fortlaufend gesteuert werden.

Dazu gehören:

Mögliche Fragen:


Governance von Value Streams

Für wichtige Value Streams sollte geklärt sein:

Ein Value Stream kann mehrere organisatorische Verantwortungsbereiche überschreiten.

Trotzdem muss eine geeignete Koordination des Gesamtergebnisses bestehen.

Typischer Fehler

Jeder Schritt besitzt einen Verantwortlichen, aber niemand verantwortet das gesamte Ende-zu-Ende-Outcome.


Value Stream Mapping bei einem Incident

Beispielwertstrom:

Benutzer nach einem Serviceausfall wieder arbeitsfähig machen

Mögliche Schritte:

  1. Störung erkennen oder melden
  2. Incident erfassen
  3. Auswirkungen und Dringlichkeit bewerten
  4. betroffenen Service bestimmen
  5. erste Diagnose durchführen
  6. zuständiges Fachwissen einbinden
  7. Service wiederherstellen
  8. Funktion technisch prüfen
  9. Nutzbarkeit mit dem Benutzer bestätigen
  10. Kommunikation abschließen
  11. notwendige Folgeaktivitäten einleiten

Mögliche Probleme:

Mögliche Messgrößen:


Value Stream Mapping bei einem Service Request

Beispielwertstrom:

genehmigte Standardsoftware für einen Benutzer nutzbar bereitstellen

Mögliche Schritte:

  1. Software anfordern
  2. Berechtigung und Bedarf prüfen
  3. Lizenzverfügbarkeit kontrollieren
  4. erforderliche Freigabe einholen
  5. Software bereitstellen
  6. Installation oder Zuweisung prüfen
  7. Benutzer informieren
  8. Nutzbarkeit bestätigen
  9. Asset- und Lizenzinformationen aktualisieren

Mögliche Verbesserungen:


Value Stream Mapping bei einem Change

Beispielwertstrom:

Sicherheitsupdate kontrolliert und ohne vermeidbare Serviceunterbrechung bereitstellen

Mögliche Schritte:

  1. Handlungsbedarf erkennen
  2. betroffene Produkte und Services bestimmen
  3. Risiko und Dringlichkeit bewerten
  4. Update testen
  5. Umsetzungs- und Rückfallplan erstellen
  6. Autorisierung einholen
  7. Beteiligte informieren
  8. Update bereitstellen
  9. technische Funktion prüfen
  10. Service-Nutzbarkeit prüfen
  11. Monitoring fortführen
  12. Dokumentation und Konfigurationsinformationen aktualisieren

Mögliche Probleme:


Value Streams und Automatisierung

Automatisierung kann den Fluss verbessern, wenn:

Geeignete Beispiele:

Ungeeignet ist Automatisierung, wenn:

Grundsatz

Einen schlechten Wertstrom zu automatisieren kann dazu führen, dass Fehler und Verschwendung nur schneller ausgeführt werden.


Künstliche Intelligenz in Value Streams

KI kann innerhalb von Value Streams beispielsweise unterstützen bei:

Dabei müssen unter anderem berücksichtigt werden:

Beispiel:

Eine KI schlägt die automatische Genehmigung eines Zugriffs vor.

Vor einer solchen Automatisierung muss geklärt sein:

Sicherheitsrelevant

Die Verwendung von KI verändert nicht automatisch bestehende Verantwortlichkeiten und Governance-Anforderungen.


Value Streams und Continual Improvement

Value Stream Mapping liefert eine Grundlage für Continual Improvement.

Möglicher Verbesserungszyklus:

  1. benötigtes Outcome bestimmen
  2. aktuellen Wertstrom erfassen
  3. Daten und Feedback sammeln
  4. Engpässe und Risiken erkennen
  5. Ursachen untersuchen
  6. Zielzustand gestalten
  7. Verbesserungen priorisieren
  8. schrittweise umsetzen
  9. Wirkung messen
  10. Wertstrom erneut bewerten

Verbesserungen können betreffen:

Merke

Value Stream Mapping zeigt nicht nur, wo Arbeit stattfindet.

Es zeigt, wo Wertfluss behindert wird und wo Verbesserungen ansetzen können.


Typische Fehler beim Value Stream Mapping

Fehler 1: Nur den dokumentierten Soll-Prozess abbilden

Der tatsächlich gelebte Arbeitsablauf bleibt unbekannt.


Fehler 2: An Abteilungsgrenzen aufhören

Der gesamte Weg zum Stakeholder-Outcome wird nicht betrachtet.


Fehler 3: Zu großen Umfang wählen

Der Wertstrom wird so umfangreich, dass keine konkreten Verbesserungen mehr erkennbar sind.


Fehler 4: Nur technische Schritte betrachten

Menschen, Informationen, Lieferanten, Kontrollen und Benutzererfahrung fehlen.


Fehler 5: Nur Bearbeitungszeiten messen

Wartezeit, Übergaben, Nacharbeit und Verzögerungen bleiben unsichtbar.


Fehler 6: Jede nicht sichtbare Tätigkeit als Verschwendung betrachten

Notwendige Sicherheits-, Qualitäts- oder Compliance-Kontrollen werden ungeprüft infrage gestellt.


Fehler 7: Das Diagramm als Endergebnis betrachten

Probleme werden sichtbar gemacht, aber Verbesserungen werden nicht priorisiert oder umgesetzt.


Fehler 8: Mitarbeiter für Probleme im Wertstrom verantwortlich machen

Systemische Ursachen wie fehlende Informationen, ungeeignete Werkzeuge und widersprüchliche Ziele werden übersehen.


Fehler 9: Nur einen idealen Einzelfall betrachten

Ausnahmen, Fehler, Eskalationen und Lieferantenabhängigkeiten bleiben unbekannt.


Fehler 10: Lokale Kennzahlen optimieren

Einzelne Teams verbessern ihre Werte, während sich das Ende-zu-Ende-Outcome verschlechtert.


Fehler 11: Zielzustand ohne Messgrößen gestalten

Später kann nicht festgestellt werden, ob die Verbesserung tatsächlich wirksam war.


Fehler 12: Zu früh automatisieren

Ein ungeeigneter oder instabiler Ablauf wird technisch festgeschrieben.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker sehen häufig nur einen Teil des gesamten Wertstroms.

Beispiele:

Value-Stream-Denken ergänzt folgende Fragen:

Praxistipp

Dokumentiere nicht nur, was du getan hast.

Dokumentiere auch das Ergebnis, relevante Abhängigkeiten und den nächsten notwendigen Schritt.


30-Sekunden-Prüfung eines Value Streams

  1. Auslöser: Was startet den Wertstrom?
  2. Stakeholder: Für wen wird das Outcome benötigt?
  3. Outcome: Wann ist das tatsächliche Ziel erreicht?
  4. Schritte: Welche Tätigkeiten sind notwendig?
  5. Verantwortung: Wer entscheidet und wer führt aus?
  6. Informationen: Welche Daten werden benötigt?
  7. Übergaben: Wo wechselt die Arbeit zwischen Beteiligten?
  8. Fluss: Wo entstehen Wartezeit, Nacharbeit oder Engpässe?
  9. Kontrollen: Welche Prüfungen sind wirklich erforderlich?
  10. Messung: Wie wird Erfolg festgestellt?
  11. Verbesserung: Welcher nächste Schritt verbessert den Wertstrom?

Checkliste vor dem Mapping


Checkliste für die Ist-Aufnahme


Checkliste für den Zielzustand


Checkliste nach der Verbesserung


Schnellreferenz

Frage Bedeutung
Was startet den Wertstrom? Auslöser bestimmen
Für wen wird gearbeitet? Stakeholder bestimmen
Was soll erreicht werden? Outcome definieren
Welche Schritte finden statt? tatsächlichen Arbeitsfluss erfassen
Wer ist beteiligt? Rollen, Teams und Lieferanten bestimmen
Welche Informationen werden benötigt? Informationsfluss untersuchen
Wo wartet die Arbeit? Warteschlangen erkennen
Wo wird Arbeit wiederholt? Nacharbeit erkennen
Wo wechselt Verantwortung? Übergaben untersuchen
Welche Kontrollen sind notwendig? Risiken und Vorgaben berücksichtigen
Wie wird Erfolg gemessen? geeignete Messgrößen bestimmen
Was sollte zuerst verbessert werden? Verbesserungen priorisieren

Zusammenfassende Darstellung

Bedarf, Nachfrage oder Chance

Auslöser des Value Streams

miteinander verbundene Schritte

Menschen · Practices · Informationen · Technologien · Lieferanten

Übergaben · Entscheidungen · Kontrollen · Rückmeldungen

Output

überprüftes Outcome

gemeinsam ermöglichter Wert

Feedback und Continual Improvement


Aufbau einer einfachen Value-Stream-Karte

Auslöser

Was startet den Wertstrom?

Schritt 1

Verantwortliche Rolle · benötigte Information · Ergebnis

↓ Übergabe oder Wartezeit

Schritt 2

Verantwortliche Rolle · verwendete Practice · Werkzeug

↓ Entscheidung oder Kontrolle

Schritt 3

technische oder organisatorische Umsetzung

Ergebnisprüfung

Funktioniert das Produkt oder der Service technisch?

Outcome-Prüfung

Kann der Stakeholder das benötigte Ergebnis erreichen?

Feedback und Verbesserung


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Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Offiziell bestätigter Stand

Die offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Einordnung

Die auf dieser Seite dargestellte Vorgehensweise zur:

ist eine praxisnahe redaktionelle Methode dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie ist keine wörtliche offizielle ITIL-Methode und keine für jede Organisation vorgeschriebene Notation.

Die konkrete Darstellungsform und der benötigte Detaillierungsgrad müssen an Ziel, Risiko, Komplexität und verfügbare Informationen angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 1 August 2026 22:29:49 by Admin
Updated 1 August 2026 22:30:05 by Admin