2.9 Continual Improvement

Kurz erklärt

Continual Improvement beschreibt die fortlaufende Verbesserung von:

  • digitalen Produkten,
  • Services,
  • Management Practices,
  • Wertströmen,
  • Prozessen,
  • Technologien,
  • Informationen,
  • Fähigkeiten,
  • Zusammenarbeit,
  • und Erfahrungen der Stakeholder.

Continual Improvement ist:

  • Bestandteil des ITIL Value Systems,
  • eine der 34 ITIL Management Practices,
  • und ein grundlegender Gedanke über den gesamten Product and Service Lifecycle.

ITIL Version 5 verwendet ein überarbeitet formuliertes Continual Improvement Model mit sieben Schritten.


Warum Continual Improvement notwendig ist

Produkte, Services und Arbeitsweisen bleiben nicht dauerhaft optimal.

Sie werden beeinflusst durch:

Auch eine heute wirksame Lösung kann später ungeeignet werden.

Beispiele:

Merke

Verbesserung ist nicht nur notwendig, wenn etwas vollständig fehlschlägt.

Sie ist auch notwendig, damit weiterhin wirksame Produkte und Services mit veränderten Anforderungen Schritt halten.


Continual und Continuous unterscheiden

Die Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig miteinander vermischt.

Begriff Vereinfachte Bedeutung
Continual Improvement wiederkehrende Verbesserungsaktivitäten in angemessenen Abständen
Continuous Improvement Verbesserung als weitgehend ununterbrochene Aktivität

ITIL verwendet den Begriff:

Continual Improvement

Das bedeutet nicht, dass jederzeit ohne Unterbrechung an jeder Sache gearbeitet werden muss.

Verbesserungen können:

werden.

Entscheidend ist, dass Verbesserung dauerhaft in der Arbeitsweise verankert bleibt.


Continual Improvement im ITIL Value System

Continual Improvement ist einer der fünf Bestandteile des ITIL Value Systems.

Das Value System verbindet:

Continual Improvement wirkt dabei nicht nur auf einen einzelnen Bereich.

Verbessert werden können:

Wichtig

Continual Improvement ist nicht nur eine nachgelagerte Tätigkeit.

Es wirkt auf alle Bestandteile des Value Systems und auf den gesamten Product and Service Lifecycle.


Continual Improvement als Management Practice

Als Management Practice benötigt Continual Improvement mehr als einzelne Verbesserungsideen.

Zu einer wirksamen Practice können gehören:

Eine Organisation kann mögliche Rollen verwenden wie:

ITIL schreibt nicht für jede Organisation dieselben Rollenbezeichnungen vor.

Entscheidend ist, dass für eine Verbesserungsinitiative geklärt ist:


Verbesserung ist Aufgabe aller Beteiligten

Continual Improvement darf nicht ausschließlich einer zentralen Verbesserungsstelle überlassen werden.

Verbesserungsmöglichkeiten können erkannt werden durch:

Beispiele:

Grundsatz

Jeder kann Verbesserungen vorschlagen.

Nicht jeder kann allein über Priorität, Ressourcen und Umsetzung entscheiden.


Verbesserung muss gesteuert werden

Ohne eine gemeinsame Arbeitsweise können Verbesserungen:

Eine wirksame Steuerung sorgt dafür, dass Verbesserungsideen:

  1. erfasst,
  2. verstanden,
  3. bewertet,
  4. priorisiert,
  5. verantwortet,
  6. umgesetzt,
  7. gemessen,
  8. und nachhaltig verankert

werden.


Das ITIL Continual Improvement Model

ITIL Version 5 verwendet ein Continual Improvement Model mit sieben Schritten.

Nr. Offizielle englische Leitfrage Praxisnahe deutsche Bedeutung
1 What is the vision? Welche Richtung, Ziele und Grenzen gelten?
2 Where are we now? Wie sieht der tatsächliche Ausgangszustand aus?
3 Where do we want to be? Welcher konkrete Zielzustand soll erreicht werden?
4 How do we get there? Welcher Weg führt vom Ausgangs- zum Zielzustand?
5 Take action Die geplanten Maßnahmen iterativ umsetzen
6 Are we getting there? Prüfen, ob die Initiative den Zielzustand tatsächlich erreicht
7 How do we keep the improvements relevant? Ergebnisse verankern und ihre weitere Relevanz sicherstellen

Versionsabhängig

Die Anzahl der Schritte wurde gegenüber ITIL 4 nicht verändert.

In ITIL Version 5 wurden einzelne Schrittbezeichnungen präzisiert.

Dieses Buch verwendet deshalb die aktuellen Bezeichnungen aus ITIL Version 5.


Das Modell ist iterativ

Die sieben Schritte bilden keine einmalig zu durchlaufende starre Abfolge.

Während einer Initiative kann es notwendig sein:

Beispiel:

Während der Umsetzung wird festgestellt, dass die angenommene Ursache nicht zutrifft.

Dann kann die Initiative zu folgenden Schritten zurückkehren:

Merke

Ein Rücksprung im Modell ist nicht automatisch ein Fehler.

Er kann zeigen, dass Feedback und neue Erkenntnisse tatsächlich berücksichtigt werden.


Das Model ist skalierbar

Das Continual Improvement Model kann für unterschiedlich große Initiativen verwendet werden.

Beispiele:

Kleine Verbesserung

Mittlere Verbesserung

Größere Verbesserung

Der Umfang der:

muss an Größe, Risiko und Komplexität angepasst werden.


1. What is the vision?

Zentrale Frage

Welche Richtung, Ziele, Rahmenbedingungen und Grenzen gelten für die Verbesserung?

Eine Verbesserung benötigt einen verständlichen Bezug zu:

Ohne eine klare Vision können zwar einzelne Maßnahmen umgesetzt werden, ihr Beitrag zum tatsächlichen Wert bleibt jedoch unklar.

Beispiel:

Unzureichende Vision:

Wir wollen das Ticketsystem verbessern.

Präzisere Vision:

Benutzer sollen Störungen und Anfragen einfach melden können. Die zuständigen Teams sollen vollständige Informationen erhalten, damit Vorgänge schneller und mit weniger Rückfragen bearbeitet werden.


Bestandteile einer Vision

Eine Vision kann unter anderem beschreiben:

Beispiel:

Der Onboarding-Wertstrom soll neue Mitarbeiter spätestens zum vereinbarten Eintrittsdatum mit einem sicheren und vollständig nutzbaren IT-Arbeitsplatz versorgen. Sicherheitsfreigaben dürfen dadurch nicht umgangen werden.


Leitfragen zu What is the vision?


Typische Fehler bei der Vision


2. Where are we now?

Zentrale Frage

Wie sieht der tatsächliche gegenwärtige Zustand aus?

Der aktuelle Zustand bildet die Ausgangsbasis für die Verbesserung.

Ohne eine nachvollziehbare Baseline kann später nicht zuverlässig festgestellt werden, ob sich etwas verbessert hat.

Zu untersuchen sind beispielsweise:


Geeignete Informationsquellen

Der Ausgangszustand kann untersucht werden anhand von:

Wichtig

Die bestehende Dokumentation zeigt möglicherweise den vorgesehenen Ablauf.

Sie beweist nicht automatisch, wie tatsächlich gearbeitet wird.


Baseline

Eine Baseline ist ein dokumentierter Ausgangswert oder Ausgangszustand, mit dem spätere Ergebnisse verglichen werden können.

Beispiele:

Die Baseline sollte:

sein.


Leitfragen zu Where are we now?


Typische Fehler bei der Ist-Analyse


3. Where do we want to be?

Zentrale Frage

Welcher konkrete und überprüfbare Zielzustand soll als Nächstes erreicht werden?

Der Zielzustand übersetzt die Vision in konkrete Outcomes und Erfolgskriterien.

Er sollte ausreichend:

sein.

Beispiel:

Vision:

Der Onboarding-Prozess soll neue Mitarbeiter rechtzeitig arbeitsfähig machen.

Konkreter Zielzustand:

Innerhalb von drei Monaten sollen mindestens 95 Prozent der vollständig und fristgerecht gemeldeten Mitarbeiter am ersten Arbeitstag über Endgerät, Benutzerkonto und genehmigte Standardzugriffe verfügen.


Critical Success Factors und Key Performance Indicators

Ein Critical Success Factor beschreibt eine Voraussetzung oder ein Ergebnis, das für den Erfolg wesentlich ist.

Beispiel:

Vollständige Eintrittsinformationen liegen rechtzeitig vor.

Ein Key Performance Indicator unterstützt die Messung.

Beispiel:

Anteil vollständiger Eintrittsmeldungen mindestens zehn Arbeitstage vor dem Eintritt.

Kennzahlen sollten nicht nur leicht messbare Aktivität abbilden.

Sie sollten einen erkennbaren Bezug besitzen zu:


Leading und Lagging Indicators

Art Bedeutung Beispiel
Leading Indicator früher Hinweis auf die wahrscheinliche Entwicklung Anteil rechtzeitig eingegangener Eintrittsmeldungen
Lagging Indicator zeigt das bereits eingetretene Ergebnis Anteil am ersten Tag vollständig arbeitsfähiger Mitarbeiter

Beide Perspektiven können gemeinsam hilfreich sein.

Nur das Endergebnis zu messen kann zu spät sein.

Nur vorbereitende Aktivität zu messen beweist noch nicht, dass das Outcome erreicht wurde.


Leitfragen zu Where do we want to be?


Typische Fehler beim Zielzustand


4. How do we get there?

Zentrale Frage

Welcher realistische Weg führt vom aktuellen zum gewünschten Zustand?

In diesem Schritt wird der Verbesserungsweg gestaltet.

Dazu können gehören:

Der Weg kann:

sein.

In komplexen Situationen ist der vollständige Weg möglicherweise nicht von Anfang an bekannt.

Dann können kleine Experimente und Feedback notwendig sein.


Verbesserungsoptionen bewerten

Mögliche Kriterien:

Beispiel:

Problem:

Viele Tickets enthalten unvollständige Informationen.

Mögliche Optionen:

Nicht jede Option muss gleichzeitig umgesetzt werden.


Verbesserungsplan

Ein Verbesserungsplan kann enthalten:

Feld Inhalt
Maßnahme Was wird verändert?
Verantwortlich Wer koordiniert die Umsetzung?
Ziel Welches Outcome wird unterstützt?
Priorität Wie wichtig und dringend ist die Maßnahme?
Ressourcen Welche Zeit, Fähigkeiten und Mittel werden benötigt?
Abhängigkeiten Was muss vorher oder gleichzeitig geschehen?
Risiken Welche negativen Folgen sind möglich?
Messung Wie wird die Wirkung festgestellt?
Termin Wann beginnt und endet die nächste Iteration?
Status geplant, aktiv, blockiert, abgeschlossen oder verworfen

Leitfragen zu How do we get there?


Typische Fehler bei der Planung


5. Take action

Zentrale Aufgabe

Die geplanten Maßnahmen kontrolliert und möglichst iterativ umsetzen.

Eine Verbesserung entsteht nicht durch:

allein.

Die Maßnahme muss umgesetzt und ihre Wirkung beobachtet werden.

ITIL Version 5 betont bei diesem Schritt ein iteratives Vorgehen mit Möglichkeiten:


Iterative Umsetzung

Eine mögliche Vorgehensweise ist:

  1. kleinen sinnvollen Umfang auswählen
  2. Erfolgskriterien festlegen
  3. Maßnahme umsetzen
  4. Ergebnis beobachten
  5. Feedback erfassen
  6. Probleme und Nebenwirkungen untersuchen
  7. Vorgehensweise anpassen
  8. nächste Iteration durchführen

Beispiel: Verbesserung des Monitoring

Iteration 1

Auswertung

Iteration 2


Organizational Change Management

Viele Verbesserungen verändern nicht nur Technik.

Sie verändern möglicherweise:

Deshalb kann Organizational Change Management notwendig sein.

Zu berücksichtigen sind:

Typischer Fehler

Eine neue Arbeitsweise wird technisch bereitgestellt, aber von den Beteiligten nicht verstanden oder verwendet.


Leitfragen zu Take action


Typische Fehler bei der Umsetzung


6. Are we getting there?

Zentrale Frage

Führt die Initiative tatsächlich zum gewünschten Zielzustand?

In diesem Schritt wird der neue aktuelle Zustand mit folgenden Bezugspunkten verglichen:

Es wird nicht nur geprüft, ob Maßnahmen ausgeführt wurden.

Es wird geprüft, ob sie die erwartete Wirkung erzeugen.


Aktivität und Wirkung unterscheiden

Aktivität Wirkung
neues Monitoring installiert relevante Störungen werden früher erkannt
Schulung durchgeführt Mitarbeiter wenden die neue Arbeitsweise korrekt an
Wissensartikel veröffentlicht Lösungen werden schneller gefunden und erfolgreich verwendet
Pflichtfeld ergänzt Tickets enthalten vollständigere Informationen
Backup-System aktualisiert Wiederherstellungen funktionieren innerhalb der benötigten Ziele
Automatisierung eingerichtet Durchlaufzeit und Fehlerquote sinken

Merke

Eine umgesetzte Maßnahme beweist noch keine erfolgreiche Verbesserung.


Ergebnisse vergleichen

Beispiel:

Baseline

Zielzustand

Nach der ersten Iteration

Bewertung:


Quantitative und qualitative Informationen

Quantitative Informationen:

Qualitative Informationen:

Beide Informationsarten können notwendig sein.

Beispiel:

Die Bearbeitungszeit sinkt.

Mitarbeiter berichten jedoch, dass sie zur Zielerreichung notwendige Dokumentation überspringen.

Die Verbesserung kann dadurch neue Risiken erzeugen.


Leitfragen zu Are we getting there?


Wenn eine Verbesserung nicht wirkt

Mögliche Ursachen:

Eine nicht erfolgreiche Initiative sollte nicht automatisch verborgen werden.

Sie kann wichtige Erkenntnisse liefern.

Grundsatz

Ein kontrolliertes Experiment ohne erwarteten Erfolg kann wertvoll sein, wenn die Erkenntnisse dokumentiert und verwendet werden.


7. How do we keep the improvements relevant?

Zentrale Frage

Wie werden die Ergebnisse verankert und unter veränderten Bedingungen weiterhin relevant gehalten?

Eine Verbesserung kann kurzfristig erfolgreich sein und später wieder verloren gehen.

Mögliche Ursachen:

ITIL Version 5 betont deshalb nicht nur das Aufrechterhalten von Dynamik, sondern die fortlaufende Relevanz der Verbesserung.


Verbesserung verankern

Mögliche Maßnahmen:


Knowledge Management

Erkenntnisse sollten so dokumentiert werden, dass andere Beteiligte sie nutzen können.

Dazu können gehören:

Praxistipp

Dokumentiere nicht nur, was erfolgreich war.

Dokumentiere auch, welche Ansätze nicht funktioniert haben und warum.


Relevanz regelmäßig überprüfen

Eine Verbesserung kann später angepasst oder aufgehoben werden müssen.

Beispiel:

Eine zusätzliche Genehmigungsstufe wurde nach einem Sicherheitsvorfall eingeführt.

Später wird eine technische Kontrolle implementiert, die das Risiko automatisch behandelt.

Dann sollte geprüft werden:

Merke

Eine Verbesserung ist nicht dauerhaft richtig, nur weil sie zum Zeitpunkt ihrer Einführung sinnvoll war.


Leitfragen zu How do we keep the improvements relevant?


Typische Fehler bei der Verankerung


Continual Improvement Register

Ein Continual Improvement Register ist ein mögliches Hilfsmittel zur Erfassung und Steuerung von Verbesserungen.

Es kann enthalten:

Feld Inhalt
ID eindeutige Kennung
Titel kurze Beschreibung
Auslöser Problem, Feedback, Risiko oder Chance
betroffenes Produkt oder Service fachlicher Bezug
gewünschtes Outcome erwartetes Ergebnis
Ausgangszustand bekannte Baseline
Vorschlag mögliche Maßnahme
Nutzen erwarteter Wertbeitrag
Risiko mögliche negative Auswirkungen
Aufwand erwarteter Ressourceneinsatz
Priorität Reihenfolge der Bearbeitung
Verantwortlich Improvement Owner
Status neu, bewertet, geplant, aktiv, blockiert, abgeschlossen oder verworfen
Messgrößen Kriterien zur Erfolgskontrolle
Erkenntnisse Ergebnisse und Lessons Learned

Das Register kann umgesetzt werden als:

Wichtig

ITIL schreibt kein bestimmtes Werkzeug und kein universelles Registerformat vor.


Möglicher Status einer Verbesserung

Status Bedeutung
Neu Idee oder Problem wurde erfasst
Zu prüfen weitere Informationen werden benötigt
Bewertet Nutzen, Risiko und Aufwand wurden untersucht
Priorisiert Reihenfolge wurde festgelegt
Geplant Maßnahmen und Ressourcen sind vorgesehen
Aktiv Umsetzung läuft
Blockiert Abhängigkeit oder Hindernis verhindert Fortschritt
In Auswertung Wirkung wird gemessen
Abgeschlossen Zielzustand wurde ausreichend erreicht und verankert
Zurückgestellt derzeit keine ausreichende Priorität oder Ressource
Verworfen Initiative wird begründet nicht weitergeführt

Verbesserungen priorisieren

Nicht jede gute Idee kann sofort umgesetzt werden.

Mögliche Bewertungskriterien:

Eine einfache Priorisierung kann beispielsweise betrachten:

Kriterium Frage
Wirkung Wie stark verbessert sich das Outcome?
Dringlichkeit Welche Folgen besitzt eine Verzögerung?
Risiko Welches Risiko wird reduziert oder neu erzeugt?
Aufwand Welche Ressourcen werden benötigt?
Abhängigkeit Was muss vorher geschehen?
Sicherheit Besteht unmittelbarer Handlungsbedarf?
Machbarkeit Kann die Initiative erfolgreich umgesetzt werden?

Typischer Fehler

Die lauteste Forderung oder die technisch interessanteste Idee erhält automatisch die höchste Priorität.


Quick Wins

Ein Quick Win ist eine Verbesserung, die:

erzeugen kann.

Beispiele:

Quick Wins können sinnvoll sein, um:

Sie dürfen jedoch nicht dauerhaft wichtigere strukturelle Verbesserungen verdrängen.

Merke

Schnell umsetzbar bedeutet nicht automatisch besonders wertvoll.

Hoher Wert bedeutet nicht automatisch schnell umsetzbar.


Verbesserung und Problem Management unterscheiden

Continual Improvement Problem Management
verbessert Produkte, Services, Practices und Arbeitsweisen reduziert Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen von Incidents
kann durch Chancen oder Feedback ausgelöst werden wird häufig durch Incidents, Muster oder Risiken ausgelöst
betrachtet unterschiedliche Verbesserungsgegenstände konzentriert sich auf Ursachen und mögliche Ursachen von Incidents
verwendet Verbesserungsinitiativen verwendet Problems, Known Errors und Workarounds

Beide Practices können zusammenwirken.

Beispiel:

Problem Management erkennt, dass Zertifikate nicht zentral verwaltet werden.

Continual Improvement kann anschließend koordinieren:


Verbesserung und Incident Management unterscheiden

Incident Management Continual Improvement
begrenzt aktuelle negative Serviceauswirkungen verbessert zukünftige Produkte, Services oder Arbeitsweisen
priorisiert Wiederherstellung priorisiert nachhaltige Veränderung
arbeitet häufig unter Zeitdruck kann strukturiert und iterativ umgesetzt werden
kann eine Zwischenlösung verwenden bewertet, wie Ursachen und Arbeitsweisen verbessert werden

Beispiel:

Ein Dienst wird neu gestartet und funktioniert wieder.


Verbesserung und Change Enablement unterscheiden

Continual Improvement Change Enablement
bestimmt und steuert Verbesserungsbedarf unterstützt erfolgreiche Änderungen
richtet Maßnahmen an Outcomes und Wert aus bewertet unter anderem Nutzen, Risiko und Autorisierung konkreter Changes
kann mehrere Changes enthalten behandelt eine konkrete Änderung oder ein Change-Modell

Eine Verbesserungsinitiative kann mehrere Changes benötigen.

Beispiel:

Verbesserungsinitiative:

Zertifikatsmanagement zuverlässiger gestalten.

Mögliche Changes:


Verbesserung und Transformation unterscheiden

Continual Improvement und Transformation überschneiden sich, besitzen aber unterschiedliche typische Anwendungsbereiche.

Continual Improvement Transformation
kann lokal oder schrittweise angewendet werden betrifft häufig umfangreiche organisatorische Veränderungen
eignet sich für konkrete Produkte, Services und Practices kann das gesamte Value System oder große Organisationsbereiche verändern
kann mit begrenztem Umfang und kurzer Laufzeit erfolgen umfasst häufig viele Stakeholder, Abhängigkeiten und längere Zeiträume
verwendet das Continual Improvement Model ITIL Version 5 besitzt zusätzlich ein eigenes Transformation Model

Eine Transformation benötigt ebenfalls:

Wichtig

Nicht jede Verbesserung ist eine Transformation.

Eine Transformation ohne Continual Improvement kann ihre Wirkung jedoch später wieder verlieren.


Verbesserung und Maturity Assessment unterscheiden

Ein Maturity Assessment bewertet Fähigkeiten oder Reife im Vergleich zu einem festgelegten Modell.

Es kann Informationen liefern für:

Das Assessment selbst verbessert jedoch noch nichts.

Es liefert Erkenntnisse, auf deren Grundlage Verbesserungen geplant werden können.

Typischer Fehler

Ein höherer Reifegrad wird als Selbstzweck verfolgt, ohne zu prüfen, ob dadurch relevante Outcomes verbessert werden.


Continual Improvement im Product and Service Lifecycle

Continual Improvement wirkt auf alle acht Lifecycle-Aktivitäten.

Lifecycle-Aktivität Beispielhafte Verbesserung
Discover Bedürfnisse und Feedback systematischer erfassen
Design Sicherheit, Betrieb und Erfahrung früher einbeziehen
Acquire Lieferanten- und Exit-Risiken besser bewerten
Build Tests und Konfiguration stärker automatisieren
Transition Pilotierung, Kommunikation und Rückfallplanung verbessern
Operate technische Schulden reduzieren und Überwachung optimieren
Deliver Serviceangebote und Stakeholder-Outcomes verbessern
Support Wissen, Kommunikation und Wiederherstellung beschleunigen

Erkenntnisse aus einer späteren Aktivität können Verbesserungen in früheren Aktivitäten auslösen.

Beispiel:

Support erkennt wiederkehrende Bedienprobleme.

Daraus können Verbesserungen entstehen in:


Die sieben Guiding Principles bei Verbesserungen

Guiding Principle Anwendung bei Continual Improvement
Focus on value Verbesserung am benötigten Outcome ausrichten
Start where you are Baseline und funktionierende Bestandteile berücksichtigen
Progress iteratively with feedback kontrollierte Schritte und regelmäßige Auswertung verwenden
Collaborate and promote visibility Stakeholder beteiligen und Fortschritt sichtbar machen
Think and work holistically alle vier Dimensionen und Abhängigkeiten betrachten
Keep it simple and practical angemessenen Umfang und verständliche Maßnahmen wählen
Optimize and automate Arbeitsweise zuerst verbessern und danach sinnvoll automatisieren

Die vier Dimensionen bei Verbesserungen

Organizations and People

Information and Technology

Partners and Suppliers

Value Streams and Processes


Praxisbeispiel: Zertifikate laufen wiederholt ab

Ausgangssituation

Mehrere Services waren innerhalb eines Jahres durch abgelaufene Zertifikate beeinträchtigt.


1. What is the vision?

Zertifikate kritischer Services sollen rechtzeitig erneuert werden, damit vermeidbare Ausfälle verhindert werden.


2. Where are we now?


3. Where do we want to be?


4. How do we get there?


5. Take action


6. Are we getting there?


7. How do we keep the improvements relevant?


Praxisbeispiel: Onboarding dauert zu lange

Vision

Neue Mitarbeiter sollen am ersten Arbeitstag sicher und vollständig arbeiten können.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen

Messung


Praxisbeispiel: Zu viele Monitoring-Alarme

Vision

Administratoren sollen relevante Zustandsänderungen rechtzeitig erkennen, ohne durch unnötige Meldungen überlastet zu werden.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen


Praxisbeispiel: Knowledge-Base wird kaum genutzt

Vision

Mitarbeiter und Benutzer sollen verlässliches Wissen schnell finden und erfolgreich anwenden können.

Ausgangszustand

Zielzustand

Mögliche Maßnahmen


Continual Improvement bei einem Incident

Nach einem Incident können Verbesserungsmöglichkeiten entstehen bei:

Nicht jeder Incident benötigt eine umfangreiche Verbesserungsinitiative.

Eine Initiative ist besonders sinnvoll, wenn:


Lessons Learned und Post-Incident Review

Eine nachgelagerte Überprüfung kann untersuchen:

Wichtig

Ein Lessons-Learned-Dokument allein erzeugt keine Verbesserung.

Erkenntnisse müssen in verantwortete und priorisierte Maßnahmen überführt werden.


Fehlerkultur

Continual Improvement benötigt eine Umgebung, in der:

werden können.

Eine Untersuchung sollte nicht vorschnell nach einer schuldigen Person suchen.

Zu prüfen sind ebenfalls:

Grundsatz

Individuelles Fehlverhalten darf nicht ignoriert werden.

Eine ausschließliche Schuldzuweisung kann jedoch systemische Ursachen verdecken.


Messung und Reporting

Eine Verbesserung benötigt passende Informationen.

Messgrößen sollten beantworten:

Mögliche Messgrößen:


Kennzahlen gemeinsam betrachten

Einzelne Kennzahlen können irreführend sein.

Beispiel:

Die durchschnittliche Ticketbearbeitungszeit wurde um 30 Prozent reduziert.

Zusätzlich sollte geprüft werden:

Typischer Fehler

Eine Kennzahl verbessert sich, während sich der gesamte Wertstrom oder die Benutzererfahrung verschlechtert.


Automatisierung bei Continual Improvement

Automatisierung kann Verbesserungen unterstützen durch:

Automatisierung kann jedoch keine fehlende:

ersetzen.

Grundsatz

Nicht die Verbesserungsidee automatisieren, sondern einen verstandenen und geeigneten Zielzustand.


Künstliche Intelligenz bei Continual Improvement

KI kann beispielsweise unterstützen bei:

Dabei müssen berücksichtigt werden:

Beispiel:

Eine KI erkennt, dass viele Tickets den Begriff „Anmeldung“ enthalten.

Das beweist noch nicht:

Die Muster müssen fachlich untersucht und eingeordnet werden.


Typische Fehler bei Continual Improvement

Fehler 1: Verbesserung nur nach Störungen

Chancen, Feedback und technische Schulden werden nicht berücksichtigt.


Fehler 2: Keine klare Vision

Maßnahmen werden umgesetzt, ohne ihren Beitrag zu Outcomes und Wert zu verstehen.


Fehler 3: Keine Baseline

Später kann nicht festgestellt werden, ob sich der Zustand tatsächlich verbessert hat.


Fehler 4: Aktivität mit Wirkung verwechseln

Ein Werkzeug wurde eingeführt oder eine Schulung durchgeführt, aber das Outcome bleibt unverändert.


Fehler 5: Zu viele Initiativen beginnen

Ressourcen werden auf viele Vorhaben verteilt, während kaum eine Initiative abgeschlossen wird.


Fehler 6: Nur Quick Wins umsetzen

Größere strukturelle Risiken und Engpässe bleiben dauerhaft bestehen.


Fehler 7: Verbesserung als Zusatzarbeit behandeln

Es werden keine realistischen Ressourcen, Befugnisse oder Zeitfenster bereitgestellt.


Fehler 8: Mitarbeiter nicht einbeziehen

Die neue Arbeitsweise passt nicht zur tatsächlichen Situation oder wird nicht angenommen.


Fehler 9: Nach der Umsetzung nicht messen

Ob die Verbesserung wirkt oder neue Probleme erzeugt, bleibt unbekannt.


Fehler 10: Ergebnisse nicht verankern

Die Organisation kehrt nach kurzer Zeit zur bisherigen Arbeitsweise zurück.


Fehler 11: Lessons Learned nicht weiterverfolgen

Erkenntnisse werden dokumentiert, aber nicht priorisiert und umgesetzt.


Fehler 12: Kennzahlen isoliert optimieren

Lokale Zielwerte verbessern sich, während Wertstrom und Stakeholder-Erfahrung schlechter werden.


Fehler 13: Improvement Register als Ablage verwenden

Viele Ideen werden erfasst, aber nicht bewertet, priorisiert oder abgeschlossen.


Fehler 14: Verbesserung mit Transformation verwechseln

Eine kleine lokale Anpassung wird unnötig als umfangreiches Veränderungsprogramm organisiert.


Fehler 15: Frühere Verbesserung nie erneut prüfen

Eine einst sinnvolle Kontrolle oder Arbeitsweise bleibt bestehen, obwohl sie inzwischen unnötig oder ungeeignet ist.


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker erkennen häufig Verbesserungsmöglichkeiten direkt im technischen Betrieb.

Beispiele:

Eine gute Verbesserungsidee sollte nicht nur lauten:

Das sollten wir automatisieren.

Sie sollte möglichst beantworten:


Beispiel für einen Verbesserungsvorschlag

Unpräzise:

Wir brauchen besseres Monitoring.

Präziser:

Bei drei Incidents innerhalb der letzten sechs Monate wurde der Ausfall des internen DNS-Dienstes erst durch Benutzermeldungen erkannt. Vorgeschlagen wird eine aktive Funktionsprüfung der DNS-Auflösung mit Alarmierung des Bereitschaftsteams. Erfolgskriterium ist, dass ein Ausfall innerhalb von fünf Minuten erkannt und eindeutig dem DNS-Service zugeordnet wird.


30-Sekunden-Prüfung einer Verbesserung

  1. Vision: Warum ist die Verbesserung wichtig?
  2. Ist-Zustand: Welche Daten und Beobachtungen liegen vor?
  3. Zielzustand: Was soll konkret besser werden?
  4. Weg: Welche Maßnahme ist geeignet?
  5. Aktion: Wer setzt den nächsten Schritt um?
  6. Messung: Woran erkennen wir Fortschritt und Erfolg?
  7. Verankerung: Wie bleibt die Verbesserung wirksam und relevant?

Checkliste für eine neue Verbesserungsidee


Checkliste für eine Verbesserungsinitiative


Checkliste während der Umsetzung


Checkliste zur Erfolgskontrolle


Checkliste zur Verankerung


Schnellreferenz des Continual Improvement Models

Schritt Kurzfrage Typisches Ergebnis
1 What is the vision? Richtung, Zweck und Grenzen
2 Where are we now? Ausgangszustand und Baseline
3 Where do we want to be? Zielzustand und Erfolgskriterien
4 How do we get there? Verbesserungsplan und nächste Schritte
5 Take action umgesetzte Maßnahmen und Feedback
6 Are we getting there? Wirkungsprüfung und Anpassungsentscheidung
7 How do we keep the improvements relevant? verankerte und weiterhin überprüfte Verbesserung

Zusammenfassende Darstellung

What is the vision?
Richtung und Zweck klären

Where are we now?
aktuellen Zustand und Baseline erfassen

Where do we want to be?
Zielzustand und Erfolgskriterien bestimmen

How do we get there?
geeigneten Verbesserungsweg planen

Take action
Maßnahmen iterativ umsetzen

Are we getting there?
Fortschritt, Wirkung und Nebenwirkungen prüfen

How do we keep the improvements relevant?
Ergebnisse verankern und regelmäßig neu bewerten

neue Erkenntnisse und weitere Verbesserungsmöglichkeiten

erneute Anwendung des Modells


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Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Ergänzende offizielle Community-Quelle

Offiziell bestätigter Stand

Die aktuellen offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:

Einordnung

Die ausführlichen:

sind zusätzliche herstellerneutrale Erläuterungen dieses unabhängigen Nachschlagewerks.

Sie stellen keine wörtlichen offiziellen ITIL-Definitionen und keine für jede Organisation vorgeschriebene Verbesserungsmethode dar.

Rollen, Messgrößen, Werkzeuge, Priorisierungsverfahren und Dokumentationsumfang müssen an Ziel, Risiko, Größe und Arbeitsweise der jeweiligen Organisation angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 1 August 2026 22:35:42 by Admin
Updated 1 August 2026 22:35:57 by Admin