3.8 Self-Service, Wissensnutzung und Automatisierung (Teil 1/2)

Kurz erklärt

Ziel moderner Serviceorganisationen ist es nicht, möglichst viele Tickets zu bearbeiten, sondern Benutzern schnell und effizient zu helfen.

ITIL fördert deshalb:

  • Self-Service,
  • Wissensmanagement,
  • Automatisierung,
  • Standardisierung,
  • und kontinuierliche Verbesserung.

Dadurch können viele Anfragen ohne direkten Kontakt zum Service Desk gelöst werden.


Was bedeutet Self-Service?

Self-Service ermöglicht Benutzern, bestimmte Aufgaben selbstständig durchzuführen.

Beispiele:

Dadurch werden Wartezeiten reduziert und der Service Desk entlastet.


Ziele des Self-Service

Ein gutes Self-Service-Portal soll:

Der Benutzer soll möglichst keine internen IT-Strukturen kennen müssen.


Vorteile

Für Benutzer:

Für die IT:


Grenzen des Self-Service

Nicht jede Anfrage eignet sich für Self-Service.

Beispiele:

In solchen Fällen bleibt der persönliche Support notwendig.


Serviceportal

Das Self-Service-Portal bildet häufig den zentralen Einstiegspunkt.

Typische Inhalte:


Servicekatalog

Ein Servicekatalog beschreibt, welche Leistungen die IT anbietet.

Beispiele:

Dadurch erkennen Benutzer schneller, welcher Service betroffen ist.


Standard Requests

Viele Service Requests lassen sich standardisieren.

Beispiele:

Diese Requests besitzen häufig:


Wissensmanagement

Wissen sollte dauerhaft verfügbar sein.

Nicht nur erfahrene Administratoren sollen Lösungen kennen.

Typische Wissensquellen:


Knowledge Base

Eine Knowledge Base enthält wiederverwendbare Lösungen.

Beispiele:

Gut gepflegte Knowledge-Artikel erhöhen die Lösungsquote erheblich.


Eigenschaften guter Artikel

Ein Artikel sollte:


Zielgruppen unterscheiden

Nicht jeder Artikel richtet sich an dieselben Leser.

Mögliche Zielgruppen:

Ein Benutzerartikel sollte keine internen Diagnoseschritte enthalten.


KCS (Knowledge-Centered Service)

Viele Organisationen orientieren sich an den Prinzipien von Knowledge-Centered Service (KCS).

Grundidee:

Wissen entsteht während der täglichen Bearbeitung.

Nicht erst Wochen später.

Typischer Ablauf:

Incident lösen
      │
      ▼
Lösung dokumentieren
      │
      ▼
Knowledge Base erweitern
      │
      ▼
Nächster Incident schneller lösbar

Wissen aktuell halten

Veraltete Artikel verursachen:

Knowledge-Artikel sollten regelmäßig überprüft werden.


Suche verbessern

Ein gutes Wissenssystem benötigt:

Benutzer suchen häufig nicht mit Fachbegriffen.

Beispiel:

Nicht:

SMTP Authentication Error

Sondern:

Outlook kann keine E-Mails senden.


Automatisierung

Automatisierung übernimmt wiederkehrende Aufgaben.

Beispiele:

Dadurch werden Fehler reduziert und Abläufe beschleunigt.


Vorteile der Automatisierung


Risiken

Automatisierung ersetzt keine Kontrolle.

Fehlerhafte Automatisierungen können:

Automatisierungen benötigen daher:


Runbooks

Runbooks beschreiben standardisierte Arbeitsabläufe.

Beispiele:

Sie sorgen für einheitliche Arbeitsweisen.


Merksätze

Self-Service ersetzt nicht den Service Desk.

Wissen ist nur dann wertvoll, wenn es aktuell bleibt.

Gute Dokumentation spart zukünftige Bearbeitungszeit.

Automatisierung unterstützt Menschen – sie ersetzt keine Verantwortung.

Jede gelöste Störung kann neues Wissen erzeugen.


Revision #2
Created 2 August 2026 12:11:47 by Admin
Updated 2 August 2026 14:22:03 by Admin