6.1 Service Configuration Management – Ziele, Begriffe und Grundlagen

Kurz erklärt

Service Configuration Management sorgt dafür, dass wichtige Informationen über Services, Systeme, Komponenten und deren Beziehungen nachvollziehbar gepflegt werden.

Ziel ist, zu wissen:

  • welche Komponenten vorhanden sind,
  • wie sie zusammenhängen,
  • wer verantwortlich ist,
  • welche Versionen genutzt werden,
  • und welche Services von welchen Bestandteilen abhängig sind.

Dadurch können Incidents, Problems, Changes und Releases besser bewertet und gesteuert werden.


Warum Service Configuration Management wichtig ist

IT-Services bestehen selten aus nur einer einzelnen Komponente.

Ein scheinbar einfacher Service kann abhängig sein von:

Wenn diese Zusammenhänge unbekannt sind, entstehen Risiken:

Service Configuration Management schafft dafür eine nachvollziehbare Informationsbasis.


Was ist eine Configuration?

Eine Configuration beschreibt, wie ein Service oder System aufgebaut ist.

Dazu gehören beispielsweise:

Beispiel:

Der Service „VPN-Zugang“ besteht nicht nur aus dem VPN-Gateway.

Er kann abhängig sein von:


Configuration Item

Ein Configuration Item (CI) ist ein Bestandteil, der für die Bereitstellung oder Verwaltung eines Service relevant ist.

Beispiele:

Nicht jedes technische Objekt muss automatisch ein CI sein.

Die Organisation muss festlegen, welche Elemente wichtig genug sind, um verwaltet zu werden.


Beispiele für Configuration Items

CI-Typ Beispiel
Service Mitarbeiterportal
Anwendung Warenwirtschaft
Server APP-WEB-01
Datenbank SQL-Cluster Produktion
Netzwerk Standort-Firewall
Cloud Azure App Service
Sicherheit TLS-Zertifikat
Identität Entra-ID-Gruppe
Dokumentation Betriebsrunbook
Lieferant Supportvertrag Provider
Arbeitsplatz Notebook
Peripherie Etikettendrucker

Welche CI-Typen sinnvoll sind, hängt von Organisation, Services und Steuerungsbedarf ab.


Ziel von Service Configuration Management

Service Configuration Management soll sicherstellen, dass verlässliche Informationen verfügbar sind über:

Diese Informationen unterstützen andere ITIL Practices.

Beispiele:


Service Configuration Management ist mehr als Inventarisierung

Inventarisierung beantwortet oft nur:

Was ist vorhanden?

Service Configuration Management beantwortet zusätzlich:

Wie hängt es zusammen und warum ist es für den Service wichtig?

Beispiel:

Eine Inventarliste zeigt:

Service Configuration Management zeigt zusätzlich:

Diese Beziehungen machen die Informationen im Betrieb wertvoll.


CI-Beziehungen

Beziehungen zwischen CIs sind besonders wichtig.

Typische Beziehungen:

Beziehungen helfen zu verstehen, welche Auswirkungen ein Ausfall oder Change haben kann.


Beispiel: Serviceabhängigkeiten

Benutzer
    ↓
Mitarbeiterportal
    ↓
Webserver
    ↓
Anwendungsdienst
    ↓
Datenbank
    ↓
Storage

Zusätzlich abhängig von:

Wenn die Datenbank ausfällt, ist das Mitarbeiterportal betroffen.

Wenn das Zertifikat abläuft, kann die Anmeldung scheitern.

Wenn DNS fehlerhaft ist, erscheint der Service möglicherweise komplett unerreichbar.


CMDB

Eine Configuration Management Database (CMDB) ist ein System oder Datenbestand, in dem Configuration Items und ihre Beziehungen verwaltet werden.

Eine CMDB kann enthalten:

Eine CMDB muss nicht zwingend ein einzelnes großes Werkzeug sein.

Wichtig ist, dass die benötigten Informationen zuverlässig verfügbar und gepflegt sind.


CMDB und CMS unterscheiden

Der Begriff Configuration Management System (CMS) kann breiter verstanden werden als eine einzelne CMDB.

Ein CMS kann mehrere Datenquellen verbinden.

Beispiele:

Die CMDB kann ein Teil dieses größeren Systems sein.


Configuration Management und Asset Management unterscheiden

Configuration Management Asset Management
Fokus auf Servicebeziehungen und Betriebsrelevanz Fokus auf Besitz, Kosten, Lebenszyklus und Vertragsdaten
betrachtet CIs und Abhängigkeiten betrachtet Assets als wirtschaftliche oder verwaltete Objekte
wichtig für Incident, Problem und Change wichtig für Einkauf, Lizenzierung und Lifecycle
Beispiel: Datenbank ist abhängig von Storage Beispiel: Server wurde am 12.03.2025 gekauft

Ein Objekt kann gleichzeitig Asset und CI sein.

Beispiel:

Ein produktiver Server ist wirtschaftlich ein Asset und betrieblich ein CI.


Welche Informationen sind sinnvoll?

Nicht jedes Detail muss erfasst werden.

Sinnvolle CI-Informationen können sein:

Zu viele ungenutzte Felder machen Pflege schwer.

Zu wenige Informationen machen die Daten im Betrieb wertlos.


CI-Status

Ein CI kann unterschiedliche Status besitzen.

Beispiele:

Der Status hilft zu erkennen, ob ein CI produktiv genutzt wird oder nicht.

Beispiel:

Ein alter Server darf nicht mehr als aktive Abhängigkeit eines produktiven Services erscheinen, wenn er bereits außer Betrieb genommen wurde.


Umgebungen kennzeichnen

CIs sollten ihrer Umgebung zugeordnet werden.

Beispiele:

Das ist wichtig, weil ein Change an einem Testsystem anders bewertet wird als ein Change an einem produktiven System.

Unklare Umgebungskennzeichnung kann zu gefährlichen Verwechslungen führen.


Kritikalität erfassen

Die Kritikalität beschreibt, wie wichtig ein CI oder Service für die Organisation ist.

Beispiele:

Die Kritikalität hilft bei:

Wichtig:

Die Kritikalität eines CIs sollte aus der Servicebedeutung abgeleitet werden.


Owner und Verantwortlichkeiten

Für wichtige CIs sollte klar sein:

Ohne Owner veralten Informationen schnell.

Ungeeignet:

Niemand fühlt sich für das System verantwortlich.

Besser:

Service Owner, technischer Owner und Supportgruppe sind dokumentiert.


Service Owner und CI Owner unterscheiden

Rolle Bedeutung
Service Owner Verantwortung für den gesamten Service und dessen Wertbeitrag
CI Owner Verantwortung für ein bestimmtes Configuration Item
Supportgruppe bearbeitet Incidents, Changes oder Betriebsaufgaben
Lieferant unterstützt oder betreibt bestimmte Komponenten

Ein Service kann viele CIs besitzen.

Ein CI kann mehrere Services unterstützen.

Deshalb sind Beziehungen und Verantwortlichkeiten wichtig.


Datenqualität

Service Configuration Management ist nur hilfreich, wenn die Datenqualität ausreichend ist.

Typische Probleme:

Schlechte Datenqualität kann gefährlicher sein als keine Daten, weil sie falsche Sicherheit erzeugt.


Datenqualität prüfen

Mögliche Prüffragen:

Regelmäßige Prüfung ist notwendig, besonders bei kritischen Services.


Discovery

Discovery bezeichnet das automatische Erkennen von Systemen, Komponenten oder technischen Eigenschaften.

Beispiele:

Discovery kann helfen, Daten aktuell zu halten.

Es ersetzt aber nicht jede fachliche Bewertung.

Ein Tool kann erkennen, dass ein Server existiert.

Es weiß nicht automatisch, welcher Geschäftsprozess davon abhängig ist.


Manuelle Pflege

Manche Informationen müssen manuell oder organisatorisch gepflegt werden.

Beispiele:

Automatische Erkennung und manuelle Pflege müssen zusammenarbeiten.


Namenskonventionen

Klare Namenskonventionen helfen, CIs eindeutig zu identifizieren.

Beispiele:

Ungeeignet:

Besser:

Die konkrete Namenskonvention muss zur Organisation passen.


Configuration Baseline

Eine Configuration Baseline beschreibt einen bekannten, freigegebenen Zustand.

Beispiele:

Baselines helfen bei:

Wenn ein System von der Baseline abweicht, sollte bekannt sein, warum.


Abweichungen erkennen

Abweichungen können entstehen durch:

Abweichungen sind nicht automatisch falsch.

Sie müssen aber nachvollziehbar und bewertet sein.


Service Configuration Management und Incident Management

Bei Incidents helfen Configuration-Daten zu verstehen:

Beispiel:

Eine Anwendung ist nicht erreichbar.

Durch CI-Beziehungen wird sichtbar, dass Anwendung, Datenbank und Identity Provider relevant sind.

Die Diagnose wird schneller und gezielter.


Service Configuration Management und Problem Management

Problem Management nutzt Configuration-Daten, um Ursachen zu erkennen.

Beispiele:

Ohne Beziehungen bleiben solche Muster oft verborgen.


Service Configuration Management und Change Enablement

Bei Changes helfen Configuration-Daten bei der Auswirkungsbewertung.

Zu prüfen ist:

Ein Change ohne Kenntnis der Abhängigkeiten kann unerwartete Incidents erzeugen.


Service Configuration Management und Release Management

Release und Deployment benötigen verlässliche Informationen über:

Nach einem Release müssen CI-Daten aktualisiert werden.

Sonst stimmen spätere Analysen nicht mehr.


Service Configuration Management und Information Security Management

Configuration-Daten unterstützen Sicherheitsarbeit.

Beispiele:

Sicherheitsmaßnahmen hängen stark davon ab, zu wissen, welche Systeme und Abhängigkeiten existieren.


Praxisbeispiel: Abgelaufenes Zertifikat

Incident

Benutzer können sich nicht am Mitarbeiterportal anmelden.

Analyse

Das TLS-Zertifikat ist abgelaufen.

Configuration Management hilft durch:

Verbesserung

Zertifikate werden künftig als CIs mit Ablaufdatum, Owner und Monitoring erfasst.


Praxisbeispiel: Datenbankcluster

Situation

Mehrere Anwendungen melden Fehler.

Ohne CI-Beziehungen

Jedes Anwendungsteam sucht getrennt.

Mit CI-Beziehungen

Es wird sichtbar:

Nutzen

Die Ursache wird schneller eingegrenzt.


Praxisbeispiel: Change-Auswirkung

Change

Firewall-Regel soll angepasst werden.

Configuration Management zeigt:

Nutzen

Der Change wird besser bewertet und sicherer umgesetzt.


Typische Fehler

Fehler 1

CMDB wird als reine Inventarliste verstanden.


Fehler 2

CIs werden erfasst, aber Beziehungen fehlen.


Fehler 3

Daten werden einmal erstellt und danach nicht gepflegt.


Fehler 4

Owner sind unbekannt oder veraltet.


Fehler 5

Changes aktualisieren die CMDB nicht.


Fehler 6

Discovery-Daten werden ungeprüft übernommen.


Fehler 7

Zu viele unwichtige Details werden gepflegt, aber wichtige Servicebeziehungen fehlen.


Fehler 8

Cloud-Ressourcen und externe Services werden nicht berücksichtigt.


Fehler 9

CMDB-Daten werden in Incident, Problem und Change nicht genutzt.


Fehler 10

Dubletten und uneinheitliche Namen erschweren die Nutzung.


Fehler 11

Kritikalität wird technisch statt geschäftlich bewertet.


Fehler 12

Dokumentation und CMDB widersprechen sich.


Checkliste CI erfassen


Checkliste Beziehungen prüfen


Checkliste Datenqualität


Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration

Fachinformatiker arbeiten täglich mit Configuration Items.

Beispiele:

Wichtig ist nicht nur, diese Komponenten technisch zu betreiben.

Wichtig ist auch zu dokumentieren:

Gute Configuration-Daten machen Fehleranalyse, Changes und Servicebetrieb deutlich sicherer.


Zusammenfassung

Service und Komponenten identifizieren

wichtige Configuration Items festlegen

Eigenschaften und Owner dokumentieren

Beziehungen zwischen CIs erfassen

Datenqualität prüfen

Changes und Releases einbeziehen

Informationen in Incident, Problem und Change nutzen

CMDB oder CMS kontinuierlich pflegen und verbessern


Merksätze

Service Configuration Management ist mehr als Inventarisierung.

Beziehungen zwischen CIs sind oft wichtiger als einzelne technische Details.

Eine CMDB ist nur so wertvoll wie ihre Datenqualität.

Discovery hilft, ersetzt aber keine fachliche Verantwortung.

Ohne aktuelle Configuration-Daten werden Incidents, Problems und Changes riskanter.

Jede wichtige Änderung sollte auch die Configuration-Daten aktualisieren.


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Quellen und Versionsstand

Offizielle Grundlagen

Einordnung

Die dargestellten:

sind herstellerneutrale Praxisempfehlungen.

ITIL schreibt keine universelle:

für alle Organisationen vor.

Die konkrete Umsetzung muss an:

angepasst werden.

Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance
Fachlicher Stand: August 2026


Revision #1
Created 2 August 2026 15:47:32 by Admin
Updated 2 August 2026 15:47:55 by Admin