# 9.2 Request Model und Standard Requests

> **Kurz erklärt**
>
> Wiederkehrende Service Requests sollten nicht jedes Mal neu geplant werden.
>
> Stattdessen werden sie mithilfe von **Request Models** standardisiert.
>
> Ein Request Model beschreibt den vollständigen Ablauf eines bestimmten Service Requests – von der Anforderung über Genehmigungen bis zur Bereitstellung und Dokumentation.
>
> Dadurch werden Bearbeitungszeiten verkürzt, Fehler reduziert und Automatisierungen ermöglicht.

---

**Was ist ein Request Model?**

Ein Request Model ist eine dokumentierte Vorlage für einen wiederkehrenden Service Request.

Es beschreibt:

- den genauen Ablauf,
- erforderliche Informationen,
- Genehmigungen,
- Bearbeitungsschritte,
- beteiligte Teams,
- Kommunikation,
- Abschlusskriterien.

Jeder gleichartige Request wird möglichst nach demselben Modell bearbeitet.

---

**Ziele eines Request Models**

Ein Request Model soll:

- Bearbeitung standardisieren,
- Qualität erhöhen,
- Bearbeitungszeit verkürzen,
- Fehler vermeiden,
- Verantwortlichkeiten festlegen,
- Genehmigungen eindeutig regeln,
- Automatisierung ermöglichen,
- Dokumentation vereinfachen,
- Servicequalität verbessern.

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**Warum Request Models wichtig sind**

Ohne festgelegte Abläufe entscheidet jeder Bearbeiter unterschiedlich.

Dadurch entstehen häufig:

- unterschiedliche Bearbeitungszeiten,
- unterschiedliche Ergebnisse,
- fehlende Informationen,
- unnötige Rückfragen,
- doppelte Arbeiten,
- fehlende Genehmigungen.

Ein Request Model sorgt dafür, dass alle Beteiligten nach denselben Regeln arbeiten.

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**Bestandteile eines Request Models**

Ein vollständiges Request Model enthält typischerweise:

- Name des Requests,
- Beschreibung,
- Kategorie,
- Zielgruppe,
- Voraussetzungen,
- erforderliche Angaben,
- Genehmigungen,
- Bearbeitungsschritte,
- beteiligte Teams,
- Automatisierungen,
- Kommunikation,
- Abschlusskriterien,
- Dokumentation.

Je komplexer ein Request ist, desto ausführlicher sollte das Modell sein.

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**Beispiel: Softwareinstallation**

Ein mögliches Request Model:

```text
Software beantragen
        │
        ▼
Lizenz prüfen
        │
        ▼
Genehmigung Vorgesetzter
        │
        ▼
Software automatisch verteilen
        │
        ▼
Installation prüfen
        │
        ▼
Benutzer informieren
        │
        ▼
Request schließen
```

Der Ablauf bleibt für alle gleich.

---

**Was sind Standard Requests?**

Ein Standard Request ist ein häufig wiederkehrender Service Request mit einem definierten Ablauf.

Typische Beispiele:

- Passwort zurücksetzen
- Benutzerkonto anlegen
- Monitor bestellen
- VPN-Zugang beantragen
- Software installieren
- Gruppenmitgliedschaft ändern
- Drucker bereitstellen
- E-Mail-Postfach erweitern
- Mobiltelefon bestellen
- Shared Mailbox erstellen

Für Standard Requests existiert normalerweise bereits ein Request Model.

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**Eigenschaften eines Standard Requests**

Ein Standard Request ist:

- wiederkehrend,
- dokumentiert,
- planbar,
- risikoarm,
- standardisiert,
- nachvollziehbar,
- häufig automatisierbar.

Dadurch kann die Bearbeitung weitgehend unabhängig vom Bearbeiter erfolgen.

---

**Nicht jeder Request ist ein Standard Request**

Einige Anforderungen sind individuell.

Beispiele:

- Einführung einer neuen Fachanwendung
- komplexe Netzwerkanpassung
- außergewöhnliche Hardwarebeschaffung
- individuelle Spezialsoftware
- neue Cloud-Architektur

Solche Anforderungen benötigen häufig eine individuelle Planung.

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**Request Models und Servicekatalog**

Ein Servicekatalog beschreibt,

welche Leistungen angeboten werden.

Ein Request Model beschreibt,

wie eine bestimmte Leistung erbracht wird.

Beispiel:

Servicekatalog:

> Microsoft 365

Request Model:

> Microsoft-365-Lizenz für neuen Mitarbeiter bereitstellen.

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**Informationen des Benutzers**

Ein gutes Request Model legt fest,

welche Informationen der Benutzer angeben muss.

Beispiele:

- Name
- Abteilung
- Kostenstelle
- Standort
- gewünschte Software
- Gerät
- gewünschter Termin
- Begründung
- Ansprechpartner

Fehlende Informationen führen häufig zu Verzögerungen.

---

**Pflicht- und optionale Angaben**

Nicht alle Informationen sind immer erforderlich.

Beispiel:

Pflichtfelder:

- Benutzer
- Software
- Gerät

Optionale Angaben:

- gewünschter Installationstermin
- Bemerkungen
- Projektname

Dadurch bleiben Formulare übersichtlich.

---

**Genehmigungen im Request Model**

Viele Standard Requests benötigen Genehmigungen.

Beispiele:

- Vorgesetzter
- Kostenstellenverantwortlicher
- Informationssicherheit
- Softwareverantwortlicher
- Lizenzmanager
- Datenschutz

Das Request Model definiert eindeutig,

wann welche Genehmigung erforderlich ist.

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**Genehmigungsfreie Requests**

Nicht jeder Request benötigt eine Freigabe.

Beispiele:

- Passwort zurücksetzen
- Knowledge-Artikel aufrufen
- Druckertreiber herunterladen
- Standardsoftware installieren (wenn bereits genehmigt)
- FAQ nutzen

Dadurch sinkt der Bearbeitungsaufwand erheblich.

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**Bearbeitungsschritte definieren**

Ein Request Model beschreibt jeden Bearbeitungsschritt.

Beispiel:

- Request prüfen
- Genehmigung einholen
- Lizenz reservieren
- Software verteilen
- Installation kontrollieren
- Benutzer informieren
- Dokumentation aktualisieren
- Request schließen

Jeder Bearbeiter kennt dadurch den vollständigen Ablauf.

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**Verantwortlichkeiten**

Für jeden Schritt sollte klar sein,

wer verantwortlich ist.

Beispiele:

| Aufgabe | Verantwortlich |
|---------|----------------|
| Request prüfen | Service Desk |
| Genehmigung | Vorgesetzter |
| Lizenzverwaltung | Lizenzmanagement |
| Softwareverteilung | Client Management |
| Abschluss | Service Desk |

Dadurch entstehen keine unklaren Zuständigkeiten.

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**Automatisierung**

Viele Schritte können automatisiert werden.

Beispiele:

- Formular prüfen
- Genehmigung versenden
- Benutzerkonto erstellen
- Gruppenmitgliedschaft vergeben
- Software installieren
- E-Mail versenden
- Ticket schließen
- Dokumentation ergänzen

Automatisierung reduziert manuelle Tätigkeiten erheblich.

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**Kommunikation**

Auch die Kommunikation sollte standardisiert werden.

Beispiele:

- Eingangsbestätigung
- Genehmigung angefordert
- Bearbeitung begonnen
- Bereitstellung abgeschlossen
- zusätzliche Informationen benötigt
- Request erfolgreich abgeschlossen

Benutzer kennen dadurch jederzeit den aktuellen Stand.

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**Bearbeitungszeiten**

Für Standard Requests können Zielzeiten definiert werden.

Beispiele:

| Request | Zielzeit |
|---------|----------|
| Passwort zurücksetzen | 15 Minuten |
| Softwareinstallation | 1 Arbeitstag |
| Benutzerkonto | 4 Stunden |
| Monitor bestellen | 3 Arbeitstage |
| VPN-Zugang | 1 Arbeitstag |

Diese Zeiten dienen als Orientierung für Servicequalität und Planung.

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**Request Models regelmäßig überprüfen**

Ein Request Model sollte regelmäßig überprüft werden.

Mögliche Fragen:

- Sind die Bearbeitungsschritte noch aktuell?
- Stimmen die Genehmigungen?
- Gibt es neue Automatisierungen?
- Haben sich Systeme geändert?
- Gibt es häufige Rückfragen?
- Entstehen unnötige Wartezeiten?

Ein veraltetes Request Model führt schnell zu Fehlern.

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**Versionierung**

Änderungen an Request Models sollten nachvollziehbar sein.

Dokumentiert werden können:

- Versionsnummer
- Änderungsdatum
- Bearbeiter
- Grund der Änderung
- betroffene Schritte

Dadurch bleibt nachvollziehbar,

welcher Ablauf aktuell gültig ist.

---

**Praxisbeispiel**

Ein neuer Mitarbeiter beginnt am Montag.

Der Service Request:

> "Neuer Mitarbeiter"

startet automatisch:

- Benutzerkonto
- E-Mail
- Microsoft 365
- VPN
- Gruppenmitgliedschaften
- Notebook
- Monitor
- Mobiltelefon
- Berechtigungen

Jede Aufgabe wird automatisch an das zuständige Team weitergeleitet.

Der gesamte Ablauf basiert auf einem einzigen Request Model.

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**Typische Fehler**

**Fehler 1**

Für häufige Requests existiert kein Request Model.

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**Fehler 2**

Bearbeiter arbeiten nach unterschiedlichen Abläufen.

---

**Fehler 3**

Genehmigungen sind nicht eindeutig geregelt.

---

**Fehler 4**

Zu viele unnötige Pflichtfelder.

---

**Fehler 5**

Bearbeitungsschritte sind unvollständig dokumentiert.

---

**Fehler 6**

Automatisierungen werden nicht genutzt.

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**Fehler 7**

Verantwortlichkeiten sind unklar.

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**Fehler 8**

Veraltete Request Models werden weiterhin verwendet.

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**Checkliste Request Model**

- [ ] Request eindeutig beschrieben
- [ ] Kategorie festgelegt
- [ ] Zielgruppe definiert
- [ ] Voraussetzungen beschrieben
- [ ] Pflichtinformationen festgelegt
- [ ] Genehmigungen geregelt
- [ ] Bearbeitungsschritte dokumentiert
- [ ] Verantwortlichkeiten festgelegt
- [ ] Automatisierungen berücksichtigt
- [ ] Kommunikation definiert
- [ ] Abschlusskriterien beschrieben
- [ ] Version dokumentiert

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**Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration**

Fachinformatiker arbeiten täglich mit Request Models.

Typische Aufgaben:

- Standardsoftware bereitstellen,
- Benutzerkonten anlegen,
- Berechtigungen vergeben,
- Hardware vorbereiten,
- Automatisierungen entwickeln,
- Dokumentationen pflegen,
- Request Models verbessern,
- Bearbeitungszeiten optimieren.

Gut gepflegte Request Models sparen im Arbeitsalltag erhebliche Zeit und sorgen für eine gleichbleibend hohe Servicequalität.

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**Zusammenfassung**

> Wiederkehrenden Request identifizieren
>
> ↓
>
> Request Model erstellen
>
> ↓
>
> Informationen und Genehmigungen festlegen
>
> ↓
>
> Bearbeitung standardisieren
>
> ↓
>
> Automatisierung nutzen
>
> ↓
>
> Leistung bereitstellen
>
> ↓
>
> Benutzer informieren
>
> ↓
>
> Request dokumentieren und abschließen

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**Merksätze**

> Standard Requests sollten immer nach einem Request Model bearbeitet werden.

> Ein Request Model beschreibt den gesamten Bearbeitungsablauf.

> Standardisierung ermöglicht Automatisierung.

> Gute Request Models reduzieren Fehler und Bearbeitungszeit.

> Klare Verantwortlichkeiten verbessern die Servicequalität.

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**Verwandte Seiten**

- 9.1 Ziele und Grundlagen des Service Request Management
- 9.3 Genehmigungen und Freigabeverfahren
- 9.4 Erfüllung, Automatisierung und Self-Service
- 9.5 Zusammenspiel mit Incident, Change, Knowledge und Service Level Management
- Service Level Management
- Knowledge Management
- Continual Improvement

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**Quellen und Versionsstand**

**Offizielle Grundlagen**

- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Service Request Management
- ITIL Foundation – Version 5

**Einordnung**

Die dargestellten Request Models, Bearbeitungsschritte, Zielzeiten und Beispiele sind herstellerneutrale Praxisempfehlungen. ITIL schreibt keine festen Request Models oder Standardabläufe vor. Organisationen entwickeln diese entsprechend ihrer Services, Sicherheitsanforderungen und Geschäftsprozesse.

**Behandelter Framework-Stand:** ITIL Version 5  
**Zusätzlich berücksichtigt:** aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance  
**Fachlicher Stand:** August 2026