# 9.5 Zusammenspiel mit Incident, Change, Knowledge und Service Level Management

> **Kurz erklärt**
>
> Service Request Management arbeitet nicht isoliert.
>
> Es steht in engem Zusammenhang mit anderen ITIL Practices.
>
> Erst das Zusammenspiel mit Incident Management, Change Enablement, Knowledge Management, Service Level Management, Information Security Management und Continual Improvement ermöglicht eine schnelle, sichere und qualitativ hochwertige Bearbeitung von Service Requests.
>
> Jede Practice liefert Informationen oder Leistungen, die den gesamten Request-Prozess unterstützen.

---

**Warum das Zusammenspiel wichtig ist**

Ein Service Request besteht selten nur aus einer einzelnen Tätigkeit.

Beispiel:

Ein neuer Mitarbeiter benötigt:

- Benutzerkonto,
- Microsoft-365-Lizenz,
- VPN,
- Notebook,
- Gruppenberechtigungen,
- Mobiltelefon.

Für die Bereitstellung arbeiten häufig mehrere Teams und Practices zusammen.

Das Service Request Management koordiniert dabei den gesamten Ablauf.

---

**Zusammenspiel der Practices**

```text
Service Request
        │
        ▼
Genehmigungen
        │
        ▼
Knowledge nutzen
        │
        ▼
Incident vermeiden
        │
        ▼
Changes ausführen
        │
        ▼
Service bereitstellen
        │
        ▼
Servicequalität messen
        │
        ▼
Verbesserungen umsetzen
```

Die Practices arbeiten parallel und ergänzen sich gegenseitig.

---

**Service Request Management und Incident Management**

Diese beiden Practices werden häufig verwechselt.

Der wichtigste Unterschied:

| Incident Management | Service Request Management |
|----------------------|----------------------------|
| Störung beheben | Service bereitstellen |
| ungeplantes Ereignis | geplante Anfrage |
| Ziel: Wiederherstellung | Ziel: Erfüllung einer Anforderung |
| häufig hoher Zeitdruck | planbare Bearbeitung |

Trotzdem arbeiten beide eng zusammen.

---

**Wenn ein Incident zum Request wird**

Manchmal stellt sich während der Bearbeitung heraus,

dass gar keine Störung vorliegt.

Beispiel:

Benutzer meldet:

> "Ich kann Photoshop nicht benutzen."

Analyse:

Photoshop wurde nie installiert.

Es liegt keine Störung vor.

Der Incident wird geschlossen.

Anschließend wird ein Service Request für die Softwareinstallation erstellt.

---

**Wenn ein Request zum Incident wird**

Auch das Gegenteil ist möglich.

Beispiel:

Ein Benutzer beantragt VPN.

Während der Bereitstellung fällt auf:

Der VPN-Gateway ist ausgefallen.

Jetzt liegt zusätzlich ein Incident vor.

Der Service Request bleibt bestehen,

die technische Störung wird jedoch separat als Incident bearbeitet.

---

**Parallele Bearbeitung**

Ein Service Request und ein Incident können gleichzeitig existieren.

Beispiel:

- Request: neues Notebook
- Incident: Softwareverteilung funktioniert nicht

Beide Vorgänge besitzen unterschiedliche Ziele,

können sich jedoch gegenseitig beeinflussen.

---

**Verknüpfung von Tickets**

Viele ITSM-Systeme ermöglichen Verknüpfungen.

Beispiel:

```text
Service Request
       │
       ├──────── Incident
       │
       ├──────── Change
       │
       ├──────── Knowledge Article
       │
       └──────── Configuration Item
```

Dadurch bleiben Zusammenhänge nachvollziehbar.

---

**Service Request Management und Change Enablement**

Viele Requests führen zu Änderungen an der IT-Umgebung.

Beispiele:

- Software installieren,
- Benutzerkonto erstellen,
- Firewallregel hinzufügen,
- virtuelle Maschine bereitstellen,
- Cloud-Service aktivieren.

Nicht jede dieser Änderungen benötigt jedoch einen eigenen Change.

---

**Standard Changes**

Viele Service Requests werden über bereits genehmigte Standard Changes umgesetzt.

Beispiele:

- Office installieren
- Gruppenmitgliedschaft vergeben
- Notebook bereitstellen
- Benutzerkonto anlegen

Der Benutzer bemerkt davon häufig nichts.

Für ihn bleibt es ein Service Request.

---

**Normale Changes**

Größere Anforderungen können zusätzlich einen normalen Change benötigen.

Beispiel:

Ein Fachbereich benötigt eine neue Unternehmenssoftware.

Der Service Request startet den Prozess.

Die technische Einführung erfolgt anschließend kontrolliert über Change Enablement.

---

**Service Request Management und Knowledge Management**

Knowledge Management unterstützt Service Requests in nahezu jeder Phase.

Beispiele:

- Benutzer findet die Lösung selbst.
- Service Desk nutzt einen Knowledge-Artikel.
- Automatisierung greift auf Dokumentation zurück.
- Runbooks beschreiben die Bereitstellung.

Je besser die Wissensbasis,

desto schneller erfolgt die Bearbeitung.

---

**Knowledge vor Ticket**

Idealerweise prüft der Benutzer bereits vor der Ticketerstellung,

ob ein passender Knowledge-Artikel existiert.

Beispiele:

- VPN einrichten
- Outlook konfigurieren
- Drucker verbinden
- MFA aktivieren

Dadurch werden viele Requests vollständig vermieden.

---

**Neue Knowledge-Artikel**

Auch Service Requests können neue Dokumentationen erzeugen.

Beispiele:

- häufige Rückfragen
- neue Software
- neue Cloud-Dienste
- neue Standardhardware
- neuer Bereitstellungsprozess

Wissen sollte kontinuierlich erweitert werden.

---

**Runbooks**

Viele Standard Requests besitzen ein Runbook.

Ein Runbook beschreibt:

- Voraussetzungen,
- Reihenfolge,
- Prüfungen,
- Dokumentation,
- Abschluss.

Dadurch arbeiten alle Bearbeiter nach demselben Verfahren.

---

**Service Request Management und Service Level Management**

Auch Service Requests besitzen häufig Serviceziele.

Beispiele:

- Notebook innerhalb von fünf Arbeitstagen
- Benutzerkonto innerhalb von vier Stunden
- Passwort innerhalb von zehn Minuten
- Software innerhalb eines Arbeitstages

Service Level Management überwacht,

ob diese Ziele erreicht werden.

---

**Kennzahlen**

Typische Kennzahlen:

- Bearbeitungszeit
- Wartezeit auf Genehmigung
- Automatisierungsquote
- Anzahl offener Requests
- durchschnittliche Bereitstellungszeit
- Benutzerzufriedenheit
- Self-Service-Nutzung
- Wiedereröffnungen

Diese Kennzahlen helfen bei Verbesserungen.

---

**Service Request Management und Information Security Management**

Viele Requests betreffen Sicherheitsaspekte.

Beispiele:

- Administratorrechte
- VPN
- Multifaktor-Authentifizierung
- Cloud-Zugriffe
- Gruppenmitgliedschaften
- Datenbankberechtigungen

Information Security Management definiert häufig die notwendigen Anforderungen.

---

**Least Privilege**

Service Requests sollten möglichst nach dem Prinzip der geringsten Berechtigung umgesetzt werden.

Benutzer erhalten nur die Rechte,

die sie tatsächlich benötigen.

Dadurch sinkt das Sicherheitsrisiko.

---

**Rezertifizierung**

Manche Berechtigungen werden regelmäßig überprüft.

Beispiele:

- Administratorrechte
- Projektzugriffe
- externe Benutzer
- Cloud-Rollen

Nicht mehr benötigte Berechtigungen werden entfernt.

---

**Service Request Management und Service Configuration Management**

Viele Requests verändern Configuration Items.

Beispiele:

- Notebook ausgeben
- Server bereitstellen
- virtuelle Maschine erzeugen
- Software installieren
- Zertifikat erneuern

Nach der Bereitstellung sollten die entsprechenden Configuration-Daten aktualisiert werden.

---

**Warum Configuration-Daten wichtig sind**

Nur aktuelle Daten ermöglichen:

- korrekte Inventarisierung,
- Incident-Analyse,
- Problem Management,
- Change Enablement,
- Lizenzverwaltung,
- Sicherheitsprüfungen.

Service Requests verändern häufig genau diese Informationen.

---

**Service Request Management und Supplier Management**

Externe Lieferanten können an der Bearbeitung beteiligt sein.

Beispiele:

- Notebooklieferung
- Mobiltelefon
- Cloud-Service
- Softwarelizenz
- Hardwarewartung

Lieferzeiten externer Partner beeinflussen häufig die gesamte Bearbeitungsdauer.

---

**Service Request Management und Continual Improvement**

Jeder Request liefert Verbesserungspotenzial.

Beispiele:

- unnötige Genehmigungen,
- schlechte Formulare,
- fehlende Automatisierung,
- veraltete Knowledge-Artikel,
- lange Bearbeitungszeiten,
- wiederkehrende Rückfragen.

Diese Erkenntnisse fließen in Continual Improvement ein.

---

**Verbesserungsmöglichkeiten**

Typische Maßnahmen:

- Formular vereinfachen
- Genehmigungen reduzieren
- Workflow automatisieren
- Knowledge erweitern
- Serviceportal verbessern
- Bearbeitungszeiten verkürzen
- Kommunikation verbessern

Kleine Verbesserungen können große Wirkung entfalten.

---

**Zusammenspiel im Onboarding**

Ein Beispiel:

```text
Neuer Mitarbeiter
        │
        ▼
Service Request
        │
        ▼
Genehmigungen
        │
        ▼
Benutzerkonto
        │
        ▼
Microsoft 365
        │
        ▼
VPN
        │
        ▼
Notebook
        │
        ▼
CMDB aktualisieren
        │
        ▼
Benutzer informieren
```

Mehrere Practices arbeiten dabei gleichzeitig zusammen.

---

**Praxisbeispiel**

Ein neuer Mitarbeiter beginnt nächste Woche.

Der Request löst automatisch aus:

- Benutzerkonto,
- E-Mail,
- Microsoft 365,
- Notebook,
- VPN,
- Gruppen,
- Teams,
- Mobiltelefon.

Währenddessen:

- Knowledge liefert Installationsanleitungen.
- Configuration Management dokumentiert neue Geräte.
- Service Level Management misst die Bearbeitungszeit.
- Information Security prüft Berechtigungen.
- Continual Improvement sammelt Kennzahlen.

Der Benutzer erlebt einen einzigen zusammenhängenden Service.

---

**Typische Fehler**

**Fehler 1**

Incidents und Requests werden verwechselt.

---

**Fehler 2**

Service Requests aktualisieren keine Configuration-Daten.

---

**Fehler 3**

Knowledge wird nicht genutzt.

---

**Fehler 4**

Genehmigungen verzögern Standardleistungen.

---

**Fehler 5**

Automatisierungen fehlen.

---

**Fehler 6**

Serviceziele werden nicht gemessen.

---

**Fehler 7**

Information Security wird zu spät eingebunden.

---

**Fehler 8**

Bearbeitung erfolgt außerhalb des ITSM-Systems.

---

**Fehler 9**

Self-Service wird kaum genutzt.

---

**Fehler 10**

Verbesserungspotenziale werden nicht ausgewertet.

---

**Checkliste Zusammenspiel**

- [ ] Request korrekt klassifiziert
- [ ] Incident ausgeschlossen
- [ ] Knowledge genutzt
- [ ] Genehmigungen durchgeführt
- [ ] Change erforderlich?
- [ ] Configuration-Daten aktualisiert
- [ ] Sicherheitsanforderungen erfüllt
- [ ] Serviceziel überwacht
- [ ] Benutzer informiert
- [ ] Verbesserungen dokumentiert

---

**Checkliste Automatisierung**

- [ ] Workflow vorhanden
- [ ] Genehmigungen integriert
- [ ] Knowledge eingebunden
- [ ] Configuration aktualisiert
- [ ] Benutzer informiert
- [ ] Fehler protokolliert
- [ ] Monitoring vorhanden
- [ ] Dokumentation aktuell

---

**Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration**

Fachinformatiker arbeiten täglich an den Schnittstellen verschiedener ITIL Practices.

Im Arbeitsalltag bedeutet dies:

- Service Requests technisch umsetzen,
- Incidents von Requests unterscheiden,
- Standard Changes anwenden,
- Configuration-Daten pflegen,
- Knowledge erweitern,
- Sicherheitsvorgaben einhalten,
- Automatisierungen entwickeln,
- Prozesse kontinuierlich verbessern.

Erst das Zusammenspiel aller Practices ermöglicht einen professionellen und effizienten IT-Service.

---

**Zusammenfassung**

> Benutzer stellt Service Request
>
> ↓
>
> Knowledge und Self-Service unterstützen
>
> ↓
>
> Genehmigungen prüfen
>
> ↓
>
> Standard Change nutzen (falls erforderlich)
>
> ↓
>
> Service bereitstellen
>
> ↓
>
> Configuration aktualisieren
>
> ↓
>
> Servicequalität messen
>
> ↓
>
> Verbesserungen umsetzen

---

**Merksätze**

> Service Request Management arbeitet niemals isoliert.

> Incidents beheben Störungen – Service Requests stellen Leistungen bereit.

> Knowledge und Automatisierung beschleunigen die Bearbeitung.

> Configuration-Daten müssen nach der Bereitstellung aktuell sein.

> Continual Improvement verbessert auch Service Requests kontinuierlich.

---

**Verwandte Seiten**

- 9.1 Ziele und Grundlagen des Service Request Management
- 9.2 Request Model und Standard Requests
- 9.3 Genehmigungen und Freigabeverfahren
- 9.4 Erfüllung, Automatisierung und Self-Service
- Incident Management
- Change Enablement
- Knowledge Management
- Service Configuration Management
- Service Level Management
- Information Security Management
- Continual Improvement

---

**Quellen und Versionsstand**

**Offizielle Grundlagen**

- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Service Request Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Incident Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Change Enablement
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Knowledge Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Service Configuration Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Service Level Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Information Security Management
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Continual Improvement
- ITIL Foundation – Version 5

**Einordnung**

Die dargestellten Zusammenhänge, Beispiele und Praxisempfehlungen orientieren sich an den ITIL-Practices. Die konkrete technische Umsetzung hängt von den eingesetzten ITSM-Systemen, Automatisierungsplattformen, Identity-Management-Lösungen und organisatorischen Prozessen der jeweiligen Organisation ab.

**Behandelter Framework-Stand:** ITIL Version 5  
**Zusätzlich berücksichtigt:** aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance  
**Fachlicher Stand:** August 2026