10.1 OSI-Schicht 7 – Anwendungsschicht Die Anwendungsschicht ist Schicht 7 des OSI-Modells. Sie ist die oberste Schicht. Die Hauptaufgabe von Schicht 7 ist: Netzwerkdienste für Anwendungen bereitstellen. Dabei geht es vor allem um Protokolle und Dienste, die direkt von Anwendungen genutzt werden. Typische Beispiele: - HTTP - HTTPS - DNS - DHCP - SMTP - IMAP - POP3 - FTP - SSH - SMB - LDAP - SNMP - NTP Merksatz: Schicht 7 = Netzwerkdienste für Anwendungen. Grundidee von Schicht 7 Schicht 7 ist die Schicht, mit der Anwendungen direkt arbeiten. Beispiele: Webbrowser nutzt HTTP oder HTTPS. Mailprogramm nutzt SMTP, IMAP oder POP3. Betriebssystem nutzt DNS zur Namensauflösung. Client nutzt DHCP zur automatischen IP-Konfiguration. Administrator nutzt SSH zur Fernverwaltung. Wichtig: Die Anwendungsschicht ist nicht die Anwendung selbst, sondern die Netzwerkschnittstelle beziehungsweise das Protokoll, das die Anwendung nutzt. Merksatz: Schicht 7 beschreibt Dienste und Protokolle, die Anwendungen für Netzwerkkommunikation verwenden. Einordnung im OSI-Modell OSI-Schicht Name Aufgabe 7 Anwendungsschicht Netzwerkdienste für Anwendungen 6 Darstellungsschicht Darstellung, Codierung, Verschlüsselung 5 Sitzungsschicht Sitzungen aufbauen, verwalten und beenden 4 Transportschicht TCP, UDP, Ports 3 Vermittlungsschicht / Netzwerkschicht IP, Routing 2 Sicherungsschicht Frames, MAC, VLAN 1 Bitübertragungsschicht Bits, Signale Merksatz: Schicht 7 ist die oberste OSI-Schicht. Schicht 7 ist nicht einfach „das Programm“ Ein häufiger Fehler ist: Browser = Schicht 7 Besser formuliert: Der Browser ist eine Anwendung. Der Browser nutzt Protokolle der Anwendungsschicht, zum Beispiel HTTP oder HTTPS. Beispiel: Firefox, Chrome oder Safari = Anwendung HTTP, HTTPS = Protokolle der Anwendungsschicht Merksatz: Programm nutzt Schicht 7, ist aber nicht automatisch selbst die Schicht. Was macht die Anwendungsschicht? Die Anwendungsschicht stellt Funktionen bereit wie: - Webseiten abrufen - Namen in IP-Adressen auflösen - E-Mails senden und empfangen - Dateien übertragen - Zeit synchronisieren - Netzwerkgeräte überwachen - Verzeichnisdienste abfragen - automatische IP-Konfiguration anstoßen - entfernte Systeme verwalten Merksatz: Schicht 7 stellt konkrete Netzwerkdienste bereit. Schicht 7 und Ports Viele Anwendungsschicht-Protokolle nutzen Ports auf Schicht 4. Beispiele: Anwendungsschicht-Protokoll Transport typischer Port HTTP TCP 80 HTTPS TCP 443 DNS UDP / TCP 53 DHCP UDP 67 / 68 SSH TCP 22 SMTP TCP 25 IMAP TCP 143 POP3 TCP 110 NTP UDP 123 Wichtig: Port gehört zu Schicht 4. Dienstprotokoll gehört zu Schicht 7. Merksatz: Port = Schicht 4. Protokoll/Dienst = Schicht 7. HTTP HTTP steht für: Hypertext Transfer Protocol HTTP wird verwendet, um Webseiten und Webdaten zu übertragen. Typischer Port: TCP 80 HTTP ist unverschlüsselt. Beispiele für HTTP-Kommunikation: Browser ruft Webseite ab. Webanwendung liefert HTML. API sendet Daten. Client lädt Dateien von einem Webserver. Merksatz: HTTP = Webprotokoll ohne TLS-Verschlüsselung. HTTPS HTTPS steht für: Hypertext Transfer Protocol Secure HTTPS ist: HTTP über TLS Typischer Port: TCP 443 HTTPS schützt die Übertragung durch TLS. Schutzziele: - Vertraulichkeit - Integrität - Authentizität Merksatz: HTTPS = HTTP mit TLS-Schutz. HTTP und HTTPS unterscheiden Merkmal HTTP HTTPS Verschlüsselung nein ja, TLS typischer Port TCP 80 TCP 443 Zertifikat nötig nein ja Schutz vor Mitlesen nein ja Schutz vor Manipulation nein ja Merksatz: HTTP ist unverschlüsselt. HTTPS ist verschlüsselt. DNS DNS steht für: Domain Name System DNS löst Namen in IP-Adressen auf. Beispiel: www.example.com → 93.184.216.34 DNS wird benötigt, damit Benutzer und Anwendungen mit Namen arbeiten können, statt sich IP-Adressen merken zu müssen. Typischer Port: UDP 53 TCP 53 Merksatz: DNS = Name zu IP-Adresse. A-Record und AAAA-Record DNS kann verschiedene Einträge liefern. Wichtige Einträge: DNS-Record Bedeutung A Name zu IPv4-Adresse AAAA Name zu IPv6-Adresse CNAME Alias auf anderen Namen MX Mailserver einer Domain TXT Textinformationen, oft für Prüfungen NS zuständiger Nameserver Merksatz: A = IPv4. AAAA = IPv6. MX = Mailserver. DNS und Schicht 7 DNS ist ein Anwendungsschicht-Protokoll, obwohl es UDP oder TCP auf Schicht 4 nutzt. Wichtig: DNS-Port 53 gehört zu Schicht 4. DNS-Protokoll gehört zu Schicht 7. Merksatz: DNS nutzt Ports, ist aber ein Dienst der Anwendungsschicht. DHCP DHCP steht für: Dynamic Host Configuration Protocol DHCP vergibt automatisch Netzwerkkonfigurationen. Ein Client kann per DHCP erhalten: - IP-Adresse - Subnetzmaske - Standard-Gateway - DNS-Server - Lease-Zeit - weitere Optionen Typische Ports: DHCP-Server: UDP 67 DHCP-Client: UDP 68 Merksatz: DHCP = automatische IP-Konfiguration. DHCP und Schicht 7 DHCP ist ein Anwendungsschicht-Protokoll, auch wenn es IP-Konfigurationen für Schicht 3 bereitstellt. Das ist wichtig: DHCP vergibt IP-Daten, aber das DHCP-Protokoll selbst gehört zur Anwendungsschicht. Merksatz: DHCP liefert Schicht-3-Konfiguration, ist aber ein Schicht-7-Protokoll. SMTP SMTP steht für: Simple Mail Transfer Protocol SMTP wird für das Senden und Weiterleiten von E-Mails verwendet. Typischer Port: TCP 25 Weitere häufige Ports: TCP 587 für Mail Submission TCP 465 für SMTPS Merksatz: SMTP = E-Mail senden und transportieren. POP3 POP3 steht für: Post Office Protocol Version 3 POP3 wird zum Abrufen von E-Mails verwendet. Typischer Port: TCP 110 Verschlüsselte Variante: POP3S über TCP 995 POP3 lädt E-Mails häufig vom Server herunter. Merksatz: POP3 = E-Mail abrufen. IMAP IMAP steht für: Internet Message Access Protocol IMAP wird zum Abrufen und Verwalten von E-Mails verwendet. Typischer Port: TCP 143 Verschlüsselte Variante: IMAPS über TCP 993 IMAP lässt E-Mails häufig auf dem Server und synchronisiert sie zwischen Geräten. Merksatz: IMAP = E-Mail verwalten und synchronisieren. SMTP, POP3 und IMAP unterscheiden Protokoll Hauptaufgabe typischer Port SMTP E-Mail senden / transportieren TCP 25 POP3 E-Mail abrufen TCP 110 IMAP E-Mail abrufen und verwalten TCP 143 Merksatz: SMTP sendet. POP3 und IMAP empfangen. FTP FTP steht für: File Transfer Protocol FTP dient zur Dateiübertragung. Typischer Port: TCP 21 Wichtig: Klassisches FTP ist unverschlüsselt. Sicherere Alternativen sind zum Beispiel: - SFTP - FTPS Merksatz: FTP = Dateiübertragung, klassisch unverschlüsselt. SFTP und FTPS unterscheiden SFTP und FTPS werden oft verwechselt. Begriff Bedeutung SFTP Dateiübertragung über SSH FTPS FTP mit TLS-Schutz Typische Einordnung: SFTP nutzt SSH. FTPS nutzt TLS. Merksatz: SFTP ist nicht dasselbe wie FTPS. SSH SSH steht für: Secure Shell SSH dient zur sicheren Fernverwaltung. Typischer Port: TCP 22 SSH wird genutzt für: - sichere Shell - Serveradministration - SFTP - Tunnel - sichere Befehlsausführung Merksatz: SSH = sicherer Fernzugriff. Telnet Telnet ist ein älteres Fernzugriffsprotokoll. Typischer Port: TCP 23 Problem: Telnet ist unverschlüsselt. Benutzernamen, Passwörter und Eingaben können mitgelesen werden. Heute sollte man für Administration SSH verwenden. Merksatz: Telnet ist unsicher, SSH ist die sichere Alternative. SMB SMB steht für: Server Message Block SMB wird häufig für Datei- und Druckerfreigaben verwendet. Typischer Port: TCP 445 Typische Nutzung: - Windows-Dateifreigaben - Netzlaufwerke - Druckerfreigaben - Dateiablage im LAN Merksatz: SMB = Datei- und Freigabedienst. LDAP LDAP steht für: Lightweight Directory Access Protocol LDAP dient zur Abfrage und Verwaltung von Verzeichnisdiensten. Typische Nutzung: - Benutzerverzeichnisse - Gruppen - Authentifizierungsinformationen - zentrale Identitätsverwaltung Typische Ports: LDAP: TCP/UDP 389 LDAPS: TCP 636 Merksatz: LDAP = Zugriff auf Verzeichnisdienste. SNMP SNMP steht für: Simple Network Management Protocol SNMP wird für Überwachung und Verwaltung von Netzwerkgeräten genutzt. Typische Nutzung: - Switches überwachen - Router überwachen - Drucker überwachen - Serverwerte abfragen - Monitoring-Systeme anbinden Typische Ports: UDP 161 für Abfragen UDP 162 für Traps Merksatz: SNMP = Netzwerkgeräte überwachen. NTP NTP steht für: Network Time Protocol NTP synchronisiert die Uhrzeit von Systemen. Typischer Port: UDP 123 Korrekte Zeit ist wichtig für: - Zertifikate - Kerberos - Logs - Monitoring - Fehlersuche - Authentifizierung Merksatz: NTP = Zeitsynchronisation. RDP RDP steht für: Remote Desktop Protocol RDP wird für grafischen Fernzugriff verwendet, besonders bei Windows-Systemen. Typischer Port: TCP 3389 Wichtig: RDP sollte nicht ungeschützt direkt ins Internet geöffnet werden. Besser: - VPN - Zugriffsbeschränkung - Multi-Faktor-Authentifizierung - Remote Desktop Gateway - starke Passwörter Merksatz: RDP = grafischer Fernzugriff, sorgfältig absichern. Anwendungsschicht und Benutzer Schicht 7 ist die OSI-Schicht, die am nächsten an der Benutzeranwendung liegt. Beispiele: Browser lädt Webseite. Mailprogramm ruft E-Mails ab. Datei-Explorer öffnet Netzfreigabe. Monitoring fragt Gerätedaten ab. Admin verbindet sich per SSH. Wichtig: Der Benutzer sieht oft nur die Anwendung. Technisch arbeitet die Anwendung mit Schicht-7-Protokollen. Merksatz: Schicht 7 ist die benutzernahe Netzwerkschicht. Client und Server Viele Anwendungsschicht-Protokolle arbeiten nach dem Client-Server-Prinzip. Client: stellt Anfrage Server: liefert Antwort oder Dienst Beispiel HTTP: Browser = Client Webserver = Server Beispiel DNS: DNS-Resolver = Client DNS-Server = Server Merksatz: Client fragt an, Server antwortet. Request und Response Viele Anwendungsschicht-Protokolle arbeiten mit Anfrage und Antwort. Beispiel HTTP: Request: Client fordert eine Webseite an. Response: Server liefert die Webseite zurück. Beispiel DNS: Request: Client fragt nach IP-Adresse. Response: DNS-Server liefert Adresse zurück. Merksatz: Request = Anfrage. Response = Antwort. HTTP-Methoden HTTP nutzt Methoden, um die Art einer Anfrage zu beschreiben. Wichtige Methoden: Methode Bedeutung GET Daten abrufen POST Daten senden / erstellen PUT Daten ersetzen PATCH Daten teilweise ändern DELETE Daten löschen HEAD nur Kopfzeilen abrufen Merksatz: GET liest. POST sendet. DELETE löscht. HTTP-Statuscodes HTTP-Statuscodes zeigen das Ergebnis einer Anfrage. Wichtige Bereiche: Bereich Bedeutung 1xx Information 2xx Erfolg 3xx Weiterleitung 4xx Clientfehler 5xx Serverfehler Beispiele: Statuscode Bedeutung 200 OK 301 dauerhaft weitergeleitet 302 vorübergehend weitergeleitet 400 fehlerhafte Anfrage 401 nicht authentifiziert 403 verboten 404 nicht gefunden 500 interner Serverfehler 502 Bad Gateway 503 Dienst nicht verfügbar Merksatz: 2xx gut, 4xx Clientproblem, 5xx Serverproblem. API API steht für: Application Programming Interface Eine API ist eine Schnittstelle, über die Anwendungen miteinander kommunizieren. Im Netzwerkumfeld sind Web-APIs häufig. Sie nutzen oft: - HTTP oder HTTPS - JSON - XML - Tokens - Statuscodes Merksatz: API = Schnittstelle zwischen Anwendungen. REST kurz erklärt REST ist ein Architekturstil für Web-APIs. Typisch: Ressourcen werden über URLs angesprochen. HTTP-Methoden beschreiben die Aktion. Daten werden häufig als JSON übertragen. Beispiel: GET /users bedeutet sinngemäß: Benutzerliste abrufen. Merksatz: REST nutzt HTTP-Ideen für APIs. Anwendungsschicht und Authentifizierung Viele Dienste müssen prüfen: Wer bist du? Das nennt man: Authentifizierung Beispiele: - Benutzername und Passwort - SSH-Schlüssel - Zertifikat - Token - Multi-Faktor-Authentifizierung Merksatz: Authentifizierung prüft Identität. Anwendungsschicht und Autorisierung Autorisierung bedeutet: Was darfst du? Beispiel: Benutzer ist angemeldet, darf aber keine Adminseite öffnen. Authentifizierung und Autorisierung unterscheiden: Authentifizierung: Wer bist du? Autorisierung: Was darfst du? Merksatz: Authentifizierung = Identität. Autorisierung = Rechte. Cookies und Sessions Webanwendungen nutzen oft Cookies, um Sitzungen wiederzuerkennen. Beispiel: Benutzer meldet sich an. Server setzt Session-Cookie. Browser sendet Cookie bei weiteren Anfragen mit. Server erkennt Benutzer wieder. Schichtbezug: Session = Schicht 5 / 7-Bezug Cookie = Anwendungsschicht HTTP = Anwendungsschicht Merksatz: Cookies helfen Webanwendungen, Sitzungen wiederzuerkennen. Anwendungsschicht und Datenformate Schicht 7 arbeitet oft mit Datenformaten aus Schicht 6. Beispiele: HTTP überträgt HTML. API überträgt JSON. Mail enthält MIME-Strukturen. Webserver liefert CSS, JavaScript, Bilder. Darum sind Schicht 6 und 7 in der Praxis eng verbunden. Merksatz: Schicht 7 nutzt häufig Datenformate aus Schicht 6. Anwendungsschicht und DNS-Probleme DNS-Probleme wirken oft wie Internetprobleme. Beispiel: ping 8.8.8.8 funktioniert. ping www.example.com funktioniert nicht. Dann ist IP-Kommunikation grundsätzlich möglich, aber Namensauflösung funktioniert nicht. Mögliche Ursachen: - falscher DNS-Server - DNS-Server nicht erreichbar - falscher DNS-Eintrag - DNS-Cache fehlerhaft - Firewall blockiert DNS - Domain nicht vorhanden Merksatz: IP geht, Name nicht: DNS prüfen. Anwendungsschicht und HTTP-Fehler Wenn TCP 443 erreichbar ist, aber die Webseite Fehler zeigt, liegt das Problem oft höher als Schicht 4. Beispiele: 404 Not Found: Ressource nicht gefunden. 500 Internal Server Error: Anwendung oder Serverfehler. 502 Bad Gateway: Proxy oder Gateway bekommt keine passende Antwort. 503 Service Unavailable: Dienst nicht verfügbar. Merksatz: HTTP-Statuscodes helfen bei Schicht-7-Fehlersuche. Anwendungsschicht und E-Mail-Fehler E-Mail-Probleme können viele Ursachen haben. Mögliche Prüfpunkte: - SMTP-Server erreichbar? - IMAP/POP3 erreichbar? - Benutzer angemeldet? - DNS MX-Record korrekt? - Spamfilter blockiert? - TLS korrekt? - Authentifizierung korrekt? - Mailbox voll? - Sender oder Empfänger falsch? Merksatz: E-Mail-Fehler betreffen oft DNS, Authentifizierung, TLS und Mailprotokolle. Anwendungsschicht und DHCP-Fehler Wenn ein Client keine IP-Adresse erhält, denkt man oft zuerst an Schicht 3. Aber DHCP selbst ist ein Anwendungsschicht-Protokoll. Mögliche Ursachen: - DHCP-Server nicht aktiv - DHCP-Bereich erschöpft - DHCP-Relay fehlt - falsches VLAN - Firewall blockiert UDP 67/68 - falsche DHCP-Optionen - Dienstfehler am DHCP-Server Merksatz: DHCP vergibt IP-Daten, ist aber ein Dienstprotokoll. Anwendungsschicht und Sicherheit Schicht 7 ist besonders wichtig für Sicherheit, weil dort konkrete Dienste und Benutzerinteraktion stattfinden. Typische Risiken: - schwache Passwörter - fehlende MFA - unsichere Webanwendungen - fehlerhafte API-Berechtigungen - unsichere Dateifreigaben - veraltete Dienste - Standardpasswörter - offene Verwaltungsdienste Merksatz: Viele Angriffe zielen direkt auf Anwendungsschicht-Dienste. Typische Schutzmaßnahmen auf Schicht 7 Beispiele: - starke Authentifizierung - Multi-Faktor-Authentifizierung - sichere Passwörter - Rechte nach Minimalprinzip - Updates - sichere Konfiguration - Protokollierung - Eingabevalidierung - Web Application Firewall - sichere API-Tokens - nicht benötigte Dienste deaktivieren Merksatz: Schicht-7-Sicherheit schützt konkrete Dienste und Anwendungen. Was Schicht 7 nicht macht Schicht 7 macht nicht: - Bits als elektrische oder optische Signale übertragen - MAC-Adressen im LAN verwenden - IP-Pakete routen - TCP-Verbindungen aufbauen - Ports bereitstellen - reine Verschlüsselungsschicht ersetzen Diese Aufgaben liegen auf unteren Schichten. Merksatz: Schicht 7 nutzt die unteren Schichten, ersetzt sie aber nicht. Einordnung typischer Begriffe Begriff Schicht HTTP 7 HTTPS 7 mit TLS-Bezug DNS 7 DHCP 7 SMTP 7 IMAP 7 POP3 7 FTP 7 SSH 7 SMB 7 LDAP 7 SNMP 7 NTP 7 TCP-Port 4 IP-Adresse 3 MAC-Adresse 2 Merksatz: Dienstprotokolle wie HTTP, DNS und SMTP gehören zu Schicht 7. Schicht 7 und Fehlersuche Typische Fragen bei Schicht-7-Problemen: Funktioniert IP-Erreichbarkeit? Ist der Port erreichbar? Läuft der Dienst? Stimmt der DNS-Name? Antwortet die Anwendung? Gibt es HTTP-Statuscodes? Funktioniert die Anmeldung? Sind Rechte korrekt? Ist TLS gültig? Stimmen Datenformat und API-Anfrage? Gibt es Fehlermeldungen in Logs? Merksatz: Bei Schicht 7 prüft man Dienst, Inhalt, Anmeldung und Anwendung. Fehlerbild: Webseite öffnet nicht Mögliche Ursachen auf verschiedenen Schichten: Schicht 3: keine Route, falsches Gateway Schicht 4: TCP 80 oder 443 blockiert Schicht 6: TLS-Zertifikat fehlerhaft Schicht 7: Webserverfehler, falscher Pfad, HTTP 500 Merksatz: Webfehler können mehrere Schichten betreffen. Fehlerbild: Login funktioniert nicht Mögliche Ursachen: - falscher Benutzername - falsches Passwort - Konto gesperrt - MFA fehlt - Session-Cookie blockiert - Zeitproblem bei Tokens - Berechtigung fehlt - Authentifizierungsdienst nicht erreichbar - LDAP oder Verzeichnisdienst gestört Merksatz: Loginfehler sind meist Anwendung, Authentifizierung oder Sitzung. Fehlerbild: API antwortet mit Fehler Mögliche Ursachen: - falsche URL - falsche HTTP-Methode - fehlender Token - falsche Berechtigung - ungültiges JSON - falscher Content-Type - Serverfehler - Rate Limit - falsche API-Version Merksatz: API-Fehler betreffen oft Methode, Datenformat, Token oder Rechte. Fehlerbild: DNS löst falsch auf Mögliche Ursachen: - falscher A-Record - falscher AAAA-Record - alter DNS-Cache - falscher DNS-Server - Split-DNS-Konfiguration - Tippfehler im Namen - Zone nicht aktualisiert - TTL noch nicht abgelaufen Merksatz: Falscher DNS-Eintrag kann zum falschen Server führen. Fehlerbild: E-Mail kommt nicht an Mögliche Ursachen: - falscher MX-Record - SMTP blockiert - Spamfilter - SPF, DKIM oder DMARC fehlerhaft - Mailbox voll - Empfängeradresse falsch - TLS-Problem - Authentifizierung fehlerhaft - Blacklisting Merksatz: Mailzustellung hängt stark von DNS, SMTP und Sicherheitsprüfungen ab. Schicht 7 und Logs Logs sind bei Schicht-7-Fehlern besonders wichtig. Typische Logs: - Webserver-Log - Anwendungslog - Authentifizierungslog - Mailserver-Log - DNS-Log - Proxy-Log - API-Log - Firewall-Log Logs zeigen oft: - konkrete Fehlermeldungen - Statuscodes - Benutzer - Zeitpunkt - Quelle - Anfragepfad - Antwortcode Merksatz: Schicht-7-Fehler findet man oft in Anwendungs- und Dienstlogs. Typische IHK-Fragen In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden: - Welche Aufgabe hat die Anwendungsschicht? - Welche Protokolle gehören zur Anwendungsschicht? - Was ist der Unterschied zwischen HTTP und HTTPS? - Was macht DNS? - Was ist der Unterschied zwischen A- und AAAA-Record? - Was macht DHCP? - Warum ist DHCP trotz IP-Bezug ein Anwendungsschicht-Protokoll? - Welche Mailprotokolle gibt es? - Was ist der Unterschied zwischen SMTP, POP3 und IMAP? - Was macht SMB? - Was macht LDAP? - Was macht SNMP? - Was bedeuten HTTP-Statuscodes? - Warum reicht ein erfolgreicher Ping nicht für einen funktionierenden Dienst? - Warum können Schicht-7-Fehler trotz offener Ports auftreten? Typische Prüfungsfallen Schicht 7 heißt Anwendungsschicht. Schicht 7 ist nicht einfach das Programm selbst. Anwendungen nutzen Schicht-7-Protokolle. HTTP gehört zu Schicht 7. HTTPS gehört zu Schicht 7, nutzt aber TLS. DNS gehört zu Schicht 7. DHCP gehört zu Schicht 7, obwohl es IP-Konfiguration vergibt. Port gehört zu Schicht 4. Dienstprotokoll gehört zu Schicht 7. TCP 443 offen bedeutet nicht automatisch, dass die Webseite funktioniert. HTTP-Statuscode 404 ist ein Anwendungsschicht-Hinweis. HTTP-Statuscode 500 deutet auf Server- oder Anwendungsproblem hin. SMTP sendet E-Mails. POP3 und IMAP empfangen E-Mails. SFTP ist nicht FTPS. Telnet ist unverschlüsselt. SSH ist sicherer als Telnet. Wichtige Begriffe kurz erklärt Begriff Kurze Erklärung Anwendungsschicht OSI-Schicht 7 HTTP Webprotokoll HTTPS HTTP über TLS DNS Namensauflösung DHCP automatische IP-Konfiguration SMTP E-Mail senden POP3 E-Mail abrufen IMAP E-Mail abrufen und verwalten FTP Dateiübertragung SFTP Dateiübertragung über SSH FTPS FTP mit TLS SSH sicherer Fernzugriff SMB Datei- und Druckerfreigaben LDAP Verzeichnisdienstzugriff SNMP Netzwerkmanagement NTP Zeitsynchronisation API Schnittstelle zwischen Anwendungen REST Architekturstil für Web-APIs Request Anfrage Response Antwort Statuscode Ergebnis einer HTTP-Anfrage Authentifizierung Identität prüfen Autorisierung Rechte prüfen IHK-sichere Kurzformulierung Die Anwendungsschicht ist Schicht 7 des OSI-Modells. Sie stellt Netzwerkdienste für Anwendungen bereit. Typische Protokolle der Anwendungsschicht sind HTTP, HTTPS, DNS, DHCP, SMTP, POP3, IMAP, FTP, SSH, SMB, LDAP, SNMP und NTP. Die Anwendungsschicht ist nicht einfach das Programm selbst, sondern umfasst die Protokolle und Dienste, die Anwendungen für die Netzwerkkommunikation verwenden. Ports gehören zur Transportschicht, während die eigentlichen Dienstprotokolle zur Anwendungsschicht gehören. Fehler auf Schicht 7 betreffen häufig Dienste, Anmeldungen, DNS, HTTP-Statuscodes, APIs, Datenformate oder Berechtigungen. Merksätze Schicht 7 = Anwendungsschicht. Schicht 7 = Netzwerkdienste für Anwendungen. Anwendung nutzt Schicht-7-Protokoll. Browser ist Anwendung, HTTP ist Protokoll. Port gehört zu Schicht 4. Dienstprotokoll gehört zu Schicht 7. HTTP = Webprotokoll. HTTPS = HTTP über TLS. DNS = Name zu IP-Adresse. A-Record = IPv4. AAAA-Record = IPv6. MX = Mailserver. DHCP = automatische IP-Konfiguration. DHCP ist trotz IP-Bezug Schicht 7. SMTP sendet E-Mails. POP3 ruft E-Mails ab. IMAP verwaltet E-Mails auf dem Server. FTP ist klassische Dateiübertragung. SFTP ist Dateiübertragung über SSH. FTPS ist FTP mit TLS. SSH = sicherer Fernzugriff. SMB = Datei- und Druckerfreigaben. LDAP = Verzeichnisdienst. SNMP = Netzwerküberwachung. NTP = Zeitsynchronisation. 2xx = Erfolg. 4xx = Clientfehler. 5xx = Serverfehler. Offener Port heißt nicht automatisch: Anwendung funktioniert. Schicht 7 prüft Dienst, Inhalt, Anmeldung und Berechtigung.