# 12.1 Sniffing, Paketmitschnitt und Netzwerkanalyse

Sniffing bedeutet:

    Netzwerkverkehr mitschneiden und analysieren.

Dabei werden Datenpakete sichtbar gemacht,
damit man verstehen kann,
was im Netzwerk wirklich passiert.

Typische Werkzeuge sind:

    - Wireshark
    - tcpdump
    - tshark
    - Packet Capture auf Firewalls
    - Switch-Port-Mirroring
    - Browser-Entwicklertools
    - Logdateien als Ergänzung

Merksatz:

    Sniffing zeigt den tatsächlichen Netzwerkverkehr.

---

**Warum nutzt man Paketmitschnitte?**

Ein Paketmitschnitt hilft,
wenn normale Fehlermeldungen nicht ausreichen.

Man kann damit prüfen:

    Kommt ein Paket überhaupt an?
    Antwortet das Zielsystem?
    Wird DNS korrekt gefragt?
    Findet ein TCP-Handshake statt?
    Gibt es Wiederholungen?
    Gibt es Timeouts?
    Wird die Verbindung aktiv abgelehnt?
    Wird TLS aufgebaut?
    Werden DHCP-Pakete gesendet?
    Gibt es ARP-Probleme?

Merksatz:

    Paketmitschnitt hilft,
    Vermutungen durch echte Daten zu ersetzen.

---

**Sniffing ist nicht immer erlaubt**

Netzwerkverkehr kann sensible Informationen enthalten.

Beispiele:

    - Benutzernamen
    - Passwörter
    - Cookies
    - Tokens
    - E-Mail-Inhalte
    - interne IP-Adressen
    - Kundendaten
    - personenbezogene Daten
    - vertrauliche Kommunikation

Deshalb gilt:

    Paketmitschnitte nur mit Erlaubnis,
    Zweckbindung
    und möglichst begrenztem Umfang durchführen.

Merksatz:

    Sniffing ist technisch hilfreich,
    aber datenschutz- und sicherheitsrelevant.

---

**Was sieht man in einem Paketmitschnitt?**

In einem Paketmitschnitt sieht man je nach Protokoll:

    - Quell-MAC-Adresse
    - Ziel-MAC-Adresse
    - Quell-IP-Adresse
    - Ziel-IP-Adresse
    - Protokoll
    - Quellport
    - Zielport
    - Flags
    - Paketgröße
    - Zeitstempel
    - DNS-Anfragen
    - TCP-Handshake
    - TLS-Handshake
    - unverschlüsselte Nutzdaten

Bei verschlüsselten Verbindungen sieht man den Inhalt nicht einfach im Klartext.

Merksatz:

    Metadaten sind oft sichtbar,
    Inhalte bei TLS meist nicht.

---

**OSI-Schichten im Paketmitschnitt**

Ein Paketmitschnitt zeigt mehrere OSI-Schichten gleichzeitig.

| Sichtbarer Bereich | OSI-Schicht |
|---|---:|
| MAC-Adressen | 2 |
| VLAN-Tags | 2 |
| IP-Adressen | 3 |
| ICMP | 3 |
| TCP / UDP | 4 |
| Ports | 4 |
| TLS-Handshake | 6 / 7-Bezug |
| DNS, HTTP, DHCP, SMTP | 7 |

Merksatz:

    Paketmitschnitt verbindet die Schichten sichtbar miteinander.

---

**Wireshark**

Wireshark ist ein grafisches Werkzeug zur Analyse von Netzwerkpaketen.

Es zeigt Pakete übersichtlich mit:

    - Paketliste
    - Paketdetails
    - Rohdaten
    - Protokollauswertung
    - Filtern
    - Zeitinformationen
    - Verbindungsübersichten

Wireshark eignet sich besonders gut,
um Protokolle Schritt für Schritt zu verstehen.

Merksatz:

    Wireshark macht Netzwerkverkehr sichtbar und lesbar.

---

**tcpdump**

tcpdump ist ein Kommandozeilenwerkzeug für Paketmitschnitte.

Es wird häufig auf Linux,
Unix,
Firewalls,
Servern
oder Netzwerkgeräten verwendet.

Vorteile:

    - schnell
    - leicht auf Servern nutzbar
    - gut für SSH-Sitzungen
    - kann Mitschnitte als Datei speichern
    - gut für gezielte Filter

Merksatz:

    tcpdump ist Paketmitschnitt auf der Kommandozeile.

---

**tshark**

tshark ist die Kommandozeilenversion von Wireshark.

Es kann Pakete aufzeichnen,
filtern
und Protokolldaten ausgeben.

Typische Nutzung:

    - Analyse auf Servern
    - automatisierte Auswertung
    - schnelle Suche in Mitschnitten
    - Export bestimmter Felder

Merksatz:

    tshark bringt Wireshark-Funktionen auf die Kommandozeile.

---

**Packet Capture auf Firewalls**

Viele Firewalls bieten eine eingebaute Paketmitschnittfunktion.

Vorteil:

    Man sieht,
    ob Pakete an der Firewall ankommen
    und auf welchem Interface sie erscheinen.

Das ist hilfreich bei:

    - NAT-Problemen
    - Routingproblemen
    - DMZ-Verkehr
    - VPN-Problemen
    - Firewall-Regelprüfung
    - asymmetrischem Routing

Merksatz:

    Mitschnitt auf der Firewall zeigt,
    was die Firewall wirklich sieht.

---

**Switch-Port-Mirroring**

Ein Switch leitet normalerweise nur relevante Frames an den passenden Port weiter.

Damit ein Analysegerät trotzdem Verkehr anderer Ports sehen kann,
nutzt man:

    Port Mirroring

oder:

    SPAN-Port

Dabei wird Verkehr von einem oder mehreren Ports
auf einen Analyseport kopiert.

Merksatz:

    Port Mirroring kopiert Verkehr zu einem Analyseport.

---

**Warum sieht man nicht automatisch alles?**

In geswitchten Netzwerken sieht ein normaler Client nicht den gesamten Verkehr.

Er sieht hauptsächlich:

    - eigenen Verkehr
    - Broadcasts
    - Multicasts
    - bestimmte lokale Pakete

Er sieht normalerweise nicht:

    den gesamten Verkehr anderer Clients

Dafür braucht man Port Mirroring,
Mitschnitt am Zielsystem
oder Mitschnitt an einer Firewall.

Merksatz:

    In geswitchten Netzen sieht man ohne Mirror nicht alles.

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**Promiscuous Mode**

Promiscuous Mode bedeutet:

    Die Netzwerkkarte nimmt auch Frames an,
    die nicht direkt an ihre eigene MAC-Adresse gerichtet sind.

Das ist für Sniffing hilfreich.

Aber:

    In geswitchten Netzwerken reicht Promiscuous Mode allein nicht,
    um fremden Verkehr zu sehen.

Merksatz:

    Promiscuous Mode hilft,
    ersetzt aber kein Port Mirroring.

---

**Capture Filter und Display Filter**

Bei Wireshark und tcpdump gibt es unterschiedliche Filterarten.

Capture Filter:

    bestimmen,
    was überhaupt aufgezeichnet wird.

Display Filter:

    bestimmen,
    was nachträglich angezeigt wird.

Beispiel:

    Capture Filter:
    nur Verkehr zu Host 192.168.10.20 mitschneiden

    Display Filter:
    im vorhandenen Mitschnitt nur DNS anzeigen

Merksatz:

    Capture Filter begrenzt Aufnahme.
    Display Filter begrenzt Anzeige.

---

**Capture Filter**

Capture Filter werden vor oder während der Aufnahme angewendet.

Vorteil:

    kleinere Dateien
    weniger Daten
    bessere Übersicht
    weniger sensible Daten

Nachteil:

    was nicht aufgezeichnet wurde,
    kann man später nicht analysieren.

Merksatz:

    Capture Filter nur setzen,
    wenn klar ist,
    was benötigt wird.

---

**Display Filter**

Display Filter werden nach der Aufnahme angewendet.

Vorteil:

    alle Daten bleiben erhalten
    Ansicht kann beliebig eingegrenzt werden
    ideal für Analyse

Beispiele für Filterideen:

    nur eine IP-Adresse
    nur DNS
    nur TCP-Fehler
    nur HTTP
    nur Pakete mit Reset

Merksatz:

    Display Filter sind sicherer für Analyse,
    weil die Rohdaten erhalten bleiben.

---

**Wichtige Filtergedanken**

Typische Fragen:

    Welche IP-Adresse interessiert mich?
    Welcher Port interessiert mich?
    Welches Protokoll interessiert mich?
    Welche Richtung interessiert mich?
    Welche Fehlermeldung sehe ich?
    Welche Zeitspanne ist relevant?

Beispiele:

    Verkehr eines bestimmten Hosts
    DNS-Anfragen
    TCP-Verbindungen zu Port 443
    ICMP-Pakete
    DHCP-DORA
    ARP-Anfragen

Merksatz:

    Gute Filter entstehen aus einer klaren Fragestellung.

---

**MAC-Adressen im Mitschnitt**

MAC-Adressen gehören zu OSI-Schicht 2.

Sie zeigen,
welche Geräte im lokalen Netzwerksegment miteinander kommunizieren.

Wichtig:

    MAC-Adressen ändern sich bei jedem Routing-Hop.

Ein Paket zum Internet hat im LAN als Ziel-MAC nicht den Webserver im Internet,
sondern die MAC-Adresse des Standard-Gateways.

Merksatz:

    Im lokalen Netz ist die Ziel-MAC oft das Gateway.

---

**IP-Adressen im Mitschnitt**

IP-Adressen gehören zu OSI-Schicht 3.

Sie zeigen:

    Quell-IP
    Ziel-IP

Bei NAT können sich IP-Adressen ändern.

Beispiel:

    vor NAT:
    private Client-IP

    nach NAT:
    öffentliche Firewall-IP

Merksatz:

    IP-Adressen zeigen logische Endpunkte,
    können durch NAT geändert werden.

---

**Ports im Mitschnitt**

Ports gehören zu OSI-Schicht 4.

Sie zeigen,
welcher Dienst angesprochen wird.

Beispiel:

    Zielport TCP 443:
    typischerweise HTTPS

    Zielport TCP 22:
    typischerweise SSH

    Zielport UDP 53:
    typischerweise DNS

Merksatz:

    Ports helfen,
    Dienste zu erkennen.

---

**Quellport und Zielport**

Bei Client-Server-Verbindungen nutzt der Client meist einen temporären Quellport.

Beispiel:

    Client:
    192.168.10.50:53124

    Server:
    203.0.113.10:443

Dabei ist:

    53124 = temporärer Quellport
    443 = Zielport des Dienstes

Merksatz:

    Der bekannte Dienstport ist meistens der Zielport beim Server.

---

**TCP-Handshake im Mitschnitt**

TCP baut eine Verbindung mit drei Schritten auf:

    SYN
    SYN-ACK
    ACK

Im Mitschnitt sieht man dadurch,
ob eine TCP-Verbindung zustande kommt.

| Beobachtung | mögliche Bedeutung |
|---|---|
| SYN, SYN-ACK, ACK | Verbindung aufgebaut |
| nur SYN-Wiederholungen | keine Antwort, Firewall oder Routingproblem |
| SYN, RST | Ziel lehnt aktiv ab |
| SYN, SYN-ACK, danach kein ACK | Rückweg oder Clientproblem |
| viele Retransmissions | Paketverlust oder Blockierung |

Merksatz:

    TCP-Handshake ist einer der wichtigsten Hinweise im Mitschnitt.

---

**TCP SYN**

SYN bedeutet:

    Client möchte eine TCP-Verbindung starten.

Wenn man nur SYN-Pakete sieht,
aber keine Antwort,
kann das bedeuten:

    Ziel antwortet nicht.
    Firewall blockiert.
    Rückweg fehlt.
    Ziel-IP ist falsch.
    Dienst ist nicht erreichbar.
    Routing stimmt nicht.

Merksatz:

    Nur SYN ohne Antwort deutet auf keine erreichbare Antwort hin.

---

**TCP SYN-ACK**

SYN-ACK bedeutet:

    Server akzeptiert den Verbindungsaufbau grundsätzlich
    und antwortet.

Wenn SYN-ACK ankommt,
ist der Zielport grundsätzlich erreichbar.

Danach muss der Client mit ACK bestätigen.

Merksatz:

    SYN-ACK zeigt:
    Ziel hat auf TCP-Verbindungsversuch geantwortet.

---

**TCP ACK**

ACK bestätigt empfangene Daten oder Verbindungsaufbau.

ACKs sind normaler Bestandteil von TCP.

Sie zeigen,
dass Pakete angekommen sind
und die Verbindung fortgesetzt werden kann.

Merksatz:

    ACK bestätigt Empfang.

---

**TCP RST**

RST steht für:

    Reset

Ein RST beendet oder verweigert eine Verbindung aktiv.

Mögliche Ursachen:

    - Dienst läuft nicht
    - Port geschlossen
    - Anwendung lehnt ab
    - Firewall sendet Reset
    - falsches Protokoll auf Port
    - Verbindung wird abgebrochen

Merksatz:

    RST = aktive Ablehnung oder Abbruch.

---

**TCP Retransmission**

Retransmission bedeutet:

    TCP sendet ein Paket erneut.

Grund:

    keine Bestätigung erhalten

Mögliche Ursachen:

    - Paketverlust
    - Firewall blockiert Pakete
    - Überlastung
    - schlechter Link
    - Rückwegproblem
    - Ziel antwortet nicht

Merksatz:

    Retransmissions deuten auf verlorene oder unbeantwortete Pakete hin.

---

**TCP Window**

TCP Window beschreibt,
wie viele Daten empfangen werden können,
bevor eine Bestätigung nötig ist.

Wenn das Fenster sehr klein oder null wird,
kann das auf Leistungsprobleme hindeuten.

Beispiel:

    Empfänger kann nicht schnell genug verarbeiten.

Merksatz:

    TCP Window betrifft Flusskontrolle und Leistung.

---

**UDP im Mitschnitt**

UDP hat keinen Verbindungsaufbau wie TCP.

Es gibt keinen SYN,
kein SYN-ACK
und kein ACK für den Verbindungsaufbau.

Bei UDP prüft man:

    Wird Anfrage gesendet?
    Kommt Antwort zurück?
    Gibt es ICMP-Fehler?
    Wird der richtige Port genutzt?

Merksatz:

    UDP ist verbindungslos,
    deshalb sieht man keinen Handshake.

---

**ICMP im Mitschnitt**

ICMP gehört zu Schicht 3.

Es wird genutzt für:

    - Ping
    - Ziel nicht erreichbar
    - Time Exceeded
    - Fragmentierung nötig
    - Diagnosemeldungen

ICMP-Meldungen können wichtige Hinweise geben.

Beispiel:

    Destination Unreachable

Merksatz:

    ICMP liefert oft Hinweise auf Netzwerkprobleme.

---

**ARP im Mitschnitt**

ARP gehört zur lokalen IPv4-Kommunikation.

ARP fragt:

    Welche MAC-Adresse gehört zu dieser IPv4-Adresse?

Beispiel:

    Wer hat 192.168.10.1?

Antwort:

    192.168.10.1 ist bei MAC-Adresse xx:xx:xx:xx:xx:xx

Merksatz:

    ARP löst IPv4-Adresse zu MAC-Adresse im lokalen Netz auf.

---

**ARP-Probleme erkennen**

Typische Hinweise:

    viele ARP-Anfragen ohne Antwort
    falsche MAC-Adresse
    doppelte IP-Adresse
    Gateway antwortet nicht
    Client fragt falsches Ziel direkt

Mögliche Ursachen:

    - Ziel nicht im lokalen Netz
    - falsche Netzmaske
    - falsches Gateway
    - VLAN falsch
    - IP-Konflikt
    - Gerät offline

Merksatz:

    ARP-Probleme zeigen oft lokale Layer-2- oder Layer-3-Fehler.

---

**DNS im Mitschnitt**

DNS ist häufig sehr gut im Mitschnitt erkennbar.

Man sieht:

    welche Namen gefragt werden
    welcher DNS-Server gefragt wird
    welche Antwort zurückkommt
    ob A- oder AAAA-Records angefragt werden
    ob NXDOMAIN zurückkommt
    ob Antwort verzögert ist

Merksatz:

    DNS-Mitschnitt zeigt,
    welcher Name wirklich wohin aufgelöst wird.

---

**DHCP im Mitschnitt**

DHCP kann man im Mitschnitt gut erkennen.

Der klassische Ablauf:

    Discover
    Offer
    Request
    Acknowledge

Fehlerbilder:

    Discover ohne Offer:
    DHCP-Server oder Relay antwortet nicht.

    Offer kommt,
    aber kein Ack:
    Anfrage oder Serverbestätigung gestört.

    falsche Optionen:
    Gateway oder DNS falsch verteilt.

Merksatz:

    DHCP-DORA ist im Mitschnitt gut nachvollziehbar.

---

**TLS im Mitschnitt**

Bei TLS sieht man normalerweise nicht den verschlüsselten Inhalt.

Man sieht aber oft:

    TLS-Version
    Server Name Indication
    Zertifikatsinformationen
    Cipher-Aushandlung
    Handshake-Fehler
    Verbindungsabbrüche

Wichtig:

    Der Inhalt von HTTPS bleibt ohne Entschlüsselung geschützt.

Merksatz:

    TLS versteckt Inhalte,
    aber der Handshake liefert Hinweise.

---

**SNI im Mitschnitt**

SNI steht für:

    Server Name Indication

Der Client teilt beim TLS-Aufbau mit,
welchen Hostnamen er erreichen möchte.

Das ist wichtig,
wenn mehrere HTTPS-Dienste auf derselben IP laufen.

Beispiel:

    wiki.firma.de
    cloud.firma.de
    git.firma.de

alle über:

    dieselbe IP und TCP 443

Merksatz:

    SNI zeigt den gewünschten TLS-Hostnamen.

---

**HTTP im Mitschnitt**

Unverschlüsseltes HTTP kann im Mitschnitt direkt gelesen werden.

Man sieht zum Beispiel:

    Methode
    Pfad
    Host-Header
    Statuscode
    Header
    teilweise Inhalte

Bei HTTPS sieht man diese Inhalte normalerweise nicht,
weil sie verschlüsselt sind.

Merksatz:

    HTTP ist lesbar,
    HTTPS schützt den Inhalt.

---

**FTP und Telnet im Mitschnitt**

FTP und Telnet können unverschlüsselte Inhalte übertragen.

Bei klassischem FTP können sichtbar sein:

    Benutzername
    Passwort
    Befehle
    Dateiinhalte

Bei Telnet können sichtbar sein:

    Login
    Passwort
    Befehle

Merksatz:

    Unverschlüsselte Protokolle sind im Mitschnitt gefährlich sichtbar.

---

**SMB im Mitschnitt**

SMB-Verkehr kann Hinweise liefern bei:

    Zugriff verweigert
    Verbindungsproblemen
    Namensproblemen
    Protokollversionsproblemen
    Dateioperationen
    Authentifizierungsproblemen

Wichtig:

    Moderne SMB-Kommunikation kann teilweise signiert oder verschlüsselt sein.

Merksatz:

    SMB-Mitschnitte helfen bei Freigabe- und Rechteproblemen.

---

**Zeitstempel im Mitschnitt**

Zeitstempel zeigen,
wann Pakete gesendet oder empfangen wurden.

Sie helfen bei:

    Timeouts
    Verzögerungen
    Wiederholungen
    langsamen Antworten
    Reihenfolge von Ereignissen

Wichtig:

    Systemzeit des Analysegeräts sollte korrekt sein.

Merksatz:

    Ohne korrekte Zeit sind Mitschnitte schwerer auszuwerten.

---

**Paketgröße**

Die Paketgröße kann Hinweise geben.

Beispiele:

    sehr kleine Pakete:
    Steuerinformationen, ACKs, Handshake

    große Pakete:
    Datenübertragung

    fragmentierte Pakete:
    MTU- oder Fragmentierungsthemen möglich

Merksatz:

    Paketgrößen können Leistungs- oder MTU-Probleme sichtbar machen.

---

**MTU-Probleme im Mitschnitt**

MTU steht für:

    Maximum Transmission Unit

MTU-Probleme können auftreten,
wenn Pakete zu groß sind
und Fragmentierung nicht richtig funktioniert.

Typische Hinweise:

    Verbindungen bauen auf,
    aber größere Datenübertragungen hängen.

    Webseiten laden teilweise.

    VPN-Verbindungen haben Probleme.

    ICMP Fragmentation Needed fehlt oder wird blockiert.

Merksatz:

    MTU-Probleme zeigen sich oft erst bei größeren Paketen.

---

**Wo sollte man mitschneiden?**

Der Ort des Mitschnitts ist entscheidend.

Mögliche Stellen:

    Client
    Server
    Firewall WAN
    Firewall LAN
    Firewall DMZ
    Switch Mirror Port
    Router
    VPN-Gateway
    Reverse Proxy

Je nach Stelle sieht man unterschiedliche Informationen.

Merksatz:

    Der Mitschnittort entscheidet,
    was man sehen kann.

---

**Clientseitiger Mitschnitt**

Ein Mitschnitt am Client zeigt:

    was der Client wirklich sendet
    welche DNS-Anfragen gestellt werden
    welche IP erreicht wird
    ob Antwort zurückkommt
    welche Fehlversuche entstehen

Gut bei:

    Einzelclient-Problemen
    DNS-Problemen
    Browserproblemen
    VPN-Clientproblemen

Merksatz:

    Client-Mitschnitt zeigt die Sicht des Clients.

---

**Serverseitiger Mitschnitt**

Ein Mitschnitt am Server zeigt:

    ob Anfragen beim Server ankommen
    von welcher IP sie ankommen
    auf welchem Port sie ankommen
    ob der Server antwortet
    ob die Host-Firewall beteiligt sein könnte

Gut bei:

    Dienstproblemen
    Firewallverdacht
    NAT-Fragen
    Rückwegproblemen

Merksatz:

    Server-Mitschnitt zeigt,
    ob der Dienst wirklich erreicht wird.

---

**Firewall-Mitschnitt**

Ein Mitschnitt auf der Firewall zeigt:

    kommt Verkehr auf WAN an?
    wird Verkehr nach NAT weitergeleitet?
    kommt Antwort zurück?
    auf welchem Interface erscheint Verkehr?
    wird Rückverkehr sichtbar?

Gut bei:

    NAT
    DMZ
    VPN
    Routing
    Portweiterleitung
    asymmetrischem Routing

Merksatz:

    Firewall-Mitschnitt zeigt den Übergang zwischen Zonen.

---

**Mehrere Mitschnitte vergleichen**

Manchmal braucht man Mitschnitte an mehreren Stellen.

Beispiel:

    Client sendet SYN.
    Firewall WAN sieht SYN.
    Firewall DMZ sieht weitergeleitetes SYN.
    Server sieht kein SYN.

Dann liegt das Problem zwischen Firewall und Server.

Oder:

    Server antwortet.
    Firewall sieht Antwort.
    Client sieht Antwort nicht.

Dann Rückweg oder Filter prüfen.

Merksatz:

    Mehrere Mitschnitte zeigen,
    wo Pakete verschwinden.

---

**Paketmitschnitt und Logs kombinieren**

Paketmitschnitte zeigen Verkehr.

Logs zeigen Entscheidungen und Anwendungszustände.

Beispiele:

    Firewall-Log:
    Paket wurde blockiert.

    Webserver-Log:
    Anfrage kam an und erzeugte 500.

    Auth-Log:
    Anmeldung wurde abgelehnt.

    Paketmitschnitt:
    TCP-Verbindung wurde aufgebaut.

Merksatz:

    Mitschnitt und Logs ergänzen sich.

---

**Typische Analysefragen**

Bei einem Paketmitschnitt fragt man:

    Sehe ich überhaupt Pakete?
    Sehe ich die richtige Quelle?
    Sehe ich das richtige Ziel?
    Sehe ich den richtigen Port?
    Sehe ich DNS vorher?
    Sehe ich einen TCP-Handshake?
    Sehe ich Reset oder Timeout?
    Sehe ich TLS-Handshake?
    Sehe ich Antwortpakete?
    Sehe ich Wiederholungen?
    Sehe ich ICMP-Fehler?
    Passt die Richtung?

Merksatz:

    Mitschnitt immer mit konkreter Frage auswerten.

---

**Typisches Fehlerbild: Nur SYN-Wiederholungen**

Wenn man nur SYN-Pakete sieht,
aber keine SYN-ACK-Antwort,
kann das bedeuten:

    Ziel nicht erreichbar
    Firewall droppt
    falsche Ziel-IP
    Routingproblem
    Rückweg fehlt
    Dienst oder Host antwortet nicht
    NAT falsch

Merksatz:

    Nur SYN-Wiederholungen deuten auf fehlende Antwort hin.

---

**Typisches Fehlerbild: RST nach SYN**

Wenn auf ein SYN direkt ein RST kommt,
kann das bedeuten:

    Port geschlossen
    Dienst läuft nicht
    Host lehnt Verbindung ab
    Firewall lehnt aktiv ab
    falscher Zielport

Merksatz:

    RST nach SYN heißt:
    Verbindung wird aktiv abgelehnt.

---

**Typisches Fehlerbild: DNS NXDOMAIN**

NXDOMAIN bedeutet:

    Name existiert nicht.

Mögliche Ursachen:

    falscher Name
    DNS-Zone fehlt
    Tippfehler
    interner DNS nicht genutzt
    falscher Suchsuffix
    Split DNS falsch

Merksatz:

    NXDOMAIN heißt:
    DNS kennt diesen Namen nicht.

---

**Typisches Fehlerbild: DHCP Discover ohne Offer**

Wenn ein Client DHCP Discover sendet,
aber kein Offer erhält,
kann das bedeuten:

    DHCP-Server nicht erreichbar
    DHCP-Relay fehlt
    VLAN falsch
    DHCP-Server down
    Firewall blockiert
    Scope voll
    falsches Netzwerk

Merksatz:

    Discover ohne Offer:
    Client findet keinen antwortenden DHCP-Server.

---

**Typisches Fehlerbild: TLS Alert**

Ein TLS Alert zeigt,
dass der TLS-Aufbau ein Problem hat.

Mögliche Ursachen:

    Zertifikatproblem
    falscher Hostname
    inkompatible TLS-Version
    inkompatible Cipher Suite
    Client oder Server bricht ab
    mTLS-Zertifikat fehlt

Merksatz:

    TLS Alert deutet auf Problem im TLS-Handshake hin.

---

**Typisches Fehlerbild: Viele Retransmissions**

Viele Retransmissions können bedeuten:

    Paketverlust
    Überlastung
    Firewall blockiert einzelne Pakete
    Rückwegproblem
    WLAN-Probleme
    MTU-Probleme
    schlechte Verbindung

Merksatz:

    Viele Wiederholungen zeigen,
    dass Bestätigungen fehlen.

---

**Typisches Fehlerbild: ARP ohne Antwort**

ARP-Anfragen ohne Antwort können bedeuten:

    Ziel ist nicht im lokalen Netz
    Ziel ist offline
    VLAN falsch
    falsche IP-Adresse
    falsche Netzmaske
    Gateway nicht erreichbar
    IP-Konflikt

Merksatz:

    ARP ohne Antwort zeigt lokale Erreichbarkeitsprobleme.

---

**Sicherheit beim Speichern von Mitschnitten**

Paketmitschnitte können sensible Daten enthalten.

Deshalb:

    nur notwendige Dauer mitschneiden
    Filter nutzen
    Dateien sicher speichern
    Zugriff beschränken
    Mitschnitte nach Zweck löschen
    keine Mitschnitte unnötig weitergeben
    personenbezogene Daten beachten

Merksatz:

    Mitschnittdateien wie sensible Daten behandeln.

---

**PCAP-Dateien**

Paketmitschnitte werden häufig als PCAP oder PCAPNG gespeichert.

Diese Dateien können später geöffnet und analysiert werden.

Vorteile:

    - spätere Analyse möglich
    - Weitergabe an Fachabteilung möglich
    - Vergleich mit Logs möglich
    - Dokumentation eines Fehlerfalls

Achtung:

    PCAP-Dateien können vertrauliche Informationen enthalten.

Merksatz:

    PCAP ist praktisch,
    aber sensibel.

---

**Was ein Paketmitschnitt nicht automatisch liefert**

Ein Paketmitschnitt zeigt nicht automatisch:

    warum ein Benutzer keine Berechtigung hat
    warum eine Anwendung intern Fehler wirft
    warum ein Passwort falsch ist
    warum ein Serverprozess abgestürzt ist
    welche Firewall-Regel intern entschieden hat
    ob ein Zertifikat fachlich richtig beantragt wurde

Dafür braucht man zusätzlich:

    Logs
    Konfiguration
    Berechtigungsprüfung
    Dienststatus
    Fachwissen

Merksatz:

    Paketmitschnitt zeigt Verkehr,
    aber nicht jede Ursache.

---

**Typische IHK-Fragen**

In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden:

    - Was versteht man unter Sniffing?
    - Wofür nutzt man einen Paketmitschnitt?
    - Was ist Wireshark?
    - Was ist tcpdump?
    - Was ist Port Mirroring?
    - Warum sieht man in einem geswitchten Netzwerk nicht automatisch allen Verkehr?
    - Was ist der Unterschied zwischen Capture Filter und Display Filter?
    - Was sieht man bei einem TCP-Handshake?
    - Was bedeuten SYN, SYN-ACK und ACK?
    - Was bedeutet TCP Reset?
    - Was bedeuten Retransmissions?
    - Warum sieht man bei HTTPS den Inhalt nicht einfach im Klartext?
    - Was kann man bei DNS im Mitschnitt erkennen?
    - Was zeigt DHCP-DORA im Mitschnitt?
    - Warum sind Paketmitschnitte sensibel?

---

**Typische Prüfungsfallen**

    Sniffing zeigt echten Netzwerkverkehr.

    Sniffing ist datenschutzrelevant.

    Wireshark ist grafisch.

    tcpdump ist Kommandozeile.

    In geswitchten Netzen sieht man nicht automatisch alles.

    Port Mirroring kopiert Verkehr auf Analyseport.

    Promiscuous Mode allein reicht im Switch-Netz oft nicht.

    Capture Filter begrenzt Aufnahme.

    Display Filter begrenzt Anzeige.

    Was nicht aufgezeichnet wurde,
    kann später nicht analysiert werden.

    TCP hat Handshake.

    UDP hat keinen Handshake.

    SYN startet TCP-Verbindung.

    SYN-ACK ist Serverantwort.

    ACK bestätigt.

    RST lehnt ab oder beendet.

    Retransmission bedeutet erneutes Senden.

    TLS schützt Inhalte.

    HTTP ist lesbar,
    HTTPS normalerweise nicht.

    FTP und Telnet sind im Mitschnitt gefährlich sichtbar.

    Mitschnittort ist entscheidend.

    Logs und Mitschnitt ergänzen sich.

---

**Wichtige Begriffe kurz erklärt**

| Begriff | Kurze Erklärung |
|---|---|
| Sniffing | Mitschneiden von Netzwerkverkehr |
| Paketmitschnitt | Aufzeichnung von Paketen |
| Wireshark | grafisches Analysewerkzeug |
| tcpdump | Kommandozeilenwerkzeug für Mitschnitte |
| tshark | Wireshark auf Kommandozeile |
| PCAP | Datei mit Paketmitschnitt |
| Port Mirroring | Kopieren von Switch-Verkehr auf Analyseport |
| SPAN | Port-Mirroring-Begriff bei Switches |
| Promiscuous Mode | Netzwerkkarte nimmt fremde Frames an |
| Capture Filter | Filter vor der Aufnahme |
| Display Filter | Filter für Anzeige nach Aufnahme |
| SYN | TCP-Verbindungsstart |
| SYN-ACK | TCP-Antwort des Servers |
| ACK | Bestätigung |
| RST | Reset, aktive Ablehnung oder Abbruch |
| Retransmission | erneutes Senden eines Pakets |
| ARP | IPv4-Adresse zu MAC-Adresse |
| ICMP | Diagnose- und Fehlermeldungsprotokoll |
| SNI | Hostname im TLS-Handshake |
| TLS Alert | Fehlermeldung im TLS-Handshake |
| NXDOMAIN | DNS-Name existiert nicht |
| DORA | DHCP Discover, Offer, Request, Acknowledge |

---

**IHK-sichere Kurzformulierung**

Sniffing bezeichnet das Mitschneiden und Analysieren von Netzwerkverkehr. Mit Werkzeugen wie Wireshark, tcpdump oder Paketmitschnitten auf Firewalls kann geprüft werden, welche Pakete tatsächlich gesendet und empfangen werden. Dabei lassen sich unter anderem MAC-Adressen, IP-Adressen, Ports, Protokolle, TCP-Handshakes, DNS-Anfragen, DHCP-Abläufe, ICMP-Meldungen, TLS-Handshakes und Wiederholungen erkennen. In geswitchten Netzwerken sieht ein Client nicht automatisch den gesamten Verkehr; dafür ist häufig Port Mirroring oder ein Mitschnitt an der richtigen Stelle nötig. Paketmitschnitte können sensible Daten enthalten und müssen deshalb sorgfältig und nur mit berechtigtem Zweck eingesetzt werden.

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**Merksätze**

    Sniffing = Netzwerkverkehr mitschneiden.

    Paketmitschnitt zeigt echten Verkehr.

    Wireshark ist grafisch.

    tcpdump ist Kommandozeile.

    tshark ist Wireshark für die Kommandozeile.

    PCAP-Dateien enthalten Mitschnitte.

    Mitschnitte können sensible Daten enthalten.

    In geswitchten Netzen sieht man nicht automatisch alles.

    Port Mirroring kopiert Verkehr.

    Promiscuous Mode reicht allein oft nicht.

    Capture Filter begrenzt Aufnahme.

    Display Filter begrenzt Anzeige.

    Mitschnittort ist entscheidend.

    MAC-Adressen gehören zu Schicht 2.

    IP-Adressen gehören zu Schicht 3.

    Ports gehören zu Schicht 4.

    DNS gehört zu Schicht 7.

    TCP hat Handshake.

    UDP hat keinen Handshake.

    SYN startet TCP-Verbindung.

    SYN-ACK antwortet.

    ACK bestätigt.

    RST lehnt ab oder beendet.

    Retransmission bedeutet erneutes Senden.

    ARP löst IPv4 zu MAC auf.

    ICMP liefert Diagnosehinweise.

    DHCP-DORA ist im Mitschnitt sichtbar.

    TLS schützt Inhalte.

    HTTP ist lesbar.

    HTTPS ist normalerweise nicht lesbar.

    FTP und Telnet sind unsicher,
    weil Inhalte sichtbar sein können.

    Logs und Paketmitschnitt zusammen auswerten.