12.1 Sniffing, Paketmitschnitt und Netzwerkanalyse Sniffing bedeutet: Netzwerkverkehr mitschneiden und analysieren. Dabei werden Datenpakete sichtbar gemacht, damit man verstehen kann, was im Netzwerk wirklich passiert. Typische Werkzeuge sind: - Wireshark - tcpdump - tshark - Packet Capture auf Firewalls - Switch-Port-Mirroring - Browser-Entwicklertools - Logdateien als Ergänzung Merksatz: Sniffing zeigt den tatsächlichen Netzwerkverkehr. Warum nutzt man Paketmitschnitte? Ein Paketmitschnitt hilft, wenn normale Fehlermeldungen nicht ausreichen. Man kann damit prüfen: Kommt ein Paket überhaupt an? Antwortet das Zielsystem? Wird DNS korrekt gefragt? Findet ein TCP-Handshake statt? Gibt es Wiederholungen? Gibt es Timeouts? Wird die Verbindung aktiv abgelehnt? Wird TLS aufgebaut? Werden DHCP-Pakete gesendet? Gibt es ARP-Probleme? Merksatz: Paketmitschnitt hilft, Vermutungen durch echte Daten zu ersetzen. Sniffing ist nicht immer erlaubt Netzwerkverkehr kann sensible Informationen enthalten. Beispiele: - Benutzernamen - Passwörter - Cookies - Tokens - E-Mail-Inhalte - interne IP-Adressen - Kundendaten - personenbezogene Daten - vertrauliche Kommunikation Deshalb gilt: Paketmitschnitte nur mit Erlaubnis, Zweckbindung und möglichst begrenztem Umfang durchführen. Merksatz: Sniffing ist technisch hilfreich, aber datenschutz- und sicherheitsrelevant. Was sieht man in einem Paketmitschnitt? In einem Paketmitschnitt sieht man je nach Protokoll: - Quell-MAC-Adresse - Ziel-MAC-Adresse - Quell-IP-Adresse - Ziel-IP-Adresse - Protokoll - Quellport - Zielport - Flags - Paketgröße - Zeitstempel - DNS-Anfragen - TCP-Handshake - TLS-Handshake - unverschlüsselte Nutzdaten Bei verschlüsselten Verbindungen sieht man den Inhalt nicht einfach im Klartext. Merksatz: Metadaten sind oft sichtbar, Inhalte bei TLS meist nicht. OSI-Schichten im Paketmitschnitt Ein Paketmitschnitt zeigt mehrere OSI-Schichten gleichzeitig. Sichtbarer Bereich OSI-Schicht MAC-Adressen 2 VLAN-Tags 2 IP-Adressen 3 ICMP 3 TCP / UDP 4 Ports 4 TLS-Handshake 6 / 7-Bezug DNS, HTTP, DHCP, SMTP 7 Merksatz: Paketmitschnitt verbindet die Schichten sichtbar miteinander. Wireshark Wireshark ist ein grafisches Werkzeug zur Analyse von Netzwerkpaketen. Es zeigt Pakete übersichtlich mit: - Paketliste - Paketdetails - Rohdaten - Protokollauswertung - Filtern - Zeitinformationen - Verbindungsübersichten Wireshark eignet sich besonders gut, um Protokolle Schritt für Schritt zu verstehen. Merksatz: Wireshark macht Netzwerkverkehr sichtbar und lesbar. tcpdump tcpdump ist ein Kommandozeilenwerkzeug für Paketmitschnitte. Es wird häufig auf Linux, Unix, Firewalls, Servern oder Netzwerkgeräten verwendet. Vorteile: - schnell - leicht auf Servern nutzbar - gut für SSH-Sitzungen - kann Mitschnitte als Datei speichern - gut für gezielte Filter Merksatz: tcpdump ist Paketmitschnitt auf der Kommandozeile. tshark tshark ist die Kommandozeilenversion von Wireshark. Es kann Pakete aufzeichnen, filtern und Protokolldaten ausgeben. Typische Nutzung: - Analyse auf Servern - automatisierte Auswertung - schnelle Suche in Mitschnitten - Export bestimmter Felder Merksatz: tshark bringt Wireshark-Funktionen auf die Kommandozeile. Packet Capture auf Firewalls Viele Firewalls bieten eine eingebaute Paketmitschnittfunktion. Vorteil: Man sieht, ob Pakete an der Firewall ankommen und auf welchem Interface sie erscheinen. Das ist hilfreich bei: - NAT-Problemen - Routingproblemen - DMZ-Verkehr - VPN-Problemen - Firewall-Regelprüfung - asymmetrischem Routing Merksatz: Mitschnitt auf der Firewall zeigt, was die Firewall wirklich sieht. Switch-Port-Mirroring Ein Switch leitet normalerweise nur relevante Frames an den passenden Port weiter. Damit ein Analysegerät trotzdem Verkehr anderer Ports sehen kann, nutzt man: Port Mirroring oder: SPAN-Port Dabei wird Verkehr von einem oder mehreren Ports auf einen Analyseport kopiert. Merksatz: Port Mirroring kopiert Verkehr zu einem Analyseport. Warum sieht man nicht automatisch alles? In geswitchten Netzwerken sieht ein normaler Client nicht den gesamten Verkehr. Er sieht hauptsächlich: - eigenen Verkehr - Broadcasts - Multicasts - bestimmte lokale Pakete Er sieht normalerweise nicht: den gesamten Verkehr anderer Clients Dafür braucht man Port Mirroring, Mitschnitt am Zielsystem oder Mitschnitt an einer Firewall. Merksatz: In geswitchten Netzen sieht man ohne Mirror nicht alles. Promiscuous Mode Promiscuous Mode bedeutet: Die Netzwerkkarte nimmt auch Frames an, die nicht direkt an ihre eigene MAC-Adresse gerichtet sind. Das ist für Sniffing hilfreich. Aber: In geswitchten Netzwerken reicht Promiscuous Mode allein nicht, um fremden Verkehr zu sehen. Merksatz: Promiscuous Mode hilft, ersetzt aber kein Port Mirroring. Capture Filter und Display Filter Bei Wireshark und tcpdump gibt es unterschiedliche Filterarten. Capture Filter: bestimmen, was überhaupt aufgezeichnet wird. Display Filter: bestimmen, was nachträglich angezeigt wird. Beispiel: Capture Filter: nur Verkehr zu Host 192.168.10.20 mitschneiden Display Filter: im vorhandenen Mitschnitt nur DNS anzeigen Merksatz: Capture Filter begrenzt Aufnahme. Display Filter begrenzt Anzeige. Capture Filter Capture Filter werden vor oder während der Aufnahme angewendet. Vorteil: kleinere Dateien weniger Daten bessere Übersicht weniger sensible Daten Nachteil: was nicht aufgezeichnet wurde, kann man später nicht analysieren. Merksatz: Capture Filter nur setzen, wenn klar ist, was benötigt wird. Display Filter Display Filter werden nach der Aufnahme angewendet. Vorteil: alle Daten bleiben erhalten Ansicht kann beliebig eingegrenzt werden ideal für Analyse Beispiele für Filterideen: nur eine IP-Adresse nur DNS nur TCP-Fehler nur HTTP nur Pakete mit Reset Merksatz: Display Filter sind sicherer für Analyse, weil die Rohdaten erhalten bleiben. Wichtige Filtergedanken Typische Fragen: Welche IP-Adresse interessiert mich? Welcher Port interessiert mich? Welches Protokoll interessiert mich? Welche Richtung interessiert mich? Welche Fehlermeldung sehe ich? Welche Zeitspanne ist relevant? Beispiele: Verkehr eines bestimmten Hosts DNS-Anfragen TCP-Verbindungen zu Port 443 ICMP-Pakete DHCP-DORA ARP-Anfragen Merksatz: Gute Filter entstehen aus einer klaren Fragestellung. MAC-Adressen im Mitschnitt MAC-Adressen gehören zu OSI-Schicht 2. Sie zeigen, welche Geräte im lokalen Netzwerksegment miteinander kommunizieren. Wichtig: MAC-Adressen ändern sich bei jedem Routing-Hop. Ein Paket zum Internet hat im LAN als Ziel-MAC nicht den Webserver im Internet, sondern die MAC-Adresse des Standard-Gateways. Merksatz: Im lokalen Netz ist die Ziel-MAC oft das Gateway. IP-Adressen im Mitschnitt IP-Adressen gehören zu OSI-Schicht 3. Sie zeigen: Quell-IP Ziel-IP Bei NAT können sich IP-Adressen ändern. Beispiel: vor NAT: private Client-IP nach NAT: öffentliche Firewall-IP Merksatz: IP-Adressen zeigen logische Endpunkte, können durch NAT geändert werden. Ports im Mitschnitt Ports gehören zu OSI-Schicht 4. Sie zeigen, welcher Dienst angesprochen wird. Beispiel: Zielport TCP 443: typischerweise HTTPS Zielport TCP 22: typischerweise SSH Zielport UDP 53: typischerweise DNS Merksatz: Ports helfen, Dienste zu erkennen. Quellport und Zielport Bei Client-Server-Verbindungen nutzt der Client meist einen temporären Quellport. Beispiel: Client: 192.168.10.50:53124 Server: 203.0.113.10:443 Dabei ist: 53124 = temporärer Quellport 443 = Zielport des Dienstes Merksatz: Der bekannte Dienstport ist meistens der Zielport beim Server. TCP-Handshake im Mitschnitt TCP baut eine Verbindung mit drei Schritten auf: SYN SYN-ACK ACK Im Mitschnitt sieht man dadurch, ob eine TCP-Verbindung zustande kommt. Beobachtung mögliche Bedeutung SYN, SYN-ACK, ACK Verbindung aufgebaut nur SYN-Wiederholungen keine Antwort, Firewall oder Routingproblem SYN, RST Ziel lehnt aktiv ab SYN, SYN-ACK, danach kein ACK Rückweg oder Clientproblem viele Retransmissions Paketverlust oder Blockierung Merksatz: TCP-Handshake ist einer der wichtigsten Hinweise im Mitschnitt. TCP SYN SYN bedeutet: Client möchte eine TCP-Verbindung starten. Wenn man nur SYN-Pakete sieht, aber keine Antwort, kann das bedeuten: Ziel antwortet nicht. Firewall blockiert. Rückweg fehlt. Ziel-IP ist falsch. Dienst ist nicht erreichbar. Routing stimmt nicht. Merksatz: Nur SYN ohne Antwort deutet auf keine erreichbare Antwort hin. TCP SYN-ACK SYN-ACK bedeutet: Server akzeptiert den Verbindungsaufbau grundsätzlich und antwortet. Wenn SYN-ACK ankommt, ist der Zielport grundsätzlich erreichbar. Danach muss der Client mit ACK bestätigen. Merksatz: SYN-ACK zeigt: Ziel hat auf TCP-Verbindungsversuch geantwortet. TCP ACK ACK bestätigt empfangene Daten oder Verbindungsaufbau. ACKs sind normaler Bestandteil von TCP. Sie zeigen, dass Pakete angekommen sind und die Verbindung fortgesetzt werden kann. Merksatz: ACK bestätigt Empfang. TCP RST RST steht für: Reset Ein RST beendet oder verweigert eine Verbindung aktiv. Mögliche Ursachen: - Dienst läuft nicht - Port geschlossen - Anwendung lehnt ab - Firewall sendet Reset - falsches Protokoll auf Port - Verbindung wird abgebrochen Merksatz: RST = aktive Ablehnung oder Abbruch. TCP Retransmission Retransmission bedeutet: TCP sendet ein Paket erneut. Grund: keine Bestätigung erhalten Mögliche Ursachen: - Paketverlust - Firewall blockiert Pakete - Überlastung - schlechter Link - Rückwegproblem - Ziel antwortet nicht Merksatz: Retransmissions deuten auf verlorene oder unbeantwortete Pakete hin. TCP Window TCP Window beschreibt, wie viele Daten empfangen werden können, bevor eine Bestätigung nötig ist. Wenn das Fenster sehr klein oder null wird, kann das auf Leistungsprobleme hindeuten. Beispiel: Empfänger kann nicht schnell genug verarbeiten. Merksatz: TCP Window betrifft Flusskontrolle und Leistung. UDP im Mitschnitt UDP hat keinen Verbindungsaufbau wie TCP. Es gibt keinen SYN, kein SYN-ACK und kein ACK für den Verbindungsaufbau. Bei UDP prüft man: Wird Anfrage gesendet? Kommt Antwort zurück? Gibt es ICMP-Fehler? Wird der richtige Port genutzt? Merksatz: UDP ist verbindungslos, deshalb sieht man keinen Handshake. ICMP im Mitschnitt ICMP gehört zu Schicht 3. Es wird genutzt für: - Ping - Ziel nicht erreichbar - Time Exceeded - Fragmentierung nötig - Diagnosemeldungen ICMP-Meldungen können wichtige Hinweise geben. Beispiel: Destination Unreachable Merksatz: ICMP liefert oft Hinweise auf Netzwerkprobleme. ARP im Mitschnitt ARP gehört zur lokalen IPv4-Kommunikation. ARP fragt: Welche MAC-Adresse gehört zu dieser IPv4-Adresse? Beispiel: Wer hat 192.168.10.1? Antwort: 192.168.10.1 ist bei MAC-Adresse xx:xx:xx:xx:xx:xx Merksatz: ARP löst IPv4-Adresse zu MAC-Adresse im lokalen Netz auf. ARP-Probleme erkennen Typische Hinweise: viele ARP-Anfragen ohne Antwort falsche MAC-Adresse doppelte IP-Adresse Gateway antwortet nicht Client fragt falsches Ziel direkt Mögliche Ursachen: - Ziel nicht im lokalen Netz - falsche Netzmaske - falsches Gateway - VLAN falsch - IP-Konflikt - Gerät offline Merksatz: ARP-Probleme zeigen oft lokale Layer-2- oder Layer-3-Fehler. DNS im Mitschnitt DNS ist häufig sehr gut im Mitschnitt erkennbar. Man sieht: welche Namen gefragt werden welcher DNS-Server gefragt wird welche Antwort zurückkommt ob A- oder AAAA-Records angefragt werden ob NXDOMAIN zurückkommt ob Antwort verzögert ist Merksatz: DNS-Mitschnitt zeigt, welcher Name wirklich wohin aufgelöst wird. DHCP im Mitschnitt DHCP kann man im Mitschnitt gut erkennen. Der klassische Ablauf: Discover Offer Request Acknowledge Fehlerbilder: Discover ohne Offer: DHCP-Server oder Relay antwortet nicht. Offer kommt, aber kein Ack: Anfrage oder Serverbestätigung gestört. falsche Optionen: Gateway oder DNS falsch verteilt. Merksatz: DHCP-DORA ist im Mitschnitt gut nachvollziehbar. TLS im Mitschnitt Bei TLS sieht man normalerweise nicht den verschlüsselten Inhalt. Man sieht aber oft: TLS-Version Server Name Indication Zertifikatsinformationen Cipher-Aushandlung Handshake-Fehler Verbindungsabbrüche Wichtig: Der Inhalt von HTTPS bleibt ohne Entschlüsselung geschützt. Merksatz: TLS versteckt Inhalte, aber der Handshake liefert Hinweise. SNI im Mitschnitt SNI steht für: Server Name Indication Der Client teilt beim TLS-Aufbau mit, welchen Hostnamen er erreichen möchte. Das ist wichtig, wenn mehrere HTTPS-Dienste auf derselben IP laufen. Beispiel: wiki.firma.de cloud.firma.de git.firma.de alle über: dieselbe IP und TCP 443 Merksatz: SNI zeigt den gewünschten TLS-Hostnamen. HTTP im Mitschnitt Unverschlüsseltes HTTP kann im Mitschnitt direkt gelesen werden. Man sieht zum Beispiel: Methode Pfad Host-Header Statuscode Header teilweise Inhalte Bei HTTPS sieht man diese Inhalte normalerweise nicht, weil sie verschlüsselt sind. Merksatz: HTTP ist lesbar, HTTPS schützt den Inhalt. FTP und Telnet im Mitschnitt FTP und Telnet können unverschlüsselte Inhalte übertragen. Bei klassischem FTP können sichtbar sein: Benutzername Passwort Befehle Dateiinhalte Bei Telnet können sichtbar sein: Login Passwort Befehle Merksatz: Unverschlüsselte Protokolle sind im Mitschnitt gefährlich sichtbar. SMB im Mitschnitt SMB-Verkehr kann Hinweise liefern bei: Zugriff verweigert Verbindungsproblemen Namensproblemen Protokollversionsproblemen Dateioperationen Authentifizierungsproblemen Wichtig: Moderne SMB-Kommunikation kann teilweise signiert oder verschlüsselt sein. Merksatz: SMB-Mitschnitte helfen bei Freigabe- und Rechteproblemen. Zeitstempel im Mitschnitt Zeitstempel zeigen, wann Pakete gesendet oder empfangen wurden. Sie helfen bei: Timeouts Verzögerungen Wiederholungen langsamen Antworten Reihenfolge von Ereignissen Wichtig: Systemzeit des Analysegeräts sollte korrekt sein. Merksatz: Ohne korrekte Zeit sind Mitschnitte schwerer auszuwerten. Paketgröße Die Paketgröße kann Hinweise geben. Beispiele: sehr kleine Pakete: Steuerinformationen, ACKs, Handshake große Pakete: Datenübertragung fragmentierte Pakete: MTU- oder Fragmentierungsthemen möglich Merksatz: Paketgrößen können Leistungs- oder MTU-Probleme sichtbar machen. MTU-Probleme im Mitschnitt MTU steht für: Maximum Transmission Unit MTU-Probleme können auftreten, wenn Pakete zu groß sind und Fragmentierung nicht richtig funktioniert. Typische Hinweise: Verbindungen bauen auf, aber größere Datenübertragungen hängen. Webseiten laden teilweise. VPN-Verbindungen haben Probleme. ICMP Fragmentation Needed fehlt oder wird blockiert. Merksatz: MTU-Probleme zeigen sich oft erst bei größeren Paketen. Wo sollte man mitschneiden? Der Ort des Mitschnitts ist entscheidend. Mögliche Stellen: Client Server Firewall WAN Firewall LAN Firewall DMZ Switch Mirror Port Router VPN-Gateway Reverse Proxy Je nach Stelle sieht man unterschiedliche Informationen. Merksatz: Der Mitschnittort entscheidet, was man sehen kann. Clientseitiger Mitschnitt Ein Mitschnitt am Client zeigt: was der Client wirklich sendet welche DNS-Anfragen gestellt werden welche IP erreicht wird ob Antwort zurückkommt welche Fehlversuche entstehen Gut bei: Einzelclient-Problemen DNS-Problemen Browserproblemen VPN-Clientproblemen Merksatz: Client-Mitschnitt zeigt die Sicht des Clients. Serverseitiger Mitschnitt Ein Mitschnitt am Server zeigt: ob Anfragen beim Server ankommen von welcher IP sie ankommen auf welchem Port sie ankommen ob der Server antwortet ob die Host-Firewall beteiligt sein könnte Gut bei: Dienstproblemen Firewallverdacht NAT-Fragen Rückwegproblemen Merksatz: Server-Mitschnitt zeigt, ob der Dienst wirklich erreicht wird. Firewall-Mitschnitt Ein Mitschnitt auf der Firewall zeigt: kommt Verkehr auf WAN an? wird Verkehr nach NAT weitergeleitet? kommt Antwort zurück? auf welchem Interface erscheint Verkehr? wird Rückverkehr sichtbar? Gut bei: NAT DMZ VPN Routing Portweiterleitung asymmetrischem Routing Merksatz: Firewall-Mitschnitt zeigt den Übergang zwischen Zonen. Mehrere Mitschnitte vergleichen Manchmal braucht man Mitschnitte an mehreren Stellen. Beispiel: Client sendet SYN. Firewall WAN sieht SYN. Firewall DMZ sieht weitergeleitetes SYN. Server sieht kein SYN. Dann liegt das Problem zwischen Firewall und Server. Oder: Server antwortet. Firewall sieht Antwort. Client sieht Antwort nicht. Dann Rückweg oder Filter prüfen. Merksatz: Mehrere Mitschnitte zeigen, wo Pakete verschwinden. Paketmitschnitt und Logs kombinieren Paketmitschnitte zeigen Verkehr. Logs zeigen Entscheidungen und Anwendungszustände. Beispiele: Firewall-Log: Paket wurde blockiert. Webserver-Log: Anfrage kam an und erzeugte 500. Auth-Log: Anmeldung wurde abgelehnt. Paketmitschnitt: TCP-Verbindung wurde aufgebaut. Merksatz: Mitschnitt und Logs ergänzen sich. Typische Analysefragen Bei einem Paketmitschnitt fragt man: Sehe ich überhaupt Pakete? Sehe ich die richtige Quelle? Sehe ich das richtige Ziel? Sehe ich den richtigen Port? Sehe ich DNS vorher? Sehe ich einen TCP-Handshake? Sehe ich Reset oder Timeout? Sehe ich TLS-Handshake? Sehe ich Antwortpakete? Sehe ich Wiederholungen? Sehe ich ICMP-Fehler? Passt die Richtung? Merksatz: Mitschnitt immer mit konkreter Frage auswerten. Typisches Fehlerbild: Nur SYN-Wiederholungen Wenn man nur SYN-Pakete sieht, aber keine SYN-ACK-Antwort, kann das bedeuten: Ziel nicht erreichbar Firewall droppt falsche Ziel-IP Routingproblem Rückweg fehlt Dienst oder Host antwortet nicht NAT falsch Merksatz: Nur SYN-Wiederholungen deuten auf fehlende Antwort hin. Typisches Fehlerbild: RST nach SYN Wenn auf ein SYN direkt ein RST kommt, kann das bedeuten: Port geschlossen Dienst läuft nicht Host lehnt Verbindung ab Firewall lehnt aktiv ab falscher Zielport Merksatz: RST nach SYN heißt: Verbindung wird aktiv abgelehnt. Typisches Fehlerbild: DNS NXDOMAIN NXDOMAIN bedeutet: Name existiert nicht. Mögliche Ursachen: falscher Name DNS-Zone fehlt Tippfehler interner DNS nicht genutzt falscher Suchsuffix Split DNS falsch Merksatz: NXDOMAIN heißt: DNS kennt diesen Namen nicht. Typisches Fehlerbild: DHCP Discover ohne Offer Wenn ein Client DHCP Discover sendet, aber kein Offer erhält, kann das bedeuten: DHCP-Server nicht erreichbar DHCP-Relay fehlt VLAN falsch DHCP-Server down Firewall blockiert Scope voll falsches Netzwerk Merksatz: Discover ohne Offer: Client findet keinen antwortenden DHCP-Server. Typisches Fehlerbild: TLS Alert Ein TLS Alert zeigt, dass der TLS-Aufbau ein Problem hat. Mögliche Ursachen: Zertifikatproblem falscher Hostname inkompatible TLS-Version inkompatible Cipher Suite Client oder Server bricht ab mTLS-Zertifikat fehlt Merksatz: TLS Alert deutet auf Problem im TLS-Handshake hin. Typisches Fehlerbild: Viele Retransmissions Viele Retransmissions können bedeuten: Paketverlust Überlastung Firewall blockiert einzelne Pakete Rückwegproblem WLAN-Probleme MTU-Probleme schlechte Verbindung Merksatz: Viele Wiederholungen zeigen, dass Bestätigungen fehlen. Typisches Fehlerbild: ARP ohne Antwort ARP-Anfragen ohne Antwort können bedeuten: Ziel ist nicht im lokalen Netz Ziel ist offline VLAN falsch falsche IP-Adresse falsche Netzmaske Gateway nicht erreichbar IP-Konflikt Merksatz: ARP ohne Antwort zeigt lokale Erreichbarkeitsprobleme. Sicherheit beim Speichern von Mitschnitten Paketmitschnitte können sensible Daten enthalten. Deshalb: nur notwendige Dauer mitschneiden Filter nutzen Dateien sicher speichern Zugriff beschränken Mitschnitte nach Zweck löschen keine Mitschnitte unnötig weitergeben personenbezogene Daten beachten Merksatz: Mitschnittdateien wie sensible Daten behandeln. PCAP-Dateien Paketmitschnitte werden häufig als PCAP oder PCAPNG gespeichert. Diese Dateien können später geöffnet und analysiert werden. Vorteile: - spätere Analyse möglich - Weitergabe an Fachabteilung möglich - Vergleich mit Logs möglich - Dokumentation eines Fehlerfalls Achtung: PCAP-Dateien können vertrauliche Informationen enthalten. Merksatz: PCAP ist praktisch, aber sensibel. Was ein Paketmitschnitt nicht automatisch liefert Ein Paketmitschnitt zeigt nicht automatisch: warum ein Benutzer keine Berechtigung hat warum eine Anwendung intern Fehler wirft warum ein Passwort falsch ist warum ein Serverprozess abgestürzt ist welche Firewall-Regel intern entschieden hat ob ein Zertifikat fachlich richtig beantragt wurde Dafür braucht man zusätzlich: Logs Konfiguration Berechtigungsprüfung Dienststatus Fachwissen Merksatz: Paketmitschnitt zeigt Verkehr, aber nicht jede Ursache. Typische IHK-Fragen In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden: - Was versteht man unter Sniffing? - Wofür nutzt man einen Paketmitschnitt? - Was ist Wireshark? - Was ist tcpdump? - Was ist Port Mirroring? - Warum sieht man in einem geswitchten Netzwerk nicht automatisch allen Verkehr? - Was ist der Unterschied zwischen Capture Filter und Display Filter? - Was sieht man bei einem TCP-Handshake? - Was bedeuten SYN, SYN-ACK und ACK? - Was bedeutet TCP Reset? - Was bedeuten Retransmissions? - Warum sieht man bei HTTPS den Inhalt nicht einfach im Klartext? - Was kann man bei DNS im Mitschnitt erkennen? - Was zeigt DHCP-DORA im Mitschnitt? - Warum sind Paketmitschnitte sensibel? Typische Prüfungsfallen Sniffing zeigt echten Netzwerkverkehr. Sniffing ist datenschutzrelevant. Wireshark ist grafisch. tcpdump ist Kommandozeile. In geswitchten Netzen sieht man nicht automatisch alles. Port Mirroring kopiert Verkehr auf Analyseport. Promiscuous Mode allein reicht im Switch-Netz oft nicht. Capture Filter begrenzt Aufnahme. Display Filter begrenzt Anzeige. Was nicht aufgezeichnet wurde, kann später nicht analysiert werden. TCP hat Handshake. UDP hat keinen Handshake. SYN startet TCP-Verbindung. SYN-ACK ist Serverantwort. ACK bestätigt. RST lehnt ab oder beendet. Retransmission bedeutet erneutes Senden. TLS schützt Inhalte. HTTP ist lesbar, HTTPS normalerweise nicht. FTP und Telnet sind im Mitschnitt gefährlich sichtbar. Mitschnittort ist entscheidend. Logs und Mitschnitt ergänzen sich. Wichtige Begriffe kurz erklärt Begriff Kurze Erklärung Sniffing Mitschneiden von Netzwerkverkehr Paketmitschnitt Aufzeichnung von Paketen Wireshark grafisches Analysewerkzeug tcpdump Kommandozeilenwerkzeug für Mitschnitte tshark Wireshark auf Kommandozeile PCAP Datei mit Paketmitschnitt Port Mirroring Kopieren von Switch-Verkehr auf Analyseport SPAN Port-Mirroring-Begriff bei Switches Promiscuous Mode Netzwerkkarte nimmt fremde Frames an Capture Filter Filter vor der Aufnahme Display Filter Filter für Anzeige nach Aufnahme SYN TCP-Verbindungsstart SYN-ACK TCP-Antwort des Servers ACK Bestätigung RST Reset, aktive Ablehnung oder Abbruch Retransmission erneutes Senden eines Pakets ARP IPv4-Adresse zu MAC-Adresse ICMP Diagnose- und Fehlermeldungsprotokoll SNI Hostname im TLS-Handshake TLS Alert Fehlermeldung im TLS-Handshake NXDOMAIN DNS-Name existiert nicht DORA DHCP Discover, Offer, Request, Acknowledge IHK-sichere Kurzformulierung Sniffing bezeichnet das Mitschneiden und Analysieren von Netzwerkverkehr. Mit Werkzeugen wie Wireshark, tcpdump oder Paketmitschnitten auf Firewalls kann geprüft werden, welche Pakete tatsächlich gesendet und empfangen werden. Dabei lassen sich unter anderem MAC-Adressen, IP-Adressen, Ports, Protokolle, TCP-Handshakes, DNS-Anfragen, DHCP-Abläufe, ICMP-Meldungen, TLS-Handshakes und Wiederholungen erkennen. In geswitchten Netzwerken sieht ein Client nicht automatisch den gesamten Verkehr; dafür ist häufig Port Mirroring oder ein Mitschnitt an der richtigen Stelle nötig. Paketmitschnitte können sensible Daten enthalten und müssen deshalb sorgfältig und nur mit berechtigtem Zweck eingesetzt werden. Merksätze Sniffing = Netzwerkverkehr mitschneiden. Paketmitschnitt zeigt echten Verkehr. Wireshark ist grafisch. tcpdump ist Kommandozeile. tshark ist Wireshark für die Kommandozeile. PCAP-Dateien enthalten Mitschnitte. Mitschnitte können sensible Daten enthalten. In geswitchten Netzen sieht man nicht automatisch alles. Port Mirroring kopiert Verkehr. Promiscuous Mode reicht allein oft nicht. Capture Filter begrenzt Aufnahme. Display Filter begrenzt Anzeige. Mitschnittort ist entscheidend. MAC-Adressen gehören zu Schicht 2. IP-Adressen gehören zu Schicht 3. Ports gehören zu Schicht 4. DNS gehört zu Schicht 7. TCP hat Handshake. UDP hat keinen Handshake. SYN startet TCP-Verbindung. SYN-ACK antwortet. ACK bestätigt. RST lehnt ab oder beendet. Retransmission bedeutet erneutes Senden. ARP löst IPv4 zu MAC auf. ICMP liefert Diagnosehinweise. DHCP-DORA ist im Mitschnitt sichtbar. TLS schützt Inhalte. HTTP ist lesbar. HTTPS ist normalerweise nicht lesbar. FTP und Telnet sind unsicher, weil Inhalte sichtbar sein können. Logs und Paketmitschnitt zusammen auswerten.