12.4 Systematische Netzwerkfehlersuche nach dem OSI-Modell Netzwerkfehlersuche sollte nicht zufällig erfolgen. Besser ist ein systematisches Vorgehen nach Schichten. Das OSI-Modell hilft dabei, Fehler Schritt für Schritt einzugrenzen. Grundidee: erst einfache Grundlagen prüfen dann höhere Schichten prüfen Fehler sauber eingrenzen Messergebnisse dokumentieren nicht vorschnell raten Merksatz: Systematische Fehlersuche spart Zeit und verhindert falsche Vermutungen. Warum nach Schichten prüfen? Viele Fehler sehen ähnlich aus. Beispiel: Webseite öffnet nicht. Mögliche Ursachen können sein: Kabel defekt WLAN getrennt falsches VLAN falsche IP-Adresse Gateway fehlt DNS falsch Port blockiert Zertifikat ungültig Webserver down Benutzer nicht berechtigt Ohne Struktur sucht man schnell an der falschen Stelle. Merksatz: Ein Symptom kann viele Ursachen auf verschiedenen Schichten haben. Top-Down und Bottom-Up Es gibt zwei typische Vorgehensweisen: Bottom-Up Top-Down Bottom-Up bedeutet: Man beginnt unten bei Schicht 1 und arbeitet sich nach oben. Top-Down bedeutet: Man beginnt bei der Anwendung und arbeitet sich nach unten. Beide Methoden sind sinnvoll, je nach Fehlerbild. Merksatz: Bottom-Up beginnt beim Kabel. Top-Down beginnt bei der Anwendung. Bottom-Up-Methode Bottom-Up prüft von unten nach oben: Schicht 1: Kabel, Link, Signal Schicht 2: MAC, Switch, VLAN Schicht 3: IP, Subnetz, Gateway, Routing Schicht 4: TCP, UDP, Ports Schicht 5–7: Sitzung, Darstellung, Anwendung Vorteil: grundlegende Fehler werden früh erkannt. Merksatz: Bottom-Up ist gut, wenn unklar ist, ob überhaupt Netzverbindung besteht. Top-Down-Methode Top-Down beginnt bei der Anwendung. Beispiel: Benutzer sagt: E-Mail funktioniert nicht. Dann prüft man zuerst: Mailclient Anmeldung Fehlermeldung Servername Protokoll Port DNS Netzwerk Vorteil: schneller, wenn der Fehler klar an einem Dienst hängt. Merksatz: Top-Down ist gut, wenn ein bestimmter Dienst betroffen ist. Divide-and-Conquer-Methode Divide and Conquer bedeutet: Problem in der Mitte eingrenzen. Man prüft zuerst eine mittlere Schicht, zum Beispiel IP-Erreichbarkeit oder Port-Erreichbarkeit. Beispiel: Ping zum Server funktioniert. Dann weiß man: Schicht 1 bis 3 sind wahrscheinlich grundsätzlich ok. Dann prüft man weiter: Port Dienst Anmeldung Anwendung Merksatz: Divide and Conquer halbiert den Suchbereich. Vergleichsmethode Bei der Vergleichsmethode vergleicht man: funktionierendes System mit fehlerhaftem System Beispiele: anderer Client funktioniert anderer Benutzer funktioniert anderes VLAN funktioniert anderer Browser funktioniert anderer DNS-Server liefert andere Antwort Dadurch erkennt man Unterschiede. Merksatz: Vergleich zeigt, was beim fehlerhaften Fall anders ist. Fehler reproduzieren Ein Fehler sollte möglichst reproduzierbar gemacht werden. Fragen: Wann tritt der Fehler auf? Bei welchem Benutzer? Bei welchem Client? Bei welchem Dienst? Seit wann? Nach welcher Änderung? Immer oder nur manchmal? Intern oder extern? Mit WLAN oder LAN? Mit VPN oder ohne VPN? Merksatz: Nur reproduzierbare Fehler lassen sich sauber messen. Fehlerbild genau aufnehmen Vor der Analyse sollte man das Fehlerbild genau aufnehmen. Nicht ausreichend: Internet geht nicht. Besser: Benutzer kann https://intranet.firma.local öffnen, aber https://portal.firma.de nicht. Fehler im Browser: DNS_PROBE_FINISHED_NXDOMAIN. Noch besser: Zeitpunkt, Client-IP, Benutzer, DNS-Server, Fehlermeldung, betroffener Dienst. Merksatz: Genaue Fehlerbeschreibung ist Teil der Diagnose. W-Fragen bei Netzwerkfehlern Wichtige Fragen: Wer ist betroffen? Was funktioniert nicht? Wann tritt der Fehler auf? Wo tritt der Fehler auf? Wie äußert sich der Fehler? Seit wann besteht der Fehler? Was wurde zuletzt geändert? Welche Systeme funktionieren noch? Merksatz: Gute Fragen grenzen den Fehler ein. Einzelner Benutzer oder alle Benutzer? Wenn nur ein Benutzer betroffen ist, prüft man eher: Benutzerkonto Berechtigungen Passwort MFA Clientprofil lokale Einstellungen Browsercache gespeicherte Zugangsdaten Wenn alle Benutzer betroffen sind, prüft man eher: Dienst Server DNS Netzwerk Firewall Zertifikat zentrale Authentifizierung Provider Infrastruktur Merksatz: Einzelner Benutzer = Konto oder Client. Alle Benutzer = Dienst oder Infrastruktur. Ein Client oder mehrere Clients? Wenn nur ein Client betroffen ist, prüft man: Netzwerkkabel WLAN IP-Konfiguration DNS-Einstellungen lokale Firewall Proxy VPN Zertifikatsspeicher lokale Software Wenn mehrere Clients betroffen sind, prüft man: Switch VLAN DHCP DNS Gateway Firewall Server zentrale Dienste Merksatz: Ein Client betroffen: lokal prüfen. Viele Clients betroffen: Infrastruktur prüfen. Intern oder extern betroffen? Wenn intern alles funktioniert, extern aber nicht, prüft man: externe DNS-Auflösung öffentliche IP NAT Firewall WAN → DMZ Provider CGNAT Zertifikat Reverse Proxy Wenn extern funktioniert, intern aber nicht, prüft man: internes DNS Split DNS Hairpin NAT interne Firewall interne Route Proxy-Einstellungen Merksatz: Interne und externe Sicht getrennt prüfen. Nur WLAN oder auch LAN? Wenn nur WLAN betroffen ist, prüft man: WLAN-Signal SSID WLAN-Passwort VLAN-Zuordnung am Access Point DHCP im WLAN-Netz Roaming Störungen Access Point Client-Treiber Wenn LAN auch betroffen ist, liegt die Ursache eher bei: IP-Konfiguration Gateway DNS Firewall Dienst zentraler Infrastruktur Merksatz: WLAN-Fehler nicht automatisch als Internetfehler behandeln. Nur ein VLAN betroffen? Wenn nur ein VLAN betroffen ist, prüft man: VLAN-ID Switchport-Modus Tagged oder Untagged Trunk Access-Port DHCP-Scope Gateway für VLAN Firewall-Regeln Routing ACLs Merksatz: VLAN-bezogene Fehler sind oft Schicht 2 und 3. Nur ein Dienst betroffen? Wenn nur ein Dienst betroffen ist, prüft man eher: DNS-Name des Dienstes Ziel-IP Port Protokoll Firewall-Regel Dienststatus Zertifikat Authentifizierung Berechtigung Anwendungslogs Beispiel: Internet funktioniert, aber SMB-Freigabe nicht. Dann ist nicht das ganze Netzwerk down, sondern ein Dienst oder Zugriffspfad gestört. Merksatz: Ein Dienst betroffen: Dienstkette prüfen. Schicht 1 prüfen Schicht 1 ist die Bitübertragungsschicht. Prüfpunkte: Kabel steckt? Link-LED aktiv? richtiger Port? Netzteil aktiv? SFP-Modul korrekt? Glasfaser richtig gesteckt? WLAN-Signal vorhanden? keine physische Beschädigung? Duplex oder Speed auffällig? Werkzeuge: Sichtprüfung Linkstatus Kabeltester Switchport-Status WLAN-Signalprüfung Merksatz: Ohne funktionierende Schicht 1 funktioniert darüber nichts. Schicht 2 prüfen Schicht 2 ist die Sicherungsschicht. Prüfpunkte: MAC-Adresse sichtbar? Switchport aktiv? VLAN korrekt? Access oder Trunk richtig? MAC-Adresstabelle passend? STP blockiert? Broadcast-Sturm? ARP funktioniert? keine doppelte IP im lokalen Netz? Werkzeuge: Switch-MAC-Tabelle ARP-Tabelle VLAN-Konfiguration Wireshark Switch-Logs Merksatz: Schicht 2 betrifft lokale Kommunikation im richtigen Netzsegment. Schicht 3 prüfen Schicht 3 ist die Vermittlungs- oder Netzwerkschicht. Prüfpunkte: IP-Adresse korrekt? Subnetzmaske korrekt? Gateway korrekt? Routing korrekt? Zielnetz erreichbar? keine APIPA-Adresse? keine doppelte IP? IPv4 oder IPv6 korrekt? Rückweg vorhanden? Werkzeuge: ipconfig ifconfig ip addr ping traceroute / tracert route print ip route Routingtabelle Merksatz: Schicht 3 beantwortet: Komme ich zum richtigen Netz? Schicht 4 prüfen Schicht 4 ist die Transportschicht. Prüfpunkte: TCP oder UDP? richtiger Port? Port offen? Dienst lauscht? Firewall blockiert? TCP-Handshake vollständig? UDP-Antwort vorhanden? NAT oder PAT beteiligt? Rückweg korrekt? Werkzeuge: nc Test-NetConnection ss netstat tcpdump Wireshark Firewall-Logs Merksatz: Schicht 4 beantwortet: Ist der Dienstport erreichbar? Schicht 5 prüfen Schicht 5 ist die Sitzungsschicht. Prüfpunkte: Session wird aufgebaut? Session bleibt bestehen? Benutzer wird ständig ausgeloggt? Cookie korrekt? Session Timeout? Load Balancer mit Session-Stickiness? Session-Speicher erreichbar? Typische Fehler: Login-Schleife Session läuft sofort ab Warenkorb wird vergessen Remote-Sitzung bricht ab Merksatz: Schicht 5 betrifft Sitzungen und deren Verwaltung. Schicht 6 prüfen Schicht 6 ist die Darstellungsschicht. Prüfpunkte: TLS korrekt? Zertifikat gültig? Name passt zum Zertifikat? CA vertrauenswürdig? Datenformat korrekt? Zeichencodierung korrekt? Kompression korrekt? JSON oder XML gültig? Typische Fehler: Zertifikatswarnung falsche Umlaute ungültiges JSON TLS-Handshake-Fehler falscher Content-Type Merksatz: Schicht 6 betrifft Darstellung, Codierung, Kompression und Verschlüsselung. Schicht 7 prüfen Schicht 7 ist die Anwendungsschicht. Prüfpunkte: Dienst läuft? richtige URL? richtiger Hostname? richtige Methode? richtiger Statuscode? Anmeldung korrekt? Berechtigung vorhanden? Anwendung antwortet? API korrekt? Logs vorhanden? Backend erreichbar? Typische Fehler: HTTP 404 HTTP 500 Login fehlgeschlagen Zugriff verweigert DNS falsch Mail kommt nicht an API antwortet mit Fehler Merksatz: Schicht 7 betrifft den konkreten Dienst und seine Antwort. DNS als häufiger Sonderfall DNS gehört zur Anwendungsschicht, wirkt aber auf fast alle anderen Dienste. Wenn DNS falsch ist, sucht man oft am falschen Ziel. Typische DNS-Fehler: falsche IP-Adresse NXDOMAIN falscher DNS-Server Split DNS falsch veralteter Cache IPv6-Antwort nicht erreichbar MX-Record falsch Merksatz: DNS immer früh prüfen, wenn Namen verwendet werden. DHCP als häufiger Sonderfall DHCP gehört zur Anwendungsschicht, liefert aber Schicht-3-Konfiguration. DHCP-Fehler führen zu: keiner IP-Adresse APIPA 169.254.x.x falschem Gateway falschem DNS falschem VLAN falscher Lease Merksatz: DHCP-Fehler wirken wie IP- oder Internetprobleme. Firewall als häufiger Sonderfall Firewalls können mehrere Schichten betreffen. Je nach Firewall prüft sie: IP-Adressen Ports Protokolle Zustand Anwendung Benutzer Zonen Bei Firewall-Verdacht prüfen: Quelle Ziel Port Protokoll Richtung Zone Regel Logs NAT Rückweg Merksatz: Firewall-Fehler mit Quelle, Ziel, Port, Richtung und Logs prüfen. NAT als häufiger Sonderfall NAT kann IP-Adressen und Ports verändern. Deshalb muss man wissen: Welche Adresse sieht der Client? Welche Adresse sieht der Server? Gibt es Source NAT? Gibt es Destination NAT? Gibt es PAT? Gibt es Portweiterleitung? Stimmt der Rückweg? Merksatz: Bei NAT immer vor und nach der Übersetzung denken. Logs immer einbeziehen Logs liefern oft die entscheidenden Hinweise. Wichtige Logs: Client-Logs Server-Logs Firewall-Logs DNS-Logs DHCP-Logs Webserver-Logs Reverse-Proxy-Logs Authentifizierungslogs VPN-Logs Ereignisanzeige journalctl Merksatz: Logs zeigen Entscheidungen, Mitschnitte zeigen Verkehr. Paketmitschnitt gezielt einsetzen Ein Paketmitschnitt ist besonders hilfreich, wenn unklar ist: ob Pakete ankommen ob Antworten zurückkommen ob DNS korrekt gefragt wird ob TCP-Handshake klappt ob UDP-Antworten kommen ob NAT richtig arbeitet ob Retransmissions auftreten ob Reset oder Timeout entsteht Merksatz: Mitschnitt nutzen, wenn der echte Verkehr unklar ist. Fehler nach Änderung Viele Störungen entstehen nach Änderungen. Beispiele: Firewall-Regel geändert DNS-Eintrag geändert DHCP-Scope geändert VLAN geändert Zertifikat erneuert Server-IP geändert Dienst aktualisiert Reverse Proxy angepasst Passwort oder Rechte geändert VPN-Konfiguration geändert Merksatz: Nach Änderung zuerst die Änderung prüfen. Change und Rollback Bei Änderungen sollte vorher klar sein: Was wird geändert? Warum wird es geändert? Wer ist verantwortlich? Wann wird getestet? Wie wird zurückgerollt? Welche Systeme sind betroffen? Gibt es ein Backup? Gibt es Dokumentation? Rollback bedeutet: Änderung zurücknehmen, wenn sie Probleme verursacht. Merksatz: Keine kritische Änderung ohne Rückweg. Dokumentation während der Fehlersuche Während der Fehlersuche sollte man dokumentieren: Fehlerbild Zeitpunkt betroffene Systeme betroffene Benutzer getestete Schritte Messergebnisse Logs Änderungen gefundene Ursache Lösung offene Punkte Merksatz: Gute Dokumentation verhindert doppelte Arbeit. Hypothesen bilden Eine Hypothese ist eine fachliche Vermutung, die getestet wird. Beispiel: Hypothese: DNS zeigt auf falsche IP. Test: nslookup oder dig ausführen. Ergebnis: Wenn DNS falsch ist, Hypothese bestätigt. Wenn nicht: Hypothese verwerfen und nächste Ursache prüfen. Merksatz: Hypothesen müssen getestet, nicht geglaubt werden. Nicht mehrere Dinge gleichzeitig ändern Wenn man mehrere Dinge gleichzeitig ändert, weiß man später nicht, welche Änderung geholfen oder geschadet hat. Besser: eine Änderung durchführen testen Ergebnis dokumentieren nächste Änderung durchführen Merksatz: Eine Änderung pro Testschritt. Workaround und Ursachenbehebung unterscheiden Ein Workaround umgeht ein Problem vorübergehend. Eine Ursachenbehebung beseitigt die Ursache. Beispiel: Workaround: Benutzer nutzt IP-Adresse statt DNS-Namen. Ursache: DNS-Eintrag ist falsch. Die Ursache muss trotzdem behoben werden. Merksatz: Workaround ist nicht automatisch Lösung. Typische Fehlerbilder und erste Einordnung Fehlerbild erste Vermutung Kein Link Schicht 1 IP 169.254.x.x DHCP-Problem Gateway nicht erreichbar Schicht 2 / 3 Name löst nicht auf DNS Ping geht, Port nicht Schicht 4 / Firewall / Dienst Port offen, HTTP 500 Anwendung / Backend Zertifikatswarnung TLS / Zeit / Name Zugriff verweigert Autorisierung Login schlägt fehl Authentifizierung Nur extern gestört NAT / Firewall / DNS extern Nur intern gestört DNS intern / Hairpin NAT / Routing Merksatz: Fehlerbild gibt Hinweis, aber noch keinen Beweis. Beispiel: Webseite öffnet nicht Systematische Prüfung: 1. URL korrekt? 2. DNS löst korrekt auf? 3. Ziel-IP erreichbar? 4. TCP 443 erreichbar? 5. TLS-Zertifikat gültig? 6. HTTP-Statuscode prüfen. 7. Reverse Proxy prüfen. 8. Backend prüfen. 9. Webserver-Logs prüfen. 10. Firewall-Logs prüfen. Merksatz: Webfehler mit DNS, Port, TLS, HTTP und Logs prüfen. Beispiel: Client bekommt keine IP-Adresse Systematische Prüfung: 1. Link vorhanden? 2. VLAN korrekt? 3. DHCP Discover sichtbar? 4. DHCP Offer sichtbar? 5. DHCP-Scope frei? 6. DHCP-Relay korrekt? 7. Firewall erlaubt UDP 67/68? 8. Richtiger DHCP-Server? 9. Keine Rogue-DHCP-Antwort? 10. Client erhält Lease? Merksatz: DHCP-Fehler mit DORA eingrenzen. Beispiel: Server per SSH nicht erreichbar Systematische Prüfung: 1. Ziel-IP oder DNS prüfen. 2. Routing prüfen. 3. TCP 22 erreichbar? 4. SSH-Dienst läuft? 5. Host-Firewall erlaubt? 6. zentrale Firewall erlaubt? 7. Benutzer oder Schlüssel korrekt? 8. SSH-Logs prüfen. 9. Fail2ban oder Sperre prüfen. 10. Host-Key-Warnung prüfen. Merksatz: SSH-Fehler mit Netz, Port, Dienst, Benutzer und Logs prüfen. Beispiel: SMB-Freigabe Zugriff verweigert Systematische Prüfung: 1. Servername löst korrekt auf? 2. TCP 445 erreichbar? 3. SMB-Dienst läuft? 4. Benutzer korrekt angemeldet? 5. Freigabeberechtigung korrekt? 6. Dateisystemberechtigung korrekt? 7. Gruppenmitgliedschaft korrekt? 8. gespeicherte Anmeldedaten falsch? 9. Datei gesperrt? 10. Logs prüfen. Merksatz: SMB-Zugriff braucht Verbindung, Anmeldung und Rechte. Beispiel: E-Mail kommt nicht an Systematische Prüfung: 1. Absender erhält Fehlermeldung? 2. MX-Record korrekt? 3. DNS korrekt? 4. SMTP TCP 25 erreichbar? 5. Mailserver zuständig? 6. Spamfilter oder Quarantäne? 7. SPF, DKIM, DMARC korrekt? 8. Postfach voll? 9. TLS-Problem? 10. Mailserver-Logs prüfen. Merksatz: Mailfehler mit DNS, SMTP, Authentifizierung, Spamfilter und Logs prüfen. Beispiel: VPN verbunden, aber interne Systeme nicht erreichbar Systematische Prüfung: 1. VPN-Verbindung wirklich aktiv? 2. VPN-IP erhalten? 3. Route ins interne Netz vorhanden? 4. DNS für interne Namen korrekt? 5. Firewall-Regel VPN → Zielnetz korrekt? 6. Benutzergruppe berechtigt? 7. Split Tunnel korrekt? 8. Zielsystem-Firewall erlaubt? 9. Rückweg korrekt? 10. Logs prüfen. Merksatz: VPN braucht Tunnel, Adresse, Route, DNS, Firewall und Rechte. Beispiel: Nur langsam, nicht komplett kaputt Bei Performanceproblemen prüft man zusätzlich: Latenz Paketverlust Bandbreite Duplex WLAN-Signal Retransmissions Serverlast DNS-Verzögerungen MTU Proxy VPN Speicher und CPU Festplatten-I/O Merksatz: Langsam ist nicht dasselbe wie nicht erreichbar. Latenz Latenz ist die Verzögerung, bis Daten ihr Ziel erreichen und eine Antwort zurückkommt. Hohe Latenz stört besonders: VoIP Videokonferenzen Remote Desktop Online-Anwendungen Datenbankzugriffe interaktive Anwendungen Merksatz: Latenz = Verzögerung. Paketverlust Paketverlust bedeutet: Pakete gehen unterwegs verloren. Folgen: Verbindungen werden langsam. TCP sendet erneut. Audio oder Video stottert. VPN wird instabil. Webseiten laden unvollständig. Hinweise: Retransmissions verlorene Ping-Antworten Abbrüche Timeouts Merksatz: Paketverlust erzeugt Wiederholungen und Instabilität. Bandbreite Bandbreite beschreibt, wie viele Daten pro Zeit übertragen werden können. Geringe Bandbreite führt zu: langsamen Downloads ruckelnden Streams langen Backups langsamer Dateiübertragung Engpässen bei vielen Benutzern Merksatz: Bandbreite = maximale Datenmenge pro Zeit. Jitter Jitter ist die Schwankung der Verzögerung. Besonders störend bei: VoIP Videokonferenzen Echtzeitanwendungen Streaming Remote-Zugriff Merksatz: Jitter = schwankende Latenz. MTU MTU steht für: Maximum Transmission Unit MTU beschreibt, wie groß ein Paket auf einem Übertragungsweg maximal sein darf. MTU-Probleme können verursachen: Webseiten laden teilweise. VPN ist instabil. große Downloads brechen ab. kleine Pings funktionieren, große Pakete nicht. Merksatz: MTU-Probleme zeigen sich oft erst bei größeren Paketen. Fehlerklasse: Erreichbarkeit Erreichbarkeitsfehler bedeuten: Ziel ist gar nicht oder nur teilweise erreichbar. Prüfen: Link IP Gateway Routing Firewall NAT Port Dienst Merksatz: Erreichbarkeit zuerst technisch eingrenzen. Fehlerklasse: Namensauflösung Namensauflösungsfehler bedeuten: Name wird nicht oder falsch aufgelöst. Prüfen: DNS-Server DNS-Record DNS-Suffix Split DNS Cache A/AAAA CNAME MX interne und externe Antwort Merksatz: Name falsch bedeutet oft Ziel falsch. Fehlerklasse: Authentifizierung Authentifizierungsfehler bedeuten: Identität wird nicht akzeptiert. Prüfen: Benutzername Passwort MFA Konto gesperrt Konto deaktiviert Zertifikat Token Zeit LDAP/AD/IdP Merksatz: Authentifizierung = Wer bist du? Fehlerklasse: Autorisierung Autorisierungsfehler bedeuten: Identität ist bekannt, aber Rechte fehlen. Prüfen: Gruppen Rollen Freigaberechte Dateisystemrechte API-Scopes Richtlinien Mandant alte Session Merksatz: Autorisierung = Was darfst du? Fehlerklasse: Anwendung Anwendungsfehler bedeuten: Netzwerkverbindung besteht, aber der Dienst funktioniert nicht korrekt. Prüfen: Logs Statuscodes Backend Datenbank Konfiguration Version Abhängigkeiten Speicher CPU Berechtigungen Datenformat Merksatz: Wenn Netzwerk steht, aber Dienst fehlerhaft antwortet, Anwendung prüfen. Fehlerklasse: Sicherheit Sicherheitsmechanismen können Verkehr bewusst blockieren. Beispiele: Firewall IDS/IPS WAF Antivirus EDR Spamfilter Proxy MFA Conditional Access Geoblocking Rate Limiting Merksatz: Nicht jede Blockierung ist ein Fehler, manchmal ist sie gewollt. Abschluss einer Fehlersuche Am Ende sollte klar sein: Was war die Ursache? Wie wurde sie nachgewiesen? Was wurde geändert? Welche Systeme waren betroffen? Wie wurde getestet? Ist die Lösung dauerhaft? Muss dokumentiert werden? Muss Monitoring angepasst werden? Muss Prävention verbessert werden? Merksatz: Eine Fehlersuche endet mit Ursache, Lösung und Dokumentation. Typische IHK-Fragen In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden: - Warum hilft das OSI-Modell bei der Fehlersuche? - Was bedeutet Bottom-Up-Fehlersuche? - Was bedeutet Top-Down-Fehlersuche? - Was ist Divide and Conquer bei der Fehlersuche? - Warum muss man Fehler genau eingrenzen? - Warum reicht „Internet geht nicht“ nicht als Fehlerbeschreibung? - Welche Schichten prüft man bei fehlender Verbindung? - Warum prüft man DNS frühzeitig? - Warum sind Logs wichtig? - Warum sollte man nicht mehrere Dinge gleichzeitig ändern? - Was ist ein Workaround? - Was ist der Unterschied zwischen Authentifizierung und Autorisierung? - Wie geht man bei einem Webfehler systematisch vor? - Wie geht man bei DHCP-Problemen systematisch vor? - Wie geht man bei VPN-Problemen systematisch vor? Typische Prüfungsfallen Nicht sofort die Firewall beschuldigen. Nicht nur ping testen. Nicht nur Port testen. DNS kann viele Fehler verursachen. DHCP gehört zu Schicht 7, wirkt aber auf Schicht 3. Firewall kann mehrere Schichten betreffen. NAT verändert Adressen und Ports. Ein einzelner Benutzer deutet oft auf Konto oder Client. Alle Benutzer deuten eher auf zentrale Infrastruktur. Intern und extern getrennt prüfen. WLAN und LAN getrennt prüfen. Authentifizierung ist nicht Autorisierung. Workaround ist nicht Ursachenbehebung. Eine Änderung pro Testschritt. Nach Änderung zuerst Änderung prüfen. Logs und Mitschnitt ergänzen sich. Langsam ist ein anderes Fehlerbild als nicht erreichbar. Wichtige Begriffe kurz erklärt Begriff Kurze Erklärung Fehlersuche systematisches Finden einer Ursache Bottom-Up von Schicht 1 nach oben prüfen Top-Down von Anwendung nach unten prüfen Divide and Conquer Suchbereich durch mittlere Prüfung eingrenzen Vergleichsmethode funktionierenden und fehlerhaften Fall vergleichen Fehlerbild beobachtetes Problem Reproduzierbarkeit Fehler lässt sich gezielt erneut auslösen Hypothese testbare Vermutung Workaround vorübergehende Umgehung Ursachenbehebung eigentliche Ursache beseitigen Rollback Änderung zurücknehmen Latenz Verzögerung Paketverlust Pakete gehen verloren Bandbreite Datenmenge pro Zeit Jitter Schwankung der Verzögerung MTU maximale Paketgröße Authentifizierung Identität prüfen Autorisierung Rechte prüfen Log Ereignisprotokoll Paketmitschnitt aufgezeichneter Netzwerkverkehr IHK-sichere Kurzformulierung Das OSI-Modell hilft bei der Netzwerkfehlersuche, weil Fehler systematisch nach Schichten eingegrenzt werden können. Bei der Bottom-Up-Methode beginnt man bei Schicht 1 mit physischer Verbindung und arbeitet sich bis zur Anwendungsschicht hoch. Bei der Top-Down-Methode beginnt man bei der Anwendung und prüft dann nach unten. Wichtig sind eine genaue Fehlerbeschreibung, die Eingrenzung betroffener Benutzer und Systeme, die Prüfung von DNS, DHCP, IP-Konfiguration, Routing, Firewall, NAT, Ports, Diensten, Authentifizierung, Autorisierung und Logs. Messergebnisse sollten dokumentiert werden, und Änderungen sollten einzeln getestet werden. Ein Workaround kann kurzfristig helfen, ersetzt aber nicht die Beseitigung der eigentlichen Ursache. Merksätze OSI-Modell hilft bei Fehlersuche. Nicht raten, sondern schrittweise prüfen. Bottom-Up beginnt bei Schicht 1. Top-Down beginnt bei der Anwendung. Divide and Conquer grenzt den Fehlerbereich ein. Fehlerbild genau aufnehmen. Einzelner Benutzer: Konto oder Client prüfen. Alle Benutzer: Dienst oder Infrastruktur prüfen. Intern und extern getrennt prüfen. WLAN und LAN getrennt prüfen. DNS früh prüfen. DHCP mit DORA prüfen. Firewall mit Quelle, Ziel, Port, Richtung und Logs prüfen. NAT vor und nach Übersetzung denken. Logs zeigen Entscheidungen. Mitschnitte zeigen Verkehr. Nach Änderung zuerst Änderung prüfen. Eine Änderung pro Test. Workaround ist nicht Ursache. Langsam ist nicht gleich nicht erreichbar. Latenz = Verzögerung. Paketverlust = verlorene Pakete. Jitter = schwankende Verzögerung. MTU = maximale Paketgröße. Authentifizierung = Wer bist du? Autorisierung = Was darfst du? Fehlersuche endet mit Ursache, Lösung und Dokumentation.