2.2 SaaS-, CRM-, Projektmanagement- und Kollaborationssysteme Unternehmen verwenden verschiedene Softwarearten für unterschiedliche Aufgaben. Typische Systeme sind: SaaS-Systeme für online bereitgestellte Anwendungen CRM-Systeme für Kunden und Vertriebsprozesse Projektmanagement-Systeme für Aufgaben und Termine Kollaborationssysteme für Kommunikation und Zusammenarbeit Eine Anwendung kann mehreren Kategorien gleichzeitig angehören. Lernziele Nach dieser Seite solltest du erklären können: was SaaS bedeutet was CRM-, Projektmanagement- und Kollaborationssysteme unterscheiden welche Aufgaben die interne IT übernimmt wie Benutzer, Rollen und Lizenzen verwaltet werden welche Vorteile und Risiken Cloud-Anwendungen besitzen warum verschiedene Systeme über APIs verbunden werden Software as a Service SaaS bedeutet: Software as a Service Eine Software wird vom Anbieter betrieben und über das Internet bereitgestellt. Die Nutzung erfolgt meistens über: Webbrowser Desktop-Anwendung Smartphone-App API Typische SaaS-Beispiele: Google Workspace Microsoft 365 Slack Asana Zoho CRM Salesforce Dropbox Das Unternehmen muss normalerweise keine eigenen Anwendungsserver betreiben. Aufgaben des SaaS-Anbieters Der Anbieter übernimmt typischerweise: Betrieb der Plattform Wartung der Server Softwareaktualisierungen technische Verfügbarkeit Absicherung der Anbieterinfrastruktur Fehlerbehebung innerhalb der Plattform Aufgaben des verwendenden Unternehmens Die interne IT bleibt unter anderem verantwortlich für: Benutzerkonten Gruppen Rollen und Berechtigungen Multi-Faktor-Authentifizierung Lizenzen sichere Konfiguration Freigaben Datenschutz Onboarding und Offboarding Kontrolle der Zugriffsprotokolle Integration mit anderen Systemen Der Anbieter betreibt die Plattform. Das Unternehmen verwaltet seine Benutzer, Daten und Zugriffsrechte. CRM-System CRM bedeutet: Customer Relationship Management Ein CRM-System verwaltet Kundenbeziehungen und Vertriebsprozesse. Typische Inhalte: Unternehmen Ansprechpartner Kontaktdaten Gespräche Angebote Verträge Verkaufschancen Aufgaben Termine Projektstatus Beispiel: Information Inhalt Kunde Musterfirma GmbH Ansprechpartner Max Mustermann Status Angebot wird erstellt zuständige Person Vertriebsmitarbeiter nächste Aufgabe Rückruf vereinbaren Termin 20. Juli 2026 Ein CRM-System ist eine zentrale Kunden- und Vertriebsakte. Typischer CRM-Ablauf Neuer Interessent | v Kontaktdaten erfassen | v Beratungsgespräch dokumentieren | v Angebot erstellen | v Auftrag gewinnen oder ablehnen | v Kundenbeziehung weiter betreuen CRM-Systeme helfen dabei, dass Informationen nicht nur in persönlichen E-Mails oder einzelnen Dateien gespeichert werden. Projektmanagement-System Ein Projektmanagement-System organisiert Projekte und Aufgaben. Typische Funktionen: Projekte anlegen Aufgaben erstellen Verantwortliche zuweisen Termine festlegen Prioritäten vergeben Bearbeitungsstände anzeigen Abhängigkeiten verwalten Kommentare erfassen Dokumente verknüpfen Fortschritt überwachen Beispiel: Aufgabe Verantwortlich Frist Status Anforderungen aufnehmen Projektleitung 20.07.2026 abgeschlossen Benutzerkonten anlegen IT 22.07.2026 offen Hardware vorbereiten IT-Support 23.07.2026 in Bearbeitung Dokumentation erstellen Administration 24.07.2026 offen Ein Projektmanagement-System organisiert Aufgaben, Zuständigkeiten, Fristen und Fortschritte. Kollaborationssystem Kollaboration bedeutet Zusammenarbeit. Ein Kollaborationssystem unterstützt Mitarbeiter bei: Nachrichten Gruppenchats Videokonferenzen gemeinsamer Dateibearbeitung Kommentaren Kalendern Benachrichtigungen Informationsaustausch Typische Beispiele: System Hauptfunktion Slack Teamkommunikation Microsoft Teams Chat, Besprechungen und Dateien Google Workspace E-Mail, Kalender und Dokumente Miro gemeinsame digitale Arbeitsfläche Confluence Dokumentation und Wissensaustausch Slack als Beispiel Slack ist eine Kommunikationsplattform für Unternehmen. Die Kommunikation erfolgt unter anderem über: Direktnachrichten Gruppennachrichten öffentliche Kanäle private Kanäle Threads Sprach- und Videoanrufe Beispiele für Kanäle: #it-support #projekt-solar #allgemein #vertrieb #product-tech Ein Kanal bündelt Nachrichten zu einem bestimmten Team oder Thema. Slack kann außerdem Benachrichtigungen anderer Systeme anzeigen. Beispiel: Ein n8n-Workflow sendet eine Nachricht an den Kanal #it-support , wenn ein automatisierter Prozess fehlschlägt. Unterschied der Systemarten Systemart Hauptaufgabe SaaS-System beschreibt die Bereitstellung als Onlinedienst CRM-System verwaltet Kunden und Vertriebsprozesse Projektmanagement-System verwaltet Projekte, Aufgaben und Termine Kollaborationssystem unterstützt Kommunikation und Zusammenarbeit Eine Anwendung kann mehrere Funktionen besitzen. Beispiele: Anwendung Einordnung Zoho CRM CRM und SaaS Asana Projektmanagement und SaaS Slack Kollaboration und SaaS Google Workspace Kollaboration, Kommunikation und SaaS Microsoft Teams Kollaboration und SaaS SaaS beschreibt die Bereitstellung. Die anderen Begriffe beschreiben den Einsatzzweck. Benutzerkonten Für jeden Mitarbeiter wird normalerweise ein persönliches Benutzerkonto angelegt. Ein Benutzerkonto kann enthalten: Name E-Mail-Adresse Abteilung Rolle Gruppenmitgliedschaften Lizenzen Zugriffsrechte Spracheinstellungen Sicherheitsinformationen Gemeinsam verwendete Benutzerkonten sollten möglichst vermieden werden. Nachteile gemeinsamer Konten: Aktionen sind nicht eindeutig zuordenbar Passwörter müssen geteilt werden Zugriffe lassen sich schwer entziehen Protokolle verlieren ihre Aussagekraft Sicherheitsvorfälle sind schwerer nachzuvollziehen Gruppen und Rollen Benutzer werden häufig anhand ihrer Aufgaben in Gruppen oder Rollen eingeordnet. Beispiele: Gruppe oder Rolle Mögliche Berechtigung Vertrieb Zugriff auf CRM-Kundendaten IT-Support Benutzerkonten bearbeiten Buchhaltung Zugriff auf Finanzsysteme Projektleitung Projekte und Aufgaben verwalten Mitarbeiter allgemeine Standardzugriffe Administrator technische Systeme verwalten Rollenbasierte Rechtevergabe wird auch als RBAC bezeichnet. RBAC bedeutet: Role-Based Access Control Dabei werden Rechte anhand einer Rolle vergeben und nicht für jeden Benutzer einzeln zusammengestellt. Least Privilege Least Privilege bedeutet: Jeder Benutzer erhält nur die Rechte, die er für seine Aufgaben benötigt. Beispiele: Ein Vertriebsmitarbeiter benötigt keinen vollständigen Administratorzugriff. Ein Praktikant benötigt nicht automatisch Zugriff auf alle Kundendaten. Ein Automatisierungsworkflow sollte nur die benötigten API-Rechte besitzen. Ein ausgeschiedener Mitarbeiter darf keine aktiven Zugänge behalten. Vorteile: geringeres Sicherheitsrisiko weniger versehentliche Änderungen bessere Nachvollziehbarkeit einfachere Rechtekontrolle Lizenzen Viele SaaS-Systeme werden pro Benutzer und Monat bezahlt. Die interne IT muss daher prüfen: Wer benötigt eine Lizenz? Welche Lizenzstufe wird benötigt? Welche Konten werden nicht mehr verwendet? Wurden Konten ausgeschiedener Mitarbeiter deaktiviert? Werden unnötige Kosten verursacht? Beispiel: Ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen. Die IT sollte: den Zugang sperren aktive Sitzungen beenden Daten sichern oder übertragen Gruppenmitgliedschaften entfernen Lizenzen freigeben den Vorgang dokumentieren Onboarding Onboarding bezeichnet die technische Einrichtung eines neuen Mitarbeiters. Typische Aufgaben: Benutzerkonto anlegen E-Mail-Adresse erstellen Gruppen zuweisen Rollen vergeben Lizenzen aktivieren MFA einrichten Laptop vorbereiten benötigte Software installieren Zugänge dokumentieren Einführung bereitstellen Ein standardisierter Ablauf verhindert, dass wichtige Schritte vergessen werden. Offboarding Offboarding bezeichnet die technische Bearbeitung eines Mitarbeiteraustritts. Typische Aufgaben: Benutzerkonto deaktivieren aktive Sitzungen beenden Passwörter oder Tokens widerrufen Zugriffsrechte entfernen Daten an zuständige Personen übertragen Geräte zurücknehmen Lizenzen freigeben automatische Weiterleitungen prüfen Vorgang dokumentieren Ein nicht vollständig durchgeführtes Offboarding kann ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Multi-Faktor-Authentifizierung Bei der Multi-Faktor-Authentifizierung werden mindestens zwei unterschiedliche Faktoren benötigt. Mögliche Faktoren: Wissen: Passwort oder PIN Besitz: Smartphone oder Sicherheitsschlüssel biometrisches Merkmal: Fingerabdruck oder Gesichtserkennung Beispiel: Passwort + Bestätigung über eine Authenticator-App MFA schützt Konten zusätzlich, wenn ein Passwort gestohlen wurde. Single Sign-on SSO bedeutet: Single Sign-on Ein Benutzer meldet sich zentral an und kann anschließend mehrere verbundene Anwendungen verwenden. Beispiel: Zentrale Anmeldung | v Google Workspace / | \ v v v Slack CRM Projektmanagement Vorteile: weniger separate Passwörter zentrale Benutzerverwaltung schnellere Sperrung von Zugängen vereinfachtes Onboarding und Offboarding Risiko: Fällt das zentrale Konto aus oder wird es übernommen, können mehrere Systeme betroffen sein. Audit-Logs Audit-Logs protokollieren sicherheitsrelevante Aktionen. Beispiele: Benutzer wurde angelegt Rolle wurde geändert Anmeldung ist fehlgeschlagen MFA wurde deaktiviert Datei wurde freigegeben API-Token wurde erstellt Administratorrechte wurden vergeben Audit-Logs helfen bei: Fehlersuche Sicherheitsanalysen Nachvollziehbarkeit Datenschutzprüfungen internen Kontrollen Vorteile von SaaS-Systemen schnelle Bereitstellung Zugriff über verschiedene Geräte automatische Aktualisierungen geringe eigene Serververwaltung einfache Erweiterbarkeit häufig gute Integrationsmöglichkeiten flexible Lizenzmodelle zentrale Zusammenarbeit Risiken von SaaS-Systemen Abhängigkeit vom Anbieter mögliche Ausfälle laufende Lizenzkosten Datenschutzanforderungen falsche Freigaben zu umfangreiche Berechtigungen unvollständiges Offboarding unkontrollierte Schatten-IT eingeschränkte Kontrolle über die Infrastruktur Änderungen an Funktionen oder Schnittstellen Schatten-IT Schatten-IT bezeichnet Software oder Dienste, die ohne Freigabe der IT verwendet werden. Beispiel: Ein Mitarbeiter erstellt selbstständig ein Konto bei einem Onlinedienst und lädt dort Unternehmensdaten hoch. Mögliche Risiken: unbekannte Datenspeicherung fehlende Sicherheitsprüfung keine zentrale Benutzerverwaltung fehlendes Offboarding zusätzliche Kosten Datenschutzverletzungen Die IT sollte deshalb klare Prozesse für die Auswahl und Freigabe neuer SaaS-Anwendungen besitzen. Verbindung verschiedener Systeme SaaS-Systeme können über APIs miteinander verbunden werden. Beispiel: Zoho CRM | | neuer Kunde v n8n / \ v v Asana Slack Möglicher Ablauf: Im CRM wird ein neuer Kunde angelegt. Das CRM startet einen Webhook. n8n empfängt die Kundendaten. In Asana wird ein Projekt erstellt. In Slack wird das zuständige Team informiert. Das Ergebnis wird protokolliert. Aufgaben der internen IT Die interne IT übernimmt bei SaaS-Systemen unter anderem: Benutzerverwaltung Gruppenverwaltung Rollen- und Rechtevergabe Lizenzverwaltung Onboarding und Offboarding MFA und SSO Integration verschiedener Systeme API-Zugänge Überwachung von Audit-Logs Support Dokumentation Datenschutz und Sicherheit Kontrolle von Schatten-IT Systematische Fehlersuche Wenn ein Benutzer keinen Zugriff auf ein SaaS-System besitzt: Ist das Benutzerkonto aktiv? Ist die richtige Lizenz zugewiesen? Ist der Benutzer in der richtigen Gruppe? Besitzt die Rolle ausreichende Rechte? Funktioniert die zentrale Anmeldung? Ist MFA korrekt eingerichtet? Wurde das Passwort oder Token geändert? Ist nur ein Benutzer oder das gesamte System betroffen? Gibt es eine bekannte Störung beim Anbieter? Welche Meldung steht im Audit-Log? Wichtige Begriffe Begriff Bedeutung SaaS online bereitgestellte Software CRM Verwaltung von Kundenbeziehungen Kollaboration digitale Zusammenarbeit Benutzerkonto persönliche Identität in einem System Gruppe Zusammenfassung mehrerer Benutzer Rolle Bündel bestimmter Berechtigungen RBAC rollenbasierte Zugriffskontrolle Least Privilege nur notwendige Rechte vergeben Lizenz Nutzungsberechtigung für eine Software Onboarding technische Einrichtung eines Mitarbeiters Offboarding Entzug und Sicherung von Zugängen MFA Anmeldung mit mehreren Faktoren SSO zentrale Anmeldung für mehrere Systeme Audit-Log Protokoll sicherheitsrelevanter Aktionen Schatten-IT nicht freigegebene Software oder Dienste Gesamtmerksatz SaaS beschreibt die Bereitstellung einer Anwendung als Onlinedienst. CRM-Systeme verwalten Kunden, Projektmanagement-Systeme organisieren Aufgaben und Kollaborationssysteme unterstützen die Zusammenarbeit. Die interne IT bleibt für Benutzer, Rollen, Lizenzen, Sicherheit und Integrationen verantwortlich. Kontrollfragen Was bedeutet SaaS? Software as a Service. Die Software wird als Onlinedienst bereitgestellt. Was ist die Hauptaufgabe eines CRM-Systems? Die Verwaltung von Kunden, Interessenten und Vertriebsprozessen. Was verwaltet ein Projektmanagement-System? Projekte, Aufgaben, Zuständigkeiten, Termine und Bearbeitungsstände. Was ist ein Kollaborationssystem? Eine Anwendung für Kommunikation und digitale Zusammenarbeit. Was bedeutet RBAC? Berechtigungen werden anhand einer Rolle vergeben. Was bedeutet Least Privilege? Benutzer und Anwendungen erhalten nur die tatsächlich benötigten Rechte. Was ist Onboarding? Die technische Einrichtung eines neuen Mitarbeiters. Was ist Offboarding? Das kontrollierte Entfernen von Zugängen und Berechtigungen beim Austritt. Warum sind Audit-Logs wichtig? Sie machen Änderungen, Zugriffe und sicherheitsrelevante Ereignisse nachvollziehbar. Was ist Schatten-IT? Software oder Dienste, die ohne Freigabe und Kontrolle der IT verwendet werden. Quellen NIST – The Definition of Cloud Computing NIST – Software as a Service Google Workspace Admin Help Slack Help Center Zoho CRM Help Asana Guide