Kapitel 9 – Betriebssysteme 9.1 Betriebssystem allgemein Definition Ein Betriebssystem ist die grundlegende Software eines Computersystems. Es verwaltet die Hardware und stellt Dienste für Anwendungsprogramme und Benutzer bereit. Aufgaben Ein Betriebssystem übernimmt unter anderem: Speicherverwaltung Prozessverwaltung Dateiverwaltung Geräteverwaltung Benutzerverwaltung Rechteverwaltung Bereitstellung der Benutzeroberfläche Beispiele Betriebssystem Typischer Einsatz Windows Arbeitsplatzrechner, Server Linux Server, Embedded Systeme, Clients macOS Apple-Computer Android Smartphones, Tablets iOS iPhone Unix Server, Workstations Abgrenzung Begriff Bedeutung Hardware physische Komponenten Betriebssystem verwaltet Hardware und Programme Anwendungssoftware Programme für Benutzeraufgaben Merksatz Das Betriebssystem ist die Schnittstelle zwischen Hardware, Anwendungsprogrammen und Benutzer. Prüfungshinweis In IHK-Aufgaben wird häufig nach den Aufgaben eines Betriebssystems gefragt. Typische Fehler: Betriebssystem mit Anwendungssoftware verwechseln. Treiber und Betriebssystem gleichsetzen. Hardwareverwaltung als Aufgabe des Betriebssystems vergessen. Quellen IT-Handbuch für Fachinformatiker 9.2 Aktuelle Betriebssysteme Definition Aktuelle Betriebssysteme sind Betriebssysteme, die heute auf Clients, Servern, mobilen Geräten und eingebetteten Systemen eingesetzt werden. Client-Betriebssysteme Betriebssystem Typischer Einsatz Windows Arbeitsplatzrechner, Notebooks macOS Apple-Computer Linux Arbeitsplatzrechner, Entwicklung, Administration Server-Betriebssysteme Betriebssystem Typischer Einsatz Windows Server Domänen, Datei- und Druckdienste, Unternehmensnetzwerke Linux Server Webserver, Datenbanken, Container, Netzwerkdienste Unix Server, Workstations, Spezialumgebungen Mobile Betriebssysteme Betriebssystem Typischer Einsatz Android Smartphones, Tablets iOS iPhone iPadOS iPad Embedded-Betriebssysteme Embedded-Betriebssysteme werden in Geräten eingesetzt, die für spezielle Aufgaben entwickelt wurden. Beispiele: Router Switches Smart-TVs Industrieanlagen Kassensysteme IoT-Geräte Open Source und proprietär Begriff Bedeutung Open Source Quellcode ist öffentlich einsehbar Proprietär Quellcode ist nicht frei verfügbar Merksatz Betriebssysteme unterscheiden sich nach Einsatzzweck: Client , Server , mobil oder embedded . Prüfungshinweis In IHK-Aufgaben wird häufig nach dem passenden Betriebssystem für einen bestimmten Einsatzzweck gefragt. Typische Fehler: Client- und Server-Betriebssysteme verwechseln. Android und iOS als Desktop-Betriebssysteme einordnen. Linux nur als Client-System betrachten. Embedded-Systeme mit normalen Desktop-PCs gleichsetzen. Quellen IT-Handbuch für Fachinformatiker 9.3 Startvorgang Definition Der Startvorgang beschreibt die Schritte, die ein Computersystem vom Einschalten bis zum Laden des Betriebssystems durchläuft. Ablauf Schritt Bedeutung Einschalten Stromversorgung wird aktiviert POST grundlegende Hardwareprüfung BIOS/UEFI Firmware initialisiert die Hardware Bootreihenfolge Startlaufwerk wird ausgewählt Bootloader lädt das Betriebssystem Kernelstart Betriebssystemkern wird gestartet Anmeldung Benutzer kann sich anmelden POST POST steht für Power-On Self Test . Dabei prüft das System grundlegende Hardwarekomponenten. Beispiele: CPU RAM Grafikkarte Tastatur Laufwerke Bootloader Der Bootloader lädt das Betriebssystem oder den Betriebssystemkern. Beispiele: Windows Boot Manager GRUB Bootreihenfolge Die Bootreihenfolge legt fest, von welchem Medium gestartet wird. Beispiele: SSD HDD USB-Stick Netzwerkboot Merksatz Beim Startvorgang prüft die Firmware die Hardware und startet anschließend den Bootloader. Prüfungshinweis In IHK-Aufgaben wird häufig zwischen BIOS/UEFI , POST , Bootloader und Betriebssystem unterschieden. Typische Fehler: BIOS/UEFI mit Betriebssystem verwechseln. POST als vollständigen Betriebssystemstart ansehen. Bootloader und Kernel verwechseln. falsche Bootreihenfolge nicht als Fehlerursache erkennen. Quellen IT-Handbuch für Fachinformatiker 9.4 Installation Definition Die Installation bezeichnet das Einrichten eines Betriebssystems oder einer Software auf einem Computersystem. Betriebssysteminstallation Bei einer Betriebssysteminstallation wird das Betriebssystem auf einem Datenträger eingerichtet und startfähig gemacht. Typische Schritte Schritt Bedeutung Installationsmedium starten z. B. USB-Stick, DVD, Netzwerkboot Sprache und Region auswählen Grundeinstellungen festlegen Datenträger auswählen Zielmedium bestimmen Partitionierung Speicherbereiche einteilen Dateisystem festlegen z. B. NTFS, ext4, APFS Dateien kopieren Betriebssystemdateien werden übertragen Neustart System wird neu gestartet Einrichtung Benutzer, Netzwerk und Updates konfigurieren Installationsarten Installationsart Bedeutung Neuinstallation System wird vollständig neu eingerichtet Upgrade vorhandenes System wird auf eine neue Version aktualisiert Reparaturinstallation beschädigtes System wird repariert Netzwerkinstallation Installation über das Netzwerk unbeaufsichtigte Installation automatisierte Installation ohne Benutzereingriff Wichtige Vorbereitungen Systemanforderungen prüfen Datensicherung erstellen Treiber bereithalten Lizenz prüfen Bootmedium vorbereiten Netzwerkzugang planen Merksatz Vor jeder Installation sollten Systemanforderungen, Datensicherung, Lizenz und Treiber geprüft werden. Prüfungshinweis In IHK-Aufgaben wird häufig nach Installationsarten, Partitionierung, Dateisystemen und Vorbereitungsschritten gefragt. Typische Fehler: Installation ohne Backup durchführen. Upgrade und Neuinstallation verwechseln. Dateisystem und Partition verwechseln. fehlende Treiber nicht als Fehlerursache erkennen. Quellen IT-Handbuch für Fachinformatiker