Kapitel 1 – Berufsbildung, Arbeitsrecht und Tarifrecht
- Seite 1.1 – Duales Ausbildungssystem
- Seite 1.2 – Ausbildungsvertrag
- Seite 1.3 – Rechte und Pflichten in der Ausbildung
- Seite 1.4 – Probezeit, Kündigung und Beendigung der Ausbildung
- Seite 1.5 – Arbeitsvertrag und Arbeitnehmerpflichten
- Seite 1.6 – Arbeitszeit, Urlaub, Krankheit und Entgeltfortzahlung
- Seite 1.7 – Tarifvertrag, Tarifautonomie und Arbeitskampf
- Seite 1.8 – Betriebsrat, JAV und Mitbestimmung
- Seite 1.9 – Sozialversicherung
- Seite 1.10 – Entgeltabrechnung: Brutto, Netto, Lohnsteuer und Sozialabgaben
- Seite 1.11 – Fortbildung, Umschulung und lebenslanges Lernen
- Kompakte Wiederholung zu Kapitel 1
- Prüfungsfragen zu Kapitel 1
Seite 1.1 – Duales Ausbildungssystem
Prüfungsziel
Du sollst erklären können, wie die duale Berufsausbildung aufgebaut ist und welche Aufgaben Betrieb, Berufsschule und IHK dabei haben.
Grundidee
Die duale Ausbildung heißt „dual“, weil sie an zwei Lernorten stattfindet:
| Lernort | Aufgabe |
|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | praktische Ausbildung im echten Arbeitsumfeld |
| Berufsschule | theoretische und allgemeine berufliche Bildung |
Beteiligte im dualen System
| Beteiligter | Aufgabe |
|---|---|
| Auszubildender | lernt den Beruf und erfüllt seine Pflichten |
| Ausbildungsbetrieb | bildet praktisch aus und zahlt Ausbildungsvergütung |
| Ausbilder | vermittelt berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten |
| Berufsschule | vermittelt Theorie, WISO und berufliche Grundlagen |
| IHK | überwacht Ausbildung, prüft Verträge und organisiert Prüfungen |
| Prüfungsausschuss | bewertet Prüfungsleistungen |
Warum ist das duale System wichtig?
Der Vorteil ist, dass Theorie und Praxis kombiniert werden.
Beispiel:
In der Berufsschule lernst du, was ein DHCP-Server macht.
Im Betrieb richtest du vielleicht wirklich einen DHCP-Server ein oder prüfst Netzwerkprobleme.
Typische Prüfungsfrage
Was ist ein Vorteil der dualen Ausbildung?
Antwort
Ein Vorteil ist, dass Auszubildende praktische Berufserfahrung im Betrieb sammeln und gleichzeitig theoretisches Wissen in der Berufsschule erwerben.
Merksatz
Duale Ausbildung bedeutet: Betrieb + Berufsschule + IHK-Prüfung.
Seite 1.2 – Ausbildungsvertrag
Prüfungsziel
Du sollst die wichtigsten Inhalte eines Ausbildungsvertrages kennen und erklären können.
Was ist der Ausbildungsvertrag?
Der Ausbildungsvertrag ist die rechtliche Grundlage der Ausbildung. Er wird zwischen dem Ausbildungsbetrieb und dem Auszubildenden geschlossen.
Bei minderjährigen Auszubildenden unterschreiben zusätzlich die gesetzlichen Vertreter, also meistens die Eltern.
Wichtige Inhalte des Ausbildungsvertrags
| Inhalt | Bedeutung |
|---|---|
| Vertragspartner | Auszubildender und Ausbildungsbetrieb |
| Ausbildungsberuf | z. B. Fachinformatiker Systemintegration |
| Beginn und Dauer | Startdatum und reguläre Ausbildungsdauer |
| Probezeit | Zeitraum zum gegenseitigen Kennenlernen |
| tägliche Ausbildungszeit | wie viele Stunden täglich gearbeitet wird |
| Ausbildungsvergütung | monatliche Vergütung |
| Urlaub | jährlicher Urlaubsanspruch |
| sachliche und zeitliche Gliederung | was wann gelernt werden soll |
| Kündigungsbedingungen | Regeln zur Beendigung |
| Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte | z. B. Schulungen oder externe Lehrgänge |
| Hinweis auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen | falls anwendbar |
Probezeit
Die Probezeit in der Berufsausbildung muss mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate dauern.
Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Kündigungsfrist gekündigt werden.
Nach der Probezeit
Nach der Probezeit ist eine Kündigung schwieriger.
Der Ausbildungsbetrieb kann nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.
Der Auszubildende kann mit einer Frist von 4 Wochen kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für einen anderen Beruf ausbilden lassen möchte.
Typische Prüfungsfrage
Welche Angaben müssen im Ausbildungsvertrag stehen?
Antwort
Zum Beispiel Ausbildungsberuf, Beginn und Dauer der Ausbildung, Probezeit, tägliche Ausbildungszeit, Ausbildungsvergütung, Urlaub, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Kündigungsbedingungen.
Merksatz
Der Ausbildungsvertrag regelt: Wer bildet wen, worin, wie lange, unter welchen Bedingungen aus?
Seite 1.3 – Rechte und Pflichten in der Ausbildung
Prüfungsziel
Du sollst die Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildenden unterscheiden können.
Pflichten des Auszubildenden
| Pflicht | Bedeutung |
|---|---|
| Lernpflicht | du musst dich bemühen, den Beruf zu lernen |
| Sorgfaltspflicht | Aufgaben sorgfältig ausführen |
| Berufsschulpflicht | am Berufsschulunterricht teilnehmen |
| Weisungen beachten | berechtigte Anweisungen befolgen |
| Berichtsheft führen | Ausbildungsnachweis regelmäßig schreiben |
| Betriebsordnung beachten | Regeln im Betrieb einhalten |
| Schweigepflicht | Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht weitergeben |
| pfleglicher Umgang | Werkzeuge, Geräte und Systeme sorgfältig behandeln |
Pflichten des Ausbildungsbetriebs
| Pflicht | Bedeutung |
|---|---|
| Ausbildungspflicht | Betrieb muss die beruflichen Inhalte vermitteln |
| Ausbilder stellen | geeignete Person muss ausbilden |
| Vergütung zahlen | Ausbildungsvergütung muss gezahlt werden |
| Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen | z. B. notwendige Werkzeuge oder Materialien |
| Berufsschule ermöglichen | Freistellung für Berufsschule |
| charakterliche Förderung | keine ausbildungsfremden oder unangemessenen Aufgaben |
| Berichtsheft kontrollieren | Ausbildungsnachweis prüfen |
| Prüfungsteilnahme ermöglichen | Freistellung für Prüfungen |
Wichtig
Auszubildende dürfen nicht dauerhaft für Tätigkeiten eingesetzt werden, die nichts mit dem Ausbildungsziel zu tun haben.
Beispiel:
Einmal Kaffee für ein Meeting holen ist nicht automatisch problematisch.
Aber dauerhaft nur Botengänge, Lagerarbeit oder Putzen statt Fachinformatiker-Aufgaben wäre nicht ausbildungsgerecht.
Typische Prüfungsfrage
Der Auszubildende wird dauerhaft nur für einfache Hilfsarbeiten eingesetzt. Welche Pflicht verletzt der Betrieb?
Antwort
Der Betrieb verletzt seine Ausbildungspflicht, weil er die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln muss.
Merksatz
Der Azubi muss lernen wollen.
Der Betrieb muss Ausbildung ermöglichen.
Seite 1.4 – Probezeit, Kündigung und Beendigung der Ausbildung
Prüfungsziel
Du sollst wissen, wann und wie ein Ausbildungsverhältnis endet oder gekündigt werden kann.
Probezeit
Die Probezeit dient dazu, dass beide Seiten prüfen können, ob die Ausbildung passt.
| Punkt | Regel |
|---|---|
| Mindestdauer | 1 Monat |
| Höchstdauer | 4 Monate |
| Kündigung in der Probezeit | jederzeit ohne Kündigungsfrist möglich |
Kündigung während der Probezeit
Während der Probezeit können beide Seiten ohne Angabe eines Grundes kündigen.
Kündigung nach der Probezeit
Nach der Probezeit gelten strengere Regeln.
| Wer kündigt? | Möglichkeit |
|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | fristlos nur aus wichtigem Grund |
| Auszubildender | mit 4 Wochen Frist, wenn er die Ausbildung aufgeben oder den Beruf wechseln will |
| beide gemeinsam | Aufhebungsvertrag möglich |
Wichtiger Grund
Ein wichtiger Grund kann zum Beispiel schweres Fehlverhalten sein.
Beispiele:
- Diebstahl
- schwere Beleidigung
- wiederholtes unentschuldigtes Fehlen
- grobe Pflichtverletzung
Beendigung ohne Kündigung
Die Ausbildung endet normalerweise:
- mit Ablauf der Ausbildungsdauer
- oder mit Bestehen der Abschlussprüfung
Wenn die Abschlussprüfung vor Ende der Ausbildungszeit bestanden wird, endet das Ausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses.
Nicht bestandene Prüfung
Wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wird, kann der Auszubildende verlangen, dass die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert wird. Die Verlängerung ist begrenzt.
Typische Prüfungsfrage
Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ordentlich ohne wichtigen Grund kündigen?
Antwort
Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.
Merksatz
In der Probezeit: leicht kündbar.
Nach der Probezeit: Betrieb nur mit wichtigem Grund.
Seite 1.5 – Arbeitsvertrag und Arbeitnehmerpflichten
Prüfungsziel
Du sollst die Grundpflichten aus einem Arbeitsvertrag kennen und zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberpflichten unterscheiden können.
Was ist ein Arbeitsvertrag?
Ein Arbeitsvertrag ist ein Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Der Arbeitnehmer verpflichtet sich zur Arbeitsleistung.
Der Arbeitgeber verpflichtet sich zur Zahlung der Vergütung.
Typische Inhalte eines Arbeitsvertrags
| Inhalt | Bedeutung |
|---|---|
| Vertragsparteien | Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Beginn des Arbeitsverhältnisses | Startdatum |
| Arbeitsort | wo gearbeitet wird |
| Tätigkeit | Aufgabenbereich |
| Arbeitszeit | Wochenarbeitszeit |
| Vergütung | Lohn oder Gehalt |
| Urlaub | Urlaubsanspruch |
| Kündigungsfristen | Fristen zur Beendigung |
| Probezeit | falls vereinbart |
| Hinweise auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen | falls anwendbar |
Pflichten des Arbeitnehmers
| Pflicht | Bedeutung |
|---|---|
| Arbeitspflicht | vereinbarte Arbeit leisten |
| Sorgfaltspflicht | sorgfältig arbeiten |
| Treuepflicht | Interessen des Arbeitgebers beachten |
| Verschwiegenheitspflicht | Geschäftsgeheimnisse schützen |
| Krankmeldung | rechtzeitig arbeitsunfähig melden |
| Wettbewerbsverbot | nicht gegen den eigenen Arbeitgeber arbeiten |
| Weisungen beachten | berechtigte Anweisungen befolgen |
Pflichten des Arbeitgebers
| Pflicht | Bedeutung |
|---|---|
| Vergütungspflicht | Lohn/Gehalt zahlen |
| Fürsorgepflicht | Gesundheit und Persönlichkeit schützen |
| Beschäftigungspflicht | Arbeitnehmer vertragsgemäß beschäftigen |
| Gleichbehandlung | keine unzulässige Benachteiligung |
| Arbeitsschutz | sichere Arbeitsbedingungen schaffen |
| Urlaubsgewährung | gesetzlichen oder vertraglichen Urlaub ermöglichen |
Direktionsrecht
Der Arbeitgeber darf Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit näher bestimmen, soweit Arbeitsvertrag, Gesetz, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nichts anderes festlegen.
Beispiel:
Der Arbeitgeber darf festlegen, welche Serviceanfragen zuerst bearbeitet werden.
Er darf aber nicht einfach Aufgaben verlangen, die völlig außerhalb des vereinbarten Tätigkeitsbereichs liegen.
Typische Prüfungsfrage
Was bedeutet Treuepflicht des Arbeitnehmers?
Antwort
Der Arbeitnehmer muss auf berechtigte Interessen des Arbeitgebers Rücksicht nehmen, zum Beispiel Betriebsgeheimnisse wahren und dem Arbeitgeber keinen Schaden zufügen.
Merksatz
Arbeitnehmer: arbeiten und Rücksicht nehmen.
Arbeitgeber: bezahlen und schützen.
Seite 1.6 – Arbeitszeit, Urlaub, Krankheit und Entgeltfortzahlung
Prüfungsziel
Du sollst grundlegende Regeln zu Arbeitszeit, Pausen, Urlaub und Krankheit kennen.
Arbeitszeit nach Arbeitszeitgesetz
Für erwachsene Arbeitnehmer gilt grundsätzlich:
| Regel | Bedeutung |
|---|---|
| regelmäßige Höchstarbeitszeit | 8 Stunden pro Werktag |
| Verlängerung möglich | bis 10 Stunden, wenn Ausgleich erfolgt |
| Ruhezeit | grundsätzlich 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen |
Pausen
| Arbeitszeit | Pause |
|---|---|
| mehr als 6 bis 9 Stunden | mindestens 30 Minuten |
| mehr als 9 Stunden | mindestens 45 Minuten |
Die Pause kann in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden.
Urlaub
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage.
Bei einer normalen 5-Tage-Woche entspricht das rechnerisch mindestens 20 Arbeitstagen.
Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung können mehr Urlaub vorsehen.
Krankheit
Wenn du krank bist, musst du:
- dem Arbeitgeber unverzüglich Bescheid sagen
- die voraussichtliche Dauer mitteilen
- die Regelungen zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beachten
Entgeltfortzahlung
Bei Krankheit besteht grundsätzlich Anspruch auf Entgeltfortzahlung bis zu 6 Wochen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Berufsschule und Prüfung
Auszubildende müssen für Berufsschule und Prüfungen freigestellt werden.
Typische Prüfungsfrage
Ein Arbeitnehmer arbeitet 8,5 Stunden. Wie viel Pause muss mindestens eingeplant werden?
Antwort
Mindestens 30 Minuten Pause, weil die Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt.
Merksatz
Mehr als 6 Stunden Arbeit: Pause ist Pflicht.
Krankheit: sofort melden.
Seite 1.7 – Tarifvertrag, Tarifautonomie und Arbeitskampf
Prüfungsziel
Du sollst erklären können, was Tarifverträge sind, wer sie abschließt und was bei einem Tarifkonflikt passiert.
Was ist ein Tarifvertrag?
Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden oder einzelnen Arbeitgebern.
Er regelt Arbeitsbedingungen.
Typische Inhalte eines Tarifvertrags
| Inhalt | Beispiel |
|---|---|
| Lohn und Gehalt | Gehaltstabellen |
| Arbeitszeit | Wochenarbeitszeit |
| Urlaub | Urlaubstage |
| Zuschläge | Nacht-, Sonn- oder Feiertagszuschläge |
| Ausbildungsvergütung | Vergütung nach Ausbildungsjahr |
| Kündigungsfristen | tarifliche Fristen |
Tarifvertragsparteien
| Seite | Organisation |
|---|---|
| Arbeitnehmerseite | Gewerkschaft |
| Arbeitgeberseite | Arbeitgeberverband oder einzelner Arbeitgeber |
Tarifautonomie
Tarifautonomie bedeutet:
Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände dürfen Tarifverträge selbstständig aushandeln, ohne dass der Staat den Inhalt direkt vorgibt.
Tarifbindung
Tarifbindung bedeutet, dass ein Tarifvertrag für die beteiligten Parteien verbindlich gilt.
Typischer Fall:
- Arbeitnehmer ist Mitglied der Gewerkschaft
- Arbeitgeber ist Mitglied im Arbeitgeberverband
- beide Seiten sind tarifgebunden
Tarifkonflikt
Wenn sich Gewerkschaft und Arbeitgeberseite nicht einigen, kann es zum Tarifkonflikt kommen.
Ablauf vereinfacht
| Schritt | Bedeutung |
|---|---|
| Forderung | Gewerkschaft fordert z. B. mehr Lohn |
| Verhandlung | beide Seiten verhandeln |
| Scheitern | keine Einigung |
| Schlichtung | neutraler Vermittlungsversuch |
| Arbeitskampf | z. B. Streik oder Aussperrung |
| Einigung | neuer Tarifvertrag |
Streik
Ein Streik ist eine gemeinsame Arbeitsniederlegung durch Arbeitnehmer, um tarifliche Forderungen durchzusetzen.
Aussperrung
Eine Aussperrung ist eine Maßnahme der Arbeitgeberseite, bei der Arbeitnehmer vorübergehend nicht beschäftigt werden.
Typische Prüfungsfrage
Was bedeutet Tarifautonomie?
Antwort
Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Arbeitsbedingungen eigenständig durch Tarifverträge regeln können.
Merksatz
Tarifvertrag = kollektiv ausgehandelte Arbeitsbedingungen.
Seite 1.8 – Betriebsrat, JAV und Mitbestimmung
Prüfungsziel
Du sollst wissen, welche Aufgaben Betriebsrat und JAV haben und was Mitbestimmung bedeutet.
Betriebsrat
Der Betriebsrat ist die Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Betrieb.
Er wird von den Arbeitnehmern gewählt.
Aufgaben des Betriebsrats
| Aufgabe | Beispiel |
|---|---|
| Interessen vertreten | Anliegen der Beschäftigten gegenüber Arbeitgeber vertreten |
| Überwachung | Einhaltung von Gesetzen, Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen überwachen |
| Mitbestimmung | bei bestimmten betrieblichen Fragen mitentscheiden |
| Beratung | Arbeitnehmer unterstützen |
| Förderung | Gleichstellung, Arbeitsschutz und Integration fördern |
Mitbestimmung
Mitbestimmung bedeutet, dass der Arbeitgeber bestimmte Entscheidungen nicht allein treffen darf.
Beispiele für Mitbestimmung können sein:
- Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit
- Pausenregelungen
- Urlaubsgrundsätze
- technische Einrichtungen zur Überwachung
- Ordnung im Betrieb
Betriebsvereinbarung
Eine Betriebsvereinbarung ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.
Beispiele:
- Arbeitszeitmodell
- Homeoffice-Regelung
- private Internetnutzung
- Verhalten bei Krankmeldung
JAV
JAV bedeutet Jugend- und Auszubildendenvertretung.
Sie vertritt:
- Jugendliche Arbeitnehmer
- Auszubildende
- junge Beschäftigte im Betrieb
Eine JAV gibt es nur, wenn es im Betrieb einen Betriebsrat gibt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Aufgaben der JAV
| Aufgabe | Beispiel |
|---|---|
| Interessen vertreten | Anliegen von Azubis einbringen |
| Überwachung | Einhaltung von Ausbildungsgesetzen prüfen |
| Beratung | Azubis bei Problemen unterstützen |
| Zusammenarbeit | mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten |
Typische Prüfungsfrage
Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV?
Antwort
Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell die Interessen der Jugendlichen und Auszubildenden und arbeitet mit dem Betriebsrat zusammen.
Merksatz
Betriebsrat = Interessenvertretung der Beschäftigten.
JAV = Interessenvertretung der Azubis und Jugendlichen.
Seite 1.9 – Sozialversicherung
Prüfungsziel
Du sollst die fünf Zweige der Sozialversicherung kennen und ihre Funktion erklären können.
Grundidee
Die Sozialversicherung schützt Arbeitnehmer gegen wichtige Lebensrisiken.
Sie funktioniert überwiegend nach dem Solidaritätsprinzip:
Viele zahlen Beiträge ein, damit diejenigen abgesichert sind, die Hilfe brauchen.
Die fünf Zweige der Sozialversicherung
| Versicherung | Risiko |
|---|---|
| Krankenversicherung | Krankheit |
| Pflegeversicherung | Pflegebedürftigkeit |
| Rentenversicherung | Alter, Erwerbsminderung, Hinterbliebene |
| Arbeitslosenversicherung | Arbeitslosigkeit |
| Unfallversicherung | Arbeitsunfall und Berufskrankheit |
Wer zahlt die Beiträge?
| Versicherung | Beitragszahlung |
|---|---|
| Krankenversicherung | Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Pflegeversicherung | Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Rentenversicherung | Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Arbeitslosenversicherung | Arbeitnehmer und Arbeitgeber |
| Unfallversicherung | Arbeitgeber |
Krankenversicherung
Sie übernimmt zum Beispiel Kosten für:
- Arztbesuche
- Krankenhaus
- Medikamente
- Krankengeld unter bestimmten Voraussetzungen
Pflegeversicherung
Sie unterstützt bei Pflegebedürftigkeit.
Beispiele:
- Pflegegeld
- Pflegesachleistungen
- stationäre Pflege
Rentenversicherung
Sie sichert vor allem ab bei:
- Alter
- Erwerbsminderung
- Tod eines Versicherten für Hinterbliebene
Arbeitslosenversicherung
Sie unterstützt bei Arbeitslosigkeit, zum Beispiel durch:
- Arbeitslosengeld
- Beratung
- Vermittlung
- Förderung beruflicher Weiterbildung
Unfallversicherung
Sie greift bei:
- Arbeitsunfällen
- Wegeunfällen
- Berufskrankheiten
Die gesetzliche Unfallversicherung wird vom Arbeitgeber finanziert.
Typische Prüfungsfrage
Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein?
Antwort
Die gesetzliche Unfallversicherung.
Merksatz
Fünf Säulen: Kranken, Pflege, Rente, Arbeitslosigkeit, Unfall.
Seite 1.10 – Entgeltabrechnung: Brutto, Netto, Lohnsteuer und Sozialabgaben
Prüfungsziel
Du sollst eine einfache Entgeltabrechnung verstehen und Brutto, Netto, Steuern und Sozialabgaben unterscheiden können.
Brutto und Netto
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Bruttoentgelt | Verdienst vor Abzügen |
| Nettoentgelt | Betrag, der nach Abzügen ausgezahlt wird |
Einfache Formel
Bruttoentgelt
minus Lohnsteuer
minus eventuell Kirchensteuer
minus Sozialversicherungsbeiträge
minus weitere Abzüge
= Nettoentgelt
Typische Abzüge
| Abzug | Bedeutung |
|---|---|
| Lohnsteuer | Vorauszahlung auf Einkommensteuer |
| Kirchensteuer | nur bei Kirchenmitgliedschaft |
| Sozialversicherung | Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung |
| vermögenswirksame Leistungen | freiwillige oder vereinbarte Sparleistung |
Sozialabgaben
Zu den Sozialabgaben gehören Arbeitnehmeranteile zu:
- Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- Rentenversicherung
- Arbeitslosenversicherung
Die Unfallversicherung taucht normalerweise nicht als Arbeitnehmerabzug auf, weil sie vom Arbeitgeber getragen wird.
Arbeitgeberbrutto
Das Arbeitgeberbrutto ist höher als das Bruttoentgelt des Arbeitnehmers.
Grund:
Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich zum Bruttogehalt noch Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung.
Beispiel
Ein Arbeitnehmer hat 2.500 € brutto.
Davon werden Lohnsteuer und Sozialabgaben abgezogen.
Der ausgezahlte Betrag ist das Nettoentgelt.
Der Arbeitgeber hat zusätzlich eigene Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Seine tatsächlichen Personalkosten liegen daher über 2.500 €.
Vermögenswirksame Leistungen
Vermögenswirksame Leistungen sind Geldleistungen, die zum Vermögensaufbau genutzt werden können.
Beispiele:
- Bausparvertrag
- Fondssparplan
- Banksparplan
Typische Prüfungsfrage
Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto?
Antwort
Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird.
Merksatz
Brutto ist vor Abzug. Netto ist nach Abzug.
Seite 1.11 – Fortbildung, Umschulung und lebenslanges Lernen
Prüfungsziel
Du sollst erklären können, warum lebenslanges Lernen im Beruf wichtig ist und welche Formen beruflicher Weiterbildung es gibt.
Warum ist lebenslanges Lernen wichtig?
In IT-Berufen ändern sich Technologien sehr schnell.
Beispiele:
- neue Betriebssysteme
- neue Cloud-Dienste
- neue Sicherheitsrisiken
- neue Netzwerkstandards
- Automatisierung
- KI-gestützte Werkzeuge
Deshalb reicht es nicht, nur in der Ausbildung zu lernen.
Formen beruflicher Weiterbildung
| Form | Bedeutung |
|---|---|
| innerbetriebliche Fortbildung | Schulung im eigenen Betrieb |
| externe Weiterbildung | Kurs bei externem Anbieter |
| Anpassungsfortbildung | Wissen wird an neue Anforderungen angepasst |
| Aufstiegsfortbildung | Vorbereitung auf höhere Positionen |
| Umschulung | Wechsel in einen anderen Beruf |
| Selbststudium | eigenständiges Lernen mit Büchern, Videos, Kursen oder Laboren |
Fortbildung
Eine Fortbildung baut auf einem bestehenden Beruf auf.
Beispiele:
- IT-Sicherheitskurs
- Netzwerkschulung
- Linux-Administration
- Projektmanagement
- Ausbildereignung
- IHK-Fortbildungen
Umschulung
Eine Umschulung führt zu einem neuen Beruf.
Beispiel:
Eine Person war vorher in einem kaufmännischen Beruf und schult zum Fachinformatiker um.
Staatliche Fördermaßnahmen
Je nach Situation können Weiterbildungen gefördert werden.
Beispiele:
- Förderung durch Agentur für Arbeit
- Bildungsgutschein
- Aufstiegs-BAföG
- betriebliche Förderung
Lerntechniken
Der Prüfungskatalog nennt verschiedene Lernarten.
| Lerntechnik | Beispiel |
|---|---|
| visuelles Lernen | Mindmaps, Schaubilder, Lernposter |
| auditives Lernen | Inhalte anhören, Erklärungen aufnehmen |
| kommunikatives Lernen | Lerngruppe, Diskussion, Frage-Antwort-Spiele |
| motorisches Lernen | Learning by Doing, praktische Übungen |
Arbeitstechniken
Wichtige Arbeitstechniken sind:
- Zeitmanagement
- Arbeitsplanung
- Projektplanung
- Präsentationstechniken
- Moderationstechniken
- Fachinformationen beschaffen
- Fachinformationen auswerten
- digitale Lernmedien sinnvoll nutzen
Digitale Lernmedien
Beispiele:
- Internet
- Lernplattformen
- Apps
- Videos
- Foren
- Netzwerke
- Computer Based Training
- Web Based Training
- mobile Endgeräte
Typische Prüfungsfrage
Warum ist lebenslanges Lernen für Fachinformatiker besonders wichtig?
Antwort
Weil sich IT-Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren, um beruflich handlungsfähig zu bleiben.
Merksatz
In der IT ist Lernen kein Abschnitt, sondern Daueraufgabe.
Kompakte Wiederholung zu Kapitel 1
1. Duales System
- Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt.
- Die IHK überwacht die Ausbildung und organisiert Prüfungen.
- Vorteil: Praxis und Theorie werden verbunden.
2. Ausbildungsvertrag
Muss unter anderem regeln:
- Vertragspartner
- Ausbildungsberuf
- Beginn und Dauer
- Probezeit
- Ausbildungszeit
- Vergütung
- Urlaub
- Kündigungsbedingungen
- sachliche und zeitliche Gliederung
3. Rechte und Pflichten
Azubi:
- lernen
- sorgfältig arbeiten
- Berufsschule besuchen
- Berichtsheft führen
- Weisungen beachten
- Betriebsgeheimnisse wahren
Betrieb:
- ausbilden
- Vergütung zahlen
- Ausbildungsmittel bereitstellen
- für Berufsschule und Prüfung freistellen
- Berichtsheft kontrollieren
4. Probezeit und Kündigung
- Probezeit mindestens 1 Monat, höchstens 4 Monate
- während der Probezeit jederzeit kündbar
- nach der Probezeit Betrieb nur fristlos aus wichtigem Grund
- Azubi mit 4 Wochen Frist bei Aufgabe oder Wechsel der Ausbildung
5. Arbeitsvertrag
Arbeitnehmer:
- Arbeitsleistung
- Sorgfalt
- Treuepflicht
- Verschwiegenheit
Arbeitgeber:
- Vergütung
- Fürsorge
- Arbeitsschutz
- Urlaub
6. Arbeitszeit und Krankheit
- Erwachsene grundsätzlich 8 Stunden pro Werktag
- Verlängerung bis 10 Stunden nur mit Ausgleich
- mehr als 6 Stunden Arbeit = mindestens 30 Minuten Pause
- Krankheit sofort melden
- Entgeltfortzahlung grundsätzlich bis zu 6 Wochen
7. Tarifrecht
- Tarifvertrag regelt Arbeitsbedingungen
- Gewerkschaft vertritt Arbeitnehmer
- Arbeitgeberverband vertritt Arbeitgeber
- Tarifautonomie = Tarifparteien regeln Arbeitsbedingungen selbst
- Arbeitskampf = Streik oder Aussperrung
8. Betriebsrat und JAV
- Betriebsrat vertritt Arbeitnehmer
- JAV vertritt Jugendliche und Auszubildende
- Betriebsvereinbarung = Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat
9. Sozialversicherung
Fünf Säulen:
- Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- Rentenversicherung
- Arbeitslosenversicherung
- Unfallversicherung
10. Entgeltabrechnung
- Brutto = vor Abzügen
- Netto = nach Abzügen
- Abzüge: Lohnsteuer, eventuell Kirchensteuer, Sozialabgaben
- Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber allein
11. Lebenslanges Lernen
Wichtig wegen:
- technischer Entwicklung
- Digitalisierung
- IT-Sicherheit
- neuen Arbeitsmethoden
- beruflicher Entwicklung
Prüfungsfragen zu Kapitel 1
1. Was bedeutet duale Ausbildung?
Antwort anzeigen
Duale Ausbildung bedeutet, dass die Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule.
2. Welche Aufgabe hat die IHK in der Ausbildung?
Antwort anzeigen
Die IHK prüft unter anderem Ausbildungsverträge, überwacht die Ausbildung und organisiert Zwischen- bzw. Abschlussprüfungen.
3. Wie lange dauert die Probezeit in der Berufsausbildung?
Antwort anzeigen
Die Probezeit dauert mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate.
4. Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ohne Grund kündigen?
Antwort anzeigen
Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.
5. Nenne drei Pflichten eines Auszubildenden.
Antwort anzeigen
Zum Beispiel Lernpflicht, Sorgfaltspflicht, Berufsschulpflicht, Berichtsheft führen, Weisungen beachten und Betriebsgeheimnisse wahren.
6. Nenne drei Pflichten des Ausbildungsbetriebs.
Antwort anzeigen
Zum Beispiel Ausbildungspflicht, Vergütung zahlen, Ausbildungsmittel bereitstellen, für Berufsschule und Prüfung freistellen und Berichtsheft kontrollieren.
7. Was ist Tarifautonomie?
Antwort anzeigen
Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Tarifverträge eigenständig aushandeln können.
8. Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV?
Antwort anzeigen
Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell Jugendliche und Auszubildende.
9. Welche fünf Zweige der Sozialversicherung gibt es?
Antwort anzeigen
Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung.
10. Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein?
Antwort anzeigen
Die gesetzliche Unfallversicherung.
11. Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto?
Antwort anzeigen
Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird.
12. Warum ist lebenslanges Lernen in IT-Berufen wichtig?
Antwort anzeigen
Weil sich Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren.