Kapitel 1 – Berufsbildung, Arbeitsrecht und Tarifrecht

Seite 1.1 – Duales Ausbildungssystem

Prüfungsziel

Du sollst erklären können, wie die duale Berufsausbildung aufgebaut ist und welche Aufgaben Betrieb, Berufsschule und IHK dabei haben.

Grundidee

Die duale Ausbildung heißt „dual“, weil sie an zwei Lernorten stattfindet:

Lernort Aufgabe
Ausbildungsbetrieb praktische Ausbildung im echten Arbeitsumfeld
Berufsschule theoretische und allgemeine berufliche Bildung

Beteiligte im dualen System

Beteiligter Aufgabe
Auszubildender lernt den Beruf und erfüllt seine Pflichten
Ausbildungsbetrieb bildet praktisch aus und zahlt Ausbildungsvergütung
Ausbilder vermittelt berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
Berufsschule vermittelt Theorie, WISO und berufliche Grundlagen
IHK überwacht Ausbildung, prüft Verträge und organisiert Prüfungen
Prüfungsausschuss bewertet Prüfungsleistungen

Warum ist das duale System wichtig?

Der Vorteil ist, dass Theorie und Praxis kombiniert werden.

Beispiel:

In der Berufsschule lernst du, was ein DHCP-Server macht.
Im Betrieb richtest du vielleicht wirklich einen DHCP-Server ein oder prüfst Netzwerkprobleme.

Typische Prüfungsfrage

Was ist ein Vorteil der dualen Ausbildung?

Antwort

Ein Vorteil ist, dass Auszubildende praktische Berufserfahrung im Betrieb sammeln und gleichzeitig theoretisches Wissen in der Berufsschule erwerben.

Merksatz

Duale Ausbildung bedeutet: Betrieb + Berufsschule + IHK-Prüfung.


Seite 1.2 – Ausbildungsvertrag

Prüfungsziel

Du sollst die wichtigsten Inhalte eines Ausbildungsvertrages kennen und erklären können.

Was ist der Ausbildungsvertrag?

Der Ausbildungsvertrag ist die rechtliche Grundlage der Ausbildung. Er wird zwischen dem Ausbildungsbetrieb und dem Auszubildenden geschlossen.

Bei minderjährigen Auszubildenden unterschreiben zusätzlich die gesetzlichen Vertreter, also meistens die Eltern.

Wichtige Inhalte des Ausbildungsvertrags

Inhalt Bedeutung
Vertragspartner Auszubildender und Ausbildungsbetrieb
Ausbildungsberuf z. B. Fachinformatiker Systemintegration
Beginn und Dauer Startdatum und reguläre Ausbildungsdauer
Probezeit Zeitraum zum gegenseitigen Kennenlernen
tägliche Ausbildungszeit wie viele Stunden täglich gearbeitet wird
Ausbildungsvergütung monatliche Vergütung
Urlaub jährlicher Urlaubsanspruch
sachliche und zeitliche Gliederung was wann gelernt werden soll
Kündigungsbedingungen Regeln zur Beendigung
Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte z. B. Schulungen oder externe Lehrgänge
Hinweis auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen falls anwendbar

Probezeit

Die Probezeit in der Berufsausbildung muss mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate dauern.

Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Kündigungsfrist gekündigt werden.

Nach der Probezeit

Nach der Probezeit ist eine Kündigung schwieriger.

Der Ausbildungsbetrieb kann nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.

Der Auszubildende kann mit einer Frist von 4 Wochen kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für einen anderen Beruf ausbilden lassen möchte.

Typische Prüfungsfrage

Welche Angaben müssen im Ausbildungsvertrag stehen?

Antwort

Zum Beispiel Ausbildungsberuf, Beginn und Dauer der Ausbildung, Probezeit, tägliche Ausbildungszeit, Ausbildungsvergütung, Urlaub, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Kündigungsbedingungen.

Merksatz

Der Ausbildungsvertrag regelt: Wer bildet wen, worin, wie lange, unter welchen Bedingungen aus?


Seite 1.3 – Rechte und Pflichten in der Ausbildung

Prüfungsziel

Du sollst die Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildenden unterscheiden können.

Pflichten des Auszubildenden

Pflicht Bedeutung
Lernpflicht du musst dich bemühen, den Beruf zu lernen
Sorgfaltspflicht Aufgaben sorgfältig ausführen
Berufsschulpflicht am Berufsschulunterricht teilnehmen
Weisungen beachten berechtigte Anweisungen befolgen
Berichtsheft führen Ausbildungsnachweis regelmäßig schreiben
Betriebsordnung beachten Regeln im Betrieb einhalten
Schweigepflicht Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht weitergeben
pfleglicher Umgang Werkzeuge, Geräte und Systeme sorgfältig behandeln

Pflichten des Ausbildungsbetriebs

Pflicht Bedeutung
Ausbildungspflicht Betrieb muss die beruflichen Inhalte vermitteln
Ausbilder stellen geeignete Person muss ausbilden
Vergütung zahlen Ausbildungsvergütung muss gezahlt werden
Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen z. B. notwendige Werkzeuge oder Materialien
Berufsschule ermöglichen Freistellung für Berufsschule
charakterliche Förderung keine ausbildungsfremden oder unangemessenen Aufgaben
Berichtsheft kontrollieren Ausbildungsnachweis prüfen
Prüfungsteilnahme ermöglichen Freistellung für Prüfungen

Wichtig

Auszubildende dürfen nicht dauerhaft für Tätigkeiten eingesetzt werden, die nichts mit dem Ausbildungsziel zu tun haben.

Beispiel:

Einmal Kaffee für ein Meeting holen ist nicht automatisch problematisch.
Aber dauerhaft nur Botengänge, Lagerarbeit oder Putzen statt Fachinformatiker-Aufgaben wäre nicht ausbildungsgerecht.

Typische Prüfungsfrage

Der Auszubildende wird dauerhaft nur für einfache Hilfsarbeiten eingesetzt. Welche Pflicht verletzt der Betrieb?

Antwort

Der Betrieb verletzt seine Ausbildungspflicht, weil er die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln muss.

Merksatz

Der Azubi muss lernen wollen.
Der Betrieb muss Ausbildung ermöglichen.


Seite 1.4 – Probezeit, Kündigung und Beendigung der Ausbildung

Prüfungsziel

Du sollst wissen, wann und wie ein Ausbildungsverhältnis endet oder gekündigt werden kann.

Probezeit

Die Probezeit dient dazu, dass beide Seiten prüfen können, ob die Ausbildung passt.

Punkt Regel
Mindestdauer 1 Monat
Höchstdauer 4 Monate
Kündigung in der Probezeit jederzeit ohne Kündigungsfrist möglich

Kündigung während der Probezeit

Während der Probezeit können beide Seiten ohne Angabe eines Grundes kündigen.

Kündigung nach der Probezeit

Nach der Probezeit gelten strengere Regeln.

Wer kündigt? Möglichkeit
Ausbildungsbetrieb fristlos nur aus wichtigem Grund
Auszubildender mit 4 Wochen Frist, wenn er die Ausbildung aufgeben oder den Beruf wechseln will
beide gemeinsam Aufhebungsvertrag möglich

Wichtiger Grund

Ein wichtiger Grund kann zum Beispiel schweres Fehlverhalten sein.

Beispiele:

Beendigung ohne Kündigung

Die Ausbildung endet normalerweise:

Wenn die Abschlussprüfung vor Ende der Ausbildungszeit bestanden wird, endet das Ausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses.

Nicht bestandene Prüfung

Wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wird, kann der Auszubildende verlangen, dass die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert wird. Die Verlängerung ist begrenzt.

Typische Prüfungsfrage

Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ordentlich ohne wichtigen Grund kündigen?

Antwort

Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.

Merksatz

In der Probezeit: leicht kündbar.
Nach der Probezeit: Betrieb nur mit wichtigem Grund.

Seite 1.5 – Arbeitsvertrag und Arbeitnehmerpflichten

Prüfungsziel

Du sollst die Grundpflichten aus einem Arbeitsvertrag kennen und zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberpflichten unterscheiden können.

Was ist ein Arbeitsvertrag?

Ein Arbeitsvertrag ist ein Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Der Arbeitnehmer verpflichtet sich zur Arbeitsleistung.
Der Arbeitgeber verpflichtet sich zur Zahlung der Vergütung.

Typische Inhalte eines Arbeitsvertrags

Inhalt Bedeutung
Vertragsparteien Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Beginn des Arbeitsverhältnisses Startdatum
Arbeitsort wo gearbeitet wird
Tätigkeit Aufgabenbereich
Arbeitszeit Wochenarbeitszeit
Vergütung Lohn oder Gehalt
Urlaub Urlaubsanspruch
Kündigungsfristen Fristen zur Beendigung
Probezeit falls vereinbart
Hinweise auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen falls anwendbar

Pflichten des Arbeitnehmers

Pflicht Bedeutung
Arbeitspflicht vereinbarte Arbeit leisten
Sorgfaltspflicht sorgfältig arbeiten
Treuepflicht Interessen des Arbeitgebers beachten
Verschwiegenheitspflicht Geschäftsgeheimnisse schützen
Krankmeldung rechtzeitig arbeitsunfähig melden
Wettbewerbsverbot nicht gegen den eigenen Arbeitgeber arbeiten
Weisungen beachten berechtigte Anweisungen befolgen

Pflichten des Arbeitgebers

Pflicht Bedeutung
Vergütungspflicht Lohn/Gehalt zahlen
Fürsorgepflicht Gesundheit und Persönlichkeit schützen
Beschäftigungspflicht Arbeitnehmer vertragsgemäß beschäftigen
Gleichbehandlung keine unzulässige Benachteiligung
Arbeitsschutz sichere Arbeitsbedingungen schaffen
Urlaubsgewährung gesetzlichen oder vertraglichen Urlaub ermöglichen

Direktionsrecht

Der Arbeitgeber darf Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit näher bestimmen, soweit Arbeitsvertrag, Gesetz, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nichts anderes festlegen.

Beispiel:

Der Arbeitgeber darf festlegen, welche Serviceanfragen zuerst bearbeitet werden.

Er darf aber nicht einfach Aufgaben verlangen, die völlig außerhalb des vereinbarten Tätigkeitsbereichs liegen.

Typische Prüfungsfrage

Was bedeutet Treuepflicht des Arbeitnehmers?

Antwort

Der Arbeitnehmer muss auf berechtigte Interessen des Arbeitgebers Rücksicht nehmen, zum Beispiel Betriebsgeheimnisse wahren und dem Arbeitgeber keinen Schaden zufügen.

Merksatz

Arbeitnehmer: arbeiten und Rücksicht nehmen.
Arbeitgeber: bezahlen und schützen.


Seite 1.6 – Arbeitszeit, Urlaub, Krankheit und Entgeltfortzahlung

Prüfungsziel

Du sollst grundlegende Regeln zu Arbeitszeit, Pausen, Urlaub und Krankheit kennen.

Arbeitszeit nach Arbeitszeitgesetz

Für erwachsene Arbeitnehmer gilt grundsätzlich:

Regel Bedeutung
regelmäßige Höchstarbeitszeit 8 Stunden pro Werktag
Verlängerung möglich bis 10 Stunden, wenn Ausgleich erfolgt
Ruhezeit grundsätzlich 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen

Pausen

Arbeitszeit Pause
mehr als 6 bis 9 Stunden mindestens 30 Minuten
mehr als 9 Stunden mindestens 45 Minuten

Die Pause kann in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden.

Urlaub

Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage.

Bei einer normalen 5-Tage-Woche entspricht das rechnerisch mindestens 20 Arbeitstagen.

Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung können mehr Urlaub vorsehen.

Krankheit

Wenn du krank bist, musst du:

Entgeltfortzahlung

Bei Krankheit besteht grundsätzlich Anspruch auf Entgeltfortzahlung bis zu 6 Wochen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Berufsschule und Prüfung

Auszubildende müssen für Berufsschule und Prüfungen freigestellt werden.

Typische Prüfungsfrage

Ein Arbeitnehmer arbeitet 8,5 Stunden. Wie viel Pause muss mindestens eingeplant werden?

Antwort

Mindestens 30 Minuten Pause, weil die Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt.

Merksatz

Mehr als 6 Stunden Arbeit: Pause ist Pflicht.
Krankheit: sofort melden.


Seite 1.7 – Tarifvertrag, Tarifautonomie und Arbeitskampf

Prüfungsziel

Du sollst erklären können, was Tarifverträge sind, wer sie abschließt und was bei einem Tarifkonflikt passiert.

Was ist ein Tarifvertrag?

Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden oder einzelnen Arbeitgebern.

Er regelt Arbeitsbedingungen.

Typische Inhalte eines Tarifvertrags

Inhalt Beispiel
Lohn und Gehalt Gehaltstabellen
Arbeitszeit Wochenarbeitszeit
Urlaub Urlaubstage
Zuschläge Nacht-, Sonn- oder Feiertagszuschläge
Ausbildungsvergütung Vergütung nach Ausbildungsjahr
Kündigungsfristen tarifliche Fristen

Tarifvertragsparteien

Seite Organisation
Arbeitnehmerseite Gewerkschaft
Arbeitgeberseite Arbeitgeberverband oder einzelner Arbeitgeber

Tarifautonomie

Tarifautonomie bedeutet:

Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände dürfen Tarifverträge selbstständig aushandeln, ohne dass der Staat den Inhalt direkt vorgibt.

Tarifbindung

Tarifbindung bedeutet, dass ein Tarifvertrag für die beteiligten Parteien verbindlich gilt.

Typischer Fall:

Tarifkonflikt

Wenn sich Gewerkschaft und Arbeitgeberseite nicht einigen, kann es zum Tarifkonflikt kommen.

Ablauf vereinfacht

Schritt Bedeutung
Forderung Gewerkschaft fordert z. B. mehr Lohn
Verhandlung beide Seiten verhandeln
Scheitern keine Einigung
Schlichtung neutraler Vermittlungsversuch
Arbeitskampf z. B. Streik oder Aussperrung
Einigung neuer Tarifvertrag

Streik

Ein Streik ist eine gemeinsame Arbeitsniederlegung durch Arbeitnehmer, um tarifliche Forderungen durchzusetzen.

Aussperrung

Eine Aussperrung ist eine Maßnahme der Arbeitgeberseite, bei der Arbeitnehmer vorübergehend nicht beschäftigt werden.

Typische Prüfungsfrage

Was bedeutet Tarifautonomie?

Antwort

Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Arbeitsbedingungen eigenständig durch Tarifverträge regeln können.

Merksatz

Tarifvertrag = kollektiv ausgehandelte Arbeitsbedingungen.


Seite 1.8 – Betriebsrat, JAV und Mitbestimmung

Prüfungsziel

Du sollst wissen, welche Aufgaben Betriebsrat und JAV haben und was Mitbestimmung bedeutet.

Betriebsrat

Der Betriebsrat ist die Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Betrieb.

Er wird von den Arbeitnehmern gewählt.

Aufgaben des Betriebsrats

Aufgabe Beispiel
Interessen vertreten Anliegen der Beschäftigten gegenüber Arbeitgeber vertreten
Überwachung Einhaltung von Gesetzen, Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen überwachen
Mitbestimmung bei bestimmten betrieblichen Fragen mitentscheiden
Beratung Arbeitnehmer unterstützen
Förderung Gleichstellung, Arbeitsschutz und Integration fördern

Mitbestimmung

Mitbestimmung bedeutet, dass der Arbeitgeber bestimmte Entscheidungen nicht allein treffen darf.

Beispiele für Mitbestimmung können sein:

Betriebsvereinbarung

Eine Betriebsvereinbarung ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.

Beispiele:

JAV

JAV bedeutet Jugend- und Auszubildendenvertretung.

Sie vertritt:

Eine JAV gibt es nur, wenn es im Betrieb einen Betriebsrat gibt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Aufgaben der JAV

Aufgabe Beispiel
Interessen vertreten Anliegen von Azubis einbringen
Überwachung Einhaltung von Ausbildungsgesetzen prüfen
Beratung Azubis bei Problemen unterstützen
Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten

Typische Prüfungsfrage

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV?

Antwort

Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell die Interessen der Jugendlichen und Auszubildenden und arbeitet mit dem Betriebsrat zusammen.

Merksatz

Betriebsrat = Interessenvertretung der Beschäftigten.
JAV = Interessenvertretung der Azubis und Jugendlichen.


Seite 1.9 – Sozialversicherung

Prüfungsziel

Du sollst die fünf Zweige der Sozialversicherung kennen und ihre Funktion erklären können.

Grundidee

Die Sozialversicherung schützt Arbeitnehmer gegen wichtige Lebensrisiken.

Sie funktioniert überwiegend nach dem Solidaritätsprinzip:

Viele zahlen Beiträge ein, damit diejenigen abgesichert sind, die Hilfe brauchen.

Die fünf Zweige der Sozialversicherung

Versicherung Risiko
Krankenversicherung Krankheit
Pflegeversicherung Pflegebedürftigkeit
Rentenversicherung Alter, Erwerbsminderung, Hinterbliebene
Arbeitslosenversicherung Arbeitslosigkeit
Unfallversicherung Arbeitsunfall und Berufskrankheit

Wer zahlt die Beiträge?

Versicherung Beitragszahlung
Krankenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Pflegeversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Rentenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Arbeitslosenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Unfallversicherung Arbeitgeber

Krankenversicherung

Sie übernimmt zum Beispiel Kosten für:

Pflegeversicherung

Sie unterstützt bei Pflegebedürftigkeit.

Beispiele:

Rentenversicherung

Sie sichert vor allem ab bei:

Arbeitslosenversicherung

Sie unterstützt bei Arbeitslosigkeit, zum Beispiel durch:

Unfallversicherung

Sie greift bei:

Die gesetzliche Unfallversicherung wird vom Arbeitgeber finanziert.

Typische Prüfungsfrage

Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein?

Antwort

Die gesetzliche Unfallversicherung.

Merksatz

Fünf Säulen: Kranken, Pflege, Rente, Arbeitslosigkeit, Unfall.


Seite 1.10 – Entgeltabrechnung: Brutto, Netto, Lohnsteuer und Sozialabgaben

Prüfungsziel

Du sollst eine einfache Entgeltabrechnung verstehen und Brutto, Netto, Steuern und Sozialabgaben unterscheiden können.

Brutto und Netto

Begriff Bedeutung
Bruttoentgelt Verdienst vor Abzügen
Nettoentgelt Betrag, der nach Abzügen ausgezahlt wird

Einfache Formel

Bruttoentgelt
minus Lohnsteuer
minus eventuell Kirchensteuer
minus Sozialversicherungsbeiträge
minus weitere Abzüge
= Nettoentgelt

Typische Abzüge

Abzug Bedeutung
Lohnsteuer Vorauszahlung auf Einkommensteuer
Kirchensteuer nur bei Kirchenmitgliedschaft
Sozialversicherung Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung
vermögenswirksame Leistungen freiwillige oder vereinbarte Sparleistung

Sozialabgaben

Zu den Sozialabgaben gehören Arbeitnehmeranteile zu:

Die Unfallversicherung taucht normalerweise nicht als Arbeitnehmerabzug auf, weil sie vom Arbeitgeber getragen wird.

Arbeitgeberbrutto

Das Arbeitgeberbrutto ist höher als das Bruttoentgelt des Arbeitnehmers.

Grund:

Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich zum Bruttogehalt noch Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung.

Beispiel

Ein Arbeitnehmer hat 2.500 € brutto.

Davon werden Lohnsteuer und Sozialabgaben abgezogen.

Der ausgezahlte Betrag ist das Nettoentgelt.

Der Arbeitgeber hat zusätzlich eigene Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Seine tatsächlichen Personalkosten liegen daher über 2.500 €.

Vermögenswirksame Leistungen

Vermögenswirksame Leistungen sind Geldleistungen, die zum Vermögensaufbau genutzt werden können.

Beispiele:

Typische Prüfungsfrage

Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto?

Antwort

Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird.

Merksatz

Brutto ist vor Abzug. Netto ist nach Abzug.


Seite 1.11 – Fortbildung, Umschulung und lebenslanges Lernen

Prüfungsziel

Du sollst erklären können, warum lebenslanges Lernen im Beruf wichtig ist und welche Formen beruflicher Weiterbildung es gibt.

Warum ist lebenslanges Lernen wichtig?

In IT-Berufen ändern sich Technologien sehr schnell.

Beispiele:

Deshalb reicht es nicht, nur in der Ausbildung zu lernen.

Formen beruflicher Weiterbildung

Form Bedeutung
innerbetriebliche Fortbildung Schulung im eigenen Betrieb
externe Weiterbildung Kurs bei externem Anbieter
Anpassungsfortbildung Wissen wird an neue Anforderungen angepasst
Aufstiegsfortbildung Vorbereitung auf höhere Positionen
Umschulung Wechsel in einen anderen Beruf
Selbststudium eigenständiges Lernen mit Büchern, Videos, Kursen oder Laboren

Fortbildung

Eine Fortbildung baut auf einem bestehenden Beruf auf.

Beispiele:

Umschulung

Eine Umschulung führt zu einem neuen Beruf.

Beispiel:

Eine Person war vorher in einem kaufmännischen Beruf und schult zum Fachinformatiker um.

Staatliche Fördermaßnahmen

Je nach Situation können Weiterbildungen gefördert werden.

Beispiele:

Lerntechniken

Der Prüfungskatalog nennt verschiedene Lernarten.

Lerntechnik Beispiel
visuelles Lernen Mindmaps, Schaubilder, Lernposter
auditives Lernen Inhalte anhören, Erklärungen aufnehmen
kommunikatives Lernen Lerngruppe, Diskussion, Frage-Antwort-Spiele
motorisches Lernen Learning by Doing, praktische Übungen

Arbeitstechniken

Wichtige Arbeitstechniken sind:

Digitale Lernmedien

Beispiele:

Typische Prüfungsfrage

Warum ist lebenslanges Lernen für Fachinformatiker besonders wichtig?

Antwort

Weil sich IT-Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren, um beruflich handlungsfähig zu bleiben.

Merksatz

In der IT ist Lernen kein Abschnitt, sondern Daueraufgabe.


Kompakte Wiederholung zu Kapitel 1

1. Duales System

2. Ausbildungsvertrag

Muss unter anderem regeln:

3. Rechte und Pflichten

Azubi:

Betrieb:

4. Probezeit und Kündigung

5. Arbeitsvertrag

Arbeitnehmer:

Arbeitgeber:

6. Arbeitszeit und Krankheit

7. Tarifrecht

8. Betriebsrat und JAV

9. Sozialversicherung

Fünf Säulen:

10. Entgeltabrechnung

11. Lebenslanges Lernen

Wichtig wegen:


Prüfungsfragen zu Kapitel 1

1. Was bedeutet duale Ausbildung?

Antwort anzeigen

Duale Ausbildung bedeutet, dass die Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule.

2. Welche Aufgabe hat die IHK in der Ausbildung?

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Die IHK prüft unter anderem Ausbildungsverträge, überwacht die Ausbildung und organisiert Zwischen- bzw. Abschlussprüfungen.

3. Wie lange dauert die Probezeit in der Berufsausbildung?

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Die Probezeit dauert mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate.

4. Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ohne Grund kündigen?

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Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen.

5. Nenne drei Pflichten eines Auszubildenden.

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Zum Beispiel Lernpflicht, Sorgfaltspflicht, Berufsschulpflicht, Berichtsheft führen, Weisungen beachten und Betriebsgeheimnisse wahren.

6. Nenne drei Pflichten des Ausbildungsbetriebs.

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Zum Beispiel Ausbildungspflicht, Vergütung zahlen, Ausbildungsmittel bereitstellen, für Berufsschule und Prüfung freistellen und Berichtsheft kontrollieren.

7. Was ist Tarifautonomie?

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Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Tarifverträge eigenständig aushandeln können.

8. Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV?

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Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell Jugendliche und Auszubildende.

9. Welche fünf Zweige der Sozialversicherung gibt es?

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Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung.

10. Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein?

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Die gesetzliche Unfallversicherung.

11. Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto?

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Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird.

12. Warum ist lebenslanges Lernen in IT-Berufen wichtig?

Antwort anzeigen

Weil sich Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren.