Kapitel 1 – Berufsbildung, Arbeitsrecht und Tarifrecht Seite 1.1 – Duales Ausbildungssystem Prüfungsziel Du sollst erklären können, wie die duale Berufsausbildung aufgebaut ist und welche Aufgaben Betrieb, Berufsschule und IHK dabei haben. Grundidee Die duale Ausbildung heißt „dual“, weil sie an zwei Lernorten stattfindet: Lernort Aufgabe Ausbildungsbetrieb praktische Ausbildung im echten Arbeitsumfeld Berufsschule theoretische und allgemeine berufliche Bildung Beteiligte im dualen System Beteiligter Aufgabe Auszubildender lernt den Beruf und erfüllt seine Pflichten Ausbildungsbetrieb bildet praktisch aus und zahlt Ausbildungsvergütung Ausbilder vermittelt berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten Berufsschule vermittelt Theorie, WISO und berufliche Grundlagen IHK überwacht Ausbildung, prüft Verträge und organisiert Prüfungen Prüfungsausschuss bewertet Prüfungsleistungen Warum ist das duale System wichtig? Der Vorteil ist, dass Theorie und Praxis kombiniert werden. Beispiel: In der Berufsschule lernst du, was ein DHCP-Server macht. Im Betrieb richtest du vielleicht wirklich einen DHCP-Server ein oder prüfst Netzwerkprobleme. Typische Prüfungsfrage Was ist ein Vorteil der dualen Ausbildung? Antwort Ein Vorteil ist, dass Auszubildende praktische Berufserfahrung im Betrieb sammeln und gleichzeitig theoretisches Wissen in der Berufsschule erwerben. Merksatz Duale Ausbildung bedeutet: Betrieb + Berufsschule + IHK-Prüfung . Seite 1.2 – Ausbildungsvertrag Prüfungsziel Du sollst die wichtigsten Inhalte eines Ausbildungsvertrages kennen und erklären können. Was ist der Ausbildungsvertrag? Der Ausbildungsvertrag ist die rechtliche Grundlage der Ausbildung. Er wird zwischen dem Ausbildungsbetrieb und dem Auszubildenden geschlossen. Bei minderjährigen Auszubildenden unterschreiben zusätzlich die gesetzlichen Vertreter, also meistens die Eltern. Wichtige Inhalte des Ausbildungsvertrags Inhalt Bedeutung Vertragspartner Auszubildender und Ausbildungsbetrieb Ausbildungsberuf z. B. Fachinformatiker Systemintegration Beginn und Dauer Startdatum und reguläre Ausbildungsdauer Probezeit Zeitraum zum gegenseitigen Kennenlernen tägliche Ausbildungszeit wie viele Stunden täglich gearbeitet wird Ausbildungsvergütung monatliche Vergütung Urlaub jährlicher Urlaubsanspruch sachliche und zeitliche Gliederung was wann gelernt werden soll Kündigungsbedingungen Regeln zur Beendigung Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte z. B. Schulungen oder externe Lehrgänge Hinweis auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen falls anwendbar Probezeit Die Probezeit in der Berufsausbildung muss mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate dauern. Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Kündigungsfrist gekündigt werden. Nach der Probezeit Nach der Probezeit ist eine Kündigung schwieriger. Der Ausbildungsbetrieb kann nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen. Der Auszubildende kann mit einer Frist von 4 Wochen kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für einen anderen Beruf ausbilden lassen möchte. Typische Prüfungsfrage Welche Angaben müssen im Ausbildungsvertrag stehen? Antwort Zum Beispiel Ausbildungsberuf, Beginn und Dauer der Ausbildung, Probezeit, tägliche Ausbildungszeit, Ausbildungsvergütung, Urlaub, sachliche und zeitliche Gliederung sowie Kündigungsbedingungen. Merksatz Der Ausbildungsvertrag regelt: Wer bildet wen, worin, wie lange, unter welchen Bedingungen aus? Seite 1.3 – Rechte und Pflichten in der Ausbildung Prüfungsziel Du sollst die Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildenden unterscheiden können. Pflichten des Auszubildenden Pflicht Bedeutung Lernpflicht du musst dich bemühen, den Beruf zu lernen Sorgfaltspflicht Aufgaben sorgfältig ausführen Berufsschulpflicht am Berufsschulunterricht teilnehmen Weisungen beachten berechtigte Anweisungen befolgen Berichtsheft führen Ausbildungsnachweis regelmäßig schreiben Betriebsordnung beachten Regeln im Betrieb einhalten Schweigepflicht Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht weitergeben pfleglicher Umgang Werkzeuge, Geräte und Systeme sorgfältig behandeln Pflichten des Ausbildungsbetriebs Pflicht Bedeutung Ausbildungspflicht Betrieb muss die beruflichen Inhalte vermitteln Ausbilder stellen geeignete Person muss ausbilden Vergütung zahlen Ausbildungsvergütung muss gezahlt werden Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen z. B. notwendige Werkzeuge oder Materialien Berufsschule ermöglichen Freistellung für Berufsschule charakterliche Förderung keine ausbildungsfremden oder unangemessenen Aufgaben Berichtsheft kontrollieren Ausbildungsnachweis prüfen Prüfungsteilnahme ermöglichen Freistellung für Prüfungen Wichtig Auszubildende dürfen nicht dauerhaft für Tätigkeiten eingesetzt werden, die nichts mit dem Ausbildungsziel zu tun haben. Beispiel: Einmal Kaffee für ein Meeting holen ist nicht automatisch problematisch. Aber dauerhaft nur Botengänge, Lagerarbeit oder Putzen statt Fachinformatiker-Aufgaben wäre nicht ausbildungsgerecht. Typische Prüfungsfrage Der Auszubildende wird dauerhaft nur für einfache Hilfsarbeiten eingesetzt. Welche Pflicht verletzt der Betrieb? Antwort Der Betrieb verletzt seine Ausbildungspflicht, weil er die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln muss. Merksatz Der Azubi muss lernen wollen. Der Betrieb muss Ausbildung ermöglichen. Seite 1.4 – Probezeit, Kündigung und Beendigung der Ausbildung Prüfungsziel Du sollst wissen, wann und wie ein Ausbildungsverhältnis endet oder gekündigt werden kann. Probezeit Die Probezeit dient dazu, dass beide Seiten prüfen können, ob die Ausbildung passt. Punkt Regel Mindestdauer 1 Monat Höchstdauer 4 Monate Kündigung in der Probezeit jederzeit ohne Kündigungsfrist möglich Kündigung während der Probezeit Während der Probezeit können beide Seiten ohne Angabe eines Grundes kündigen. Kündigung nach der Probezeit Nach der Probezeit gelten strengere Regeln. Wer kündigt? Möglichkeit Ausbildungsbetrieb fristlos nur aus wichtigem Grund Auszubildender mit 4 Wochen Frist, wenn er die Ausbildung aufgeben oder den Beruf wechseln will beide gemeinsam Aufhebungsvertrag möglich Wichtiger Grund Ein wichtiger Grund kann zum Beispiel schweres Fehlverhalten sein. Beispiele: Diebstahl schwere Beleidigung wiederholtes unentschuldigtes Fehlen grobe Pflichtverletzung Beendigung ohne Kündigung Die Ausbildung endet normalerweise: mit Ablauf der Ausbildungsdauer oder mit Bestehen der Abschlussprüfung Wenn die Abschlussprüfung vor Ende der Ausbildungszeit bestanden wird, endet das Ausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses. Nicht bestandene Prüfung Wenn die Abschlussprüfung nicht bestanden wird, kann der Auszubildende verlangen, dass die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert wird. Die Verlängerung ist begrenzt. Typische Prüfungsfrage Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ordentlich ohne wichtigen Grund kündigen? Antwort Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen. Merksatz In der Probezeit: leicht kündbar. Nach der Probezeit: Betrieb nur mit wichtigem Grund. Seite 1.5 – Arbeitsvertrag und Arbeitnehmerpflichten Prüfungsziel Du sollst die Grundpflichten aus einem Arbeitsvertrag kennen und zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberpflichten unterscheiden können. Was ist ein Arbeitsvertrag? Ein Arbeitsvertrag ist ein Vertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich zur Arbeitsleistung. Der Arbeitgeber verpflichtet sich zur Zahlung der Vergütung. Typische Inhalte eines Arbeitsvertrags Inhalt Bedeutung Vertragsparteien Arbeitnehmer und Arbeitgeber Beginn des Arbeitsverhältnisses Startdatum Arbeitsort wo gearbeitet wird Tätigkeit Aufgabenbereich Arbeitszeit Wochenarbeitszeit Vergütung Lohn oder Gehalt Urlaub Urlaubsanspruch Kündigungsfristen Fristen zur Beendigung Probezeit falls vereinbart Hinweise auf Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen falls anwendbar Pflichten des Arbeitnehmers Pflicht Bedeutung Arbeitspflicht vereinbarte Arbeit leisten Sorgfaltspflicht sorgfältig arbeiten Treuepflicht Interessen des Arbeitgebers beachten Verschwiegenheitspflicht Geschäftsgeheimnisse schützen Krankmeldung rechtzeitig arbeitsunfähig melden Wettbewerbsverbot nicht gegen den eigenen Arbeitgeber arbeiten Weisungen beachten berechtigte Anweisungen befolgen Pflichten des Arbeitgebers Pflicht Bedeutung Vergütungspflicht Lohn/Gehalt zahlen Fürsorgepflicht Gesundheit und Persönlichkeit schützen Beschäftigungspflicht Arbeitnehmer vertragsgemäß beschäftigen Gleichbehandlung keine unzulässige Benachteiligung Arbeitsschutz sichere Arbeitsbedingungen schaffen Urlaubsgewährung gesetzlichen oder vertraglichen Urlaub ermöglichen Direktionsrecht Der Arbeitgeber darf Inhalt, Ort und Zeit der Arbeit näher bestimmen, soweit Arbeitsvertrag, Gesetz, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung nichts anderes festlegen. Beispiel: Der Arbeitgeber darf festlegen, welche Serviceanfragen zuerst bearbeitet werden. Er darf aber nicht einfach Aufgaben verlangen, die völlig außerhalb des vereinbarten Tätigkeitsbereichs liegen. Typische Prüfungsfrage Was bedeutet Treuepflicht des Arbeitnehmers? Antwort Der Arbeitnehmer muss auf berechtigte Interessen des Arbeitgebers Rücksicht nehmen, zum Beispiel Betriebsgeheimnisse wahren und dem Arbeitgeber keinen Schaden zufügen. Merksatz Arbeitnehmer: arbeiten und Rücksicht nehmen. Arbeitgeber: bezahlen und schützen. Seite 1.6 – Arbeitszeit, Urlaub, Krankheit und Entgeltfortzahlung Prüfungsziel Du sollst grundlegende Regeln zu Arbeitszeit, Pausen, Urlaub und Krankheit kennen. Arbeitszeit nach Arbeitszeitgesetz Für erwachsene Arbeitnehmer gilt grundsätzlich: Regel Bedeutung regelmäßige Höchstarbeitszeit 8 Stunden pro Werktag Verlängerung möglich bis 10 Stunden, wenn Ausgleich erfolgt Ruhezeit grundsätzlich 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen Pausen Arbeitszeit Pause mehr als 6 bis 9 Stunden mindestens 30 Minuten mehr als 9 Stunden mindestens 45 Minuten Die Pause kann in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Urlaub Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage. Bei einer normalen 5-Tage-Woche entspricht das rechnerisch mindestens 20 Arbeitstagen. Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung können mehr Urlaub vorsehen. Krankheit Wenn du krank bist, musst du: dem Arbeitgeber unverzüglich Bescheid sagen die voraussichtliche Dauer mitteilen die Regelungen zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beachten Entgeltfortzahlung Bei Krankheit besteht grundsätzlich Anspruch auf Entgeltfortzahlung bis zu 6 Wochen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Berufsschule und Prüfung Auszubildende müssen für Berufsschule und Prüfungen freigestellt werden. Typische Prüfungsfrage Ein Arbeitnehmer arbeitet 8,5 Stunden. Wie viel Pause muss mindestens eingeplant werden? Antwort Mindestens 30 Minuten Pause, weil die Arbeitszeit mehr als 6 Stunden beträgt. Merksatz Mehr als 6 Stunden Arbeit: Pause ist Pflicht. Krankheit: sofort melden. Seite 1.7 – Tarifvertrag, Tarifautonomie und Arbeitskampf Prüfungsziel Du sollst erklären können, was Tarifverträge sind, wer sie abschließt und was bei einem Tarifkonflikt passiert. Was ist ein Tarifvertrag? Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden oder einzelnen Arbeitgebern. Er regelt Arbeitsbedingungen. Typische Inhalte eines Tarifvertrags Inhalt Beispiel Lohn und Gehalt Gehaltstabellen Arbeitszeit Wochenarbeitszeit Urlaub Urlaubstage Zuschläge Nacht-, Sonn- oder Feiertagszuschläge Ausbildungsvergütung Vergütung nach Ausbildungsjahr Kündigungsfristen tarifliche Fristen Tarifvertragsparteien Seite Organisation Arbeitnehmerseite Gewerkschaft Arbeitgeberseite Arbeitgeberverband oder einzelner Arbeitgeber Tarifautonomie Tarifautonomie bedeutet: Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände dürfen Tarifverträge selbstständig aushandeln, ohne dass der Staat den Inhalt direkt vorgibt. Tarifbindung Tarifbindung bedeutet, dass ein Tarifvertrag für die beteiligten Parteien verbindlich gilt. Typischer Fall: Arbeitnehmer ist Mitglied der Gewerkschaft Arbeitgeber ist Mitglied im Arbeitgeberverband beide Seiten sind tarifgebunden Tarifkonflikt Wenn sich Gewerkschaft und Arbeitgeberseite nicht einigen, kann es zum Tarifkonflikt kommen. Ablauf vereinfacht Schritt Bedeutung Forderung Gewerkschaft fordert z. B. mehr Lohn Verhandlung beide Seiten verhandeln Scheitern keine Einigung Schlichtung neutraler Vermittlungsversuch Arbeitskampf z. B. Streik oder Aussperrung Einigung neuer Tarifvertrag Streik Ein Streik ist eine gemeinsame Arbeitsniederlegung durch Arbeitnehmer, um tarifliche Forderungen durchzusetzen. Aussperrung Eine Aussperrung ist eine Maßnahme der Arbeitgeberseite, bei der Arbeitnehmer vorübergehend nicht beschäftigt werden. Typische Prüfungsfrage Was bedeutet Tarifautonomie? Antwort Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Arbeitsbedingungen eigenständig durch Tarifverträge regeln können. Merksatz Tarifvertrag = kollektiv ausgehandelte Arbeitsbedingungen. Seite 1.8 – Betriebsrat, JAV und Mitbestimmung Prüfungsziel Du sollst wissen, welche Aufgaben Betriebsrat und JAV haben und was Mitbestimmung bedeutet. Betriebsrat Der Betriebsrat ist die Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Betrieb. Er wird von den Arbeitnehmern gewählt. Aufgaben des Betriebsrats Aufgabe Beispiel Interessen vertreten Anliegen der Beschäftigten gegenüber Arbeitgeber vertreten Überwachung Einhaltung von Gesetzen, Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen überwachen Mitbestimmung bei bestimmten betrieblichen Fragen mitentscheiden Beratung Arbeitnehmer unterstützen Förderung Gleichstellung, Arbeitsschutz und Integration fördern Mitbestimmung Mitbestimmung bedeutet, dass der Arbeitgeber bestimmte Entscheidungen nicht allein treffen darf. Beispiele für Mitbestimmung können sein: Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit Pausenregelungen Urlaubsgrundsätze technische Einrichtungen zur Überwachung Ordnung im Betrieb Betriebsvereinbarung Eine Betriebsvereinbarung ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Beispiele: Arbeitszeitmodell Homeoffice-Regelung private Internetnutzung Verhalten bei Krankmeldung JAV JAV bedeutet Jugend- und Auszubildendenvertretung. Sie vertritt: Jugendliche Arbeitnehmer Auszubildende junge Beschäftigte im Betrieb Eine JAV gibt es nur, wenn es im Betrieb einen Betriebsrat gibt und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Aufgaben der JAV Aufgabe Beispiel Interessen vertreten Anliegen von Azubis einbringen Überwachung Einhaltung von Ausbildungsgesetzen prüfen Beratung Azubis bei Problemen unterstützen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten Typische Prüfungsfrage Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV? Antwort Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell die Interessen der Jugendlichen und Auszubildenden und arbeitet mit dem Betriebsrat zusammen. Merksatz Betriebsrat = Interessenvertretung der Beschäftigten. JAV = Interessenvertretung der Azubis und Jugendlichen. Seite 1.9 – Sozialversicherung Prüfungsziel Du sollst die fünf Zweige der Sozialversicherung kennen und ihre Funktion erklären können. Grundidee Die Sozialversicherung schützt Arbeitnehmer gegen wichtige Lebensrisiken. Sie funktioniert überwiegend nach dem Solidaritätsprinzip: Viele zahlen Beiträge ein, damit diejenigen abgesichert sind, die Hilfe brauchen. Die fünf Zweige der Sozialversicherung Versicherung Risiko Krankenversicherung Krankheit Pflegeversicherung Pflegebedürftigkeit Rentenversicherung Alter, Erwerbsminderung, Hinterbliebene Arbeitslosenversicherung Arbeitslosigkeit Unfallversicherung Arbeitsunfall und Berufskrankheit Wer zahlt die Beiträge? Versicherung Beitragszahlung Krankenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber Pflegeversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber Rentenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber Arbeitslosenversicherung Arbeitnehmer und Arbeitgeber Unfallversicherung Arbeitgeber Krankenversicherung Sie übernimmt zum Beispiel Kosten für: Arztbesuche Krankenhaus Medikamente Krankengeld unter bestimmten Voraussetzungen Pflegeversicherung Sie unterstützt bei Pflegebedürftigkeit. Beispiele: Pflegegeld Pflegesachleistungen stationäre Pflege Rentenversicherung Sie sichert vor allem ab bei: Alter Erwerbsminderung Tod eines Versicherten für Hinterbliebene Arbeitslosenversicherung Sie unterstützt bei Arbeitslosigkeit, zum Beispiel durch: Arbeitslosengeld Beratung Vermittlung Förderung beruflicher Weiterbildung Unfallversicherung Sie greift bei: Arbeitsunfällen Wegeunfällen Berufskrankheiten Die gesetzliche Unfallversicherung wird vom Arbeitgeber finanziert. Typische Prüfungsfrage Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein? Antwort Die gesetzliche Unfallversicherung. Merksatz Fünf Säulen: Kranken, Pflege, Rente, Arbeitslosigkeit, Unfall. Seite 1.10 – Entgeltabrechnung: Brutto, Netto, Lohnsteuer und Sozialabgaben Prüfungsziel Du sollst eine einfache Entgeltabrechnung verstehen und Brutto, Netto, Steuern und Sozialabgaben unterscheiden können. Brutto und Netto Begriff Bedeutung Bruttoentgelt Verdienst vor Abzügen Nettoentgelt Betrag, der nach Abzügen ausgezahlt wird Einfache Formel Bruttoentgelt minus Lohnsteuer minus eventuell Kirchensteuer minus Sozialversicherungsbeiträge minus weitere Abzüge = Nettoentgelt Typische Abzüge Abzug Bedeutung Lohnsteuer Vorauszahlung auf Einkommensteuer Kirchensteuer nur bei Kirchenmitgliedschaft Sozialversicherung Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung vermögenswirksame Leistungen freiwillige oder vereinbarte Sparleistung Sozialabgaben Zu den Sozialabgaben gehören Arbeitnehmeranteile zu: Krankenversicherung Pflegeversicherung Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Die Unfallversicherung taucht normalerweise nicht als Arbeitnehmerabzug auf, weil sie vom Arbeitgeber getragen wird. Arbeitgeberbrutto Das Arbeitgeberbrutto ist höher als das Bruttoentgelt des Arbeitnehmers. Grund: Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich zum Bruttogehalt noch Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Beispiel Ein Arbeitnehmer hat 2.500 € brutto. Davon werden Lohnsteuer und Sozialabgaben abgezogen. Der ausgezahlte Betrag ist das Nettoentgelt. Der Arbeitgeber hat zusätzlich eigene Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Seine tatsächlichen Personalkosten liegen daher über 2.500 €. Vermögenswirksame Leistungen Vermögenswirksame Leistungen sind Geldleistungen, die zum Vermögensaufbau genutzt werden können. Beispiele: Bausparvertrag Fondssparplan Banksparplan Typische Prüfungsfrage Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? Antwort Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird. Merksatz Brutto ist vor Abzug. Netto ist nach Abzug. Seite 1.11 – Fortbildung, Umschulung und lebenslanges Lernen Prüfungsziel Du sollst erklären können, warum lebenslanges Lernen im Beruf wichtig ist und welche Formen beruflicher Weiterbildung es gibt. Warum ist lebenslanges Lernen wichtig? In IT-Berufen ändern sich Technologien sehr schnell. Beispiele: neue Betriebssysteme neue Cloud-Dienste neue Sicherheitsrisiken neue Netzwerkstandards Automatisierung KI-gestützte Werkzeuge Deshalb reicht es nicht, nur in der Ausbildung zu lernen. Formen beruflicher Weiterbildung Form Bedeutung innerbetriebliche Fortbildung Schulung im eigenen Betrieb externe Weiterbildung Kurs bei externem Anbieter Anpassungsfortbildung Wissen wird an neue Anforderungen angepasst Aufstiegsfortbildung Vorbereitung auf höhere Positionen Umschulung Wechsel in einen anderen Beruf Selbststudium eigenständiges Lernen mit Büchern, Videos, Kursen oder Laboren Fortbildung Eine Fortbildung baut auf einem bestehenden Beruf auf. Beispiele: IT-Sicherheitskurs Netzwerkschulung Linux-Administration Projektmanagement Ausbildereignung IHK-Fortbildungen Umschulung Eine Umschulung führt zu einem neuen Beruf. Beispiel: Eine Person war vorher in einem kaufmännischen Beruf und schult zum Fachinformatiker um. Staatliche Fördermaßnahmen Je nach Situation können Weiterbildungen gefördert werden. Beispiele: Förderung durch Agentur für Arbeit Bildungsgutschein Aufstiegs-BAföG betriebliche Förderung Lerntechniken Der Prüfungskatalog nennt verschiedene Lernarten. Lerntechnik Beispiel visuelles Lernen Mindmaps, Schaubilder, Lernposter auditives Lernen Inhalte anhören, Erklärungen aufnehmen kommunikatives Lernen Lerngruppe, Diskussion, Frage-Antwort-Spiele motorisches Lernen Learning by Doing, praktische Übungen Arbeitstechniken Wichtige Arbeitstechniken sind: Zeitmanagement Arbeitsplanung Projektplanung Präsentationstechniken Moderationstechniken Fachinformationen beschaffen Fachinformationen auswerten digitale Lernmedien sinnvoll nutzen Digitale Lernmedien Beispiele: Internet Lernplattformen Apps Videos Foren Netzwerke Computer Based Training Web Based Training mobile Endgeräte Typische Prüfungsfrage Warum ist lebenslanges Lernen für Fachinformatiker besonders wichtig? Antwort Weil sich IT-Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren, um beruflich handlungsfähig zu bleiben. Merksatz In der IT ist Lernen kein Abschnitt, sondern Daueraufgabe. Kompakte Wiederholung zu Kapitel 1 1. Duales System Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt. Die IHK überwacht die Ausbildung und organisiert Prüfungen. Vorteil: Praxis und Theorie werden verbunden. 2. Ausbildungsvertrag Muss unter anderem regeln: Vertragspartner Ausbildungsberuf Beginn und Dauer Probezeit Ausbildungszeit Vergütung Urlaub Kündigungsbedingungen sachliche und zeitliche Gliederung 3. Rechte und Pflichten Azubi: lernen sorgfältig arbeiten Berufsschule besuchen Berichtsheft führen Weisungen beachten Betriebsgeheimnisse wahren Betrieb: ausbilden Vergütung zahlen Ausbildungsmittel bereitstellen für Berufsschule und Prüfung freistellen Berichtsheft kontrollieren 4. Probezeit und Kündigung Probezeit mindestens 1 Monat, höchstens 4 Monate während der Probezeit jederzeit kündbar nach der Probezeit Betrieb nur fristlos aus wichtigem Grund Azubi mit 4 Wochen Frist bei Aufgabe oder Wechsel der Ausbildung 5. Arbeitsvertrag Arbeitnehmer: Arbeitsleistung Sorgfalt Treuepflicht Verschwiegenheit Arbeitgeber: Vergütung Fürsorge Arbeitsschutz Urlaub 6. Arbeitszeit und Krankheit Erwachsene grundsätzlich 8 Stunden pro Werktag Verlängerung bis 10 Stunden nur mit Ausgleich mehr als 6 Stunden Arbeit = mindestens 30 Minuten Pause Krankheit sofort melden Entgeltfortzahlung grundsätzlich bis zu 6 Wochen 7. Tarifrecht Tarifvertrag regelt Arbeitsbedingungen Gewerkschaft vertritt Arbeitnehmer Arbeitgeberverband vertritt Arbeitgeber Tarifautonomie = Tarifparteien regeln Arbeitsbedingungen selbst Arbeitskampf = Streik oder Aussperrung 8. Betriebsrat und JAV Betriebsrat vertritt Arbeitnehmer JAV vertritt Jugendliche und Auszubildende Betriebsvereinbarung = Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat 9. Sozialversicherung Fünf Säulen: Krankenversicherung Pflegeversicherung Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung Unfallversicherung 10. Entgeltabrechnung Brutto = vor Abzügen Netto = nach Abzügen Abzüge: Lohnsteuer, eventuell Kirchensteuer, Sozialabgaben Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber allein 11. Lebenslanges Lernen Wichtig wegen: technischer Entwicklung Digitalisierung IT-Sicherheit neuen Arbeitsmethoden beruflicher Entwicklung Prüfungsfragen zu Kapitel 1 1. Was bedeutet duale Ausbildung? Antwort anzeigen Duale Ausbildung bedeutet, dass die Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. 2. Welche Aufgabe hat die IHK in der Ausbildung? Antwort anzeigen Die IHK prüft unter anderem Ausbildungsverträge, überwacht die Ausbildung und organisiert Zwischen- bzw. Abschlussprüfungen. 3. Wie lange dauert die Probezeit in der Berufsausbildung? Antwort anzeigen Die Probezeit dauert mindestens 1 Monat und höchstens 4 Monate. 4. Kann der Ausbildungsbetrieb nach der Probezeit ohne Grund kündigen? Antwort anzeigen Nein. Nach der Probezeit kann der Ausbildungsbetrieb nur aus wichtigem Grund fristlos kündigen. 5. Nenne drei Pflichten eines Auszubildenden. Antwort anzeigen Zum Beispiel Lernpflicht, Sorgfaltspflicht, Berufsschulpflicht, Berichtsheft führen, Weisungen beachten und Betriebsgeheimnisse wahren. 6. Nenne drei Pflichten des Ausbildungsbetriebs. Antwort anzeigen Zum Beispiel Ausbildungspflicht, Vergütung zahlen, Ausbildungsmittel bereitstellen, für Berufsschule und Prüfung freistellen und Berichtsheft kontrollieren. 7. Was ist Tarifautonomie? Antwort anzeigen Tarifautonomie bedeutet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber bzw. Arbeitgeberverbände Tarifverträge eigenständig aushandeln können. 8. Was ist der Unterschied zwischen Betriebsrat und JAV? Antwort anzeigen Der Betriebsrat vertritt die Arbeitnehmer des Betriebs allgemein. Die JAV vertritt speziell Jugendliche und Auszubildende. 9. Welche fünf Zweige der Sozialversicherung gibt es? Antwort anzeigen Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung. 10. Welche Sozialversicherung zahlt der Arbeitgeber allein? Antwort anzeigen Die gesetzliche Unfallversicherung. 11. Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? Antwort anzeigen Brutto ist der Verdienst vor Abzügen. Netto ist der Betrag, der nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausgezahlt wird. 12. Warum ist lebenslanges Lernen in IT-Berufen wichtig? Antwort anzeigen Weil sich Technologien, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsmethoden schnell verändern. Fachinformatiker müssen ihr Wissen regelmäßig aktualisieren.