Seite 4.7 Nachhaltigkeit, Einkauf, Lieferantenauswahl und Rechtsfolgen Prüfungsziel Du sollst erklären können, wie Nachhaltigkeit im Betrieb umgesetzt wird, wie Einkauf und Lieferantenauswahl unter Nachhaltigkeitsaspekten erfolgen können und welche Folgen Verstöße gegen Umweltvorschriften haben können. Für die Prüfung sind hier vor allem wichtig: Nachhaltigkeit wirtschaftliche Nachhaltigkeit beim Einkauf Lieferantenauswahl unter Nachhaltigkeitsaspekten sparsamer Umgang mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen Kennzeichnung und getrennte Lagerung beachten Abfallvermeidung Abfallreduzierung Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung Was bedeutet Nachhaltigkeit? Nachhaltigkeit bedeutet, so zu handeln, dass heutige Bedürfnisse erfüllt werden, ohne die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen unnötig zu gefährden. Im Betrieb bedeutet das: Ressourcen schonen Umweltbelastungen reduzieren wirtschaftlich sinnvoll handeln soziale Verantwortung beachten langfristig denken gesetzliche Vorgaben einhalten Einfach gesagt: Nachhaltigkeit heißt: Nicht nur kurzfristig billig oder bequem handeln, sondern langfristige Folgen berücksichtigen. Die drei Bereiche der Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit wird oft in drei Bereiche unterteilt. Bereich Bedeutung Beispiel im Betrieb ökologische Nachhaltigkeit Umwelt und Ressourcen schützen Strom sparen, Recycling, langlebige Geräte ökonomische Nachhaltigkeit langfristig wirtschaftlich handeln Geräte mit guter Lebensdauer kaufen soziale Nachhaltigkeit Menschen und Arbeitsbedingungen berücksichtigen faire Lieferketten, Arbeitsschutz, gute Ausbildung Ökologische Nachhaltigkeit Ökologische Nachhaltigkeit betrachtet die Auswirkungen auf Umwelt und Natur. Beispiele: weniger Strom verbrauchen Geräte länger nutzen Elektroschrott fachgerecht entsorgen Recycling nutzen Verpackungen reduzieren umweltfreundliche Materialien bevorzugen Papierverbrauch senken Strom aus regenerativen Quellen nutzen Ökonomische Nachhaltigkeit Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, wirtschaftlich langfristig sinnvoll zu handeln. Es geht nicht nur darum, den billigsten Preis zu wählen. Beispiel: Ein sehr billiger Drucker kann auf den ersten Blick günstig sein. Wenn Toner teuer ist, das Gerät schnell kaputtgeht und viel Strom verbraucht, kann er langfristig teurer und weniger nachhaltig sein. Soziale Nachhaltigkeit Soziale Nachhaltigkeit berücksichtigt Menschen und Arbeitsbedingungen. Beispiele: faire Arbeitsbedingungen bei Lieferanten keine Ausbeutung in Lieferketten Arbeitsschutz im eigenen Betrieb Ausbildung und Weiterbildung fördern Gleichbehandlung Gesundheitsschutz verantwortungsvoller Umgang mit Mitarbeitern Nachhaltigkeit im IT-Betrieb In IT-Betrieben ist Nachhaltigkeit besonders wichtig bei: Hardwarebeschaffung Energieverbrauch Serverbetrieb Cloud-Nutzung Datenspeicherung Druckprozessen Entsorgung von Elektroschrott Umgang mit Akkus und Batterien Verpackungsmaterial Transport und Lieferungen Wirtschaftliche Nachhaltigkeit beim Einkauf Beim Einkauf sollte nicht nur der Anschaffungspreis betrachtet werden. Wichtig sind die gesamten Kosten und Folgen über die Nutzungsdauer. Zu berücksichtigen sind zum Beispiel: Anschaffungspreis Stromverbrauch Wartungskosten Reparierbarkeit Lebensdauer Ersatzteilverfügbarkeit Garantie Lizenzkosten Entsorgungskosten Verpackungsaufwand Energieeffizienz Wiederverwendbarkeit Sicherheitsupdates Kompatibilität Total Cost of Ownership Total Cost of Ownership bedeutet Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer. Einfach gesagt: Nicht nur Kaufpreis betrachten, sondern alle Kosten. Beispiel Notebook: Kostenart Beispiel Anschaffung Kaufpreis des Notebooks Betrieb Stromverbrauch Wartung Reparaturen, Ersatzteile Software Lizenzen Support Arbeitszeit für Einrichtung und Betreuung Ausfallkosten Produktivitätsverlust bei Defekten Entsorgung fachgerechte Entsorgung am Ende der Nutzung Prüfungsnah: Ein teureres Gerät kann langfristig wirtschaftlicher sein, wenn es länger hält, weniger Strom verbraucht und seltener ausfällt. Beispiel: Nachhaltiger Einkauf von Monitoren Ein Betrieb möchte neue Monitore kaufen. Nicht nur betrachten: niedrigster Preis Besser zusätzlich prüfen: Energieverbrauch Ergonomie Reparierbarkeit Garantie Lebensdauer Verpackung Umweltzertifikate Lieferant Entsorgung alter Geräte Eignung für den Arbeitsplatz Lieferantenauswahl unter Nachhaltigkeitsaspekten Auch die Auswahl von Lieferanten kann nachhaltig erfolgen. Mögliche Kriterien: Umweltstandards faire Arbeitsbedingungen kurze Lieferwege geringe Verpackung Rücknahmesysteme Recyclingangebote Reparaturservice Ersatzteilverfügbarkeit transparente Lieferkette Energieeffizienz der Produkte Zertifizierungen Zuverlässigkeit Datenschutz und IT-Sicherheit Beispiel: Lieferantenauswahl Ein Unternehmen kann zwischen zwei Hardwarelieferanten wählen. Kriterium Lieferant A Lieferant B Preis günstiger etwas teurer Verpackung viel Einwegplastik reduzierte Verpackung Rücknahme alter Geräte nein ja Ersatzteile schwer verfügbar gut verfügbar Lieferweg weit regionaler Nachhaltigkeitsnachweise keine vorhanden Bewertung: Lieferant B kann trotz höherem Preis nachhaltiger und langfristig sinnvoller sein. Nachhaltigkeit und Zielkonflikte Nachhaltige Entscheidungen können Zielkonflikte verursachen. Beispiele: Ziel 1 Ziel 2 Konflikt niedriger Einkaufspreis langlebige Geräte bessere Geräte kosten oft mehr schnelle Lieferung geringe Umweltbelastung Expressversand kann mehr Transportaufwand bedeuten hohe Verfügbarkeit geringer Energieverbrauch Redundanz verbraucht mehr Strom Datenschutz Wiederverwendung alter Datenträger Daten müssen sicher gelöscht oder Datenträger vernichtet werden geringe Kosten faire Lieferbedingungen faire Lieferketten können teurer sein Wichtig für die Prüfung: Nachhaltigkeit bedeutet oft, verschiedene Ziele abzuwägen und die Entscheidung begründen zu können. Sparsamer Umgang mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen Der Prüfungskatalog nennt ausdrücklich den sparsamen Umgang mit Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen. Rohstoffe Rohstoffe sind Grundmaterialien, die für Produkte benötigt werden. Beispiele im IT-Kontext: Metalle Kupfer Aluminium Kunststoffe Glas seltene Erden Rohstoffe für Akkus Hilfsstoffe Hilfsstoffe unterstützen Prozesse oder gehen nur untergeordnet in Produkte ein. Beispiele: Reinigungsmittel Etiketten Verpackungsmaterial Kleinteile Kabelbinder Schrauben Schutzfolien Betriebsstoffe Betriebsstoffe werden für den Betrieb benötigt. Beispiele: Strom Wasser Kühlmittel Kraftstoffe Druckluft Reinigungsmittel Toner Tinte Sparsamer Umgang im Arbeitsalltag Stoff / Ressource Sparsamer Umgang Strom Geräte ausschalten, Energiesparmodus nutzen Papier digital arbeiten, Duplexdruck nutzen Toner nur notwendige Ausdrucke Kabel brauchbare Kabel wiederverwenden Hardware pfleglich behandeln, Reparatur prüfen Verpackung wiederverwenden oder getrennt entsorgen Wasser unnötigen Verbrauch vermeiden Akkus sachgerecht nutzen und entsorgen Kennzeichnung und getrennte Lagerung Bestimmte Stoffe und Abfälle müssen klar gekennzeichnet und getrennt gelagert werden. Warum? Verwechslungen vermeiden Gefahren erkennen Recycling erleichtern falsche Entsorgung verhindern Datenschutz gewährleisten Arbeitsschutz verbessern gesetzliche Vorgaben einhalten Beispiele für Kennzeichnung „Akkus / Batterien“ „Elektroschrott“ „Datenträger zur Vernichtung“ „Toner-Rückgabe“ „Kabel zur Wiederverwendung“ „Kabelschrott“ „Datenschutzpapier“ „Verpackung Kartonage“ „Defekte Netzteile“ Beispiele für getrennte Lagerung Material Warum getrennt lagern? Akkus Brandgefahr und Schadstoffe Datenträger Datenschutz Kabel Rohstoffrecycling Toner fachgerechte Rückgabe Papier Recycling Verpackungen getrennte Verwertung defekte Netzteile elektrische Sicherheit vertrauliche Ausdrucke Datenschutz Abfallvermeidung Abfallvermeidung bedeutet, Abfall gar nicht erst entstehen zu lassen. Beispiele: weniger drucken digitale Prozesse nutzen langlebige Geräte kaufen Reparatur statt Neukauf prüfen Sammelbestellungen statt vieler Einzellieferungen Verpackungen reduzieren Geräte bedarfsgerecht beschaffen Fehldrucke vermeiden Materialien wiederverwenden Merksatz: Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht. Abfallreduzierung Abfallreduzierung bedeutet, die entstehende Abfallmenge zu verringern. Beispiele: Duplexdruck wiederverwendbare Verpackungen Rücknahmesysteme nutzen gebrauchte Geräte weiterverwenden Tonerkartuschen zurückgeben Kabel sortieren und erneut nutzen Lagerbestände besser planen Fehlbestellungen vermeiden Abfallvermeidung vs. Abfallreduzierung Begriff Bedeutung Beispiel Abfallvermeidung Abfall entsteht gar nicht Dokument wird nicht gedruckt Abfallreduzierung weniger Abfall entsteht Dokument wird doppelseitig gedruckt Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung Wenn Umweltvorschriften nicht eingehalten werden, kann das Folgen haben. Mögliche Rechtsfolgen: Bußgelder Schadensersatzforderungen behördliche Anordnungen Entsorgungspflichten Betriebsauflagen Strafverfahren bei schweren Verstößen Verlust von Genehmigungen Haftung des Unternehmens persönliche Verantwortung von Verantwortlichen Weitere Folgen für den Betrieb Neben rechtlichen Folgen kann es auch weitere Nachteile geben. Beispiele: Imageschaden Vertrauensverlust bei Kunden höhere Kosten Nacharbeiten Betriebsunterbrechungen Probleme bei Audits Verlust von Zertifizierungen Konflikte mit Behörden Gefährdung von Mitarbeitern Beispiel: Falsche Entsorgung von Datenträgern Ein Betrieb entsorgt alte Festplatten im Elektroschrott, ohne Daten sicher zu löschen. Mögliche Folgen: Datenschutzverletzung personenbezogene Daten werden offengelegt Bußgeld möglich Imageschaden Kunden verlieren Vertrauen zusätzliche Kosten für Aufklärung und Maßnahmen Wichtig: Hier überschneiden sich Umweltschutz, Datenschutz und IT-Sicherheit. Beispiel: Falsche Entsorgung von Akkus Ein defekter Akku wird im Restmüll entsorgt. Mögliche Folgen: Brandgefahr Umweltbelastung Verstoß gegen Entsorgungsvorgaben Kosten durch Schaden mögliche rechtliche Folgen Nachhaltige Beschaffung: einfache Prüfliste Vor dem Kauf neuer IT-Geräte kann man prüfen: Wird das Gerät wirklich benötigt? Ist Reparatur oder Aufrüstung möglich? Ist das Gerät energieeffizient? Hat es eine ausreichende Lebensdauer? Gibt es Ersatzteile? Gibt es Sicherheitsupdates? Gibt es Rücknahme- oder Recyclingangebote? Ist die Verpackung reduziert? Ist der Lieferant zuverlässig? Gibt es Nachhaltigkeitsnachweise? Sind Datenschutz und IT-Sicherheit berücksichtigt? Wie hoch sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer? Bezug zur Prüfung In der Prüfung können Aufgaben vorkommen, bei denen du nachhaltige Entscheidungen beurteilen sollst. Typische Aufgaben: nachhaltige Lieferantenauswahl bewerten niedrigsten Preis gegen Gesamtkosten abwägen Abfallvermeidung und Abfallreduzierung unterscheiden richtige Lagerung und Kennzeichnung auswählen Rechtsfolgen bei Umweltverstößen erkennen Zielkonflikte zwischen Kosten, Nachhaltigkeit und Sicherheit erklären Typische Prüfungsfrage 1 Was bedeutet Nachhaltigkeit im Betrieb? Antwort anzeigen Nachhaltigkeit bedeutet, Ressourcen zu schonen, Umweltbelastungen zu reduzieren, wirtschaftlich langfristig sinnvoll zu handeln und soziale Verantwortung zu berücksichtigen. Typische Prüfungsfrage 2 Welche drei Bereiche der Nachhaltigkeit gibt es häufig? Antwort anzeigen Ökologische Nachhaltigkeit, ökonomische Nachhaltigkeit und soziale Nachhaltigkeit. Typische Prüfungsfrage 3 Warum sollte beim Einkauf nicht nur der Anschaffungspreis betrachtet werden? Antwort anzeigen Weil auch Stromverbrauch, Wartung, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Entsorgung, Ausfallkosten und Betriebskosten wichtig sind. Entscheidend sind oft die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer. Typische Prüfungsfrage 4 Was bedeutet Total Cost of Ownership? Antwort anzeigen Total Cost of Ownership bedeutet Gesamtkosten über die gesamte Nutzungsdauer eines Produkts, nicht nur der Kaufpreis. Typische Prüfungsfrage 5 Nenne drei Nachhaltigkeitskriterien bei der Lieferantenauswahl. Antwort anzeigen Beispiele sind Umweltstandards, faire Arbeitsbedingungen, kurze Lieferwege, geringe Verpackung, Rücknahmesysteme, Reparaturservice, Ersatzteilverfügbarkeit und transparente Lieferketten. Typische Prüfungsfrage 6 Was ist der Unterschied zwischen Abfallvermeidung und Abfallreduzierung? Antwort anzeigen Abfallvermeidung bedeutet, dass Abfall gar nicht erst entsteht. Abfallreduzierung bedeutet, dass weniger Abfall entsteht. Typische Prüfungsfrage 7 Warum sind Kennzeichnung und getrennte Lagerung wichtig? Antwort anzeigen Sie verhindern Verwechslungen, erleichtern fachgerechte Entsorgung, verbessern Recycling, machen Gefahren erkennbar und helfen beim Einhalten von Datenschutz- und Umweltvorgaben. Typische Prüfungsfrage 8 Nenne mögliche Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung von Umweltvorschriften. Antwort anzeigen Mögliche Folgen sind Bußgelder, behördliche Anordnungen, Entsorgungspflichten, Schadensersatzforderungen, Betriebsauflagen oder bei schweren Verstößen auch strafrechtliche Folgen. Typische Prüfungsfrage 9 Warum kann ein günstiges Gerät langfristig unwirtschaftlich sein? Antwort anzeigen Ein günstiges Gerät kann hohe Stromkosten, kurze Lebensdauer, schlechte Reparierbarkeit, teure Ersatzteile oder häufige Ausfälle verursachen. Dadurch können die Gesamtkosten höher sein. Typische Prüfungsfrage 10 Nenne ein Beispiel für einen Zielkonflikt bei nachhaltigem Einkauf. Antwort anzeigen Ein langlebiges und energieeffizientes Gerät ist in der Anschaffung teurer, kann aber langfristig nachhaltiger und wirtschaftlicher sein. Merksatz Nachhaltigkeit bedeutet ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortliches Handeln Beim Einkauf zählt nicht nur der Kaufpreis, sondern die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer Lieferanten können nach Umweltstandards, Rücknahme, Reparatur, Verpackung und fairen Bedingungen bewertet werden Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sollen sparsam eingesetzt werden Kennzeichnung und getrennte Lagerung verhindern Fehler und erleichtern Entsorgung Abfallvermeidung ist besser als Abfallreduzierung Umweltverstöße können Bußgelder, Auflagen, Schadensersatz und Imageschäden verursachen