13.2 Asymmetrische Verschlüsselung
13.2 Asymmetrische Verschlüsselung
Kurzüberblick
Bei der asymmetrischen Verschlüsselung gibt es nicht nur einen gemeinsamen Schlüssel, sondern ein Schlüsselpaar.
Dieses Schlüsselpaar besteht aus:
- einem öffentlichen Schlüssel
- einem privaten Schlüssel
Der öffentliche Schlüssel darf verteilt werden.
Der private Schlüssel bleibt geheim.
IHK-Merksatz:
Asymmetrisch bedeutet: zwei unterschiedliche Schlüssel.
Einer ist öffentlich, einer bleibt privat.
Grundidee
Wenn Alice eine geheime Nachricht an Bob senden möchte, muss Bob zuerst ein Schlüsselpaar erzeugen.
Das ist wichtig:
Der Empfänger des Geheimnisses erzeugt das Schlüsselpaar.
In unserem Beispiel ist Bob der Empfänger.
Bob erzeugt also:
| Schlüssel | Bedeutung |
|---|---|
| öffentlicher Schlüssel | darf an Alice und andere Personen weitergegeben werden |
| privater Schlüssel | bleibt geheim bei Bob |
Alice nutzt dann Bobs öffentlichen Schlüssel, um die Nachricht zu verschlüsseln.
Bob nutzt seinen privaten Schlüssel, um die Nachricht zu entschlüsseln.
Warum braucht man zwei Schlüssel?
Bei der symmetrischen Verschlüsselung gibt es ein Problem:
Alice und Bob brauchen denselben geheimen Schlüssel.
Dieser Schlüssel muss sicher übertragen werden.
Bei der asymmetrischen Verschlüsselung ist das anders:
Der öffentliche Schlüssel darf offen verteilt werden.
Dadurch muss kein geheimer Schlüssel ungeschützt verschickt werden.
Kurz gesagt:
Asymmetrische Verschlüsselung hilft beim Problem der sicheren Schlüsselübergabe.
Ablauf: Alice sendet ein Geheimnis an Bob
| Schritt | Erklärung |
|---|---|
| 1 | Bob erzeugt ein Schlüsselpaar. |
| 2 | Bob behält den privaten Schlüssel geheim. |
| 3 | Bob veröffentlicht seinen öffentlichen Schlüssel. |
| 4 | Alice nimmt Bobs öffentlichen Schlüssel. |
| 5 | Alice verschlüsselt damit ihre Nachricht. |
| 6 | Die verschlüsselte Nachricht wird über das Netzwerk übertragen. |
| 7 | Bob entschlüsselt mit seinem privaten Schlüssel. |
| 8 | Bob kann den Klartext lesen. |
Einfaches Beispiel
| Rolle | Was passiert? |
|---|---|
| Bob | erzeugt öffentlichen und privaten Schlüssel |
| Bob | gibt den öffentlichen Schlüssel frei |
| Alice | verschlüsselt mit Bobs öffentlichem Schlüssel |
| Eve | kann den öffentlichen Schlüssel ebenfalls sehen |
| Bob | entschlüsselt mit seinem privaten Schlüssel |
| Eve | kann nicht entschlüsseln, weil ihr der private Schlüssel fehlt |
Wichtiger Grundsatz
Was mit dem einen Schlüssel verschlüsselt wird, kann nur mit dem anderen passenden Schlüssel entschlüsselt werden.
Das bedeutet hier:
| Aktion | Schlüssel |
|---|---|
| Verschlüsseln für Bob | Bobs öffentlicher Schlüssel |
| Entschlüsseln durch Bob | Bobs privater Schlüssel |
Merksatz:
Zum geheimen Senden an Bob nutzt Alice Bobs öffentlichen Schlüssel.
Zum Lesen nutzt Bob seinen privaten Schlüssel.
Öffentlicher Schlüssel
Der öffentliche Schlüssel darf verteilt werden.
Er kann zum Beispiel:
- auf einer Webseite stehen
- in einem Zertifikat enthalten sein
- an Kommunikationspartner gesendet werden
- von Alice verwendet werden
- auch von Eve gesehen werden
Das ist nicht schlimm, weil der öffentliche Schlüssel allein nicht zum Entschlüsseln reicht.
Wichtig:
Öffentlich bedeutet nicht unsicher.
Der öffentliche Schlüssel ist dafür gedacht, verteilt zu werden.
Privater Schlüssel
Der private Schlüssel ist das eigentliche Geheimnis.
Er darf nicht weitergegeben werden.
Wenn der private Schlüssel gestohlen wird, ist die Sicherheit gefährdet.
Der private Schlüssel wird genutzt zum Beispiel für:
- Entschlüsseln
- digitale Signatur
- Identitätsnachweis
- Zugriff auf geschützte Kommunikation
Achtung Prüfungsfalle:
Der private Schlüssel wird niemals veröffentlicht.
Er bleibt beim Besitzer.
Vorteile der asymmetrischen Verschlüsselung
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| kein geheimer Schlüssel muss vorher gemeinsam übertragen werden | Der öffentliche Schlüssel darf verteilt werden |
| geeignet für Schlüsselaustausch | Ein Sitzungsschlüssel kann sicher übertragen werden |
| ermöglicht digitale Signaturen | Absender und Integrität können geprüft werden |
| Grundlage für Zertifikate | Identitäten können mit öffentlichen Schlüsseln verbunden werden |
Nachteile der asymmetrischen Verschlüsselung
| Nachteil | Erklärung |
|---|---|
| langsamer als symmetrische Verschlüsselung | Rechenaufwand ist höher |
| nicht ideal für große Datenmengen | Für große Daten nutzt man besser symmetrische Verschlüsselung |
| private Schlüssel müssen gut geschützt werden | Verlust oder Diebstahl ist kritisch |
| Zertifikatsprüfung kann nötig sein | Man muss wissen, ob der öffentliche Schlüssel wirklich zur richtigen Person gehört |
Warum verschlüsselt man nicht einfach alles asymmetrisch?
Asymmetrische Verschlüsselung ist praktisch, aber langsam.
Für große Datenmengen wäre das ineffizient.
Darum nutzt man in der Praxis meistens ein hybrides Verfahren:
- asymmetrisch für den sicheren Schlüsselaustausch
- symmetrisch für die schnelle Datenverschlüsselung
Das ist wichtig für:
- HTTPS
- TLS
- VPN
- sichere Kommunikation im Internet
Kurz gesagt:
Asymmetrisch löst das Schlüsselübergabe-Problem.
Symmetrisch verschlüsselt danach schnell die eigentlichen Daten.
Vergleich: symmetrisch und asymmetrisch
| Merkmal | Symmetrisch | Asymmetrisch |
|---|---|---|
| Anzahl der Schlüssel | ein gemeinsamer Schlüssel | zwei Schlüssel |
| Schlüsselarten | geheimer Schlüssel | öffentlicher und privater Schlüssel |
| Geschwindigkeit | schnell | langsamer |
| Hauptproblem | Schlüsselübergabe | höherer Rechenaufwand |
| typischer Einsatz | große Datenmengen | Schlüsselaustausch, Zertifikate, Signatur |
| Beispielprinzip | Alice und Bob haben denselben Schlüssel | Alice nutzt Bobs öffentlichen Schlüssel |
Bezug zur digitalen Signatur
Asymmetrische Verfahren können nicht nur für Verschlüsselung genutzt werden.
Sie können auch für digitale Signaturen genutzt werden.
Dabei ist die Richtung anders:
| Zweck | Verwendeter Schlüssel |
|---|---|
| Nachricht an Bob verschlüsseln | Bobs öffentlicher Schlüssel |
| Nachricht von Bob entschlüsseln | Bobs privater Schlüssel |
| Signatur von Bob erstellen | Bobs privater Schlüssel |
| Signatur von Bob prüfen | Bobs öffentlicher Schlüssel |
Wichtig:
Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit.
Signatur prüft Authentizität und Integrität.
Typische Praxisbeispiele
| Bereich | Rolle der asymmetrischen Verschlüsselung |
|---|---|
| HTTPS / TLS | sicherer Schlüsselaustausch und Zertifikate |
| VPN | Aufbau sicherer Verbindungen |
| digitale Signatur | Echtheit und Unverändertheit prüfen |
| Zertifikate | öffentlicher Schlüssel wird einer Identität zugeordnet |
| E-Mail-Verschlüsselung | öffentliche Schlüssel können zum Verschlüsseln genutzt werden |
| SSH | Schlüsselpaare können zur Anmeldung genutzt werden |
Typische IHK-Fragen zur asymmetrischen Verschlüsselung
Was ist asymmetrische Verschlüsselung?
Bei der asymmetrischen Verschlüsselung gibt es zwei unterschiedliche Schlüssel: einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel.
Wer erzeugt das Schlüsselpaar?
Der Empfänger erzeugt das Schlüsselpaar, wenn er verschlüsselte Nachrichten empfangen möchte.
Was passiert mit dem öffentlichen Schlüssel?
Der öffentliche Schlüssel darf verteilt werden.
Was passiert mit dem privaten Schlüssel?
Der private Schlüssel bleibt geheim beim Besitzer.
Welchen Schlüssel nutzt Alice, wenn sie Bob eine geheime Nachricht senden möchte?
Alice nutzt Bobs öffentlichen Schlüssel.
Welchen Schlüssel nutzt Bob zum Entschlüsseln?
Bob nutzt seinen privaten Schlüssel.
Warum ist asymmetrische Verschlüsselung wichtig?
Sie löst das Problem, wie man sicher einen Schlüssel austauschen kann.
Warum nutzt man asymmetrische Verschlüsselung nicht für alle Daten?
Weil sie langsamer ist als symmetrische Verschlüsselung.
Prüfungsfalle: öffentlicher Schlüssel ist nicht geheim
Der öffentliche Schlüssel darf von allen gesehen werden.
Auch Eve darf ihn kennen.
Das ist nicht das Problem.
Das Problem wäre nur, wenn Eve den privaten Schlüssel bekommt.
| Schlüssel | Darf Eve ihn sehen? | Sicherheitsproblem? |
|---|---|---|
| öffentlicher Schlüssel | ja | nein |
| privater Schlüssel | nein | ja, sehr kritisch |
Achtung:
Öffentlich heißt hier wirklich öffentlich.
Geheim bleiben muss nur der private Schlüssel.
Prüfungsfalle: Wer verschlüsselt mit welchem Schlüssel?
Wenn Alice eine Nachricht geheim an Bob senden möchte:
| Person | Aktion |
|---|---|
| Bob | erzeugt Schlüsselpaar |
| Bob | veröffentlicht öffentlichen Schlüssel |
| Alice | verschlüsselt mit Bobs öffentlichem Schlüssel |
| Bob | entschlüsselt mit Bobs privatem Schlüssel |
Merksatz:
Immer an den Empfänger denken:
Wer lesen soll, dessen öffentlicher Schlüssel wird zum Verschlüsseln genutzt.
Zusammenfassung
Die asymmetrische Verschlüsselung nutzt ein Schlüsselpaar:
- öffentlicher Schlüssel
- privater Schlüssel
Der öffentliche Schlüssel darf verteilt werden.
Der private Schlüssel bleibt geheim.
Alice verschlüsselt eine Nachricht für Bob mit Bobs öffentlichem Schlüssel.
Bob entschlüsselt die Nachricht mit Bobs privatem Schlüssel.
Der große Vorteil ist:
- Die Schlüsselübergabe wird einfacher.
Der große Nachteil ist:
- Das Verfahren ist langsamer als symmetrische Verschlüsselung.
IHK-Spickzettel:
Asymmetrisch = öffentlicher + privater Schlüssel
Öffentlich = darf verteilt werden
Privat = bleibt geheim
Verschlüsseln für Bob = Bobs öffentlicher Schlüssel
Entschlüsseln durch Bob = Bobs privater Schlüssel
Vorteil = löst Schlüsselübergabe
Nachteil = langsamer als symmetrisch
