13.5 Digitale Signatur
13.5 Digitale Signatur
Kurzüberblick
Eine digitale Signatur ist kein Verfahren, um eine Nachricht geheim zu machen.
Eine digitale Signatur dient vor allem dazu zu prüfen:
- Stammt die Nachricht wirklich vom angegebenen Absender?
- Wurde die Nachricht unterwegs verändert?
IHK-Merksatz:
Digitale Signatur = Authentizität + Integrität
Nicht das Hauptziel = Vertraulichkeit
Grundidee
Bei der digitalen Signatur wird das asymmetrische Prinzip anders genutzt als bei der Verschlüsselung.
Bei der Verschlüsselung gilt:
- Alice verschlüsselt mit Bobs öffentlichem Schlüssel.
- Bob entschlüsselt mit Bobs privatem Schlüssel.
- Ziel: Nur Bob soll lesen können.
Bei der Signatur gilt:
- Bob signiert mit seinem privaten Schlüssel.
- Alice prüft mit Bobs öffentlichem Schlüssel.
- Ziel: Alice soll prüfen können, ob es wirklich von Bob stammt.
Wichtigster Unterschied
| Thema | Ziel |
|---|---|
| Verschlüsselung | Inhalt vor Mitlesen schützen |
| digitale Signatur | Absender-Echtheit und Unverändertheit prüfen |
Kurz gesagt:
Verschlüsselung schützt den Inhalt.
Signatur prüft Echtheit und Unverändertheit.
Welche Schlüssel werden benutzt?
| Vorgang | Schlüssel |
|---|---|
| Signatur erstellen | privater Schlüssel des Absenders |
| Signatur prüfen | öffentlicher Schlüssel des Absenders |
Wenn Bob eine Nachricht signiert:
- Bob benutzt seinen privaten Schlüssel.
- Alice prüft mit Bobs öffentlichem Schlüssel.
- Eve kann Bobs öffentlichen Schlüssel auch besitzen.
- Eve kann damit die Signatur prüfen, aber keine gültige Signatur von Bob erzeugen.
Merksatz:
Signieren = privater Schlüssel
Prüfen = öffentlicher Schlüssel
Ablauf einer digitalen Signatur
| Schritt | Erklärung |
|---|---|
| 1 | Bob erstellt eine Nachricht. |
| 2 | Aus der Nachricht wird ein Hashwert gebildet. |
| 3 | Bob signiert diesen Hash mit seinem privaten Schlüssel. |
| 4 | Bob sendet Nachricht und Signatur an Alice. |
| 5 | Alice berechnet selbst den Hash der empfangenen Nachricht. |
| 6 | Alice prüft die Signatur mit Bobs öffentlichem Schlüssel. |
| 7 | Wenn die Prüfung passt, sind Absender und Inhalt vertrauenswürdig. |
Was prüft Alice dadurch?
Wenn die Signaturprüfung erfolgreich ist, weiß Alice:
| Prüfung | Bedeutung |
|---|---|
| Authentizität | Die Nachricht stammt wirklich von Bob. |
| Integrität | Die Nachricht wurde unterwegs nicht verändert. |
Wenn die Prüfung fehlschlägt, kann das bedeuten:
- Die Nachricht wurde verändert.
- Die Signatur passt nicht zur Nachricht.
- Die Signatur stammt nicht von Bob.
- Der falsche öffentliche Schlüssel wurde verwendet.
- Der private Schlüssel wurde möglicherweise missbraucht.
Warum wird ein Hash verwendet?
In der Praxis wird normalerweise nicht die komplette Nachricht direkt signiert.
Stattdessen wird zuerst ein Hashwert der Nachricht gebildet.
Ein Hash ist ein Prüfwert fester Länge.
Beispiel:
| Eingabe | Hashwert |
|---|---|
| Nachricht A | a1b2c3d4... |
| Nachricht A mit kleiner Änderung | 9f8e7d6c... |
Schon eine kleine Änderung an der Nachricht verändert den Hashwert stark.
Darum eignet sich ein Hash gut, um Veränderungen an Daten zu erkennen.
Wichtig:
Ein Hash ist keine Verschlüsselung.
Ein Hash wird normalerweise nicht entschlüsselt, sondern verglichen.
Signatur mit Hash – vereinfacht
Bob macht:
| Schritt | Vorgang |
|---|---|
| 1 | Nachricht schreiben |
| 2 | Hash der Nachricht berechnen |
| 3 | Hash mit privatem Schlüssel signieren |
| 4 | Nachricht + Signatur senden |
Alice macht:
| Schritt | Vorgang |
|---|---|
| 1 | Nachricht empfangen |
| 2 | Hash der empfangenen Nachricht neu berechnen |
| 3 | Signatur mit Bobs öffentlichem Schlüssel prüfen |
| 4 | Ergebnis bewerten |
Warum kann Eve die Signatur nicht einfach fälschen?
Eve kann die Nachricht und die Signatur möglicherweise sehen.
Aber Eve besitzt nicht Bobs privaten Schlüssel.
Deshalb kann Eve keine gültige Signatur erzeugen, die wie eine echte Signatur von Bob geprüft werden kann.
| Person | Hat Bobs privaten Schlüssel? | Kann gültig als Bob signieren? |
|---|---|---|
| Bob | ja | ja |
| Alice | nein | nein |
| Eve | nein | nein |
Achtung Prüfungsfalle:
Der öffentliche Schlüssel darf bekannt sein.
Gefährlich wäre der Verlust des privaten Schlüssels.
Was passiert bei Manipulation?
Angenommen Bob sendet eine signierte Nachricht an Alice.
Eve verändert unterwegs den Inhalt.
Dann passiert bei Alice:
- Alice berechnet den Hash der veränderten Nachricht.
- Alice prüft die Signatur.
- Der neu berechnete Hash passt nicht mehr zur Signatur.
- Alice erkennt: Die Nachricht wurde verändert.
Damit ist die Integrität verletzt.
Was eine digitale Signatur leistet
| Sicherheitsziel | Wird durch Signatur unterstützt? | Erklärung |
|---|---|---|
| Authentizität | ja | Absender kann geprüft werden |
| Integrität | ja | Veränderung der Daten kann erkannt werden |
| Vertraulichkeit | nein, nicht automatisch | Inhalt ist dadurch nicht geheim |
Was eine digitale Signatur nicht automatisch leistet
Eine digitale Signatur macht den Inhalt nicht automatisch geheim.
Wenn Bob eine Nachricht nur signiert, aber nicht verschlüsselt, kann Eve den Inhalt eventuell mitlesen.
Eve kann die Nachricht zwar nicht unbemerkt verändern, aber sie kann den Inhalt sehen.
Darum gilt:
| Ziel | Benötigte Technik |
|---|---|
| Inhalt geheim halten | Verschlüsselung |
| Absender prüfen | digitale Signatur |
| Veränderung erkennen | Hash / digitale Signatur |
Kombination aus Verschlüsselung und Signatur
In der Praxis kann man Signatur und Verschlüsselung kombinieren.
Beispiel:
Bob möchte Alice eine Nachricht senden.
Dafür kann Bob:
- die Nachricht signieren
- die Nachricht für Alice verschlüsseln
- beides an Alice senden
Alice kann dann:
- die Nachricht entschlüsseln
- die Signatur prüfen
Dadurch werden mehrere Sicherheitsziele kombiniert.
| Ziel | Technik |
|---|---|
| Vertraulichkeit | Verschlüsselung |
| Authentizität | digitale Signatur |
| Integrität | digitale Signatur / Hash |
Vergleich: Verschlüsselung und Signatur
| Merkmal | Verschlüsselung | Digitale Signatur |
|---|---|---|
| Hauptziel | Vertraulichkeit | Authentizität und Integrität |
| schützt vor Mitlesen | ja | nein, nicht automatisch |
| erkennt Veränderung | nicht Hauptzweck | ja |
| beweist Absender | nicht Hauptzweck | ja |
| Sender nutzt | öffentlichen Schlüssel des Empfängers | privaten Schlüssel des Senders |
| Empfänger nutzt | privaten Schlüssel des Empfängers | öffentlichen Schlüssel des Senders |
Beispiel aus dem Alltag
Eine digitale Signatur kann man sich ähnlich wie eine Unterschrift vorstellen.
Aber technisch ist sie stärker, weil sie nicht nur sagt:
„Das kommt von Bob.“
Sondern auch:
„Der Inhalt wurde seit der Signatur nicht verändert.“
Allerdings gilt:
Eine normale Unterschrift steht sichtbar auf einem Dokument.
Eine digitale Signatur ist ein technischer Prüfwert.
Typische Praxisbeispiele
| Bereich | Rolle der digitalen Signatur |
|---|---|
| Software-Downloads | prüfen, ob Software vom echten Hersteller stammt |
| Zertifikate | Identität und öffentlicher Schlüssel werden abgesichert |
| E-Mail-Sicherheit | Absender und Unverändertheit prüfen |
| Dokumente | digitale Unterschrift |
| Updates | Schutz vor manipulierten Aktualisierungen |
| TLS / HTTPS | Zertifikatsprüfung und Vertrauensketten |
Typische IHK-Fragen zur digitalen Signatur
Was ist eine digitale Signatur?
Eine digitale Signatur ist ein Verfahren, mit dem man die Echtheit des Absenders und die Unverändertheit der Daten prüfen kann.
Welche Sicherheitsziele erfüllt eine digitale Signatur hauptsächlich?
Authentizität und Integrität.
Bietet eine digitale Signatur automatisch Vertraulichkeit?
Nein. Eine digitale Signatur macht den Inhalt nicht automatisch geheim.
Welchen Schlüssel nutzt der Absender zum Signieren?
Der Absender nutzt seinen privaten Schlüssel.
Welchen Schlüssel nutzt der Empfänger zum Prüfen?
Der Empfänger nutzt den öffentlichen Schlüssel des Absenders.
Warum wird häufig ein Hash verwendet?
Weil ein Hash ein kompakter Prüfwert der Nachricht ist und Veränderungen an der Nachricht erkennbar macht.
Was passiert, wenn die Nachricht nachträglich verändert wird?
Die Signaturprüfung schlägt fehl, weil der Hash nicht mehr passt.
Prüfungsfalle: Signatur ist nicht Verschlüsselung
Eine digitale Signatur bedeutet nicht automatisch, dass niemand die Nachricht lesen kann.
Beispiel:
Bob sendet eine signierte, aber unverschlüsselte Nachricht.
Dann kann Alice prüfen:
- Nachricht stammt von Bob.
- Nachricht wurde nicht verändert.
Aber Eve könnte den Inhalt trotzdem lesen, wenn sie die Übertragung sieht.
Merksatz:
Signatur schützt nicht automatisch vor Mitlesen.
Dafür braucht man Verschlüsselung.
Prüfungsfalle: Wer benutzt welchen Schlüssel?
| Ziel | Schlüssel beim Sender | Schlüssel beim Empfänger |
|---|---|---|
| Verschlüsseln für Bob | Bobs öffentlicher Schlüssel | Bobs privater Schlüssel |
| Signatur von Bob | Bobs privater Schlüssel | Bobs öffentlicher Schlüssel |
Kurzform:
Geheim an Bob senden: Bobs öffentlicher Schlüssel
Bob unterschreibt digital: Bobs privater Schlüssel
Alice prüft Bob: Bobs öffentlicher Schlüssel
Zusammenfassung
Die digitale Signatur nutzt asymmetrische Kryptografie.
Der Absender signiert mit seinem privaten Schlüssel.
Der Empfänger prüft mit dem öffentlichen Schlüssel des Absenders.
Dadurch kann geprüft werden:
- Ist der Absender echt?
- Wurde die Nachricht verändert?
Die digitale Signatur schützt aber nicht automatisch die Vertraulichkeit.
IHK-Spickzettel:
Digitale Signatur = Authentizität + Integrität
Signieren = privater Schlüssel des Absenders
Prüfen = öffentlicher Schlüssel des Absenders
Hash = Prüfwert der Nachricht
Vertraulichkeit = nur mit Verschlüsselung
