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13.4 Storage, Snapshots und Backups bei VMs

Einordnung

Diese Seite gehört zum Kapitel:

Server, Virtualisierung und Hochverfügbarkeit

Auf den vorherigen Seiten ging es um Server-Grundlagen, Virtualisierung, virtuelle Maschinen und Hypervisor-Verwaltung.

Jetzt geht es um ein besonders wichtiges Thema im VM-Betrieb:

Storage, Snapshots und Backups

Diese Themen sind wichtig, weil virtuelle Maschinen ihre Daten auf Speichersystemen ablegen und bei Fehlern wiederherstellbar sein müssen.


Grundidee

Eine virtuelle Maschine besteht nicht nur aus CPU und RAM.

Sie benötigt auch Speicherplatz für:

BestandteilBedeutung
BetriebssystemWindows Server, Linux usw.
AnwendungenServerdienste, Programme, Datenbanken
KonfigurationEinstellungen der VM
Virtuelle FestplattenDaten der VM
SnapshotsZwischenstände
BackupsSicherungskopien

Der Speicherbereich, auf dem virtuelle Maschinen liegen, wird häufig als Storage bezeichnet.


Was bedeutet Storage?

Storage bedeutet Speicherplatz für Daten.

In einer Virtualisierungsumgebung speichert Storage vor allem:

DatenartBeispiel
VM-KonfigurationName, RAM, CPU, Netzwerk
Virtuelle FestplattenVHDX, VMDK, QCOW2, RAW
ISO-DateienInstallationsmedien
SnapshotsZustände von VMs
BackupsSicherungskopien
TemplatesVorlagen für neue VMs

Merksatz

Storage ist der Speicherbereich, auf dem virtuelle Maschinen, virtuelle Festplatten, Snapshots, ISO-Dateien, Templates und Backups abgelegt werden.


Warum Storage bei VMs besonders wichtig ist

Bei Virtualisierung greifen oft viele VMs gleichzeitig auf denselben Speicher zu.

Beispiel:

VMZugriff auf Storage
DC01Betriebssystem, Active Directory
FILE01Dateien und Freigaben
DB01Datenbankdateien
WEB01Webdaten
APP01Anwendungsdaten

Wenn der Storage langsam oder voll ist, werden oft viele VMs gleichzeitig langsam oder fallen aus.


Typische Storage-Probleme bei VMs

ProblemAuswirkung
Storage vollVMs können stehen bleiben oder abstürzen
Storage zu langsamVMs reagieren träge
Hohe LatenzAnwendungen wirken langsam
Defekte FestplatteDatenverlust möglich
Alte SnapshotsSpeicherverbrauch und Performanceprobleme
Kein BackupWiederherstellung nicht möglich
Falsches ProvisioningSpeicher wird falsch eingeschätzt
Fehlende ÜberwachungProbleme werden zu spät erkannt

Virtuelle Festplatte

Eine virtuelle Festplatte ist der Datenträger einer VM.

Die VM sieht diese virtuelle Festplatte wie eine normale Festplatte.

Auf dem Host oder Storage liegt sie als Datei oder Block-Volume.

Typische Formate:

FormatPlattform
VHDÄlteres Hyper-V-Format
VHDXModernes Hyper-V-Format
VMDKVMware
QCOW2KVM / Proxmox
RAWKVM / Proxmox
IMGAllgemeines Image-Format

Beispiel

Eine VM mit dem Namen WEB01 kann so aufgebaut sein:

BestandteilBeispiel
VM-NameWEB01
BetriebssystemDebian 12
Virtuelle FestplatteWEB01.qcow2
Größe80 GB
SpeicherortDatastore01
NetzwerkVLAN 20

Die Datei WEB01.qcow2 enthält dann die virtuelle Festplatte der VM.


Datastore

Ein Datastore ist ein Speicherbereich, auf dem VMs und ihre Dateien liegen.

Der Begriff wird besonders in VMware-Umgebungen verwendet, ist aber allgemein gut verständlich.

Beispiele:

DatastoreInhalt
Datastore01Produktive VMs
Datastore02Test-VMs
ISO-StoreISO-Dateien
Backup-StoreSicherungen

Storage Pool

Ein Storage Pool ist ein zusammengefasster Speicherbereich aus mehreren Datenträgern oder Speicherressourcen.

Beispiel:

Mehrere SSDs werden zu einem Pool zusammengefasst.

Aus diesem Pool können dann Volumes oder virtuelle Festplatten bereitgestellt werden.

BegriffBedeutung
Physische DatenträgerEinzelne SSDs oder HDDs
Storage PoolZusammengefasster Speicher
VolumeLogischer Speicherbereich
Virtuelle FestplatteFestplatte einer VM

Lokaler Storage

Lokaler Storage befindet sich direkt im Virtualisierungshost.

Beispiel:

Ein Proxmox-Host hat interne SSDs oder NVMe-Laufwerke.

Vorteile:

VorteilErklärung
EinfachKeine externe Storage-Infrastruktur nötig
Schnell möglichLokale NVMe kann sehr schnell sein
Günstiger EinstiegWeniger zusätzliche Hardware

Nachteile:

NachteilErklärung
Host-AbhängigkeitVM liegt nur auf diesem Host
Schlechter für HAAndere Hosts kommen nicht direkt an die Daten
Migration schwierigerVM-Daten müssen übertragen werden
AusfallrisikoHost- oder Disk-Ausfall betrifft lokale VMs

Gemeinsamer Storage

Gemeinsamer Storage wird von mehreren Hosts genutzt.

Beispiel:

Drei Hypervisor-Hosts greifen auf dasselbe SAN oder NAS zu.

HostZugriff auf Storage
HV01Ja
HV02Ja
HV03Ja

Vorteil:

VMs können leichter zwischen Hosts verschoben oder bei Ausfall auf einem anderen Host gestartet werden.


Vorteile von gemeinsamem Storage

VorteilErklärung
Besser für ClusterMehrere Hosts können auf VM-Daten zugreifen
Live Migration einfacherVM-Daten müssen nicht komplett kopiert werden
Zentrale VerwaltungSpeicher wird zentral bereitgestellt
Bessere HA-MöglichkeitenVMs können auf anderem Host starten
Einfacheres KapazitätsmanagementSpeicher zentral planen

Nachteile von gemeinsamem Storage

NachteilErklärung
KomplexerNetzwerk, Rechte und Storage müssen passen
TeurerSAN/NAS kann kostenintensiv sein
Single Point of Failure möglichWenn Storage nicht redundant ist
NetzwerkabhängigStorage-Verkehr benötigt stabile Verbindung
Performanceplanung nötigViele VMs greifen gleichzeitig zu

SAN

SAN steht für Storage Area Network.

Ein SAN stellt Blockspeicher über ein spezielles Storage-Netz bereit.

Typische Technologien:

TechnologieBedeutung
Fibre ChannelSehr schnelles dediziertes Storage-Netz
iSCSIBlockspeicher über IP-Netzwerk
FCoEFibre Channel über Ethernet

SAN wird häufig in größeren Unternehmensumgebungen eingesetzt.


NAS

NAS steht für Network Attached Storage.

Ein NAS stellt Speicher über Netzwerkprotokolle bereit.

Typische Protokolle:

ProtokollEinsatz
SMBWindows-Dateifreigaben
NFSLinux/Unix-Dateifreigaben
iSCSIBlockspeicher über Netzwerk

Ein NAS kann auch als Speicherziel für VMs oder Backups verwendet werden.


SAN vs. NAS

MerkmalSANNAS
ZugriffBlockbasiertDateibasiert oder teils iSCSI
Typische ProtokolleFibre Channel, iSCSISMB, NFS
EinsatzGroße Virtualisierungsumgebungen, DatenbankenDateifreigaben, Backups, kleinere VM-Umgebungen
KomplexitätHöherMeist einfacher
KostenOft höherOft günstiger

iSCSI

iSCSI stellt Blockspeicher über ein IP-Netzwerk bereit.

Der Client nennt sich Initiator.
Das Storage-Ziel nennt sich Target.

BegriffBedeutung
iSCSI InitiatorSystem, das den Speicher nutzt
iSCSI TargetSystem, das den Speicher bereitstellt
LUNLogischer Speicherbereich

Beispiel:

Ein Hypervisor verbindet sich per iSCSI mit einem NAS und nutzt den bereitgestellten Speicher wie eine lokale Festplatte.


NFS

NFS steht für Network File System.

Es wird häufig in Linux- und Unix-Umgebungen verwendet.

NFS kann für VM-Speicher, ISO-Dateien oder Backups genutzt werden.

Beispiel:

Ein Proxmox-Host bindet ein NFS-Share vom NAS ein und speichert dort Backups oder ISO-Dateien.


SMB

SMB steht für Server Message Block.

Es ist besonders in Windows-Umgebungen verbreitet.

Typische Nutzung:

NutzungBeispiel
DateifreigabenNetzlaufwerke
BenutzerordnerHome-Verzeichnisse
BackupzielSicherungen auf NAS
Hyper-V StorageSMB 3.0 kann für Hyper-V genutzt werden

RAID im Storage

RAID kombiniert mehrere Festplatten zu einem logischen Speicher.

Ziele:

ZielErklärung
AusfallsicherheitEine oder mehrere Platten dürfen ausfallen
LeistungDaten werden verteilt
KapazitätMehrere Platten bilden größeren Speicher

Wichtige RAID-Level:

RAID-LevelBedeutungVorteilNachteil
RAID 0Striping ohne RedundanzSchnell, volle KapazitätKein Ausfallschutz
RAID 1SpiegelungEine Platte darf ausfallenWeniger nutzbarer Speicher
RAID 5ParitätEine Platte darf ausfallenRebuild belastet System
RAID 6Doppelte ParitätZwei Platten dürfen ausfallenWeniger nutzbarer Speicher
RAID 10Spiegelung und StripingSchnell und sicherBenötigt viele Platten

RAID ist kein Backup

RAID schützt vor bestimmten Festplattenausfällen.

RAID schützt nicht zuverlässig gegen:

RisikoWarum RAID nicht reicht
Versehentliches LöschenGelöschte Daten werden auf allen Platten gelöscht
RansomwareVerschlüsselte Daten werden ebenfalls gespeichert
DatenkorruptionFehler können sich auf den RAID-Verbund auswirken
Brand oder DiebstahlAlle Platten können betroffen sein
FehlkonfigurationFalsche Änderungen bleiben bestehen

Merksatz:

RAID erhöht die Verfügbarkeit des Speichers, ersetzt aber niemals ein Backup.


SSD, HDD und NVMe

SpeicherartEigenschaften
HDDGünstig, viel Speicher, mechanisch, langsamer
SSDSchnell, keine mechanischen Teile, teurer pro TB
NVMeSehr schnell, geringe Latenz, ideal für hohe Last

Für Virtualisierung ist nicht nur die Kapazität wichtig, sondern auch Geschwindigkeit und Latenz.


IOPS

IOPS bedeutet Input/Output Operations Per Second.

Also:

Wie viele Lese- und Schreiboperationen ein Speicher pro Sekunde schafft.

Wichtig bei:

SystemWarum IOPS wichtig sind
DatenbankenViele kleine Zugriffe
MailserverViele Transaktionen
FileserverViele Benutzerzugriffe
VDIViele gleichzeitige Desktop-VMs
BackupGroße Datenmengen

Latenz

Latenz ist die Verzögerung bei einem Zugriff.

Beispiel:

Eine VM fordert Daten vom Storage an.

Je niedriger die Latenz, desto schneller reagiert die VM.

Hohe Storage-Latenz führt oft zu langsamen Anwendungen.


Durchsatz

Durchsatz beschreibt, wie viele Daten pro Sekunde übertragen werden.

Beispiele:

EinheitBedeutung
MB/sMegabyte pro Sekunde
GB/sGigabyte pro Sekunde
Gbit/sGigabit pro Sekunde im Netzwerk

Durchsatz ist wichtig bei großen Datenmengen, zum Beispiel Backups oder großen Dateiübertragungen.


IOPS vs. Durchsatz

BegriffWichtig bei
IOPSViele kleine Zugriffe
DurchsatzGroße zusammenhängende Datenmengen
LatenzReaktionszeit

Beispiel:

Eine Datenbank braucht oft viele IOPS und niedrige Latenz.

Ein Backup braucht oft hohen Durchsatz.


Thin Provisioning

Thin Provisioning bedeutet, dass eine virtuelle Festplatte eine Maximalgröße bekommt, aber auf dem echten Storage nur den tatsächlich genutzten Speicher belegt.

Beispiel:

Eingestellte GrößeTatsächlich belegt
100 GB25 GB

Vorteil:

Speicher wird effizient genutzt.

Nachteil:

Wenn viele VMs wachsen, kann der Storage unerwartet voll laufen.


Thick Provisioning

Thick Provisioning bedeutet, dass der Speicher direkt vollständig reserviert wird.

Beispiel:

Eingestellte GrößeTatsächlich belegt
100 GB100 GB

Vorteil:

Speicherverbrauch ist besser planbar.

Nachteil:

Weniger flexibel und weniger platzsparend.


Thin vs. Thick Provisioning

MerkmalThin ProvisioningThick Provisioning
SpeicherbelegungWächst nach BedarfWird sofort reserviert
EffizienzHochGeringer
RisikoStorage kann voll laufenWeniger Überraschung
PlanungMuss gut überwacht werdenEinfacher planbar
EinsatzHäufig bei flexiblen UmgebungenKritische oder klar geplante Systeme

Overprovisioning beim Storage

Storage-Overprovisioning bedeutet:

Es wird mehr virtueller Speicher vergeben, als physisch vorhanden ist.

Beispiel:

Physischer StorageVergebener VM-Speicher
2 TB5 TB

Das kann funktionieren, solange die VMs nicht den gesamten Speicher tatsächlich nutzen.

Risiko:

Wenn viele VMs wachsen, wird der Storage voll.


Warum voller Storage gefährlich ist

Ein voller Storage kann schwere Probleme verursachen.

Mögliche Folgen:

FolgeErklärung
VMs frieren einSchreibvorgänge sind nicht mehr möglich
VMs stürzen abBetriebssysteme können Fehler bekommen
Snapshots können nicht konsolidiert werdenAlte Daten bleiben liegen
Backups schlagen fehlKein Platz für Sicherungen
Datenbanken werden beschädigtSchreibvorgänge brechen ab
Dienste fallen ausAnwendungen können nicht mehr arbeiten

Merksatz:

Ein voller VM-Storage ist ein kritischer Zustand und muss unbedingt vermieden werden.


Storage-Monitoring

Storage muss dauerhaft überwacht werden.

Wichtige Werte:

WertBedeutung
Freier SpeicherplatzWie viel Platz ist noch vorhanden?
WachstumWie schnell wächst der Speicherverbrauch?
IOPSAnzahl Speicheroperationen
LatenzVerzögerung beim Zugriff
DurchsatzDatenmenge pro Sekunde
FehlerDefekte Blöcke, Controllerfehler
Snapshot-GrößeAlte oder wachsende Snapshots
BackupstatusSicherungen erfolgreich?

Snapshot

Ein Snapshot speichert den Zustand einer VM zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Typische Nutzung:

SituationWarum Snapshot?
Vor UpdatesRückkehr möglich, wenn Update fehlschlägt
Vor SoftwareinstallationTest kann rückgängig gemacht werden
Vor KonfigurationsänderungAbsicherung gegen Fehler
SchulungsumgebungZurück zum Ausgangszustand

Was speichert ein Snapshot?

Je nach Plattform kann ein Snapshot Folgendes speichern:

BestandteilErklärung
FestplattenzustandZustand der virtuellen Festplatte
VM-KonfigurationEinstellungen der VM
ArbeitsspeicherzustandOptional laufender RAM-Zustand

Nicht jeder Snapshot enthält automatisch den Arbeitsspeicherzustand.


Wie funktioniert ein Snapshot vereinfacht?

Vor dem Snapshot schreibt die VM direkt in ihre virtuelle Festplatte.

Nach dem Snapshot werden neue Änderungen getrennt gespeichert.

Vereinfacht:

ZeitpunktSpeicherung
Vor SnapshotVM schreibt in die ursprüngliche virtuelle Festplatte
Nach SnapshotÄnderungen werden in eine zusätzliche Snapshot-Datei geschrieben
Beim ZurücksetzenVM kehrt zum alten Zustand zurück
Beim LöschenÄnderungen werden zusammengeführt

Snapshot-Kette

Wenn mehrere Snapshots erstellt werden, kann eine Kette entstehen.

Beispiel:

EbeneBedeutung
BasisdiskUrsprüngliche virtuelle Festplatte
Snapshot 1Änderungen nach erstem Snapshot
Snapshot 2Änderungen nach zweitem Snapshot
Snapshot 3Änderungen nach drittem Snapshot

Je länger und komplexer die Snapshot-Kette ist, desto riskanter wird die Verwaltung.


Probleme durch alte Snapshots

ProblemErklärung
SpeicherverbrauchSnapshot-Dateien wachsen mit Änderungen
PerformanceverlustLesen und Schreiben wird komplexer
BackupfehlerBackups können länger dauern oder fehlschlagen
KonsolidierungsproblemeZusammenführen kann schwierig werden
Storage vollSnapshot-Wachstum kann Speicher füllen

Merksatz:

Snapshots nur kurzfristig verwenden und nach erfolgreicher Änderung wieder entfernen.


Snapshots sind kein Backup

Ein Snapshot ist kein Backup.

Warum?

GrundErklärung
Gleicher StorageSnapshot liegt oft auf demselben Speicher
Kurzfristig gedachtNicht für langfristige Sicherung
Kein Schutz vor Storage-AusfallFällt Storage aus, ist auch Snapshot betroffen
Kein Schutz vor RansomwareAngreifer können Snapshots löschen oder beschädigen
Kein Ersatz für Restore-KonzeptBackup muss separat wiederherstellbar sein

Snapshot vs. Backup

MerkmalSnapshotBackup
ZweckKurzfristiger ZustandDatensicherung
SpeicherortMeist gleicher StorageSeparater Speicher möglich
ZeitraumKurzfristigMittel- bis langfristig
Schutz bei Storage-AusfallNeinJa, wenn extern gespeichert
EinsatzUpdates, TestsWiederherstellung nach Datenverlust
Ersatz für Backup?NeinJa, echte Sicherung

Checkpoint

Bei Hyper-V wird häufig der Begriff Checkpoint verwendet.

Ein Checkpoint ist ähnlich wie ein Snapshot.

Arten:

Checkpoint-ArtBedeutung
Standard CheckpointSpeichert Zustand für Tests
Production CheckpointBesser für produktive Workloads geeignet

Auch Checkpoints sind kein Ersatz für Backups.


Backup

Ein Backup ist eine Sicherung von Daten oder Systemen.

Ziel:

Daten oder ganze Systeme sollen nach einem Fehler wiederhergestellt werden können.

Typische Ursachen für Wiederherstellung:

UrsacheBeispiel
Versehentliches LöschenBenutzer löscht Datei
HardwaredefektStorage oder Server fällt aus
MalwareDaten werden verschlüsselt
FehlkonfigurationSystem wird falsch geändert
UpdatefehlerAnwendung funktioniert nicht mehr
DatenbankfehlerDaten werden beschädigt
KatastropheBrand, Wasser, Diebstahl

Backuparten

BackupartErklärung
VollbackupSichert alle ausgewählten Daten
Inkrementelles BackupSichert Änderungen seit dem letzten Backup
Differenzielles BackupSichert Änderungen seit dem letzten Vollbackup
Image-basiertes BackupSichert eine ganze VM oder ein ganzes System
Datei-basiertes BackupSichert einzelne Dateien und Ordner
Applikationskonsistentes BackupBerücksichtigt laufende Anwendungen
Agent-basiertes BackupBackupsoftware läuft im Gastbetriebssystem
Agentless BackupBackup erfolgt über Hypervisor-Schnittstelle

Vollbackup

Ein Vollbackup sichert alle ausgewählten Daten vollständig.

Vorteil:

Einfach wiederherzustellen.

Nachteil:

Benötigt viel Speicherplatz und Zeit.

Beispiel:

Jeden Sonntag wird eine vollständige Sicherung der VM erstellt.


Inkrementelles Backup

Ein inkrementelles Backup sichert nur die Änderungen seit dem letzten Backup.

Beispiel:

TagSicherung
SonntagVollbackup
MontagÄnderungen seit Sonntag
DienstagÄnderungen seit Montag
MittwochÄnderungen seit Dienstag

Vorteil:

Schnell und speichersparend.

Nachteil:

Für eine Wiederherstellung werden mehrere Backupstände benötigt.


Differenzielles Backup

Ein differenzielles Backup sichert alle Änderungen seit dem letzten Vollbackup.

Beispiel:

TagSicherung
SonntagVollbackup
MontagÄnderungen seit Sonntag
DienstagÄnderungen seit Sonntag
MittwochÄnderungen seit Sonntag

Vorteil:

Wiederherstellung ist einfacher als bei vielen inkrementellen Backups.

Nachteil:

Differenzielle Backups werden mit der Zeit größer.


Vollbackup vs. inkrementell vs. differenziell

MerkmalVollbackupInkrementellDifferenziell
SpeicherbedarfHochNiedrigMittel
BackupdauerLangKurzMittel
RestoreEinfachAbhängig von BackupketteEinfacher als inkrementell
Typischer EinsatzBasisbackupTägliche SicherungAlternative tägliche Sicherung

Image-basiertes VM-Backup

Bei einem image-basierten Backup wird die ganze VM gesichert.

Gesichert werden können:

BestandteilBeispiel
VM-KonfigurationCPU, RAM, Netzwerk
Virtuelle FestplattenVHDX, VMDK, QCOW2
VM-ZustandJe nach Verfahren
MetadatenName, ID, Einstellungen

Vorteil:

Die ganze VM kann wiederhergestellt werden.


Datei-basiertes Backup

Beim datei-basierten Backup werden einzelne Dateien oder Ordner gesichert.

Beispiel:

DatenBeispiel
BenutzerdateienDokumente
Konfigurationenconfig-Dateien
WebdatenHTML, PHP, Bilder
AnwendungsdatenExportordner

Vorteil:

Einzelne Dateien können gezielt wiederhergestellt werden.

Nachteil:

Das komplette System ist damit nicht immer schnell wiederherstellbar.


Agent-basiertes Backup

Beim agent-basierten Backup läuft eine Backupsoftware innerhalb der VM.

Vorteile:

VorteilErklärung
Anwendung kennt das BetriebssystemGute Kontrolle innerhalb der VM
Dateibasierte Sicherung möglichEinzelne Dateien sichern
ApplikationsintegrationDatenbanken können berücksichtigt werden

Nachteile:

NachteilErklärung
Agent muss gepflegt werdenInstallation und Updates nötig
Mehr VerwaltungsaufwandPro VM konfigurieren
Belastung der VMBackup läuft innerhalb der VM

Agentless Backup

Beim agentless Backup wird die VM über den Hypervisor gesichert.

Vorteile:

VorteilErklärung
Zentrale SicherungBackup über Hypervisor
Kein Agent in jeder VM nötigWeniger Pflege
Ganze VM leicht sicherbarImage-basierte Sicherung
Gut für viele VMsSkalierbar

Nachteile:

NachteilErklärung
Anwendungskonsistenz beachtenDatenbanken brauchen besondere Behandlung
Hypervisor-Integration nötigPlattform muss unterstützt werden
Rechte erforderlichBackupsoftware braucht Zugriff auf Hypervisor

Applikationskonsistentes Backup

Ein applikationskonsistentes Backup berücksichtigt laufende Anwendungen.

Besonders wichtig bei:

AnwendungWarum wichtig?
DatenbankenSchreibvorgänge müssen sauber abgeschlossen werden
Active DirectoryVerzeichnisdienst muss konsistent bleiben
MailserverViele Transaktionen
ERP-SystemeGeschäftsdaten dürfen nicht beschädigt werden
DokumentenmanagementDatenbank und Dateien müssen zusammenpassen

Ein einfaches Kopieren einer laufenden virtuellen Festplatte kann inkonsistente Daten erzeugen.


Crash-konsistentes Backup

Ein crash-konsistentes Backup entspricht ungefähr dem Zustand nach einem Stromausfall.

Das Dateisystem ist meist in einem wiederherstellbaren Zustand, aber Anwendungen können unvollständige Transaktionen haben.

ArtBedeutung
Crash-konsistentWie nach hartem Ausschalten
ApplikationskonsistentAnwendung wurde sauber berücksichtigt

Für einfache Systeme kann crash-konsistent reichen.
Für Datenbanken ist applikationskonsistent besser.


Backupziel

Ein Backupziel ist der Speicherort für Sicherungen.

Beispiele:

BackupzielBeispiel
Lokales NASBackup auf Netzwerkspeicher
Externes NASZweites Gerät an anderem Ort
Externe FestplatteOffline-Backup
CloudspeicherOffsite-Sicherung
TapeBandlaufwerk für Langzeitarchivierung
Backup-ApplianceSpezielles Backup-System

Offsite-Backup

Offsite bedeutet:

Eine Sicherung liegt außerhalb des Hauptstandorts.

Warum wichtig?

Risiko am HauptstandortWarum Offsite hilft
BrandExterne Kopie bleibt erhalten
DiebstahlExterne Kopie bleibt erhalten
WasserschadenExterne Kopie bleibt erhalten
RansomwareGetrennte Kopie kann geschützt sein
TotalausfallWiederherstellung an anderem Ort möglich

Offline-Backup

Offline-Backup bedeutet:

Die Sicherung ist nicht dauerhaft mit dem Netzwerk verbunden.

Beispiel:

Eine externe Festplatte wird nach dem Backup getrennt.

Vorteil:

Besserer Schutz gegen Ransomware.

Nachteil:

Mehr manueller Aufwand.


Immutable Backup

Immutable bedeutet unveränderbar.

Ein immutable Backup kann für eine bestimmte Zeit nicht gelöscht oder verändert werden.

Vorteil:

Schutz gegen Ransomware und versehentliches Löschen.

Beispiel:

Backups werden 30 Tage unveränderbar gespeichert.


3-2-1-Regel

Eine bekannte Backup-Regel ist die 3-2-1-Regel.

RegelBedeutung
3 KopienOriginal plus zwei Sicherungen
2 verschiedene MedienZum Beispiel NAS und externe Festplatte
1 Kopie externEine Kopie außerhalb des Standorts

Erweiterung:

ErweiterungBedeutung
3-2-1-1-0Zusätzlich eine Offline/Immutable-Kopie und 0 Fehler bei Backupprüfung

RPO

RPO steht für Recovery Point Objective.

Es beantwortet die Frage:

Wie viele Daten dürfen maximal verloren gehen?

Beispiel:

RPOBedeutung
24 StundenDatenverlust von bis zu einem Tag wäre akzeptiert
1 StundeMaximal eine Stunde Datenverlust
15 MinutenSehr geringe Datenverlust-Toleranz

Je kleiner das RPO, desto häufiger müssen Backups oder Replikationen erfolgen.


RTO

RTO steht für Recovery Time Objective.

Es beantwortet die Frage:

Wie lange darf die Wiederherstellung dauern?

Beispiel:

RTOBedeutung
24 StundenDienst darf bis zu einem Tag ausfallen
4 StundenDienst muss am selben Tag wieder laufen
30 MinutenSehr schnelle Wiederherstellung nötig

Je kleiner das RTO, desto schneller muss die Wiederherstellung funktionieren.


RPO vs. RTO

BegriffFrageBeispiel
RPOWie viele Daten dürfen verloren gehen?Maximal 1 Stunde Daten
RTOWie lange darf der Ausfall dauern?Maximal 4 Stunden

Merksatz:

RPO betrifft den Datenverlust. RTO betrifft die Ausfallzeit.


Restore

Restore bedeutet Wiederherstellung aus einem Backup.

Mögliche Restore-Arten:

Restore-ArtErklärung
Full RestoreGanze VM wiederherstellen
File RestoreEinzelne Datei wiederherstellen
Disk RestoreEinzelne virtuelle Festplatte zurückholen
Application RestoreDatenbank oder Anwendung wiederherstellen
Instant RecoveryVM direkt aus Backup starten
Bare-Metal-RecoverySystem auf neuer Hardware wiederherstellen

Backup ohne Restore-Test ist unsicher

Ein Backup ist nur dann wirklich wertvoll, wenn es wiederhergestellt werden kann.

Deshalb müssen Restore-Tests durchgeführt werden.

Typische Tests:

TestZiel
Einzelne Datei wiederherstellenPrüfen, ob File Restore funktioniert
Ganze VM wiederherstellenPrüfen, ob System bootet
Datenbank wiederherstellenAnwendungskonsistenz prüfen
Restore-Zeit messenRTO prüfen
Backup-Protokolle prüfenFehler erkennen

Merksatz:

Ein ungeprüftes Backup ist nur eine Hoffnung, keine Sicherheit.


Backupfenster

Das Backupfenster ist der Zeitraum, in dem Sicherungen durchgeführt werden sollen.

Beispiel:

Backups laufen nachts zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr.

Problem:

Wenn das Backup länger dauert als das Backupfenster, kann es den produktiven Betrieb stören.


Aufbewahrungszeit

Die Aufbewahrungszeit legt fest, wie lange Backups gespeichert werden.

Beispiel:

BackupAufbewahrung
Täglich14 Tage
Wöchentlich8 Wochen
Monatlich12 Monate
Jährlich10 Jahre

Die Aufbewahrung hängt von technischen, organisatorischen und rechtlichen Anforderungen ab.


Backup-Rotation

Backup-Rotation bedeutet, dass alte Backups nach festen Regeln ersetzt oder gelöscht werden.

Beispiel:

SicherungZweck
TäglichKurzfristige Wiederherstellung
WöchentlichMittelfristige Wiederherstellung
MonatlichLangfristige Wiederherstellung
JährlichArchivierung

GFS-Prinzip

GFS steht für Grandfather-Father-Son.

EbeneBedeutung
SonTägliche Backups
FatherWöchentliche Backups
GrandfatherMonatliche Backups

Dieses Prinzip wird häufig für Backup-Aufbewahrung genutzt.


Replikation

Replikation bedeutet, dass Daten oder VMs auf ein anderes System kopiert werden.

Ziel:

Bei Ausfall kann schneller auf eine Kopie umgeschaltet werden.

Arten:

ArtErklärung
Synchrone ReplikationDaten werden gleichzeitig auf Zielsystem geschrieben
Asynchrone ReplikationDaten werden zeitversetzt übertragen

Synchrone Replikation

Bei synchroner Replikation wird ein Schreibvorgang erst bestätigt, wenn er auf beiden Seiten angekommen ist.

Vorteil:

Sehr geringer Datenverlust.

Nachteil:

Höhere Anforderungen an Netzwerk und Latenz.


Asynchrone Replikation

Bei asynchroner Replikation werden Daten zeitversetzt kopiert.

Vorteil:

Weniger Netzwerkabhängigkeit und oft einfacher.

Nachteil:

Bei Ausfall können letzte Änderungen fehlen.


Replikation ist kein Backup

Replikation schützt vor Systemausfall, aber nicht automatisch vor logischen Fehlern.

Beispiel:

Wenn eine Datei versehentlich gelöscht wird, kann diese Löschung auf das Ziel repliziert werden.

Deshalb gilt:

Replikation ersetzt kein Backup.


Backup vs. Replikation

MerkmalBackupReplikation
ZielWiederherstellung alter ZuständeSchnelle Verfügbarkeit einer Kopie
Schutz vor versehentlichem LöschenJa, wenn Version vorhandenNicht unbedingt
Schutz vor RansomwareJa, wenn getrennt/immutableNicht unbedingt
RTOJe nach Restore-ZeitOft schneller
RPOJe nach SicherungsintervallOft kleiner
Ersatz füreinander?NeinNein

Disaster Recovery

Disaster Recovery beschreibt die Wiederherstellung nach einem größeren Ausfall.

Beispiele:

EreignisBeispiel
HardwareausfallStorage defekt
RansomwareDaten verschlüsselt
BrandServerraum beschädigt
WasserschadenHardware zerstört
FehlkonfigurationSysteme falsch geändert
StandortausfallGebäude nicht nutzbar

Disaster Recovery umfasst Backup, Restore-Pläne, Ersatzsysteme, Dokumentation und regelmäßige Tests.


Disaster-Recovery-Plan

Ein Disaster-Recovery-Plan beschreibt, wie Systeme nach einem größeren Ausfall wiederhergestellt werden.

Wichtige Inhalte:

InhaltErklärung
Kritische SystemeWelche VMs müssen zuerst wieder laufen?
AbhängigkeitenWelche Systeme brauchen andere Systeme?
BackupstandorteWo liegen die Sicherungen?
ZugangsdatenWer darf Systeme wiederherstellen?
WiederherstellungsreihenfolgeWelche VM zuerst?
AnsprechpartnerZuständigkeiten
TestverfahrenWie wird geprüft, ob alles funktioniert?

Wiederherstellungsreihenfolge

Bei mehreren VMs ist die Reihenfolge wichtig.

Beispiel:

ReihenfolgeVMGrund
1DC01Anmeldung und DNS
2DB01Datenbank für Anwendungen
3FILE01Dateifreigaben
4APP01Anwendung benötigt Datenbank
5WEB01Webserver nutzt Anwendung

Wenn abhängige Systeme falsch gestartet werden, funktionieren Dienste möglicherweise nicht.


Backup von Domain Controllern

Domain Controller sollten besonders sorgfältig gesichert werden.

Wichtig:

PunktErklärung
System StateWichtig für Active Directory
Mehrere Domain ControllerRedundanz verbessern
Saubere WiederherstellungAD darf nicht inkonsistent werden
DNS beachtenAD hängt stark von DNS ab

Bei Active Directory ist eine einfache Kopie der VM nicht immer ausreichend geplant.


Backup von Datenbanken

Datenbanken benötigen besondere Beachtung.

Mögliche Methoden:

MethodeErklärung
DatenbankdumpLogischer Export der Datenbank
Applikationskonsistentes VM-BackupBackup berücksichtigt Datenbankzustand
Transaktionslog-BackupFeingranulare Wiederherstellung
ReplikationKopie auf zweitem System

Wichtig:

Eine laufende Datenbank sollte nicht nur durch einfaches Kopieren der Disk gesichert werden.


Backup von Dateiservern

Bei Dateiservern sind einzelne Datei-Wiederherstellungen besonders wichtig.

Typische Anforderungen:

AnforderungBeispiel
Einzelne Datei wiederherstellenBenutzer hat Datei gelöscht
Ordner wiederherstellenProjektordner wurde überschrieben
Versionen wiederherstellenÄltere Fassung benötigt
Rechte erhaltenNTFS-Rechte oder Linux-Rechte
Große DatenmengenBackupfenster beachten

Backup von Webservern

Webserver bestehen oft aus mehreren Teilen.

BestandteilBeispiel
WebdateienHTML, CSS, PHP, Bilder
KonfigurationNginx, Apache, Zertifikate
DatenbankMariaDB, PostgreSQL
ZertifikateTLS-Zertifikate
UmgebungContainer, VM, Pakete

Wichtig:

Bei Webanwendungen reicht es oft nicht, nur die Webdateien zu sichern.
Die Datenbank muss ebenfalls gesichert werden.


Backup von Zertifikaten und Schlüsseln

Zertifikate und private Schlüssel sind wichtig.

Beispiele:

ElementBedeutung
TLS-ZertifikatVerschlüsselte HTTPS-Verbindungen
Private KeysSchlüsselmaterial
SSH-KeysZugriff und Automatisierung
API-KeysZugriff auf Dienste
LizenzdateienSoftwarelizenzen

Verlust von Schlüsseln kann zu Ausfällen oder Sicherheitsproblemen führen.


Verschlüsselung von Backups

Backups sollten geschützt werden.

Maßnahmen:

MaßnahmeErklärung
VerschlüsselungSchutz bei Diebstahl
ZugriffsbeschränkungNur berechtigte Personen
Getrennte ZugangsdatenBackupsystem nicht mit normalen Adminrechten
MFASchutz für Backupverwaltung
Offline/ImmutableSchutz gegen Ransomware

Backup-Sicherheit

Backupsysteme sind besonders schützenswert.

Warum?

Wenn ein Angreifer Backups löschen kann, wird Wiederherstellung schwierig.

Maßnahmen:

MaßnahmeErklärung
Eigene Admin-KontenNicht gleiche Konten wie Produktivsystem
MFAZusätzliche Anmeldung
Immutable StorageBackups nicht veränderbar
NetzwerksegmentierungBackupnetz trennen
Keine dauerhafte Freigabe mit SchreibrechtenSchutz vor Ransomware
MonitoringBackupfehler erkennen
Restore-TestsWiederherstellung prüfen

Backup-Protokolle prüfen

Nach Backups sollten Protokolle geprüft werden.

Wichtige Fragen:

FrageBedeutung
War das Backup erfolgreich?Keine Fehler?
Wurden alle VMs gesichert?Keine VM vergessen?
Gab es Warnungen?Zum Beispiel Snapshot-Probleme
Wie lange dauerte das Backup?Passt es ins Backupfenster?
Wie groß ist das Backup?Speicherplanung
Ist Restore möglich?Test erforderlich

Storage und Backup trennen

Backups sollten nicht nur auf demselben Storage liegen wie die produktiven VMs.

Problem:

Wenn der Storage ausfällt, sind sonst VMs und Backups gleichzeitig weg.

Besser:

SpeicherortZweck
Produktiv-StorageLaufende VMs
Backup-StorageSicherungen
Offsite-KopieSchutz bei Standortausfall
Offline/Immutable-KopieSchutz gegen Ransomware

Typische Fehler bei Storage, Snapshots und Backups

FehlerAuswirkung
Snapshots zu lange behaltenSpeicher- und Performanceprobleme
Kein Restore-TestBackup kann unbrauchbar sein
Backups auf gleichem StorageKein Schutz bei Storage-Ausfall
Storage nicht überwachtSpeicher läuft voll
Thin Provisioning ohne MonitoringUnerwartet voller Storage
Keine applikationskonsistenten BackupsDatenbanken können beschädigt sein
Keine Offsite-KopieStandortausfall zerstört alle Daten
Backup-Zugang schlecht geschütztRansomware kann Backups löschen
RPO/RTO nicht definiertUnklare Wiederherstellungsziele

Gute Praxis

EmpfehlungGrund
Storage überwachenProbleme früh erkennen
Freien Speicher einplanenSnapshots und Wachstum abfangen
Snapshots nur kurzfristig nutzenPerformance und Speicher schützen
Backups regelmäßig durchführenDatenverlust vermeiden
Restore regelmäßig testenSicherstellen, dass Backups funktionieren
Backups getrennt speichernSchutz bei Storage-Ausfall
Offsite-Kopie nutzenSchutz bei Standortausfall
Immutable oder Offline-Kopie nutzenSchutz gegen Ransomware
RPO und RTO definierenAnforderungen klar festlegen
Backupdokumentation pflegenWiederherstellung erleichtern

Prüfungsnahes Beispiel 1

Aufgabe:

Ein Administrator erstellt vor einem Update einen Snapshot einer VM. Nach erfolgreichem Update bleibt der Snapshot mehrere Monate bestehen.

Frage:

Warum ist das problematisch?

Mögliche Antwort:

Snapshots sind nur für kurzfristige Zustände gedacht. Wenn sie lange bestehen bleiben, können sie viel Speicher verbrauchen, die Performance verschlechtern und zu Problemen bei der Konsolidierung führen. Außerdem sind Snapshots kein Backup und schützen nicht vor Storage-Ausfall.


Prüfungsnahes Beispiel 2

Aufgabe:

Ein Unternehmen speichert seine produktiven VMs und deren Backups auf demselben Storage-System.

Frage:

Welches Risiko besteht?

Mögliche Antwort:

Wenn dieses Storage-System ausfällt oder beschädigt wird, sind sowohl die produktiven VMs als auch die Backups betroffen. Dadurch ist keine Wiederherstellung möglich. Backups sollten getrennt, möglichst zusätzlich offsite oder immutable gespeichert werden.


Prüfungsnahes Beispiel 3

Aufgabe:

Eine VM besitzt eine virtuelle Festplatte mit 500 GB Thin Provisioning. Tatsächlich sind auf dem Storage nur noch 50 GB frei.

Frage:

Warum ist das gefährlich?

Mögliche Antwort:

Bei Thin Provisioning wächst die virtuelle Festplatte nach Bedarf. Wenn die VM weiter Daten schreibt, kann der echte Storage voll laufen. Das kann dazu führen, dass VMs einfrieren, Backups fehlschlagen oder Daten beschädigt werden. Thin Provisioning muss daher überwacht werden.


Prüfungsnahes Beispiel 4

Aufgabe:

Ein Unternehmen möchte wissen, wie lange ein Dienst maximal ausfallen darf und wie viele Daten maximal verloren gehen dürfen.

Frage:

Welche Begriffe sind gemeint?

Mögliche Antwort:

Die maximale Ausfallzeit wird mit RTO beschrieben. Der maximal akzeptierte Datenverlust wird mit RPO beschrieben.


Typische Prüfungsfrage: Was ist Storage?

Mögliche Antwort:

Storage bezeichnet den Speicherbereich, auf dem Daten abgelegt werden. In Virtualisierungsumgebungen liegen dort virtuelle Festplatten, VM-Konfigurationen, ISO-Dateien, Templates, Snapshots und Backups.


Typische Prüfungsfrage: Warum ist Storage bei VMs kritisch?

Mögliche Antwort:

Viele virtuelle Maschinen greifen gleichzeitig auf denselben Storage zu. Wenn der Storage langsam, voll oder ausgefallen ist, können mehrere VMs gleichzeitig betroffen sein. Deshalb müssen Speicherplatz, IOPS, Latenz, Durchsatz und Fehler überwacht werden.


Typische Prüfungsfrage: Was ist ein Snapshot?

Mögliche Antwort:

Ein Snapshot speichert den Zustand einer virtuellen Maschine zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er wird häufig vor Updates oder Konfigurationsänderungen verwendet, um schnell zu einem vorherigen Zustand zurückkehren zu können.


Typische Prüfungsfrage: Warum ist ein Snapshot kein Backup?

Mögliche Antwort:

Ein Snapshot liegt meist auf demselben Storage wie die VM und ist für kurzfristige Änderungen gedacht. Fällt der Storage aus, ist auch der Snapshot betroffen. Ein Backup wird separat gespeichert und dient zur Wiederherstellung nach Datenverlust oder Ausfall.


Typische Prüfungsfrage: Unterschied zwischen Snapshot und Backup

SnapshotBackup
Kurzfristiger ZustandEchte Datensicherung
Meist gleicher StorageSeparater Speicher möglich
Für Tests und UpdatesFür Wiederherstellung
Kein Schutz bei Storage-AusfallSchutz möglich, wenn getrennt gespeichert
Kein Ersatz für BackupBackup ist notwendig

Typische Prüfungsfrage: Was bedeutet Thin Provisioning?

Mögliche Antwort:

Thin Provisioning bedeutet, dass einer virtuellen Festplatte eine Maximalgröße zugewiesen wird, aber auf dem echten Storage zunächst nur der tatsächlich genutzte Speicherplatz belegt wird. Das spart Speicher, muss aber überwacht werden, weil der Storage sonst unerwartet voll laufen kann.


Typische Prüfungsfrage: Was bedeutet Thick Provisioning?

Mögliche Antwort:

Thick Provisioning bedeutet, dass der Speicherplatz für eine virtuelle Festplatte sofort vollständig reserviert wird. Dadurch ist der Speicherverbrauch besser planbar, aber weniger flexibel und weniger platzsparend.


Typische Prüfungsfrage: Was ist RPO?

Mögliche Antwort:

RPO steht für Recovery Point Objective. Es beschreibt, wie viele Daten maximal verloren gehen dürfen. Ein RPO von einer Stunde bedeutet, dass höchstens Daten der letzten Stunde verloren gehen dürfen.


Typische Prüfungsfrage: Was ist RTO?

Mögliche Antwort:

RTO steht für Recovery Time Objective. Es beschreibt, wie lange die Wiederherstellung maximal dauern darf. Ein RTO von vier Stunden bedeutet, dass der Dienst innerhalb von vier Stunden wieder verfügbar sein soll.


Typische Prüfungsfrage: Warum ist RAID kein Backup?

Mögliche Antwort:

RAID schützt vor bestimmten Festplattenausfällen, aber nicht vor versehentlichem Löschen, Ransomware, Datenkorruption oder Standortausfall. Ein Backup ist eine separate Sicherung, mit der Daten wiederhergestellt werden können.


Typische Prüfungsfrage: Was ist ein applikationskonsistentes Backup?

Mögliche Antwort:

Ein applikationskonsistentes Backup berücksichtigt laufende Anwendungen wie Datenbanken oder Active Directory. Dadurch werden offene Schreibvorgänge und Transaktionen sauber behandelt, damit die Daten nach der Wiederherstellung konsistent sind.


Typische Prüfungsfrage: Was bedeutet Offsite-Backup?

Mögliche Antwort:

Ein Offsite-Backup ist eine Sicherung, die außerhalb des Hauptstandorts gespeichert wird. Es schützt vor Ereignissen wie Brand, Diebstahl, Wasserschaden oder vollständigem Standortausfall.


Typische Prüfungsfrage: Was bedeutet immutable Backup?

Mögliche Antwort:

Ein immutable Backup ist eine Sicherung, die für eine bestimmte Zeit nicht verändert oder gelöscht werden kann. Dadurch schützt es besser gegen Ransomware und versehentliches Löschen.


Wichtige Begriffe

BegriffKurz erklärt
StorageSpeicherbereich für Daten
DatastoreSpeicherbereich für VM-Dateien
Storage PoolZusammengefasster Speicher
Virtuelle FestplatteDatenträger einer VM
VHDXVirtuelles Festplattenformat bei Hyper-V
VMDKVirtuelles Festplattenformat bei VMware
QCOW2Virtuelles Festplattenformat bei KVM/Proxmox
RAWEinfaches Festplattenimage
SANStorage Area Network
NASNetwork Attached Storage
iSCSIBlockspeicher über IP
NFSNetzwerkdateisystem
SMBWindows-Dateifreigabeprotokoll
RAIDVerbund mehrerer Festplatten
IOPSSpeicheroperationen pro Sekunde
LatenzVerzögerung beim Zugriff
DurchsatzDatenmenge pro Sekunde
Thin ProvisioningSpeicher wächst nach Bedarf
Thick ProvisioningSpeicher wird sofort reserviert
SnapshotZustand einer VM zu einem Zeitpunkt
CheckpointSnapshot-ähnliche Funktion bei Hyper-V
BackupDatensicherung
RestoreWiederherstellung
RPOMaximal akzeptierter Datenverlust
RTOMaximal akzeptierte Wiederherstellungszeit
Offsite-BackupSicherung außerhalb des Standorts
Offline-BackupNicht dauerhaft verbundenes Backup
Immutable BackupUnveränderbare Sicherung
ReplikationKopie auf anderes System
Disaster RecoveryWiederherstellung nach großem Ausfall

Wichtige Merksätze

Storage ist bei Virtualisierung besonders kritisch, weil viele VMs gleichzeitig davon abhängig sein können.

Ein voller Storage kann VMs zum Stillstand bringen.

Thin Provisioning spart Speicher, muss aber überwacht werden.

Thick Provisioning ist weniger flexibel, aber besser planbar.

Snapshots sind nur für kurzfristige Änderungen gedacht.

Snapshots sind kein Backup.

RAID ist kein Backup.

Backups müssen getrennt vom Produktivsystem gespeichert werden.

Ein Backup ist nur dann zuverlässig, wenn die Wiederherstellung getestet wurde.

RPO beschreibt den maximal akzeptierten Datenverlust.

RTO beschreibt die maximal akzeptierte Ausfallzeit.

Replikation ersetzt kein Backup.

Immutable oder Offline-Backups schützen besser gegen Ransomware.


Kurzzusammenfassung

Storage, Snapshots und Backups sind zentrale Bestandteile jeder Virtualisierungsumgebung.

Virtuelle Maschinen speichern ihre Daten auf virtuellen Festplatten. Diese liegen auf lokalem, gemeinsamem oder verteiltem Storage.

Wichtig sind dabei:

ThemaKerngedanke
StorageSpeicher für VMs, Disks, ISO-Dateien und Templates
PerformanceIOPS, Latenz und Durchsatz beachten
Thin ProvisioningSpart Speicher, muss überwacht werden
Thick ProvisioningReserviert Speicher sofort
SnapshotsKurzfristige Absicherung bei Änderungen
BackupsEchte Wiederherstellung bei Datenverlust
RPOWie viele Daten dürfen verloren gehen?
RTOWie lange darf Wiederherstellung dauern?
OffsiteSicherung außerhalb des Standorts
ImmutableSchutz vor Änderung und Löschung
Restore-TestPrüft, ob Backup wirklich funktioniert

Für die IHK ist besonders wichtig:

Prüfungsrelevanter PunktBedeutung
Snapshot vs. BackupSnapshot ist kein Backup
RAID vs. BackupRAID ist kein Backup
Thin vs. ThickSpeicher dynamisch oder fest reserviert
RPO vs. RTODatenverlust vs. Ausfallzeit
ApplikationskonsistenzWichtig bei Datenbanken und AD
Offsite/ImmutableSchutz vor Standortausfall und Ransomware
Restore-TestBackup muss wiederherstellbar sein

Der nächste logische Schritt ist:

Cluster und Hochverfügbarkeit