2.8 Value Streams und Value Stream Mapping
Kurz erklärt
Ein Value Stream beschreibt den Ende-zu-Ende-Weg, durch den aus einem Bedarf, einer Nachfrage oder einer Chance ein nutzbares Ergebnis und Wert für Stakeholder entstehen.
Value Stream Mapping macht diesen Weg sichtbar.
Dabei werden nicht nur einzelne Prozessschritte betrachtet, sondern auch:
- beteiligte Personen und Teams,
- Management Practices,
- Informationen,
- Technologien,
- Partner und Lieferanten,
- Entscheidungen,
- Kontrollen,
- Übergaben,
- Wartezeiten,
- Nacharbeit,
- Risiken,
- und Rückmeldungen.
Ziel ist nicht, ein besonders umfangreiches Ablaufdiagramm zu erstellen.
Ziel ist, den tatsächlichen Arbeitsfluss zu verstehen und gezielt zu verbessern.
Warum Value Streams wichtig sind
Digitale Produkte und Services entstehen normalerweise nicht innerhalb eines einzigen Teams.
Ein benötigtes Outcome kann Beiträge erfordern von:
- Benutzern,
- Fachabteilungen,
- Service Desk,
- Systemadministration,
- Netzwerkbetrieb,
- Entwicklung,
- Informationssicherheit,
- Einkauf,
- Personalabteilung,
- Lieferanten,
- Cloud-Providern,
- und Führungskräften.
Jeder Beteiligte kann seinen eigenen Arbeitsschritt korrekt ausführen.
Der gesamte Ablauf kann trotzdem:
- langsam,
- unübersichtlich,
- fehleranfällig,
- unnötig kompliziert,
- oder für den Benutzer unbefriedigend
sein.
Beispiel:
Ein neuer Mitarbeiter benötigt einen arbeitsfähigen IT-Arbeitsplatz.
Alle beteiligten Teams können ihre jeweilige Aufgabe korrekt ausführen:
- Personalabteilung meldet den Eintritt.
- Führungskraft nennt benötigte Zugriffe.
- Einkauf bestellt das Endgerät.
- IT erstellt das Benutzerkonto.
- Informationssicherheit prüft Berechtigungen.
- Service Desk übergibt das Gerät.
Der Mitarbeiter kann am ersten Arbeitstag trotzdem nicht arbeiten, wenn:
- die Meldung zu spät erfolgte,
- notwendige Informationen fehlten,
- eine Freigabe liegen blieb,
- die Lizenz nicht verfügbar war,
- das Endgerät nicht rechtzeitig geliefert wurde,
- oder niemand das Ende-zu-Ende-Ergebnis kontrollierte.
Merke
Die Qualität einzelner Arbeitsschritte garantiert noch kein gutes Ende-zu-Ende-Ergebnis.
Was ist ein Value Stream?
Ein Value Stream ist eine zusammenhängende Abfolge von Schritten, durch die ein bestimmtes Outcome und Wert für einen Stakeholder ermöglicht werden.
Ein Value Stream besitzt normalerweise:
- einen erkennbaren Auslöser,
- einen bestimmten Bedarf oder eine Chance,
- einen oder mehrere Stakeholder,
- ein gewünschtes Outcome,
- mehrere miteinander verbundene Schritte,
- beteiligte Rollen und Fähigkeiten,
- benötigte Informationen und Technologien,
- sowie ein überprüfbares Ergebnis.
Beispiele für Value Streams:
- neuen Mitarbeiter arbeitsfähig machen
- einen Incident bearbeiten und den Service wiederherstellen
- einen genehmigten Zugriff bereitstellen
- eine neue Anwendung einführen
- eine Schwachstelle dauerhaft beheben
- einen Arbeitsplatz austauschen
- einen Service verbessern
- eine neue Produktfunktion bereitstellen
- einen Lieferanten ablösen
- einen nicht mehr benötigten Service außer Betrieb nehmen
Wichtig
Ein Value Stream sollte anhand des benötigten Outcomes benannt werden.
Ein Name wie „Ticket bearbeiten“ ist häufig zu eng.
Ein geeigneterer Name kann beispielsweise lauten:
„Benutzer nach einer Störung wieder arbeitsfähig machen.“
Auslöser, Output, Outcome und Wert
Diese Begriffe müssen unterschieden werden.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Auslöser | Ereignis, Nachfrage oder Chance, die den Wertstrom startet | neuer Mitarbeiter tritt ein |
| Input | benötigte Informationen oder Ressourcen | Eintrittsdatum, Rolle und genehmigte Zugriffe |
| Aktivität | durchgeführter Arbeitsschritt | Benutzerkonto erstellen |
| Output | direkt erzeugtes Ergebnis einer Aktivität | Benutzerkonto wurde angelegt |
| Outcome | durch Stakeholder ermöglichtes Ergebnis | Mitarbeiter kann seine Aufgaben ausführen |
| Wert | wahrgenommener Nutzen unter Berücksichtigung von Outcomes, Kosten und Risiken | produktiver und sicherer Arbeitsbeginn |
Ein Output ist nicht automatisch das gewünschte Outcome.
Beispiel:
Output: Das VPN wurde installiert.
Outcome: Der Benutzer kann sicher auf die benötigten Anwendungen zugreifen.
Merke
Value Streams werden vom benötigten Outcome aus betrachtet und nicht nur anhand erledigter technischer Tätigkeiten.
Value Stream und Value Stream Mapping
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Value Stream | tatsächlicher oder geplanter Ende-zu-Ende-Weg zum Outcome |
| Value Stream Mapping | strukturierte Darstellung und Untersuchung dieses Weges |
| Value Stream Management | fortlaufende Steuerung, Messung und Verbesserung des Wertstroms |
Value Stream Mapping ist damit keine einmalige Zeichenübung.
Die Abbildung soll dabei helfen:
- tatsächliche Arbeit sichtbar zu machen,
- Probleme und Engpässe zu erkennen,
- Verbesserungen zu priorisieren,
- Verantwortlichkeiten zu klären,
- und die Wirkung von Änderungen später zu überprüfen.
Value Stream, Value Chain und Lifecycle unterscheiden
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| ITIL Value System | übergeordneter Rahmen für Wertschöpfung innerhalb der Organisation |
| Value Chain | flexibles operatives Modell innerhalb des ITIL Value Systems |
| Product and Service Lifecycle | acht allgemeine Aktivitäten über den Lebenszyklus digitaler Produkte und Services |
| Value Stream | konkrete Ende-zu-Ende-Abfolge für ein bestimmtes Outcome |
| Prozess | strukturierte Aktivitäten, die Eingaben in Ergebnisse überführen |
| Management Practice | organisatorische Ressourcen und Fähigkeiten für einen bestimmten Zweck |
| Customer oder User Journey | Erfahrung eines Kunden oder Benutzers über mehrere Interaktionen hinweg |
Beispiel: neue Anwendung für eine Fachabteilung
Lifecycle
- Discover
- Design
- Acquire
- Build
- Transition
- Operate
- Deliver
- Support
Value Stream
Bedarf der Fachabteilung erfassen
→ Lösung auswählen und bereitstellen
→ Benutzer befähigen
→ produktive Nutzung bestätigen
Beteiligte Practices
- Business Analysis
- Service Design
- Architecture Management
- Supplier Management
- Change Enablement
- Deployment Management
- Information Security Management
- Service Desk
- Continual Improvement
Prozesse
- Beschaffung
- Change-Bewertung
- Benutzeranlage
- Softwareverteilung
- Support
User Journey
- Bedarf melden
- Informationen erhalten
- Anwendung testen
- Schulung nutzen
- Support anfordern
- Erfahrung bewerten
Merke
Der Lifecycle stellt allgemeine Aktivitäten bereit.
Der Value Stream zeigt den konkreten Weg zum Outcome.
Practices liefern die dafür benötigten Fähigkeiten.
Value Streams überschreiten Organisationsgrenzen
Ein Value Stream endet nicht automatisch an einer Team-, Abteilungs- oder Unternehmensgrenze.
Beispiel: Internetzugang eines Standorts wiederherstellen
Mögliche Beteiligte:
- Benutzer am Standort
- Service Desk
- Netzwerkteam
- lokaler Techniker
- Internetprovider
- Hardwarehersteller
- Incident-Koordination
- Service Owner
Der Wertstrom endet nicht bereits dann, wenn das interne Netzwerkteam ein Ticket an den Provider übermittelt hat.
Er endet erst, wenn das gewünschte Outcome erreicht oder eine andere vereinbarte Entscheidung getroffen wurde.
Mögliches Outcome:
Der Standort besitzt wieder einen stabilen und ausreichend leistungsfähigen Internetzugang.
Typischer Fehler
Ein Team betrachtet seinen eigenen Arbeitsschritt als abgeschlossen, obwohl das Ende-zu-Ende-Outcome noch nicht erreicht wurde.
Die Grenzen eines Value Streams festlegen
Vor der Abbildung muss geklärt werden:
- Welches konkrete Outcome wird betrachtet?
- Welches Ereignis startet den Wertstrom?
- Wann gilt der Wertstrom als abgeschlossen?
- Für welche Benutzer- oder Kundengruppe gilt er?
- Welche Produkt- oder Servicevariante wird untersucht?
- Welche Ausnahmen gehören noch zum Umfang?
- Welche angrenzenden Wertströme werden nicht betrachtet?
Unklare Abgrenzung:
Wir bilden den gesamten IT-Support ab.
Bessere Abgrenzung:
Wir bilden den Wertstrom ab, durch den ein Benutzer nach einer gemeldeten Arbeitsplatzstörung wieder arbeitsfähig wird.
Eine klare Grenze verhindert, dass die Darstellung:
- zu groß,
- unübersichtlich,
- nicht messbar,
- oder praktisch nicht verbesserbar
wird.
Aktueller und zukünftiger Zustand
Beim Value Stream Mapping werden häufig zwei Zustände unterschieden.
| Zustand | Zweck |
|---|---|
| Ist-Zustand | zeigt, wie die Arbeit tatsächlich heute erfolgt |
| Zielzustand | zeigt, wie der verbesserte Wertstrom künftig funktionieren soll |
Der Ist-Zustand darf nicht ausschließlich aus vorhandenen Prozessdokumentationen übernommen werden.
Er sollte anhand tatsächlicher Informationen untersucht werden.
Geeignete Quellen können sein:
- Beobachtung realer Vorgänge,
- Tickets,
- Systemprotokolle,
- Monitoring-Daten,
- Zeitmessungen,
- Gespräche mit Beteiligten,
- Benutzerfeedback,
- bestehende Dokumentationen,
- Lieferanteninformationen,
- und Stichproben.
Wichtig
Dokumentierter Prozess und tatsächlich gelebter Ablauf können deutlich voneinander abweichen.
Was in einer Value-Stream-Darstellung enthalten sein kann
Eine praktische Darstellung kann folgende Elemente enthalten:
| Element | Beispiel |
|---|---|
| Auslöser | Benutzer meldet einen Incident |
| Stakeholder | Benutzer, Service Desk und technisches Team |
| gewünschtes Outcome | Benutzer kann wieder arbeiten |
| Schritt | Incident erfassen |
| verantwortliche Rolle | Service-Desk-Mitarbeiter |
| benötigte Information | Symptome und betroffener Service |
| verwendetes Werkzeug | Ticketsystem |
| beteiligte Practice | Incident Management |
| Bearbeitungszeit | 10 Minuten |
| Wartezeit | 45 Minuten |
| Übergabe | Service Desk an Netzwerkteam |
| Entscheidung | Eskalation erforderlich? |
| Kontrolle | Benutzer bestätigt Wiederherstellung |
| Nacharbeit | Ticket wegen fehlender Informationen zurückgegeben |
| Lieferant | Internetprovider |
| Risiko | falsche Priorisierung |
| Messgröße | gesamte Wiederherstellungszeit |
| Verbesserungsmöglichkeit | Pflichtinformationen bei Erfassung verbessern |
Nicht jede Darstellung muss alle Elemente enthalten.
Der Detaillierungsgrad richtet sich nach:
- Ziel der Untersuchung,
- Risiko,
- Komplexität,
- verfügbarer Zeit,
- und benötigter Entscheidung.
Eine einfache Darstellungsform
Für kleinere Wertströme kann eine Tabelle ausreichen.
| Nr. | Schritt | Verantwortlich | Ergebnis | Bearbeitungszeit | Wartezeit | Problem |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Anfrage erfassen | Service Desk | vollständiges Ticket | 10 Min. | 0 Min. | Pflichtangaben fehlen häufig |
| 2 | Zugriff prüfen | Fachverantwortlicher | fachliche Freigabe | 5 Min. | 2 Tage | keine Vertretung |
| 3 | Zugriff einrichten | Administration | technische Berechtigung | 15 Min. | 4 Std. | manuelle Gruppensuche |
| 4 | Funktion testen | Administration | technischer Test | 10 Min. | 0 Min. | Benutzer nicht beteiligt |
| 5 | Nutzung bestätigen | Benutzer | bestätigtes Outcome | 5 Min. | 1 Tag | Rückmeldung wird nicht nachverfolgt |
Gesamte Bearbeitungszeit:
45 Minuten
Gesamte Wartezeit:
mehr als 3 Tage
Das Beispiel zeigt:
Die lange Durchlaufzeit entsteht nicht hauptsächlich durch langsame technische Ausführung.
Sie entsteht überwiegend durch:
- Warteschlangen,
- fehlende Vertretung,
- manuelle Übergaben,
- und verzögerte Rückmeldungen.
Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit unterscheiden
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Bearbeitungszeit | Zeit, in der aktiv an einem Vorgang gearbeitet wird |
| Wartezeit | Zeit, in der keine wertstromrelevante Bearbeitung erfolgt |
| Durchlaufzeit | gesamte Zeit vom Auslöser bis zum abgeschlossenen Outcome |
| Übergabezeit | Zeit und Aufwand beim Wechsel zwischen Rollen, Teams oder Systemen |
| Nacharbeitszeit | zusätzlicher Aufwand aufgrund unvollständiger oder fehlerhafter Arbeit |
Beispiel:
- aktive Bearbeitung: 40 Minuten
- Wartezeit: 3 Tage
- Nacharbeit: 20 Minuten
- gesamte Durchlaufzeit: mehr als 3 Tage
Merke
Eine lange Durchlaufzeit bedeutet nicht automatisch, dass Mitarbeiter langsam arbeiten.
Häufig entstehen Verzögerungen zwischen den aktiven Arbeitsschritten.
Weitere mögliche Messgrößen
Je nach Wertstrom können unter anderem betrachtet werden:
- gesamte Durchlaufzeit
- aktive Bearbeitungszeit
- Wartezeit
- Anzahl der Übergaben
- Anzahl beteiligter Teams
- Anzahl notwendiger Freigaben
- Nacharbeitsquote
- Fehlerquote
- Abbruchquote
- Wiederholungsquote
- Automatisierungsgrad
- First-Time-Right-Quote
- Wiederherstellungszeit
- Benutzeraufwand
- Kosten pro Vorgang
- Erreichung des gewünschten Outcomes
- Benutzer- oder Kundenerfahrung
- Anzahl ungeklärter Ausnahmen
Eine einzelne Kennzahl sollte nicht isoliert optimiert werden.
Beispiel:
Eine geringere Bearbeitungszeit kann erreicht werden, indem Tickets schneller an andere Teams weitergegeben werden.
Dadurch können jedoch:
- mehr Übergaben,
- längere Gesamtdauer,
- schlechtere Kommunikation,
- und mehr Nacharbeit
entstehen.
Übergaben sichtbar machen
Übergaben sind Stellen, an denen Arbeit, Verantwortung oder Informationen von einer Rolle, einem Team oder einem System zu einem anderen wechseln.
Beispiele:
- Benutzer an Service Desk
- Service Desk an Fachteam
- internes Team an Lieferanten
- Entwicklung an Betrieb
- Einkauf an technische Administration
- Führungskraft an Berechtigungsmanagement
- automatisiertes System an menschlichen Bearbeiter
An Übergaben können entstehen:
- Informationsverluste,
- Missverständnisse,
- Wartezeiten,
- doppelte Erfassung,
- unklare Verantwortung,
- falsche Priorisierung,
- und Rückfragen.
Bei jeder Übergabe sollte geprüft werden:
- Welche Informationen werden benötigt?
- Sind sie vollständig und verständlich?
- Wer trägt danach die Verantwortung?
- Ist der nächste Schritt eindeutig?
- Wie wird der Empfang bestätigt?
- Muss das Ergebnis zurückgemeldet werden?
- Ist die Übergabe überhaupt notwendig?
- Kann sie vereinfacht oder automatisiert werden?
Warteschlangen und Engpässe
Ein Engpass begrenzt den Fluss des gesamten Wertstroms.
Mögliche Engpässe sind:
- einzelne Fachpersonen,
- manuelle Genehmigungen,
- fehlende Informationen,
- begrenzte Testumgebungen,
- Lieferzeiten,
- unzureichende Lizenzen,
- langsame technische Systeme,
- überlastete Teams,
- oder nicht automatisierte Routinetätigkeiten.
Anzeichen für einen Engpass:
- Vorgänge sammeln sich vor einem bestimmten Schritt.
- Die Wartezeit ist deutlich länger als die Bearbeitungszeit.
- Viele Vorgänge benötigen dieselbe einzelne Person.
- Nachgelagerte Teams warten regelmäßig auf Ergebnisse.
- Aufgaben werden häufig eskaliert.
- Mitarbeiter umgehen den vorgesehenen Ablauf.
- Prioritäten werden ständig geändert.
- Fehler entstehen durch Zeitdruck.
Wichtig
Wird nur ein Schritt vor dem eigentlichen Engpass beschleunigt, kann sich die Warteschlange am Engpass weiter vergrößern.
Nacharbeit und Rückschleifen
Nacharbeit entsteht, wenn ein Schritt erneut durchgeführt oder korrigiert werden muss.
Mögliche Ursachen:
- unvollständige Anforderungen
- falsche Kategorisierung
- fehlende Freigabe
- fehlerhafte technische Umsetzung
- ungeeignete Testdaten
- unklare Verantwortlichkeiten
- veraltete Dokumentation
- widersprüchliche Informationen
- nicht berücksichtigte Abhängigkeiten
- fehlende Benutzerbestätigung
Beispiel:
- Benutzer beantragt Zugriff.
- Administration richtet den Zugriff ein.
- Fachverantwortlicher stellt fest, dass der falsche Berechtigungsumfang gewählt wurde.
- Zugriff muss entfernt und erneut eingerichtet werden.
Die Nacharbeit erhöht:
- Durchlaufzeit,
- Kosten,
- Risiko,
- und Arbeitsbelastung.
Sie kann außerdem das Vertrauen der Stakeholder beeinträchtigen.
Kontrollen und Freigaben untersuchen
Kontrollen können notwendig sein für:
- Sicherheit,
- Datenschutz,
- Qualität,
- Risiko,
- gesetzliche Anforderungen,
- finanzielle Verantwortung,
- und Nachvollziehbarkeit.
Beim Mapping sollte nicht automatisch jede Kontrolle entfernt werden.
Stattdessen wird geprüft:
- Welches Risiko behandelt die Kontrolle?
- Ist sie an der richtigen Stelle?
- Wird sie tatsächlich fachlich durchgeführt?
- Ist sie mehrfach vorhanden?
- Passt ihr Umfang zum Risiko?
- Sind Entscheidungskriterien eindeutig?
- Besteht eine Vertretung?
- Kann die Kontrolle automatisiert unterstützt werden?
- Werden Ergebnisse dokumentiert?
- Wird die Kontrolle regelmäßig auf ihre Wirksamkeit geprüft?
Typischer Fehler
Eine Genehmigung wird entfernt, nur weil sie Zeit kostet.
Zuerst muss verstanden werden, welches Risiko oder welche Verpflichtung sie behandelt.
Arbeit mit und ohne direkten Wertbeitrag
Nicht jeder notwendige Schritt erzeugt unmittelbar einen für den Benutzer sichtbaren Wert.
Eine praktische Unterscheidung kann sein:
| Kategorie | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| direkter Wertbeitrag | unterstützt unmittelbar das gewünschte Outcome | benötigten Zugriff bereitstellen |
| notwendige unterstützende Arbeit | ist für Sicherheit, Steuerung oder Zuverlässigkeit erforderlich | Berechtigung prüfen |
| vermeidbare Arbeit | besitzt keinen ausreichenden Nutzen oder entsteht durch Fehler | dieselben Daten erneut erfassen |
| Nacharbeit | korrigiert unvollständige oder fehlerhafte Ergebnisse | falsche Berechtigung entfernen |
Nicht sichtbare Arbeit ist nicht automatisch unnötig.
Beispiele für notwendige unterstützende Tätigkeiten:
- Sicherheitsprüfung
- Protokollierung
- Dokumentation
- Test
- Backup
- Freigabe
- Compliance-Nachweis
Diese Tätigkeiten sollten jedoch:
- einen klaren Zweck besitzen,
- angemessen gestaltet,
- und möglichst effizient ausgeführt
werden.
Value Stream Mapping und die vier Dimensionen
Eine vollständige Untersuchung berücksichtigt alle vier Dimensionen.
Organizations and People
- Welche Rollen und Teams sind beteiligt?
- Sind Verantwortung und Befugnisse eindeutig?
- Bestehen ausreichende Fähigkeiten und Kapazitäten?
- Wie funktionieren Kommunikation und Zusammenarbeit?
Information and Technology
- Welche Informationen werden benötigt?
- Welche Systeme und Werkzeuge werden verwendet?
- Sind Daten korrekt und aktuell?
- Wo bestehen Medienbrüche oder manuelle Übertragungen?
- Welche Automatisierung ist möglich?
Partners and Suppliers
- Welche externen Anbieter sind beteiligt?
- Welche Wartezeiten und Abhängigkeiten entstehen?
- Sind Eskalationswege vorbereitet?
- Unterstützen Verträge das benötigte Outcome?
Value Streams and Processes
- Welche Schritte, Entscheidungen und Übergaben existieren?
- Wo entstehen Wartezeiten, Nacharbeit und Engpässe?
- Welche Prozesse und Practices werden verwendet?
- Wie wird das Outcome überprüft?
Value Streams und der Product and Service Lifecycle
Die acht Lifecycle-Aktivitäten können in einem Value Stream unterschiedlich kombiniert werden.
Beispiel: neue Monitoring-Lösung einführen
| Lifecycle-Aktivität | Möglicher Beitrag zum Value Stream |
|---|---|
| Discover | Bedarf, Ausfälle und heutige Überwachung verstehen |
| Design | Zielarchitektur, Alarmierung und Betriebsmodell gestalten |
| Acquire | Plattform, Lizenzen oder externe Leistungen beschaffen |
| Build | Lösung konfigurieren, integrieren und testen |
| Transition | Pilot und kontrollierte Einführung durchführen |
| Operate | Plattform zuverlässig betreiben |
| Deliver | relevante Monitoring-Leistungen für Teams bereitstellen |
| Support | Benutzer und Administratoren bei Problemen unterstützen |
Ein anderer Value Stream verwendet möglicherweise nur einen Teil dieser Aktivitäten oder wiederholt einzelne Aktivitäten mehrfach.
Merke
Der Lifecycle liefert allgemeine Aktivitätsbereiche.
Der Value Stream verbindet die konkret benötigten Schritte für ein bestimmtes Outcome.
Value Streams und Management Practices
Ein Value Stream verwendet normalerweise mehrere Practices.
Beispiel: Incident eines extern betriebenen Cloud-Service
| Schritt | Mögliche beteiligte Practice |
|---|---|
| Störung erkennen | Monitoring and Event Management |
| Benutzerkontakt erfassen | Service Desk |
| Auswirkungen und Priorität bewerten | Incident Management |
| Abhängigkeiten ermitteln | Service Configuration Management |
| bekannte Lösung suchen | Knowledge Management |
| Anbieter einbinden | Supplier Management |
| Service wiederherstellen | Incident Management und technische Practices |
| Ursache untersuchen | Problem Management |
| dauerhafte Korrektur steuern | Change Enablement |
| Erfahrung auswerten | Continual Improvement |
Practices dürfen dabei nicht als getrennte Teilprozesse betrachtet werden, zwischen denen ein Vorgang nur weitergereicht wird.
Sie sollen gemeinsam das Ende-zu-Ende-Outcome unterstützen.
Praxisnahe Vorgehensweise zum Value Stream Mapping
Die folgende Vorgehensweise ist eine redaktionelle Praxisempfehlung dieses Buches.
Sie ist keine vorgeschriebene offizielle ITIL-Schrittfolge.
1. Zweck und Outcome festlegen
Zuerst wird geklärt:
- Welcher Value Stream wird untersucht?
- Welches Problem soll gelöst werden?
- Welches Outcome soll erreicht werden?
- Für welche Stakeholder?
- Wie wird Erfolg erkannt?
Beispiel:
Ziel ist, neue Mitarbeiter spätestens zum vereinbarten Eintrittszeitpunkt mit einem vollständig nutzbaren und sicheren IT-Arbeitsplatz auszustatten.
2. Auslöser und Abschluss bestimmen
Auslöser:
Die Personalabteilung übermittelt eine vollständige und bestätigte Eintrittsmeldung.
Abschluss:
Der Mitarbeiter bestätigt, dass Anmeldung, Endgerät und benötigte Services funktionieren.
Dadurch wird vermieden, dass der Wertstrom zu früh endet.
3. Beteiligte Stakeholder bestimmen
Mögliche Beteiligte:
- neuer Mitarbeiter
- Personalabteilung
- Führungskraft
- Service Desk
- Einkauf
- IT Asset Management
- Identitätsmanagement
- Endgeräteverwaltung
- Informationssicherheit
- Lieferant
Zusätzlich sollte geklärt werden:
- Wer besitzt die Ergebnisverantwortung?
- Wer koordiniert den Wertstrom?
- Wer darf Entscheidungen treffen?
- Wer muss informiert werden?
4. Tatsächliche Schritte erfassen
Die Beteiligten beschreiben, wie ein realer Vorgang heute abläuft.
Nicht nur:
Wie sollte der Prozess funktionieren?
Sondern:
Was geschieht tatsächlich?
Dabei können reale Tickets oder Fälle verfolgt werden.
Mögliche Schritte:
- Eintritt melden
- Rolle und Zugriffe bestimmen
- Freigaben einholen
- Endgerät bestellen
- Benutzerkonto erstellen
- Lizenzen zuweisen
- Endgerät konfigurieren
- Sicherheitsmaßnahmen aktivieren
- Zugriffe testen
- Gerät übergeben
- Arbeitsfähigkeit bestätigen
5. Informationen, Werkzeuge und Practices ergänzen
Für jeden Schritt wird geprüft:
- Welche Information wird benötigt?
- Woher stammt sie?
- In welchem System wird sie gespeichert?
- Welches Werkzeug wird verwendet?
- Welche Practice unterstützt den Schritt?
- Welche Lieferanten sind beteiligt?
Beispiel:
| Schritt | Information | Werkzeug | Practice |
|---|---|---|---|
| Endgerät bereitstellen | Rolle und Hardwarestandard | Asset- und Ticketsystem | IT Asset Management |
| Konto erstellen | Name, Eintrittsdatum und Organisationseinheit | Verzeichnisdienst | Service Request Management |
| Zugriffe einrichten | genehmigter Berechtigungsumfang | IAM-System | Information Security Management |
| Nutzung bestätigen | Benutzerfeedback | Ticket oder Portal | Service Desk |
6. Zeiten und Übergaben erfassen
Für jeden Schritt können erfasst werden:
- Bearbeitungszeit
- Wartezeit
- Übergabe
- Rückfrage
- Wiederholung
- Fehler
- und Abbruch
Nicht jede Zeit muss auf die Minute genau bekannt sein.
Auch eine erste Einteilung kann hilfreich sein:
- wenige Minuten
- mehrere Stunden
- ein Arbeitstag
- mehrere Tage
- stark schwankend
7. Probleme und Risiken kennzeichnen
Mögliche Beobachtungen:
- Eintrittsmeldung kommt zu spät.
- Führungskraft nennt unvollständige Zugriffe.
- Bestellung benötigt manuelle E-Mail.
- Es gibt keine Vertretung für die Freigabe.
- Kontoanlage und Lizenzzuweisung erfolgen in getrennten Systemen.
- Benutzer wird bei der Funktionsprüfung nicht beteiligt.
- Lieferzeit ist nicht transparent.
- Abschluss erfolgt ohne Bestätigung der Arbeitsfähigkeit.
Probleme sollten möglichst mit Fakten oder Beispielen belegt werden.
8. Ursachen untersuchen
Nicht jedes sichtbare Problem ist die eigentliche Ursache.
Beispiel:
Symptom: Endgerät ist am ersten Arbeitstag nicht verfügbar.
Mögliche Ursachen:
- Eintritt wurde zu spät gemeldet.
- Gerätebestand ist nicht bekannt.
- Beschaffung dauert länger als geplant.
- Hardwarestandard ist unklar.
- Bestellung benötigt mehrere Freigaben.
- kein Mindestbestand ist definiert.
- Lieferantenleistung wird nicht überwacht.
Eine Verbesserung sollte möglichst die relevante Ursache behandeln und nicht nur das Symptom verschieben.
9. Zielzustand gestalten
Der Zielzustand beschreibt, wie der Wertstrom künftig funktionieren soll.
Mögliche Verbesserungen:
- vollständiges digitales Eintrittsformular
- klare Mindestvorlaufzeit
- rollenbasierte Standardpakete
- definierte Vertretungsregelung
- transparenter Gerätebestand
- automatische Kontoanlage nach Freigabe
- gemeinsame Statusübersicht
- standardisierte Funktionsprüfung
- verbindliche Bestätigung der Arbeitsfähigkeit
- Messung von Durchlaufzeit und Fehlern
Der Zielzustand sollte:
- verständlich,
- realistisch,
- risikogerecht,
- und messbar
sein.
10. Verbesserungen priorisieren und umsetzen
Verbesserungen können bewertet werden nach:
- erwarteter Wirkung
- Dringlichkeit
- Risiko
- Aufwand
- Kosten
- Abhängigkeiten
- Umsetzbarkeit
- und benötigten Fähigkeiten
Nicht alle Verbesserungen müssen gleichzeitig umgesetzt werden.
Ein iteratives Vorgehen kann beispielsweise beginnen mit:
- vollständige Eintrittsmeldung sicherstellen
- klare Verantwortlichkeit festlegen
- Status sichtbar machen
- Standardpakete definieren
- geeignete Schritte automatisieren
- Wirkung messen
- weitere Engpässe bearbeiten
Value Stream Management nach dem Mapping
Nach der ersten Abbildung muss der Wertstrom fortlaufend gesteuert werden.
Dazu gehören:
- Verantwortlichkeit festlegen
- relevante Messgrößen überwachen
- Abweichungen untersuchen
- Feedback auswerten
- Risiken beobachten
- Verbesserungen priorisieren
- Änderungen am Wertstrom kontrollieren
- Dokumentation aktuell halten
- und den Wertstrom regelmäßig erneut betrachten
Mögliche Fragen:
- Wird das gewünschte Outcome erreicht?
- Hat sich die Durchlaufzeit verbessert?
- Entsteht weniger Nacharbeit?
- Wurden Engpässe nur verlagert?
- Hat sich die Benutzererfahrung verbessert?
- Sind neue Risiken entstanden?
- Werden Kontrollen weiterhin wirksam durchgeführt?
- Passen die Messgrößen noch zum Ziel?
Governance von Value Streams
Für wichtige Value Streams sollte geklärt sein:
- Wer trägt die Ende-zu-Ende-Verantwortung?
- Welche Outcomes und Ziele gelten?
- Welche Risiken dürfen akzeptiert werden?
- Welche Kontrollen sind verbindlich?
- Wer darf den Wertstrom verändern?
- Wie werden Leistung und Abweichungen überwacht?
- Wie werden Konflikte zwischen Teams entschieden?
- Welche Verbesserungen erhalten Priorität?
- Welche Lieferantenabhängigkeiten bestehen?
Ein Value Stream kann mehrere organisatorische Verantwortungsbereiche überschreiten.
Trotzdem muss eine geeignete Koordination des Gesamtergebnisses bestehen.
Typischer Fehler
Jeder Schritt besitzt einen Verantwortlichen, aber niemand verantwortet das gesamte Ende-zu-Ende-Outcome.
Value Stream Mapping bei einem Incident
Beispielwertstrom:
Benutzer nach einem Serviceausfall wieder arbeitsfähig machen
Mögliche Schritte:
- Störung erkennen oder melden
- Incident erfassen
- Auswirkungen und Dringlichkeit bewerten
- betroffenen Service bestimmen
- erste Diagnose durchführen
- zuständiges Fachwissen einbinden
- Service wiederherstellen
- Funktion technisch prüfen
- Nutzbarkeit mit dem Benutzer bestätigen
- Kommunikation abschließen
- notwendige Folgeaktivitäten einleiten
Mögliche Probleme:
- Benutzer muss dieselben Informationen mehrfach nennen.
- Ticket wird mehrfach weitergeleitet.
- Serviceabhängigkeiten sind unbekannt.
- Lieferantenkontakt beginnt zu spät.
- Statusinformationen sind widersprüchlich.
- technische Wiederherstellung wird nicht aus Benutzersicht geprüft.
- wiederkehrende Incidents werden nicht an Problem Management übergeben.
Mögliche Messgrößen:
- Zeit bis zur Erfassung
- Zeit bis zur ersten qualifizierten Reaktion
- gesamte Wiederherstellungszeit
- Anzahl der Übergaben
- erneute Kontaktaufnahme
- wiederholte Incidents
- Benutzerbestätigung
- Qualität der Kommunikation
Value Stream Mapping bei einem Service Request
Beispielwertstrom:
genehmigte Standardsoftware für einen Benutzer nutzbar bereitstellen
Mögliche Schritte:
- Software anfordern
- Berechtigung und Bedarf prüfen
- Lizenzverfügbarkeit kontrollieren
- erforderliche Freigabe einholen
- Software bereitstellen
- Installation oder Zuweisung prüfen
- Benutzer informieren
- Nutzbarkeit bestätigen
- Asset- und Lizenzinformationen aktualisieren
Mögliche Verbesserungen:
- verständliches Serviceangebot
- rollenbasierte Standardgenehmigung
- automatische Lizenzprüfung
- automatisierte Softwareverteilung
- automatische Statusinformationen
- technische Erfolgskontrolle
- Abschluss erst nach bestätigter Nutzbarkeit
Value Stream Mapping bei einem Change
Beispielwertstrom:
Sicherheitsupdate kontrolliert und ohne vermeidbare Serviceunterbrechung bereitstellen
Mögliche Schritte:
- Handlungsbedarf erkennen
- betroffene Produkte und Services bestimmen
- Risiko und Dringlichkeit bewerten
- Update testen
- Umsetzungs- und Rückfallplan erstellen
- Autorisierung einholen
- Beteiligte informieren
- Update bereitstellen
- technische Funktion prüfen
- Service-Nutzbarkeit prüfen
- Monitoring fortführen
- Dokumentation und Konfigurationsinformationen aktualisieren
Mögliche Probleme:
- unklare Abhängigkeiten
- fehlende Testumgebung
- lange Wartezeit auf Freigabe
- manuelle Wiederholung derselben Prüfungen
- fehlende Rückfallkriterien
- Service Desk wird nicht informiert
- technischer Erfolg wird ohne Serviceprüfung angenommen
Value Streams und Automatisierung
Automatisierung kann den Fluss verbessern, wenn:
- der Wertstrom verstanden wurde,
- Eingabedaten zuverlässig sind,
- Regeln eindeutig sind,
- Ausnahmen behandelt werden,
- und Ergebnisse kontrolliert werden.
Geeignete Beispiele:
- automatische Ticketanlage aus relevanten Events
- automatische Vollständigkeitsprüfung von Anträgen
- standardisierte Genehmigungsweiterleitung
- automatische Softwareverteilung
- automatische Aktualisierung von Asset-Daten
- Statusbenachrichtigungen
- automatische technische Tests
- Erkennung von Wartezeiten und Eskalationsbedarf
Ungeeignet ist Automatisierung, wenn:
- der Ablauf unklar ist,
- Verantwortlichkeiten fehlen,
- Eingabedaten unzuverlässig sind,
- Ausnahmen nicht bekannt sind,
- oder der Schritt keinen ausreichenden Nutzen besitzt.
Grundsatz
Einen schlechten Wertstrom zu automatisieren kann dazu führen, dass Fehler und Verschwendung nur schneller ausgeführt werden.
Künstliche Intelligenz in Value Streams
KI kann innerhalb von Value Streams beispielsweise unterstützen bei:
- Klassifizierung von Anfragen
- Erkennung ähnlicher Vorgänge
- Zusammenfassung von Informationen
- Prognose möglicher Engpässe
- Analyse von Durchlaufzeiten
- Vorschlägen für passende Wissensartikel
- Erkennung wiederkehrender Muster
- und Unterstützung der Kommunikation
Dabei müssen unter anderem berücksichtigt werden:
- Datenqualität
- Datenschutz
- Informationssicherheit
- Nachvollziehbarkeit
- mögliche Verzerrungen
- menschliche Kontrolle
- Fehlerbehandlung
- und Verantwortung
Beispiel:
Eine KI schlägt die automatische Genehmigung eines Zugriffs vor.
Vor einer solchen Automatisierung muss geklärt sein:
- Welche Zugriffe dürfen standardisiert genehmigt werden?
- Welche Rollen und Risiken sind betroffen?
- Welche Daten verwendet die KI?
- Wer überprüft Ausnahmen?
- Wie werden falsche Entscheidungen erkannt?
- Wer trägt die Ergebnisverantwortung?
Sicherheitsrelevant
Die Verwendung von KI verändert nicht automatisch bestehende Verantwortlichkeiten und Governance-Anforderungen.
Value Streams und Continual Improvement
Value Stream Mapping liefert eine Grundlage für Continual Improvement.
Möglicher Verbesserungszyklus:
- benötigtes Outcome bestimmen
- aktuellen Wertstrom erfassen
- Daten und Feedback sammeln
- Engpässe und Risiken erkennen
- Ursachen untersuchen
- Zielzustand gestalten
- Verbesserungen priorisieren
- schrittweise umsetzen
- Wirkung messen
- Wertstrom erneut bewerten
Verbesserungen können betreffen:
- einzelne Schritte,
- Übergaben,
- Informationen,
- Rollen,
- Technologien,
- Lieferanten,
- Kontrollen,
- oder den gesamten Aufbau des Wertstroms.
Merke
Value Stream Mapping zeigt nicht nur, wo Arbeit stattfindet.
Es zeigt, wo Wertfluss behindert wird und wo Verbesserungen ansetzen können.
Typische Fehler beim Value Stream Mapping
Fehler 1: Nur den dokumentierten Soll-Prozess abbilden
Der tatsächlich gelebte Arbeitsablauf bleibt unbekannt.
Fehler 2: An Abteilungsgrenzen aufhören
Der gesamte Weg zum Stakeholder-Outcome wird nicht betrachtet.
Fehler 3: Zu großen Umfang wählen
Der Wertstrom wird so umfangreich, dass keine konkreten Verbesserungen mehr erkennbar sind.
Fehler 4: Nur technische Schritte betrachten
Menschen, Informationen, Lieferanten, Kontrollen und Benutzererfahrung fehlen.
Fehler 5: Nur Bearbeitungszeiten messen
Wartezeit, Übergaben, Nacharbeit und Verzögerungen bleiben unsichtbar.
Fehler 6: Jede nicht sichtbare Tätigkeit als Verschwendung betrachten
Notwendige Sicherheits-, Qualitäts- oder Compliance-Kontrollen werden ungeprüft infrage gestellt.
Fehler 7: Das Diagramm als Endergebnis betrachten
Probleme werden sichtbar gemacht, aber Verbesserungen werden nicht priorisiert oder umgesetzt.
Fehler 8: Mitarbeiter für Probleme im Wertstrom verantwortlich machen
Systemische Ursachen wie fehlende Informationen, ungeeignete Werkzeuge und widersprüchliche Ziele werden übersehen.
Fehler 9: Nur einen idealen Einzelfall betrachten
Ausnahmen, Fehler, Eskalationen und Lieferantenabhängigkeiten bleiben unbekannt.
Fehler 10: Lokale Kennzahlen optimieren
Einzelne Teams verbessern ihre Werte, während sich das Ende-zu-Ende-Outcome verschlechtert.
Fehler 11: Zielzustand ohne Messgrößen gestalten
Später kann nicht festgestellt werden, ob die Verbesserung tatsächlich wirksam war.
Fehler 12: Zu früh automatisieren
Ein ungeeigneter oder instabiler Ablauf wird technisch festgeschrieben.
Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration
Fachinformatiker sehen häufig nur einen Teil des gesamten Wertstroms.
Beispiele:
- Benutzerkonto erstellen
- Server konfigurieren
- Firewall-Regel ändern
- Software verteilen
- Incident untersuchen
- Backup wiederherstellen
- Monitoring-Alarm bearbeiten
Value-Stream-Denken ergänzt folgende Fragen:
- Welcher Auslöser führte zu meiner Aufgabe?
- Welches Outcome soll erreicht werden?
- Welche Schritte fanden bereits statt?
- Welche Informationen fehlen mir?
- Wer arbeitet nach meinem Schritt weiter?
- Welche Auswirkungen besitzt eine Verzögerung?
- Welche Rückmeldung muss ich liefern?
- Welche Practices und Teams sind beteiligt?
- Wie wird der Erfolg aus Benutzersicht geprüft?
- Kann mein Arbeitsschritt vereinfacht oder automatisiert werden?
- Erzeuge ich möglicherweise unnötige Nacharbeit für andere?
Praxistipp
Dokumentiere nicht nur, was du getan hast.
Dokumentiere auch das Ergebnis, relevante Abhängigkeiten und den nächsten notwendigen Schritt.
30-Sekunden-Prüfung eines Value Streams
- Auslöser: Was startet den Wertstrom?
- Stakeholder: Für wen wird das Outcome benötigt?
- Outcome: Wann ist das tatsächliche Ziel erreicht?
- Schritte: Welche Tätigkeiten sind notwendig?
- Verantwortung: Wer entscheidet und wer führt aus?
- Informationen: Welche Daten werden benötigt?
- Übergaben: Wo wechselt die Arbeit zwischen Beteiligten?
- Fluss: Wo entstehen Wartezeit, Nacharbeit oder Engpässe?
- Kontrollen: Welche Prüfungen sind wirklich erforderlich?
- Messung: Wie wird Erfolg festgestellt?
- Verbesserung: Welcher nächste Schritt verbessert den Wertstrom?
Checkliste vor dem Mapping
- Ist der Zweck der Untersuchung eindeutig?
- Ist das gewünschte Outcome bekannt?
- Sind Auslöser und Abschluss festgelegt?
- Ist der Umfang ausreichend eingegrenzt?
- Sind relevante Stakeholder beteiligt?
- Stehen reale Vorgänge und Daten zur Verfügung?
- Ist geklärt, wer die Untersuchung koordiniert?
- Werden alle vier Dimensionen berücksichtigt?
- Sind wichtige Lieferanten einbezogen?
- Ist bekannt, wie Ergebnisse verwendet werden sollen?
Checkliste für die Ist-Aufnahme
- Wurden tatsächliche und nicht nur dokumentierte Schritte erfasst?
- Sind Rollen und Verantwortlichkeiten sichtbar?
- Sind benötigte Informationen und Werkzeuge erfasst?
- Sind beteiligte Practices bekannt?
- Sind Lieferanten und externe Abhängigkeiten enthalten?
- Sind Bearbeitungs- und Wartezeiten erkennbar?
- Sind Übergaben sichtbar?
- Sind Nacharbeit und Rückschleifen erfasst?
- Sind Kontrollen und Freigaben enthalten?
- Sind Ausnahmen und Eskalationen berücksichtigt?
- Wurde das tatsächliche Stakeholder-Outcome geprüft?
Checkliste für den Zielzustand
- Behandelt der Zielzustand die festgestellten Ursachen?
- Unterstützt er das gewünschte Outcome?
- Sind Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse eindeutig?
- Werden unnötige Übergaben reduziert?
- Werden benötigte Informationen früher bereitgestellt?
- Bleiben notwendige Kontrollen wirksam?
- Sind Lieferanten und Verträge berücksichtigt?
- Ist der Zielzustand technisch und organisatorisch realistisch?
- Sind Automatisierungen kontrollierbar?
- Sind Messgrößen definiert?
- Kann die Verbesserung iterativ umgesetzt werden?
- Sind mögliche neue Risiken bewertet?
Checkliste nach der Verbesserung
- Wurde die Verbesserung wie geplant umgesetzt?
- Hat sich die Durchlaufzeit verändert?
- Wurde Wartezeit reduziert?
- Entsteht weniger Nacharbeit?
- Wurden Engpässe beseitigt oder nur verlagert?
- Hat sich die Benutzer- oder Kundenerfahrung verbessert?
- Werden Outcomes zuverlässiger erreicht?
- Sind Kontrollen weiterhin wirksam?
- Sind neue Risiken entstanden?
- Wurden Rollen und Dokumentationen aktualisiert?
- Sind weitere Verbesserungen notwendig?
- Wird der Wertstrom fortlaufend überwacht?
Schnellreferenz
| Frage | Bedeutung |
|---|---|
| Was startet den Wertstrom? | Auslöser bestimmen |
| Für wen wird gearbeitet? | Stakeholder bestimmen |
| Was soll erreicht werden? | Outcome definieren |
| Welche Schritte finden statt? | tatsächlichen Arbeitsfluss erfassen |
| Wer ist beteiligt? | Rollen, Teams und Lieferanten bestimmen |
| Welche Informationen werden benötigt? | Informationsfluss untersuchen |
| Wo wartet die Arbeit? | Warteschlangen erkennen |
| Wo wird Arbeit wiederholt? | Nacharbeit erkennen |
| Wo wechselt Verantwortung? | Übergaben untersuchen |
| Welche Kontrollen sind notwendig? | Risiken und Vorgaben berücksichtigen |
| Wie wird Erfolg gemessen? | geeignete Messgrößen bestimmen |
| Was sollte zuerst verbessert werden? | Verbesserungen priorisieren |
Zusammenfassende Darstellung
Bedarf, Nachfrage oder Chance
↓
Auslöser des Value Streams
↓
miteinander verbundene Schritte
↓
Menschen · Practices · Informationen · Technologien · Lieferanten
↓
Übergaben · Entscheidungen · Kontrollen · Rückmeldungen
↓
Output
↓
überprüftes Outcome
↓
gemeinsam ermöglichter Wert
↓
Feedback und Continual Improvement
Aufbau einer einfachen Value-Stream-Karte
Auslöser
Was startet den Wertstrom?
↓
Schritt 1
Verantwortliche Rolle · benötigte Information · Ergebnis
↓ Übergabe oder Wartezeit
Schritt 2
Verantwortliche Rolle · verwendete Practice · Werkzeug
↓ Entscheidung oder Kontrolle
Schritt 3
technische oder organisatorische Umsetzung
↓
Ergebnisprüfung
Funktioniert das Produkt oder der Service technisch?
↓
Outcome-Prüfung
Kann der Stakeholder das benötigte Ergebnis erreichen?
↓
Feedback und Verbesserung
Verwandte Seiten
- 2.1 Was ist ITIL und wie ist das Framework aufgebaut?
- 2.2 Das ITIL Value System
- 2.3 Die sieben Guiding Principles
- 2.4 Governance und Verantwortlichkeit
- 2.5 Die vier Dimensionen des Produkt- und Service-Managements
- 2.6 Der Product and Service Lifecycle
- 2.7 Die ITIL Management Practices
- 2.9 Continual Improvement
- 2.10 ITIL an den eigenen Kontext anpassen
- Incident Management
- Service Request Management
- Change Enablement
- Problem Management
- Measurement and Reporting
Quellen und Versionsstand
Offizielle Grundlagen
- PeopleCert: ITIL Foundation – Version 5
- ITIL: ITIL Foundation Version 5 – What’s New?
- ITIL: Moving from ITIL 4 to ITIL Version 5 – Value Streams and Digital Lifecycle
- ITIL: ITIL Product – Version 5
- PeopleCert: ITIL Product – Version 5
- ITIL: New ITIL Product and Service Lifecycle Model
Offiziell bestätigter Stand
Die offiziellen ITIL-Version-5-Informationen bestätigen:
- Value Stream Mapping and Management ist Bestandteil von ITIL Foundation Version 5.
- Value Streams sollen identifiziert, abgebildet und gesteuert werden.
- Ziel sind besserer Fluss, höhere Sichtbarkeit und bessere Outcomes über digitale Produkte und Services hinweg.
- Geschäfts-Wertströme und der Product and Service Lifecycle sollen gemeinsam betrachtet werden, um die Unterstützung des Geschäfts durch digitale Technologie zu verstehen.
- ITIL Version 5 verwendet weiterhin das ITIL Value System und eine vereinfachte Value Chain.
- Digitale Produkte können als integrierte Value Streams über ihren vollständigen Lebenszyklus betrachtet werden.
Einordnung
Die auf dieser Seite dargestellte Vorgehensweise zur:
- Abgrenzung eines Value Streams,
- Erfassung von Bearbeitungs- und Wartezeiten,
- Untersuchung von Übergaben,
- Gestaltung eines Zielzustands,
- Priorisierung von Verbesserungen,
- und Verwendung der Checklisten
ist eine praxisnahe redaktionelle Methode dieses unabhängigen Nachschlagewerks.
Sie ist keine wörtliche offizielle ITIL-Methode und keine für jede Organisation vorgeschriebene Notation.
Die konkrete Darstellungsform und der benötigte Detaillierungsgrad müssen an Ziel, Risiko, Komplexität und verfügbare Informationen angepasst werden.
Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: ITIL 4
Fachlicher Stand: August 2026