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7.1 Netzwerk, SSH und Firewall

Linux wird sehr häufig für Netzwerkdienste, Server, Container, Router, Firewalls, VPN-Systeme und Cloud-Systeme eingesetzt.

Deshalb gehört Netzwerkdiagnose unter Linux zu den wichtigsten Fähigkeiten in der Systemadministration.

In diesem Kapitel geht es um:

- IP-Adressen anzeigen
- Routing prüfen
- DNS prüfen
- Erreichbarkeit testen
- Ports und Verbindungen prüfen
- SSH verstehen
- Firewall-Grundlagen unter Linux
- typische Netzwerkfehler eingrenzen

Merksatz:

Linux ist im Serverbetrieb stark,
weil Netzwerk,
Dienste,
Logs
und Fernadministration gut über die Shell prüfbar sind.

Lernziele

Nach dieser Seite solltest du erklären und anwenden können:

- wie man IP-Adressen unter Linux prüft
- wie man Routing und Gateway prüft
- wie man DNS prüft
- wie man Erreichbarkeit mit ping testet
- wie man Ports mit ss prüft
- was SSH ist
- warum SSH sicherer als Telnet ist
- wie SSH-Schlüssel grundsätzlich funktionieren
- was eine lokale Firewall macht
- wie man typische Netzwerkfehler systematisch eingrenzt

Grundidee

Netzwerkprobleme unter Linux können viele Ursachen haben.

Typische Fehlerquellen:

- falsche IP-Adresse
- falsche Subnetzmaske
- falsches Gateway
- falscher DNS-Server
- Dienst läuft nicht
- Port ist nicht offen
- Firewall blockiert
- Dienst lauscht nur lokal
- falsche Route
- SSH-Zugang falsch konfiguriert
- Rechte oder Schlüsselproblem

Merksatz:

Bei Netzwerkproblemen immer trennen:
IP,
Route,
DNS,
Port,
Dienst,
Firewall
und Anwendung.

Wichtige Netzwerkbefehle

Befehl Zweck
ip addr IP-Adressen anzeigen
ip link Netzwerkschnittstellen anzeigen
ip route Routing-Tabelle anzeigen
ping Erreichbarkeit per ICMP prüfen
traceroute Weg zum Ziel prüfen, falls installiert
tracepath Weg zum Ziel prüfen, häufig einfacher verfügbar
ss Ports und Verbindungen anzeigen
curl HTTP/HTTPS testen
dig DNS prüfen
nslookup DNS prüfen
hostname Hostname anzeigen
resolvectl DNS-Status bei systemd-resolved anzeigen
ssh sichere Fernadministration

Merksatz:

ip,
ping,
ss,
dig
und ssh gehören zu den wichtigsten Linux-Netzwerkbefehlen.

Netzwerkschnittstellen anzeigen

Netzwerkschnittstellen zeigt man mit:

Beispielausgabe:

1: lo: <LOOPBACK,UP,LOWER_UP>
2: eth0: <BROADCAST,MULTICAST,UP,LOWER_UP>

Typische Schnittstellen:

Schnittstelle Bedeutung
lo Loopback
eth0 Ethernet-Schnittstelle
ens18 Ethernet-Schnittstelle nach moderner Benennung
enp0s3 Ethernet-Schnittstelle nach moderner Benennung
wlan0 WLAN-Schnittstelle
docker0 Docker-Bridge
br0 Bridge
tun0 VPN-Tunnel
wg0 WireGuard-Schnittstelle

Merksatz:


Loopback

Die Loopback-Adresse ist:

127.0.0.1

Der Name dazu ist meist:

localhost

Bedeutung:

Kommunikation mit dem eigenen System.

Beispiele:

curl http://127.0.0.1:8080

ping 127.0.0.1

Wichtig:

Wenn ein Dienst nur auf 127.0.0.1 lauscht,
ist er nur lokal auf dem Server erreichbar,
nicht von anderen Systemen.

Merksatz:

127.0.0.1 bedeutet:
dieses System selbst.

IP-Adressen anzeigen

IP-Adressen zeigt man mit:

ip addr

oder kurz:

ip a

Beispiel:

ip addr show eth0

Typische Informationen:

Schnittstellenname

MAC-Adresse

IPv4-Adresse

IPv6-Adresse

Status

Netzpräfix

Beispiel:

inet 192.168.1.50/24

Bedeutung:

IPv4-Adresse:
192.168.1.50

Präfix:
/24

Merksatz:

ip addr zeigt IP-Adressen und Präfixe.

IPv4-Adresse und Präfix

Beispiel:

192.168.10.25/24

Bedeutung:

IP-Adresse:
192.168.10.25

Präfix:
/24

Netz:
192.168.10.0/24

Ein Client mit /24 kann direkt mit anderen Geräten im gleichen Netz kommunizieren, zum Beispiel:

192.168.10.1

192.168.10.50

192.168.10.200

Für andere Netze braucht er ein Gateway.

Merksatz:

Präfix bestimmt,
was lokal erreichbar ist.

Routing-Tabelle anzeigen

Die Routing-Tabelle zeigt man mit:

ip route

Beispielausgabe:

default via 192.168.1.1 dev eth0
192.168.1.0/24 dev eth0 proto kernel scope link src 192.168.1.50

Bedeutung:

Eintrag Bedeutung
default via 192.168.1.1 Standardgateway
dev eth0 über Schnittstelle eth0
192.168.1.0/24 lokales Netz
src 192.168.1.50 eigene Quelladresse

Merksatz:

ip route zeigt,
wohin Pakete gesendet werden.

Standardgateway

Das Standardgateway ist der Router in andere Netze.

In der Routing-Tabelle steht es meist als:

default via ...

Beispiel:

default via 192.168.1.1 dev eth0

Bedeutung:

Alle Ziele,
für die keine spezifischere Route existiert,
werden über 192.168.1.1 gesendet.

Wichtig:

Das Gateway muss im lokalen Subnetz erreichbar sein.

Merksatz:

Gateway führt aus dem lokalen Netz heraus.

Erreichbarkeit mit ping prüfen

ping prüft Erreichbarkeit per ICMP.

Beispiel:

ping 192.168.1.1

Nur 4 Pakete senden:

ping -c 4 192.168.1.1

Beispiele:

ping -c 4 127.0.0.1

ping -c 4 192.168.1.1

ping -c 4 8.8.8.8

ping -c 4 example.com

Wichtig:

ping prüft nicht,
ob ein TCP- oder UDP-Dienst funktioniert.

Merksatz:

ping prüft Host-Erreichbarkeit,
nicht Dienst-Erreichbarkeit.

ping richtig einordnen

Ergebnis Bedeutung
ping 127.0.0.1 geht eigener Netzwerkstack funktioniert grundsätzlich
ping eigene IP geht lokale IP ist aktiv
ping Gateway geht lokales Netz zum Gateway funktioniert
ping externe IP geht Routing ins externe Netz funktioniert
ping Domain geht nicht, IP geht DNS-Problem wahrscheinlich
ping geht nicht ICMP blockiert oder Ziel nicht erreichbar

Wichtig:

Manche Systeme blockieren ICMP.
Dann kann ein Dienst trotzdem erreichbar sein.

Merksatz:

ping-Ergebnis immer im Zusammenhang bewerten.

DNS prüfen

DNS löst Namen in IP-Adressen auf.

Typische Befehle:

nslookup example.com

dig example.com

resolvectl status

Beispiel:

dig ulrich-wiki.com

Wichtig:

Wenn IP-Adressen erreichbar sind,
Namen aber nicht,
ist DNS wahrscheinlich das Problem.

Merksatz:

IP geht,
Name geht nicht:
DNS prüfen.

DNS-Server anzeigen

Je nach Distribution und Konfiguration gibt es verschiedene Wege.

Häufig:

cat /etc/resolv.conf

Bei systemd-resolved:

resolvectl status

Wichtig:

/etc/resolv.conf kann eine echte Datei
oder ein symbolischer Link auf systemd-resolved sein.

Merksatz:

DNS-Konfiguration hängt von Distribution und Resolver ab.

/etc/hosts

Die Datei:

/etc/hosts

enthält lokale Namenszuordnungen.

Beispiel:

127.0.0.1 localhost
192.168.1.10 server01.local

Wichtig:

Einträge in /etc/hosts können DNS-Abfragen übersteuern oder ergänzen.

Typische Nutzung:

lokale Tests

feste interne Namen

kleine Umgebungen

Fehleranalyse

Merksatz:

/etc/hosts ist lokale Namensauflösung.

Hostname anzeigen

Hostname anzeigen:

hostname

Mehr Informationen:

hostnamectl

Hostname setzen, wenn systemd genutzt wird:

hostnamectl set-hostname server01

Wichtig:

Hostname,
DNS-Name
und Eintrag in /etc/hosts sollten sinnvoll zusammenpassen.

Merksatz:

hostname zeigt den Systemnamen.

Ports und Verbindungen mit ss prüfen

Offene Ports und Verbindungen zeigt man mit:

ss

Häufige Variante:

ss -tulpen

Bedeutung:

Option Bedeutung
-t TCP
-u UDP
-l listening
-p Prozess anzeigen
-e erweiterte Informationen
-n numerisch, keine Namensauflösung

Beispiel:

ss -tulpen

Merksatz:

ss zeigt,
welche Dienste auf welchen Ports lauschen.

LISTEN verstehen

Wenn ein Dienst auf einem Port wartet, steht er im Zustand:

LISTEN

Beispiel:

0.0.0.0:22

Bedeutung:

Der Dienst lauscht auf TCP 22 auf allen IPv4-Schnittstellen.

Beispiel:

127.0.0.1:8080

Bedeutung:

Der Dienst lauscht nur lokal auf dem System.

Merksatz:

LISTEN heißt:
Dienst wartet auf Verbindungen.

127.0.0.1 und 0.0.0.0

Adresse Bedeutung bei lauschendem Dienst
127.0.0.1 nur lokal erreichbar
0.0.0.0 auf allen IPv4-Schnittstellen erreichbar
::1 IPv6 localhost
:: auf allen IPv6-Schnittstellen erreichbar

Beispiel:

127.0.0.1:8080

nur lokal.

0.0.0.0:8080

grundsätzlich von außen erreichbar, wenn Firewall, Routing und Netz passen.

Merksatz:

127.0.0.1 ist lokal.
0.0.0.0 ist auf allen IPv4-Interfaces.

HTTP und HTTPS mit curl prüfen

curl kann HTTP- und HTTPS-Verbindungen testen.

Beispiele:

curl http://localhost

curl http://127.0.0.1:8080

curl https://example.com

Nur Header anzeigen:

curl -I https://example.com

Ausführlichere Verbindungsausgabe:

curl -v https://example.com

Typische Nutzung:

Webdienst prüfen

Reverse Proxy testen

HTTP-Statuscode sehen

TLS-Probleme erkennen

Merksatz:

curl prüft Webdienste direkt auf Anwendungsebene.

HTTP-Statuscodes kurz

Code Bedeutung
200 OK
301 dauerhaft weitergeleitet
302 temporär weitergeleitet
400 fehlerhafte Anfrage
401 nicht authentifiziert
403 verboten
404 nicht gefunden
500 interner Serverfehler
502 Bad Gateway
503 Dienst nicht verfügbar

Merksatz:

ping prüft ICMP.
curl prüft HTTP oder HTTPS.

SSH

SSH steht für:

Secure Shell

SSH dient zur sicheren Fernadministration.

Typischer Port:

TCP 22

Beispiel:

ssh [email protected]

Bedeutung:

Verbindung als Benutzer felix zum Server 192.168.1.10 herstellen.

SSH verschlüsselt die Verbindung und ist deshalb sicherer als Telnet.

Merksatz:

SSH = sichere Fernadministration über TCP 22.

SSH und Telnet

Telnet ist unsicher, weil es Daten unverschlüsselt überträgt.

SSH ist sicherer, weil es die Verbindung verschlüsselt.

Protokoll Sicherheit
Telnet unverschlüsselt, unsicher
SSH verschlüsselt, sicherer

Merksatz:

Telnet vermeiden,
SSH nutzen.

SSH-Server und SSH-Client

SSH besteht aus Client und Server.

SSH-Client:

baut Verbindung auf

Beispiel:

ssh felix@server

SSH-Server:

nimmt Verbindungen an

Dienstname häufig:

ssh

oder:

sshd

Prüfen:

systemctl status ssh

oder je nach Distribution:

systemctl status sshd

Merksatz:

ssh ist der Client.
sshd ist der SSH-Dienst.

SSH-Konfiguration

Die wichtige SSH-Server-Konfiguration liegt häufig unter:

/etc/ssh/sshd_config

Typische Einstellungen:

Port

PermitRootLogin

PasswordAuthentication

PubkeyAuthentication

AllowUsers

ListenAddress

Wichtig:

Nach Änderungen SSH-Konfiguration prüfen,
Dienst neu laden oder neu starten
und bestehende Sitzung nicht sofort schließen.

Merksatz:

SSH-Änderungen vorsichtig durchführen,
damit man sich nicht aussperrt.

SSH-Root-Login

Direkter Root-Login per SSH ist sicherheitskritisch.

Risiken:

Angreifer kennen den Benutzernamen root

Brute-Force-Angriffe einfacher

Aktionen weniger personenbezogen nachvollziehbar

Besser:

normaler Benutzer meldet sich an

administrative Befehle gezielt mit sudo

Merksatz:

Kein direkter Root-Login per SSH,
wenn nicht zwingend nötig.

SSH-Passwort und SSH-Schlüssel

SSH kann verschiedene Authentifizierungsarten nutzen.

Methode Bedeutung
Passwort Benutzer meldet sich mit Passwort an
Schlüssel Anmeldung über privates und öffentliches Schlüsselpaar

SSH-Schlüssel bestehen aus:

privatem Schlüssel

öffentlichem Schlüssel

Der öffentliche Schlüssel liegt auf dem Server. Der private Schlüssel bleibt beim Benutzer.

Merksatz:

Öffentlicher Schlüssel auf Server.
Privater Schlüssel bleibt geheim.

SSH-Schlüssel-Grundprinzip

Vereinfachtes Prinzip:

1. Benutzer besitzt privaten Schlüssel.

2. Server kennt passenden öffentlichen Schlüssel.

3. SSH prüft,
   ob der private Schlüssel zum öffentlichen Schlüssel passt.

4. Der private Schlüssel wird nicht an den Server übertragen.

Wichtig:

Der private Schlüssel sollte mit einer Passphrase geschützt sein.

Merksatz:

Der private SSH-Schlüssel darf nicht weitergegeben werden.

authorized_keys

Öffentliche SSH-Schlüssel eines Benutzers liegen häufig in:

~/.ssh/authorized_keys

Beispiel:

/home/felix/.ssh/authorized_keys

Wichtige Rechte:

~/.ssh sollte nicht für andere beschreibbar sein.

authorized_keys sollte nicht für andere beschreibbar sein.

Typische Rechte:

chmod 700 ~/.ssh

chmod 600 ~/.ssh/authorized_keys

Merksatz:

SSH-Schlüsselzugriff hängt auch von Dateirechten ab.

SSH-Fehlerbilder

Fehlerbild Mögliche Ursache
Connection refused SSH-Dienst läuft nicht oder Port falsch
Connection timed out Firewall, Routing oder Ziel nicht erreichbar
Permission denied Benutzer, Passwort oder Schlüssel falsch
Host key verification failed Host-Key hat sich geändert
No route to host Routingproblem oder Zielnetz nicht erreichbar
Port 22 nicht erreichbar Firewall oder Dienstproblem
Login als root nicht möglich PermitRootLogin deaktiviert

Merksatz:

SSH-Fehler unterscheiden:
Netzwerk,
Port,
Dienst,
Schlüssel
oder Benutzer.

Host-Key

Beim ersten Verbinden speichert SSH den Host-Key des Servers.

Datei auf dem Client:

~/.ssh/known_hosts

Zweck:

prüfen,
ob man wieder mit demselben Server spricht.

Warnung:

Host key verification failed

kann bedeuten:

Server wurde neu installiert

IP zeigt auf anderes System

Host-Key wurde geändert

möglicher Man-in-the-Middle-Angriff

Merksatz:

Host-Key schützt vor unbemerktem Serverwechsel.

SCP und SFTP

SSH kann auch für Dateiübertragung genutzt werden.

SCP:

Dateiübertragung über SSH

SFTP:

SSH File Transfer Protocol

Beispiele:

scp datei.txt felix@server:/tmp/

sftp felix@server

Wichtig:

SFTP ist nicht dasselbe wie FTPS.

Merksatz:

SFTP nutzt SSH.
FTPS ist FTP mit TLS.

Firewall unter Linux

Eine Firewall filtert Netzwerkverkehr.

Sie kann entscheiden:

- welche Verbindungen erlaubt sind
- welche Ports erreichbar sind
- welche Quellen zugreifen dürfen
- welcher Verkehr blockiert wird

Linux-Firewall-Techniken:

iptables

nftables

firewalld

ufw

Wichtig:

Je nach Distribution wird ein anderes Werkzeug verwendet.

Merksatz:

Linux-Firewall kann mit unterschiedlichen Werkzeugen verwaltet werden.

ufw

ufw steht für:

Uncomplicated Firewall

ufw wird häufig bei Ubuntu verwendet und ist eine vereinfachte Oberfläche für Firewall-Regeln.

Typische Befehle:

ufw status

ufw allow 22/tcp

ufw allow 443/tcp

ufw deny 445/tcp

ufw enable

ufw disable

Wichtig:

Vor dem Aktivieren einer Firewall per SSH sicherstellen,
dass SSH erlaubt ist.

Merksatz:

Firewall per SSH nie aktivieren,
ohne SSH-Regel zu erlauben.

firewalld

firewalld wird häufig bei Fedora, Rocky Linux und ähnlichen Distributionen genutzt.

Typische Konzepte:

Zonen

Dienste

Ports

permanente Regeln

Beispielbefehle:

firewall-cmd --state

firewall-cmd --list-all

firewall-cmd --add-service=ssh --permanent

firewall-cmd --reload

Merksatz:

firewalld arbeitet stark mit Zonen und Diensten.

nftables

nftables ist ein moderner Linux-Firewall-Unterbau.

Es ersetzt in vielen Umgebungen ältere iptables-Strukturen.

Prüfen:

nft list ruleset

Wichtig:

nftables ist leistungsfähig,
aber weniger einsteigerfreundlich als ufw.

Merksatz:

nftables ist moderner Firewall-Unterbau unter Linux.

iptables

iptables ist ein älteres, aber noch häufig anzutreffendes Firewall-Werkzeug.

Prüfen:

iptables -L -n -v

Wichtig:

Auf modernen Systemen kann iptables intern auf nftables aufsetzen.

Merksatz:

iptables ist klassisch,
nftables ist moderner.

Firewall-Regeln vollständig denken

Eine Firewall-Regel sollte nicht nur aus einem Port bestehen.

Wichtige Angaben:

Quelle

Ziel

Protokoll

Port

Richtung

Aktion

Zweck

Beispiel:

Quelle:
Adminnetz

Ziel:
Linux-Server

Protokoll:
TCP

Port:
22

Aktion:
erlauben

Zweck:
SSH-Administration

Merksatz:

Port allein ist keine vollständige Firewall-Regel.

Lokale Firewall und Netzwerkfirewall

Ein Zugriff kann an mehreren Stellen blockiert werden.

Beispiele:

lokale Firewall auf dem Linux-Server

Firewall auf Router

Firewall zwischen VLANs

Cloud Security Group

Container-Firewall oder Docker-Regeln

Provider-Firewall

Merksatz:

Bei Portproblemen alle Filterstellen prüfen.

Dienst läuft, aber Zugriff geht nicht

Mögliche Ursachen:

Dienst lauscht nur auf 127.0.0.1

Dienst lauscht auf anderem Port

lokale Firewall blockiert

Netzwerkfirewall blockiert

Routingproblem

DNS zeigt auf falsche IP

falsches Protokoll TCP/UDP

Dienst erwartet TLS oder Hostname

Prüfen:

systemctl status dienst

ss -tulpen

ip addr

ip route

Firewall-Regeln

Logs

Merksatz:

Dienststatus allein reicht nicht.

Netzwerkdiagnose: sinnvolle Reihenfolge

Bei Linux-Netzwerkproblemen:

1. Schnittstelle aktiv?

2. IP-Adresse korrekt?

3. Route und Gateway korrekt?

4. DNS korrekt?

5. Ziel per IP erreichbar?

6. Ziel per Name erreichbar?

7. Port offen?

8. Dienst läuft?

9. Firewall-Regeln korrekt?

10. Logs prüfen

Merksatz:

Erst IP,
dann Route,
dann DNS,
dann Port,
dann Dienst.

Beispiel: Kein Internet

Fehlerbild:

Server kommt nicht ins Internet.

Prüfen:

ip addr

ip route

ping -c 4 gateway-ip

ping -c 4 8.8.8.8

ping -c 4 example.com

Mögliche Einordnung:

Ergebnis Ursache
keine IP DHCP oder Interface
Gateway nicht erreichbar lokales Netz oder Gateway
externe IP nicht erreichbar Routing, NAT oder Firewall
Domain nicht erreichbar, IP geht DNS

Merksatz:

Kein Internet ist kein genauer Fehler.
Schrittweise eingrenzen.

Beispiel: Webseite geht nicht

Fehlerbild:

Webseite auf Linux-Server ist nicht erreichbar.

Prüfen:

systemctl status nginx

ss -tulpen

curl http://127.0.0.1

curl http://server-ip

ip addr

ip route

Firewall

journalctl -u nginx

Mögliche Ursachen:

Webserver läuft nicht

Port 80 oder 443 nicht offen

Dienst lauscht nur lokal

Firewall blockiert

falsche IP

Reverse Proxy falsch

Zertifikatproblem

Merksatz:

Webseite prüfen:
Dienst,
Port,
Bind-Adresse,
Firewall,
Logs.

Beispiel: SSH geht nicht

Fehlerbild:

SSH-Verbindung schlägt fehl.

Prüfen auf Clientseite:

ssh -v benutzer@server

Prüfen auf Serverseite:

systemctl status ssh

ss -tulpen

journalctl -u ssh

Firewall-Regeln

Benutzer und Rechte

~/.ssh/authorized_keys

Mögliche Ursachen:

Dienst läuft nicht

TCP 22 blockiert

falscher Benutzer

Schlüssel fehlt

Rechte auf .ssh falsch

Root-Login deaktiviert

Merksatz:

SSH-Fehler mit -v,
Dienststatus,
Port
und Logs eingrenzen.

Beispiel: DNS geht nicht

Fehlerbild:

IP funktioniert,
Name funktioniert nicht.

Prüfen:

cat /etc/resolv.conf

resolvectl status

dig name

nslookup name

ping -c 4 dns-server-ip

Firewall UDP/TCP 53

Mögliche Ursachen:

falscher DNS-Server

DNS-Server nicht erreichbar

falscher Suchsuffix

Firewall blockiert DNS

/etc/hosts überschreibt Namen

Merksatz:

IP ja,
Name nein:
DNS.

Typische Fehlerbilder

Fehlerbild Wahrscheinliches Thema
keine IP-Adresse DHCP oder Interface
Gateway nicht erreichbar lokales Netz, VLAN, Gateway
externe IP nicht erreichbar Routing, NAT oder Firewall
IP erreichbar, Name nicht DNS
Dienst läuft, Port nicht erreichbar Firewall, Bind-Adresse, Port
Port lauscht auf 127.0.0.1 nur lokal erreichbar
SSH Connection refused Dienst läuft nicht oder Port falsch
SSH Connection timed out Firewall oder Routing
SSH Permission denied Benutzer, Passwort oder Schlüssel
curl zeigt 404 Ressource oder Pfad nicht gefunden
curl zeigt 502 Proxy oder Backendproblem

Typische Prüfungsfragen

Frage Kurzantwort
Wofür ist ip addr? IP-Adressen anzeigen
Wofür ist ip route? Routing-Tabelle anzeigen
Was ist default via? Standardgateway
Wofür ist ping? ICMP-Erreichbarkeit prüfen
Warum ersetzt ping keinen Porttest? ping prüft nicht TCP/UDP-Dienste
Wofür ist ss? Ports und Verbindungen anzeigen
Was bedeutet LISTEN? Dienst wartet auf Verbindungen
Was bedeutet 127.0.0.1? localhost, nur eigenes System
Was bedeutet 0.0.0.0 bei Diensten? alle IPv4-Schnittstellen
Was ist SSH? sichere Fernadministration
Welchen Port nutzt SSH? TCP 22
Warum ist Telnet unsicher? unverschlüsselte Übertragung
Was ist /etc/hosts? lokale Namensauflösung
Was ist ufw? einfache Firewall-Verwaltung
Was ist firewalld? Firewall-Verwaltung mit Zonen

Typische Prüfungsfallen

Falle Richtig denken
ping geht, also Dienst geht falsch, ping prüft nur ICMP
127.0.0.1 als extern erreichbar verstehen nur lokal
0.0.0.0 als Zieladresse verwenden bei LISTEN bedeutet alle Interfaces
DNS und Internet verwechseln IP kann gehen, DNS trotzdem nicht
SSH-Problem nur als Passwortproblem sehen Netzwerk, Port, Dienst, Schlüssel prüfen
Firewall nur lokal prüfen auch Netzwerkfirewall, Cloud, Router prüfen
Portnummer ohne TCP/UDP nennen unvollständig
SSH-Root-Login erlauben Sicherheitsrisiko
private SSH-Schlüssel weitergeben niemals weitergeben
/etc/hosts vergessen kann Namensauflösung beeinflussen

IHK-sichere Kurzformulierung

Unter Linux werden Netzwerkprobleme systematisch mit Werkzeugen wie ip addr, ip route, ping, dig, nslookup, ss, curl und journalctl geprüft. ip addr zeigt IP-Adressen und Schnittstellen, ip route zeigt Routing-Tabelle und Standardgateway. ping prüft die ICMP-Erreichbarkeit, ersetzt aber keinen Port- oder Diensttest. ss zeigt, welche Dienste auf welchen TCP- oder UDP-Ports lauschen. DNS-Probleme erkennt man häufig daran, dass eine IP-Adresse erreichbar ist, ein Name aber nicht aufgelöst wird. SSH dient der sicheren Fernadministration über TCP 22 und ist Telnet vorzuziehen, weil die Verbindung verschlüsselt ist. Bei Verbindungsproblemen müssen Dienststatus, Port, Bind-Adresse, Firewall, Routing, DNS und Logs gemeinsam geprüft werden.


Merksätze

Netzwerkfehler systematisch eingrenzen.

ip addr zeigt IP-Adressen.

ip link zeigt Schnittstellen.

ip route zeigt Routing.

default via ist das Standardgateway.

ping prüft ICMP.

ping ist kein Porttest.

DNS löst Namen auf.

IP ja,
Name nein:
DNS.

ss zeigt Ports und Verbindungen.

LISTEN heißt:
Dienst wartet.

127.0.0.1 heißt:
nur lokal.

0.0.0.0 heißt:
alle IPv4-Interfaces.

curl prüft HTTP und HTTPS.

SSH nutzt TCP 22.

SSH ist verschlüsselt.

Telnet ist unverschlüsselt.

ssh ist der Client.

sshd ist der Dienst.

Privater SSH-Schlüssel bleibt geheim.

authorized_keys enthält öffentliche Schlüssel.

Host-Key schützt vor unbemerktem Serverwechsel.

ufw ist eine einfache Firewall-Oberfläche.

firewalld arbeitet mit Zonen.

nftables ist moderner Firewall-Unterbau.

iptables ist klassisch.

Firewall-Regeln brauchen Quelle,
Ziel,
Protokoll,
Port,
Aktion
und Zweck.

Dienst läuft heißt nicht automatisch:
Dienst ist erreichbar.

Erst IP,
dann Route,
dann DNS,
dann Port,
dann Dienst,
dann Logs.