10.1 Ziele und Grundlagen des Monitoring and Event Management
Kurz erklärt
Monitoring and Event Management sorgt dafür, dass der Zustand von IT-Services und IT-Systemen kontinuierlich überwacht wird.
Ziel ist es, Abweichungen möglichst früh zu erkennen, bevor daraus Incidents oder Serviceunterbrechungen entstehen.
Ereignisse (Events) werden gesammelt, bewertet und – je nach Bedeutung – automatisch verarbeitet oder an die zuständigen Teams weitergeleitet.
Was ist Monitoring and Event Management?
Monitoring and Event Management ist eine ITIL Practice zur kontinuierlichen Überwachung von Services, Systemen und Infrastruktur.
Dabei werden Informationen über den aktuellen Zustand gesammelt und ausgewertet.
Beispiele:
- Server erreichbar?
- CPU-Auslastung zu hoch?
- Festplatte fast voll?
- Backup erfolgreich?
- Zertifikat läuft bald ab?
- Datenbank antwortet?
- Netzwerkverbindung aktiv?
- Webservice erreichbar?
- Temperatur im Serverraum normal?
Das Ziel besteht darin, Probleme möglichst frühzeitig zu erkennen.
Warum Monitoring wichtig ist
Ohne Monitoring werden viele Probleme erst bemerkt,
wenn Benutzer sie melden.
Dadurch entstehen:
- längere Ausfallzeiten,
- mehr Incidents,
- höhere Kosten,
- unzufriedene Benutzer,
- größere Geschäftsrisiken.
Ein gutes Monitoring erkennt viele Probleme bereits,
bevor Benutzer betroffen sind.
Ziele des Monitoring and Event Management
Die wichtigsten Ziele sind:
- frühzeitige Fehlererkennung,
- schnelle Reaktion,
- Verfügbarkeit erhöhen,
- Ausfälle vermeiden,
- automatische Benachrichtigung,
- Automatisierung unterstützen,
- Servicequalität verbessern,
- Trends erkennen,
- Ursachenanalyse erleichtern.
Monitoring ersetzt dabei keine Fehlerbehebung.
Es liefert die notwendigen Informationen.
Monitoring und Event Management unterscheiden
Diese beiden Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet,
beschreiben jedoch unterschiedliche Aufgaben.
| Monitoring | Event Management |
|---|---|
| sammelt Messwerte | bewertet Ereignisse |
| überwacht Systeme | entscheidet über Reaktionen |
| erkennt Veränderungen | verarbeitet Events |
| liefert Daten | löst Aktionen aus |
Monitoring erzeugt Events.
Event Management verarbeitet diese.
Was ist ein Event?
Ein Event ist jede erkennbare Veränderung des Zustands eines Services oder Configuration Items.
Ein Event kann beispielsweise entstehen durch:
- Anmeldung,
- Fehler,
- Neustart,
- Backup,
- Alarm,
- Warnung,
- Hardwareausfall,
- erfolgreiche Aktualisierung,
- Zertifikatsablauf,
- Überschreiten eines Grenzwerts.
Nicht jedes Event bedeutet automatisch ein Problem.
Event ist nicht gleich Incident
Ein häufiger Irrtum:
Jedes Event ist ein Incident.
Das stimmt nicht.
Beispiel:
Ein Server startet nach einer geplanten Wartung neu.
Das Monitoring erzeugt ein Event.
Da die Änderung geplant war,
liegt kein Incident vor.
Beispiel eines echten Incidents
Das Monitoring erkennt:
- Webserver nicht erreichbar.
Es existiert:
- keine geplante Wartung,
- kein geplanter Change.
Jetzt entsteht aus dem Event möglicherweise ein Incident.
Informationsfluss
Monitoring
│
▼
Event entsteht
│
▼
Bewertung
│
┌────┴────┐
│ │
Normal Reaktion
│ │
▼ ▼
Protokoll Alarm oder Automation
Nicht jedes Event benötigt menschliches Eingreifen.
Arten von Monitoring
Typische Bereiche:
- Server
- Netzwerk
- Cloud
- Datenbanken
- Anwendungen
- Container
- virtuelle Maschinen
- Speicher
- Backup
- Sicherheit
- Zertifikate
- Hardware
- Umgebungsbedingungen
Je nach Service kommen unterschiedliche Überwachungen zum Einsatz.
Technisches Monitoring
Technisches Monitoring überwacht einzelne Komponenten.
Beispiele:
- CPU-Auslastung,
- RAM-Auslastung,
- Festplattenbelegung,
- Netzwerkverkehr,
- Temperatur,
- Lüfter,
- Spannungsversorgung,
- Hardwarefehler.
Es beantwortet die Frage:
Funktioniert das System technisch?
Service Monitoring
Service Monitoring betrachtet den Service aus Benutzersicht.
Beispiele:
- Anmeldung möglich?
- Website erreichbar?
- E-Mail versendbar?
- Datenbankabfrage erfolgreich?
- VPN-Anmeldung funktioniert?
- API antwortet korrekt?
Ein Server kann technisch erreichbar sein,
während der eigentliche Service bereits gestört ist.
Aktives Monitoring
Beim aktiven Monitoring werden Systeme regelmäßig geprüft.
Beispiele:
- Ping,
- HTTP-Aufruf,
- Datenbankanmeldung,
- DNS-Abfrage,
- SMTP-Test,
- API-Aufruf.
Die Prüfungen erfolgen automatisch in festgelegten Intervallen.
Passives Monitoring
Beim passiven Monitoring senden Systeme selbst Informationen.
Beispiele:
- Syslog,
- Windows Event Log,
- SNMP-Traps,
- Sicherheitsmeldungen,
- Container-Logs,
- Anwendungsprotokolle.
Hier wartet das Monitoring auf eintreffende Ereignisse.
Synthetisches Monitoring
Synthetisches Monitoring simuliert typische Benutzeraktionen.
Beispiele:
- Benutzer anmelden,
- Bestellung durchführen,
- Suchfunktion testen,
- Datei hochladen,
- VPN verbinden.
Dadurch wird geprüft,
ob ein Service tatsächlich nutzbar ist.
Real User Monitoring (RUM)
Beim Real User Monitoring werden echte Benutzeraktionen ausgewertet.
Beispiele:
- Ladezeiten,
- Antwortzeiten,
- Fehlermeldungen,
- Browserdaten,
- Standortinformationen.
Dadurch erhält die IT Informationen über die tatsächliche Benutzererfahrung.
Überwachungsobjekte
Monitoring kann sich beziehen auf:
- Configuration Items,
- Services,
- Anwendungen,
- Netzwerke,
- Cloud-Ressourcen,
- Container,
- Datenbanken,
- APIs,
- Sicherheitskomponenten,
- Backup-Systeme.
Nicht jedes Objekt benötigt dieselbe Überwachung.
Grenzwerte (Thresholds)
Viele Überwachungen arbeiten mit Grenzwerten.
Beispiele:
| Messwert | Grenzwert |
|---|---|
| CPU | über 90 % |
| RAM | über 95 % |
| Festplatte | über 85 % belegt |
| Zertifikat | läuft in 30 Tagen ab |
| Backup | fehlgeschlagen |
| Antwortzeit | über 2 Sekunden |
Grenzwerte sollten regelmäßig überprüft werden.
Frühwarnungen
Nicht jeder Alarm muss sofort kritisch sein.
Beispiel:
Festplatte:
- 70 % → normal
- 85 % → Warnung
- 95 % → kritisch
Dadurch bleibt genügend Zeit,
Probleme zu beheben.
Alarmmüdigkeit (Alert Fatigue)
Zu viele unnötige Alarme führen dazu,
dass wichtige Warnungen übersehen werden.
Typische Ursachen:
- falsche Grenzwerte,
- doppelte Alarme,
- bekannte Ereignisse,
- ungefilterte Meldungen,
- schlecht abgestimmtes Monitoring.
Ein gutes Monitoring erzeugt möglichst wenige,
aber relevante Alarme.
Praxisbeispiel
Das Monitoring erkennt:
- Zertifikat läuft in 30 Tagen ab.
Es entsteht:
- Warnung,
- Ticket,
- Benachrichtigung an den Administrator.
Das Zertifikat wird rechtzeitig erneuert.
Ein späterer Incident wird vermieden.
Typische Fehler
Fehler 1
Monitoring existiert nur für Server,
nicht für Services.
Fehler 2
Grenzwerte sind ungeeignet.
Fehler 3
Zu viele unnötige Alarme.
Fehler 4
Alarme werden nicht bearbeitet.
Fehler 5
Backups werden nicht überwacht.
Fehler 6
Zertifikate werden nicht überwacht.
Fehler 7
Monitoring erkennt Fehler erst nach Benutzerbeschwerden.
Fehler 8
Monitoring wird nach Änderungen nicht angepasst.
Checkliste Monitoring
- kritische Services überwacht
- wichtige Configuration Items überwacht
- sinnvolle Grenzwerte definiert
- Alarme getestet
- Benachrichtigungen funktionieren
- Zertifikate überwacht
- Backups überwacht
- Dokumentation aktuell
- Verantwortlichkeiten festgelegt
- regelmäßige Überprüfung geplant
Bedeutung für Fachinformatiker für Systemintegration
Monitoring gehört zu den täglichen Aufgaben vieler Fachinformatiker.
Typische Tätigkeiten:
- Monitoring konfigurieren,
- Alarme auswerten,
- Grenzwerte anpassen,
- Logs analysieren,
- Events bewerten,
- Incidents erkennen,
- Automatisierungen entwickeln,
- Monitoring kontinuierlich verbessern.
Ein gut aufgebautes Monitoring verhindert viele Störungen, bevor Benutzer sie überhaupt bemerken.
Zusammenfassung
Systeme und Services überwachen
↓
Messwerte sammeln
↓
Event erzeugen
↓
Event bewerten
↓
Alarm oder Automatisierung
↓
Incident vermeiden oder bearbeiten
↓
Service stabil halten
Merksätze
Monitoring sammelt Informationen – Event Management bewertet sie.
Nicht jedes Event ist ein Incident.
Gutes Monitoring erkennt Probleme vor den Benutzern.
Service Monitoring ist wichtiger als reine Serverüberwachung.
Wenige aussagekräftige Alarme sind besser als viele unnötige Warnungen.
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- 10.2 Event-Typen, Filter und Priorisierung
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- 10.4 Monitoring-Werkzeuge, Dashboards und Kennzahlen
- 10.5 Zusammenspiel mit Incident, Problem, Change und Service Configuration Management
- Incident Management
- Service Configuration Management
- Service Level Management
- Continual Improvement
Quellen und Versionsstand
Offizielle Grundlagen
- PeopleCert – ITIL Practice Guide: Monitoring and Event Management
- ITIL Foundation – Version 5
Einordnung
Die dargestellten Monitoring-Arten, Beispiele und Grenzwerte sind herstellerneutrale Praxisempfehlungen. ITIL schreibt keine konkreten Monitoring-Werkzeuge oder festen Schwellenwerte vor. Diese richten sich nach den überwachten Services, den Geschäftsanforderungen und der technischen Umgebung.
Behandelter Framework-Stand: ITIL Version 5
Zusätzlich berücksichtigt: aktuelle ITIL-4-Practice-Guidance
Fachlicher Stand: August 2026