Seite 3.2 Gefährdungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz
Prüfungsziel
Du sollst typische Gefährdungen am Arbeitsplatz erkennen, unterscheiden und geeignete Schutzmaßnahmen nennen können.
Für die Prüfung sind hier vor allem wichtig:
- mechanische Gefährdungen
- elektrische Gefährdungen
- thermische Gefährdungen
- chemische Gefährdungen
- ergonomische Gefährdungen
- akustische Gefährdungen
- psychische Gefährdungen
- Gefahren erkennen, beachten und vermeiden
- Sicherheitshinweise, Vorschriften und Anweisungen beachten
Was ist eine Gefährdung?
Eine Gefährdung ist eine mögliche Quelle für einen Schaden.
Einfach gesagt:
Eine Gefährdung ist etwas, das dich verletzen oder krank machen kann.
Beispiele:
- ein beschädigtes Stromkabel
- ein heißes Gerät
- ein falsch eingestellter Bildschirm
- Lärm im Serverraum
- Stress durch dauernden Zeitdruck
- Stolperfallen durch Kabel
Was ist Beanspruchung?
Beanspruchung beschreibt, wie stark eine Belastung auf einen Menschen wirkt.
Nicht jede Belastung wirkt auf jede Person gleich.
Beispiel:
Zwei Personen arbeiten lange am Bildschirm.
Person A bekommt schnell Kopfschmerzen.
Person B hat keine Beschwerden.
Die Belastung ist ähnlich, aber die Beanspruchung kann unterschiedlich sein.
Unterschied zwischen Belastung und Beanspruchung
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Belastung | äußere Einwirkung auf den Menschen | Lärm, Hitze, Zeitdruck, Bildschirmarbeit |
| Beanspruchung | individuelle Wirkung auf den Menschen | Stress, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen |
Merksatz
Belastung kommt von außen.
Beanspruchung ist die Wirkung auf den Menschen.
Mechanische Gefährdungen
Mechanische Gefährdungen entstehen durch Bewegung, Gegenstände, Werkzeuge, Maschinen oder Stolperstellen.
Beispiele im IT-Bereich:
- Stolpern über Netzwerkkabel
- Einklemmen der Finger im Serverrack
- Schnittverletzungen an scharfen Gehäusekanten
- Herunterfallen schwerer Geräte
- Quetschungen beim Transport von Hardware
- Umkippen schlecht gestapelter Kartons
Typische Schutzmaßnahmen:
- Kabel ordentlich verlegen
- Kabelkanäle verwenden
- Server und Geräte sicher befestigen
- schwere Geräte zu zweit tragen
- Transporthilfen nutzen
- Arbeitsplatz ordentlich halten
- scharfe Kanten beachten
- Kartons nicht zu hoch stapeln
Elektrische Gefährdungen
Elektrische Gefährdungen entstehen durch Strom oder elektrische Geräte.
Beispiele im IT-Bereich:
- beschädigte Netzteile
- defekte Stromkabel
- offene Steckdosen
- überlastete Mehrfachsteckdosen
- Flüssigkeit in der Nähe elektrischer Geräte
- Arbeiten an Geräten ohne Trennung vom Strom
- falscher Umgang mit USV-Anlagen
Mögliche Folgen:
- Stromschlag
- Verbrennungen
- Brand
- Geräteschäden
- Datenverlust durch Stromausfall
Typische Schutzmaßnahmen:
- defekte Kabel sofort austauschen
- beschädigte Geräte nicht weiterverwenden
- keine Flüssigkeiten neben elektrischen Geräten
- Geräte vor Arbeiten vom Strom trennen
- Steckdosen nicht überlasten
- nur geprüfte Betriebsmittel verwenden
- Hinweise des Herstellers beachten
- bei Unsicherheit Fachpersonal hinzuziehen
Wichtig für Fachinformatiker:
Fachinformatiker dürfen nicht automatisch alle elektrischen Arbeiten durchführen.
Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden.
Thermische Gefährdungen
Thermische Gefährdungen entstehen durch Hitze, Kälte oder Feuer.
Beispiele im IT-Bereich:
- heiße Netzteile
- überhitzte Server
- heiße Luft im Serverraum
- Brandgefahr durch überlastete Steckdosen
- Verbrennungen an heißen Bauteilen
- schlechte Kühlung von IT-Geräten
Mögliche Folgen:
- Verbrennungen
- Brand
- Hardwareausfall
- Datenverlust
- Arbeitsunterbrechung
Typische Schutzmaßnahmen:
- ausreichende Kühlung sicherstellen
- Lüftungsschlitze freihalten
- Serverräume überwachen
- Temperaturgrenzen beachten
- Geräte nicht abdecken
- Brandschutzregeln einhalten
- defekte Lüfter oder Netzteile melden
- keine Mehrfachsteckdosen überlasten
Chemische Gefährdungen
Chemische Gefährdungen entstehen durch gefährliche Stoffe.
Im normalen IT-Büro sind sie seltener, können aber trotzdem vorkommen.
Beispiele im IT-Umfeld:
- Tonerstaub
- Reinigungsmittel
- Batterien und Akkus
- ausgelaufene Akkus
- Gefahrstoffe in Werkstätten
- Klebstoffe oder Lösungsmittel
- Brandrauch
Mögliche Folgen:
- Hautreizungen
- Augenreizungen
- Atemwegsbeschwerden
- Vergiftungen
- Verätzungen
- Brand- oder Explosionsgefahr
Typische Schutzmaßnahmen:
- Sicherheitsdatenblätter beachten
- Gefahrstoffkennzeichnung beachten
- geeignete Schutzhandschuhe tragen
- Räume gut lüften
- Toner vorsichtig wechseln
- ausgelaufene Akkus nicht mit bloßen Händen anfassen
- Gefahrstoffe korrekt lagern
- Gefahrstoffe fachgerecht entsorgen
Ergonomische Gefährdungen
Ergonomische Gefährdungen entstehen durch ungünstige Körperhaltung, schlechte Arbeitsplatzgestaltung oder einseitige Belastung.
Beispiele im IT-Bereich:
- falsche Monitorhöhe
- schlechter Bürostuhl
- zu niedriger oder zu hoher Tisch
- ungünstige Maus- und Tastaturposition
- lange Bildschirmarbeit ohne Pause
- dauerhaftes Sitzen
- schlechte Beleuchtung
- ungünstige Körperhaltung beim Einbau von Hardware
Mögliche Folgen:
- Rückenschmerzen
- Nackenschmerzen
- Kopfschmerzen
- Augenbelastung
- Verspannungen
- Sehnenscheidenbeschwerden
- Konzentrationsprobleme
Typische Schutzmaßnahmen:
- Stuhl richtig einstellen
- Monitor auf passende Höhe bringen
- ausreichend Abstand zum Bildschirm halten
- Tastatur und Maus ergonomisch positionieren
- regelmäßige Pausen machen
- Tätigkeiten abwechseln
- auf gute Beleuchtung achten
- schwere Geräte rückenschonend heben
- Arbeitsplatz aufräumen und sinnvoll einrichten
Akustische Gefährdungen
Akustische Gefährdungen entstehen durch Lärm.
Beispiele im IT-Bereich:
- laute Serverräume
- Lüftergeräusche
- Drucker oder Kopierer
- Großraumbüro
- Telefonate im Support
- Baustellen- oder Techniklärm
Mögliche Folgen:
- Konzentrationsstörungen
- Stress
- Kopfschmerzen
- Hörschäden bei sehr starkem Lärm
- Kommunikationsprobleme
- Fehler durch Ablenkung
Typische Schutzmaßnahmen:
- Lärmquellen reduzieren
- Serverräume räumlich trennen
- leise Geräte verwenden
- Türen zu lauten Technikräumen schließen
- bei Bedarf Gehörschutz nutzen
- ruhige Arbeitsbereiche schaffen
- Telefonarbeitsplätze sinnvoll organisieren
Psychische Gefährdungen
Psychische Gefährdungen entstehen durch Arbeitsorganisation, Zeitdruck, Konflikte oder dauerhafte Überforderung.
Beispiele im IT-Bereich:
- viele Störungen gleichzeitig
- hoher Zeitdruck
- ständige Erreichbarkeit
- Rufbereitschaft
- unklare Zuständigkeiten
- schlechte Kommunikation
- Konflikte im Team
- Überforderung durch zu viele Aufgaben
- Unterforderung durch monotone Aufgaben
- Angst vor Fehlern
- fehlende Pausen
- hohe Verantwortung bei IT-Ausfällen
Mögliche Folgen:
- Stress
- Schlafprobleme
- Konzentrationsprobleme
- Fehlerhäufigkeit steigt
- Motivation sinkt
- Erschöpfung
- langfristig psychische Erkrankungen
Typische Schutzmaßnahmen:
- klare Zuständigkeiten schaffen
- realistische Zeitplanung
- Prioritäten setzen
- Pausen einhalten
- Aufgaben sinnvoll verteilen
- offene Kommunikation fördern
- Unterstützung durch Vorgesetzte
- Störungen im Ticketsystem priorisieren
- Rufbereitschaft klar regeln
- Schulungen und Einarbeitung anbieten
Gefahren erkennen, beachten und vermeiden
Im Arbeitsschutz geht es nicht nur darum, Regeln auswendig zu kennen.
Du musst Gefahren im Arbeitsalltag erkennen und richtig handeln.
Vorgehen:
Gefahr erkennen → Risiko einschätzen → Schutzmaßnahme auswählen → Maßnahme umsetzen → Ergebnis kontrollieren
Beispiel:
Ein Netzwerkkabel liegt quer durch den Raum.
Gefahr:
- Stolpern
Schutzmaßnahme:
- Kabel entfernen
- Kabelkanal nutzen
- Kabel sicher verlegen
- Bereich absichern
Sicherheitshinweise, Vorschriften und Anweisungen beachten
Beschäftigte müssen Sicherheitsregeln beachten.
Dazu gehören:
- Betriebsanweisungen
- Sicherheitskennzeichen
- Unterweisungen
- Herstellerhinweise
- Arbeitsschutzvorschriften
- Brandschutzordnung
- Anweisungen von Vorgesetzten
- Hinweise von Sicherheitsbeauftragten
Wichtig:
Arbeitsschutz ist nicht nur Aufgabe des Arbeitgebers.
Auch Arbeitnehmer müssen mitwirken und Regeln beachten.
Rangfolge von Schutzmaßnahmen
Im Arbeitsschutz gilt häufig das sogenannte STOP-Prinzip.
| Buchstabe | Bedeutung | Erklärung |
|---|---|---|
| S | Substitution | Gefährliche Sache ersetzen |
| T | Technische Maßnahmen | Gefahr durch Technik verringern |
| O | Organisatorische Maßnahmen | Arbeitsabläufe oder Regeln ändern |
| P | Persönliche Maßnahmen | Verhalten, Unterweisung, Schutzausrüstung |
Beispiel: Stolpergefahr durch Kabel
| Maßnahme | Beispiel |
|---|---|
| Substitution | kabellose Lösung nutzen, wenn sinnvoll |
| Technisch | Kabelkanal verwenden |
| Organisatorisch | Laufwege freihalten |
| Persönlich | Mitarbeiter unterweisen, aufmerksam sein |
Wichtig für die Prüfung:
Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sind meist besser als nur persönliche Hinweise.
Typische Gefährdungen im IT-Arbeitsalltag
| Situation | Gefährdung | Schutzmaßnahme |
|---|---|---|
| Kabel liegt im Laufweg | Stolpergefahr | Kabelkanal nutzen |
| Serverraum ist sehr laut | akustische Gefährdung | Aufenthalt begrenzen, Gehörschutz |
| Monitor ist zu niedrig | ergonomische Gefährdung | Monitor höher stellen |
| defektes Netzteil | elektrische Gefährdung | nicht verwenden, austauschen |
| hoher Ticketdruck | psychische Gefährdung | priorisieren, Aufgaben verteilen |
| Tonerwechsel | chemische Gefährdung | vorsichtig arbeiten, lüften |
| überhitzter Server | thermische Gefährdung | Kühlung prüfen, Alarm beachten |
Typische Prüfungsfrage 1
Was ist eine Gefährdung?
Antwort anzeigen
Eine Gefährdung ist eine mögliche Quelle für einen Schaden, zum Beispiel ein defektes Stromkabel, Lärm, Hitze oder eine schlechte Körperhaltung.
Typische Prüfungsfrage 2
Was ist der Unterschied zwischen Belastung und Beanspruchung?
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Belastung ist eine äußere Einwirkung auf den Menschen, zum Beispiel Lärm oder Zeitdruck.
Beanspruchung ist die individuelle Wirkung dieser Belastung auf den Menschen, zum Beispiel Stress, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.
Typische Prüfungsfrage 3
Nenne zwei mechanische Gefährdungen im IT-Bereich.
Antwort anzeigen
Zum Beispiel Stolpern über Kabel und Quetschungen beim Transport schwerer Hardware.
Typische Prüfungsfrage 4
Nenne zwei elektrische Gefährdungen im IT-Bereich.
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Zum Beispiel beschädigte Stromkabel und überlastete Mehrfachsteckdosen.
Typische Prüfungsfrage 5
Was ist eine ergonomische Gefährdung?
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Eine ergonomische Gefährdung entsteht durch ungünstige Arbeitsplatzgestaltung oder Körperhaltung, zum Beispiel falsche Monitorhöhe oder schlechter Bürostuhl.
Typische Prüfungsfrage 6
Nenne zwei psychische Gefährdungen im IT-Beruf.
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Zum Beispiel hoher Zeitdruck und ständige Erreichbarkeit. Weitere Beispiele sind unklare Zuständigkeiten, Konflikte im Team oder Überforderung.
Typische Prüfungsfrage 7
Was bedeutet das STOP-Prinzip?
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STOP steht für Substitution, technische Maßnahmen, organisatorische Maßnahmen und persönliche Maßnahmen. Es beschreibt eine Rangfolge von Schutzmaßnahmen.
Typische Prüfungsfrage 8
Welche Schutzmaßnahme hilft gegen Stolpergefahr durch Kabel?
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Kabel sollten sicher verlegt werden, zum Beispiel mit Kabelkanälen. Laufwege müssen freigehalten werden.
Typische Prüfungsfrage 9
Warum reicht es nicht, nur Sicherheitshinweise aufzuhängen?
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Sicherheitshinweise sind wichtig, aber technische und organisatorische Maßnahmen sind oft wirksamer. Gefahren sollten möglichst direkt beseitigt oder reduziert werden.
Merksatz
- Mechanische Gefährdung = Bewegung, Gegenstände, Stolpern, Quetschen
- Elektrische Gefährdung = Strom, defekte Kabel, beschädigte Geräte
- Thermische Gefährdung = Hitze, Kälte, Brand
- Chemische Gefährdung = Gefahrstoffe, Toner, Akkus, Reinigungsmittel
- Ergonomische Gefährdung = schlechte Haltung oder Arbeitsplatzgestaltung
- Akustische Gefährdung = Lärm
- Psychische Gefährdung = Stress, Überforderung, Zeitdruck
- Belastung = äußere Einwirkung
- Beanspruchung = Wirkung auf den Menschen
- STOP-Prinzip = Substitution, Technik, Organisation, Person
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