10.4 DHCP und automatische IP-Konfiguration*
DHCP gehört zur OSI-Schicht 7.
DHCP steht für:
Dynamic Host Configuration Protocol
Die Hauptaufgabe von DHCP ist:
Netzwerkkonfiguration automatisch an Clients verteilen.
Ein Client kann per DHCP zum Beispiel erhalten:
- IP-Adresse
- Subnetzmaske
- Standard-Gateway
- DNS-Server
- Domain-Suffix
- Lease-Zeit
- weitere DHCP-Optionen
Merksatz:
DHCP = automatische IP-Konfiguration.
Warum braucht man DHCP?
Ohne DHCP müsste jedes Gerät manuell konfiguriert werden.
Das wäre aufwendig und fehleranfällig.
Man müsste manuell eintragen:
- IP-Adresse
- Subnetzmaske
- Gateway
- DNS-Server
- weitere Einstellungen
DHCP automatisiert diese Vergabe.
Vorteile:
- weniger manuelle Arbeit
- weniger Tippfehler
- zentrale Verwaltung
- flexible Adressvergabe
- einfache Änderung von DNS oder Gateway
- bessere Übersicht über vergebene Adressen
Merksatz:
DHCP verhindert viele manuelle IP-Konfigurationsfehler.
DHCP im OSI-Modell
DHCP ist ein Anwendungsschicht-Protokoll.
Es gehört zu:
OSI-Schicht 7
Aber DHCP verteilt Informationen, die für Schicht 3 wichtig sind.
Beispiel:
IP-Adresse
Subnetzmaske
Gateway
Wichtig:
DHCP-Protokoll = Schicht 7
IP-Adresse und Gateway = Schicht 3
Merksatz:
DHCP ist Schicht 7,
liefert aber Schicht-3-Konfiguration.
DHCP und Ports
DHCP nutzt UDP.
Wichtige Ports:
| Rolle | Protokoll | Port |
|---|---|---|
| DHCP-Server | UDP | 67 |
| DHCP-Client | UDP | 68 |
Warum UDP?
Ein Client hat am Anfang oft noch keine vollständige IP-Konfiguration.
DHCP muss bereits funktionieren,
bevor der Client normal im IP-Netz arbeiten kann.
Merksatz:
DHCP nutzt UDP 67 und UDP 68.
DHCP-Client
Ein DHCP-Client ist ein Gerät, das automatisch eine Netzwerkkonfiguration anfordert.
Beispiele:
- PC
- Notebook
- Smartphone
- Drucker
- IP-Telefon
- Server
- virtuelle Maschine
- IoT-Gerät
Der Client fragt:
Gibt es einen DHCP-Server,
der mir eine IP-Konfiguration geben kann?
Merksatz:
DHCP-Client fordert IP-Konfiguration an.
DHCP-Server
Ein DHCP-Server vergibt IP-Konfigurationen an Clients.
Er verwaltet unter anderem:
- Adressbereiche
- Leases
- Reservierungen
- DHCP-Optionen
- verfügbare und vergebene IP-Adressen
Beispiele für DHCP-Server:
- Router
- Windows Server
- Linux-Server
- Firewall
- Netzwerk-Appliance
Merksatz:
DHCP-Server verteilt Netzwerkkonfiguration.
DHCP-Bereich
Ein DHCP-Bereich wird auch genannt:
DHCP-Scope
Er beschreibt, welche IP-Adressen ein DHCP-Server vergeben darf.
Beispiel:
Netz:
192.168.10.0/24
DHCP-Bereich:
192.168.10.100 bis 192.168.10.200
Der DHCP-Server vergibt dann Adressen aus diesem Bereich.
Merksatz:
DHCP-Scope = Adressbereich für automatische Vergabe.
DHCP-Lease
Eine per DHCP vergebene Adresse wird nicht dauerhaft vergeben, sondern für eine bestimmte Zeit.
Diese Zeit heißt:
Lease-Zeit
Beispiel:
Client erhält 192.168.10.120
für 8 Stunden.
Nach Ablauf muss der Client die Adresse erneuern oder eine neue Konfiguration erhalten.
Merksatz:
Lease = zeitlich begrenzte Adresszuweisung.
Warum gibt es Leases?
Leases sorgen dafür, dass IP-Adressen wieder frei werden können.
Beispiel:
Ein Notebook war im WLAN.
Es verlässt das Netzwerk.
Nach Ablauf der Lease kann die Adresse wieder vergeben werden.
Das ist besonders nützlich bei:
- WLANs
- Gastnetzen
- Schulen
- Unternehmen
- wechselnden Geräten
- mobilen Clients
Merksatz:
Lease-Zeit verhindert dauerhaft blockierte IP-Adressen.
DHCP-Ablauf: DORA
Der klassische DHCP-Ablauf wird oft mit DORA beschrieben.
DORA steht für:
Discover
Offer
Request
Acknowledge
Die vier Schritte:
| Schritt | Richtung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | Client → Netzwerk | Discover |
| 2 | Server → Client | Offer |
| 3 | Client → Server | Request |
| 4 | Server → Client | Acknowledge |
Merksatz:
DHCP-Ablauf = DORA.
DHCP Discover
Beim DHCP Discover sucht der Client nach einem DHCP-Server.
Der Client hat zu diesem Zeitpunkt oft noch keine gültige IP-Adresse.
Deshalb wird die Anfrage als Broadcast gesendet.
Vereinfacht sagt der Client:
Gibt es hier einen DHCP-Server?
Merksatz:
Discover = Client sucht DHCP-Server.
DHCP Offer
Beim DHCP Offer bietet der DHCP-Server dem Client eine Konfiguration an.
Das Angebot enthält zum Beispiel:
- IP-Adresse
- Subnetzmaske
- Gateway
- DNS-Server
- Lease-Zeit
Vereinfacht sagt der Server:
Du kannst diese Adresse verwenden.
Merksatz:
Offer = Server bietet Konfiguration an.
DHCP Request
Beim DHCP Request nimmt der Client ein Angebot an.
Vereinfacht sagt der Client:
Ich möchte diese angebotene IP-Adresse verwenden.
Wenn mehrere DHCP-Server geantwortet haben, wählt der Client normalerweise ein Angebot aus.
Merksatz:
Request = Client fordert angebotene Adresse an.
DHCP Acknowledge
Beim DHCP Acknowledge bestätigt der Server die Vergabe.
Vereinfacht sagt der Server:
Die Adresse ist für dich reserviert.
Danach kann der Client die erhaltene IP-Konfiguration verwenden.
Merksatz:
Acknowledge = Server bestätigt die Vergabe.
DORA als Ablaufbild
Der Ablauf vereinfacht:
Client → Broadcast:
DHCP Discover
Server → Client:
DHCP Offer
Client → Server:
DHCP Request
Server → Client:
DHCP Acknowledge
Merksatz:
Discover, Offer, Request, Acknowledge.
Broadcast bei DHCP
DHCP nutzt am Anfang Broadcast, weil der Client noch nicht weiß:
welche IP-Adresse er selbst hat
welche IP-Adresse der DHCP-Server hat
welches Gateway zuständig ist
Broadcast bedeutet:
Nachricht an alle Geräte im lokalen Netz.
Wichtig:
Router leiten Broadcasts normalerweise nicht einfach in andere Netze weiter.
Merksatz:
DHCP startet häufig mit Broadcast im lokalen Netz.
DHCP und VLANs
In der Praxis gibt es häufig pro VLAN ein eigenes IP-Subnetz.
Beispiel:
| VLAN | Subnetz | DHCP-Bereich |
|---|---|---|
| VLAN 10 | 192.168.10.0/24 | 192.168.10.100–200 |
| VLAN 20 | 192.168.20.0/24 | 192.168.20.100–200 |
| VLAN 30 | 192.168.30.0/24 | 192.168.30.100–200 |
Ein Client im VLAN 20 soll eine Adresse aus dem VLAN-20-Bereich bekommen.
Merksatz:
Jedes VLAN braucht passende DHCP-Konfiguration.
DHCP-Relay
Ein DHCP-Relay wird benötigt, wenn DHCP-Client und DHCP-Server in unterschiedlichen Netzen liegen.
Problem:
DHCP Discover ist Broadcast.
Router leiten Broadcasts normalerweise nicht weiter.
Lösung:
DHCP-Relay nimmt die Anfrage entgegen
und leitet sie gezielt an den DHCP-Server weiter.
Bei Cisco wird dafür oft der Begriff verwendet:
IP Helper Address
Merksatz:
DHCP-Relay bringt DHCP-Anfragen über Router-Grenzen.
Beispiel DHCP-Relay
Situation:
Client im VLAN 20
DHCP-Server im Servernetz VLAN 100
Ohne DHCP-Relay:
DHCP Discover bleibt im VLAN 20.
DHCP-Server sieht die Anfrage nicht.
Mit DHCP-Relay:
Router oder Layer-3-Switch leitet die Anfrage an den DHCP-Server weiter.
Merksatz:
DHCP-Server muss nicht in jedem VLAN stehen,
wenn DHCP-Relay korrekt eingerichtet ist.
DHCP-Optionen
DHCP kann neben der IP-Adresse weitere Informationen liefern.
Wichtige Optionen:
| Option | Bedeutung |
|---|---|
| Subnetzmaske | Netzgröße |
| Router / Gateway | Standard-Gateway |
| DNS-Server | Server für Namensauflösung |
| Domainname | DNS-Suffix |
| NTP-Server | Zeitserver |
| Lease-Zeit | Gültigkeitsdauer |
| PXE-Boot-Optionen | Netzwerkstart |
Merksatz:
DHCP liefert mehr als nur IP-Adressen.
Standard-Gateway per DHCP
DHCP kann das Standard-Gateway an den Client verteilen.
Das Gateway wird benötigt, wenn der Client andere Netze erreichen soll.
Beispiel:
Client:
192.168.10.120/24
Gateway:
192.168.10.1
Wichtig:
Das Gateway muss zum Subnetz des Clients passen.
Merksatz:
Falsches Gateway per DHCP erzeugt Routing-Probleme.
DNS-Server per DHCP
DHCP verteilt oft auch DNS-Server.
Beispiel:
DNS-Server:
192.168.10.10
Wenn hier ein falscher DNS-Server eingetragen ist, funktioniert IP-Kommunikation möglicherweise, aber Namensauflösung nicht.
Fehlerbild:
ping 8.8.8.8 funktioniert
ping www.example.com funktioniert nicht
Merksatz:
Falscher DNS per DHCP verursacht Namensprobleme.
DHCP-Reservierung
Eine DHCP-Reservierung ordnet einem bestimmten Gerät immer dieselbe IP-Adresse zu.
Typische Grundlage:
MAC-Adresse des Clients
Beispiel:
Drucker-MAC:
AA:BB:CC:11:22:33
reservierte IP:
192.168.10.50
Der Drucker bekommt dann per DHCP immer dieselbe Adresse.
Merksatz:
DHCP-Reservierung = gleiche IP für bestimmtes Gerät.
Reservierung und statische IP unterscheiden
| Variante | Bedeutung |
|---|---|
| statische IP | direkt am Gerät manuell eingetragen |
| DHCP-Reservierung | zentral am DHCP-Server festgelegt |
Vorteil der Reservierung:
zentrale Verwaltung
weniger Fehler am Gerät
DNS und Optionen bleiben konsistent
Typisch für:
- Drucker
- Server
- Netzwerkgeräte
- Kameras
- Spezialgeräte
Merksatz:
Reservierung ist zentraler als manuelle statische IP.
Ausschlussbereich
Ein Ausschlussbereich enthält IP-Adressen, die der DHCP-Server nicht automatisch vergeben soll.
Beispiel:
Netz:
192.168.10.0/24
DHCP-Bereich:
192.168.10.10 bis 192.168.10.250
ausgeschlossen:
192.168.10.1 bis 192.168.10.20
Warum?
Diese Adressen sind vielleicht für Gateway, Server oder Drucker reserviert.
Merksatz:
Ausschlussbereiche verhindern doppelte Vergabe wichtiger Adressen.
Adresskonflikt
Ein Adresskonflikt entsteht, wenn zwei Geräte dieselbe IP-Adresse verwenden.
Mögliche Ursachen:
- statische IP liegt im DHCP-Bereich
- DHCP-Reservierung doppelt
- zwei DHCP-Server vergeben gleiche Bereiche
- manuelle Fehlkonfiguration
- Gerät verwendet alte Adresse weiter
Folgen:
- instabile Verbindung
- wechselnde Erreichbarkeit
- ARP-Probleme
- Verbindungsabbrüche
Merksatz:
Doppelte IP-Adressen verursachen instabile Netzprobleme.
DHCP und APIPA
Wenn ein Windows-Client keine DHCP-Adresse erhält, kann er sich selbst eine APIPA-Adresse geben.
APIPA-Bereich:
169.254.0.0/16
Beispiel:
169.254.23.80
Das bedeutet häufig:
DHCP-Server nicht erreichbar
oder
DHCP-Vergabe fehlgeschlagen
Merksatz:
169.254.x.x weist oft auf DHCP-Probleme hin.
DHCP und DNS-Dynamik
In manchen Netzwerken werden DNS-Einträge automatisch mit DHCP aktualisiert.
Beispiel:
Client erhält per DHCP:
192.168.10.120
DNS wird aktualisiert:
client01.firma.local
→ 192.168.10.120
Das ist besonders in Windows- und Active-Directory-Umgebungen verbreitet.
Merksatz:
DHCP kann mit DNS zusammenarbeiten.
DHCP und Active Directory
In Windows-Umgebungen ist DHCP oft eng mit DNS und Active Directory verbunden.
Wichtig:
Clients brauchen richtigen DNS-Server,
um Domänencontroller zu finden.
Wenn per DHCP ein externer DNS-Server verteilt wird, kann die Domänenanmeldung fehlschlagen.
Merksatz:
In AD-Netzen muss DHCP den internen DNS-Server verteilen.
DHCP-Snooping
DHCP-Snooping ist eine Sicherheitsfunktion auf Switches.
Ziel:
Schutz vor unerlaubten DHCP-Servern.
Der Switch unterscheidet:
vertrauenswürdige Ports
nicht vertrauenswürdige Ports
DHCP-Antworten dürfen nur von vertrauenswürdigen Ports kommen.
Merksatz:
DHCP-Snooping schützt vor Rogue-DHCP-Servern.
Rogue-DHCP-Server
Ein Rogue-DHCP-Server ist ein unerlaubter DHCP-Server im Netzwerk.
Er kann falsche Informationen verteilen:
- falsches Gateway
- falscher DNS-Server
- falsche IP-Adressen
- falsches Subnetz
Folgen:
- Clients verlieren Netzwerkzugriff
- Datenverkehr wird umgeleitet
- Namensauflösung wird manipuliert
- Sicherheitsrisiko
Merksatz:
Unerlaubter DHCP-Server kann ein ganzes Netz stören.
DHCP-Starvation
DHCP-Starvation ist ein Angriff, bei dem sehr viele DHCP-Anfragen gestellt werden.
Ziel:
DHCP-Adressbereich erschöpfen.
Folge:
echte Clients bekommen keine IP-Adresse mehr.
Schutzmaßnahmen:
- Port Security
- DHCP-Snooping
- Netzwerkzugangskontrolle
- Monitoring
- ausreichend Segmentierung
Merksatz:
DHCP-Starvation leert den DHCP-Adresspool.
DHCP und IPv6
Bei IPv6 gibt es mehrere Möglichkeiten zur Adresskonfiguration.
Wichtige Begriffe:
- SLAAC
- DHCPv6
- Router Advertisements
SLAAC bedeutet:
Client bildet IPv6-Adresse selbst anhand von Router Advertisements.
DHCPv6 kann zusätzliche Informationen liefern, zum Beispiel DNS-Server.
Merksatz:
IPv6 nutzt nicht einfach DHCPv4,
sondern SLAAC, RA und DHCPv6.
DHCPv4 und DHCPv6 unterscheiden
| Thema | DHCPv4 | DHCPv6 |
|---|---|---|
| Protokollfamilie | IPv4 | IPv6 |
| Adressvergabe | häufig zentral per DHCP | möglich, aber auch SLAAC |
| Broadcast | ja | nein, IPv6 nutzt Multicast |
| Gateway-Verteilung | per DHCP möglich | meist über Router Advertisements |
| DNS-Verteilung | per DHCP | per DHCPv6 oder RA-Optionen |
Merksatz:
DHCPv6 funktioniert anders als DHCPv4.
DHCP-Fehlersuche
Typische Fragen:
Hat der Client überhaupt Link?
Ist der Client im richtigen VLAN?
Gibt es einen DHCP-Server?
Ist der DHCP-Bereich aktiv?
Sind noch freie Adressen vorhanden?
Funktioniert DHCP-Relay?
Werden UDP 67 und 68 blockiert?
Gibt es einen Rogue-DHCP-Server?
Ist die erhaltene IP im richtigen Subnetz?
Stimmen Gateway und DNS?
Merksatz:
DHCP-Fehlersuche beginnt bei Link, VLAN und DHCP-Server.
Fehlerbild: Client bekommt keine IP-Adresse
Mögliche Ursachen:
- kein Link
- falsches VLAN
- DHCP-Server nicht erreichbar
- DHCP-Dienst gestoppt
- DHCP-Bereich erschöpft
- DHCP-Relay fehlt
- Firewall blockiert UDP 67/68
- Rogue-DHCP oder Schutzfunktion stört
- Netzwerkkarte deaktiviert
- Clientproblem
Merksatz:
Keine IP-Adresse:
Link, VLAN, DHCP und Relay prüfen.
Fehlerbild: Client bekommt falsche IP-Adresse
Mögliche Ursachen:
- Client ist im falschen VLAN
- falscher DHCP-Bereich aktiv
- Rogue-DHCP-Server
- falsche SSID-VLAN-Zuordnung
- falscher Switch-Port
- fehlerhafte Reservierung
- falscher DHCP-Relay-Kontext
Merksatz:
Falsche DHCP-Adresse deutet oft auf falsches VLAN oder Rogue-DHCP hin.
Fehlerbild: Client bekommt IP, aber kein Internet
Mögliche Ursachen:
- falsches Gateway per DHCP
- Gateway nicht erreichbar
- DNS falsch
- Routing fehlt
- NAT fehlt
- Firewall blockiert
- falsche Subnetzmaske
- Client im falschen VLAN
Merksatz:
DHCP-Erfolg heißt nicht automatisch:
Internet funktioniert.
Fehlerbild: IP funktioniert, Name nicht
Mögliche Ursachen:
- falscher DNS-Server per DHCP verteilt
- DNS-Server nicht erreichbar
- DNS-Dienst gestört
- falsches DNS-Suffix
- Firewall blockiert DNS
- externer DNS statt interner DNS
Merksatz:
DHCP kann DNS-Probleme verursachen,
wenn falsche DNS-Optionen verteilt werden.
Fehlerbild: Manche Clients bekommen IP, andere nicht
Mögliche Ursachen:
- DHCP-Pool fast erschöpft
- bestimmte Switch-Ports in falschem VLAN
- WLAN-SSID falsch zugeordnet
- DHCP-Snooping blockiert bestimmte Ports
- MAC-Filter
- Reservierungen fehlerhaft
- Relay nur für manche VLANs eingerichtet
Merksatz:
Teilweise DHCP-Probleme nach Standort, VLAN und Port eingrenzen.
Fehlerbild: Nach Umzug in anderes VLAN keine IP
Mögliche Ursachen:
- DHCP-Bereich für neues VLAN fehlt
- DHCP-Relay im neuen VLAN fehlt
- VLAN nicht auf Trunk erlaubt
- Access-Port falsch
- Firewall blockiert DHCP-Relay
- Gateway-Schnittstelle im VLAN fehlt
Merksatz:
Neues VLAN braucht passenden DHCP-Bereich und Relay.
DHCP-Tools
Typische Werkzeuge und Prüfungen:
| Werkzeug / Prüfung | Nutzen |
|---|---|
| IP-Konfiguration anzeigen | erhaltene Adresse prüfen |
| Lease erneuern | neue DHCP-Anfrage auslösen |
| DHCP-Server-Konsole | Bereich, Leases, Reservierungen prüfen |
| DHCP-Logs | Vergaben und Fehler prüfen |
| Switch-Port prüfen | VLAN und Link kontrollieren |
| Packet Capture | DORA-Ablauf sichtbar machen |
| Firewall-Logs | UDP 67/68 prüfen |
| ARP-Tabelle | Adresskonflikte erkennen |
Merksatz:
DHCP prüft man am Client,
am Server
und am Netzwerk dazwischen.
DHCP-Ablauf im Mitschnitt
In einem Paketmitschnitt erkennt man den DHCP-Ablauf:
Discover
Offer
Request
Acknowledge
Typische Fragen:
Sendet der Client Discover?
Kommt ein Offer zurück?
Sendet der Client Request?
Kommt ein Acknowledge?
Welche IP wird angeboten?
Welcher Server antwortet?
Merksatz:
Im Mitschnitt sieht man,
an welchem DORA-Schritt es scheitert.
DHCP und Firewall
DHCP kann durch Firewall-Regeln gestört werden.
Besonders relevant:
UDP 67
UDP 68
Bei DHCP-Relay kann auch Verkehr zwischen Relay und DHCP-Server betroffen sein.
Wichtig:
DHCP im gleichen LAN nutzt Broadcast.
DHCP über Relay muss gezielt erlaubt sein.
Merksatz:
Firewall kann DHCP verhindern,
wenn UDP 67/68 blockiert wird.
DHCP und Dokumentation
DHCP sollte sauber dokumentiert werden.
Wichtige Angaben:
- Subnetz
- VLAN
- DHCP-Bereich
- Ausschlüsse
- Reservierungen
- Gateway
- DNS-Server
- Lease-Zeit
- DHCP-Relay-Adresse
- zuständiger Server
Merksatz:
Gute DHCP-Dokumentation verhindert Fehlvergaben.
Was DHCP nicht macht
DHCP macht nicht:
- Kabelverbindung herstellen
- VLAN automatisch richtig setzen
- Routing garantieren
- NAT einrichten
- DNS-Namen zwingend korrekt auflösen
- Dienste starten
- Benutzer authentifizieren
- Firewall-Regeln ersetzen
DHCP liefert Konfigurationsdaten, aber andere Netzfunktionen müssen trotzdem korrekt eingerichtet sein.
Merksatz:
DHCP vergibt Konfiguration,
garantiert aber keine vollständige Erreichbarkeit.
Einordnung in das OSI-Modell
| Thema | Schicht |
|---|---|
| DHCP-Protokoll | 7 |
| DHCP-Optionen | 7 mit Schicht-3-Bezug |
| UDP 67 / 68 | 4 |
| IP-Adresse | 3 |
| Subnetzmaske | 3 |
| Standard-Gateway | 3 |
| DNS-Server-Adresse | 3 / 7-Bezug |
| VLAN | 2 |
| Broadcast | 2 / 3-Bezug |
| DHCP-Relay | 3 / 7-Bezug |
| DHCP-Snooping | 2-Sicherheitsfunktion |
Merksatz:
DHCP gehört zu Schicht 7,
wirkt aber stark auf Schicht 3.
Typische IHK-Fragen
In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden:
- Wofür steht DHCP?
- Welche Aufgabe hat DHCP?
- Warum ist DHCP sinnvoll?
- Welche Informationen kann DHCP verteilen?
- Welche Ports nutzt DHCP?
- Welches Transportprotokoll nutzt DHCP?
- Was bedeutet DORA?
- Was passiert bei DHCP Discover?
- Was passiert bei DHCP Offer?
- Was passiert bei DHCP Request?
- Was passiert bei DHCP Acknowledge?
- Was ist ein DHCP-Scope?
- Was ist eine Lease?
- Was ist eine DHCP-Reservierung?
- Was ist ein DHCP-Relay?
- Warum braucht man DHCP-Relay bei mehreren VLANs?
- Was bedeutet APIPA?
- Was ist ein Rogue-DHCP-Server?
- Warum kann ein Client eine falsche IP-Adresse bekommen?
Typische Prüfungsfallen
DHCP gehört zu Schicht 7.
DHCP nutzt UDP.
DHCP-Server nutzt UDP 67.
DHCP-Client nutzt UDP 68.
DHCP vergibt nicht nur IP-Adressen.
DHCP kann auch Gateway und DNS verteilen.
DHCP-Ablauf = DORA.
Discover sucht DHCP-Server.
Offer bietet Konfiguration an.
Request fordert Angebot an.
Acknowledge bestätigt Vergabe.
DHCP startet häufig mit Broadcast.
Router leiten Broadcasts normalerweise nicht einfach weiter.
DHCP-Relay ist für DHCP über Netzgrenzen nötig.
Falsches VLAN führt oft zu falscher DHCP-Adresse.
APIPA 169.254.x.x deutet oft auf DHCP-Problem hin.
DHCP-Erfolg heißt nicht automatisch,
dass DNS oder Internet funktionieren.
Rogue-DHCP kann falsche Konfiguration verteilen.
DHCPv6 funktioniert anders als DHCPv4.
Wichtige Begriffe kurz erklärt
| Begriff | Kurze Erklärung |
|---|---|
| DHCP | Dynamic Host Configuration Protocol |
| DHCP-Client | Gerät, das Konfiguration anfordert |
| DHCP-Server | Server, der Konfiguration vergibt |
| DHCP-Scope | Adressbereich für DHCP |
| Lease | zeitlich begrenzte Adressvergabe |
| DORA | Discover, Offer, Request, Acknowledge |
| Discover | Client sucht DHCP-Server |
| Offer | Server bietet Konfiguration an |
| Request | Client fordert Angebot an |
| Acknowledge | Server bestätigt Vergabe |
| DHCP-Option | zusätzliche Konfigurationsinformation |
| DHCP-Relay | Weiterleitung von DHCP-Anfragen in andere Netze |
| IP Helper | Begriff für DHCP-Relay bei manchen Herstellern |
| Reservierung | feste IP-Zuordnung über DHCP |
| Ausschlussbereich | Adressen, die nicht automatisch vergeben werden |
| APIPA | automatische 169.254.x.x-Adresse bei DHCP-Problem |
| Rogue-DHCP | unerlaubter DHCP-Server |
| DHCP-Snooping | Schutzfunktion gegen Rogue-DHCP |
| DHCP-Starvation | Angriff auf DHCP-Adresspool |
| DHCPv6 | DHCP für IPv6 |
IHK-sichere Kurzformulierung
DHCP steht für Dynamic Host Configuration Protocol und gehört zur Anwendungsschicht des OSI-Modells. Es dient dazu, Clients automatisch mit Netzwerkkonfigurationen zu versorgen. Dazu gehören IP-Adresse, Subnetzmaske, Standard-Gateway, DNS-Server und weitere Optionen. DHCP nutzt UDP, der Server verwendet Port 67 und der Client Port 68. Der klassische DHCP-Ablauf wird mit DORA beschrieben: Discover, Offer, Request und Acknowledge. Befindet sich der DHCP-Server in einem anderen Netz als der Client, wird ein DHCP-Relay benötigt, weil DHCP-Anfragen anfangs häufig als Broadcast gesendet werden und Router Broadcasts nicht einfach weiterleiten.
Merksätze
DHCP = Dynamic Host Configuration Protocol.
DHCP gehört zu Schicht 7.
DHCP vergibt automatische Netzwerkkonfiguration.
DHCP liefert IP-Adresse,
Subnetzmaske,
Gateway
und DNS-Server.
DHCP nutzt UDP.
DHCP-Server = UDP 67.
DHCP-Client = UDP 68.
DHCP-Ablauf = DORA.
Discover = Client sucht Server.
Offer = Server bietet Konfiguration an.
Request = Client fordert Angebot an.
Acknowledge = Server bestätigt.
DHCP startet häufig mit Broadcast.
Router leiten Broadcasts normalerweise nicht weiter.
DHCP-Relay leitet DHCP über Netzgrenzen.
DHCP-Scope = Adressbereich.
Lease = zeitlich begrenzte Vergabe.
Reservierung = feste IP per DHCP.
Ausschlussbereich = nicht automatisch vergeben.
169.254.x.x = häufig DHCP-Problem.
Falsches VLAN kann falsche DHCP-Adresse verursachen.
Rogue-DHCP = unerlaubter DHCP-Server.
DHCP-Snooping schützt vor Rogue-DHCP.
DHCPv6 ist nicht einfach DHCPv4 mit IPv6.
DHCP-Erfolg bedeutet nicht automatisch:
Internet funktioniert.