7.2 TCP und UDP im Detail
TCP und UDP sind die wichtigsten Transportprotokolle auf OSI-Schicht 4.
Beide haben dieselbe Grundaufgabe:
Daten zwischen Anwendungen auf Endgeräten transportieren.
Der große Unterschied liegt darin, wie sie das machen.
TCP arbeitet:
verbindungsorientiert
zuverlässig
mit Bestätigungen
UDP arbeitet:
verbindungslos
schlanker
ohne eingebaute Zustellgarantie
Merksatz:
TCP = zuverlässig.
UDP = schnell und einfach.
Warum gibt es TCP und UDP?
Nicht jede Anwendung hat dieselben Anforderungen.
Manche Anwendungen brauchen sichere und vollständige Datenübertragung.
Beispiele:
- Webseite laden
- Datei übertragen
- E-Mail senden
- SSH-Verbindung
- Datenbankzugriff
Andere Anwendungen brauchen vor allem geringe Verzögerung.
Beispiele:
- VoIP
- Livestreaming
- Online-Gaming
- DNS-Anfragen
- Video-Konferenzen
Deshalb gibt es unterschiedliche Transportprotokolle.
Merksatz:
Unterschiedliche Anwendungen brauchen unterschiedliche Transportarten.
TCP-Grundidee
TCP steht für:
Transmission Control Protocol
TCP stellt eine Verbindung zwischen zwei Anwendungen her.
Dabei sorgt TCP dafür, dass Daten:
- vollständig ankommen
- in der richtigen Reihenfolge ankommen
- bestätigt werden
- bei Verlust erneut gesendet werden
- kontrolliert übertragen werden
Merksatz:
TCP kümmert sich um zuverlässige Datenübertragung.
UDP-Grundidee
UDP steht für:
User Datagram Protocol
UDP sendet einzelne Datagramme ohne vorherigen Verbindungsaufbau.
UDP kümmert sich nicht selbst darum, ob Daten:
- angekommen sind
- vollständig angekommen sind
- in richtiger Reihenfolge angekommen sind
- erneut gesendet werden müssen
Dafür ist UDP sehr schlank.
Merksatz:
UDP sendet einfach,
ohne Verbindung aufzubauen.
TCP und UDP direkt vergleichen
| Merkmal | TCP | UDP |
|---|---|---|
| Verbindungsaufbau | ja | nein |
| Verbindung | verbindungsorientiert | verbindungslos |
| Zustellgarantie | ja, durch Mechanismen | nein |
| Reihenfolge | wird sichergestellt | nicht sichergestellt |
| Bestätigungen | ja | nein |
| erneute Übertragung | ja | nein |
| Geschwindigkeit | mehr Overhead | weniger Overhead |
| Datenform | Segment | Datagramm |
| typische Nutzung | HTTP, HTTPS, SSH, Mail | DNS, DHCP, VoIP, Streaming |
Merksatz:
TCP kontrolliert mehr.
UDP ist einfacher.
Verbindungsorientiert bei TCP
Verbindungsorientiert bedeutet:
Vor der eigentlichen Datenübertragung wird eine Verbindung aufgebaut.
TCP prüft dabei, ob beide Seiten bereit sind.
Der Verbindungsaufbau erfolgt durch den Drei-Wege-Handshake:
SYN
SYN-ACK
ACK
Erst danach werden Nutzdaten übertragen.
Merksatz:
TCP baut vor der Datenübertragung eine Verbindung auf.
Verbindungslos bei UDP
Verbindungslos bedeutet:
Es gibt keinen Verbindungsaufbau wie bei TCP.
UDP sendet ein Datagramm direkt an Ziel-IP und Ziel-Port.
Der Sender erhält durch UDP selbst keine sichere Information darüber:
ob das Datagramm angekommen ist
ob es verworfen wurde
ob mehrere Datagramme in richtiger Reihenfolge ankamen
Merksatz:
UDP hat keinen Drei-Wege-Handshake.
TCP-Drei-Wege-Handshake
Der TCP-Verbindungsaufbau besteht aus drei Schritten.
| Schritt | Richtung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | Client → Server | SYN |
| 2 | Server → Client | SYN-ACK |
| 3 | Client → Server | ACK |
Vereinfacht:
Client fragt an.
Server bestätigt und fragt zurück.
Client bestätigt.
Danach ist die Verbindung aufgebaut.
Merksatz:
TCP-Handshake = SYN, SYN-ACK, ACK.
SYN
SYN steht für:
Synchronize
Ein SYN wird beim TCP-Verbindungsaufbau gesendet.
Der Client sagt damit vereinfacht:
Ich möchte eine TCP-Verbindung aufbauen.
Das SYN enthält unter anderem Startinformationen für die TCP-Kommunikation.
Merksatz:
SYN startet den TCP-Verbindungsaufbau.
SYN-ACK
SYN-ACK ist die Antwort des Servers auf das SYN des Clients.
Der Server sagt damit vereinfacht:
Ich habe deine Anfrage erhalten
und bin bereit für die Verbindung.
SYN-ACK enthält:
SYN des Servers
ACK als Bestätigung des Client-SYN
Merksatz:
SYN-ACK bestätigt die Anfrage und synchronisiert zurück.
ACK
ACK steht für:
Acknowledgement
ACK bedeutet:
Bestätigung
Im dritten Schritt bestätigt der Client das SYN-ACK des Servers.
Danach gilt die TCP-Verbindung als aufgebaut.
Merksatz:
ACK bestätigt empfangene TCP-Informationen.
TCP-Datenübertragung nach dem Handshake
Nach dem Drei-Wege-Handshake können Nutzdaten übertragen werden.
TCP nutzt dafür:
- Sequenznummern
- Bestätigungsnummern
- Prüfsummen
- Fenstergröße
- erneute Übertragung bei Verlust
Dadurch wird die Übertragung zuverlässiger.
Merksatz:
Nach dem Handshake sorgt TCP für geordnete Datenübertragung.
Sequenznummern
TCP nutzt Sequenznummern, um Daten zu ordnen.
Sie helfen dabei:
- Reihenfolge wiederherzustellen
- fehlende Daten zu erkennen
- Daten korrekt zu bestätigen
Beispiel:
Teil 1 kommt an.
Teil 3 kommt an.
Teil 2 fehlt.
TCP erkennt:
Es fehlt etwas.
Dann kann die fehlende Information erneut übertragen werden.
Merksatz:
Sequenznummern helfen TCP,
Daten richtig zu sortieren.
Bestätigungsnummern
Bestätigungsnummern zeigen dem Sender, welche Daten angekommen sind.
Der Empfänger bestätigt nicht nur:
Ich habe etwas bekommen.
Sondern sinngemäß:
Ich habe alles bis zu dieser Stelle bekommen
und erwarte als Nächstes diese Nummer.
Merksatz:
TCP bestätigt empfangene Daten mit ACKs.
Erneute Übertragung bei TCP
Wenn TCP erkennt, dass Daten fehlen, können sie erneut übertragen werden.
Mögliche Gründe für erneute Übertragung:
- Paketverlust
- beschädigte Daten
- keine Bestätigung erhalten
- Timeout
- Überlastung im Netz
Dadurch ist TCP zuverlässiger als UDP.
Merksatz:
TCP kann verlorene Daten erneut senden.
Reihenfolge bei TCP
IP-Pakete können im Netzwerk unterschiedliche Wege nehmen.
Dadurch können Daten in anderer Reihenfolge ankommen.
TCP kann sie wieder richtig zusammensetzen.
Beispiel:
Gesendet:
1, 2, 3, 4
Angekommen:
1, 3, 2, 4
TCP übergibt der Anwendung die Daten wieder in korrekter Reihenfolge.
Merksatz:
TCP sorgt für richtige Reihenfolge.
Flusskontrolle
Flusskontrolle bedeutet:
Der Sender soll den Empfänger nicht überfordern.
TCP nutzt dafür unter anderem die Fenstergröße.
Die Fenstergröße gibt an, wie viele Daten gesendet werden dürfen, bevor weitere Bestätigungen nötig sind.
Vereinfacht:
Empfänger sagt:
So viel kann ich gerade aufnehmen.
Merksatz:
Flusskontrolle schützt den Empfänger vor Überlastung.
Staukontrolle
Staukontrolle bedeutet:
TCP versucht, Überlastung im Netzwerk zu vermeiden.
Wenn Paketverlust oder Verzögerung auftritt, kann TCP die Sendeleistung anpassen.
Ziel:
Das Netzwerk soll nicht weiter überlastet werden.
Merksatz:
Staukontrolle schützt das Netzwerk vor Überlastung.
TCP-Verbindungsabbau
TCP-Verbindungen werden geordnet beendet.
Dabei kommen häufig FIN- und ACK-Nachrichten vor.
Vereinfacht:
Eine Seite sagt:
Ich möchte die Verbindung beenden.
Die andere Seite bestätigt.
Es gibt auch RST.
RST bedeutet:
Verbindung sofort abbrechen.
Merksatz:
FIN beendet geordnet.
RST bricht ab.
TCP-Zustände
TCP kennt verschiedene Zustände.
Wichtige Beispiele:
| Zustand | Bedeutung |
|---|---|
| LISTEN | Dienst wartet auf eingehende Verbindung |
| SYN-SENT | Client hat SYN gesendet |
| SYN-RECEIVED | Server hat SYN erhalten und SYN-ACK gesendet |
| ESTABLISHED | Verbindung besteht |
| FIN-WAIT | Verbindung wird beendet |
| TIME-WAIT | Wartephase nach Verbindungsende |
| CLOSED | Verbindung geschlossen |
Merksatz:
ESTABLISHED bedeutet:
TCP-Verbindung steht.
UDP-Datagramm
UDP nutzt Datagramme.
Ein UDP-Datagramm enthält unter anderem:
- Quell-Port
- Ziel-Port
- Länge
- Prüfsumme
- Nutzdaten
UDP hat deutlich weniger Steuerinformationen als TCP.
Merksatz:
UDP-Datagramm = einfache Transport-Dateneinheit.
Warum UDP trotz fehlender Garantie sinnvoll ist
UDP ist sinnvoll, wenn Geschwindigkeit oder geringe Verzögerung wichtiger ist als perfekte Vollständigkeit.
Beispiel VoIP:
Wenn ein kleines Audiopaket verloren geht,
ist es oft besser,
einfach weiterzumachen.
Eine spätere erneute Übertragung wäre zu spät und würde nur stören.
Merksatz:
Bei Echtzeitdiensten ist spät manchmal schlimmer als verloren.
UDP bei DNS
DNS nutzt häufig UDP Port 53.
Warum?
DNS-Anfragen sind oft kurz.
DNS-Antworten sind oft klein.
Es soll schnell gehen.
DNS kann aber auch TCP Port 53 verwenden.
Beispiele:
- große Antworten
- Zonentransfers
- bestimmte DNSSEC-Fälle
Merksatz:
DNS nutzt häufig UDP 53,
kann aber auch TCP 53 nutzen.
UDP bei DHCP
DHCP nutzt UDP.
Wichtige Ports:
| Richtung | Port |
|---|---|
| DHCP-Server | UDP 67 |
| DHCP-Client | UDP 68 |
Warum UDP?
Ein Client hat am Anfang oft noch keine vollständige IP-Konfiguration.
DHCP muss früh im Netzwerkprozess funktionieren.
Merksatz:
DHCP nutzt UDP 67 und 68.
UDP bei VoIP und Streaming
VoIP, Videokonferenzen und Streaming nutzen häufig UDP.
Grund:
geringe Verzögerung ist wichtig.
Wenn ein Paket verloren geht, ist eine spätere Wiederholung oft nicht sinnvoll.
Beispiel:
Ein verlorener Tonfetzen bei Telefonie ist kurz störend.
Eine verspätete Wiederholung würde das Gespräch stärker stören.
Merksatz:
Echtzeitkommunikation nutzt häufig UDP.
TCP bei Web und Dateiübertragung
Webseiten, Dateiübertragungen und viele Verwaltungsdienste nutzen TCP.
Beispiele:
- HTTP
- HTTPS
- SSH
- FTP
- SMTP
- IMAP
- POP3
Warum?
Daten sollen vollständig und korrekt ankommen.
Bei einer Datei wäre es schlecht, wenn Teile fehlen oder vertauscht sind.
Merksatz:
Wenn Vollständigkeit wichtig ist,
ist TCP häufig geeignet.
TCP und HTTPS
HTTPS nutzt typischerweise TCP Port 443.
Dabei kommen mehrere Dinge zusammen:
IP-Adresse für das Zielgerät
TCP-Port 443 für den Dienst
TCP-Verbindung für Transport
TLS für Verschlüsselung
HTTP für die Webanwendung
Merksatz:
HTTPS nutzt TCP,
ist aber selbst eine höhere Anwendung mit TLS.
UDP und QUIC
QUIC ist ein modernes Transportprotokoll, das auf UDP basiert.
HTTP/3 nutzt QUIC.
Warum UDP als Grundlage?
QUIC bringt eigene Mechanismen für Verbindungen, Sicherheit und Zuverlässigkeit mit,
nutzt aber UDP als Transportbasis.
Für AP1/AP2 reicht meistens:
HTTP/3 nutzt QUIC über UDP.
Merksatz:
UDP bedeutet nicht automatisch,
dass keine Zuverlässigkeit möglich ist;
sie kann in höheren Protokollen umgesetzt werden.
TCP-Overhead
TCP hat mehr Overhead als UDP.
Warum?
- Verbindungsaufbau
- Bestätigungen
- Sequenznummern
- erneute Übertragung
- Flusskontrolle
- Staukontrolle
- Verbindungsabbau
Dieser Overhead lohnt sich, wenn zuverlässige Übertragung wichtig ist.
Merksatz:
TCP hat mehr Kontrolle,
aber auch mehr Aufwand.
UDP-Overhead
UDP hat wenig Overhead.
Warum?
- kein Handshake
- keine TCP-Bestätigungen
- keine TCP-Sequenzsteuerung
- kein TCP-Verbindungszustand
Das macht UDP schlank und schnell.
Aber:
Die Anwendung muss selbst entscheiden,
ob sie zusätzliche Zuverlässigkeit braucht.
Merksatz:
UDP ist schlank,
aber einfacher.
Ports bei TCP und UDP
TCP und UDP haben jeweils eigene Portbereiche.
Das bedeutet:
TCP 53 und UDP 53 sind nicht derselbe Kommunikationskanal.
Beispiel DNS:
UDP 53 für typische Abfragen
TCP 53 für bestimmte Fälle
Eine Firewall-Regel für TCP 53 erlaubt nicht automatisch UDP 53.
Merksatz:
TCP-Port und UDP-Port sind getrennt zu betrachten.
Gleiche Portnummer, anderes Protokoll
Die gleiche Portnummer kann bei TCP und UDP unterschiedliche Bedeutung haben.
Beispiel:
TCP 53
UDP 53
Beide gehören zu DNS, aber technisch sind es verschiedene Transportprotokolle.
Beispiel:
TCP 443
UDP 443
TCP 443 ist klassisches HTTPS.
UDP 443 kann bei QUIC / HTTP/3 relevant sein.
Merksatz:
Portnummer immer zusammen mit TCP oder UDP betrachten.
Quell-Port und Ziel-Port bei TCP
Beispiel HTTPS:
Client:
192.168.10.20:52344
Server:
93.184.216.34:443
Dabei ist:
52344 = temporärer Quell-Port des Clients
443 = Ziel-Port des HTTPS-Dienstes
Die Antwort kommt zurück an:
192.168.10.20:52344
Merksatz:
Ziel-Port zeigt den Dienst.
Quell-Port hilft beim Rückweg zur Verbindung.
Quell-Port und Ziel-Port bei UDP
Auch UDP nutzt Quell-Port und Ziel-Port.
Beispiel DNS:
Client:
192.168.10.20:54001
DNS-Server:
192.168.10.1:53
Der Client sendet von einem temporären Port an UDP 53.
Die Antwort kommt zurück an den temporären Client-Port.
Merksatz:
Auch UDP nutzt Ports für Dienst und Rückzuordnung.
Ephemeral Ports
Ephemeral Ports sind temporäre Client-Ports.
Sie werden für ausgehende Verbindungen genutzt.
Typischer Bereich:
49152 bis 65535
Beispiel:
Client nutzt 53210 als Quell-Port
für Verbindung zu Server TCP 443.
Nach Ende der Verbindung kann der Port später wiederverwendet werden.
Merksatz:
Ephemeral Port = temporärer Quell-Port eines Clients.
Well-Known Ports
Well-Known Ports liegen im Bereich:
0 bis 1023
Sie sind bekannten Standarddiensten zugeordnet.
Beispiele:
| Dienst | Protokoll | Port |
|---|---|---|
| FTP | TCP | 21 |
| SSH | TCP | 22 |
| Telnet | TCP | 23 |
| SMTP | TCP | 25 |
| DNS | TCP / UDP | 53 |
| HTTP | TCP | 80 |
| HTTPS | TCP | 443 |
Merksatz:
Well-Known Ports sollte man für die Prüfung sicher kennen.
TCP-Fehlersuche
Typische TCP-Fragen:
Ist der Zielhost erreichbar?
Ist der Ziel-Port offen?
Lauscht der Dienst auf dem Port?
Kommt ein SYN beim Server an?
Antwortet der Server mit SYN-ACK?
Blockiert eine Firewall?
Wird die Verbindung zurückgesetzt?
Gibt es NAT- oder Portweiterleitungsfehler?
Merksatz:
Bei TCP prüft man besonders den Verbindungsaufbau.
UDP-Fehlersuche
UDP-Fehlersuche ist oft schwieriger.
Warum?
Es gibt keinen Handshake.
Wenn keine Antwort kommt, ist nicht sofort klar:
Paket verloren?
Dienst nicht erreichbar?
Firewall blockiert?
Anfrage ungültig?
Antwortweg gestört?
NAT-Problem?
Deshalb braucht man oft Logs, Mitschnitte oder passende Testwerkzeuge.
Merksatz:
UDP-Fehler sind schwerer eindeutig zu erkennen als TCP-Fehler.
TCP-Handshake scheitert
Wenn ein TCP-Handshake scheitert, kann die Verbindung nicht aufgebaut werden.
Mögliche Ursachen:
- Server nicht erreichbar
- Dienst hört nicht auf dem Port
- Firewall blockiert SYN
- Firewall blockiert SYN-ACK
- NAT oder Portweiterleitung falsch
- Server lehnt Verbindung ab
- Rückroute fehlt
Merksatz:
Kein TCP-Handshake = keine TCP-Verbindung.
TCP Reset
Ein TCP Reset wird mit RST gekennzeichnet.
RST bedeutet:
Verbindung sofort abbrechen.
Mögliche Ursachen:
- Port geschlossen
- Dienst lehnt Verbindung ab
- Anwendung beendet Verbindung
- Firewall sendet Reset
- fehlerhafte Verbindung
Merksatz:
RST = TCP-Verbindung wird sofort zurückgesetzt.
TCP Timeout
Ein Timeout bedeutet:
Eine erwartete Antwort kommt nicht rechtzeitig.
Mögliche Ursachen:
- Paket geht verloren
- Firewall verwirft still
- Server antwortet nicht
- Rückweg fehlt
- Routing-Problem
- NAT-Problem
Merksatz:
Timeout bedeutet:
keine rechtzeitige Antwort.
Gefilterter Port
Ein Port wirkt gefiltert, wenn eine Firewall Pakete blockiert oder verwirft.
Unterschied:
geschlossen:
Ziel antwortet aktiv, dass kein Dienst vorhanden ist.
gefiltert:
keine oder keine klare Antwort.
Merksatz:
Gefiltert bedeutet oft:
Firewall im Weg.
Offener Port
Ein Port ist offen, wenn ein Dienst auf diesem Port Verbindungen annimmt oder Anfragen beantwortet.
Beispiel:
TCP 443 offen
bedeutet:
Ein Dienst akzeptiert HTTPS-Verbindungen oder zumindest TCP-Verbindungen auf Port 443.
Aber:
Das sagt noch nicht,
dass die Webanwendung korrekt funktioniert.
Merksatz:
Offener Port bedeutet:
Dienst ist grundsätzlich erreichbar.
Geschlossener Port
Ein Port ist geschlossen, wenn kein Dienst auf diesem Port lauscht.
Beispiel:
Server erreichbar,
aber TCP 22 geschlossen
Das bedeutet:
Der Server antwortet,
aber SSH läuft dort nicht oder nicht auf Port 22.
Merksatz:
Geschlossener Port heißt:
Host kann erreichbar sein,
Dienst aber nicht.
TCP und Paketmitschnitt
In einem Mitschnitt kann man TCP gut erkennen.
Wichtige Hinweise:
SYN
SYN-ACK
ACK
RST
FIN
Retransmission
Window Size
Duplicate ACK
Damit kann man sehen:
Wird die Verbindung aufgebaut?
Wo bleibt die Antwort aus?
Wird zurückgesetzt?
Gibt es Paketverlust?
Merksatz:
TCP lässt sich im Mitschnitt gut analysieren.
UDP und Paketmitschnitt
Bei UDP sieht man im Mitschnitt:
Quell-Port
Ziel-Port
Länge
Prüfsumme
Nutzdaten
Aber man sieht keinen Handshake.
Deshalb muss man prüfen:
Geht die Anfrage raus?
Kommt eine Antwort zurück?
Ist die Antwort korrekt?
Wird etwas blockiert?
Ist der Port richtig?
Merksatz:
Bei UDP vergleicht man Anfrage und Antwort.
TCP oder UDP bei Firewall-Regeln
Firewall-Regeln müssen das richtige Protokoll berücksichtigen.
Beispiel:
DNS erlauben
Nicht ausreichend, wenn nur steht:
Port 53 erlauben
Genauer:
UDP 53 erlauben
TCP 53 bei Bedarf ebenfalls erlauben
Beispiel HTTPS:
TCP 443 erlauben
Bei HTTP/3 kann zusätzlich relevant sein:
UDP 443 erlauben
Merksatz:
Firewall-Regeln brauchen Protokoll und Port.
TCP oder UDP bei Portweiterleitungen
Auch Portweiterleitungen müssen das richtige Protokoll nutzen.
Beispiel:
Webserver klassisch:
TCP 80
TCP 443
Beispiel DNS-Server:
UDP 53
TCP 53
Beispiel Spielserver:
je nach Spiel oft UDP oder TCP unterschiedlich
Prüfungsfalle:
TCP-Portweiterleitung hilft nicht,
wenn der Dienst UDP nutzt.
Merksatz:
Portweiterleitung muss TCP oder UDP richtig treffen.
NAT/PAT und TCP/UDP
PAT nutzt Port-Zuordnungen.
Bei TCP kann ein NAT-Gerät Verbindungszustände gut verfolgen.
Bei UDP gibt es keinen echten Verbindungszustand.
Deshalb nutzt NAT bei UDP Zeitfenster und Zuordnungstabellen.
Wenn die Zuordnung abläuft, können Antworten verloren gehen.
Merksatz:
NAT verfolgt TCP leichter als UDP.
Typische Anwendungen und Transportprotokolle
| Anwendung / Dienst | typisches Transportprotokoll |
|---|---|
| HTTP | TCP |
| HTTPS | TCP |
| HTTP/3 | UDP |
| SSH | TCP |
| Telnet | TCP |
| SMTP | TCP |
| IMAP | TCP |
| POP3 | TCP |
| DNS | UDP und TCP |
| DHCP | UDP |
| NTP | UDP |
| VoIP | häufig UDP |
| Streaming | häufig UDP oder TCP je nach Technik |
| VPN | je nach Lösung TCP oder UDP |
Merksatz:
Dienst immer mit Protokoll und Port betrachten.
TCP und UDP in der Praxisentscheidung
TCP ist sinnvoll, wenn wichtig ist:
- Vollständigkeit
- Reihenfolge
- Zuverlässigkeit
- fehlerfreie Dateiübertragung
- stabile Verbindung
UDP ist sinnvoll, wenn wichtig ist:
- geringe Latenz
- wenig Overhead
- Echtzeitverhalten
- kurze Anfragen
- Anwendung übernimmt eigene Steuerung
Merksatz:
TCP für Genauigkeit.
UDP für Geschwindigkeit und Echtzeit.
Einordnung in das OSI-Modell
| Thema | Schicht |
|---|---|
| IP-Adresse | 3 |
| Routing | 3 |
| ICMP | 3 |
| TCP | 4 |
| UDP | 4 |
| Port | 4 |
| TCP-Handshake | 4 |
| Sequenznummer | 4 |
| ACK | 4 |
| DNS-Dienst | 7, nutzt TCP/UDP 53 |
| HTTP | 7, nutzt TCP |
| HTTPS | 7, nutzt TCP und TLS |
| HTTP/3 | 7, nutzt QUIC über UDP |
Merksatz:
TCP und UDP gehören zur Transportschicht.
Typische IHK-Fragen
In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden:
- Was ist TCP?
- Was ist UDP?
- Worin unterscheiden sich TCP und UDP?
- Was bedeutet verbindungsorientiert?
- Was bedeutet verbindungslos?
- Wie funktioniert der TCP-Drei-Wege-Handshake?
- Was bedeuten SYN, SYN-ACK und ACK?
- Warum ist TCP zuverlässig?
- Warum ist UDP schneller beziehungsweise schlanker?
- Wann eignet sich TCP?
- Wann eignet sich UDP?
- Warum nutzt DNS UDP und TCP?
- Warum nutzt DHCP UDP?
- Warum nutzen Echtzeitdienste häufig UDP?
- Warum kann Ping funktionieren, aber TCP 443 nicht?
- Warum muss eine Firewall zwischen TCP und UDP unterscheiden?
Typische Prüfungsfallen
TCP ist verbindungsorientiert.
UDP ist verbindungslos.
TCP nutzt den Drei-Wege-Handshake.
UDP nutzt keinen Drei-Wege-Handshake.
TCP bietet Zuverlässigkeit durch Bestätigungen und erneute Übertragung.
UDP bietet keine eingebaute Zustellgarantie.
TCP stellt Reihenfolge sicher.
UDP stellt Reihenfolge nicht selbst sicher.
TCP nutzt Segmente.
UDP nutzt Datagramme.
DNS nutzt UDP 53 und TCP 53.
DHCP nutzt UDP 67 und 68.
HTTP/3 nutzt QUIC über UDP.
Gleiche Portnummer bei TCP und UDP ist technisch nicht dasselbe.
Firewall-Regeln müssen TCP oder UDP korrekt angeben.
Portweiterleitungen müssen TCP oder UDP korrekt treffen.
Ping nutzt ICMP,
nicht TCP oder UDP.
Wichtige Begriffe kurz erklärt
| Begriff | Kurze Erklärung |
|---|---|
| TCP | Transmission Control Protocol |
| UDP | User Datagram Protocol |
| verbindungsorientiert | Verbindung wird vor Datenübertragung aufgebaut |
| verbindungslos | Daten werden ohne vorherige Verbindung gesendet |
| SYN | Start einer TCP-Verbindung |
| SYN-ACK | Antwort auf SYN mit Bestätigung |
| ACK | Bestätigung |
| Drei-Wege-Handshake | TCP-Verbindungsaufbau mit SYN, SYN-ACK, ACK |
| Sequenznummer | Position von Daten im TCP-Strom |
| Bestätigungsnummer | bestätigt empfangene Daten |
| Retransmission | erneute Übertragung |
| Flusskontrolle | schützt Empfänger vor Überlastung |
| Staukontrolle | schützt Netzwerk vor Überlastung |
| FIN | geordneter TCP-Verbindungsabbau |
| RST | sofortiger TCP-Abbruch |
| Timeout | erwartete Antwort bleibt zu lange aus |
| Segment | TCP-Dateneinheit |
| Datagramm | UDP-Dateneinheit |
IHK-sichere Kurzformulierung
TCP und UDP sind Transportprotokolle auf OSI-Schicht 4. TCP ist verbindungsorientiert und baut vor der Datenübertragung mit SYN, SYN-ACK und ACK eine Verbindung auf. Es bietet Zuverlässigkeit durch Bestätigungen, Sequenznummern, erneute Übertragung und Reihenfolgesicherung. UDP ist verbindungslos und sendet Datagramme ohne Verbindungsaufbau und ohne eingebaute Garantie für Zustellung oder Reihenfolge. Dadurch ist UDP schlanker und eignet sich gut für Echtzeitdienste oder kurze Anfragen. TCP- und UDP-Ports sind getrennt zu betrachten, auch wenn dieselbe Portnummer verwendet wird.
Merksätze
TCP = Transmission Control Protocol.
UDP = User Datagram Protocol.
Beide gehören zu Schicht 4.
TCP ist verbindungsorientiert.
UDP ist verbindungslos.
TCP baut Verbindung auf.
UDP sendet ohne Handshake.
TCP-Handshake = SYN, SYN-ACK, ACK.
TCP nutzt ACKs.
TCP nutzt Sequenznummern.
TCP kann erneut übertragen.
TCP stellt Reihenfolge sicher.
UDP bietet keine eingebaute Zustellgarantie.
UDP ist schlanker als TCP.
TCP = Segment.
UDP = Datagramm.
DNS nutzt UDP und TCP 53.
DHCP nutzt UDP 67 und 68.
HTTP/3 nutzt QUIC über UDP.
Gleiche Portnummer bei TCP und UDP ist nicht dasselbe.
Firewall-Regel braucht Protokoll und Port.
TCP-Portweiterleitung hilft nicht bei UDP-Dienst.
Ping ist ICMP,
nicht TCP oder UDP.
TCP für Zuverlässigkeit.
UDP für geringe Verzögerung.