12.2 Wireshark-Analyse: Filter, Protokolle und typische Fehlerbilder
Wireshark ist ein grafisches Werkzeug zur Analyse von Netzwerkverkehr.
Mit Wireshark kann man Paketmitschnitte öffnen, filtern und auswerten.
Ziel ist nicht nur:
Pakete sehen
Sondern:
Verstehen,
was im Netzwerk wirklich passiert.
Merksatz:
Wireshark zeigt Pakete,
aber die Analyse entsteht durch gezielte Fragen.
Grundidee der Wireshark-Analyse
Ein Paketmitschnitt kann sehr viele Daten enthalten.
Ohne Filter ist die Analyse schnell unübersichtlich.
Deshalb arbeitet man mit Fragen:
Welche IP-Adresse interessiert mich?
Welcher Dienst funktioniert nicht?
Welcher Port wird genutzt?
Gibt es DNS-Anfragen?
Gibt es einen TCP-Handshake?
Gibt es Timeouts?
Gibt es Reset-Pakete?
Gibt es TLS-Fehler?
Kommt eine Antwort zurück?
Merksatz:
Erst Fragestellung,
dann Filter.
Wireshark-Oberfläche
Wireshark zeigt typischerweise drei Bereiche:
| Bereich | Bedeutung |
|---|---|
| Paketliste | alle aufgezeichneten Pakete als Übersicht |
| Paketdetails | aufgeschlüsselte Protokollinformationen |
| Paketbytes | Rohdaten des Pakets |
Die Paketliste zeigt zum Beispiel:
Zeit
Quelle
Ziel
Protokoll
Länge
Information
Merksatz:
Paketliste zeigt Überblick,
Paketdetails zeigen Inhalt.
Paketliste
In der Paketliste sieht man jedes Paket als Zeile.
Wichtige Spalten:
No.
Time
Source
Destination
Protocol
Length
Info
Diese Spalten helfen, den Ablauf der Kommunikation zu verstehen.
Merksatz:
Die Paketliste zeigt die zeitliche Reihenfolge der Pakete.
Paketdetails
Die Paketdetails zeigen, welche Protokollschichten im Paket enthalten sind.
Beispiele:
Frame
Ethernet
IPv4 oder IPv6
TCP oder UDP
TLS
HTTP
DNS
DHCP
Damit kann man sehen, welche Schichten beteiligt sind.
Merksatz:
Paketdetails zeigen die Protokolle Schicht für Schicht.
Paketbytes
Die Paketbytes zeigen die Rohdaten des Pakets.
Das ist besonders wichtig, wenn man sehr genau prüfen möchte, welche Daten wirklich übertragen wurden.
Für die IHK reicht meist:
verstehen,
dass dies die Rohdaten sind.
Merksatz:
Paketbytes sind die technische Rohansicht.
Display Filter
Display Filter bestimmen, welche Pakete angezeigt werden.
Sie ändern nicht die gespeicherte Aufzeichnung.
Beispielgedanke:
Zeige nur DNS.
Zeige nur Pakete zu dieser IP.
Zeige nur TCP-Resets.
Zeige nur HTTP.
Merksatz:
Display Filter blenden aus,
löschen aber nichts aus der Aufnahme.
Capture Filter
Capture Filter bestimmen, was überhaupt aufgezeichnet wird.
Vorteil:
weniger Daten
kleinere Datei
bessere Übersicht
weniger sensible Informationen
Nachteil:
nicht aufgezeichnete Pakete sind später verloren.
Merksatz:
Capture Filter vor Aufnahme,
Display Filter nach Aufnahme.
Capture Filter und Display Filter vergleichen
| Filterart | Zeitpunkt | Wirkung |
|---|---|---|
| Capture Filter | vor oder während Aufnahme | begrenzt, was aufgezeichnet wird |
| Display Filter | nach Aufnahme | begrenzt nur die Anzeige |
Merksatz:
Capture Filter spart Daten.
Display Filter hilft bei Analyse.
Wichtige Wireshark-Display-Filter
| Ziel | Filteridee |
|---|---|
| bestimmte IP anzeigen | ip.addr == 192.168.10.20 |
| nur Quelle | ip.src == 192.168.10.20 |
| nur Ziel | ip.dst == 192.168.10.20 |
| bestimmter TCP-Port | tcp.port == 443 |
| bestimmter UDP-Port | udp.port == 53 |
| nur DNS | dns |
| nur HTTP | http |
| nur TLS | tls |
| nur ARP | arp |
| nur ICMP | icmp |
| nur DHCP | dhcp |
| nur TCP Reset | tcp.flags.reset == 1 |
| nur TCP SYN | tcp.flags.syn == 1 |
| TCP Retransmissions | tcp.analysis.retransmission |
Merksatz:
Display Filter müssen zur Fragestellung passen.
IP-Adresse filtern
Wenn ein bestimmter Host untersucht wird, filtert man nach dessen IP-Adresse.
Beispiel:
ip.addr == 192.168.10.20
Das zeigt Pakete, bei denen diese IP-Adresse Quelle oder Ziel ist.
Merksatz:
ip.addr zeigt Verkehr mit einer bestimmten IP.
Quelle und Ziel unterscheiden
Manchmal muss man genauer unterscheiden.
Quelle:
ip.src == 192.168.10.20
Ziel:
ip.dst == 192.168.10.20
Das ist hilfreich, wenn man wissen will:
Wer startet die Verbindung?
Wer antwortet?
Merksatz:
ip.src = Quelle.
ip.dst = Ziel.
Port filtern
Ports helfen, Dienste zu erkennen.
Beispiel:
tcp.port == 443
zeigt TCP-Verkehr, bei dem Port 443 als Quell- oder Zielport vorkommt.
Genauer:
tcp.dstport == 443
zeigt Pakete, die zu einem Dienst auf Port 443 gehen.
Merksatz:
Zielport zeigt meist den angesprochenen Dienst.
TCP und UDP getrennt betrachten
Portnummern allein reichen nicht.
Beispiele:
tcp.port == 443
ist nicht dasselbe wie:
udp.port == 443
Das ist wichtig bei:
HTTPS klassisch über TCP 443
HTTP/3 über UDP 443
DNS über UDP/TCP 53
Merksatz:
Port immer mit TCP oder UDP betrachten.
DNS analysieren
DNS ist häufig der erste Schritt vor einer Verbindung.
Mit Filter:
dns
sieht man DNS-Anfragen und Antworten.
Wichtige Fragen:
Welcher Name wird gefragt?
Welcher DNS-Server wird gefragt?
Welche IP-Adresse wird zurückgegeben?
Kommt NXDOMAIN?
Wird IPv4 oder IPv6 angefragt?
Gibt es lange Antwortzeiten?
Merksatz:
DNS zeigt,
wohin ein Name wirklich aufgelöst wird.
DNS A und AAAA
A-Record:
Name zu IPv4-Adresse
AAAA-Record:
Name zu IPv6-Adresse
Im Mitschnitt kann man sehen, ob ein Client IPv4, IPv6 oder beides anfragt.
Fehlerfall:
AAAA zeigt auf nicht erreichbare IPv6-Adresse,
obwohl IPv4 funktionieren würde.
Merksatz:
DNS-Antworten können IPv4 und IPv6 betreffen.
DNS NXDOMAIN
NXDOMAIN bedeutet:
Name existiert nicht.
Mögliche Ursachen:
- Tippfehler
- falscher DNS-Suffix
- falscher DNS-Server
- interne Zone fehlt
- Split DNS falsch
- Name wurde nicht angelegt
Merksatz:
NXDOMAIN heißt:
DNS kennt diesen Namen nicht.
TCP-Analyse
TCP-Verbindungen erkennt man am Handshake:
SYN
SYN-ACK
ACK
Mit Wireshark prüft man:
Gibt es SYN?
Kommt SYN-ACK zurück?
Wird ACK gesendet?
Gibt es RST?
Gibt es Retransmissions?
Gibt es Timeouts?
Merksatz:
TCP-Analyse beginnt oft beim Handshake.
TCP SYN filtern
Ein SYN startet eine TCP-Verbindung.
Filteridee:
tcp.flags.syn == 1
Achtung:
SYN-ACK enthält ebenfalls SYN.
Wenn man nur reine SYN-Pakete ohne ACK sehen möchte, braucht man sinngemäß:
SYN gesetzt,
ACK nicht gesetzt.
Merksatz:
SYN zeigt Verbindungsversuche.
TCP SYN-ACK erkennen
SYN-ACK ist die Antwort des Servers auf ein SYN.
Bedeutung:
Der Zielport antwortet grundsätzlich.
Wenn SYN-ACK zurückkommt, ist der Weg zum Server und zurück zumindest für diesen Schritt vorhanden.
Merksatz:
SYN-ACK zeigt,
dass der Server auf den TCP-Verbindungsaufbau antwortet.
TCP ACK erkennen
ACK bestätigt den Empfang.
Nach SYN und SYN-ACK bestätigt der Client mit ACK.
Dann ist der TCP-Verbindungsaufbau abgeschlossen.
Merksatz:
SYN,
SYN-ACK,
ACK
= TCP-Verbindung aufgebaut.
TCP Reset erkennen
Ein Reset beendet oder verweigert eine Verbindung.
Filter:
tcp.flags.reset == 1
Mögliche Ursachen:
- Port geschlossen
- Dienst läuft nicht
- Anwendung lehnt ab
- Firewall sendet Reset
- falsches Protokoll
- Verbindung wird aktiv beendet
Merksatz:
RST ist eine aktive Ablehnung oder Beendigung.
TCP Retransmissions erkennen
Retransmissions sind erneute Übertragungen.
Filteridee:
tcp.analysis.retransmission
Mögliche Ursachen:
- Paketverlust
- Firewall blockiert einzelne Pakete
- WLAN-Probleme
- Überlastung
- Rückwegproblem
- MTU-Problem
Merksatz:
Retransmissions bedeuten:
Bestätigung fehlt oder Paket ging verloren.
TCP Zero Window
TCP Zero Window bedeutet:
Empfänger kann aktuell keine weiteren Daten aufnehmen.
Mögliche Ursachen:
- Anwendung verarbeitet Daten zu langsam
- Empfänger überlastet
- Ressourcenproblem
- System hängt
Merksatz:
Zero Window deutet auf Empfänger- oder Leistungsproblem hin.
TCP Dup ACK
Duplicate ACK bedeutet:
Eine Bestätigung wird mehrfach gesendet.
Das kann auf Paketverlust oder fehlende Segmente hinweisen.
In Kombination mit Retransmissions kann es Netzwerkprobleme sichtbar machen.
Merksatz:
Duplicate ACK kann auf verlorene TCP-Segmente hindeuten.
UDP analysieren
UDP hat keinen Verbindungsaufbau.
Bei UDP prüft man:
Wird eine Anfrage gesendet?
Kommt eine Antwort zurück?
Gibt es ICMP-Fehler?
Wird der richtige UDP-Port genutzt?
Ist der Server erreichbar?
Blockiert eine Firewall?
Beispiele:
DNS
DHCP
NTP
SNMP
VoIP
HTTP/3
Merksatz:
UDP hat keinen Handshake,
deshalb muss man Anfrage und Antwort direkt prüfen.
ICMP analysieren
ICMP liefert Diagnoseinformationen.
Wichtige ICMP-Meldungen:
Echo Request
Echo Reply
Destination Unreachable
Time Exceeded
Fragmentation Needed
ICMP kann Hinweise geben auf:
Routingfehler
blockierte Ziele
MTU-Probleme
Traceroute-Ablauf
nicht erreichbare Netze
Merksatz:
ICMP-Fehler sind wichtige Hinweise,
nicht nur Ping.
ARP analysieren
ARP wird im lokalen IPv4-Netz genutzt.
Typische ARP-Frage:
Wer hat diese IPv4-Adresse?
Wenn viele ARP-Anfragen ohne Antwort sichtbar sind, kann das bedeuten:
Ziel ist offline.
falsches VLAN.
falsche Netzmaske.
Gateway nicht erreichbar.
IP-Konflikt.
falsche Adresse.
Merksatz:
ARP-Probleme sind lokale Netzwerkprobleme.
DHCP analysieren
DHCP erkennt man am Ablauf:
Discover
Offer
Request
Acknowledge
Wichtige Fehlerbilder:
| Beobachtung | mögliche Ursache |
|---|---|
| Discover ohne Offer | Server oder Relay antwortet nicht |
| Offer kommt, aber kein Request | Client akzeptiert Angebot nicht |
| Request ohne ACK | Server bestätigt nicht |
| falsche Optionen | DHCP-Konfiguration falsch |
| Client bekommt APIPA | DHCP fehlgeschlagen |
Merksatz:
DHCP-DORA ist im Mitschnitt gut prüfbar.
HTTP analysieren
Bei unverschlüsseltem HTTP sieht man:
Methode
URL-Pfad
Host-Header
Header
Statuscode
teilweise Inhalt
Wichtige HTTP-Statuscodes:
200 OK
301 / 302 Weiterleitung
400 Bad Request
401 Unauthorized
403 Forbidden
404 Not Found
500 Internal Server Error
502 Bad Gateway
503 Service Unavailable
504 Gateway Timeout
Merksatz:
HTTP-Statuscodes helfen bei Schicht-7-Fehlersuche.
HTTPS analysieren
Bei HTTPS ist der Inhalt verschlüsselt.
Man sieht normalerweise nicht:
Pfad
Formularinhalt
Session-Cookie
HTTP-Header
Nutzdaten
Man sieht aber häufig:
Ziel-IP
Port
TLS-Handshake
SNI
Zertifikatsinformationen
Verbindungsabbrüche
TLS Alerts
Merksatz:
HTTPS schützt Inhalte,
aber Verbindungsmetadaten bleiben sichtbar.
TLS-Handshake prüfen
Beim TLS-Handshake wird eine sichere Verbindung ausgehandelt.
Im Mitschnitt können sichtbar sein:
Client Hello
Server Hello
Zertifikat
Cipher-Auswahl
TLS-Version
SNI
TLS Alert
Typische Fehler:
Zertifikat passt nicht.
TLS-Version passt nicht.
Cipher Suite passt nicht.
Client bricht ab.
Server bricht ab.
Merksatz:
TLS-Handshake zeigt,
ob HTTPS-Sicherheit ausgehandelt werden kann.
SNI prüfen
SNI steht für:
Server Name Indication
SNI zeigt, welchen Hostnamen der Client beim TLS-Aufbau anfordert.
Das ist wichtig bei mehreren HTTPS-Diensten auf einer IP-Adresse.
Beispiel:
wiki.firma.de
cloud.firma.de
git.firma.de
alle auf derselben IP und TCP 443.
Merksatz:
SNI hilft,
den gewünschten HTTPS-Hostnamen zu erkennen.
Zertifikatsinformationen im Mitschnitt
Je nach TLS-Version und Situation können Zertifikatsinformationen sichtbar sein.
Wichtig zu prüfen:
Ausgestellt für welchen Namen?
Aussteller?
Gültigkeit?
Zertifikatskette?
Passt der Name zum Aufruf?
Achtung:
Bei modernen TLS-Versionen und bestimmten Verfahren sind nicht immer alle Informationen gleich sichtbar.
Merksatz:
Zertifikate geben Hinweise auf HTTPS-Probleme.
Follow TCP Stream
Wireshark kann zusammengehörende TCP-Daten anzeigen.
Funktion:
Follow TCP Stream
Das ist hilfreich bei unverschlüsselten Protokollen.
Beispiele:
HTTP
Telnet
FTP
SMTP ohne TLS
Achtung:
Bei verschlüsseltem HTTPS sieht man den Inhalt nicht im Klartext.
Merksatz:
Follow TCP Stream zeigt zusammenhängende TCP-Kommunikation.
Conversations
Wireshark kann Gespräche anzeigen.
Conversations zeigen zum Beispiel:
welche IPs miteinander gesprochen haben
wie viele Pakete übertragen wurden
wie viele Bytes übertragen wurden
welche TCP-Verbindungen bestanden
Das hilft, wichtige Verbindungen im Mitschnitt zu finden.
Merksatz:
Conversations zeigen,
welche Systeme miteinander kommunizieren.
Endpoints
Endpoints zeigen beteiligte Kommunikationspartner.
Beispiele:
IP-Adressen
MAC-Adressen
Ports
Das ist nützlich, um herauszufinden:
welche Systeme im Mitschnitt aktiv sind
wer besonders viel Verkehr erzeugt
welche Ziele angesprochen werden
Merksatz:
Endpoints zeigen beteiligte Systeme.
IO Graphs
IO Graphs zeigen Netzwerkverkehr über Zeit.
Damit erkennt man:
Lastspitzen
Pausen
Übertragungsverlauf
Wiederholungsmuster
Zeitpunkte von Fehlern
Das ist hilfreich bei Performanceproblemen.
Merksatz:
IO Graphs helfen,
Verkehr zeitlich zu verstehen.
Expert Information
Wireshark bietet Expert Information.
Dort werden auffällige Dinge gesammelt, zum Beispiel:
Retransmissions
Resets
Malformed Packets
Warnings
Fehler
Hinweise auf Protokollprobleme
Wichtig:
Expert Information ist hilfreich,
aber nicht jede Warnung ist automatisch die Ursache.
Merksatz:
Expert Information ist Hinweis,
nicht endgültiger Beweis.
Farben in Wireshark
Wireshark nutzt Farben, um Protokolle und Auffälligkeiten leichter sichtbar zu machen.
Beispiele:
DNS
TCP
Fehler
Resets
ARP
Die genaue Farbe ist weniger wichtig als die technische Aussage.
Merksatz:
Farben helfen beim Überblick,
ersetzen aber keine Analyse.
Namensauflösung in Wireshark
Wireshark kann IP-Adressen als Namen anzeigen.
Das kann hilfreich sein, aber auch verwirren.
Problem:
angezeigter Name kann aus Cache,
DNS
oder lokaler Auflösung stammen.
Für genaue Analyse ist oft besser:
echte IP-Adressen anzeigen.
Merksatz:
Namensauflösung in Wireshark kann hilfreich,
aber auch irreführend sein.
Zeitansicht
Wireshark kann Zeit unterschiedlich anzeigen.
Beispiele:
Zeit seit Beginn des Mitschnitts
absolute Uhrzeit
Zeit seit vorherigem Paket
Zeit seit vorherigem angezeigten Paket
Für Fehlersuche wichtig:
Wie lange dauert die Antwort?
Wann beginnt Timeout?
Welche Pakete gehören zeitlich zusammen?
Merksatz:
Zeitdarstellung passend zur Analyse wählen.
Paketverlust erkennen
Hinweise auf Paketverlust:
Retransmissions
Duplicate ACKs
fehlende Antworten
lange Wartezeiten
Verbindungsabbrüche
wiederholte DNS-Anfragen
wiederholte SYN-Pakete
Mögliche Ursachen:
WLAN-Probleme
defekte Kabel
Überlastung
Firewall-Probleme
Routingprobleme
MTU-Probleme
Merksatz:
Paketverlust zeigt sich oft durch Wiederholungen.
MTU-Probleme erkennen
MTU-Probleme sind manchmal schwer zu erkennen.
Typische Hinweise:
kleine Verbindungen funktionieren
große Datenübertragungen hängen
TLS-Verbindungen brechen ab
VPN-Verbindungen sind instabil
Fragmentation Needed erscheint
viele Retransmissions bei größeren Paketen
Merksatz:
Wenn kleine Pakete gehen,
große aber nicht,
an MTU denken.
Falsches Protokoll auf richtigem Port
Manchmal wird ein Dienst mit falschem Protokoll angesprochen.
Beispiele:
HTTPS-Anfrage an HTTP-Port
HTTP-Anfrage an HTTPS-Port
FTP statt SFTP
LDAP statt LDAPS
falsches Backend-Protokoll im Reverse Proxy
Im Mitschnitt sieht man dann oft:
Reset
TLS Alert
ungültige Antwort
sofortiger Abbruch
unerwartete Daten
Merksatz:
Richtiger Port reicht nicht,
das Protokoll muss auch stimmen.
Firewall-Problem erkennen
Mögliche Hinweise auf Firewall-Probleme:
SYN ohne Antwort
ICMP unreachable
keine Antwort trotz korrektem Ziel
Verbindung geht aus einem Netz,
aber nicht aus anderem
Paket kommt an Firewall an,
aber nicht am Ziel
Firewall-Log zeigt Drop oder Deny
Merksatz:
Firewall-Probleme erkennt man am besten mit Mitschnitt plus Logs.
Dienstproblem erkennen
Hinweise auf Dienstproblem:
TCP-Verbindung wird aufgebaut,
danach kommt Fehler.
Server sendet RST.
HTTP 500.
HTTP 503.
Anwendung antwortet falsch.
Login wird abgelehnt.
Backend antwortet nicht.
Dienst lauscht nicht auf erwartetem Port.
Merksatz:
Wenn TCP steht,
aber Anwendung fehlschlägt,
Schicht 7 prüfen.
DNS-Problem erkennen
Hinweise auf DNS-Probleme:
keine DNS-Antwort
falsche IP-Adresse
NXDOMAIN
falscher DNS-Server
AAAA statt A problematisch
interner Name wird extern gefragt
Split DNS falsch
DNS-Timeout
Merksatz:
DNS-Probleme sieht man oft vor dem eigentlichen Verbindungsversuch.
NAT-Problem erkennen
Hinweise auf NAT-Probleme:
externe Anfrage kommt an,
wird aber nicht intern sichtbar
falsche Ziel-IP nach NAT
falscher Port nach NAT
Antwort kommt nicht zurück
Quelladresse unerwartet
interner Zugriff über öffentliche IP scheitert
Firewall-Mitschnitt zeigt Übersetzung nicht
Merksatz:
NAT-Probleme erkennt man durch Vergleich vor und nach der Firewall.
Reverse-Proxy-Problem erkennen
Hinweise:
Client bekommt 502.
Client bekommt 504.
Proxy antwortet,
Backend aber nicht.
TLS am Proxy funktioniert,
interne Verbindung scheitert.
Host-Header falsch.
falsches Backend ausgewählt.
DNS des Backends falsch.
Merksatz:
Reverse-Proxy-Fehler liegen oft zwischen Proxy und Backend.
Mehrere Mitschnittpunkte verwenden
Bei unklaren Problemen hilft ein Vergleich.
Beispiel:
Mitschnitt am Client:
Anfrage wird gesendet.
Mitschnitt an Firewall:
Anfrage kommt an.
Mitschnitt am Server:
Anfrage kommt nicht an.
Dann liegt das Problem zwischen Firewall und Server.
Merksatz:
Mehrere Mitschnittpunkte zeigen,
wo Pakete verloren gehen.
Typische Analyse-Reihenfolge
Eine sinnvolle Reihenfolge:
1. Fehlerzeitpunkt bestimmen.
2. Richtige Schnittstelle wählen.
3. Mitschnitt starten.
4. Fehler reproduzieren.
5. Mitschnitt stoppen.
6. Nach beteiligter IP filtern.
7. DNS prüfen.
8. TCP- oder UDP-Verhalten prüfen.
9. TLS oder Anwendung prüfen.
10. Resets, Retransmissions und ICMP prüfen.
11. Logs vergleichen.
12. Ergebnis dokumentieren.
Merksatz:
Mitschnitt gezielt aufnehmen,
Fehler nachstellen,
dann filtern.
Typische Fehler bei der Analyse
Häufige Fehler sind:
- auf falscher Schnittstelle mitschneiden
- zu früh oder zu spät mitschneiden
- falscher Filter
- wichtigen Verkehr durch Capture Filter ausschließen
- DNS nicht beachten
- NAT nicht beachten
- verschlüsselte Inhalte erwarten
- jedes Wireshark-Warning überbewerten
- Logs ignorieren
- Uhrzeit nicht vergleichen
Merksatz:
Schlechter Mitschnitt kann zu falschen Schlussfolgerungen führen.
Datenschutz bei Wireshark
Wireshark-Mitschnitte können sensible Daten enthalten.
Beispiele:
- IP-Adressen
- MAC-Adressen
- Benutzernamen
- Cookies
- Tokens
- interne Hostnamen
- E-Mail-Inhalte
- unverschlüsselte Passwörter
- personenbezogene Daten
Deshalb:
nur so lange wie nötig mitschneiden
nur relevanten Verkehr erfassen
Zugriff auf PCAP-Dateien beschränken
Mitschnitte sicher speichern
Mitschnitte nach Zweck löschen
Merksatz:
Paketmitschnitte wie vertrauliche Daten behandeln.
Was Wireshark nicht automatisch löst
Wireshark zeigt Verkehr, aber nicht automatisch die Ursache.
Man braucht zusätzlich:
- Netzwerkwissen
- Protokollverständnis
- Logs
- Konfigurationen
- Dienststatus
- Berechtigungsinformationen
- Firewall-Regeln
- DNS-Informationen
Merksatz:
Wireshark zeigt Hinweise,
die Ursache muss man fachlich einordnen.
Typische IHK-Fragen
In AP1 und AP2 kann zum Beispiel gefragt werden:
- Was ist Wireshark?
- Wofür verwendet man Display Filter?
- Wofür verwendet man Capture Filter?
- Was ist der Unterschied zwischen Capture Filter und Display Filter?
- Wie erkennt man einen TCP-Handshake?
- Was bedeutet SYN?
- Was bedeutet SYN-ACK?
- Was bedeutet ACK?
- Was bedeutet RST?
- Was bedeuten Retransmissions?
- Warum sieht man HTTPS-Inhalte nicht im Klartext?
- Was kann man im TLS-Handshake trotzdem erkennen?
- Was bedeutet NXDOMAIN?
- Wie erkennt man DHCP-Probleme im Mitschnitt?
- Warum ist der Mitschnittort wichtig?
- Warum sind Paketmitschnitte datenschutzrelevant?
Typische Prüfungsfallen
Display Filter ändern nicht die Aufnahme.
Capture Filter begrenzen die Aufnahme.
Was nicht aufgezeichnet wurde,
kann später nicht analysiert werden.
ip.addr zeigt Quelle oder Ziel.
ip.src zeigt nur Quelle.
ip.dst zeigt nur Ziel.
tcp.port und udp.port unterscheiden.
TCP 443 ist nicht UDP 443.
DNS kann UDP und TCP 53 nutzen.
TCP hat Handshake.
UDP hat keinen Handshake.
SYN startet Verbindung.
SYN-ACK ist Serverantwort.
ACK bestätigt.
RST ist aktive Ablehnung oder Abbruch.
Retransmission bedeutet erneutes Senden.
HTTPS-Inhalte sind verschlüsselt.
TLS-Handshake kann trotzdem Hinweise geben.
SNI zeigt gewünschten Hostnamen.
Wireshark-Warnungen sind Hinweise,
nicht automatisch Ursache.
Mitschnittort ist entscheidend.
PCAP-Dateien können sensible Daten enthalten.
Wichtige Begriffe kurz erklärt
| Begriff | Kurze Erklärung |
|---|---|
| Wireshark | grafisches Werkzeug zur Paketanalyse |
| Paketliste | Übersicht aller Pakete |
| Paketdetails | Protokollinformationen eines Pakets |
| Paketbytes | Rohdaten eines Pakets |
| Display Filter | Filter für Anzeige |
| Capture Filter | Filter für Aufnahme |
| ip.addr | IP-Adresse als Quelle oder Ziel |
| ip.src | Quell-IP-Adresse |
| ip.dst | Ziel-IP-Adresse |
| tcp.port | TCP-Port als Quelle oder Ziel |
| udp.port | UDP-Port als Quelle oder Ziel |
| SYN | TCP-Verbindungsstart |
| SYN-ACK | TCP-Antwort des Servers |
| ACK | Bestätigung |
| RST | Reset |
| Retransmission | erneutes Senden |
| Zero Window | Empfänger kann keine Daten aufnehmen |
| Dup ACK | doppelte Bestätigung |
| NXDOMAIN | DNS-Name existiert nicht |
| SNI | Hostname im TLS-Handshake |
| TLS Alert | TLS-Fehlermeldung |
| Follow TCP Stream | zusammenhängende TCP-Daten anzeigen |
| Conversations | Kommunikationsbeziehungen |
| Endpoints | beteiligte Systeme |
| Expert Information | Wireshark-Hinweise auf Auffälligkeiten |
IHK-sichere Kurzformulierung
Wireshark ist ein grafisches Werkzeug zur Analyse von Netzwerkpaketen. Mit Display Filtern kann man die Anzeige eines vorhandenen Mitschnitts eingrenzen, während Capture Filter bereits vor der Aufnahme festlegen, welche Pakete überhaupt aufgezeichnet werden. In Wireshark lassen sich unter anderem DNS-Anfragen, TCP-Handshakes, UDP-Kommunikation, ICMP-Meldungen, ARP, DHCP-Abläufe, TLS-Handshakes, Resets und Retransmissions erkennen. Bei HTTPS sind die Inhalte normalerweise verschlüsselt, aber Metadaten wie IP-Adressen, Ports, TLS-Handshake und häufig SNI können sichtbar sein. Paketmitschnitte müssen gezielt erstellt und datenschutzbewusst behandelt werden, da sie sensible Informationen enthalten können.
Merksätze
Wireshark zeigt Netzwerkpakete grafisch.
Erst Fragestellung,
dann Filter.
Paketliste zeigt Überblick.
Paketdetails zeigen Protokolle.
Paketbytes zeigen Rohdaten.
Display Filter begrenzen Anzeige.
Capture Filter begrenzen Aufnahme.
Was nicht aufgenommen wurde,
kann später nicht analysiert werden.
ip.addr = Quelle oder Ziel.
ip.src = Quelle.
ip.dst = Ziel.
tcp.port ist nicht udp.port.
TCP hat Handshake.
UDP hat keinen Handshake.
SYN startet Verbindung.
SYN-ACK antwortet.
ACK bestätigt.
RST beendet oder lehnt ab.
Retransmissions zeigen fehlende Bestätigungen.
DNS vor Verbindungsaufbau prüfen.
NXDOMAIN heißt:
Name existiert nicht.
DHCP-DORA ist im Mitschnitt sichtbar.
HTTPS schützt Inhalte.
TLS-Handshake liefert trotzdem Hinweise.
SNI zeigt gewünschten Hostnamen.
Follow TCP Stream hilft bei unverschlüsselten Protokollen.
Expert Information ist Hinweis,
nicht automatisch Ursache.
Mitschnittort entscheidet,
was sichtbar ist.
Mehrere Mitschnitte können Paketverluststellen zeigen.
PCAP-Dateien vertraulich behandeln.